Mit MS Nordstjernen von Bergen zum Grunnlovskonvoi (10.07. bis 17.07.2014)

    • 2014
    • Mit MS Nordstjernen von Bergen zum Grunnlovskonvoi (10.07. bis 17.07.2014)

      Wie immer zu Beginn meiner Reiseberichte etwas mehr Text, aber wenn es los geht, kann ich Euch viele interessante Bilder versprechen und auch das eine oder andere Filmchen von der Fahrt

      Mit MS NORDSTJERNEN von Bergen zum Grunnlovskonvoi (10.07. bis 17.07.2014)

      Als Teilnehmer der Forever Young-Tour, also der letzten regulären Küstentour der MS NORDSTJERNEN im Dienst von Hurtigruten, haben Leonina und ich das Schicksal des Schiffes in den letzten zwei Jahren aufmerksam verfolgt. Schon früh gab es ja Anzeichen dafür, dass vielleicht wieder Touren entlang der Küste angeboten werden. Umso hellhöriger wurde ich, als im Frühjahr erste Meldungen im Forum auftauchten, dass auf der Website von Vestland Classic die ersten Touren auftauchten. Das klang alles sehr interessant, aber eigentlich hatte Leonina nach der Lofoten-Tour im März reklamiert, dass der nächste Urlaub auf jeden Fall und unter allen Umständen in den Süden gehen solle. Sie wolle endlich mal wieder Sonne und Meer und Wärme haben. Hm, wie soll das denn gehen ??? :S

      Immer mehr Touren tauchten auf der Website auf. Als dann eine Tour unter dem Titel "Grunnlovskonvoi" (also Verfassungskonvoi) auftauchte und das zu Kosten einer halben HR Tour im Winter, war meine Argumentationsstrategie gegenüber Leonina klar.

      (1) Dieser Schiffskonvoi im Oslofjord anlässlich des 200jährigen norwegischen Verfassungsjubiläums wird sicher ein einmaliges und besonderes Erlebnis sein. :thumbsup:
      (2) Die Nordstjernen, Leoninas Lieblingsschiff fährt wieder und wir sollten doch mal sehen wie es ihr geht. :girl_pinkglassesf:
      (3) Die Route von Bergen nach Oslo rund um das südliche Norwegen führt doch in den Süden. :pardon:
      (4) Südnorwegen kann - und ich war überzeugt wird auch - schön warm und sonnig sein während dieser Tour. :neo:

      Vor allem bei letzterem war Leonina extrem skeptisch (versehe ich gar nicht), willigte aber letztlich in die Umsetzung der Planung ein und beantragte ihren Urlaub entsprechend vom 09. bis 19.Juli. So konnten wir noch zwei Tage in Oslo anhängen.

      Also mal per E-mail Kontakt aufgenommen mit der deutschen Ansprechpartnerin von Vestland Classic. Zunächst dachten wir daran unsere Kabine von der Forever Young-Tour wieder zu nehmen, um sie mal als echte Außenkabine kennenzulernen. Im März 2012 war das Bullauge während der gesamten Tour verschlossen. Wäre auch kein Problem gewesen, jedoch bekomen wir eine andere Kabine empfohlen - die 227 hat 2 Bullaugen und soll sehr ruhig und auch etwas größer sein. Größer war gut, aber ruhig war am Ende in sofern egal, weil wir nur während einer Nacht nicht in einem Hafen gelegen haben. Aber dass wir zwei Bullaugen sollte durchaus vorteilhaft sein.

      Die Ansprechpartnerin wies uns freundlicherweise darauf hin, dass die Tour sehr norwegisch sein wird, also nur wenig Ausländer an Bord sein würden. Wir wären die ersten aus Deutschland, die Interesse geäußert hätten. Die Bordsprache wäre vermutlich weitestgehend Norwegisch und eine(n) Reiseleiter(in) im eigenlichen Sinne würde es auch nicht geben. Weiterhin sagte sie, dass man sich noch im Aufbau befände und dieses Jahr so etwas wie ein Probelauf sein soll und wir deshalb nicht maximale Perfektion erwarten sollten. Das war uns egal. Wenn wir was nicht verstehen, kann man fragen und wenn was nicht so funktioniert, wie man es erwartet, kann man das ansprechen.

      Das noch nicht alles eingespielt ist und mit typisch norwegischen Gelassenheit gehandhabt, konnten wir dann schon bei Buchungsbestätigung, Bezahlung und Reiseunterlagen erfahren. Ich glaube ich bin da viel zu ungeduldig gewesen, man hatte es nicht eilig... :) Irgendwann, so etwa eine Woche vor der Reise wussten wir dann auch, wann wir zur Abfahrt wohin kommen mussten. Aber Hotels und Flüge hatte ich natürlich bereits lange vorher nach Erhalt der vorläufigen Buchungsbestätigung getätigt.
      Flug als Gabelflug von Frankfurt direkt nach Bergen und zurück von Oslo. In Bergen haben wir ja eigentlich das Radisson Bryggen als Stammhotel, aber umgerechnet 250 EUR waren dann aber für eine Nacht doch arg üppig. Also diesmal das Thon Bryggen . Am Beginn der Reise kommt man vielleicht mit etwas weniger Komfort aus. In Oslo zwei Nächte im Rica Victoria, gelegen zwischen Rathaus und Storting - sehr zentral und recht günstig !!!

      Relativ kurzfristig erhielten Leonina und ich dann eine Einladung zur Feier des 18. Geburtstag unseres Patenkindes genau am letzten Urlaubstag. :ireful: Umbuchen des Fluges war nicht sinnvoll, aber ich hatte Glück, dass ich noch einen sehr günstigen One-Way-Flug am Tag vorher gefunden hatte. Die zweite Übernachtung in Oslo ließ sich kostenfrei stornieren. Was tut man nicht alles - sogar auf einen Tag Norwegen verzichten... :friends:

      Jetzt konnte es eigentlich losgehen. Bereits lange vor der Reise beobachtete ich die Wetterentwicklung in Südnorwegen :search: und je näher der Abreisetermin rückte, desto mehr zeichnete sich ab, dass es vielleicht ganz schön sein könnte. Aber was heißt das schon ? :pillepalle: In Norwegen gar nichts, das kann sich so schnell ändern. Kleidungstechnisch mussten wir also wie immer auf alles gefasst sein, wobei natürlich die ganz dicken Sachen zuhause bleiben konnten. Minusgrade waren nun vielleicht nicht zu erwarten... :ok:

      Die Koffer wiesen daher noch gewisse Reserven auf, sowohl im Stauraum, wie auch im Gewicht, 17 kg bei mir und 20 kg bei Leonina. Und auch das Handgepäck blieb im Rahmen. Das Packen war etwas schwierig, weil ja am Abend vor der Abreise das erste WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien stattfand. Aber irgendwie klappte auch das sogar so, dass wir nichts verpassten von dem tollen Spiel.

      Weil wir am Abreisetag nochmal kurz bei Leoninas Mutter reinschauen wollten, hatte ich den Nachmittagsflug nach Bergen gebucht. Und damit sind wir ja beinahe schon mitten drin im Reisebericht...

      Aber den muss ich erst noch schreiben. :D
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil

    • Naja, ich glaube ich erzähle nicht wirklich was überraschendes, wenn ich sage, dass beide Koffer auf der Rückreise am 21 kg Limit gekratzt haben und auch zumindest Leoninas Handgepäck sich schwer war, dass sie das Tragen lieber mir überlassen hat. Sie hat ja so schon genug mit ihrer Handtasche zu tun. :)

      Und da ihr so lieb drängelt, will ich mal loslegen:

      09.07.2014 Anreise nach Bergen

      Schnell noch ein paar Sachen für Leoninas Mutter eingekauft und vorbeigebracht. Nicht leicht, das alles planmäßig durchzuführen, damit wir auch sicher rechtzeitig am Flughafen sind. Aber es hat alles geklappt und wir waren mit reichlich Vorlauf am Flughafen. Check-in hatte ich bereits am Vortag gemacht, Leonina wie immer ein Gangplatz, aber für mich ausnahmsweise ein Fenstersitz an Backbord - und nicht in der letzten Reihe (nicht war, Cetraria ;) ). Das Wetter sollte den ganzen Flug über schön sein, da sollte doch ein Blick auf Bergen aus der Luft auch drin sein.
      Zum ersten Mal habe ich die Koffer an einem Self-Service Drop aufgegeben. Leonina sind die Dinger ja sowieso suspekt, ich fand es OK... Aber schon ziemlich unpersönlich.

