Skandinavien 2014 - eine Reise mit vielen Erinnerungen und neuen Zielen

    • 2014
    • Sonntag, 1. Juni

      Die dicken Wolken am Himmel versprechen nichts Gutes, und wirklich, nach dem Frühstück (wir haben uns jetzt auf Müsli verlegt, weil es in den nächsten Hütten keine Möglichkeit zum Brötchenbacken gibt) und dem Einräumen ins Auto beginnt ein leichter Sprühregen, der sich dann zu einem ausgewachsenen Landregen ausweitet. In Sodankylä haben wir unseren ersten Stopp geplant, um eine der ältesten Holzkirchen Finnlands zu betrachten. Der Regen macht gerade eine Pause, die Gottesdienstteilnehmer (man kann sie an zehn Fingern abzählen) kommen aus dem Gottesdienst in der neuen Steinkirche.



      Wir wandern aber über den Friedhof zur alten Holzkirche, die 1689 errichtet wurde. Leider ist die Kirche geschlossen, aber ich lese im Reiseführer, dass der Innenraum von einem gezimmerten Tonnengewölbe aus dem Jahr 1703 überspannt wird und Altar und Kanzel der Kirche in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben seien. Die in Blockbauweise errichtete Kirche ist eine Stützpfeilerkirche mit rechteckigem Grundriss. An der Nordseite des heute turmlosen Baus ist eine Sakristei angebaut. Der Turm wurde nach der Errichtung der Steinkirche abgerissen. Die alte Kirche blieb im Lapplandkrieg unversehrt und wurde zuletzt 1980 restauriert.



      Anschließend schauen wir noch nach der Statue „der Lappe und das Rentier“, das hinter der Touristinfo im Stadtpark steht.



      Wir trinken noch bei der Tankstelle einen Kaffee; der Raum ist gut besucht, denn hier gibt es Spielautomaten und alle sind besetzt, sogar eine alte Frau sitzt daran.

      Mittagspause machen wir bei einer Raststätte mit Samihütten und -Andenken, wir essen unsere Salamibrötchen, die ich noch morgens gerichtet habe. Natürlich nutze ich die Gelegenheit, mal durch die Auslagen zu laufen und mir anzuschauen, was es hier Schönes zu kaufen gibt: neben den üblichen Andenkenartikeln auch ein paar selbst hergestellte Handarbeiten.

      Es ist empfindlich kalt geworden, gerade mal 6°C zeigt unser Thermometer an. Aber es hat zumindest aufgehört zu regnen.

      Bei Tankavaara haben wir im Goldwäschermuseum einen weiteren Stopp eingeplant. Zunächst gibt es im Museum eine geschichtliche Aufarbeitung der Goldfunde in Lappland, und dann auch eine Gegenüberstellung mit den Goldgräbern in der ganzen Welt.



      Anschließend schauen wir noch das angebaute Freilandmuseum an wo einerseits die Arbeitsbedingungen der Männer und Frauen hier im Lande dargestellt sind, auf der anderen Seite sieht man aber, dass hier im Sommer Hochbetrieb in den Westernsalons herrschen wird, die wohl mehr amerikanischen Ursprungs sind und damit den allgemeinen Vorstellungen der Goldsucher entsprechen. Hier darf man sich dann auch selber als Goldwäscher versuchen und im August werden richtige Wettbewerbe ausgetragen. Aber da die Saison noch nicht begonnen hat und viele Stationen erst wieder gerichtet werden müssen (noch liegt im Wald an einigen Stellen der Schnee), bleibt uns dieser Rummel erspart, wir können "nur" gute Informationen mitnehmen.

      Auf den Inarisee, den wir kurz darauf erreichen, habe ich mich sehr gefreut, habe ich doch gelesen, dass dies eine landschaftlich sehr schöne Strecke sei. Und jetzt ist alles grau in grau… Aber halt, da sind doch ein paar blaue Stellen am Himmel zu sehen, und als wir schließlich Inari erreichen, lässt sich die Sonne wieder sehen.


      Nachdem wir unsere Hütte bezogen


      und zu Abend gegessen haben (heute mache ich uns Lachs unter einer Gemüsedecke mit Bandnudeln – auf einem zwei-Platten-Herd – (jetzt brauche ich zum ersten Mal meine eigene Bratpfanne, denn die hauseigene ist erstens schmutzig und zweitens rostig und verkratzt), zieht es mich zunächst mit dem Teleobjektiv und später mit dem Weitwinkel hinaus zum Steg. Hier komme ich auch ins Gespräch mit einigen Wohnmobilfahrern, die alle auf dem Weg zum Nordkapp sind.







      Ich genieße die Aussicht, das Beobachten der Vögel, die Ruhe- und die Mitternachtssonne.




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    • Nachdem gestern Nacht mein Beitrag im Nirwana verschwunden ist, versuche ich es nochmal:

      Montag, 2. Juni
      Gut, dass ich beim Zubettgehen noch die Vorhänge vorgezogen habe, denn die Sonne strahlt die ganze Nacht und auch am Morgen. Da ich mich noch nach dem Zustand einer Wanderstrecke zu einer kleinen Kirche mitten in der Wildnis erkundigen möchte, warte ich noch bis die Rezeption um kurz nach 9 Uhr öffnet. Der junge Mann meint, die Strecke sei sehr leicht, würde aber über ein paar Steine gehen. Roland will es versuchen, ob er mitlaufen kann, wir sollen beim Samimuseum noch versuchen, eine Karte zu bekommen.
      Die gibt es aber nicht zum Mitnehmen, aber eine freundliche Mitarbeiterin zeigt mir den Weg auf der großen Karte. Zunächst muss ich noch 2,5 km mit dem Auto fahren, dann sind es 2,7 km bis zu einer Schutzhütte, und dann noch mal 1,8 km bis zur Kirche. Den Parkplatz finden wir ohne Probleme, der Weg ist gut markiert. Aber es geht über Stock und Stein, so dreht Roland nach 300m wieder um.



      Es geht durch einen Pinienwald, vorbei an Wildzäunen, überall sehe ich die Losung von Rentieren. Statt Leitern über die Zäune gibt es hier auf dem Weg Tücher, durch die die Tiere wohl nicht durchgehen:



      Einige Stämme sind umgefallen, aber es gibt keine größeren Probleme, denn es gibt nur ganz moderate Steigungen.



      Der Weg führt mich am See entlang.



      An einigen Stellen sind dicke Holzbohlen über sumpfiges Gebiet gelegt. Trotzdem bin ich froh, mit meinen Wanderstiefeln unterwegs zu sein, denn so habe ich einen guten Tritt.



