„Fisheye“ war an Bord / Midnatsol 20.2.-3.3.2015

    • B-K-B
    • Midnatsol, 2.3.15 / Tag 11

      Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Erwartungskurve dieser Reise steil nach unten geht: Nach dem Frühstück gehen die Freunde in Trondheim von Bord, es findet bereits eine Infoveranstaltung für das Aus-Checken morgen in Bergen statt. Eine gewisse Melancholie beginnt sich über das Schiff zu legen.



      Auch wenn das Wetter sich heute bemüht und noch ein paar Sonnenstrahlen auf das Deck und die Landschaft schickt, bereits heute wirkt alles etwas träge und abschiedsschwer. Ich drehe noch einige Runden über das Schiff, fotografiere Natur, Wolken, Landschaft, Schiffsdetails, das Schiffsmodell, Mitreisende… Man möchte alle Erinnerungen festhalten und gleichzeitig nicht loslassen und beenden müssen.



      So lange hatte ich mich auf die Reise gefreut, und nach der kurzen Zeit soll sie schon zu Ende gehen!? Aber vielleicht ist das auch Absicht, dass diese Reise ganz langsam und sacht dem Ende zugeht.Auf der Hustadvika geht es wieder ein wenig mehr auf und ab im Wind; aber ich weiß natürlich, dass das was ich hier erlebe noch ganz human ist und nichts mit den Wellen bei Sturmstärke zu tun hat. Vorher am Nachmittag gab es noch einen Vortrag im Konferenzraum, es wurde Kristansund angefahren und nach der Hustadvika Molde und Alesund .



      Am frühen Abend habe ich unseren Reiseleitern eine Speicherkarte mit Bildern, auf denen sie drauf sind, gebracht, welche sie erfreut sofort auslasen und auf ihre Festplatte kopierten. Offenbar kommt das nicht so häufig vor, dass sie Bilder von Reisenden erhalten!



      Das Schiff marschiert unermüdlich gen Süden, der Abend an Deck ähnelt dem gestrigen was Himmel, Wolken und Wind angeht, und doch – morgen sind wir wieder in Bergen . Wie Schade!
    • Midnatsol, 3.3.15 / Tag 12

      Was sich gestern abzeichnete, setzt sich heute fort: Das Wetter ist regengrau wie am ersten Tag, der Kreis schließt sich also. Wir alle haben unsere Koffer bereits in den Treppenhäusern gestapelt und sitzen nun wie bestellt und nicht abgeholt in den Sesseln des Panoramasalons. Eswerden Rätsel gelöst, Bücher gelesen,man schlendert noch ein wenig hin und her. Doch raus auf das vernieselte Aussendeck will eigentlich keiner, abreisen eigentlich auch nicht. Die regengraue Aussicht kann auch nicht mehr so richtig begeistern. Am Besten wäre, das Schiff kehrt noch vor Bergen um und macht die Reise mit uns nochmal!



      Plötzlich eine Ansage über die Lautsprecher: Björn bittet mich, noch einmal zum Reiseleiter-Schalter zu kommen. Ok, irgendwas mit den Bildern, denke ich mir und überlasse meine Jacken und Taschen meinen Begleiterinnen, stapfe zum Reiseleiter. „Kapitän Klodiussen bittet dich auf die Brücke“ empfängt mich Björn und nimmt mich in Schlepptau. Persönliche Audienz beim Kapitän, ich bin ein wenig verdattert, aber natürlich erfreut, denn ich weiß das es nur noch in Ausnahmefällen erlaubt wird, die Brücke zu betreten. Herr Klodiussen begrüßt mich freundlich und bedankt sich für meinen Vortrag von vorgestern. Er erklärt mir ein wenig die Technik der Brücke und die Navigation, stellt mir die restliche Brückenbesatzung vor und unterhält sich eine Weile mit mir, natürlich teilweise auch über Fotografie. Meine Kamera liegt natürlich unten im Panoramasalon, daher gibt’s von diesem für mich denkwürdigen Ereignis keine Bilder, außer die in meinem Kopf.

      (Mein liebstes Bild!)

      Fast pünktlich kommt die Midnatsol nach fast 5000 Kilometern wieder in Bergen an.
      Wir verlassen das Schiff bei Regen und Schneematsch wie vor 12 Tagen. Björn und Timo verabschieden uns besonders herzlich erst oben an der Gangway, dann nochmals unten am Hauptausgang, dann nochmals im Bus. Ich mag die beiden und ihre freundlich-unbeschwerte Art!

      Am Flughafen will der Automat - man kann dort nur noch über Automaten seine Bordkarten bekommen - mein Flugticket nicht und erzählt mir stets, es sei ungültig. Meine Mitreisenden sind schon längst zu Fuß im Terminalgebäude verschwunden, ich versuche es beim zweiten, dritten und vierten Automaten, schließlich an einem Schalter. Die erste Dame müht sich mit dem PC, dann die zweite, dann kommt ein Herr dazu. Da muss ich dann doch wohl zurück zum Schiff und nochmals… leider nicht. Man erklärt mir, dass die Piloten der Fluglinie einen Streik angedroht hatten und daher alle Tickets storniert worden waren; als der Streik ausfiel ist meines wohl nicht wieder aktiviert worden. OK, also dann doch in den Flieger nach Kopenhagen, von dort nach Düsseldorf. Meine Frau holt mich am erleichtert ab, meine liebe Hundeprinzessin begrüßt mich mit einem freundlichen Gebell. Irgendwie ist es etwas unreal, jetzt wieder daheim zu sein: Schön zwar, es gibt viel zu erzählen und zu zeigen, und doch: Ich möchte wieder…

      Geschrieben mit einem freundlichen Gruß an meine Tischgenossinnen, besonders A…., den lieben anderen Mitreisenden, die Freunde, die daheim meine Reise an den Webcams und im Internet mitverfolgten und allen, die dies jetzt alles bis zum Ende gelesen haben!
      Klaus Fabritz

    • Hallo Fisheye,
      mir ist erst gestern Abend aufgefallen, dass Du Deinen Reisebericht vom März 2015 fortgesetzt hast. Ich habe ich ihn nochmals von Anfang an gelesen und konnte ich nicht mehr damit aufhören, obwohl es schon lange nach Mitternacht war. Danke für den kurzweiligen Bericht und die tollen Fotos. Es hat sich gelohnt, "Überstunden" zu machen. :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
      Viele Grüße
      Eva
    • Dein Bericht war toll! :P
      Deine Bilder Super! :P
      Du hat die Gefühle so gut in Worte gefast. Mir ging es auf meiner ersten Tour ganauso mir der Trollfjord 2003. Bis jetzt habe ich 9 Touren unternommen. Und eigendlich ist es immer noch so wie beim ersten mal. :)
      Viele Grüße Lisa :)
      Trolljord 22.3 bis 2.4.2015 :ilhr: