MS Polarlys (northbound)

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    • MS Polarlys (northbound)

      Und nun beginnt es schon, daß die Erinnerungen ineinander verschwimmen. Insofern fasse ich die Tage mal gedanklich zusammen und gehe nicht "Stunde für Stunde" durch... :)


      1. Tag ( Bergen )

      Recht unspektakulär: Schiff beschnuppern, Essen fassen, Sicherheitseinweisung anhören, Nils (unseren Reiseleiter) kennengelernt, meine Geburtstagsausflüge "Nordkapp" und "russiche Grenze" gebucht und leider Christian verpaßt, der zum Abschied nehmen noch einmal unsere Polarlys besucht hat.


      2. Tag ( Torvik , Ålesund , Molde & Kristiansund )

      Ålesund wird mir für immer negativ in meinem Gedächtnis verbleiben.
      Es gab einen geführten Stadtspaziergang, den ich aber nicht gebucht habe, sondern, wie viele von uns, die Stadt auf eigene Faust erkundet.
      Leider hat es so stark geregnet, daß meine (versiegelte!!!) Digitalkamera den Geist aufgegeben hat. Dieses konnte später auch nur durch einen sehr kostspieligen Austausch des Mainboards bei Canon in Oslo behoben werden.
      Insofern konnte ich für den Rest der Reise (ja genau, sie fing gerade erst an!!!) nur meine kleine Kompakte nutzen. Aber, nun gut, ich habe diese Reise ja nicht gemacht, um mich zu ärgern.


      3. Tag ( Trondheim & Rørvik )

      Am dritten Tag hieß es gleich: früh aufstehen! Denn neben uns im Hafen lag die MS Nordstjernen. Das ist bekanntermaßen das älteste Schiff in der aktuellen Flotte und sollte mein erstes "Besuchsschiff" werden. Ein gewaltiger Unterschied!
      Danach schnell zum Frühstück, da ich die Tour "Stadtrundfahrt mit Nidaros Dom" gebucht habe: die Tour war sehr interessant. Eher ungewöhnlich war der Ablauf der Tour, da wir durch ein am Mittag stattfindendes Konzert im Nidaros-Dom vorher unsere Tour dort begonnen haben. Dadurch war es leider noch recht dunkel, so daß wir die sehr beeindruckenden Fenster nicht sehen konnten. Anschließend ging es mit dem Bus quer durch die Stadt, unser Guide erzählte uns sehr viel zur Geschichte und zur Stadt. Dann ging es auf einen Berg von dem aus wir einen wunderbaren Blick über die Stadt und den Hafen hatten. Da machten wir dann logischerweise auch einen "Photostopp". Danach fuhren wir durch viele kleine Straßen und weiteren interessanten Geschichten wieder zurück zum Hafen. Wer, wie ich, Lust hatte, wurde in der Stadtmitte rausgeschmissen und konnte den Weg zum Hafen zu Fuß gehen. Da wir noch ein wenig Zeit hatten, konnte ich dieses nutzen, um weitere Eindrücke zu sammeln. Witzig fand ich den "way of pray": auf 300 Meter Straße verteilten sich diverse Kirchen, u.a. eine evangelische, eine katholische, eine buddhistische, Mormonen, eine Moschee - da hat man Sonntags echt die Quaal der Wahl! ;)
      Abends hatte ich dann in Rørvik noch die Möglichkeit, die MS Trollfjord zu besichtigen. Was für mich sehr beeindruckend war, da es sich hier ja um ein komplett anderes Konzept handelt. So konnte ich an einem Tag das älteste und das (nicht ganz) neueste Schiff der aktuellen Flotte besichtigen.


      4. Tag ( Polarkreis , Ørnes , Polarkreistaufe, Bodø & Svolvær )

      Das war der mit Abstand aufregendste Tag so weit!
      Um 08:22:21 haben wir den nördlichen Polarkreis überquert. Dabei fuhren wir an einer Miniinsel vorbei, auf der ein kleiner, beleuchteter Globus steht und den Polarkreis markiert. Das Schiffshorn wird zur Feier dieser Überquerung eingesetzt und nun weiß man, daß man zu einem kleinen Kreis von Menschen gehört, die diese magische Grenze überquert haben.
      Passend dazu fand dann um 11:30 Uhr die Polarkreistaufe auf Deck 7 statt. Hierzu waren Marianne (unsere Restaurantchefin) und Nils mit einem Eimer Wasser bewaffnet. Jedoch enthielt der Eimer nicht nur Wasser sondern auch gaaaaaanz viele Eiswürfel! Nils erzählte uns eine kleine Geschichte zu dem denkwürdigen Ereignis der Polarkreisüberquerung und stellte uns Neptun vor. Nachdem Neptun uns wohl gesonnen war, ging es an die Taufe. Dabei wurde jedem von uns eine sehr große Schöpfkelle mit Eiswürfeln und viel Wasser in den Nacken gegossen und zur Aufwärmung nach dieser Abkühlung gab es ein Glas leckeren Moltebeerenschnaps. Und so darf ich mich nun, seit 11:39 Uhr als offiziell getaufter Polarkreisüberquerer, nicht ohne Stolz, weiter auf die Reise begeben!