      Froh bin ich auch, dass ich nicht alleine unterwegs bin, vor mir sehe ich ein Paar laufen, zwei Frauen überhole ich, kurz nach mir ist ebenfalls ein Paar, und dann kommen mir auch noch einige entgegen. Als ich dreiviertel des Weges gelaufen bin, bitte ich ein Schweizer Ehepaar, Roland von mir einen Gruß auszurichten, dass es mir gut geht.



      Bei der Wilderness Church treffe ich auch noch ein Frankfurter Ehepaar, denen ich gestern am Campingplatz begegnet bin, sie sind jetzt auch schon auf dem Rückweg. Sie haben mir noch erklärt, man komme nicht in die Kirche hinein. Aber als ich vor der Kirche stehe, kommt ein finnisches Paar, öffnet einfach das Gartentor und dann auch eine Seitenpforte, so dass wir doch hinein können, nur das Hauptportal ist verrammelt (schade, wenn man das nicht weiß).



      Drinnen ist es erstmal nur dunkel, nur schemenhaft kann ich den Altar erkennen, doch bald schon haben sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt, und sehe ich ein bisschen mehr: der Kirchenraum ist sehr spartanisch ausgestattet. Aber um so schöner, nur da zu sitzen und die Ruhe genießen, nachzuempfinden, was die Menschen bewegt, die hierher kommen, ein wenig Zwiesprache zu halten.

      Ein kurzer Eintrag ins Gästebuch und dann gehe ich wieder hinaus. Der Gang noch zur Infotafel, und dann mache ich mich auf den Weg zurück. Aber erst halte ich noch bei der Grillstelle unterhalb der Kirche an, denn ich bin jetzt doch durstig und mein Vesperbrot sollte ich wohl doch lieber aufessen, anstatt es zurück zu tragen.



      Nach einer kurzen Rast geht es dann weiter, mittlerweile bin ich zweieinhalb Stunden unterwegs, Roland wartet bestimmt schon ungeduldig. Aber weit gefehlt, als ich um 14.30 Uhr bei ihm eintreffe, erwartet er mich mit: „Was, bist du schon zurück, ich habe dich erst in einer Stunde zurückerwartet.“ Denn das Schweizer Ehepaar ist noch nicht lange abgefahren, und die Frankfurter sind gerade erst angekommen…
      Jetzt bin ich erst mal geschafft, den Plan noch ins Samimuseum zu gehen ist erst mal beiseite geschoben, erst will ich wissen, was meine Buchreiseführer eigentlich zu dem Museum meinen und dann wollen wir noch Kaffee trinken. Als ich aber lese: Samimuseum – ein unbedingtes Muss, gehen wir selbstverständlich hin.
    • Und wir bereuen es nicht. Zunächst einmal sind die verschiedenen Sammlungen sehr informativ, Landschaft, Vegetation und Tierwelt
      werden genau beschrieben, die Lebensweise der Samen dargestellt. Schließlich gibt es noch den Freibereich, wo die verschiedenen Hütten, Vorratshäuser, Gehege und auch die Arbeitsgeräte der Samen dargestellt sind. Auch die verschiedensten Tierfallen werden vorgestellt, den Abschluss bietet eine Goldwäscherhütte am Bach.











      Damit schließt sich für uns der Kreis: das Arktikum in Rovaniemi und das Siima in Inari ergänzen sich ganz gut. Wir fühlen uns jetzt bestens informiert.

      Der Gang hinunter zum Bootssteg am Abend bringt heute nicht viel, denn Wolken haben die Sonne zugedeckt, so dass sie nur ab und zu aus ihrem Bettchen herausblinzelt. Eine gute Möglichkeit für mich, mal wieder meine Bilder zu sichern!

      (Kleine Pause wegen des Stammtischs in Berlin, wir reisen ja schon früher an).
      Liebe Grüße
      POLO
    • Huhu Polo,
      hab gerade Deine Fotos und den dazugehörigen Reisebericht in einem Rutsch durchgelesen...............phantastisch :love:
      Mir gefällt Dein Schreibstil und Deine Motivauswahl ganz besonders gut :girl_sigh: und ich freu mich auf die Fortsetzung.

      Übrigens hast Du mir mit Eurem Spiel mal wieder einen guten Tipp gegeben. Hab gerade mal Quirkle gegoogelt,....................das hört sich echt toll an!
      Liebe Grüße
      little.point Claudia

      :ilhr:

      Meine Reiseberichte: siehe Profil
    • So, es soll weiter gehen!

      Dienstag, 3. Juni

      Ganz bewusst werden wir auf unserer Weiterfahrt nur die beiden Städte Norwegens besuchen, die wir auf unserer Norwegentour im letzten Jahr ausgelassen haben.
      Aber Roland möchte gerne in die nördlichste Stadt Finnlands, und deshalb machen wir einen „kleinen“ Umweg über die Hochebene nach Utsjoki (aus 245 Tageskilometer werden so 375km). Aber er lohnt sich.



      Wir schauen uns die Kirche und ein kleines Heimatmuseum von außen an und machen eine kleine Kaffeepause.



      Anschließend fahren wir am Tenojoki (norwegisch Tana, ein guter Lachsfluss) entlang mit vielen Fotostopps weiter nach Südwesten Richtung Karasjok – wir bleiben aber noch auf der finnischer Seite (laut Reiseführer ist es die landschaftlich schönere Strecke).



      An der finnisch-norwegischen Grenze bei Karigasniemi essen wir noch einen Hamburger, wobei der junge Mann erst mal nachschauen muss, wie er den wohl zubereiten muss… Er scheint hier erst angefangen zu haben. O.K., ich glaube, er hat nur die halbe Portion Fleisch genommen, denn der Hamburger ist seeehr dünn…
      In Norwegen angekommen, halten wir in Karasjok erst an der Kirche



      und dann am Sapmi-Culturcenter an, Roland will aber lieber schlafen (die vielen Fotostopps am Tanafluss und schon vorher auf der Hochebene haben ihn ermüdet). Ich gehe in die Verkaufsräume und schaue mir dort die ausgestellten samischen Erzeugnisse an. Wir fahren auch am samischen Parlament vorbei, halten aber hier nicht an. Irgendwie hätte ich mich doch noch gerne mehr umgeschaut…
      Weiter geht es auf die Hochfläche Richtung Kautokeino.


      In der Zwischenzeit ist es richtig warm geworden, bis zu 23 Grad. Wir fahren am Baisjoka entlang, der etliche Seen bildet. Sie haben noch eine Eisschicht, die allerdings nicht mehr tragfähig aussieht. Immer wieder halten wir an, und fotografieren die Landschaft. Die Krüppelbirken haben nur winzige grüne Knospen, der Pflänzchen müssen sich noch von der Winterruhe erholen, sie sind noch alle graubraun.