      Und schon auf dem Weg zur Security gab es einen unplanmäßigen Aufenthalt. Leoninas eine Sandale gab ihren Geist auf und so musste dringend Ersatz her. Der war schnell gefunden und so ging's weiter. Das übliche Gekasper am der Security, aber kein nennenswerter Aufenthalt. Wie immer musste Leonina noch das Shopangebot auf dem Weg zum Gate einer genauen Überprüfung unterziehen. Und so war die Wartezeit am Gate nur noch recht kurz.

      Der Flieger war dann schon recht gut gefüllt, aber auf den Platz zwischen uns hat sich niemand mehr eingecheckt - sehr komfortabel. :thumbsup:

      Der ruhige Flug führte auf direktem Weg über die Emsmündung und Helgoland - für das ich aber auf der falschen Seite saß - zur norwegischen Küste und dann an derselben entlang Richtung Bergen . Die Wolken waren aufgelockert und so boten sich unten immer wieder schöne Blicke auf die Inselwelt Norwegens. Wie erhofft bot sich mir beim Anflug auf Flesland der Blick über Bergen . :D



      An der Gepäckausgabe war die Hölle los, die zwei Gepäckbänder waren heillos überlastet. Aber irgendwann kamen unsere Koffer, sehr zur Erleichterung von Leonina, dass das eigenhändige Einchecken geklappt hat. Mit Flybussen bis zur Endhaltestelle und um die Ecke zum Thon Bryggen . Erste Einschätzung - ganz nett mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Nur die Klimaanlage vom Bürogebäude nebenan war ziemlich laut, weil wir in Ermanglung einer solchen Klimaanlage das Fenster offen lassen mussten. Ohne langen Aufenthalt ging es wieder nach draußen für einen Rundgang um zum Fischmarkt für die Abfahrt des HR-Schiffes war es schon zu spät, außer dem wollten wir vor dem zweiten WM-Halbfinale noch etwas essen.



      Es waren sommerliche 27 Grad in Bergen , kurze Hosen und T-Shirts dominierten und es gelang uns gerade so, noch einen Tisch bei Egon's draußen zu ergattern. Herrlich !!! Für das Fußballspiel hatten wir uns bereits das Irish Pub schräg gegenüber ausgeguckt und waren so zeitig hingegangen, dass wir Sitzplätze mit perfekter Sicht auf den großen Monitor hattten. Das Spiel war ja bekanntlich nicht das Gelbe vom Ei. Aber es war lang und spannend und mit 11-Meter-Schießen. In den Pausen schlüpfte ich immer mal wieder nach draußen, um die hereinbrechende Nacht in mich aufzunehmen und auch fotografisch zu dokumentieren. Selbst um 1 Uhr, als das Spiel zu Ende war, war es im Nordwesten immer noch ein bisschen hell.



      Während des Spiels war zwischenzeitlich auch die MS NORDSTJERNEN in Bergen eingetroffen. Sie konnte wohl nicht anders, als ihren altangestammten Platz am Hurtigrutenkai einzunehmen. Und weil beinahe eine tropische Nacht war in Bergen - wie gesagt nachts um 1 Uhr -, beschlossen wir, ihr noch einen nächtlichen Besuch abzustatten. Schön sah sie aus. Alles immer noch frisch renoviert und gestrichen und - bis auf den Schornstein - ganz so wie vor zwei Jahren.



      Über Nordnes ging es hinüber an den Vågen. An der Håkonshalle lag eine toll beleuchtete Kreuzfahrtyacht und dahinter ein Katamaran mit einem riesig hohen Mast. Und auch die alte STORD I lag da ganz noch friedlich - die sollten wir in der nächsten Woche dann auf dem Konvoi in Oslo wieder treffen.