      Kurz nach dem Mittag wurde ich dann ausgerufen und sollte zu Nils kommen. Durch ein kleines Mißverständis hatte er mich für die Rib-Safari eingebucht und wollte mir nun mitteilen, daß mein Platz frei sei. Ich hatte mich zuhause schon dafür interessiert und hatte echt große Lust dazu. Aber ich hatte zu viel Angst. Mit nem Schnellboot als Schlauchboot über’s Wasser zu düsen, das jagt mir schon Angst ein! Und dann ist das ja auch nur so ein kleines... Und dann war da ja noch die Geschichte mit den Klamotten: man bekommt vor Ort warme Kleidung. Da ich nun mal noch nie eine Claudia Schiffer Figur hatte, waren schon Bedenken da, daß sie keine Kleidung in meiner Größe haben. Und dann kam es ja echt plötzlich und völlig unvorhersehbar aus einem Mißverständis heraus, daß Nils mich ausrief und mir sagte, daß ich nun dafür gebucht sei. Oh ha, dachte ich mir. Naja, egal, wird schon schief gehen.
      Also schnell warme Kleidung angezogen (man weiß ja nie) und raus zu der Hütte. Als mich einer der Helfer sah, ging er gleich nach hinten und holte mir meinen persönlichen Anzug. Also habe ich mich da rein geworfen – ohne Probleme, ohne Presswurst zu sein und ohne, wie eine auszusehen... :)
      Ok, erster Schritt ist geschafft. Nun kommt das Boot. Man ist das klein! Oh ha, sind die Sitze klein. Egal, rein da. Und siehe da – auch das paßt gut. Und dann fuhren wir los – recht schnell durch den Hafen. Und Leonie, unsere ganz, ganz liebe und süße Begleiterin erzählt uns, daß wir im Hafen ein Speedlimit haben, aber gleich fahren wir auf’s offene Meer (WAS? SCHOCK!!!) und dann geben wir richtig Gas (WAAAAAAAS???)!
      Und was soll ich sagen: es war grandios! Wir sind über das Meer geprescht, das Wasser spritzte nur so, das Boot spielte mit den Wellen, das Meer mit uns und ich ... war glücklich! Ich hatte ein breites Lachen im Gesicht, genoss die Fahrt und freute mich, daß ich diese Tour machen konnte! Und wir hatten ja sooooo viel Glück auf der ganzen Tour: der Saltsträumen war an dem Tag fast auf seinem Höhepunkt, es haben sich rieeeeesige Wirbel gebildet und wir haben hunderte, tausende von Vögel gesehen und als Highlight noch mindestens 30 bis 40 Seeadler ! Sitzend, fliegend, jagend, junge, alte – es war fantastisch! Und Leonie war so toll. Am Ende erzählte sie uns dann, daß es ihre letzte Fahrt für dieses Jahr war. Sie kommt aus Leverkusen, ist nur für die Saison in Norwegen, jetzt kommen die Nacharbeiten und dann geht’s in ein paar Tagen wieder nach Deutschland zurück – deshalb waren die beiden Mädels auch so emotional. Und das konnten wir echt merken – das hat der Tour noch einmal eine besondere Note gegeben.

      Abends haben wir dann in Svolvær angelegt und hatten knapp Zeit, Magic Ice zu besichtigen. Dabei handelt es sich um eine alte Kühlhalle, die mit Eisfiguren, Licht- und Soundeffekte und kleinen Geschichten gefüllt ist. Optional kann man an der Eisbar einen alkoholischen Drink zu sich nehmen, der in Eispickeln serviert wird. Man trinkt also seinen Drink aus einem Einwegglas aus Eis. Die Ausstellung ist ganz interessant, ist jetzt aber auch nicht soooo spannend. Durch den Drink aus dem Eisglas erhält der Besuch aber eine nette Note.


      5. Tag ( Harstad , Finnsnes und Tromsø )

      An diesem Tag war Tromsø das Highlight. Eine Stadt, in die ich mich später noch verlieben sollte!
      Ich habe dort den geführten Stadtrundgang mitgemacht. Elke, unsere Führerin war leider nicht so toll und machte einen sehr gehetzten Eindruck. Nachdem wir ein wenig abseits des Schiffes waren, erzählte sie uns ein wenig zu Tromsø und zur "Nordpol"- und Walfanggeschichte. Danach ging es dann in das Polarmuseum. Ich kann mit voller Überzeugung jedem raten, dieses Museum nicht zu besuchen. Es handelt sich dabei nur um eine sinnlose und unorganisierte Ansammlung von Gegenständen, die irgendwie mit dem Nordpol, Nansen und der Fram zusammenhängen. Die einzigen beiden "interessanten" Ausstellungen sind zwei plastisch dargestellte Szenen aus der Zeit der Wal- und Seehundjagd. Da hierbei aber die brute Ermordung eines meiner geliebten Seehunde dargestellt wird, finde es es einfach nur geschmacklos, gerade das und auch so darzustellen. Sicherlich gehört das zur Geschichte der Stadt, aber gerade das und auch nur das plastisch darzustellen - das ist echt "unglücklich" gemacht.
      Nach dem Museum ging es dann ein wenig weiter durch die Fußgängerzone hin zu Mack - die weltweit nördlichste Brauerei. Sie wurde 1877 von einem Deutschen gegründet, produziert noch heute mit vorwiegend lokalen Zutaten, stellt diverse Geschmacksrichtungen her und erfreut sich großer Beliebtheit. An die Brauerei angeschlossen sind die ølhallen - eine Art große Kneipe, die sich einer langen Tradition erfreut und Montag bis Samstag in der Zeit von 09:00 bis 18:00 geöffnet ist. Ja, genau, nicht 18 - 9, sondern 9 - 18. :)


      6. Tag ( Hammerfest , Havøysund und das Nordkapp)

      Bei meinem ersten Hammerfest Besuch wurde ich ein wenig verarscht. Planmäßig sollten wir dort von 05:15 bis 06:45 vor Anker liegen. Da ich mir die Stadt schon einmal anschauen wollte, gibt ja schließlich viel zu sehen (u.a. Eisbärenclub, Meridiansäule, Erdgasverflüssigungsanlage und eine architekonisch interessante Kirche), mußte ich also wieder recht früh aufstehen. Leider hatten wir es aber in meinen vier Stunden Schlaf geschafft, eine Stunde Verspätung anzuhäufen, so daß ich erst um 06:20 von Bord gehen konnte - als Einziger.

      Um 12:00 gab es dann ein weiteres Highlight: wir haben den Bus geentert und sind in Richtung Nordkapp aufgebrochen. In Honningsvåg , von dem aus die Tour startet, gab es den ersten Wintertag des Jahres und das war selbstverständlich mit Schnee verbunden. Da es aber erst seit ein paar Stunden schneite, war die Fahrt zum Nordkapp völlig unproblematisch. Zwar sind wir auch einem Schneepflug begegnet, der war aber eher aus Langeweile auf der Straße.
      Am Nordkapp angekommen, wurden wir allerdings von einem echt heftigen Schneesturm begrüßt. Es war so stark, daß man, um zur Weltkugel, dem Symbol des Nordkapps, zu gelangen, sämtliche Haut bedecken mußte und sich am Geländer festhalten mußte, da wir sonst weggeweht worden wären. Man sagte mir, daß hinter dem Geländer der Aussichtsplattform der Berg steil und tief hinunter zum Meer abfällt, ein sehr beeindruckender Anblick. Wie gesagt, "man sagte mir" ... Sehen konnten wir absolut Nichts außer Schnee und Nebel. War praktisch der gleiche Anblick, als wenn man mit einem Flugzeug durch Wolken fliegt - eine einzige Suppe.
      Wir fanden es zwar im ersten Moment alle recht schade, aber nach einiger Zeit verbreitete sich eine ganz andere Meinung: so viele Menschen haben unendliche Strapazen auf sich genommen, um diesen Punkt zu erreichen. Einige haben dabei sogar ihr Leben gelassen. Insofern mußten wir diesen Menschen schon einen Tribut zahlen. Es wäre "nicht richtig" gewesen, wenn wir am NORDKAPP stehen und blauen Himmel und Sonnenschein haben! :)