      Gegen 15.30 Uhr kommen wir schließlich in Kautokeino an. Da im Internet leider keine genaue Adresse angegeben war, habe ich mir bei Streetview die Straßen angeschaut, und habe deshalb dem Navi wohl eine falsche Hausnummer unseres Campingplatzes eingegeben, so dass wir zuerst auf dem falschen Platz ankommen. Wir werden weitergeschickt und bekommen eine Hütte direkt an einem kleinen Teich zugewiesen. Schlecht, dass es keinen richtigen Tisch und Stühle gibt, an Sessel, Sofa und Couchtisch isst man einfach nicht gut. Gut, dass es wenigstens eine Veranda mit Stühlen gibt, ich hole mir später noch von einem nicht besetzten Häuschen einen Tisch herüber, so dass wir die Mahlzeiten vom zweiten Tag an im Freien zu uns nehmen können. Hinter unserem Häuschen liegt sogar noch etwas Schnee, der aber im Laufe des nächsten Tages weg getaut ist.



      Als Herausforderung gibt es heute Bandnudeln mit Lendchen im Speckmantel, denn ich habe nur eine Kochplatte zur Verfügung, aber mit guter Planung funktioniert auch das, und es schmeckt uns vorzüglich!

      Die Mitternachtssonne kann ich gut von unserem Wohnzimmerfenster aus betrachten, so dass ich immer wieder hinausgehen kann zum Fotografieren, während ich gleichzeitig am Reisebericht weiterschreibe.



    • So, noch ein paar Bilder von unserer Hütte:



      Und dann geht es weiter im Reisebericht:

      Mittwoch, 4. Juni

      Nach dem Frühstück wollen wir einige Sehenswürdigkeiten der Stadt anschauen,



      aber Roland möchte schon nach der Besichtigung der Kirche wieder zurück in Häuschen, ihm ginge es nicht gut. So bringe ich ihn zunächst zurück und fahre dann zu einer Silbergalerie, die mit herrlicher Aussicht auf der Hochfläche über Kautokeino liegt.





      Stimmungsvolle Ausstellungsräume, leise Musik, geschmackvolle Darstellung der Verkaufsstände lassen zwar Kaufgelüste in
      mir hochsteigen, aber ich widerstehe ihnen erfolgreich.
      Auf der Hochebene stehen noch einige Zelte von einem Samilager, ein paar Hasen hoppeln hier herum.



      Anschließend fahre ich noch zum Samimuseum, das aber geschlossen hat. Aber die Gebäude kann ich von außen betrachten, und mehr Informationen als in Inari werde ich hier wohl kaum bekommen.



      Irgendwie wiederholt sich alles. Hier taut gerade der letzte Schnee, so dass ich durch Schnee- und Matschpfützen zum Auto zurück muss und mir erst mal schmutzige Schuhe hole. So, das scheinen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kautokeinos gewesen zu sein.

      Im Reemtsma kaufe ich noch ein und gebe so meine letzten norwegischen Kronen aus.

      Zurück im Häuschen mache ich uns im Gedenken an unsere letztjährige Norwegentour einen grünen Salat mit Reker (das haben wir uns da ab und zu mal gemacht), und dann genießen wir den Nachmittag zunächst in der Sonne mit Lesen, ziehen uns dann aber ganz schnell in den Schatten unseres Häuschens und des Autos zurück. Es hat heute 25 Grad im Schatten. Nach dem Kaffee bereite ich unsere weitere Reise vor.

      Zum Abendessen habe ich aus dem restlichen Lendenfleisch und Gemüse eine Reispfanne gezaubert, anschließend haben wir unsere Quirklerunde und ich schreibe an unserem Reisebericht.


    • Donnerstag, 5. Juni
      Unsere Fahrt geht heute südwärts über die Fjelllandschaft weiter; dabei kommen wir zunächst wieder nach Finnland, das seinen westlichsten Zipfel hinüber nach Schweden streckt und dann hinein in das nördliche Schweden.
      Nach ein paar Kilometern muss ich unser Auto anhalten, diesmal nicht wegen der Rentiere, an die wir uns schon so gewöhnt haben, dass es schon selbstverständlich ist, dass ich langsamer und sehr aufmerksam fahre. Nein, diesmal trottet ein kleiner Polarfuchs ganz gemächlich mit seinem Fang im Maul über die Straße, Roland reicht mir zwar seine Filmkamera, dummerweise aber noch mit geschlossenem Objektiv; so kann ich das Tier damit erst einfangen, als es den letzten Meter den Hang hinaufläuft (mein Foto aber ist nicht einsatzbereit).
      Weitere Höhepunkte bietet die Weiterfahrt nicht, ein kleiner Zwischenstopp gibt es an der finnisch-schwedischen Grenze bei Kaaresuvanto:



      Dann hält uns vor Kiruna eine Baustelle auf, die E10 ist nur halbseitig befahrbar. Aber wir haben ja Zeit.
      In Kiruna halten wir nur kurz, um die fernen Berge zu fotografieren:





      Dann fahren wir hinein in die Gebirgslandschaft, die vom siebtgrößten See Schwedens, dem Torneträsk, in 350m Höhe durchzogen wird. Auch jetzt noch, Anfang Juni, ist er zum großen Teil noch mit Eis bedeckt, das nur an den Ufern fehlt. Die Pflanzen an den Straßenrändern sind noch alle braun, es sieht alles ein wenig trist aus. Aber die noch zum Teil schneebedeckten Berge strahlen im hellen Sonnenlicht.





      Um kurz vor 15 Uhr kommen wir in Abisko an. Da uns wieder eine genaue Adresse fehlt, fahren wir in den östlichen Teil von Abisko ein, weil hier ein Wegweiser zu einer Jugendherberge aufgestellt ist. Ein wenig irren wir durch den Ort, denn die Unterkunftsmöglichkeiten sind alle geschlossen, zwei junge Damen klären uns darüber auf, dass es noch einen weiteren Ortsteil gibt. Dort erkenne ich dann auch die Gebäude aus dem Internet , die Touriststation besteht aus einem Museum, dem Rezeptionsgebäude, einer Forschungsstation, einer Jugendherberge und einigen Hütten.



