Herbstträume in Norwegen - MS Polarlys (16.10. - 30.10.2011)

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    • Herbstträume in Norwegen - MS Polarlys (16.10. - 30.10.2011)

      Tag 1: Sonntag 16. Oktober 2011 – Aufbruch nach Bergen

      Der Tag der Abreise war gekommen! Ein gutes Jahr nach dem wir unsere erste Hurtigrutenreise gebucht hatten war es nun endlich soweit. Am Vortag waren bereits alle Gepäckstücke gepackt und verwogen worden. Beide Koffer knapp, aber unter 20 Kilo, und zwei Rucksäcke vollgestopft mit dem Wichtigsten: Kamera, Laptop zugehörige Kabel, Akkus usw., eben alles, was nicht fehlen darf, wenn die Koffer mal wieder irgendwo in den Untiefen eines Flughafens verschwinden und am Ankunftsflughafen nicht wieder auftauchen. Da der Flug erst um 14:00 Uhr ging, war sogar noch mal so etwas wie „Ausschlafen“ angesagt. Es sollte das letzte Mal sein, für die nächsten 15 Tage.

      Kurz vor 9:00 Uhr machten wir uns fertig. Mit unseren dicken Jacken im Zwiebellook sahen wir aus wie die Michelin-Männchen. Schon kam das georderte Taxi und brachte uns zum Bahnhof. Von hier aus sollte uns die RB25, die „Oberbergische Bimmelbahn“, erst mal nach Köln bringen. Bereits auf dem Bahnsteig machten wir die erste Bekanntschaft mit der Wirkung von Hurtigruten-Reiseanhängern. Eine Gruppe von Damen, auf ihrem Ausflug nach Köln, blickte auf unsere Anhänger und sprach uns an. „Aah Hurtigruten! Das haben wir auch schon gemacht. Toll!“ Nach ein wenig Smalltalk kam der Zug, wir wuchteten unser Gepäck hinein und fuhren los. Bergen , wir kommen !!!

      In Köln-Deutz wechselten wir dann in die S-Bahn nach Düsseldorf. Leider waren es wieder mal die ungeliebten Doppelstockwagen und das bei unserem Gepäck. Da der Zug rappelvoll war, war erst mal eine Runde Stehen angesagt. Etwas weiter hinten im Wagen saßen zwei quietschfidele Omis, geschätztes Alter ca. 75 – 80 Jahre, die ebenfalls auf unsere Anhänger aufmerksam geworden waren. Aufgeregt schwenkten sie ihre Rucksäcke, die mit den gleichen Anhängern ausgestattet waren. „Na geht’s auch nach Norwegen?“ (Kommentar meiner Frau: „Soviel zum Thema Durchschnittsalter von Hurtigrutenfahrern, gewöhn dich dran.“)

      Um 11:30 Uhr erreichten wir den Düsseldorfer-Flughafenbahnhof, von dort ging es mit dem Skytrain (funktioniert z. Zt. ja mal wieder) in Richtung Abflughalle. Nachdem der entsprechende Schalter ermittelt war, ging es ans einchecken. Da so gut wie nichts los war und Air Berlin alle Schalter für alle Flüge geöffnet hatte, dauerte das Ganze keine 5 Minuten und wir hatten unsere Bordkarten, Reihe 12 Sitz A und B. Sogar mein Koffer durfte diesmal als normales Gepäck mitfliegen und wurde nicht wieder zu einem lästigen Sperrgepäckstück degradiert.