      Am Abend sollte es dann ein großes Königskrabbenbuffet geben. Dieses mußte leider ohne mich stattfinden. Es stellte sich nämlich eindrucksvoll heraus, daß die Barentssee kein Fan von mir ist! Sie tobte sich in vollem Maße aus, schüttelte das ganze Schiff durch, verschluckte es und spuckte es wieder aus. Sehr, sehr eindrucksvoll ... aber leider auch ein wenig zu eindrucksvoll. Insofern fand das "große" Buffet auch nur als "kleines" Buffet statt, denn es waren nur 40 Gäste erschienen.


      7. Tag ( Kirkenes & Vardø ) - mein Geburtstag

      Ich war morgens zwar immer noch nicht ganz wiederhergestellt, aber ich hatte meine ganze Reise darauf aufgebaut, an diesem Tag am "Ende der zivilisierten Welt" zu stehen, insofern ging es nach einem magenschonenden Frühstück zum Bus, der gegen 10:00 in Richtung "russische Grenze" aufbrach. Unser Guide, Mathias, führte uns durch Kirkenes und erzählte uns ein wenig über die Geschichte der Stadt und der Gegend. Sehr interessant fand ich die Tatsache, daß viele Einwohner zum Einkaufen "mal schnell" rüber nach Finnland fahren, da dort viele Sachen einfach viel günstiger sind. Auch witzig ist es, daß man dort zu Silvester drei Mal ins neue Jahr feiern kann: man fährt ein paar Meter nach Russland und feiert, dann fährt man ein paar Meter nach Finnland, um dort ne Stunde später zu feiern, um dann nach Hause zu fahren, um dort dann eine Stunde später den finalen Jahreswechsel zu feiern (UTC und Medwedjew machen's möglich).
      Es war schon beeindruckend, an der Grenze zu stehen. Zu begreifen, daß es dort jetzt nicht weitergeht. Ein Umstand, den ein durchschnittlicher Europäer nach Schengen ja gar nicht mehr kennt. Auf der anderen Seite steht man am Beginn. Und zwar auf den ersten Metern der berühmten E6, die direkt von Kirkenes quer durch Europa führt und auf dem Petersplatz im Vatikanstaat endet.



      Und damit endet die Tour der nordgehenden MS Polarlys, die ab sofort ihren Namen wechselt - sie wird zur südgehenden MS Polarlys...
    • Danke für den tollen nordgehenden Bericht, kindheitstraum.

      Auf die Saltstraumentour per Speedboat habe ich mich noch nicht getraut ... Ob ich es jetzt im Januar mal wagen soll? Ich weiß gar nicht, ob der Ausflug dann angeboten wird.

      Ärgerlich, dass Du nur so knapp Zeit hattest in Hammerfest . Aber Du warst auf der südgehenden Tour sicher nochmal an Land? Und wer weiß, wie oft Du anschließend noch dort warst. :x-wink:

      Und die Barentsee sieht Dich nie wieder? Wenn ich das lese, dann wird mir auch schon anders, wenn ich an meine Reise im Januar denke. :blerg:
    • kindheitstraum wrote:

      Ich kann mit voller Überzeugung jedem raten, dieses Museum nicht zu besuchen. Es handelt sich dabei nur um eine sinnlose und unorganisierte Ansammlung von Gegenständen, die irgendwie mit dem Nordpol, Nansen und der Fram zusammenhängen

      Seltsam, uns hat das Polaria sehr gut gefallen, vor allem den Spitsbergenfilm fanden wir auch sehr interessant. Und natürlich die Seehundfütterung.

      Mia HH wrote:

      Auf die Saltstraumentour per Speedboat habe ich mich noch nicht getraut ... Ob ich es jetzt im Januar mal wagen soll? Ich weiß gar nicht, ob der Ausflug dann angeboten wird.

      nein - wird er nicht! Du würdest ja auch nichts sehen weil es um diese Zeit dunkel ist.
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

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    • Danke Arctica, wie dumm von mir. :x-wink: Hätte ich ja selbst drauf kommen können ...

      Polarmuseum ist nicht gleich Polaria. Das Polarmuseum liegt zwischen Hurtigrutenanleger und Brücke.

      Darf ich den Link hier posten? Kann ja sonst jemand wieder entfernen.

      www2.uit.no/ikbViewer/page/ans…ng=2&p_dimension_id=88178

      Ich hatte überlegt, dem Museum einen Besuch abzustatten, wenn ich in Tromso bin (vorausgesetzt die Nordkapp hat keine Verspätung).
    • Uupps - sorry, hatte ich nicht gecheckt mit dem Museum, da wir seinerzeit im Polaria waren.
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    • Arctica wrote:

      Seltsam, uns hat das Polaria sehr gut gefallen, vor allem den Spitsbergenfilm fanden wir auch sehr interessant. Und natürlich die Seehundfütterung.
      STOPP!!! :x-crying:
      Ich spreche von dem Polarmuseum, du meinst Polaria!
      Polaria ist definitiv einen laaaaangen Besuch wert! Ich habe dort einen ganzen Tag verbracht und mich sehr intensiv mit den Seehunden angefreundet. Da das aber während meines Tromsø Aufenthalts geschah, habe ich dazu noch keine Stellung genommen.
      Und du hast auf jeden Fall Recht - der Spitzbergenfilm ist echt "spitze". Und wenn man im Winter mit ein wenig Zeit ankommt, kann man auch nach einer Vorführung des Antarktis-Films fragen. Auch der ist sehr interessant und sehr eindrucksvoll!
    • Bericht hierherverschoben da es ja kein Live-Bericht mehr ist.

