Aus für Vardøhus Festning?

    • Aus für Vardøhus Festning?

      Die Zeiten von Vardøhus festning als Militärstützpunkt scheinen gezählt zu sein, denn das Verteidigungsministerium in Oslo plant, die verbliebenen vier Wehrpflichtigen aus der seit 700 Jahren in dem Eismeerort bestehenden Anlage abzuziehen. Aus Protest hat inzwischen auch die seit 2011 amtierende Festungskommandantin Major Elisabeth Eikeland um ihren Abschied von ihrem Posten in Vardø gebeten. Als Begründung soll sie angegeben haben, dass die Streitkräfte Vardøhus vorsätzlich verfallen ließen; so habe während ihrer gesamten Dienstzeit kein Zugriff auf das Intranet der Streitkräfte bestanden und ihr Dienstsitz, kommandantboligen, sei dringend sanierungsbedürftig und in seinem jetzigen Zustand nicht als für Menschen geeignete Unterkunft zu bezeichnen.

      Die auf Vardøhus stationierten Soldaten unterstehen der Abteilung für Kultur und Tradition der norwegischen Streikräfte und nehmen wichtige Unterhalts-, Wach- und Brandschutzaufgaben wahr. Die Kosten dafür belaufen sich auf 330.000 Kronen (ca. € 40.000,-) pro Jahr, und diese sollen nun eingespart werden. Dafür, so die Kommandantin, die für Rückfragen nicht erreichbar war, könne sie nicht einstehen.

      In Vardø ist man über die Pläne aus Oslo empört. Turid W. Ramleth vom Freundeskreis Vardøhus festnings venner erinnert an frühere Versuche, die Kommandantenstellung zu streichen und die Salutgeschütze abzuziehen. Wenn nun die Soldaten abzögen, dann könne man wirklich nicht sagen, was der nächste Schritt werde. Man werde, so Ramleth, nun für den Erhalt der nördlichsten und östlichsten Festung des Königreichs kämpfen.
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    • Heute haben gut 300 Bürger aus Vardø gegen die Pläne des Verteidigungsministeriums, Vardøhus festning nicht länger als Militäranlage zu halten, protestiert. Unter anderem Bildeten sie eine Menschenkette um das Festungswerk und sangen Lieder. Auch wenn sie nicht sehr groß und stark sei, so Turid Ramleth vom Festungs-Freundeskreis in einer Ansprache, sei die Festung doch von großer historischer Bedeutung, denn ohne sie wären Vardø und die ganze Ostfinnmark heutzutage wohl kaum norwegisch.
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    • Rettung für Vardøhus festning?

      John Einar Hynaas, der Chef der Abteilung Kultur und Tradition der Streikräfte, hat eine mögliche Lösung für den Fortbestand der Festung Vardøhus als Militärstützpunkt angedeutet: Die Besatzung der Festung in Vardø könnte auf die Heimwehr übergehen, die Verantwortung für die Ausbildung der Besatzung durch Garnisonen i Sør-Varanger in Høybuktmoen bei Kirkenes übernommen werden.

      Gleichzeitig verwahrte er sich gegen die Aussagen, der Abzug der Armee aus Vardøhus festning sei bereits beschlossene Sache. Vielmehr untersuche man, wie man die Ausbildung und den Dienst der Soldaten in Vardø effektiver gestalten könne. Ein Resultat dieser Überprüfung könnte dann aber in der Tat der Abzug aus der historisch bedeutenden Festung sein, aber nur dann, wenn in der Ausbildungsfrage keine befriedigende Lösung gefunden werden könne.