      Mittlerweile war es 2 Uhr geworden und immer noch - oder besser schon wieder - war Richtung Norden ein schwacher Tageslichtschein zu sehen...



      Vor allem Leonina fiel nun todmüde ins Bett, hatte sie doch die letzte Nacht mehr oder weniger komplett dem Kofferpacken geopfert... Aber nicht ohne den Schlachtplan für den nächsten Tag festgelegt zu haben...


      UBRIGENS - ganz toll - ich sehe gerade, dass die Bildvorschau nun das Bildformat wiedergibt, Querformat, Hochformat... :thumbsup: :thumbsup:
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Capricorn“ ()

    • Hallo Alfred,

      besonders die letzte Nachtaufnahmen wirkt sehr friedvoll.
      Ich geh dann gerne mit euch weiter auf die Reise und bin gespannt wie es weiter geht.

      Grüße
      Barbara
      LG Barbara
      :ilhr:
      Nordnorge B-K-B (August 2011 und Juli 2012) B-K-B | Trollfjord B-K-B (April 2014 und Oktober 2015)
    • Capricorn schrieb:

      ich sehe gerade, dass die Bildvorschau nun das Bildformat wiedergibt

      Letzte Woche haben Wuppi und ich die Funktion im Adminbereich wieder entdeckt. Ist vermutlich mit dem letzten Versionsupdate wieder hinzugekommen. Im Supportforum des Forenherstellers sind die Bilder jetzt auch wieder im richtigen Format zu sehen. Da hätte ich vielleicht öfters mal vorbei gucken sollen. :gr-squint:
    • Und weiter geht es....

      10.07.2014 Bergen - Bekkjarvik (Teil 1)

      Ah ja, heute sollten wir endlich wieder auf unsere geliebte Nordstjernen kommen !!!

      Aber langsam - Abfahrt war für 14:00 h terminiert und Boarding ging auch erst ab 12:00 h. Ich hatte ja einen Schlachtplan erwähnt, und der galt für den Morgen:

      Als erstes Aufstehen und Koffer zurechtstellen, die wir ohnehin nicht ausgepackt hatten, sondern nur das Allerwichtigste rausgezogen hatten. Vor allem dünne Sommerklamotten !! Denn in Bergen versprach es heute ein wunderbar sonniger Sommertag zu werden.

      Zweiter Programmpunkt: Frühstück. Offenbar hatten wir genau den Augenblick erwischt, zu dem das ganze Hotel frühstücken wollte. Mit Müh und Not ergatterten wir einen Tisch. Die Servicekräfte kamen kaum nach, die Platten im Buffet nachzulegen... Weil gleich mehrere Busladungen nicht nur frühstückten, sondern sich auch gleich noch ein Lunchpaket zurecht machten, war das Buffet doch arg geplündert. Nach frischen Waffeln haben wir gar nicht erst Ausschau gehalten. Die Schlange hätte bestimmt bis auf die Straße raus gestanden.

      Dritter Programmpunkt: Leonina wollte unbedingt noch den Schal zu einem Kleid haben, welches sie im März erstanden hatte. Der Oleana-Shop machte erst um 10 auf, aber sie probierte es vorher noch in einem anderen Laden, der schon offen hatte und wurde auch fündig. Und - nein !!! - ich wollte keine Norweger-Jacke. ^^

      Die gesparte Zeit verschaffte uns ein Zeitpolster für Programmpunkt 4: Das Lepramuseum. Das hat regelmäßig nur im Sommer geöffnet und da wir außer beim ersten Mal immer im März in Bergen waren, hatte ich nie eine Chance, das zu sehen zu bekommen. Auf dem Weg dorthin ein kurzer Abstecher in die Domkirche und auch für einen Abstecher zum Lille Lungegårdsvannet, dem Stadtteich, hatten wir noch Zeit.



      Überpünktlich waren wir dann am Lepramuseum St. Jørgens Hospital. Noch war alles verschlossen und der Hof lag einsam in der Sonne. Der Rosenstock blühte über und über.



