Reisebericht - Höhepunkte Spitzbergen mit MS FRAM 23.08.-01.09.2011

    • 2011
    • Reisebericht - Höhepunkte Spitzbergen mit MS FRAM 23.08.-01.09.2011

      1. und 2. Tag: Anreise von Düsseldorf nach Longyearbyen

      Flug über Oslo nach Longyaerbyen klappt einwandfrei, so daß ich in den frühen Morgenstunden bei diesigem Wetter auf Svalbard lande. Erstmal Transfer zum Hotel und ausschlafen. Danach schlendere ich gemütlich durch den Ort mit der Kamera:

      Longyearbyen ist ein kleines Städtchen mit hübschen Holzhäusern und farbenfrohen Farbanstrichen. Hier gibt es eine Universität, wo die ca. 150 Studenten alles über die Arktis nicht nur in der Theorie, sondern praxisnah erfahren. Die Geschichte von Longyearbyen ist der Bergbau und das Erbe des ersten Kohleabbaus ist überall gegenwärtig. Im Liegen wurde die Kohle gefördert.

      Das Abend Buffet im Hotel ist reichlich und ich bin erstaunt, daß viele junge Leute hier auf eigene Faust mit Segelschiffe hier Touren unternehmen. Die ANTIGUA ist eine Dreimastbark, die von einem Deutschen - R. Stange - gechartert ist und der auch Umrundungen von Svalbard unternimmt. Ich gehe früh schlafen, damit ich am nächsten Morgen das Museum in Ruhe besuchen kann. Ich frühstücke gegen 8 Uhr und sehe, daß schon einige Passagiere von der FRAM wach sind oder garnicht erst geschlafen haben.
      Der Besuch im Svalbard Museum ist unbedingt lohnenswert. Dort wird das Leben der Arktisbewohner und die geschichtliche Entwicklung dieser Inselgruppe (7 Insel) sehr gut erklärt und mit fantastischen Exponaten und Fotos dargestellt.
      Auf dem Weg ins Museum sehe ich die FRAM auf Reede im Isfjord, ein Frachter lädt am Pier Güter aus.


      Fortsetzung folgt:
    • ...weiter geht's

      Nach dem Museumsbesuch sehe ich mich noch im LOMPER Einkaufscenter um und kaufe ein paar Postkarten. Inzwischen wird es lebendig im Städtchen die Mitreisenden sind da und siehe da ich sehe einige bekannte Gesichter von der Grönlandreise vor 2 Jahren. Heiteres begrüßen und erstaunte Gesichter wo ich her komme :?: Nach dem Mittagessen - ohne Schuhe nicht nur im Hotel, sondern auch im Museum - ruhe ich mich noch etwas aus und mache um 14 Uhr die Stadtrundfahrt noch mit. Die Koffer werden mit einer grünen Schleife versehen und vom Hotel zur FRAM gebracht, so daß ich nur meinen Rucksack tragen muß. Ich ging noch mal mit ins Museum, die auch eine umfangreiche Buch und Bildband Sammlung zum Verkauf anbot, da konnte ich natürlich nicht widerstehen und noch einen schönen Bildband von Svalbard ergattern.
      Gegen 16 Uhr ging es zum Hafen und Einschiffung und das übliche Check In (Kreditkarte, Foto, Cruisecard, blauer Anorak). Da die FRAM mir nach der 4. Fahrt nicht fremd ist, richte ich mich in meiner Kabine 643 gemütlich ein und genieße die Ausfahrt im Isfjord Richtung Barentsburg, das wir um 20 Uhr erreichen. Vorher "plündere" ich noch das Abendbuffet und die Filippinos im Restaurant begrüßen mich herzlich mit "coming home". Barentsburg ist eine russische Bergarbeiter-Siedlung und steht in einem spürbaren Kontrast zu Longyearbyen. Die Zustände unter denen die Menschen hier leben sind katastrophal, allerdings wahrscheinlich immer noch besser als in manchen Gebieten Rußlands.

      Die Treppe auf dem Foto hat ca. 300 Stufen und lohnen eigentlich nicht zu erklimmen ;( Eine russ. Folklore Show lockt viele, mich allerdings nicht. Von der Anhöhe mache ich ein paar Fotos und krabbel wieder zum Schiff in meine Kabine, in der jetzt der Obstkorb mich anlacht.

