Morten Hansens vernichtendes Urteil

    • Morten Hansens vernichtendes Urteil

      Der "Verrückt nach Meer"-Kapitän Morten Hansen hat den kürzlichen Anlauf der ARTANIA in seiner Geburtsstadt Tromsø nicht nur für ein Klassentreffen an Bord genutzt, sondern auch scharfe Kritik an der stiefmütterlichen Behandlung der Kreuzfahrtpassagiere im "Paris des Nordens" geübt.

      Ein Anlauf koste sein Schiff Alles in Allem mehrere hunderttausend Kronen für Lotsen, Liegegeld, Umwelt- und Passagierabgaben, doch die Gegenleistung, die man dafür bekomme, stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, so der Vierundfünzigjährige. Breivika sei aufgrund seiner industriellen Prägung keine Umgebung, um seine Gäste zu begrüßen und liege weit abgeschlagen hinter anderen norwegischen Kreuzfahrthäfen. Das liege insbesondere daran, dass es dort keine feste Infrastruktur für die Gäste und Besatzungen gäbe. Lediglich ein schäbiges Zelt, in dem Souvenirs verkauft würden, sei aufgestellt worden. Besonders ärgerlich sei das für seine Besatzung, so Hansen. An Bord der ARTANIA arbeiten fast 600 Personen aus über 30 Ländern, die die Liegezeiten gerne für Anrufe oder e-Mails nach Hause benutzten, aber in Breivika gäbe es nicht einmal eine Telefonzelle, von W-LAN ganz zu schweigen.

      Bezüglich des Transports in das Stadtzentrum wirft Kapitän Hansen der Stadt Tromsø sogar Wortbruch vor: Ursprünglich habe es die Zusage gegeben, dass die Shuttlebusse von Breivika ins Zentrum kostenlos sein sollten, inzwischen berechne die Stadt aber pro Anlauf zwischen 10.000 und 15.000 Kronen dafür. Und auch die Alternative des Fußmarsches in die Stadt und/oder zurück sei nicht von ohne, so Hansen, denn die Wege seien schlecht ausgeschildert und in keinem einladenden Zustand. Er fürchte deshalb langfristige Konsequenzen für die Attraktivität von Tromsø als Kreuzfahrtdestination, obschon Stadt und Umland viel böten.

      Randi Thørring, die Vizechefin von Tromsø Havn, reagierte indes überrascht auf Hansens Kritik und verteidigte die Routinen bei Kreuzfahrtanläufen. Man begrüße jeden Erstanläufer besonders und habe in diesem Jahr auch noch keine Kritik von anderen Schiffen gegeben. Dass der Gratisbus in die Stadt eingestellt worden sei, sei zwar richtig, so Thørring, es habe sich aber ohnehin nur für ein auf ein Jahr angelegtes Testprojekt gehandelt, das sich letztendlich als für die Kommune zu teuer erwiesen habe. Aber natürlich sei jede Kritik willkommen und werde ernstgenommen.

      So ganz alleine scheint Morten Hansen mit seiner Kritik nicht zu stehen, denn vor gut zwei Wochen ging ein Brief von ob des stiefmütterlichen Empfangs, den Tromsø Kreuzfahrtgästen böte, enttäuschten australischen Passagieren der MSC MAGNIFICA im Rathaus der Stadt ein...
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • So sehr ich das Land und seine atemberaubende natur seit über 40 Jahren liebe, die Einwohner sind eiserne Individualisten, und das ist auch gut so. Trotzdem erinnere ich mich an Kommentare über deutsche Urlauber: "they are everywhere around here..."; Norwegen war arm, und geld "stinkt" nicht! Sie sind das reichste Land weltweit, lassen sich nicht in die Karten gucken und machen ihr Ding. Das dabei der Geirangerfjord und manches andere Schaden nimmt, abgesehen von massivem Strassen-/Tunnelbau etc., interessiert nicht. Ich kann nur hoffen, dass die Balance zwischen Natur und Wirtschaftlichkeit ausgeglichen bleibt...