      Kurz vor Öffnung kam aus der Tür hinter dem Rosenbusch eine junge Frau heraus, die das Museum gegenüber öffnete und uns die übersetzten Erläuterungen zu der Ausstellung anbot. Viel Text, den wir in der Kürze der Zeit kaum verarbeiten konnten. Das Museum interessierte mich deshalb so besonders, weil Lepra ja eigentliche eine Krankheit ist, die man mit Dritte-Welt-Ländern in Verbindung bringt. Umso überraschender finde ich, dass Lepra auch in Norwegen noch bis ins 20. Jahrhundert vorkam. Die letzten Insassen des Lepra-Hospitals verstarben erst in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts !! Das Museum zeigt das originale Hospital mit hergerichteten Zweibettzellen, kam großer als vielleicht 5 bis 6 Quadratmeter und alle auf 2 Etagen angrenzend an den großen Gemeinschaftssaal - eine sehr beklemmende Szenerie.



      Einzelschicksale und Bilder von Kranken und vom Leben im Hospital wurden gezeigt. Lepra ist eine schrecklich entstellende Krankheit.

      Der heute sonnendurchflutete Kräutergarten holte uns wieder in die Wirklichkeit zurück.





      Wer immer die Möglichkeit hat, sich das mal anzusehen, sollte es sich nicht entgehen lassen. Ein gutes Stündchen reicht allemal aus.

      Und bei uns musste es das auch. Check-Out im Hotel war um 12:00 Uhr. Also ging es im besten Hurtigruten-Eilschritt zurück zu Bryggen .



      Ausgecheckt, ein Taxi gekapert und nichts wie los zum Hurtigrutenkai - die MS NORDSTJERNEN wartete auf uns !!!
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil

    • Jaja, Effemuc, micht drängeln !!! Und nein, Sorgen brauchst Du Dir keine zu machen...

      10.07.2014 Bergen - Bekkjarvik (Teil 2)

      Am Terminal angekommen, herrschte erst einmal Verwirrung. Der Hurtigruten-Desk war bereits besetzt und die neuen Passagiere der Trollfjord checkten bereits ein. Aber an wen sollten wir uns wenden. Nachfragen ergaben, dass niemand von Vestland Classic da wäre und wohl auch erst um 13:00 h jemand käme. Die Dame am Check-in von HR schrieb sogar einen entsprechenden Zettel und hängte ihn auf.

      Irgendwie konnte ich das nicht glauben und lief mal an das Ende des Gepäckbandes, wo der Durchgang ist, durch den wir erst im März nach der Lofoten-Tour gegangen waren. Dort war offen und die Nordstjernen lag mit bereitgestellter Gangway am Kai, Leute von der Besatzung am Kai winkten uns eifrig herbei.



      Selbstverständlich machten wir sie auf die "Aktivitäten" am Check-In-Schalter aufmerksam und enterten dann das Schiff. Alles wirkte so heimelig, wie wir es vor gut 2 Jahren verlassen hatten. An der Rezeption erhielten wir unseren Kabinenschlüssel und den Fahrplan mit Ankunfts- und Abfahrtszeiten in den Häfen. Die Sicherheitsunterweisung bestand aus dem Hinweis auf das Notizblatt an der eigenen Kabinentür.



      Das Gepäck abgelegt und gleich mal einen Rundgang durch das Schiff. Alles wie neu und wunderbar restauriert. Da ist einem Menge Geld reingesteckt worden....sehr gelungen für meine Begriffe. Ich sah mich mal etwas an Deck um, während Leonina nochmal loszog, um ein paar Getränkevorräte anzulegen, nachdem sie den Bordshop (T-Shirts und Kappen) mehr oder weniger sofort gestürmt hatte. Auf dem Flaggdeck standen gemütliche Deck Chairs und auf dem Oberdeck weitere Stühle, die von den ankommenden Passagieren umgehend mit Beschlag belegt wurden. Der Barmann hatte von Anfang an gut zu tun mit dem Ausschenken von Bier und Wein und das sollte sich die ganze Reise über nicht ändern.



