Kanada von West nach Ost

    • 2006
    • Kanada von West nach Ost

      Hallo zusammen,

      eine saure Gurkenzeit könnte ich mit dem Bericht einer Reise ausfüllen,
      die ich 2006 machte.

      Kanada von West nach Ost.
      vom 26.10. - 10.11.2006
      Eine Reise in dem "Via Rail Canada"
      mit einem Abstecher nach Churchill, Manitoba

      Kanada - das Land meiner Kinderträume wollte ich gerne kennenlernen. Die Fahrt mit dem Canadian "Via Rail" sah ich mehrmals als Dokumentation im Fernsehen und nun wollte ich gerne wissen, wie man so eine Reise auf die Beine stellen könnte. Aus dem Internet erfuhr ich, dass "North American Travelhouse" in Hamburg darauf spezialisiert ist. Ein Telefongespräch beantwortete alle Fragen und ich buchte diese Reise für den 26.Oktober 2006. Ein Jahr vorher, wegen des Abstechers nach Churchill zu den Eisbären, da wird der Tourismus noch kleingehalten.
      Die Reiseroute verlief folgendermassen:
      Mit dem Flieger über London nach Vancouver. Dort wollte ich 3 Tage sein, Mit dem Zug 2 Nächte bis Winnipeg, dann mit einem kleinen Flieger nach Churchill. Dort mußte ich mich einer organisierten Gruppe anschließen, (alles Fotografen, 14) die mit dem Tundrabuggy an 4 Tagen raus zu den Eisbären fahren gefaren werden sollten. Von Churchill wieder mit dem Flieger nach Winnipeg, um dann im Zug eine weitere Nacht bis Toronto fortzusetzen. In Toronto wollte ich eine letzte Nacht bleiben, und dann ging es mit dem Flieger wieder in Richtung Heimat.


      Mein Bärengepäck war fertig und am Morgen des 26. Oktober 2006 ging es mit der Taxe zum Düsseldorfer Flughafen. Ich hatte nur meinen Fotorucksack als Handgepäck bei mir und meine kleine grüne Umhängetasche, in der mein ganzes Leben steckte. Den Koffer hatte ich natürlich einen Abend vorher aufgegeben. (Und wenn ich mich noch recht erinnere, hat Fotofreundin Elfi mir dabei geholfen). Da ich noch Zeit genug hatte, organisierte ich mir ein letztes deutsches Plunderteilchen und eine Tasse Kaffee. Damit verabschiedete sich meine Aufregung und machte einer angenehmen Reiselust Platz.

      Fortsetzung folgt

    • Bitte weiter. :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
      Da kommen Erinnerungen hoch, Allerdings war bei uns 2004 Vancouver die letzte Station :( . und wir fingen auch an anderer Stelle, in Calgary an. War meine erste Tour als Selbstfahrer. :)
      Freue mich total auf Bilder und Bericht. :dance3: :dance3:

      Gruß
      Paulinchen
    • 2.es geht weiter


      Düsseldorf Good Bye - wir fliegen über den Rhein und schon nach 90 Minuten sehen wir London. Der Jumbo der BA wird für diesen langen Flug vorbereitet und langsam kommt Freude auf. :dance4:

      Die Maschine hebt ab und wir fliegen einem wunderbaren Sonnenuntergang entgegen.