      Nach dem ein oder anderen Rauchopfer, ein paar notwendigen Einkäufen im Duty - Free und einem Getränk ging es zum Gate. Dort trafen wir dann auch zum ersten Mal auf den Grossteil unserer Mitreisenden für die nächsten zwei Wochen. Allen Klischees zum Trotz war es eine bunt gewürfelte Truppe, deren Altersdurchschnitt ich auf ca. 50+ Jahre tippen würde. Abweichend davon waren einige deutlich ältere, aber auch eine ganze Menge deutlich jüngere Leute dabei. Auch einige Familien mit Kindern waren mit von der Partie. Viele der hier Angetroffenen haben wir während unserer Reise kennenlernen dürfen und viel Spaß gehabt. Bei einigen kann man eher von „kennenlernen müssen“ sprechen.
      Besonders ins Auge fiel uns ein älteres Ehepaar. Beide waren auffällig gekleidet und verhielten sich auch etwas seltsam. Richtig beschreiben kann man das nicht, aber irgendwie erinnerten sie mich an jemanden. Nach dem einige Zeit vergangen war fiel es mir ein. „Ingrid und Klaus“ sagte ich zu meiner Frau. Sie blickte mich fragend an und brach dann in Gelächter aus. Wer „Ingrid und Klaus“ nicht kennt, sollte sich mal TV Total ansehen. Dort gibt es ein etwas kauziges Ehepaar, das über alle möglichen und unmöglichen Dinge dieser Welt lamentiert. So waren auch unsere „Ingrid und Klaus“ nur halt die etwas ältere Ausgabe. Die Ähnlichkeit im Aussehen und der Gestik war verblüffend.



      Um 13:20 Uhr hieß es Boarding und die Meute stürzte sich in Richtung Flieger. Ich werde es nie verstehen!
      Je weiter wir uns dem Flieger näherten desto angespannter wurde meine Frau, auch wenn sie wie immer gute Miene zum bösen Spiel machte. Da war das Phantom wieder: Flugangst. Wir nahmen unsere Plätze ein. Die Lage war gut, zwei Plätze am Notausgang, der dritte Platz blieb unbesetzt. Zu allem Unglück versagte auch der MP3-Player noch seinen Dienst, also nix mit beruhigender Musikbeschallung und Übertönung der Angst machenden Geräusche. Es half erstmal alles nichts, medizinische Hilfe war angesagt und schnell wurde eine weitere Tablette eingenommen. Den Start und die nächsten 30 Minuten bis zum Erreichen der Flughöhe verbrachte sie dann zusammengekauert wie ein kleines Häuflein Elend neben mir und malträtierte meine Hand. Ab dem Erreichen der Reiseflughöhe geht es dann meistens etwas besser und auch diesmal war es so.
      Der Rest des Flugs verlief dann relativ ruhig, so dass auch ich mich ein wenig entspannen konnte. Dank des guten Wetters war die Bodensicht sehr gut, so dass man Teile der deutschen und dänischen Nordseeküste gut erkennen konnte. Je weiter wir dann nach Norden kamen um so mehr zog sich die Wolkendecke zu, die Bodensicht war gleich Null, so dass wir auch beim Landeanflug nur sehr wenig von der Landschaft rund um Bergen erkennen konnten, schade. Um ca. 15:50 und damit 15 Minuten vor der geplanten Landezeit erreichten wir zur großen Freude meiner Frau und Dank eines starken Rückenwindes Bergen .



      Das Verlassen des Fliegers gestaltete sich ähnlich chaotisch wie das Einsteigen. Kaum das die Maschine das Rollfeld verlassen hatte und lange vor Erreichen der Parkpositionen begannen die ersten hektischen Packaktionen und kurz nach dem Öffnen der Türe ergoss sich förmlich eine nicht mehr aufzuhaltende Menge von Menschen auf norwegischen Boden und das alles ohne jegliche Art von Schlussverkauf oder ähnlichem. Als wir in Richtung Gepäckband gingen: Das das übliche Bild. Jeder Zentimeter des Gepäckbandes war mit vermeintlichen Kofferbesitzern und deren Gepäckwagen zugestellt, obwohl sich das Gepäckband noch nicht einen einzigen Zentimeter bewegt hatte. Wir nahmen erst einmal eine gewisse Ruhestellung ein. Nach einer Weile und nachdem sich schon erste Verzweiflung unter den Wartenden breit machte, ruckte das Band an und spie seine ersehnte Ware unter die wartende Menge. Nach und nach entspannte sich die Lage und nach kurzem Nahkampf gelangten auch wir an unsere Gepäckstücke.