      Im Hafen war ordentlich Bewegung, erst kam die Bergensfjord, dann fuhr die Speedfähre ab und schließlich rückte die MS TROLLFJORD an. Eine dreiviertel Stunde zu früh. Das Hornsignal klang fast drängend. "Was machst Du denn noch hier ? Du hast hier doch eigentlich nichts mehr zu suchen. Mach Dich auf Deinen Weg !!!" Und das obwohl sie (die Trollfjord) eigentlich viel zu früh war.



      Aber MS NORDSTJERNEN war fertig zu Abfahrt - und los ging es. Das Wetter war geradezu genial, sommerlich warm. Auf dem Flaggdeck wurden die ersten Oberkörper freigelegt und Arme und Hosenbeine hochgekrempelt. Langsam glitt das Schiff rückwärts weg vom Kai, drehte langsam im Puddefjord. Die Trollfjord tutete zum Abschied, und so fuhr die MS NORDSTJERNEN wieder - oder um Clerence's Signaturspruch abzuwandeln:

      MS NORDSTJERNEN seiler videre !!! Und das, wie man sieht, immer noch unter der Postflagge !!



      Begleitet von Möwen ging es Richtung Askøybrua...auf die Tour in eine ungewohnte Richtung. Naja, für mich nicht völlig ungewohnt, bin ich doch im Januar die Strecke nach Oslo mit der MS TROLLFJORD erst gefahren. Allerdings unter völlig anderen Wetterbedingungen...



      Es mag die wenigsten, die mich kennen, verwundern - mein Lieblingsplatz war die Nock und wie schon die Erfahrung der Ausfahrt zeigte, würden wir hier auch selten Platzmangel haben. Kapitän und Erster Offizier hatten die Ausfahrt gemeinsam durchgeführt. Der Erste war für die Ansagen zuständig und übernahm im Nebenjob sozusagen die Funktion des Reiseleiters. Am ersten Tag machte er die Ansagen noch auf Norwegisch, Englisch und Deutsch. Das verlor sich aber bereits am zweiten Tag - ab dann gab es die Ansagen nur noch auf Norwegisch. Das war aber insofern nicht schlimm, weil wir auf der Nock unmittelbar an der Informationsquelle waren und immer nachfragen konnten, wenn wir etwas nicht mitbekommen hatten. Warum extra für uns bei den Ansagen eine Extrawurst, schließlich waren wir auf den ersten Etappen (bis Stavanger) die einzigen Ausländer an Bord.

      Der Erste war auch für die gute Stimmung an Bord zuständig, etwas was ihm offensichtlich im Blut lag. Kaum hatte er Luft, kam er raus auf die Nock und stellte sich vor. Ein echtes Original: Arvid Otto Sildenskiold Mørch, der Sildakongen (Heringskönig). Wer sich ein Bilder machen möchte: www.sildogkultur.no. Immer für ein nettes Wort zu haben, oder auch bereitwillig einen Schwank aus seinem Leben erzählend und offensichtlich auf der Suche nach einer (deutschen) Frau. Das Anforderungsprofil hatte es allerdings in sich. Eigentlich soll sie alles können, außer Bergsteigen und Kochen - wie wir im Laufe der Reise lernen sollten. :D

      Auf den Vordeck waren übrigens einige Boote vertäut, offensichtlich sollten diese zum Kystkulturfestival in Oslo mit genommen werden. Das Boot mit dem grünen Aufbau war eine Replik des Bootes "Enigheden", das die fünf Bergenser Eidsvollmennene 1814 von Bergen nach Lærdalsøyri gebracht hat, von wo aus sie auf dem Landweg weiter nach Eidsvoll zur verfassungsgebenden Versammlung reisten, siehe hier und die dort enthaltenen Links. 122 nautische Meilen mit einem Ruder-/Segelboot in 4 Tagen...



      Unser erstes Etappenziel hieß Bekkjarvik, geplante Ankunft ca. 17:00 Uhr....
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil

    • Ich denke, dass hat mit ihrem Status unter dem Schutz von Riksantikvaren zu tun. Einfach aufgrund ihres Status als (ehemaliges) Schiff der Postschifflinie...
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil

    • Nachdem ich diese Woche mal wieder geschäftlich in Norwegen gewesen bin - supertolles Wetter, sonnige 25° - will ich mal den Reisebericht fortsetzen.