      Der Flug dauerte 11 Stunden und ist gut verlaufen. Ich hatte auf Anraten des Reisebüros die Plus-Klasse gebucht in der man etwas mehr Platz für die Beine haben sollte. Es muß wenig sein, so dass ich es gar nicht gemerkt habe ;( . Ich hatte einen Fensterplatz und mein Nachbar schlief die meiste Zeit. :sleeping: So war es für mich unangenehm ihn stören zu müssen, wenn ich einmal die Beine vertreten wollte. (Restless legs Syndrom!) Bei meinen nächsten Flügen werde ich das ändern, schwor ich mir. X( Ich war so fertig als ich in Vancouver ankam, so dass ich schnellstens eine Taxe nahm, um zu meinem Hotel zu kommen. Im "Best Western Vancouver Downtown" war ein Einzelzimmer für mich reserviert.
      Es heißt, dass Vancouver neben San Francisco die schönste Stadt an der Westküste Amerikas sein soll. Vor dem Hintergrund der schneebedeckten Coast Mountains im Norden ist diese Stadt ein wahrer Anziehungspunkt mit seinen Stränden, Parks und nahen Wildnisgebieten. Ich wollte mich in dieser Zeit nur auf Downtown beschränken und dafür standen mir 3 Tage zur Verfügung. :girl:
      Am nächsten Morgen, nach einem guten Frühstück :thumbsup: im Hotel, packte ich das Abenteuer Vancouver an. :8): Nun stand ich vor dem Hotel, um mich erst mal umzusehen. Meistens laufe ich einmal um den Häuserblock, damit ich eine Orientierung bekomme. Aber heute ging ich die Straße ein Stück hinunter und sah auf der anderen Seite das Schild einer besonderen Bushaltestelle. Dieser besondere Bus kam auch in diesem Moment - ein knallroter Sightseeing Bus "hopp on - hopp off". Der Fahrer stieg aus und bot mir seine Hilfe an. :girl-dance: Er erklärte mir Sinn und Zweck dieses Oldtimerfahrzeugs und riet mir zu einer Mehrtageskarte (3Tage), mit der man den ganzen Tag durch Downtown fahren könnte und man so nicht so viel zu Fuß bewältigen müßte. Sie kostete $ 37,00, ich stieg ein und erlebte meine erste große Sigtseeingtour. Der "hopp on - hopp off" war jetzt mein fahrbarer Untersatz für die nächsten 3 Tage. Einen Fahrplan bekam ich auch noch, worauf ich alle Stationen mit den Abfahrtszeiten sehen konnte.
      Ich war gestärkt, glücklich und voller Tatendrang, um meinen 1. Tag in dieser tollen Stadt zu erleben. :dance:

      Fortsetzung folgt


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    • 3. es geht weiter


      Die Sightseeingtour dauerte ca. 2 Stunden und ich hatte nun einen Eindruck von Downtown und konnte planen, was ich am nächsten Tag machen wollte. Unterwegs begegneten mir Busse in unterschiedlichsten Versionen, sie fallen natürlich auf.


      Nach dieser ersten Aktion und nach meinem langen Flug, fiel ich nach einem kleinen Abendessen im Hotel in mein Bett und schlief, sehr zufrieden mit mir selbst, wie ein Murmeltier. :sleeping: Es war das erstemal, dass ich so ein Unterfangen alleine unternahm und es ist gar nicht so einfach, sich selbst zu verplanen. Mein englisch ist - na ja, ich komme zurecht!! :girl_sigh:
      Am nächsten Morgen wachte ich früh auf und mein erster Blick aus dem Fenster war beeindruckend, ich glaube ich hatte mein Zimmer im 7. Stock. Nichts als Baustellen und in der Mitte ging es zur Granville Bridge. Das sollten aber nicht die einzigen Baustellen sein, denn Vancouver bereitete sich auf die Winterolympiade 2010 vor.

      Nach dem Frühstück begann ich mir Downtown zu erarbeiten. Der Stanley Park liegt nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt und bietet mit seiner 12 km langen Uferstrasse, der "Scenic Drive", einen Rundgang voller schöner Aussichtspunkte

      Das Wetter war diesig, aber man konnte doch in der Ferne die großen Schiffe sehen, die auf die Hafeneinfahrt warteten. Die Kanadischen Wildgänse in ihrer Heimat zusehen, das war doch was. Am Niederrhein sind sie ja auch schon dauerhaft beheimatet. Im Stanley Park habe ich gelernt, dass auch der Fußgänger bitte rechts zu gehen hat. Nachdem ich ein paarmal komisch angesehen wurde :S , fiel es mir auf und ich ordnete mich gleich ein. :)
      Die Eindrücke von der Stadt waren riesig. Es war ja schon Ende Oktober, also erlebte ich den rotgefärbten Ahorn. Das ist ein sagenhaft leuchtendes Rot.
      Es war auch noch schön warm und man konnte gut draußen sitzen und einen Kaffee schlürfen.

