Mit der Fram in Spitzbergen vom 25. Juli bis zum 2. August 2012

    • 2012
    • Tag 7 (31.7.2012)

      Wir befinden uns nun an der nordwestlichsten Ecke von Svalbard. Ab etwa 1600 wurden in diesem Gebiet die damals zahlreich vorkommenden Wale so stark bejagt, daß sie innerhalb weniger Jahrzehnte praktisch ausgerottet waren. Die Holländer hatten dabei den größten Anteil und das ist der Grund für zahlreiche noch heute gültige Bezeichnungen für Berge, Fjorde u.ä. mit holländischem Ursprungs. Die bedeutendste Walfängersiedlung hatte den Namen Smeerenburg, in den Glanzzeiten lebten und arbeiteten dort im Sommer bis zu 300 Menschen bei Fang und Verarbeitung der Wale. Vor allem wurde der Speck der Tiere ausgekocht, um das sehr begehrte Walöl zu gewinnen, daneben wurden die Barten verarbeitet. Spuren dieser Zeit finden sich an der gesamten Küste in Form von erhaltenen Fundamenten von Gebäuden und Öfen, in denen der Speck verkocht wurden, aber auch in Form von Grabstätten. Viele der Walfänger verstarben und wurden an Land beerdigt, denn eine Seebestattung wurde damals nur dann vorgenommen, wenn jemand auf See verstarb. Heute stehen sowohl die Siedlungsreste wie auch die Grabreste als Kulturdenkmal unter Schutz.

      Um ca. 8.00 Uhr erreichen wir Ytre Noskøya im Norskøysund und um 8.30 Uhr können die ersten Passagiere an Land gehen. Hier sind die Überreste von neun Kochstellen mehr oder weniger deutlich zu sehen und man hat 165 Grabstätten in regelrechten Friedhöfen identifizieren können. Grund für die relativ zahlreichen Siedlungsreste ist einerseits die geschützte Lage, andererseits war damals sehr viel Treibholz vorhanden, das als Brennmaterial für die Tranöfen verwendet wurde. Für uns ist die ausgewählte Anlandestelle die schwierigste von allen, denn das Geröll am Strand erweist sich als äußerst glitschig infolge von Tang- und Algenbewuchs. „Wie immer“ steht etwa eine Stunde zum Landgang zur Verfügung. An den wichtigsten Grabstätten und an den Fundamenten der Öfen achten die Guides einerseits darauf, daß nichts beschädigt wird, vor allem aber informieren sie über die Geschichte und Hintergründe des Walfanges und wie mühselig und auch gefährlich er war.



      Um ca. 12.00 Uhr verlassen wir Ytre Noskøya und fahren durch den Smeerenburgfjord Richtung Magdalenenfjord, den wir um ca. 16.00 Uhr erreichen. Unterwegs gibt es um 14.00 Uhr eine Informationsveranstaltung zum morgigen Tag und zur Ausschiffung am 2. August.

      Der Magadalenenfjord ist der am meisten auch von „richtigen“ Kreuzfahrtschiffen angelaufene Fjord, weil er einerseits wegen der Wassertiefe auch von großen Schiffen befahren werden kann, andererseits wegen der hohen Berge ringsum und der Gletscher einer der spektakulärsten ist. Mitten im Fjord befindet sich eine flache Halbinsel, auf der über einen Zeitraum von rund 200 Jahren Tote bestattet wurden und deswegen trägt sie den Namen „Graveneset“. Etwa 130 Grabstätten sind heute noch zu sehen. Dieses Areal wie auch die Reste von Trankochstellen sind heute durch einen Zaun geschützt. Das ist vor allem durch den Kreuzfahrttourismus begründet, der sehr viele Menschen an diesen Ort bringt, denn auch von den großen Pötten wird angelandet und der Zaun macht einen Schutz der Kulturdenkmäler einfacher. Er ist mehr symbolisch, denn eigentlich ist es nur ein dicker an Metallpfählen befestigter Draht. Zusätzlich wird Graveneset während der Sommermonate durch einen dort in einer Hütte wohnenden Polizisten bewacht. Er hat Gesellschaft durch einen Biologen, der wiederum die Natur in der Region auch gegen den ausufernden Tourismus schützen soll. Beide gingen übrigens während der Liegezeit der Fram dort an Bord, um einmal richtig bequem duschen zu können und am Abend haben sie im Restaurant gegessen. Ihre Unterkunft ist wohl recht spartanisch eingerichtet und da ist ein wenig Zivilisation zwischendurch offensichtlich willkommen.