      Die Vorsitzende von Vardøhus festnings venner, Turid Ramleth, sagte nun, sie hoffe, die Streitkräfte täten ihr Bestmögliches, um die Ausbildungs- und Besatzungsfrage in Vardø im Sinne aller Beteiligten zu lösen. Der Freundeskreis hatte Anfang des Monats diverse Protestaktionen gegen einen Abzug der Soldaten aus Vardøhus durchgeführt.
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    • Einen weiteren Vorschlag zum Erhalt von Vardøhus festning als Militärstützpunkt hat jetzt der Fylketingsabgeordnete Remi Strand gemacht. Er hält es für sinnvoll, der Festung keine dauerhafte Bemannung mehr zuzuteilen, sondern für jeweils 30 Tage Soldaten aus dem normalen Dienst der Sør-Vananger-Garnison nach Vardø zu detachieren. Damit könnte verhindert werden, dass die Besatzung des 700 Jahre alten, für die Geschichte der norwegischen Herrschaft in Finnmarken bedeutende Forts nicht wie bisher in aller Regel üblich nur einfache Wach- und Touristenführerdienste versieht, sondern vor allem den normalen Truppendienst, der in Sør-Varanger v.a. aus der Grenzwache besteht, die in der eigentlichen Grenzzone auch den Polizeidienst umfasst.

      Damit könnte der Forderung von Verteidigungsministerin Ine M. Eriksen, dass die Vardø-Soldaten besser ausgebildet werden müssten, als es der Mini-Standort ermögliche, umgesetzt werden. Der Vorschlag soll nun vom Stortingsabgeordneten Kåre Simensen in Oslo vorgetragen werden. Mal sehen, wie er dort aufgenommen wird...
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    • Diese Fort, dieser Standort mit einem Major als Kommandanten und vier Wehrpflichtigen als Besatzung besitzt doch keinerlei militärische und grenzpolizeiliche Bedutung und deshalb machen Stationierung und Unterhalt militärisch keinen Sinn.

      Für den Kommandanten ist solch ein Posten wenig karrierefördernd, für die miltärische Ausbildung der wehrpflichtigen Soldaten sinnlos. Dafür braucht niemand Wehrpflicht zu leisten. Natürlich hat solch ein Posten ausserhalb des normalen militärischen Betriebes einer Einheit einen eigenen Reiz, besonders falls man in der Gegend auch sonst lebt.

      Das Fort aus Tradition und für den Tourismus zu unterhalten und zu besetzen, es ist nicht Aufgabe des Verteidungsministerium, die Kosten dafür können und dürfen nicht aus dessen Haushalt gedeckt werden. Ich denke, die Kommune wird sich wohl selbst um Unterhalt und Betrieb kümmern müssen. Die Abgeordnete steht natürlich unter einem Druck ihres Wahlkreises.
    • Großeinpacken in der Festung

      Die Kanonen sind nun von den Wällen von Vardøhus festning verschwunden - nach den Diskussionen dieses Jahres eigentlich eine Schreckensmeldung für den Ort, doch die Einwohner reagierten ruhig darauf, denn das sind sie ja gewöhnt.

      Letzten Dienstag wurde Norwegens symbolträchtigster Militärstützpunkt, der übrigens niemals eine besondere militärische Stärke besessen hat, winterfest gemacht, und dabei verschwinden eben auch die noch funktionstüchtigen Kanonen von den Wällen der Anlage. Auch sonst wurde dafür gesorgt, dass die Winterstürme, Frost und Schneefall so wenig schaden wie möglich anrichten können. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr dabei Rogna, der berühmte "einzigste Baum" in der Gegend um Vardø . Der jetzige Festungsbaum, 2003 am Eingang zum Kommandantenhaus gepflanzt, hatte sich im Sommer gut entwickelt und fast einen halben Meter an Größe zugelegt; nun wurde Rogna von Festungskommandant Major Tor Arild Melby und seinen Wehrpflichtigen gut gegen Kälte und Salzwasser, das die Winterstürme bis in die Festung tragen, verpackt. Bis nächsten Juni bleibt das Gewächs eingemummelt, dann hat Melby schon eine Verabredung mit den Lütten aus der örtlichen Schule, die traditionell beim Auspacken helfen.

      Es ist also nicht die Schließung von Vardøhus gewesen, sondern ein ganz normaler Vorgang...

      Ganz normal?

      Nicht ganz, denn dieses Jahr war Lisa Andreassen Hagir von NRK mit einem Kamerateam zugegen, um die Arbeiten für die Sendung Norge Rundt zu filmen. Das Ergebnis soll heute Abend auf NRK1 über die Bildschirme laufen und auch online zu sehen sein. Ob aber auch außerhalb Norwegens ist wie immer die große Preisfrage... ;)
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