      Wir haben uns in der Jugendherberge ein Doppelzimmer gemietet, denn die kleineren Hütten sind ohne Bad, WC und Küche und die Mieter müssen auch ins Jugendherbergsgebäude gehen. So ist das für uns einfacher.
      Nach einem Kaffee fahren wir noch weiter zur schwedisch-norwegischen Reichsgrenze, erst mal um die Hochgebirgslandschaft zu genießen und zu fotografieren,



      und dann wollen wir noch einkaufen und tanken. Das mit dem Einkaufen funktioniert zwar, aber nicht mit dem Tanken. Erschreckt schaue ich zur Tankanzeige, denn bis Kiruna sind es 130 Km und nach der Tankanzeige haben wir noch für 160 km Diesel. Ein wenig ärgerlich bin ich schon, denn ich wollte eigentlich in Kiruna tanken, aber mein Begleiter hat gemeint, wir sollten noch ein bisschen weiterfahren. Jetzt schlägt er tatsächlich vor, noch mal nach Kiruna zurückzufahren, dazu habe ich aber keine Lust. Ich will es noch in Abisko probieren, ob es da eine Tankstelle gibt. Tatsächlich, es gibt eine, aber nur mit Kartenzahlung. Rolands ADAC-VISA-Karte will der Automat aber partout nicht haben, erst als er seine Maestro-Karte der Volksbank reinsteckt, funktioniert er. Aber er lässt uns nicht volltanken. Egal, wir haben erst mal genug Diesel.
      Nach dem Abendessen (es gibt Spaghetti mit Sauce Bolognese – natürlich kein Fertigprodukt!), zubereitet in der Gemeinschaftsküche, die gut ausgestattet und sauber ist, melde ich mich per Internet bei den Kindern, ich lese Roland unsere Zeitung vor und dann kommt wieder unsere Quirklerunde.
      Danach geht Roland wie üblich schlafen, ich schreibe an meinem Reisebericht und laufe dann um 23 Uhr nochmal los, um die Mitternachtssonne zu finden. Und wirklich, sie strahlt über dem Torneträsk, ich finde schöne Pfade zur Schlucht des Abiskojokka und genieße den schönen Sommerabend. Dies tun auch ein paar junge Leute vor dem großen Zelt der Station, sie haben wohl gegrillt und sitzen noch fröhlich lachend zusammen.









      Nach einer Stunde zieht es mich in unser Zimmer zurück, die Sonne verschwindet hinter einem hohen Berg auf der anderen Seite des Torneträsk und vom Wasser her kommt jetzt ein richtig kaltes Lüftchen. Ich höre die Huskies in ihrem Gehege jaulen, ob es mit der verschwundenen Sonne zu tun hat, weiß ich aber nicht. Im Zimmer ziehe ich vorsichtshalber alle Vorhänge zu, denn es ist sehr hell draußen.

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    • Freitag, 6. Juni

      Die Sonne strahlt wieder vom Himmel, ich gehe nach dem Frühstück und der Vorlesestunde unserer Zeitung und Rolands Mails erst mal zur Rezeption und frage nach, ob die Seilbahn zum Nuolja schon hochfährt, denn von dort oben gibt es heute bestimmt eine schöne Aussicht. Enttäuscht kehre ich zurück, denn wird sie erst wieder am 14. Juni in Betrieb genommen (dort oben ist die Abisko Skystation, euch allen sicher bekannt als Polarlichtstation)…



      Also überrede ich Roland, eine kleine Wanderung im Nationalpark entlang des Abiskojokka zu machen.



      Noch bevor wir zur Schlucht kommen, sehe ich einen kleinen Lemming in seiner Höhle verschwinden, und dann stehen wir auf der Brücke eines reisenden Flusses, der zwischen Schiefer- und Kalkfelsen dahin rauscht. Immer wieder bleibe ich stehen, fotografiere und drehe für Roland Filmchen, denn er hat seine Filmkamera nicht mitgenommen.





      Erschrocken bin ich, als ich von einer Brücke aus zwischen den angeschwemmten Ästen ein totes Rentier in einer Felsenecke entdecke. Nach einer Stunde möchte Roland zurück in unsere Unterkunft und auf den letzten Metern kommt er nur noch mühsam vorwärts, er fühlt sich unwohl und will nur noch ins Bett. Mittagessen verweigert er, vorsichtshalber stelle ich eine Schale von unserer Suppe in den Kühlschrank, falls er doch noch Appetit bekommt. Dann schnappe ich mir die Kamera mit meinem Teleobjektiv und gehe alleine los.



      Erst mal laufe ich durch die Birkenwälder hinunter zur Bootsanlegestelle. Dabei benutze ich die kleinen Pfade, bleibe immer wieder
      stehen und beobachte die tirilierenden Vögelchen und versuche auch einige zu fotografieren.



      Beim Bootshaus angekommen, spüre ich wieder den kalten Windhauch, der vom Wasser her weht, denn hier treiben die Eisschollen noch ganz in Ufernähe.



      Ich wandere Richtung Mündungsdelta des Abiskojokka, bis mich Schilder stoppen, die das Vogelschutzgebiet anzeigen. Dieses umgehe ich und treffe schließlich am südlichen Ende des Gebietes wieder auf den Fluss. Auch hier fasziniert mich die Gewalt des Wassers, das Getöse übertönt die Vögel.




      Teil 2 folgt nachher...

    • Ein wenig später sehe ich auf einer windgeschützten Wiese die ersten Blümchen, die sich der Sonne entgegenstrecken. Ich erkenne
      Alpenrose, Steinbrech, Vergissmeinnicht, Trollblumen und vieles mehr.



      Ein kurzer Blick noch zu den Huskies, aber da ist nicht viel zu sehen.



      Bei der Touriststation wieder angekommen, kaufe ich vorsichtshalber noch Tee für Roland und koche mir dann einen Kaffee. Da es im
      Touristshop keine Süßstückchen mehr gegeben hat, gibt es dazu eben Kekse. Ich bleibe mit Roland in der Küche sitzen, denn hier kann man das Fenster öffnen und bereite den nächsten Fahrtabschnitt vor.
      Zum Abendessen gibt es heute Schweinesteaks mit Kartoffelstampf und Karotten, letzteres um Rolands Magenprobleme in den Griff zu bekommen. Er isst auch ganz artig Kartoffeln und Karotten, es scheint ihm wieder besser zu gehen.
      Nach dem Abendessen und Abwaschen mache ich noch einen kleinen Abstecher zum südlichen Teil des Nationalparks, vor allem um mal ein Stück des Kungsleden "gelaufen" zu sein.



      Nach einigen hundert Metern sehe ich, warum mir die nette junge Frau an der Rezeption heute morgen geraten hat, gute Stiefel in diesem Bereich anzuziehen, denn es wird ziemlich matschig. O.k., ich wollte sowieso wieder umdrehen, denn Roland wartet auf mich. Aber der Abstecher hinunter zum rauschenden Fluss muss sein!





      Und so laufe ich auf einem sehr schönen Weg am Flussrand zurück zu unserer Unterkunft. Dabei muss ich noch die Eisenbahnlinie unterqueren, hier fahren mehrmals Güterwagons mit Erzen von Kiruna nach Narvik.



