Reisebericht eines Alleinreisenden mit der „MS Polarlys“ vom 05. – 16. Oktober 2011

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    • Reisebericht eines Alleinreisenden mit der „MS Polarlys“ vom 05. – 16. Oktober 2011

      Jetzt ist es schon fast eine Woche her, dass ich wieder zu Hause bin. Damit auch andere Forenbesucher teil haben können an der wirklich „Schönsten Seereise der Welt“, habe ich mich doch entschlossen einen Reisebericht zu schreiben.Doch bevor ich beginne möchte ich denjenigen danken, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass aus einem Jugendtraum zwölf sehr schöne, erlebnisreiche, interessante und angenehme Tage wurden, die vieles übertrafen, was ich mir erhofft hatte.Als erstes der Besatzung und dem Personal der „MS Polarlys“ in diesen Tagen und vorneweg dem „Chef – Servierer“ Patrick, der für jeden Spaß zu haben war.Mette, für die Reiseleitung an Bord, die trotz ihrer Erlebnisse auf der „MS Nordlys“ einen prima Job erledigte.Aber vor allem bedanke ich mich bei meinen abendlichen Tischnachbarn, den beiden Damen aus Berlin, Matthias, Adelheid und Horst, Petra und Jürgen und Uwe mit Frau. Mit ihnen kam immer richtig Schwung in das Bordleben.Doch nun lege ich am besten los:


      1.Tag - Mittwoch, 05.10.2011 - Anreise nach Bergen

      Heute stehe ich wie gewohnt um 06.00 Uhr auf. Ist ja auch ein Mittwoch. Warum also später aufstehen ? Kaffee kochen, Zeitung lesen und ab mit dem Auto zum Bahnhof. Dort treffe ich doch wirklich einen alten Bekannten aus dem Nachbarort, der auch einen größeren Koffer trägt. Sollte er vielleicht auch…?Nein, er setzt zur Flucht auf die Sonneninsel Gran Canaria an. Auch nicht schlecht ! Beim Austausch unserer Urlaubsziele zeigt er sich aber auch interessiert an Norwegen. Aber hauptsächlich wegen den hervorragenden Angelmöglichkeiten. Rentner eben!


      Da unsere Züge beide Verspätung haben (Die Bahn fährt pünktlich ?!?) sehen wir uns noch beim Warten auf dem Bahnsteig und wünschen uns dann gegenseitig einen schönen Urlaub, wenn auch mit verschiedenen Voraussetzungen.So, jetzt sind es aber schon elf Minuten Verspätung und ich schaue das erste Mal besorgt auf meine Anschlusszeiten in Frankfurt. Grobe Schätzung… Anschluss in Frankfurt liegt noch im Möglichen.


      Eingestiegen in den Zug treten die ersten Unannehmlichkeiten auf. Mein reservierter Platz ist besetzt. Ein nervöser Blick auf die Bestätigung zeigt aber, Platznummer o.k., Reiseverlauf korrekt. Aber die Waggennummer ? Da erhebt sich aber der bisherige Platzhalter schon von seinem Sitz, entschuldigt sich höflich und nimmt gegenüber Platz. Die Reisegeschwindigkeit lässt aber zu wünschen übrig; ach so, Baustellen am Gleisbett. Wartet der Anschlusszug nach Düsseldorf ? Ein Zugbegleiter bejaht dieses, aber nur, wenn der Lokführer einen Kaffee erhält. „Gut, mache ich“, rief ich dem Uniformträger noch zu und beeile mich zum Ausgang.„Heute ausnahmsweise auf Gleis 4“ bekomme ich noch nachgerufen. Auch das noch. Aber auch dieser Zug hat Verspätung und die Probleme werden weniger. Diesmal ist mein reservierter Platz frei und ich beginne mit dem Reisebericht.