      Vor dem Flughafen warteten bereits drei Busse auf die Reisenden. Nachdem unsere Nikotinspeicher wieder ausreichend aufgefüllt waren, verstauten wir unser Gepäck und suchten uns einen Platz im letzten Bus. Bei leichtem Regen konnten wir uns auf der Fahrt vom Flughafen zum Hurtigrutenanleger in Bergen ein erstes Bild von Norwegen machen. Unser allererstes Fazit: „Sieht genauso hügelig aus wie zu Hause, und regnen tut es auch wie zu Hause. Na ja.“

      Nach kurzer Fahrt kamen wir am Hurtigrutenanleger an. Da die Busse mit etwas Abstand am Flughafen abgefahren waren entspannte sich hier die Lage etwas, nichts desto trotz hieß es erst einmal wieder Schlange bilden und abwarten. Das Einchecken ging dann doch recht flott von statten und im Nu hatten wir den Umschlag mit unseren Cruise - Cards und weiteren Informationen in der Hand. Auch der Wunschtermin für das Abendessen hatte geklappt: Tisch 5 in der ersten Sitzung. Jetzt hielt uns nichts mehr. Die Rolltreppe hinauf, den langen Gang entlang, das erste Mal „Piep-Piep“ bei der Zugangskon-trolle und da war sie: die MS Polarlys, unser Zuhause für die nächsten 12 Tage. Über die Zugangsbrücke und Deck 5 betraten wir dann erstmals „ehrfurchtsvoll“ unser Schiff.



      Da es noch einen kleinen Moment dauern sollte, bis die Kabinen freigegeben wurden, schauten wir uns erst einmal noch ein wenig um. Auf Deck 4 vor der der kleinen Boutique hatte sich bereits wieder eine Schlange gebildet. Hier konnten wir unsere Cruise – Cards zur bargeldlosen Zahlung mit der Kreditkarte freischalten lassen und es gab auch die guten roten Hurtigruten Becher für den Coffee – Deal.

      Was mir beim Schreiben erst jetzt richtig aufgefallen ist, ist die Tatsache, das dies eigentlich auch das letzte Mal Schlange stehen während der ganzen Reise war. Man hatte nie den Eindruck, dass es an Bord besonders voll war, auch wenn lt. Reiseleitung das Schiff bei Abfahrt in Bergen ausgebucht war. Viele Leute haben wir, außer bei den Mahlzeiten, kaum gesehen. Einige sind uns erst in den letzten Tagen wieder aufgefallen. Ein Grund dafür erschloss sich mir aber erst am letzten Tag.

      Wir setzten uns erstmal etwas abgekämpft, mit unseren frisch gefüllten Kaffeebechern, auf Deck 4 in eine der Sitzgruppen und schauten zum Fenster heraus. Hui was war das denn? Mir wurde irgendwie etwas schummerig beim Betrachten des schwankenden Meeresspiegels im leichten Dämmerlicht und auch das Schiff bewegte sich irgendwie. Wir wollen doch nicht seekrank werden bevor sich das Schiff auch nur einen einzigen Meter aus dem sicheren Hafen bewegt hat! Zum Glück besserte sich die Lage, nach dem ich meinen schönen warmen Tee zu mir genommen hatte und wir uns wieder auf den Weg zu einer weiteren Erkundungsrunde machten. Mit dieser Methode habe ich dann auch alle anderen Anfälle von leichter Seekrankheit im Ansatz behandelt. Immer schön den Magen mit Essen und Trinken leicht gefüllt halten (Fällt bei Vollpension ja nicht so schwer) und möglichst viel Bewegung, am Besten bei frischer Luft.

      Um 18:00 Uhr hieß es dann Kabinen frei zur Besichtigung und wir nahmen unsere Kabine auf Deck 6 in Augenschein. Die Größe war vollkommen ausreichend, da wir hier ja eigentlich nur schlafen wollen. Genügend Stauraum war ebenfalls vorhanden, so dass wir alles unterbringen konnten. Was wollte man mehr? Die Aussicht war auch so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Da die Kabine auf der Backbordseite lag, hatte man immer eine gute Aussicht auf den jeweiligen Hafen, wenn man in der Nacht mal wach wurde.
      Auch die Nasszelle war ausreichend dimensioniert. Da hatten wir schon andere, in die es nur vorwärts hinein und rückwärts wieder hinausging. Auch an die dezente rosa Farbgebung hatte man sich nach einigen Tagen gewöhnt.