      Sorry - kindheitstraum - wie gesagt, hatte nicht gecheckt dass es sich um ein anderes Museum handelt. Gut zu wissen das man dieses nicht besuchen sollte.
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    • MS Polarlys (southbound)

      7. Tag ( Kirkenes & Vardø ) - mein Geburtstag

      Aus Kirkenes ablegend waren wir ja nun die südgehende MS Polarlys. Und gleich am Hafenende konnten wir auf backbord Seite die russische Fischfangflotte sehen, die für zwei Monate im Jahr auf Königskrabbenfang gehen. Obwohl sie praktisch 10 Monate im Jahr vor Anker liegen, ist ihr Heimathafen in Kirkenes . Wie sagte unser Guide so schön: wenn sie die 80 km zurück in ihren Heimathafen fahren würden, kämen sie durch sieben Bezirke - jeder Bezirk muß einzelnd beantragt werden, man muß sieben Mal "auf" den Tisch zahlen - und auch sieben Mal "unter" dem Tisch. Wenn sie in Kirkenes bleiben, müssen sie es nur einmal beantragen und auch nur einmal auf den Tisch zahlen.
      Ich finde, das sagt schon Alles aus, oder? ;)

      Abends haben wir dann in Vardø angelegt. Dort gibt es auch wieder eine kleine Festung, die ich mir nach meinen ganzen Erfahrungen, die ich in Festungen sammeln durfte, natürlich auch ansehen wollte. Da wir nur knapp 45 Minuten Liegezeit hatten, waren es für Viele zu riskant. Aber zusammen mit fünf weiteren "Mutigen" habe ich mich auf den Weg gemacht und staunte nicht schlecht, als zwei Soldaten uns freundlich und mit Fahnen am Hafen abholten und uns zur Festung geleiteten. Das hatte etwas sehr Feierliches: vorweg ging ein Soldat, der die Norwegische Fahne trug, wir sechs Menschen dann im Entengang hinterher und den Abschluß bildete der zweite Soldat mit der Fahne des Regiments. Wir waren ein richtig kleiner Festmarsch! :)
      Und so kamen wir nun in der östlichsten Festung Norwegens und auch in der nördlichsten Festung der Welt an! Sie wird auch heute noch genutzt und sogar bewohnt. Es ist ein schönes kleines Museum beheimatet, das viel über die Geschichte erzählt und es sind auch viele Gegenstände der vergangenen Zeit ausgestellt. Alle Gebäude sind frei begehbar.

      Am Abend meines Geburtstags war es dann endlich so weit: Polarlichtalarm auf backbord! Man lernt auf dieser Reise einfach, jederzeit auf einen Alarm vorbereitet zu sein: vergiß' Feueralarme, vergiß' Bombenalarme - aber wenn jemand "Polarlicht an backbord" schreit, dann greifst du dir deine allzeit bereitliegende warme Kleidung, deine Kamera und rennst raus! :)
      "Leider" war es aber nur ein kleines grünes Flackern über den Bergen . Natürlich war es irgendwie "schön", aber "beeindruckend" war das nicht. Das war so ziemlich das Gegenteil von dem sagenhaften Effekt, den das Polarlicht aus Erzählungen hat. Aber egal, wir haben Nordlicht gesehen! :)
      Anmerkung 1: ich verstehe nicht, wie man bei Polarlichtalarm in seiner Kabine bleiben kann, sich auf's Bett hockt und versucht, bei einer tageslicht-ähnlich beleuchteten Kabine, durch das kleine, beschlagene Bullauge Nordlicht zu erkennen.
      Anmerkung 2: "leider" setzte ich bewußt in Anführungsstriche, denn hätten wir hier ein "tolles" Nordlicht gesehen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, nach meiner Tour für eine weitere Woche nach Tromsø zu reisen und hätte keine Möglichkeit gehabt, mich in diese sagenhafte Stadt zu verlieben!


      8. Tag ( Havøysund , Hammerfest & Øksfjord )

      Heute hatte mich Hammerfest auch wieder lieb... ;)
      Es war ein wundervoller Tag mit dem ersten Sonnenschein der ganzen Reise! An dieser Stelle ist auch endlich die Zeit gekommen, einen kleinen Wetterexkurs zu unternehmen: wir hatten ein echt "schlechtes" Wetter auf der gesamten nordgehenden Polarlys. Und ich meine nicht, daß es geregnet hat oder geschneit oder nicht warm genug oder nicht kalt genug oder was auch immer man sich vorstellen kann, nein, es war immer dreckiger Nebel. Man konnte von der Landschaft absolut Nichts erkennen. Es gab sehr viel Zeit, in der ich am Bug des Schiffes auf Deck 5 stand (mein Lieblingsplatz) und mich umschaute, das Grau aber nicht erkennen konnte - war das nun Himmel oder sind das verschmutzte Berge oder doch der Horizont? Geht das nicht in Wasser über? Fragen über Fragen! Und es hat halt sehr, sehr viel geregnet. Ich muß natürlich nicht ansatzweise erwähnen, daß wir nicht einmal einen Hauch von Nordlicht sehen konnten, was ich mir so gewünscht hatte...
      In Kirkenes haben uns doch recht viele Passagiere verlassen, so daß wir auf der südgehenden Tour nur noch paradiesische 60 (in Worten: sechzig!!!) Passagiere waren. Hätte ich dazu gehört und wäre nach Hause gefahren, könnte ich auf die Frage, wie es war nur antworten: "Norwegen soll ein schönes Land sein - sagt man! Gesehen habe ich leider Nichts!"
      Aber zurück zu Hammerfest : ich wollte auf jeden Fall die Meridian Säule sehen. Sie markiert einen der Vermessungspunkte des Struve-Bogens. Dabei handelt es sich um die genaueste Erdvermessung, die seinerzeit durchgeführt wurde. Sie liegt "fast" auf einem Meridian und führt von Nordnorwegen bis ans Schwarze Meer, also knapp 3.000 km. Diese Vermessung wurde 1816 - 1852 durchgeführt. Und nachdem fast zwei Jahrhunderte später diese Messungen mit modernsten Methoden überprüft wurden, stellte sich heraus, das die Messung nur um 3 Meter ungenau war! Eine ungeheure Meisterleistung und insofern ein historisches Ort, den ich einfach mit einem Besuch würdigen muß!
      Witzigerweise erzählte ich auf dem Schiff davon und eine weitere interessierte Frau, mit der ich mich die vergangenen Tage angefreundet habe, kam überraschenderweise zu mir und fragte mich, ob sie sich an dem Taxi beteiligen könnte, das ich geordert hatte. Selbstverständlich, also zogen wir gleich nach dem Anlegen mit dem Taxi in Richtung Meridiansäule.
      Als wir zurück am Anleger waren, hatte ich immer noch genügend Zeit, Mitglied in der "The Royal and Ancient Polar Bear Society" zu werden. Auch hier sei mal wieder der Winter und unsere "magere" Belegung gelobt - ich war der einzige, der sich in dem Museum / Clubhaus befand und hatte genügend Zeit und Platz, Alles in Ruhe zu erkunden. Ich hatte ja schon schreckliche Berichte über lange Schlangen und fast verpaßte Schiffe gelesen, weil so viele Passagiere Mitglied werden wollten und die Aufnahmeprozedur auch ein wenig Zeit in Anspruch nimmt, insofern war ich mal wieder der Glückliche!
      Um auch noch das dritte Highlight aus Hammerfest zu erwähnen: es gibt dort die größte Erdgasverflüssigungsanlage Europas, die erst seit drei Jahren in Betrieb ist. Leider kann man dieses Werk nicht besichtigen, was ich sehr gerne getan hätte.