      Düsseldorf…Hauptbahnhof.., na ja., ca. 20 Gleise, Flachdach; nichts Besonderes. Von hier aus sind es noch sieben Minuten bis zum Flughafen. Die letzten Meter fahren wir mit dem „Skytrain“. Sehr übersichtlich angeordnet, kein Stressgefühl. Es geht fast provinziell zu, hier am „Internationalen Flughafen Düsseldorf. Damit ich schon einmal auf das Landefeld schauen kann, lasse ich mich in einer Pizzeria nieder. Aber natürlich auch des Hungers wegen. Wer weiß, wann die nächste feste Nahrung möglich ist. Schade, dass man hier nur in den Geschäften nur einen Blick auf das Vorfeld erhaschen kann. Aber so kann ich auch noch einmal ein günstiges Bierchen genießen. Das Schneider Weiße für 4,50 € wird wohl in den nächsten Tagen mein letztes Schnäppchen sein. Ich werfe schon beim Einchecken auf die Kofferanhänger, und muss feststellen, dass die Passagiere mit Hurtigrutenanhänger dem älteren Semester angehören. Wie schon im Voraus erwartet. Die Sache mit dem Schnäppchen bestätigt sich. Vor dem Abdfluggate B56 kostet das Weizenbier 5,50 €.So, nur noch wenige Minuten bis zum Boarding. Dann geht der Flug los. Mal sehen, welche Überraschungen heute noch auf mich warten.




      Guter Start, ruhiger Flug und gute Landung. Leider war der Sonnenschein nur über den Wolken. In Bergen angekommen wurde gleich eine Passage eines Reiseführers bestätigt, der schrieb: Bergen ist die regenreichste Stadt Europas“. 13 ° , Regen und böige Schauer empfingen mich in Norwegen. Beim Einchecken im Hurtigrutenterminal entdeckte ich dann doch einige Gleichaltrige. Besonders ein gleichaltriger Mitreisender fiel mir auf, der scheinbar nur auf „Schatzi“ hört. Und auch nur dann, wenn er es schrill und laut zugerufen bekommt. Ich erinnere mich schon im Flugzeug des öfteren diesen Signalruf gehört zu haben.


      Aber zurück zur Polarlys. Da liegt sie jetzt, direkt vor meinen Augen. Ich habe zwar schon unzählige Bilder von ihr, aber live ist eben doch anders. Kaum bin ich an Bord, so fällt mir ein, dass ich noch Getränke einkaufen wollte. Also wieder raus und ab durch den böigen Regen. Wieder an Bord ist umziehen angesagt, raus aus den nassen Klamotten. Der Regenschirm Marke Leichtbau hat sich nämlich in Bergens City verabschiedet und ist als Mitbringsel im Mülleimer gelandet. Nur wo sind die trockenen Kleider ? Noch nicht in der Kabine, werden noch verteilt. Na denn, warten wir noch ein wenig.



      Nach kurzer Wartezeit steht der geliehene Koffer vor der Kabine.Jetzt ist das Abendbuffet dran. Erste Lehre, wer früh kommt, hat die Auswahl an Platz und Essen. Allmählich füllt sich das Restaurant. Ich finde Platz am Tisch 22. Heute ist noch freie Wahl. An den anderen Abenden sind Tische vorreserviert. Gut dass ich aus dem Hurtigrutenforum die Info hatte, dass man schon Tage vor der Abfahrt direkt per Email auf den Schiffen Platz und Essenszeit für abends vorbuchen kann. Dies hat auch geklappt. Ich werde in der ersten Sitzung am Tisch 2 am Fensterplatz sitzen. Das hat also doch geklappt. Aber ob es um 18.15 Uhr noch etwas durch die Scheiben zu sehen gibt, bezweifele ich stark.



      An meinen Tisch setzen sich noch zwei Ehepaare ( auch Rentner !). Die einen aus Lippstadt, die anderen aus Ohio / USA. Wir haben, so habe ich eben erfahren, über 200 deutsche Passagiere an Bord. Die wenigsten, ca. achtzig, davon Gruppenreisende ( Aachener Zeitung) und eine amerikanische Reisegruppe. Ich unterhalte mich ein wenig auf deutsch und englisch mit beiden Paaren. Aber erst, nachdem ich vom Buffet etwas probiert habe. Sieht lustig aus auf meinem Teller ! Wie schon im Forum erfahren, gibt es hauptsächlich Fisch. Aber auch Fleisch in verschiedenen Varianten. Habe außer Fisch aber nur das Lamm gegessen. Als Nachtisch Eis, Kuchen, Melone und Creme. Geht schon gut los. Gott sei Dank habe ich mich vor der Reise erst einmal gewogen ( Gewicht verrate ich aber nicht !).Es regnet draußen immer noch, habe aber dennoch ein paar Bilder an Deck geschossen. Die Informationsveranstaltung zum Schiff, der Sicherheit und den Ausflügen habe ich nun auch genossen. Jetzt ist Kofferauspacken dran. Denn um 22.30 Uhr will ich beim Ablegen an Deck sein. Koffer ist ausgepackt, bin fertig zum Ablegen, aber es tut sich nichts.