      Als wir kurz darauf zum Abendessen gehen wollten standen auch schon unsere Koffer vor der Tür. Für Auspacken war jetzt aber nicht die richtige Zeit, denn das Bergen - Buffet lockte. Wir begaben uns zum Restaurant, welches im Heckbereich auf Deck 4 liegt und suchten uns einen Platz im gemütlichen hinteren Bereich des Restaurants. Die Kellnerin kam sofort und wir bestellten eine Karaffe Tafelwasser zu 19 NOK. Die nächsten Tage haben wir uns das dann gespart und einfach das Wasser glasweise bestellt. Dann kostet es nämlich nichts. Diese Logik werde ich nie verstehen!
      Das kaltwarme Buffet ließ keine Wünsche offen, jede Menge Fisch, Salate, diverse warme Speisen und ein schönes Nachtischbuffet. Alles war sehr, sehr lecker, Zunehmen war hier vorprogrammiert.

      Ausreichend gestärkt beschlossen wir dann noch ein paar Meter zu laufen. Also Jacken an und erst mal wieder runter vom Schiff. Leider regnete es bereits wieder ziemlich heftig, so dass wir nicht bis ins Zentrum gelaufen sind, sondern nur etwas die nähere Umgebung abgegrast haben. Hier lagen noch ein paar gut erreichbare Geocaching - Döschen, die wir uns nicht entgehen lassen wollten, schließlich hatten wir uns vorgenommen das ein oder andere Döschen in Norwegen mitzunehmen. Nach einer guten halben Stunde wurde uns der Regen aber dann doch zuviel und wir gingen wieder zurück zum Schiff.

      Gegen 21.00 Uhr gab es eine Begrüßungsveranstaltung. Dort wurden uns zunächst die wichtigsten Crew-Mitglieder vorgestellt. Anschließend gab es die obligatorische Sicherheitsunterweisung: Wo befinden sich die Rettungsboote? Wie legt man die Schwimmweste an? Wie wird alarmiert? usw. Zum Schluss gab es dann noch Infos zu den Ausflügen und dem allgemeinen Tagesablauf. Anschließend war dann erst mal Koffer auspacken angesagt. Ohne Probleme konnten wir alles verstauen, die leeren Koffer verschwanden unter den Betten .



      Kurz nach 22.00 Uhr begaben wir uns nach draußen auf Deck 7. Hier war man prima gegen das Regenwetter in Bergen geschützt und konnte die Vorbereitung für das Ablegen beobachten. Um 22.40 Uhr hieß es dann „Leinen los“ und die MS Polarlys entfernte sich ganz langsam vom Hurtigrutenkai in Bergen . Auf ging es in die Dunkelheit der Nacht. Die Lichter von Bergen verschwanden langsam und unsere „Traumreise“ hatte nun endgültig begonnen.



      Wir genehmigten und noch einen Gute – Nacht - Tee und dann ging es ab in die Koje. Nach kurzer Unterhaltung, müde von den Eindrücken des ersten Tages, schliefen wir ein.
      Gruß christian(us) :hut:

      (Reiseberichte etc. siehe Profil)
    • SCHÖNER BERICHT.WIR SIND AM 16.VON BORD DER POLARLYS GEGANGEN.IHR SEID SOZUSAGEN UNSERE NCHFOLGER. MACH WEITER SO.WIR FREUENEN UNS SCHON AUF DIE NÄCHSTEN TAGE.WAS IST DENN EIN BITTE EIN GEOCACING-DÖSCHEN?DAVON HAB ICH NOCH NIE WAS GEHÖRT.?(
    • vielen dank für die begrüssung. habe mich im vorfeld der reise schon gefragt, zu welcher "sorte" reisende ich wohl gehören werde - einmal und nie wieder oder dem virus verfallen. denke, letzteres trifft zu. bin schon an der urlaubsplanung für nächstes jahr...
    • christianus wrote:

      Immer schön den Magen mit Essen und Trinken leicht gefüllt halten (Fällt bei Vollpension ja nicht so schwer) und möglichst viel Bewegung, am Besten bei frischer Luft.


      wenn man die frische Luft nicht vergisst, kann man die Füllmenge :essen: auch über "leicht" hinaus steigern. :D Die Kalorien verbrennt man mit viel Bewegung an der frischen Luft schon wieder. :thumbsup:

      Schöne Grüße
      Eisbär 66
    • Tag 2: Montag 17. Oktober 2011 – FloroKristiansund

      Während der Nacht bin ich ein paar Mal wach geworden. Irgendwie waren die Geräusche und auch die Bewegungen des Schiffes neu und man musste sich erstmal an alles gewöhnen. Letztendlich habe ich aber sehr gut geschlafen, so dass ich auch von Florø nichts mitbekommen habe.
      Um 6:50 Uhr wurde ich wieder wach und die Neugierde zog mich erstmal nach draußen. Also nichts wie raus aus den Federn und schnell etwas übergezogen. Von unserer Kabine auf Deck 6 war es nicht weit bis zum Heck. Dort begab ich mich erstmal ins Freie und begutachtete die Lage. Es war noch recht dunkel, so dass man noch nicht sehr viel sehen konnte. Etwas windgeschützt waren die Temperaturen gut zu ertragen. Ich starrte erstmal eine Weile ins Dunkle bis sich die Augen etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Langsam wurden auch die Lichter mehr und mehr und wir legten gegen 07:15 Uhr in Måløy an. Das erste Mal konnte man das Anlegemanöver beobachten, das Festmachen, das Öffnen der Ladeklappen, das Herunterlassen der Passagierbrücke, die Verladearbeiten usw. Alles war irgendwie furchtbar spannend. Der Aufenthalt war nur kurz und pünktlich um 7:30 Uhr legten wir wieder ab.



      Anschließend war erstmal Morgentoilette angesagt. Frisch geduscht ging es zu unserem ersten Frühstück. Auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Die Auswahl war sehr gut. Für mich gab es erstmal Rührei mit Lachs. Lecker!!! Auch alle anderen Sachen waren von ausgezeichneter Qualität.

      Frisch gestärkt ging es für mich wieder nach draußen. Irgendwie hatte ich immer die Befürchtung, ich könnte irgendetwas verpassen. Meine Frau sah das Ganze etwas gelassener. Sie verzog sich erstmal auf Deck 4 in die Arkade um eine Runde zu stricken. (Na ja, wenigsten tat sie das nicht von Morgens bis Abends im Panoramasalon)

      Die Überquerung des Stadhavet , der ersten offenen Seestrecke, die wir auf dieser Reise erlebten gestaltete sich unspektakulär, es schaukelte etwas, wir fanden es eher lustig als schlimm. Man konnte so schon mal etwas den Seemannsgang üben. Einige unserer Mitreisenden fanden es weniger lustig und verzogen sich erstmal in ihre Kabinen.



      Nun waren wir also im Nordmeer und um 10:35 Uhr erreichten wir Torvik . Wir beobachteten das Anlegen und Verladen von Deck 5 aus und um 10:45 Uhr wurde auch schon wieder abgelegt. Weiter ging es in Richtung Ålesund . Auf den Bergen konnte man den ersten Schnee sehen und auch die Sonne zeigte sich ab und an.



      Ab 11:30 gab es dann bereits Mittagessen. Da wir direkt bei Ankunft in Ålesund das Schiff für einen Stadtrundgang verlassen wollten, waren auch wir bei den Ersten, die zum Essen gingen. Zwar war noch nicht viel Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen vergangen, aber alles sah so verlockend aus, dass wir dem Angebot nicht widerstehen konnten. Ich beließ es für den heutigen Tag dann doch bei einer „Variation von kalten Vorspeisen“, vorzugsweise Fisch, schließlich musste oben noch eine ordentliche Portion Nachtisch drauf passen

      Pünktlich um 12:00 Uhr kommen wir in Ålesund an. Hier hieß es dann zum ersten Mal „Alle Mann von Bord“. Alles was Beine hatte versammelte sich auf Deck 3, wo es über die Passagierbrücke nach draußen ging. Es dauerte relativ lange bis die Brücke unten war. Das sollte sich den Rest der Reise auch nicht wesentlich ändern, was manchmal ziemlich auf die zur Verfügung stehende Zeit schoss. Als sie dann unten war ging alles recht schnell, jeder zeigte sein Bordkarte vor, es machte Piep und man war draußen.