      Nach einer weiteren Quirklerunde geht Roland wieder ins Zimmer, ich schreibe noch am Reisebericht und schaue immer wieder hinaus, was wohl die Sonne macht, denn in der Zwischenzeit haben sich Wolken gebildet und ich will doch noch an eine etwas erhöhte Stelle laufen, von der man bestimmt einen schönen Blick auf die Mitternachtssonne hat, wenn ich schon nicht auf den Berg hinauf kann. Aber als es soweit ist, haben die Wolken die Sonne ganz verdeckt, ich muss meine Wanderstiefel wieder zurückstellen und ins Bettchen gehen und lesen.

      Samstag, 7. Juni

      Nach dem Frühstück schließe ich Freundschaft mit einem kleinen schwedischen Mädchen, zumindest lächelt es mich ab und zu ganz
      schüchtern an, während es den Frühstücksbrei in sich hineinlöffelt bzw. auch in ihr Plastiklätzchen, und ich darauf warte, dass unsere Zeitung auf meinem Laptop gespeichert wird – das dauert heute ewig!

      Dann hole ich unser Auto, lade unsere Sachen ein und muss wieder einmal das Zimmer putzen. Roland unterhält sich derweil mit einer Schwedin, die für heute ein Gewitter voraussagt. Noch lugt blauer Himmel durch die Wolken hindurch, es ist angenehm warm.

      Ein wenig traurig verabschiede ich mich von dieser traumhaften Landschaft hier. Hierher würde ich gerne nochmals zurückkommen,
      auch wenn die Unterkunft nicht ganz optimal war. (Zimmer lässt sich schlecht lüften, die Gemeinschaftsduschen und –toiletten sind etwas knapp bemessen - und ich denke, Roland hat sich hier in den Badräumen etwas eingefangen...).

      Über dem Torneträsk liegt heute eine richtige Nebelschicht, wird wohl daran liegen, dass die Luft so viel wärmer ist als das Wasser. Wir entdecken, dass die Straßenränder jetzt schon wesentlich grüner sind als vor zwei Tagen.



      Bis wir in Kiruna sind, ist der Himmel vollkommen wolkenverhangen. Ein kurzer Stopp, um wenigstens von weitem die riesigen Förderanlagen für Erze zu sehen, muss sein.


      Da Roland sich heute überhaupt nicht wohl fühlt und weiter über Magenbeschwerden klagt, gibt es nur einen kurzen Stopp um den Tank richtig aufzufüllen und noch einiges einzukaufen – Roland bleibt dabei im Auto sitzen.
      Als ich wieder losfahren will, gibt es einen Knall am Heck, ich steige nochmals aus. Ein Einkaufswagen einer älteren Frau hat sich selbständig gemacht und ist mitsamt ihrem Toastbrot die abschüssige Strecke bis zu uns gefahren und dann noch weiter zu einem weiteren PKW. Im Augenblick kann ich keine Beschädigungen entdecken, da ich nicht genau weiß, wo er uns getroffen hat. Erst später, als das Auto vom Staub befreit ist, entdecken wir einen kleinen Kratzer.

      Da Roland immer mehr jammert, gibt es keine weiteren Stopps, und so kommen wir gegen 15 Uhr in Gällivare auf dem Campingplatz an und können in eine wirklich schöne Hütte einziehen. D. h. einziehen können wir noch nicht, denn wir haben gerade die Haustüre aufgeschlossen, als sich ein Gewitterguß aufs Dach des Hüttchens und auf unser Autodach entlädt, so dass vorläufig nicht ans Ausladen zu denken ist. Zunächst freut sich unser Auto bestimmt über die Dusche, aber dass da auch ein paar Hagelkörner dabei sind, hat ihm bestimmt nicht gefallen.

      Nachdem ich dann trotz des Regens die nötigsten Sachen ins Hüttchen gebracht habe, brauche ich erst mal eine warme Dusche; ich genieße es, eine eigene Dusche zu haben, nicht wie in Abisko die Gemeinschaftsdusche.

      Zum Abendessen mache ich uns Kartoffeln und Lachs, wobei Roland kaum etwas isst. Da ich gerne auf den Dundret, den Hausberg von Gällivare hinauffahren möchte, um vielleicht die Mitternachtssonne zu fotografieren, schaue ich immer wieder hinauf, ob sich die Regenwolken vielleicht verziehen, aber denkste, es regnet immer weiter…

      Liebe Grüße
      POLO

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    • Huhu Polo,

      Hut ab :hut: vor allem, was Du uns hier so zeigst!!!
      Sag mal, wie schaffst Du das eigentlich??? Autofahren, auspacken, spazieren/wandern gehen, dabei die tollsten Fotomotive 1. entdecken und 2. so toll ablichten, dann Deinen Mann betüddeln, richtig kochen (nie Fertiggerichte, nehme ich an), Reisebericht schreiben, den nächsten Tag vorbereiten, morgens einpacken, die Hütten putzen, weiterfahren,............................ hab ich etwas vergessen?
      Du hast meinen vollsten Respekt! Für mich wär das der reinste Horror-Urlaub, wenn ich all dies alleine machen müsste!
      Liebe Grüße
      little.point Claudia

      :ilhr:

      Meine Reiseberichte: siehe Profil
    • Upps, das ist nicht beabsichtigt, liebe Claudia. Du musst bedenken, dass ich zu Hause viel Zeit habe (mmh - stimmt das? ^^ ) und so die Reise eigentlich gut durchgeplant habe - ich musste mir nur immer wieder die einzelnen Ziele in die Erinnerung zurückholen, ich habe die Straßenkarte studiert und nochmal kurz nachgelesen, was noch Interessantes auf dem Weg liegt. Ich habe diesmal im Gegensatz zum Vorjahr immer mindestens zwei Übernachtungen eingeplant, so dass die Sache mit dem Putzen sich etwas minimiert hat, beim Aus- und Einräumen habe ich gewisse Strategien entwickelt; so ist vieles einfach im Auto an seinem Platz geblieben, Kochutensilien sind in kleinen Behältern gewesen, die schnell hin und hergewechselt wurden, Bettwäsche ist immer für jeden von uns als bezogene Decke, Kopfkissen und Laken in einer Tasche verschwunden und so als letztes ins Auto geladen worden. Und Kochen, Neues entdecken, Fotografieren - all das tue ich sehr gerne und ist deshalb keine Belastung! Einzig mit dem Reisebericht schreiben habe ich ab und zu geschlampert, so dass ich da immer mal wieder in Verzug geraten bin und manchmal nur Stichworte aufgeschrieben habe... Also alles nicht so tragisch.;) :rolleyes: Na ja, zugegeben: ab und zu habe ich ein wenig mit mir gehadert, dann bin ich eben losgelaufen und habe dabei meinen Frust wieder in Lust verwandelt, z.B. mit netten Fotos... :thumbsup:
      So aber jetzt geht es weiter:

      Sonntag, 8. Juni

      Ich habe gestern noch den Vorschlag gemacht, dass wir heute in die Kirche zum Pfingstgottesdienst gehen könnten, aber Roland klagt jetzt über Durchfall, außerdem regnet es immer noch. So verziehe ich mich mit meinem E-Reader auf mein Bettsofa und lese, ich höre zwar die Kirchenglocken, aber allein mag ich dann doch nicht gehen.
      Vom Dundret ist heute nur der untere Teil zu sehen, die Wolken hüllen den Gipfel vollkommen ein.
      Mittags koche ich für Roland eine Suppe (aus dem Beutel), ich esse die Reste von gestern. Aber da es in der Zwischenzeit aufgehört hat zu regnen, mache ich mich allein auf den Weg entlang des Flusses zur alten Kirche, dann weiter zu dem wirklich hübschen Bahnhof (die Güterzüge fahren allerdings hier Richtung Ostsee), zur neuen Kirche und in die „Fußgängerzone“ von Gällivare, die eigentlich aus einem großen Spielplatz und einem weiteren autofreien Platz vor dem Einkaufszentrum besteht.











      Nach dem Kaffee (bzw. einem Tee für Roland) mache ich mich dann nochmals auf und gehe zum Freilichtmuseum, bei dem ein kleines schwedisches Dorf mit alten Häusern aus der Gegend nachgebildet ist. Anhand von ausgehängten Plakaten stelle ich fest, dass hier am Freitag noch ein großes Fest wegen des Nationalfeiertages stattgefunden hat. Davon haben wir in Abisko gar nichts mitbekommen, da wir da nicht ferngesehen haben…







      Dafür sehen wir heute in den Nachrichten im schwedischen Fernsehen kurz die Taufe der Enkelin des schwedischen Königs auf Schloss Drottningholm – bei herrlichem Sonnenschein. Und da unsere Internetverbindung hier sehr stark ist, können wir im ZDF-Livestream in der Heute-Sendung verfolgen, dass es in Deutschland 36 Grad heiß ist...
      Roland will zum Abendessen nur Suppe haben, deshalb mache ich mir Apfelpfannkuchen. Schmeckt lecker, auch wenn das nicht gerade ein Pfingstfestmahl ist.
      Für morgen habe ich einen Ausflug in einen der Nationalparks – entweder Sjöfället oder Muddus - vorgesehen. Aber ob das etwas wird? Wetter? Roland? Ich plane mal ganz vorsichtig, zur Not muss ich es eben alleine machen.

      Montag, 9. Juni

      Mein Blick nach draußen: der Dundret ist vollkommen verschwunden, zwar regnet es nicht, aber die Wolken liegen fest. Mein Blick auf die Web Cams bei den Nationalparks zeigt, dass es dort nicht besser aussieht, außerdem geht es Roland nur geringfügig besser. Frustriert schreibe ich Tagebuch und lese, denn es macht keinen Sinn, alleine 160 km hin und zurück zu fahren und im Nebel herumzustochern. Und am Muddus-Nationalpark können wir ja morgen auf der Weiterfahrt nach Lulea noch einen Halt einlegen.
      Nach dem Mittagessen – es gibt wieder Suppe, Roland mit Knäckebrot, ich mit den restlichen Apfelküchlein - hat Roland Lust zu einem Spaziergang (!), der uns zunächst zu dem Sommercafé beim Freilichtmuseum führt, aber es ist heute geschlossen, denn hier ist heute normaler Arbeitstag, und Touristen erwarten sie wohl nicht. Eigentlich wollen wir noch in die Innenstadt, aber dazu ist Roland zu klapprig, weshalb wir dann abkürzen und ins Hüttchen zurückgehen.



      Schon bei unserer Rückkehr sehe ich, dass sich die Wolkendecke etwas gehoben hat, und um 17 Uhr ist plötzlich auch die Bergspitze wieder zu sehen. Ich schaue mir noch schnell die Web Cam vom Dundret an – man kann gut hinunter schauen auf Gällivare! Also setzen wir uns ins Auto, aber schon beim Hinauffahren bemerken wir die Spritzer auf unserer Windschutzscheibe. Aber wir sind droben gewesen, haben hinuntergeschaut… und zwei Bilder gemacht. Nur die versprochene Weitsicht – angeblich sieht man von dort oben ein Elftel des Landes – hat es nicht gegeben.





      Im Laufe des Abends regnet es sich gründlich ein. Roland entdeckt im schwedischen Fernsehen die ganze Taufe der schwedischen Prinzessin, während ich uns Bandnudeln mit Schweinesteaks koche. Roland hat wieder Lust auf Essen, aber er isst nur sehr wenig. Gut, dass ich hier in Gällivare einen Tag mehr eingeplant habe als bei den anderen Orten! (allerdings war das ja, weil ich gerne in einen Nationalpark gefahren wäre… Man kann nicht alles haben!)
      Liebe Grüße
      POLO

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    • Dienstag, 10. Juni

      Ich schaue auf mein Handy - 8.38 Uhr! Aber warum sind dann keine Autos auf der nahen Straße zu hören? Ich schaue genauer hin – es ist 3.38 Uhr! Also kann ich noch beruhigt weiterschlafen bis 7.30 Uhr. Es hat die ganze Nacht durchgeregnet, aber heute morgen kann ich das Auto einigermaßen trocken beladen. Nach dem Putzen fahren wir um 9.30 Uhr los, und kaum sind wir auf den Inlandsvägen, die E45, eingebogen, beginnt es wieder aus allen Kübeln zu regnen. Also wird es nichts mit dem Halt am Muddus-Nationalpark, am Schild zum Sjöfället- Nationalpark sind wir auch schon vorbeigefahren. Gut, es sollte nicht sein.
      In Jokkmokk halten wir an der Kirche an, ich schnappe mir den Regenschirm und meine Kamera, um wenigstens ein paar Bilder zu machen. Als ich vor der Kirche stehe, öffnet sich die Türe, eine Schulklasse kommt heraus. Ich nutze die Gelegenheit, um kurz hinein zu gehen, denn die Lehrerin gibt mir zu verstehen, dass sie die Kirche wieder abschließen müsse.



      Anschließend gehen wir ins Ajtte, dem schwedischen Fjäll- und Samimuseum, und sehen wieder einmal, wie gut aufbereitet schwedische Museen sind. Multimediavorführungen, Diarahmen und Ausstellungsstücke zeigen eindrücklich Fauna und Flora und die Lebensumstände der Sami hier in Lappland.