      Eben kommt die Info, dass sich die Abfahrt um eine Stunde verzögert, da sich noch Monteure an Bord befinden, die einen elektronischen Schaden beheben. Na gut regnet ja eh noch. In der Zwischenzeit kann ich ja das Schiff einmal innen erkunden.23:50 Uhr, es geht los….. der Jugendtraum beginntMit 80 Minuten Verspätung legt die „MS Polarlys“ ab. Bergen liegt im Dunkeln. Es stellt sich ein merkwürdiges Gefühl ein, in zwölf Tagen wieder hier zu sein. Mit all den neuen Eindrücken. Es hat auch aufgehört stark zu regnen. Es nieselt nur noch. Dafür ist der Wind auf 8m/s angestiegen. Man nennt es seemänisch „Steife Brise“. Mal sehen ob morgen bei der ersten Seeüberfahrt auch noch so viel Wind herrscht.Jetzt ist es auf dem Schiff schon sehr ruhig. Hat auch seine Vorteile, mit Senioren zu resen. Ein paar Jüngere, so um die Fünfzig, schlendern durch das Schiff. Ich nehme noch einen Absacker in der Bar und schlendere dann auf Deck 5 rund um das Schiff.



      H E R R L I C H !!! Die Lichter links und rechts, oh ..an Backbord- und Steuerbordseite, so habe ich mir eine nächtliche Fahrt an Norwegens Küste durch die Schären vorgestellt. Ich muss mich stark am Riemen reisen, sonst drehe ich noch bis zum Sonnenaufgang Runden im Nieselregen, schließlich ist es schon 00:30 Uhr und die Anreise war doch recht lang und anstrengend. Mal sehen, ob die Verspätung morgen früh wieder eingeholt wurde.Weckzeit morgen früh erst um 07.00 Uhr wegen der Verspätung.





      So für's erste mal reicht es jetzt. Mal hören wie es klappt mit dem Bericht schreiben und dann geht es in kürze weiter.

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    • Biebersteiner wrote:

      ein gleichaltriger Mitreisender fiel mir auf, der scheinbar nur auf „Schatzi“ hört. Und auch nur dann, wenn er es schrill und laut zugerufen bekommt.

      Herrlich... Dazu fällt mir eine Anekdote ein: Meine Schwester grad frisch verliebt geht mit ihrem Freund einkaufen. Irgendwann ruft auch eine Dame quer durch den Supermarkt ganz schrill: Schatzi wir brauchen noch Butter...
      Meine Schwester meinte nur ganz trocken zu Ihrem Freund: "Solltest Du irgendwann mal auf die Idee kommen mich in der Öffentlichkeit so oder anders als Sabine zu rufen bring ich dich um". :tommy: Heute sind sie verheiratet... :imsohappy:

      Schön geschrieben, freu mich schon auf die Vortsetzung.
      Nordlicht :flower:

    • Köstlich geschrieben - freue mich auch auf die Fortsetzung (bei mir leider erst nach dem Urlaub).

      Zwergbommel wrote:

      Gruß Jürgen und Petra

      ich möchte festhalten - dabei handelt es sich NICHT um eure MODs...
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Reisebericht 2. Teil

      2.Tag - Donnerstag, 06.10.2011 BergenKristiansund


      07. 00 Uhr – Wecker geht.War das eine Nacht!