      Gedankenverloren und mit viel Zeit ging ich durch die Strassen, es gab so vieles anzusehen. Ich saß in einem Straßencaffee :tee: und wurde plötzlich aufmerksam auf einen immer wiederkehrenden Pfeifton. Es war das bekannte Wahrzeichen Gastowns, die um 1870 erbaute erste dampfbetriebene Uhr der Welt, die viertelstündig den Westminster-Glockenschlag auf Dampffeifen produziert.

      Auf der Tour durch die Straßen muß man natürlich auch mal einen Blick in die engen Seitengänge zwischen den Häusern riskieren, das ist manchmal abenteuerlich. Ein Stromkabel und sonstiges Kabelegewirr lässt mich nachdenklich ?( werden, wenn da mal etwas kaputt geht, blicken die da noch durch? :pupillen:
      Hier in Vancouver steht das Triangulär Building - es erinnert an das New Yorker Flatiron Building. Es wurde 1908/1909 als Hotel erbaut und dient heute als Apartmenthaus. Dieses architektonisch auffallende Gebäude gibt es scheinbar in mehreren Städten, ich sah es auch in Seattle.

      Es war ein eindrucksvoller Tag und die Art "go and drive" gefällt mir immer mehr. Jetzt schnell noch etwas essen :essen: , denn nach so einem Tag fällt man abends nur noch so ins Bett.

      Fortsetzung folgt

    • 4 es geht weiter


      Der 2. Tag Vancouver wartete darauf geplant zu werden. Nach dem Frühstück ging ich wieder zur "hopp on - hopp off" Bushaltestelle. Ich war jetzt schon ein ganz geübter Tourist, der sich ganz selbstverständlich in so einer großen Stadt zu bewegen verstand und mein Selbstbewußstsein nahm selten gekannte Dimensionen an. :8): Der kleine Fahnplan mit einem sehr nützlichen Stadtplan halfen mir, mich zurechtzufinden. Heute wollte ich mir die Hafengegend ansehen.

      SeaBus - Bahnhof, es hätte auch die Eingangshalle eines Opernhauses sein können. Von hier kann man sich per Schiff oder Wasserflugzeug befördern lassen. Man spricht von Canada Place auch von einem architektonischen Kleinod am Hafen; hinter den weißen Segeln und der Glasfront verbergen sich ein Hotel, Konferenzräume und eine Fähranlegestelle.
      Aber es wurde viel gebaut, alles für die Olypiade 2010. Die Baukräne überwiegen fast den Anblick der modernen Hochhäuser. "Erna", die Möwe mußte zur Verschönerung meines Fotomotivs herhalten und sie war ein tolles Model!


      Auf meinem Trip durch Vancouvers Strassen begeisterten mich die architektonisch, ausgefallenen Hochhäuser und vor allem die
      Spiegelungen in den riesigen Fronten der Glaswände - und Fenster. Meine Kamera hatte ihren vollen Einsatz zu leisten. Ich mußte mich auch sehr zusammenreißen, denn man kan ja nicht alles mitnehmen. Wir wissen alle, nachher kommt das dicke Ende eine Auswahl zu treffen aus der Menge der Bilder. Hier ist es nur eine kleine Kostprobe.

      Übrigens, als ich gestern Abend mit dem Bus nach Hause fuhr, spendierte mir der Busfahrer eine Extratour durch Cninatown. Er machte mich auf den Japanischen Garten aufmerksam, den ich mir heute Nachmittag ansehen wollte.

      Ein wirklicher Ort der Ruhe zum Abschluß meines Tages. Ich konnte mich nicht sattsehen an den vielen liebevoll gestalteten Ecken. Alles hatte etwas geheimnisvolles und zwag mich wieder runter zu kommen von meinen erlebnisreichen Anspannungen. Die Farben des Herbstes waren auch hier in vollem Umfang zu bewundern. Ich saß lange auf einer Bank und genoß das Glück, diese Schönheiten sehen zu dürfen.