      9. Tag (Andøy, Sortland , Stokmarknes & Svolvær )

      In Andøy / Risøyhamn wurde mir das erste Mal so richtig die Bedeutung der Hurtigruten im Norden bewußt. Es ist jedes Mal ein Großereignis, wenn das Schiff anlegt, viele Bewohner versammeln sich am Hafen, begrüssen ihre Lieben, die ankommen oder gehen selbst auf Reise. Wiederum andere, und das sind viele, kommen auf das Schiff, um einen Kaffee zu trinken und den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Der Hafen wurde von einem einzigen Mann geführt: es hat das Schiff vertaut, die Ladung ent- und verladen, die Ware auf die Abholer verteilt und auch den ganzen Papierkram gemacht. Aber er wurde tatkräftig von seinem ca. 10 Jahre alten Sohn unterstützt, der ganz interessiert war und die einzelnen Paletten abgescannt hat, die ankamen oder verladen wurden.

      Auf dem Weg nach Sortland sind wir durch die Risøyrenna gefahren, eine ausgebaggerte Schiffstraße, die links und rechts mit Bojen markiert ist. Bei diesem Ereignis war ich ungewohnterweise mal nicht alleine an Bug. Ein älterer Mann, der diese Fahrt vor ein paar Jahren schon einmal gemacht hatte, erzählte mir, daß man, wenn man Glück hat, einen Kormoran sehen kann, der auf solch einer Boje sitzt. Doch wenn das mit Glück zu tun hat, müssen wir in einen Glückstopf gefallen sein, denn je näher wir kamen, um so besser konnten wir erkennen, daß auf jeder einzelnen Boje mindestens fünf Kormorane saßen. Und da sie oft zum Tauchen losflogen, kamen sie natürlich auch oft wieder und breiteten ihre Flügel in der bekannten und markanten Weise zum Trocknen aus.

      In Sortland wurden wir dann wieder vollzählig, da einige den Vesterålen Ausflug gebucht haben und schon in einem vorherigen Hafen ausgestiegen waren. Sie erzählten, daß beschlossen wurde, aus Sortland die "blaue Stadt" zu machen. Als ich das hörte, wollte ich sofort aussteigen und für immer dableiben. Aber dann erzählten sie mir, daß es wohl nicht so gemeint ist, wie ich mir erhofft hatte - das hat nämlich Nichts mit Alkohol zu tun, sondern alle Gebäude sollen über Kurz oder Lang mit blauer Farbe angestrichen werden. Den Sinn darin zu finden, lege ich mal in andere Hände... Insofern konnte ich doch weiter auf dem Schiff verbleiben! ;)
      Aus Sortland haben wir dann mit fast halbstündiger Verspätung abgelegt, was aber ganz schön war, denn so konnte man mal sehen, daß die Hurtigruten auch wirklich noch genutzt werden und nicht nur Touri-Schiffe sind: es wurden nagelneue VOLVOs entladen, auf die ihre neuen Besitzer schon sehnsüchtig gewartet haben, und im Gegenzug haben wir dafür drei komplette Sattelschlepper mit Frischfisch bekommen; und da die Paletten ja jeweils als Zweierpaket mit Gabelstaplern ins Schiff verladen werden, dauert das natürlich ein bißchen.

      In Stokmarknes befindet sich das Hurtigruten Museum, das für Passagier kostenfrei besucht werden kann, was wir natürlich alle gerne in Anspruch genommen haben. Das Museum ist recht interessant, besonders die Beschreibungen und plastischen Darstellungen der früheren Tage. Neben dem Museum, aber zum Museum gehörend, liegt die alte Finnmarken, die man auch gerne besichtigen kann. Das war für mich persönlich jetzt nicht so der Hit, da vieles mit der Nordstjernen vergleichbar ist, die ich ja schon besichtigt hatte. Zudem war das Schiff in einem bedauernswerten Zustand. Ich weiß nicht, ob gerade eine größere Renovierung durchgeführt wird, aber überall steht oder liegt etwas herum und jede noch so kleine Räumlichkeit ist vollgemüllt.
      Da ich das Museum aber noch ein wenig inspiziert habe und so recht spät zum Schiff zurück kam, hätte ich fast vergessen, die interessante Werbung zu photographieren, die an der Außenseite des Museums hing. Als ich das nun nachholte, wurde ich vom Captain durch das Betätigen der Schiffshupe doch eindrucksvoll dazu ermuntert, zügigen Schrittes zum Schiff zurückzukehren. :)

      Nils hatte uns eingeladen, einen befreundeten Künstler in Svolvær zu besuchen, der seine Galerie direkt in Hafennähe hat. Da Nils ein faszinierender Mensch mit einer tollen Geschichte ist und bis dahin immer sehr gute Tipps hatte, bin ich dieser Einladung gefolgt. Leider stellte sich heraus, das ich mit den Werken dieses Künstlers überhaupt Nichts anfangen kann. Insofern verließ ich die Galerie recht schnell wieder, um Richtung Kriegserinnerungsmuseum zu gehen, das direkt gegenüber der Galerie liegt und von dessen Besitzer (es handelt sich um ein privat betriebenes Museum) Nils immer wieder gebeten wird, Werbung für das Museum zu machen. Aber auf den drei kleinen Stufen hinauf zum Museum machte ich einen Sinneswandel. Ich sah den ersten Raum durch die Scheibe und mir schlug ein eigenartiger Geruch in die Nase, der oftmals solche Museen aus dieser Zeit umgibt. Insofern wollte ich das Museum doch nicht mehr besuchen. Vielleicht habe ich dem guten Mann Unrecht getan, aber ich werde dieses Museum jedenfalls nicht besuchen.
      In Svolvær ist im August ein ziemlich großes Feuer ausgebrochen, das einige ältere Holzhäuser dahingerafft hat. Dieses Elend wollte ich mir natürlich auch anschauen, wenn ich schon einmal vor Ort bin. Es war aber noch exakt so, wie ich es von den Bildern kenne, die direkt danach gemacht wurden. Selbst der einzigartige Geruch eines Feuers, der bei mir immer (schlechte) Erinnerungen hervorruft, lag erstaunlicherweise an einigen Stellen noch in der Luft.