      Erst muss man sich einmal an die Geräusche gewöhnen. Dann war ein Seegang, ich weiß nicht wie schwer, aber zumindest so schwer, dass ich ungewohnt im Bett hin- und her rollte. Irgendwann nervte mich ein klopfendes Geräusch in meiner Kabine. Ich machte mich also auf die Suche und stellte nach zeitaufwendiger Nachforschung fest, dass es die Holzbügel im Schrank waren, die bei Seegang an die Schrankwand klopfen. Im Stehen fühlte ich den Seegang erst richtig. Unglaublich. Ob der Kapitän wegen der Verspätung nun über das offene Meer fährt ?


      Durch das Fenster erkennt man nachts recht wenig. Ich lege mich also wieder hin. Einige Toilettenspülungen hört man im Schiff. Besser nicht so genau hinhören. Aber irgendwann schlief ich dann ein. Jetzt spritzt Wasser gegen mein Fenster als wenn es aus einem Hochdruckreiniger kommt. Kommt es auch; ein Besatzungsmitglied reinigt mit einem Hochdruckgerät die Fenster. Feiner Service.Ich werde mich jetzt zum Frühstück begeben und dann mal schauen, was der Tag so bringt.


      Habe schon meinen Platz zum abendlichen Dinner gefunden. Gute Wahl und danke ans Forum, aus dem ich die Information zur Reservierung ziehen konnte. Das Frühstücksbuffet ist sehr ausführlich und die Gespräche am Tisch gehen hauptsächlich um den nächtlichen Seegang. Einen weiteren „Bekannten“ habe ich wiedergetroffen. Nennen wir ihn „Siechfried“; der Name ist Programm. Nachdem er gestern schon während der Sicherheits-Infoveranstaltung mit unnötigen Zwischenrufen genervt hat, tritt er heute morgen mit einem lauten „Guten morgen allerseits“ in den Frühstücksraum. Er erntet damit aber nur verstörte Blicke der Anwesenden. Es regnet jetzt kaum noch und wir legen mit einer Stunde Verspätung in Maløy an.




      Kurzer Stopp und weiter geht’s es durch die Schären. Sehr schöne Landschaft zieht an uns vorbei. Es steht nun die erste Seetauglichkeitsprüfung an. Die Passage über das erste offene Seestücks Stadhavet. Für ’s erste hart an der Grenze. Dabei ist es nur „Alte See“, d. h. die Überreste eines starken Windes, der aber noch einigen Seegang verursacht. Aber nach ca. 75 Minuten ist es vorbei; wir biegen wieder in geschützte Gewässer ein. Wir laufen nun mit 60 Minuten Verspätung in Torvik ein. Ich muss wieder an Deck.




      Es dauert schon ein bisschen, bis die Abläufe auf dem Schiff wohl koordiniert sind. Wann ist es wichtig an Deck zu sein, wann kann ich die Bilder auf den Rechner laden und sie sichern, damit sie auch noch später zu zuordnen sind. Hier in Torvik scheint jetzt sogar die Sonne. Es ist leicht bedeckt, aber es geht immer noch ein starker Wind. Beim letzten Rundgang an Deck habe ich auch schon die Basecap mit der Wollmütze getauscht. Kurzarm ist nur noch in den Innenräumen angesagt, trotz Überziehpullunder. Jetzt werden die ersten Mails von Bord geschrieben, die Bilder gesichert, und in 1 ¼ Std. geht `s zum ersten Landgang in Ålesund .


      Ich vermeide es, mit der Gruppenführung von Bord zu gehen und stelle mich direkt seitlich vor die Gangwaytür. Ich bekomme noch erklärt wo und wie ich mich auschecken muss, und dann los. Zuerst laufe ich den Hausberg Aksla hinauf. 418 Stufen gleich nach dem Mittagessen im Regen. Oben angekommen werde ich aber durch den wunderbaren Blick auf Ålesund belohnt. Auch die Sonne lugt hervor und trocknet meinen nassgeschwitzten Pulli. Denke ich jedenfalls, aber der Wind erlaubt es mir nicht, die Jacke auszuziehen.