      Fortsetzung folgt

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    • Danke, Goldfinch, dann darf ich Dich weiter einladen mitzureisen :hut: . Viel Spaß dabei!
      HeRu


      5 es geht weiter
      r

      Die Sonne am späten Nachmittag machte das Licht wärmer. Ich war müde gelaufen und ging zum Hotel. Es war schon 19,30 Uhr und die Dunkelheit bricht sehr schnell herein. Aus meinem Hotelfenster boten die Lichter des Straßenverkehrs ein besonders schönes Bild, alles leuchtete und etwas später fuhr ein Motorradcorso in Richtung Granville Bridge.


      Es war der letzte Morgen in Vancouver. Abends vorher hatte ich vom Bus aus in der Nähe des Stanley Parks eine Ahornallee
      gesehen, deren Blätter knallrot leuchteten. Das hätte ich zu gerne fotografiert. Ich erzählte davon an der Rezeption und auch, dass ich nicht mehr genau müßte, wie die Strasse heißt. Ich war total überrascht, als mir sofort kostenfrei :yeah: das Hotelauto zur Verfügung gestellt wurde mit Chauffeur.
      Dem Fahrer wäre die Strasse bekannt und bekam den Auftrag, mich dorhin zu fahren. Das nenne ich Service!! :thumbsup:
      Das Problem war gelöst, ich bedankte mich mit einem Trinkgeld :hut: und konnte nun auch wieder zu Fuß zurückfinden. Ich machte von dieser Farbenpracht einige schöne Bilder. Am Bahnhof mußte ich mich erst um 15 Uhr zum Einchecken einfinden.

      Ich schlenderte gemütlich durch die Strassen. Ich kannte mich nun schon richtig gut in Downtown aus und jetzt wäre ich gerne noch länger geblieben, denn Vanvouver ist eine tolle Stadt. Wenn es nur nicht sooo weit wäre!! Ich hatte viele Menschen getroffen und mich auch mit ihnen unterhalten. Viele von ihnen hatten europäische Wurzeln und die, mit deutschsprachigen Vorfahren, kramten ihre letzten Deutschkenntnisse aus
      - richtig rührend.


      Um 15 Uhr nahm ich mir eine Taxe zum Bahnhof "Pacific Central" Mein 2. Abenteuer sollte beginnen. :girl: Auf dem Informationsblatt vom Reisebüro wurde gebeten, für die Zugreise nur kleines Gepäck mit ins Abteil zu nehmen, weil nicht so viel Platz wäre. Ich hatte mich auf einen kleineren Rucksack für 2 Nächte eingerichtet. Der Koffer wurde eingecheckt, ähnlich wie auf dem Flughafen. In der "Via Rail" Lounge wurde ich eingeladen, ein Glas Champagner :sekt: (ja, du hast richtig gelesen!) zu trinken und dazu reichte man einige Snacks. Zur Unterhaltung gab es Musik auf unterschiedlichen Instrumenten, mir gefiel das Saxophon mit Musik :dance3: aus den 20ger Jahren am besten. Der Alleinunterhalter machte das richtig gut.

      Und dann fuhr der "Canadian Silver Blue" in den Kopfbahnhof ein, gaaaanz langsam und eindrucksvoll. Ich gebe zu, meine Spannung stieg und es kam eine ungeheure Freude auf. :dance:

      So nach und nach kamen auch die anderen Passagiere. Da stand er nun, der Zug, in dem ich 2 Nächte und fast 3 Tage verbringen sollte. Laut Plan war die Abfahrt um 17,30 Uhr.

      Ich hatte die Wagennummer 222 von Vancouver bis Winnipeg und das Einzel-Schlafabteil #03 - sehr klein und rationell, es war eingerichtet mit einer Sitzbank, Toilette und einem kleinen Waschbecken in der Ecke. Nur, wo war mein Bett?? :search: Ich bin es gewöhnt, dass sich jeder Knoten irgenwann löst, und wartete ab. Es gab etliche Schlafwagenabteile verschiedener Größen, die für 3 Personen hatten auch eine eigene Dusche und WC. Zunächst ging ich auf Informationstrip. Der Salonwagen, 2 Wagons weiter, war sehr gemütlich und ich war sicher, dass man sich da während der langen Fahrt gut aufhalten konnte. Es ging eine Treppe hinauf in den Panoramawagen. Ich war begeistert, das sah alles toll aus.