      Am weißen Radisson Blu vorbei ging es in die Fußgängerzone, die Kongensgate. Dort waren auch schon die ersten schönen Häuser im Jugendstil zu bewundern. Ein Stück weiter bogen wir in die Lihauggata ein. Über einige Treppen und eine kleinen Weg geht es hier das erste Mal ganz schön steil nach oben. Oben angekommen erreicht man einen schönen kleinen Park am Fuß des Akslas, dem Hausberg von Ålesund . Vom Park aus geht es dann die bekannten 418 Stufen nach oben auf den Berg. Nach 165 Stufen hatten wir erst einmal genug. Wir hatten unser Ziel erreicht. Zum einen war die Aussicht für uns ausreichend zum anderen gab es hier wieder eines der von uns so heiß begehrten Döschen. Nach kurzem Suchen und Finden haben wir es uns auf einer Bank gemütlich gemacht und die Aussicht genossen.



      Nach einiger Zeit begaben wir uns dann wieder bergabwärts. Kurz vor dem Fuß des Berges begegnete uns einer unserer amerikanischen Mitreisenden. Mit kurzer Hose und Fäustlingen bekleidet joggte er locker pfeifend die Stufen des Akslas hoch. Alle Achtung!

      Unten angekommen sind wir dann weiter durch die Stadt gestreift. Vorbei am Gefängnis über die Kaiser Wilhelmsgate ging es in Richtung Ålesund – Museum. Von dort aus ging es dann zum Jugenstilmuseum. Hier ließen wir uns wieder ein Weilchen nieder und beobachteten das Treiben.



      Da wir auf unserem ersten Landgang nicht zu spät kommen wollten und wir noch nicht so richtig die benötigte Zeit kalkulieren konnten, machten wir uns von dort aus wieder langsam auf den Weg zu unserem Schiff. Auf dem Rückweg machten wir noch Halt im örtlichen Kiwi um unsere Vorräte aufzustocken. Hier gab es die dann die benötigten Getränke und Naschereien für zwischendurch zu moderaten Preisen.
      Da unsere Zeitkalkulation doch recht großzügig war blieb uns in der Nähe des Schiffs noch genügend Zeit um zwei weitere Döschen zu heben. Ein Anfang war gemacht.

      Pünktlich auf die Minute legten wir um 15:00 Uhr ab, es ging weiter in Richtung Molde . Den Rest des Nachmittags verbrachten wir auf Deck 5. Das Wetter hielt sich und die Sonne zeigte sich immer wieder. Wir beobachteten die vorbeiziehenden Inseln und Schären. Auch die hohen Berge auf denen man sehr gut die Baumgrenze erkennen konnte faszinierten uns immer wieder.



      Fasst pünktlich kamen wir um 17:50 Uhr in Molde an. Da wir die erste Sitzung beim Essen hatten mussten wir um 18:15 Uhr wieder an Bord sein (Trotzdem können wir ohne Abstriche die erste Sitzung empfehlen. Im weiteren Reiseverlauf ist es zeitlich gesehen die beste Lösung.) Deshalb fiel der Stadtrundgang nur kurz aus. Wir sind ein Stück die Hauptstrasse herunter. Am Rathaus und dem Blumenmädchen vorbei zur Kirche. Auch hier haben wir noch schnell einen Cache gesucht und sind dann wieder zurück zum Schiff.



      Schnell umgezogen ging es zum Abendessen. Wieder ein neuer Eindruck. Als Tisch hatten wir die Nummer 5 (Steuerbordseite, Mitte, am Fenster) zugewiesen bekommen. Als wir zum Tisch kamen, saßen die anderen Gäste bereits am Tisch. Es handelt sich um ein Ehepaar, etwas älter als wir, und den dazugehörigen Eltern bzw. Schwiegereltern. Schnell machte man sich bekannt. Alle waren sehr nett, besonders der Opa. Schlappe 85, Bergmann aus dem Ruhrpott und noch ziemlich fit. Gesprochen hat er nicht viel, meisten hat er nur beobachtet und vor sich hin geschmunzelt. Ab und an kam dann mal die eine oder andere Spitze. Einfach klasse.