      Nach einem alkoholfreien Bier im Aussichtsrestaurant geht es die 418 Stufen wieder hinunter durch den verregneten Ort Richtung Jugendstilviertel. Ich finde unterwegs ein paar vereinzelte schöne Gebäude und da ich nicht nur geschwitzt, sondern auch vom Regen nass und kalt bin, gehe ich wieder Richtung Hafen. In einem Supermarkt erstehe ich noch zwei Flaschen Rotwein. Jetzt, da die Sonne wieder einmal scheint, ist es günstig die MS Polarlys am Kai zu fotografieren. Schöne Bilder !




      Wieder an Bord werde ich eingecheckt (wichtig !) und erhielt die Aufforderung, mir die Hände zu desinfizieren. Übrigens wird auch beim Betreten des Speisesaals darauf geachtet, dass sich jeder die Hände desinfiziert. Man hat wohl mal schlechte Erfahrungen mit einem Novo - Virus gemacht. Jetzt erst einmal duschen, dann Kaffee holen und an den PC. Als nächstes fahren wir 2 ¾ Stunden bis nach Molde . Da kann ich mich noch einmal auf `s Ohr hauen, wenn es der Seegang zulässt. Bisher war die Fahrt ruhig. Auf der Festlandseite kann man die ersten schneebedeckten Berge erkennen. Laut Karte müssen diese bis zu 2000 m hoch sein. Herrliches Panorama, sogar mit Sonnenstrahlen.


      In Molde angekommen, unternehme ich einen kurzen Landgang, ca. 30 Minuten. Eigentlich hat Molde schöne Geschäfte an der Hauptstraße. Ansonsten sehe ich nur eine Kirche, zu mehr komme ich nicht. Aber hat Molde nicht einen bekannten Fußballclub ? Stimmt, hier wird Werbung mit ihnen in einem Sportgeschäft gemacht. Auf der Rückfahrt werde ich zur Erkenntnis kommen, dass das Stadion direkt am Hafen, nur 5 Minuten vom Anleger, liegt, und dass der Molde FK Tabellenführer der norwegischen Liga ist. Das Stadioninnere werde ich aber auch nicht auf der Rückfahrt sehen, da es dann spät abends ist. Für Fußballverrückte, ich bin so einer, also ein „Muß“, das feine, kleine Prunkstück auf der Hinfahrt zu besuchen. Man muss nur entgegen den Hinweisen der Reiseleitung an Land linksherum laufen, in Richtung „Dubai-Hotel“.




      Zurück an Bord geht es gleich zum ersten Dinner dieser Reise. Bin mal gespannt, wer alles an meinem Tisch sitzt. Auf der Speisekarte steht:


      Klippfischbolinhos mit Tomatensalat


      Hühnchen Liveche mit Gemüserisotto, Paprikasauce und Linsenragout


      Warmer Apfelkuchen mit Vanilleeis


      Ich glaube, die Tischzusammensetzung wurde hauptsächlich nach Alter gestaltet. Ein Alleinreisender aus Wolfenbüttel, ein Ehepaar aus Soest und die Ausnahme, zwei ältere Freundinnen aus Berlin. Wir kommen alle zusammen recht schnell in interessante und lustige Gespräche. Jetzt, nach dem Dinner, sollten wir die „MS Richard With“ treffen. Diese war aber so schnell vorbeigezogen, dass ich sie nicht gut fotografieren konnte. Eigentlich wollte ich mich nicht dem Stress aussetzen, alle vorbeifahrenden Hurtigrutenschiffe zu fotografieren. Aber es zieht einen doch dann an Deck, wahrscheinlich ist das der Anfang vom „Hurtigfieber“.


      Es geht jetzt auch wieder ein doller Seegang. In der Wettervorhersage hatten sie auch für heute abend Windstärken bis 15m/sec. angesagt. Fachmännisch: „Steife Briese“. Na denn, da wird die zweite Sitzung beim Dinner recht leer bleiben! Ich werde jetzt wieder an Deck gehen, eine Runde drehen. Uns wurde gesagt, dass vier Runden ein Kilometer sind. 500 m mit Wind; 500 m Gegenwind. Um ca. 22.oo Uhr sollen wir in Kristianssund ankommen. So lange werde ich mich noch an Bord herumtreiben und dann in der Koje verschwinden. Morgen früh steht gleich der Ausflug in Trondheim auf dem Programm.Ich habe jetzt doch noch schnell die Bilder runtergeladen und gesichert.