      Ich will noch eben die Sache mit dem Bett erklären: Abends holte der Zugbegleiter ein Bett (ich hatte das Brett schon bemerkt!) an der Wandherunter und das ganze Abteil war dann damit ausgefüllt. Lediglich eine Aussparung an der Türe blieb übrig. Bei geschlossener Türe konnte man sich nicht ausziehen, sie blieb also offen, aber einen Vorhang in der Türe konnte man mit dem Reißverschluß schließen , das gab Platz. So funktionierte das ganz gut. Ich sah mal in den Gang und mußte lachen :mosking: , denn an den anderen Abteilen konnte man die verzweifelte Wühlerei zur Entledigung der Kleidung hinter dem Vorhang der einzelnen Passagiere beobachten. War man fertig damit, konnte man auch die Türe wieder schließen und es sich so auf dem Bett gemütlich machen. :ok: Na ja, die Toilette war dann zwar zugedeckt, aber dafür war gleich gegenüber meines Abteils ein größerer Duschraum mit allem, was man nötig war.


      Fortsetzung folgt

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    • 6 es geht weiter

      Mit dem Zug durch Kanada zu fahren war immer schon ein Traum von mir. Ich hatte diese Fahrt schon einige Male im Fernsehen gesehen und nun erlebte ich sie selbst. Betreut wurden wir von einem sehr aufmerksamen Zugbegleiter, der nach der Abfahrt aus Vancouver eine Liste aufstellte für die Reihenfolge des Frühstücks, Lunch und Dinner in zwei Gruppen, da der Speisewagen nur begrenzt Sitzplätze hatte. Ich meldete mich für den späteren Zeitpunkt an. Es gab ein umfangreiches Frühstück (z.B. Rührei mit Schinken!) und hatten bei Lunch und Dinner die Auswahl zwischen 3 Menues bestehend aus 3 Gängen. In der übrigen Zeit wurden wir mit Snacks und Getränken verwöhnt. :beer:

      Es war ein großes Erlebnis durch die verschneiten Rocky Mountains zu rasen, vorbei an herrlichen Landschaften.

      Am frühen Nachmittag des 2. Tages kamen wir in Winnipeg an und ich nahm eine Taxe zu meinem Hotel. Es lag direkt über dem "Sky Walk" und war mit dem Airport verbunden. Um 19 Uhr fand ein kleines "Welcome Dinner" :essen: statt, wo ich dann unseren Guide und auch die anderen Mitreisenden nach Churchill kennenlernen sollte. Die Gruppe war aus Fotografen zusammengestelt und international. Am nächsten Morgen wollten wir uns um 7 Uhr treffen, um nach Churchill zu fliegen.
      Jetzt fing für mich das aufregendste Abenteuer an. Alle waren pünktlich und mit einem Bus fuhren wir zum anderen Ende des Flughafens.

      Es war eine Maschine für ca. 25 Passagiere. Ich lernte jetzt einen Teil der Erde kennen, wovon ich nur geträumt hatte. Während des Fluges machte uns ein Passagier auf ein "Halo", einem weißen Kreis um die Sonne aufmerksam. Dann brach die Wolkendecke auf und man sah auf die arktische Tundra, karges Land, fast ohne jede Vegetation.
      "Was für ein Land"



      An dem kleinen Flughafen stand schon der Bus, der uns für diese Zeit zur Verfügen stehen sollte, und zwar für wirklich alle :o-attention: Wege. Wir wurden ermahnt, keinen Schritt zu Fuß zu gehen, denn die Gefahr, dass Eisbären in der Stadt sind, wäre immer groß. Zuerst fanden wir das etwas übertrieben, denn unser fotografisches Jagdfieber begann bei dieser Kulisse auszubrechen. Wir wurden aber eines besseren belehrt, als wir erfuhren, dass gerade heute wieder 2 Polarbären in der Stadt gesehen wurden. Für diese Zeit der Wanderung der Polarbären in die Hudson Bay, befindet sich Churchill im absoluten Ausnahmezustand. Man versucht sie mit einer Schreckschußpistole zu verscheuchen. Wenn das nicht funktioniert, werden sie betäubt und in die große Polarbärhalle, eine ausgediente Flugzeughalle, gebracht. Sie ist mit Boxen ausgestattet und die Tiere bleiben so lange darin, versorgt mit Schnee, was sie auch draußen zu sich nehmen würden, bis die Hudson Bay soweit zugefroren ist, dass sie wieder jagen können. Bis dahin zehren sie von ihrem Fett. :pardon:

      Zunächst machten wir eine Sightseeingtour durch Churchill. Diese kleine Stadt ist eine Pionierstadt des Fellhandels und lebt heute weitgehend vom Tourismus. Im Postamt bekamen wir zu unserer großen Freude einen Eisbärstempel in unseren Pass. Unser Hotel
      "Ice Berg Inn" lag an der einzigen Hauptstrasse. In dem, ich glaube einzigen Geschenkeladen, mußte ich mir eine andere Mütze kaufen. Durch meine gestrickte Mütze pfiff der Wind und es war lausig kalt. Überrascht wurde ich in dem Laden, als ich auf deutsch angesprochen wurde. Hier hatten sich eine Mutter mit ihrer Tochter aus Würtemberg niedergelassen und fühlten sich sehr wohl. Ich ergatterte die letzte gefütterte Wollmütze und nun war ich ausstaffiert. :ok:


      "Inuksuit" nennt man diese auf-und nebeneinander geschichteten Steine. Sie dienten den Inuits als Schriftzeichen und Wegweiser. Große Schneeansammlungen gab es gar nicht, weil er immer wieder durch den Wind weggefegt wurde.

      Morgen sollte der große Tag sein, wenn wir ertmalig Polarbären sehen sollten. Es gab für uns kein anderes Gesprächsthema - ob wir überhaupt welche sehen würden? Unser Guide lächte still in sich hinein, er wußte ja schon mehr. :imsohappy:

      Fortsetzung folgt.

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    • 7 es geht weiter

      Am nächsten Morgen trafen wir uns um7 Uhr und wurden mit dem Bus zum Restaurant 100 m weiter gefahren. Dann starteten wir zu unserer ersten Fahrt mit dem Tundrabuggy hinaus an die Bucht. Es war noch dunkel. Nach ca. einer halben Stunde erreichten wir einen Steg mit ca. 5-6 riesigen Wagen, das war die Buggystation. "Martin" unser Fahrer begrüßte uns, er hatte den Wagen für uns vorbereitet. Wir sollten ja den ganzen Tag in diesem Gefährt zubringen, also war auch für unser leibliches Wohl gesorgt. :essen: :sekt: Es stand uns eine hervorragende Chemietoilette :o-thumbup: zur Verfügung und ein Bullerofen sorgte für Wärme. Martin empfahl uns aber, die Anoraks anzubehalten, denn erfahrungsgemäß wurden die Fenster oft geöffnet, um besser fotografieren zu können. Jeder von uns konnte eine Bank für sich in Anspruch nehmen, so hatten wir genug Platz, uns auszubreiten mit der Fotoausrüstung. Ich konnte gleich die erste Bank ganz vorne neben dem Fahrer belegen. Er sprach sehr gut Deutsch und konnte für mich und einem Ehepaar aus Hamburg einiges erklären und übersetzen.

      Wir starteten - dieser riesige Wagen rumpelte über die holprige Tundra mit ihren über Nacht zugefrorenen Schneewasserlöcher, in die der Wagen jetzt einbrach und unter ächzen wieder herausmußte. Langsam wurde es heller und, die Kamera bereit gehalten, suchten wir die Umgebung ab nach den ersehnten Eisbären. Es verging einige Zeit und wir waren uns einig, schon zufrieden zu sein, wenn nur einer zum Vorschein käme. Dann machte uns Martin auf eine Polarbärin mit ihrem vielleicht 10 Monate alten Kind aufmerksam. Alle gerieten in Aufregung und fotografierten wie wild, um später festzustellen, dass wir nur unscharfes Zeug :hmm: auf die Beine gebracht hatten. Kurze Zeit danach wurden wir belohnt und wir sahen viele Bären. :ok: Auch Schneehühner liefen herum, die man aber erst bemerkte, wenn sie sich bewegten.