      10.07.2014 Bergen - Bekkjarvik (Teil 3)

      Gemütlich ging es Richtung Askøybrua und drunter hindurch. Anschließend wandte sich das Schiff leider nicht Richtung Norden, sondern nach Süden unter der Sotrabrua hindurch. Es war richtig warm, weil das Schiff recht langsam fuhr, so dass nicht einmal Fahrtwind aufkam. Vatlestraumenfyr, vorbei am Flughafen Flesland.



      Von hinten kam zügig die MS BERGENSFJORD und passierte uns. In der Ferne auf dem Festland war der mächtige Schild des Folgefonna-Gletschers, des drittgrößten und gleichzeitig südlichsten Gletschers Norwegens.



      Danach verließ die MS NORDSTJERNEN die Hauptschifffahrtsrouten und fuhr von Norden her in den Austevoll-Archipel hinein. Kleine Inselchen en masse, überall kleine Hütten, Boote auf dem Wasser - es ist Ferienzeit in Norwegen. Das Wasser spiegelglatt, Windstärke 0 in Böen 1. Es gab bloß keine Böen (sorry, Jim Knopf, ich musste das hier bringen :) ).



      Die nächste Brückendurchfahrt unter der Austevollbrua hindurch mitten hinein in den Archipel. Auf der anderen Seite des Archipels unter der Bekkjarviksundbrua wieder hinaus und um die Ecke herum lag Bekkjarvik, ein kleiner geschützter Hafen mit einer großen neu angelegten Marina.



      Zentrum des Ortes ein kleines Einkaufszentrum, der innere alte Hafen mit einem alten Segelschiff, welches dringend etwas Aufarbeitung benötigt, und die Bekkjarvik Gjestgiveri, ein historisches Gasthaus aus dem 17. Jh., Errichtet, nachdem der dänische König Christian IV im 16. Jh. befohlen hatte, entlang der Küstenschifffahrtsroute in Tages- und Halbtagsreiseabständen Herbergen einzurichten.



      Weil es auf der gerade zurückgelegten Etappe auf dem Schiff extrem warm war, war Leonina besonders an dem Einkafszetrm interessiert. Sie hatte zwar einen großen Koffer Klamotten mitgebracht, für alle klimatischen Anforderungen. Aber dass ich ihr gesagt hatte, dass es schön warm wird, hat sie einfach nicht geglaubt. Demzufolge hatte sie alles dabei, außer kurzen Hosen. Die mussten nun für teuer Geld nachgekauft werden... Nach einem ersten Rundgang gab es zunächst Abendessen. Aber der Abend war lang und lange hell, also machten wir noch einen Spaziergang hinauf zur Bekkjarviksundbrua, da man vom Ort aus (er liegt geschützt nach Südosten gewandt auf der Insel Selbjørn) die Sonne und deren Untergang nicht sehen kann. Man kann es nicht anders sagen, der Weg hat sich gelohnt. :thumbup:



      Leonina entschied sich nach der Rückkehr für die Koje. Ich richtete es mir auf dem Flaggdeck mit dem Computer gemütlich ein, um noch etwas Datensicherung zu betreiben und die E-mails durchzusehen. Selbst um Mitternacht war es noch einigermaßen hell und hervorragend ohne Jacke auszuhalten.



      Und dann war es auch für mich Zeit für die Koje...
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX Verweise auf Reiseberichte im Profil

    • Hallo Alfred,

      danke für den tollen Reisebericht! Achja, mal bei schönem Wetter die Südstrecke zu fahren könnte sich ja glatt lohnen, wenn ich mir deine tollen Fotos und Filme anschaue ^^

      Spezieller Dank auch für den Bericht zum Lepramuseum - ich wollte da immer schon mal rein, aber da wir ja immer im Winter dort waren hatten wir nie eine Chance. So habe ich aber nun doch mal einen Eindruck gewinnen können!

      Freue mich schon darauf die nächste Etappe zu lesen!!!