      Bei der Einfahrt in das Fjordende ist vom Schiff aus ein Eisbär am Berghang zu sehen. Das kann die Anlandung problematisch oder sogar unmöglich machen, aber der Eisbär bewegt sich in eine andere Richtung und dann sogar über eine Kuppe hinweg und ist dann nicht mehr zu sehen. Die Reiseleitung verfolgt ihn mit einem Polarcircleboot, um zu sehen, was er weiter macht. Nach einiger Zeit kommt Entwarnung: er hat sich in ausreichender Entfernung niedergelegt und schläft! So kann nun doch eine Anlandung erfolgen. Allerdings kann eine geführte Wanderung nicht stattfinden, weil sie planmäßig genau dorthin gehen soll, wo der Eisbär nun schläft, also gestrichen.

      An Land können wir uns auf Graveneset umsehen und lassen uns von den Guides über die Geschichte des Ortes informieren. Da es hier einen recht flachen Sandstrand gibt, wird die Möglichkeit eines Vollbades im eiskalten Fjordwasser angeboten. 24 Passagiere nehmen dieses Angebot wahr und bekommen dafür eine entsprechende Urkunde.



      Heute abend gibt es ein Buffet mit philippinischen Gerichten (der Großteil der Besatzung kommt von den Philippinen) bei freier Platzwahl. Gegen 20.00 Uhr verläßt bei fast wolkenlosem Himmel die Fram den Magdalenenfjord. Dafür muß sie einer Biegung folgen und dabei wird der Eisbär wieder sichtbar. Er steht mitten zwischen den Felsen des Berghanges und legt sich dann wieder schlafen, Entfernung zum Schiff ca. 500 Meter. Danach geht es dicht an der Küste entlang nach Süden, die tiefstehende Sonne beleuchtet dabei die Küste mit ihren hier hohen Bergen und zahlreichen ins Meer mündenden Gletschern. Abgeschlossen wird der Tag um 22.00 Uhr mit einer Mannschaftsshow in der Aussichtslounge auf Deck 7.

      Gruß

      Dacius
    • Lieber Dacius,

      tolle Bilder, die du uns da wieder präsentierst und die Informationen, die du uns dazu lieferst, bringt uns die recht fremde und unwirtliche Welt etwas näher - sehr interessant! Und wenn die Wolkendecke aufreißt, wie auf deinen letzten Bildern, leuchten Himmel, Schnee, Eis und Meer noch mal so schön! Herzlichen Dank für alles! :thank_you:

      Liebe Grüße

      von Ulli
    • Tag 8 (1.8.2012)

      Während der Nacht sind wir wieder nach Süden zum Isfjord gefahren, dem flächenmäßig größten Fjord in Svalbard und an dessen Nebenarmen auch die bedeutendsten heute bewohnten Siedlungen Longyearbyen und Barentsburg liegen, dazu die heute verlassene Ortschaft Pyramiden.

      An der nördlichen Seite des Fjordeinganges liegt das Ziel des heutigen Vormittages. Um ca. 8.00 Uhr läßt die Fram in einer Bucht bei Trygghamna unterhalb des Alkehornet den Anker fallen. Nach der üblichen Ortserkundung durch die Expeditionsführer können kurze Zeit später die ersten Passagiere an Land gehen zur einstündigen Erkundung der Umgebung. Die Gegend ist verglichen mit den meisten anderen Anlandestellen relativ flach und es liegt nicht so viel Geröll herum, ist also leicht begehbar. An den Steilhängen des Alkhornet brüten tausende von Seevögeln, deren Dung einen reichhaltigen Pflanzenwuchs ermöglicht. Man geht auf einer dicken Moosdecke wie auf einem Teppich, das ebenfalls dichte Gras zieht Svalbardrentiere an, wir sehen eine Herde mit ca. 30 Exemplaren. Sie lassen uns auf teilweise auf eine Distanz von zehn Metern heran und ziehen dann gemütlich weg. Offensichtlich gehört der Mensch hier nicht zum Feindbild. Auf einer kleinen Anhöhe befinden sich die Reste einer Trapperhütte, ganz offensichtlich aus mit einzelnen Brettern und Balken verstärkten Torfstücken erbaut und wohl deswegen nur noch diese wenigen Trümmer.





      Um ca. 13.00 Uhr verläßt die Fram diesen Platz, fährt zum Ekmanfjord an der Nordseite des Isfjordes und trifft dort um 18.30 Uhr ein. Bereits auf dem Wege dorthin werden Vorbereitungen zum Barbecue auf Deck 7 getroffen, denn das Wetter ist genau passend. Um 17.30 Uhr verabschiedet sich unser Kapitän von den Passagieren und wünscht allen eine gute Heimreise. Er sagt noch, er habe in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli erstmalig Blauwale mit eigenen Augen gesehen und das muß wohl etwas bedeuten!