      Besonders das Spielzimmer hat es mir angetan – alle Gegenstände haben etwas mit dem Thema dieses Museums zu tun. Aber am eindruckvollsten finde ich einen quasi dreidimensionalen Trickfilmflug mit einem Helikopter über die lappländische Landschaft mit Hilfe von Google-Earth und GoogleStreetview, den man vor einer ca. 10m² großen halbrunden Leinwand betrachten und miterleben kann. Roland meint hinterher, ihm sei bei dem rasanten Flug schlecht geworden. Übrigens stehen heute sehr viele Autos, vor allem Wohnmobile, vor dem Museum, und entsprechend voll ist es. Regentag = Museumstag?
      Auf unserer Weiterfahrt lässt der Regen langsam nach, auf dem Polarkreis-Parkplatz können wir schon ohne Regen unsere Vesperbrote essen (wir verlassen also die Mitternachtsonnenregion)



      und als wir gegen 15 Uhr in Lulea auf dem Campingplatz ankommen, sehen wir zum ersten Mal seit Freitag wieder die Sonne.
      Deshalb machen wir auch gleich nach dem Kaffee einen Spaziergang, Roland kehrt aber nach 300 m wieder um, in seinem Bauch rumpelt es wieder. Aber ich laufe noch ein wenig weiter.





      Nach meiner Rückkehr schaut Roland wieder ins schwedische Fernsehen hinein, wir hören etwas von schweren Unwettern in Düsseldorf, so dass wir uns im Internet die Nachrichten anschauen. Dazu muss ich mir allerdings noch einen zweiten Account kaufen, denn hier kostet das Wifi für drei Tage 90SEK, das aber nur für ein Gerät funktioniert (habe ich schon für das Smartphone aufgebraucht...). Natürlich nehmen wir wie jeden Abend Kontakt zu den Kindern per WhatsApp auf, beruhigt erfahren wir, dass alles in Ordnung ist.
      Zum Abendessen gibt es heute Gulasch mit Reis.

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    • Mittwoch, 11. Juni

      Eigentlich wollte ich ja gerne in den Haparanda-Nationalpark. Aber ein Blick ins Internet hat mir gezeigt, dass die Ausflugsschiffe dort noch nicht fahren, ebenso im Lulea-Schärengarten. So begnüge ich mich erst mal mit der Altstadt von Lulea (Gammelgarden). Roland möchte gerne im Häuschen bleiben, denn seine Diarrhoe hat in der Nacht wieder eingesetzt.

      So fahre ich zunächst mal alleine nach Gammelgarden Kirkstadby, bekomme dort vor der Touristinformation direkt bei der Kirche einen Parkplatz. Es ist herrlicher Sonnenschein und blauer Himmel mit ein paar weißen Wolken, so dass ich meine Jacke im Auto lassen kann. Ich wandere zunächst hinunter zum Freilichtmuseum, wo eine große Gruppe mit Kindern und Erwachsenen Picknick machen. In dieser Umgebung mit den alten Häusern und bei diesem Wetter komme ich mir vor wie in einem der Schwedenfilme. So stellt man sich Schweden vor!



      Ich laufe eine wenig durch dieses Gelände und lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Auch den Kräutergarten und die Tiergehege schaue ich mir an. Schade, dass der Kaufladen noch geschlossen hat.



      Anschließend laufe ich durch die Stadt mit ihren alten Katen und herrschaftlichen Häusern. Die Katen rings um die Kirche wurden übrigens früher von den Kirchgängern benutzt, wenn sie aus den weitentfernten Orten zur Kirche gekommen sind. Heute werden sie auch von den Konfirmanden genutzt.



      Im Mittelalter wohnten die Einwohner von Lulea an dieser Stelle, bis die Stadt verlegt wurde: der Hafen am Luleälven war zu niedrig für die Schiffe, ein neuer musste im Boddenvik gebaut werden und so zog Lulea eben ein paar Kilometer nach Osten um.
      Die Kirche von Gammelgarden ist prachtvoll ausgestaltet mit einem goldenen Flügelaltar und einer großen Orgel.





      Beim genaueren Betrachten des Aushanges fallen mir zwei Dinge ins Auge: heute Abend gibt es eine Wochenmesse, und am Freitag ein Konzert. Freitag fällt flach, da sind wir schon weit weg. Aber heute Abend? Ich kann es ja mal vorschlagen.

      Langsam geht es auf 12 Uhr zu, Zeit um zurückzufahren. Als ich beim großen Einkaufszentrum vorbeikomme, halte ich an, und suche erst mal eine Apotheke, denn so kann das mit Roland nicht weitergehen. Ich bekomme Immodium und dann kaufe ich ihm noch ein paar Bananen, denn sein Kaliumspiegel muss ja schon ganz niedrig sein. Außerdem kaufe ich mir noch Unterwäsche, denn langsam sinkt mein Vorrat, und zum Waschen habe ich definitiv keine Lust.

      Roland nimmt eine Tablette: es geht ihm schon viel besser. Als ich ihm von der Abendmesse in Gammelgarden berichte, ist er sichtlich erfreut, und als mich aufmache, um in die Stadt Lulea hineinzufahren, will er auch mitkommen.

      In Lulea kommen uns schon am Stadtrand zwei geschmückte Gefährte entgegen, uns fallen die vielen Jugendlichen auf, die mit einer
      Kapitänsmütze durch die Straße laufen und als wir direkt am Dom unser Auto abgestellt haben, kommen nochmal zwei geschmückte Lastwagen mit Jugendlichen auf der Ladefläche, die dort fröhlich winkend herumtanzen: es scheinen die Abiturienten zu sein, die ihren Abschied von der Schule feiern. Wir winken zurück und freuen uns über diese fröhlichen Gesichter.





      Anschließend besichtigen wir noch kurz den Dom und laufen in die Innenstadt. Da ich vergessen habe, unsere Badesachen einzupacken und bei den sommerlichen Temperaturen doch noch die Hoffnung habe, dass wir sie demnächst brauchen könnten, kaufen wir uns noch Badeanzug und Badehose und betrachten anschließend das Treiben hier in der Fußgängerzone. Sie ist zwar überschaubar, aber es ist schön hier zu sitzen und zu schauen.

      Wir fahren zurück zum Campingplatz und trinken Kaffee. Ich schaue mir in Google mal an, wo wir vielleicht eine kleinen Aussicht über den Schärengarten bekommen könnten. Aber die ausgesuchte Stelle auf der Halbinsel Lövskär, zu der wir dann fahren, erweist sich nicht als besonders geeignet. Wir fahren dann wieder nach Gammelgarden Kirkstadby, wir haben noch eine dreiviertel Stunde Zeit, bis der Gottesdienst beginnt.