      10. Tag (Polarkreisüberquerung, Brückenbesichtigung, Sandnessjøen , Brønnøysund & Rørvik )

      Um 09:27 Uhr war es dann leider wieder soweit: wir haben den nördlichen Polarkreis überquert, nur dieses Mal wieder zurück in die "normale" Welt. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußte: ich würde den Polarkreis auf meiner Seite erneut in Richtung Norden überqueren! :)

      Nach dem Frühstück hieß es dann um 10:00 Uhr Brückenbesichtigung! Hierzu wurden wir von Nils durch die Sicherheitsschleusen gelotst, um im "Kopf" des Schiffes durch den Captain das Schiff und seine Bedienung erklärt zu bekommen. Alle, die denken, ein Hurtigruten-Schiff sei ein Nichtraucherschiff, sollten mal einen Besuch der Brücke in Betracht ziehen: es stinkt dort nach Zigarettenrauch wie in einer Kneipe!
      Die Brückenbesichtigung war recht interessant. Fragen brauchten wir nicht zu stellen, das hat "der Segler" aus unserer Runde für uns übernommen. Es war zwar ein brutales ... nennen wir es mal wohlwollend ... "Englisch" und so mußte er jede Frage zwei Mal wiederholen, aber nun gut. ;)
      Wir waren "bescheidene" 12 Personen, die die Brücke besichtigt haben. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie so etwas im Sommer aussieht.
      Ich weiß nicht, ob das eine Tradition oder Sitte auf einem Schiff ist, aber auf dem Tisch des Navigators steht ein ganz kitschiges, rundes Wasserglas, in dem zwei Goldfische schwimmen. Finde ich toll!
      Nach der Tour hat uns Nils auf Deck 7 geführt und zu einem Glas Sekt eingeladen. Auch hier hat er mal wieder gezeigt, was für ein toller Mensch er ist, denn nachdem er ein paar Anekdoten zum Schiff erzählt hat, hat er uns eingeladen, eine kleine Tour durch's Schiff zu machen, um die Kunst zu erläutern. Dazu muß man wissen, das a) es eine lange Tradition ist, auf Hurtigruten-Schiffes diverse Kunst auszustellen und b) Nils ein sehr kunstbegeisterte und kunstinteressierte Mensch ist, der sogar selbst malt. Insofern zogen wir "von oben bis unten" durch das Schiff und er erzählte uns ganz viel zum Schiff und der Kunst. Es war besonders beeindruckend, da er mit jeden (mit Ausnahme eines Modells) Künstler eines Kunstwerks Verbindung aufgenommen hat, um ihn zu seiner Kunst zu befragen. Insofern haben wir sehr, sehr viel Hintergrundwissen bekommen, und haben uns dermaßen in Geschichten verloren, daß wir erst auseinandergingen, als wir kurz vor Sandnessjøen waren - Nesna haben wir komplett "verschlafen" und es war auch keiner da, der etwas zum Hafen sagte, oder neue Gäste begrüßte, denn Nils hat uns ja durch's Schiff geführt... :)

      In Sandnessjøen habe ich zufällig eine Galerie gefunden, die mich sehr angesprochen hat. Im Nachhinein muß ich wohl anerkennen, daß es ein sehr "kunstreicher" Tag war. Als ich in die Galerie eintrat, war ich der einzige Gast - in der Mitte des Raumes war ein älterer Herr, der an einem Bild malte. Sofort drehte er sich zu mir, begrüßte mich und fragte mich, wo ich denn herkomme. Als ich es ihm sagte, begrüßte er mich auf Deutsch und sagte mir, daß er ein wenig Deutsch spreche. Wir kamen in ein längeres Gespräch und er erzählte mir, daß er als Seemann die Welt bereist hat. Fremdsprachen hat er niemals in einer Schule gelernt, sondern sich Alles durch "Zuhören und Ausprobieren" angeeignet - dafür sprach er aber ein sehr, sehr gutes Deutsch!
      Zwischenzeitlich stach mir ein sehr, sehr eindrucks- / ausdrucksvolles Bild ins Auge, zu dem ich ihn gleich befragte. Er erzählte mir, daß es das erste und einzige "politische" Bild sei, das er gemalt hatte. Es handelt sich um ein Kriegsschiff, das wenige Meter vor Sandnessjøen von den Engländern angegriffen wurde. Nach einigen Angriffen sank dieses Schiff. Viele Soldaten waren im Schiff gefangen und ertranken jämmerlich. Einige konnten sich jedoch ins vermeintlich sichere Wasser flüchten und versuchen, an Land zu schwimmen. Und jetzt kommt das schier Unglaubliche: die Engländer hörten mit ihren Angriffen nicht auf und beschossen die Soldaten, die versuchten, im Wasser um ihr Leben zu kämpfen. Über 1000 Soldaten sind bei diesem Kriegsakt ums Leben gekommen. Und heutzutage will Niemand etwas davon wissen. Es steht nicht einmal ein Gedenkstein an der Stelle, die man vom Land aus sehr gut sehen kann. Diese Geschichte möchte er gerne erzählen, da so etwas nicht in Vergessenheit gerade darf - und so hat er dieses Bild gemalt.
      Wir haben uns so intensiv unterhalten und waren so vertieft in diese Geschichten, daß ich fast das Ablegen verpaßt hätte. Ich mußte mich leider verabschieden, wir tauschten unsere Karten aus und ich eilte zum Schiff - ich hatte es zum zweiten Mal geschafft, daß mich der Captain zur Rückkehr ermutigte: kurz, bevor ich um die letzte Kurve bog, ertönte das mächtige Schiffshorn der Polarlys und ich hatte mit noch nicht einmal eingescannt, da wurde schon die Gangway eingefahren.