      Die ersten Anlandungen am Strand finden um ca. 19.00 Uhr statt. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt befinden sich mehrere Zelte und Kajaks, von den Bewohnern bzw. Fahrern ist nichts zu sehen. Die Angehörigen der Gruppe werden sich wohl auf einer Wanderung sein. Interessant an diesem Strandabschnitt sind viele Versteinerungen von Lebewesen, die neben der vorhandenen Kohle daraufhin deuten, daß sich Svalbard vor vielen Millionen Jahren in tropischen Breiten befand und seitdem quasi auf dem flüssigen Erdinnern treibend nach Norden schwimmt. Wir folgen noch einen schnell fließenden Bach bis zu einem mehrere Meter hohen Wasserfall am Ende einer Schlucht, müssen dann wieder zur Anlandestelle und werden wieder zurück auf die Fram gebracht. Die nun nicht mehr benötigten Schwimmwesten lassen wir auf Deck 2 zurück.





      Wie im Tagesprogramm angekündigt wird ab 19.00 Uhr das Abendessen als Barbecue auf Deck 7 angeboten. Das Menü ist natürlich nicht ganz so vielseitig wie im Restaurant, läßt aber trotzdem keine Wünsche übrig. Es ist dabei absolut windstill und fast wolkenlos, aber mit Temperaturen um +5°C recht kühl.

      Gegen 23.00 Uhr verläßt die Fram den Ekmanfjord und überquert den Isforden Richtung Longyearbyen.



      Tag 9 (2.8.2012)

      Um 1.00 Uhr morgens legt die Fram im Hafen von Longyearbyen an. Bis dahin können wir unsere Kabinen nutzen, brauchen also nicht mit gepackten Koffern in irgendwelchen Aufenthaltsräumen sitzen und versuchen, noch ein wenig zu schlafen.

      Nach dem Anlegen am Kai werden wir decksweise gebeten, das Schiff zu verlassen, was auch sehr gut klappt. Die deutschsprachige Gruppe wird umgehend mit den bereitstehenden Bussen zum Flughafen gebracht, ab 2.00 Uhr können wir boarden. Während des Wartens kommen bereits unsere „Nachfolger“ aus Düsseldorf an und steigen direkt in die Busse, die uns gerade gebracht haben. Um 3.20 Uhr hebt die AirBerlin-Maschine ab und kommt nach ruhigem Flug pünktlich um 7.55 Uhr in Düsseldorf an. Wir fahren anschließend mit dem Skytrain zum Flughafenbahnhof und von dort nach Haus. Uns sind noch die sehr peniblen Kontrollen am Flughafen in Longyearbyen bei der Abreise aufgefallen, ungewöhnlich viele Personen wurden abgetastet und / oder mußten ihre Schuhe ausziehen, die dann separat durchleuchtet wurden. Die anderen Teilnehmer auf dieser Reise mit der Fram flogen erst am mehrere Stunden später ab und hatten eine weitere Übernachtung im Radisson-Hotel Longyearbyen.

      Gruß

      Dacius
    • ..., nein, ganz vorbei ist es noch nicht. Es folgt noch ein Rückblick bzw. Fazit und da werden auch einige Bilder vom Innern des Schiffes dabei sein. Aber vorab: die Reise hat uns in jeder Hinsicht außerordentlich gut gefallen, wir haben jede Minute genossen und die wenigen Tage sind viel zu schnell vorbei gegangen.

      Dacius
    • Hallo Dacius,

      ich danke Dir ganz herzlich für die sehr informativen Tagesberichte mit den nützlichen Hinweisen zu Deiner tollen Reise und den absolut wunderschönen Fotos. Ich kann das gut nachvollziehen, dass die Tage wie im Fluge vorbeigegangen sind und das Wetter hat ja gut mitgespielt. Leider kann man die Zeit nicht anhalten. Nun habe ich dank Deiner Berichterstattung den Norden, Westen und Süden von Svalbard auch schon mal bildmäßig aufgenommen. Mal sehen, wie es mir bei der Umrundung von Svalbard ergehen wird. Wettermäßig, zumindest nach der Vorherschau, sieht es da nicht so günstig aus. Also abwarten und dann nehmen wie es kommt.
      Gruß woma
    • Lieber Dacius!

      Auch von mir ein letztes, herzliches Dankeschön zu deinem tollen Bericht und den dem in nichts nachstehenden Bildern. Alles war sehr beeindruckend und faszinierend, sowohl von der Landschaft her als auch von der Tierwelt dieser Region. Auch ich bin ein wenig traurig, dass es bereits zu Ende ist, freue mich aber gleichzeitig schon auf weitere Berichte aus diesen eisigen Gefilden!

      Liebe Grüße

      von Ulli