      Schon bei der Ankunft fallen uns ein paar größere PKWs auf, und als wir von unserem Parkplatz hinter der Kirche zum Marktplatz laufen, sehen wir dass sich ca. 30 alte Chevrolets, Volvos und Mercedes versammelt haben. Die Fahrer unterhalten sich, bestaunen die anderen Autos oder trinken einfach ein Bier. Nachdem wir auch ein bisschen über den Platz und die angrenzenden Straßen geschlendert sind, gehen wir in die Kirche hinein.
      Der Gottesdienst beginnt um 19 Uhr, es ist ein Abendmahlsgottesdienst, zu dem wir von der Pfarrerin extra begrüßt und zum Abendmahl eingeladen werden. Nicht alles verstehen wir, aber wir wissen zu jeder Zeit, um was es geht. Das Vaterunser können wir mitsprechen, genauso wie nach dem Abendmahl das Lied „Nada de turbe“ „Nichts soll dich ängsten“ mitsingen. Ein gutes Gefühl, mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen, einen Gottesdienst und Abendmahl zu feiern!
      Erfüllt von diesem Erlebnis fahren wir zurück in unser Hüttchen.
    • Das mit den Abiturienten sah dann wohl ungefähr so aus:


      Danke für deinen tollen Bericht und die sensationellen Fotos.
      LG Värmi
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    • Värmi wrote:

      Das mit den Abiturienten sah dann wohl ungefähr so aus:


      Genau! Da Roland mich gebeten hat, ein Filmchen zu drehen, habe ich leider keine Bilder gemacht! Danke für deine Ergänzung!
      Merkst du was, ich komme deiner Heimat immer näher! Noch ist es ein Stück, ich glaube eine knappe Woche...
      Liebe Grüße
      POLO
    • Donnerstag, 12. Juni 2014
      In der Nacht hat es wie vom Wetterbericht vorhergesagt geregnet. Wir packen unsere Sachen und dann geht es weiter, unser heutiges Ziel ist Storuman. Es ist glücklicherweise nur trüb, nur ab und zu gibt es ein paar Regentropfen.
      In Arvidsjaur halten wir in Lappstaden an, einem alten Samilager, das auch heute noch bei den Versammlungen der Sami benutzt wird.



      Anschließend suche ich noch eine schöne Aussichtsstelle, die ich auf einer Karte gefunden habe. Leider können wir nicht ganz hinauf fahren, und zum Laufen hat Roland echt keine Lust.



      Also fahren wir weiter, wir haben eine Adresse bekommen, wo es gute Waffeln mit Moltebeerensirup geben soll. Aber leider gibt es heute nur die angepriesenen Glaswaren, aber noch keine Waffeln, die gibt es erst ab dem Wochenende. :( Solange wollen wir nicht warten! Da ich uns heute kein Vesperbrot gemacht habe, essen wir eben in einem Kiosk am Ortsende von Arvidsjaur Hamburger. Richtig, Roland will einen Hamburger! Er ist also wieder gesund.
      Bei der Weiterfahrt dann ein gewaltiger Schreck: von einem entgegenkommenden PKW werden Splittsteine emporgeschleudert, wir bekommen einen ganzen Splittregen ab. Entsetzt halte ich am Straßenrand an und untersuche eine Stelle mitten auf unserer Windschutzscheibe. Gut, es war nur eine Insektenschliere. Wir fahren weiter. Nach ein paar Kilometern das gleiche Spiel: wieder ein Splittregen nach einem entgegenkommenden PKW. Und nach einigen Minuten sieht Roland einen kleinen Sprung an der äußersten rechten Seite, der sich immer weiter ausweitet, bis auf 40 cm Länge…
      Natürlich sind wir besorgt, aber ändern können wir nichts, nur hoffen, dass es bei diesen 40 cm bleibt.
      In Storuman beziehen wir unser neues Heim, geben unseren Kindern Bescheid, dass es uns gut geht, melden den Schaden per Mail bei der Versicherung und machen dann einen kleinen Spaziergang, denn hier hat sich die Sonne zurückgemeldet.



      Doch bis zum Sonnenuntergang um 23.30 Uhr verzieht sie sich wieder hinter ihren Wolken, so dass es heute wieder mal keinen Sonnenuntergang zu beobachten gibt. Schade, denn hier könnte er sehr stimmungsvoll werden, geht die Sonne doch mal wieder hinter einem See unter…

      Freitag, 13. Juni 14
      Mitten in der Nacht verhänge ich unsere Türe mit einem Badetuch, denn die Sonne scheint genau zu meinem Bett hin und lässt mich nicht schlafen. Doch am Morgen ist sie wieder verschwunden und es ist sehr frisch, so dass wir doch lieber in der Hütte frühstücken. Anschließend korrespondiere ich noch mit der Versicherung wegen der Windschutzscheibe und schicke noch ein paar Emails heraus.
      Nach dem Mittagessen machen wir zunächst einen Ausflug über die Halbinsel zu einigen schönen Badestellen. Diese werden durch den Guide Michelin besonders herausgestellt. Es ist sehr idyllisch hier.



      Dann fahren wir hinauf zum Aussichtsberg, wobei unser Auto und damit auch meine Nerven einer kleinen Belastungsprobe ausgesetzt sind: der Weg hinauf geht über eine schmale steile Schotterstraße. Oben gibt es einen kleinen Aussichtsturm, die Aussicht von oben könnte noch schöner sein, wenn da nicht die Stromleitungen wären…


      Den Ausflug entlang der E12, dem Bla Vägen nach Tärnaby will Roland nicht machen, da die Fahrt dorthin 130 km einfach umfasst, aber ein Stückchen wollen wir doch noch fahren. Doch die erwarteten schönen Aussichten auf die Seenlandschaft gibt es nicht, denn die Bäume versperren die Sicht, so dass wir nach 10 km wieder umdrehen. Aber von einem Parkplatz aus erhasche ich dann doch noch den Blick auf das ferne Gebirge:



      Wir fahren noch beim hübschen Bahnhof von Storuman vorbei und kaufen ein.



      Da die Sonne inzwischen wie versprochen herausgekommen ist, können wir vor unserer Hütte Kaffee trinken, anschließend plane ich unsere Weiterfahrt für morgen. Eigentlich würde ich morgen gerne durch die Wildmark entlang der norwegischen Grenze fahren, was aber ein Umweg mit 300 km bedeutet. Die Erfahrung der letzten Tage aber, bei der ich gemerkt habe, wie sehr mich das Fahren auf den schwedischen Landstraßen ermüdet, lässt mich diese Planung schweren Herzens verwerfen. Außerdem mache ich mir Sorgen wegen unseres Risses in der Windschutzscheibe, sollte sie auf diesen abgelegenen Straßen vollends brechen, wäre das weniger gut.
      Nach Abendessen und einer Runde Quirkle lese ich ein wenig, bis ich die Sonne untergehen sehe und noch einen Spaziergang dorthin mache.