      In Brønnøysund habe ich den örtlichen Supermarkt aufgesucht, um ein paar Getränke aufzunehmen. Bei meiner Rückkehr waren "eine große Meute" vor dem Schiff - es standen 11 Passagiere, also für unsere Verhältnisse ein wirklich großer Auflauf vor dem örtliche Kiosk, der direkt gegenüber der Gangway liegt und leckten ein Softeis. Als sie mich entdeckten, sagten sie mir sofort, ich sollte mir auch ein Eis holen, hier gäbe es das beste Eis der Welt, wie eine Passagierin erzählte, die diese Reise schon zwei Mal gemacht hatte. Nach einigem Nachfragen, ging ich mit ihr in den Laden und sie bestellte mir ein Softeis mit Schokoladenpulver. Sie lernt nämlich gerade Norwegisch und freut sich immer, wenn sie es in der Praxis anwenden kann! Es war in der Tat ein sehr, sehr gutes Softeis! Also merken: Brønnøysund - Softeis essen! :)

      In Rørvik lag hinter uns die MS Midnatsol - welch ein Zusammentreffen, den auf der nordgehenden Tour lagen wir an dieser Stelle und vor uns lag die MS Trollfjord, das Schwesterschiff der Midnatsol. Aber da die Zeit recht kurz war, habe ich sie nicht von Innen besichtigt. Leider stieg eine Gruppe Norweger aus der Midnatsol aus. Sie waren nicht nur merkwürdigerweise alle mit einem in Plastik eingepackten Regenschirm bewaffnet, sondern sie waren alle auch stockbesoffen. Nachdem sie zwei von unseren Passagieren blöd angemacht hatten, stiefelten sie los, um auf der Polarlys einzuchecken.
      Da Samstag war, vermuteten wir, daß sie eine Sauftour machten. So wie ein Deutscher am Samstag in die Kneipe / Disco geht, um sich zu besaufen, zog diese Meute aus, um sich erst auf der Midnatsol zu besaufen, um sich dann auf der Polarlys abzuschießen. Und so war es dann auch: sie belagerten sogleich die Bar auf Deck 7, unterhielten lautstark das ganze Schiff und waren schon zum Frühstück nie wieder gesehen. Was das nun aber wirklich war - Fragen, die das Leben stellt... ;)


      11. Tag ( Trondheim , Kristiansund & Molde )

      Die Anlegezeit in Trondheim ist zwar recht lang, aber recht blöd getimt. Und da es mal wieder regnete, hatte ich auch keine Lust, das eigentlich recht interessante Trondheim zu besichtigen. Insofern zog es mich nach dem Frühstück zur Besichtigung auf das (SORRY) hässlichste Schiff der Hurtigruten-Flotte: die MS Vesterålen. Hierbei handelt es sich um ein Schiff, daß für die Hurtigruten entwickelt wurde und den damals stark aufkommenden Containerverkehr aufnehmen sollte. Insofern wurde das Heck des Schiffes zur Aufnahme dieser Container konzipiert. Logischweise haben sich Container auf dieser Route nie behaupten können, im gleichen Atemzug stiegen aber die Passagierzahlen, so daß das Schiff umgebaut wurde. Die Containerstellplätze wurden entfernt, dafür kamen neue Kabinen und ein Salon hinzu. Sieben Jahre später, 1995, wurde dann ein "Panorama-Saal" in der Mitte des Schiffes aufgesetzt; ein liebloser Schlauch, der an den Seiten Fensterfronten hat und eher den Eindruck eines Bahnhofwartessaals vermittelt. Insofern macht das ganze Schiff einen komplett verbauten und veralteten Eindruck.

      Irgendwann hatten wir eine Frau aufgenommen, die recht schnell auf dem ganzen Schiff bekannt wurde: Ruth! Sie wird die einzige Person sein, die ich in meinem Reisebericht namentlich erwähne, da das unter uns anderen recht schnell zu einem Zustand definiert wurde. "Mach hier nicht die Ruth!" ;)
      In Kristiansund wollte ich mir die Statue anschauen, die recht bekannt ist und das Wahrzeichen der Stadt darstellt: die Fischersfrau. Als ich loszog, hörte ich hinter mir eine Stimme: "sorry, may i ask you where i can find the statue?" Ich drehte mich um und sah, daß es Ruth war. Ich antwortete und sagte ihr, in einem Anflug geistigen Wahnsinns, daß sie mich begleiten könne, ich würde sie auch aufsuchen. Dazu muß man wissen, daß Ruth für ihr Leben gerne erzählt. Ohne Punkt und Komma. Insofern habe ich auf den 500 m zur Statue ihre gesamte Lebensgeschichte erzählt bekommen. Sie hielt alle 20 m an und redete für ein paar Minuten, so daß wir viiiiiiel Zeit für ihre Geschichten hatten... An der Statue habe ich es dann irgendwie geschafft, sie an eine andere "arme Sau" zu "übergeben", mit dem sie dann wieder zurück zum Schiff gegangen ist.

      Nach dem Abendessen trafen wir uns dann, um in die "Abreiseregularien" eingewiesen zu werden. Dazu haben wir uns in den Saal am Bug auf Deck 4 getroffen, in dem außer mir (wenn ich eMails verschickt habe) nie jemand gewesen ist. Es war ein sehr emotionales Treffen, das Nils geleitet hat. Er hatte am Vorabend eine Schüssel voller Süßigkeiten von der Crew bekommen und teilte sie nun mit uns. Zurecht bemerkte er, daß wir in dieser Zeit, auch stark bedingt durch die geringe Passagierzahlen, zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind. Und nun sollte schon Alles wieder zuende sein...