      Das zweite offene Meerstück, das wir gerade bei nachlassendem Seegang durchfahren, heißt übrigens Hustadvika(Könnte des Namens nach auch in Tschechien liegen!).Einfahrt in den Hafen von Kristiansund . Wie bei Hurtigforum beschrieben, ist sie bei Nacht beeindruckend. Man steht wirklich mit der großen MS Polarlys mitten in der City. Die Pier ist hell erleuchtet. Wäre da unten nicht so viel Arbeit, würde man es sicherlich romantisch nennen.




      In den ersten beiden Tagen habe ich feststellen können, dass zum einen die Landschaft, auch im Regen und Wind, beeindruckend ist. Besonderst wenn man sie von der Seeseite betrachten kann. Bisher hatte ich nur die Möglichkeit, Norwegen auf der Landseite kennenzulernen.


      Zum anderen macht den Reiz dieser „Schönsten Seereise der Welt“ auch die kurzen Seestrecken und vor allem die große Anzahl der angefahrenen Häfen aus. Heute am Abend des zweiten Tages habe ich schon sieben Städte gesehen und einen ( Florø ) sogar noch verschlafen.Jetzt lasse ich aber wirklich den beeindruckenden Tag, bei einem Glas Rotwein ausklingen und freue mich schon auf den Wecker morgen um 5.00 Uhr (eigentlich ein wenig früh, aber die Einfahrt in den Trondheimfjord will ich, so es die Sichverhältnisse zulassen, miterleben. Bis Trondheim bewegen wir uns in geschütztem Gewässer, immer im Windschatten von Schären, somit rechne ich mit einer ruhigen Nacht.


      Ende des zweiten Teils, doch der nächste folgt zugleich. Auch wenn zugleich erst nächste Woche ist. Tschüß
    • Hati wrote:

      Danke für die Fortsetzung. Bei meiner Fahrt im März hatte ich nicht das Gefühl, dass abends halbwegs auf das Alter bei der Tischzusammensetzung geachtet wird. Vielleicht ist das aber ja auch auf jedem Schiff anders. :)
      Den Eindruck hatte ich bislang auch noch nie. Aber vielleicht werde ich im Januar eines Besseren belehrt!
    • Reisebericht 3.Teil

      3.Tag - Freitag, 07.10.2011 – Kristiansund - Rørvik


      05. 00 Uhr – Wecker geht. Die Nacht war ruhig. Zumindest so ruhig, dass ich ohne Beeinträchtigungen schlafen konnte. Und das sogar recht gut. Wie schon befürchtet ist um diese Uhrzeit draußen noch nichts vom Fjord zu sehen. Dann leg ich mich halt wieder hin und werde mir die Einfahrt auf der Rückfahrt ansehen. Falsch gedacht…! Wir laufen auf der Rückfahrt zur gleichen Zeit in Trondheim ein wie auf der Hinfahrt.


      06.30 Uhr – jetzt ist die richtige Zeit um heute aufzustehen. Ich lege mein Buch zur Seite und mache mich bordtauglich. Morgendämmerung im Trondheimer Hafen – Frühstück mit Ei, Pfannkuchen, Krabbencocktail und anderen Fisch mit Blick auf die Stadt. So fängt der Tag gut an. Morgens ist es schwer, ein vernünftiges, der Tageszeit entsprechendes, Gespräch am Tisch zu führen. Entweder die Personen sind noch morgenmufflig, oder aber sie haben das Bedürfnis unentwegt zu reden. Draussen am Kai legt gerade die "MS Nordstjernen" im Dunkeln an. Ist auch 'was für `s Auge!






      Heute war alles am Tisch. Ein älterer Herr, der sich stark auf seinen Frühstücksteller konzentrierte und zwei Herren, die sich mehr erzählten als zu frühstücken. Das aber im tiefsten Ruhrpott-Slang, den ich kaum verstand. Da konnte selbst ich nicht mithalten und konzentrierte mich ebenfalls auf das Frühstück. Nachdem ich den heutigen Vitaminbedarf reichlich deckte ( Melone, Ananas, Orangensaft und Apfel !) wünschte ich den Dreien einen schönen Tag und beendete mein Frühstück.