      Die Speisekarte bot:

      - Klippfischbolinhos mit Tomatensalat
      - Hühnchenliveche mit Gemüserisotto, Paprikasauce und Linseragout
      - Warmer Apfelkuchen mit Vanilleeis

      Alles war sehr gut. Anfangs hatte ich irgendwie die Befürchtung es könnte etwas wenig sein. Es stellte sich aber heraus, das die Portionen für uns vollkommen ausreichend waren. Bei Halbpension, ohne Mittagessen, könnte es für mich persönlich aber etwas knapp werden.

      Gut gestärkt ging es noch etwas nach draußen, schließlich gab es noch etwas Neues zu beobachten. Um 20:00 Uhr sollte uns das südgehende Schiff begegnen. Kurz nach Acht war es dann soweit langsam näherten sich uns Lichter. Die Richard With kam uns „hurtig“ entgegen. Da es dunkel war wurde nicht gehupt sondern nur Lichtsignale gegeben. So schnell wie sie gekommen war verschwand sie auch wieder im Dunkeln der Nacht.

      Danach hieß es dann etwas Zeit bis zum nächsten Hafen überbrücken. Wir suchten uns ein Plätzchen auf der Arkade auf Deck 4, besorgten uns einen Tee und machten es uns gemütlich. Ich packte den Laptop aus, meine Frau strickte mal wieder. Erst mal die Verbindung nach außen testen. Es gab diverse Netze, darunter 3 offene. Ohne Probleme konnte man sich einloggen. Die Verbindung mit dem Internet war halbwegs stabil und auch einigermaßen schnell. Im Lauf der Zeit wechselten die Netze immer mal wieder bezgl. Verfügbarkeit und Geschwindigkeit. Ich gehe mal davon aus, dass da das ein oder andere ausprobiert wurde. Einen Voucher für ein Zeitkontigent brauchte man allerdings zu keiner Zeit.

      Unterwegs hatte der Wind ziemlich aufgefrischt und das Schiff begann wieder zu schaukeln, sogar deutlich mehr als am Morgen. Uns hat es nichts ausgemacht. Leider hatte das Geschaukel aber Auswirkungen auf den Fahrplan. Erst um 22:20 Uhr erreichten wir Kristiansund . Bis wir angelegt hatten war es 22:30 Uhr. Auch die Personenbrücke machte wieder Zicken. Bis alles klar zum Aussteigen war, war es 22:45 Uhr. Wir verzichteten auf den Landgang, da eigentlich für 23:00 Uhr die Abfahrt vorgegeben war. Wir begaben uns also wieder auf unseren Ausguck auf Deck 5 um wenigstens das Treiben von dort aus zu betrachten. Bis dann alles Verladen war, war es 23:15 Uhr und wir verließen Kristiansund .



      Auf Deck 4 gab es dann noch den obligatorischen Gute – Nacht - Tee und etwas Planung für den nächsten Tag, dann war Schlafen angesagt. Der erste vollständige Tag an Bord eines Hurtigrutenschiffs war zu Ende und wir ließen uns langsam in den Schlaf schaukeln.
      Gruß christian(us) :hut:

      (Reiseberichte etc. siehe Profil)
    • Muddi wrote:

      Witzig finde ich, dass der Blumenkorb des Blumenmädchens in Molde leer ist, so habe ich das noch nie gesehen

      ...oder so...

      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !


    • hallo lyssje,

      ok also doch richtig verstanden. Waren meistens auch auf Deck 5 unterwegs. Muss jetzt mal vor meinem geistigen Auge die typischen "Bewohner" von Deck 5 durchgehen. :neo: Soviele Dauergäste gab es da ja nicht. :pardon:

      Gruß Christian
      Gruß christian(us) :hut:

      (Reiseberichte etc. siehe Profil)
    • lyssje wrote:

      könnte kurze graue haare und eine hellblaue regenjacke als "denkhilfe" anbieten...

      ok, dann kann ich's zuordnen, glaube ich.

      Könnte im Gegenzug eine orange Regenjacke anbieten und ein Gewicht, das nicht ganz proportional zur Größe ist (oder umgekehrt) :laugh1:

      Gruss Christian
      Gruß christian(us) :hut:

      (Reiseberichte etc. siehe Profil)