      Der Wagen hatte auch ein Podest, um im Freien fotografieren zu können, aber es war zu kalt für mich.
      Die anderen Buggies verteilten sich auf dem riesigen Gebiet, die Fahrer standen aber untereinander per Funk in Verbindung. Ein kleiner Bär machte sich an einem Wagen zu schaffen. Es war ein TV-Team aus Australien, die den Bären motovieren wollten, um Aktionbilder zubekommen. Das wurde nicht gerne gesehen :nono: bei den Fahrer. Die Bären sollten nicht mit dem Menschen in Kontakt treten können. Wir bekamen auch strenge Auflagen, nicht zu füttern. Bei Nichtbeachtung wurde das bestraft, indem derjenige sofort auf eigene Kosten mit dem Helikopter ausgeflogen wurde und nicht mehr teilnehmen durfte.

      Die Bären zogen sich gerne in Büsche zurück oder in aufgeschwemmtes Seegras oder Algen, in das sie eine Mulde gruben, um zu schlafen. Von Zeit zu Zeit fordern sich die Jungbären auf zu kämpfen. Das wäre nötig, wurde uns erklärt, zur Kräftigung der Muskulatur. Es wären reine Spielkämpfe, bei denen sie sich selten verletzen.



      An 4 Tagen sind wir draußen gewesen in der Hudson Bay und haben Eisbären beobachten. Ich habe begriffen, was es für diese Tiere bedeutet, wenn sie so lange auf Nahrung verzichten müssen. Ihre Fettreserven werden immer weniger und wenn sie nicht bald wieder jagen können, werden sie dazu zu schwach sein. Die Bärin muß ein gewisses Gewicht aufweisen, wenn das befruchtete Ei wachsen und nicht wieder abgestoßen werden soll. Denn nur mit genug Fettreserven kann sie das Junge säugen und selber davon zehren.
      Am vorletzten Tag erlebten wir noch einen fürchterlichen Schneesturm, das Meer tobte - so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Nach diesem einmaligen Erlebnis ging es am letzten Tag nachmittags mit dem Flieger wieder zurück nach Winnipeg. Im Hotel trafen wir uns alle noch einmal zu einem "Farewell Dinner" :o-thumbup:

      Am nächsten Tag hatte ich genug Zeit. Der Zug nach Toronto fuhr erst um 12.25 Uhr. Ich mußte mich wieder einchecken, wie schon in Vancouver. Nach einer angenehmen Nacht im kleinen Schlafwagenabteil kam ich abends um 20 Uhr in Toronto an. Wenn man mitten in einer so großen Stadt ankommt und nicht am Flughafen außerhalb, empfindet man, wenn man aus dem Bahnhof herauskommt, die Hochhäuser rundherum enorm hoch. Ich brauchte nur quer über die Strasse gehen zu meinem Hotel. Am nächsten Morgen machte ich noch eine Sightseeingtour durch Toronto mit dem Vorsatz, hier auch einmal ein paar Tage zu verbringen. Nachmittags ging mein Flug mit der BE um 18.25Uhr und erreichte am nächsten Tag 11.25 Uhr Düsseldorf. Es ist ganz erstaunlich, einmal mitzubekommen durch 6 Zeitzohnen zu fahren! Auch hat mich beeindruckt, wie unterschiedlich die kanadischen Landschaften sind - es ist ein tolles Land! :o-thumbsup:

      Zum Schluß kann man nur noch in Vertretung der Tiere ermahnen :o-attention:

      Erhaltet unsere Lebensbedingungen!

    • Das war wohl ein sehr abwechslungsreicher Urlaub. :sdanke: für die Schilderungen und die schönen Bilder. Die Eisbären haben mir (wie könnte es auch anders sein) besonders gut gefallen und auch die Herbstfarben in Vancouver (erinnert mich an den Indian Summer in den Neuenglandstaaten). :o-thumbsup:
      Liebe Grüße, Goldfinch
      :ilhr:


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