      In einer halben Stunde geht es per Bus zur Stadtbesichtigung von Trondheim . Höhepunkt wird der Nidaros – Dom sein. Draußen ist es von oben herab noch trocken bei 3° Morgentemperatur, die im Laufe des Tages auf 8° ansteigen soll. Nach zwei Stunden sind wir dann wieder an Bord. Nach weiteren zwei Stunden legt die Polarlys weiter in Richtung Norden ab.

      Zurück von einem interessanten, schönen und vor allem trockenen Landausflug. Trondheims Häuser sind überwiegend aus Holz gebaut, obwohl die Stadt schon mehrfach durch Feuersbrünste zerstört wurde. Auch dürfen laut Stadtverwaltung Häuser höchstens zweistöckig gebaut werden. Na ja, auch hier gilt : „Alle sind gleich, nur einige sind etwas gleicher als die anderen.“ Auffällig sind die vielen Hotels. Trondheim ist, so wird mir erzählt, eine Kongressstadt, die diese Bettenkapazität benötigt. Gerade wird in der Nähe vom Hurtigrutenanleger das größte Hotel Skandinaviens erstellt. Aber auch durch die vielen Studenten ist Trondheim geprägt. Unsere Reiseleiterin sagt, dass Trondheim sich gerne „Wissenschaftsmetropole Norwegens“ nennt. Laut Bürgermeister hat Trondheim den größten IQ / qkm. Es besteht eine Partnerschaft mit Darmstadt.






      Der Nidaros - Dom ist sehenswert. Zwar innen dunkel (Fotografieren ist eh verboten) aber imposant in seinen Ausmaßen. Die norwegische Führung erzählt sehr kurzweilig dessen Geschichte. Danach geht es nicht mit dem Bus zurück, die Reiseleiterin verteilt für diejenigen, die es wollen, Straßenkarten, und man kann zu Fuß durch die Innenstadt schlendern und dann zum Schiff zurück laufen. Lohnt sich ! Auch auf der Rückfahrt nehme ich mir vor, einen Fußmarsch in die Stadt zu unternehmen. Zurück am Schiff begegnet mir Horst an der Gangway. Ihm ist aufgefallen, dass es so gut wie keine Hunde in Trondheim gibt. Stimmt, jetzt, wo er das sagt, fällt es mir im Nachhinein auch auf. Vielleicht müssen die sich auch erst an 3° Außentemperatur gewöhnen und sitzen noch im Warmen.






      Heute wird die Passage ruhig, nicht vom Seegang her, sondern von den Aktivitäten. Erst das Ablegen aus Trondheim , dann das Mittagessen, zwei Leuchttürme und bei gutem Wetter die Durchfahrt des engen Stokksundet. Abendessen und um 20.30 Uhr Ankunft in Rørvik . Zeit genug um im Panoramasalon ein Buch zu lesen, auszuruhen, eventuell ein paar Bilder von der Küste schießen. Zu mittag esse ich nur Kleinigkeiten, aber wie viele…! Heute war es ein Querschnitt durch die norwegische Küche. Man muss sich wirklich vornehmen, nur kleine Häppchen auf den Teller zu platzieren, auch wenn es noch so spärlich aussieht. Angefangen hat es mit Dörrfleisch und Frikadellen vom Elch mit Kartoffeln und Kartoffelsalat. Danach die Fischabteilung mit Dorsch, Makrele, Lachs, Muschelsalat, etc.(Den Kaviar habe ich ausgelassen !). Zum Nachtisch in wahlloser Reihenfolge Mokkacreme, Schoko- und Vanillepudding, 2 Scheiben Ananas und schließlich Mandelkuchen mit Kaffee.