      Aber ein kleines High"light" stand ja auch an diesem Abend noch auf dem Programm: ich hatte mich mit Jobo / Hamburgerin zum Winken verabredet, da sie auf der nordgehenden Nordkapp an uns vorbeiziehen würden. Leider war die Zeit etwas blöd koordiniert, denn da wir ja nur eine Essenssitzung hatten, begann diese um 19:00 und wir sollten uns 19:15 begegnen. Aber egal, wird schon schiefgehen. Also rein ins Restaurant, Getränke bestellt, Vorspeise kommt und wird gegessen. Dann springt Nils auf und rennt raus, da er auch winken wollte, da er Freunde auf der Nordkapp hatte und die Zeit gekommen war. Also habe ich schnell bescheid gesagt, daß ich meinen Hauptgang etwas später bekommen möchte und rannte raus. So standen Nils und ich mutterseelenallein in der Norwegischen Nacht und ... warteten. Kein Mensch in der Nähe, kein Schiff in der Nähe. Aber ohne Jacke doch recht kalt. Irgendwann kam sie dann um die Ecke und wir näherten uns schnellen Schrittes. Die Schiffe begrüßten sich mit Lichtzeichen und als wir auf gleicher Höhe waren, winkten Nils und ich mit unseren Taschenlampen und Handtüchern wie die Weltmeister. Aber eine Antwort haben wir nicht bekommen - jedenfalls keine, die wir erkennen konnten. Trotzdem war es irgendwie ein tolles Erlebnis. Zurück im Speisesaal wurde gerade der Nachtisch serviert. Zwar hatten sie meinen Hauptgang vergessen, aber sie haben mir auf die Schnelle noch etwas Leckeres gezaubert.

      Molde hielt am Abend das, was viele Reiseführer beschreiben: eine recht trostlose Stadt, die auch nicht über eine Altstadt verfügt, da im Zweiten Weltkrieg die komplette Stadt zerstört wurde und so nur über die bekannten und verhaßten 50er / 60er Jahre Bauten verfügt.


      12. Tag (goodbye Polarlys *schnief*)

      Der letzte Tag der Reise ist wahrscheinlich der schlimmste. Nach dem Frühstück geht es in die Kabine, um die Koffer zu packen, da die Kabinen um 10:00 Uhr geräumt sein müssen. Insofern stellt man die Koffer vor den Fahrstuhl, die dann gegen Mittag eingesammelt werden. Bis zum Anlegen in Bergen sind es dann ja aber noch vier Stunden. Und wie verbringt man die? Es war eine ganz merkwürdige Stimmung, denn jeder wußte, daß es nun bald zuende sein sollte. Die Kabinen kann man nicht mehr betreten und einen Hafen besuchen wir auch nicht mehr. Ich habe mein Handgepäck erst einmal in den Schließfächern auf Deck 2 verstaut und habe meinen Lieblingsplatz besucht: draußen, an Bug, auf Deck 5!
      Kurz vor Bergen gesellten sich dann auch weitere Reisende zu mir, so daß wir ein bunter Haufen waren, der in Bergen einlief. Wie so oft auf dieser Reise, fuhren wir in Richtung Hafen, begrüßten die Stadt freundlich mit dem Schiffshorn, drehten und legten an backbord an - nur dieses Mal halt zum letzten Mal!
      Ich wartete einen Moment, da es Probleme mit der Gangway gab und ich dieses Geschiebe und Gedrängel sowieso hasse! Insofern habe ich in aller Ruhe mein Handgepäck genommen, habe noch eine Abschiedrunde gedreht und bin dann, ohne mich ausgecheckt zu haben, da das System nicht funktionierte, als Letzter von Bord gegangen.
      Am Gepäckband haben wir uns dann alle wieder gesehen, unsere Koffer zu uns genommen und emotionale Dramen vor dem Terminal bei der Verabschiedung aufgeführt. Es ist echt erstaunlich, wie einem vormals völlig unbekannte Menschen in zwei Wochen so ans Herz wachsen können!

      Somit endete die Tour der MS Polarlys.

      Ich schnappte mir meine Koffer, nahm ein Taxi, das mich in mein Hotel brachte, checkte ein und löste mein Auto aus der Garage aus, in der es zwei Wochen auf mich gewartet habe ... aber das ist eine andere Geschichte!

      Post was edited 2 times, last by “kindheitstraum”: - Begegnung Jobo / Hamburgerin hinzugefügt - Risøyrenna benannt - Andøy näher erläutert ().

    • @ tangojoe
      Nein, selbstverständlich warst du das nicht!
      Du hättest uns garantiert nicht genervt!

      @ norwegenfan.123
      JAAAAA, vielen Dank, so heißt sie! :x-thumbsup:
      Habe es im Text editiert.

      @ Jobo
      Oh, das war mir neu. Vielen Dank, man lernt nie aus.
      Nachdem ich die GPS Daten meiner Kamera noch einmal ausgewertet habe und zur Sicherheit noch einmal die Uhrzeiten mit dem Fahrplan verglichen habe, kann ich nun sagen, daß es sich um Risøyhamn handelt.
      Nachdem ich deinen Kommentar gesehen habe, fiel mir auf, daß ich unsere Begegnung gar nicht beschrieben habe - das habe ich nun nachgeholt! :x-thumbup:
    • Hallo Kindheitstraum, danke für den ausführlichen Reisebericht,
      lass mich noch ein Paar kleine Anmerkungen machen. :pleasantry_1:

      kindheitstraum wrote:

      Auf dem Weg nach Sortland sind wir durch die Risøyrenna gefahren,
      Da hast was verwechselt, die Risøyrenna ist vor Risøyhamn , wenn man von Harstad kommt.

      kindheitstraum wrote:

      wenn man Glück hat, einen Kormoran sehen kann,
      Dort hat es meist Dutzende Kormorane auf jeder Markierungsbaken, was ihr gesehen habt ist der Normalzustand.

      kindheitstraum wrote:

      da einige den Vesterålen Ausflug gebucht haben und schon in einem vorherigen Hafen ausgestiegen waren.
      Harstad .

      kindheitstraum wrote:

      zur Besichtigung auf das (SORRY) hässlichste Schiff der Hurtigruten-Flotte: die MS Vesterålen.
      Von aussen ist sie sicherlich nicht schön (zumal von hinten - aber da gibt es auch noch andere), aber wenn man mit ihr fährt stellt sie sich schnell als eines der interessantesten und gemütlichsten Schiffe heraus.

      kindheitstraum wrote:

      und wir sollten uns 19:15 begegnen.
      Das genau war das Problem. Ihr wart viel zu früh. Die "normale" Begegnungszeit bei Bud ist um 19:45 Uhr und nicht um 19:15 Uhr. Wir hatten auch nur eine Sitzung um 19 Uhr und hofften noch, dass wir bis 19:45 uhr fertig seien. Dann kamt ihr plötzlich schon bei der Anlandungsstation für Ormen lange vorbei, ohne das wir dies vorher wussten. Da war es dann natürlich zu spät um noch rauszulaufen und zu winken, ihr wart schon längst vorbei. :pardon:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)