      Jetzt kann ich mich dem Buche widmen, da das Wetter wieder schlechter wird. Komme gerade vom Rundgang zurück. Was ein Gegenwind ! Am Bug und Backbord weht es dir die Kleider fast vom Leib. Habe mit einem Amerikaner aus North-Dakota gesprochen. Beim stündlichen Rundgang auf Deck 5 um das Schiff trifft man nicht viel Passagiere. Die meisten sitzen vor den Fenstern und fotografieren durch das Glas. Aber wenn man Bekannte trifft, ist das, als wenn man sich Monate nicht gesehen hat. Sofort kommt man in ein nettes Gespräch. Jetzt ruhe ich ein paar Minuten, bevor es zum Dinner geht. Ob ich nochmals um 05.00 Uhr den Wecker stelle, wage ich zu bezweifeln.



      Der Wind wird immer stärker, so stark, dass wir nicht in den Stokksund einfahren können, wir müssen über das offene Meer über die Seestrecke Folda ausweichen. Wie sagt die Stimme aus dem Lautsprecher: „Wir werden ca. zwei Stunden Stimmung an Bord bekommen“. So ist es auch. Ein Passagier sagt: „Die armen Leute, die in der ersten Essenssitzung sind, die werden wohl nicht viel Spaß am Dinner haben.“ Ich glaube aber, dass zum zweiten Dinner nicht mehr viele kommen werden. Heute steht auf dem Speiseplan:



      Blumenkohlsuppe mit geröstetem Pökelschinken



      Forelle im Kräuterbett gebacken mit Fenchel,



      Rahmspinat, Miesmuschel und Amandine-Kartoffeln



      Ich bin in der ersten Sitzung am Tisch 2 dabei. Dieser ist bei Seegang sehr zu empfehlen. Man hat das ganze Publikum vor Augen, hinter einem die Wand und links der Blick zum Horizont. Tüchtiger Seegang, und immer den Horizont im Auge behalten ! Es schaukelt richtig. Einige sind nicht zum Essen gekommen, andere verlassen fluchtartig den Speisesaal. An unserem Tisch, 6 Personen, gibt es nur einen Ausfall. Dabei zeigt es sich als wenig hilfreich, wenn man, wie die Berliner Stimme, dauernd von irgendwelchen „Unangenehmlichkeiten bei Seegang“ erzählt. Das und der Geruch vom Essen ließen meine Nachbarin die Segel streichen. Es schaukelt heftig, aber ich habe es schadlos überstanden. Man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Da kann die Lofoten – Überfahrt kommen !






      Die Einfahrt nach Rørvik verzögert sich um 20 Minuten. Damit beschränkt sich der Landgang. Hier liegt „MS Trollfjord“ vor Anker. Ein mächtiges Schiff. In der Dunkelheit macht sie noch einen größeren Eindruck, als wenn man sie am Tag auf See zu Gesicht bekommt. Schnell runter vom Schiff, Bilder geschossen und wieder an Bord gehen. Danach noch ein letztes Getränk und … Gute Nacht.



    • Hallo Biebersteiner,

      ...Gruß aus Wolfenbüttel.
      Deinen Bericht find ich bisher schon mal klasse, es ist irgendwie so, als ob man noch mal in Gedanken die Reise abfährt.

      Ich war auch vom 05.10.2011 bis 16.10.2011 an Bord der Polarlys und habe durch eine Vorweg-Mail eine Woche vor meiner Reise an die Polarlys auch an Tisch 2 bei der 1. Sitzung am Abend gesessen.
      Die beiden älteren Damen aus Berlin werden ich hier wahrscheinlich nicht begrüßen können,
      aber wie ich schon gesehen habe, einen lieben Gruß an Adelheid und Horst, und natürlich an die lieben "Süchtigen" vom Deck 7...
      Es war eine tolle Reise mit Euch allen!

      Leider habe ich mir keine Notizen während der Reise gemacht, um so einen schönen Bericht zu schreiben.
      Ich kann "später" nur ein paar Fotos einspielen, denn darauf habe ich mich während der Reise am meisten konzentriert.
      Da ich jetzt schon zum 3. Mal mit einem Hurtigrutenschiff unterwegs war, kann ich zwar nicht behaupten, das es vom Wetter her die schönste Reise war....aber auf jeden Fall war es die lustigste Fahrt.

      Bis bald
      Matthias