      3. Tag Ny Ålesund und Magdalenefjorden

      In Ny Ålesund legen wir am Pier an und haben 2 Std. Zeit den Ort zu erkunden. Hier leben je nach Jahreszeit 30-150 Personen. 1963 wurde der Abbau der Kohle eingestellt. Die Kohle wurde mit Zügen zum Hafen transportiert, ein Zug wurde restauriert und als Museumsbahn aufgestellt. Berühmt wurde Ny Ålesund durch die Polarforscher Amundsen, Ellsworth und Nobile, welche von hier 1926 ihre Nordpol Expedition mit dem Zeppelin starteten. Erfolgreich überflogen sie den Nordpol.

      Im nördlichsten Postamt der Welt werden die zahlreichen Postkarten abgestempelt und in den Kasten geworfen - auch fürs Forum, dauert halt etwas - Heute ist Ny Ålesund ein internationales Zentrum für Polarforschung und Umweltüberwachung. Wissenschaftler aus vielen Ländern kommen hierher (Deutschland, GB, Japan, Italien, NL, F, Süd-Korea, Indien und China haben eigene Forschungsstationen). Handy's dürfen hier nicht eingeschaltet sein, wegen den vielen Messgeräte, die gestört werden könnten. Die Wanderung zum Ankermast des Luftschiffes von NOBILE muß natürlich sein - den Luftschiffhangar hat man abgerissen und nur den Mast stehen lassen. 2 Jahre später wurde eine erneute Expedition von Nobile durchgeführt - man wollte am Nordpol landen. Die Expedition schlug jedoch fehl und Amundsen verlor sogar sein Leben beim Versuch Nobile und andere Expeditionsmitglieder zu retten. Auf dem Weg zurück zum Schiff entdecke ich noch einen versteinerten Jahrtausend alten Baum

      Gegen 13 Uhr verlässt die FRAM Ny Ålesund Richtung Magdalenefjord, wo wir gegen 17 Uhr sein sollen. Inzwischen klart der Himmel zum ersten Mal etwas auf, so daß ich mich auf die Anlandung bei Gravneset freue. Jetzt werden die Gummistiefel zum Ausleihen angeboten für NOK 150 für die ganze Reise. Gravneset ist von majestätischen Bergen und großen Gletschern gesäumt, eine großartige Natur. Hier sind auch viele Gräber aus der Walfängerzeit, neben den Gräber befinden sich die Backsteinöfen, in den das Walfleisch gekocht wurde. Die Jäger holten den Wal mit Seilwinden an den Strand. Dieser weiße Sand annimierte 2 starke Männer zum Baden und wir stürmten die Texasbar :beer:

      Dieser Ausflug war nicht nur interessant, sondern bedingt durch das Wetter super und das Fotografieren machte Spaß

      Gegen 20 Uhr schipperten wir aus dem Fjord in den Hohen Norden Richtung Moffen und passieren den 80. Breitengrad. Hier angekommen, ca. 01.45 Uhr ließ der Käptn - Rune Andreassen - die Motoren stoppen und wir glitten sanft auf ein Knäuel von 40 - 50 Walrosse heran. Es war leider wieder etwas dunstig und wir lagen ca. 500 m entfernt von den Tieren, die sich allerdings nicht bewegten.

      Für bessere Fotos reichte hierbei meine Kamera dann doch nicht.

      Fortsetzung morgen - gute Nacht

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    • ich weiss jetzt nicht expliziet was der da sitzende Herr ist, aber Bedingung als Hurtigrutenreiseleiter für Spitsbergen ist dass man schiessen kann. War vor einiger Zeit auch eine Ausschreibung bei Hurtig.
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~
      Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~ Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil!

    • Hallo effemuc,
      danke - die bewaffneten Guides sind die Lektoren (Ornithologe, Botaniker, Geologe, und ein junges Mädchen, die gerade ihre 1jährige Ausbildung als Arktis-Guide in Longyearbyen absolviert hat), die von Hurtigrute für die Arktis und Antarktis Touren angestellt werden und uns diverse Vorträge über "Die Beschaffenheit des Eises" oder "Die Fridtjof Nansen Expedition 1893-1895" oder "Der Polar Bär" u.ä. halten in deutsch und englisch. Alle sind in ihrem Bereich studierte Fachleute und lassen keine Frage offen. Dies ist m.E. auch das Besondere an den Fram REisen.
    • Die Guides sind in der Saison angestellt bei "Spitsbergen Travel". Es sind meistens Studenten, oftmals sogar mit einem bereits abgeschlossenen Studium ( Biologie o.ä.). Außerdem haben sie viel Outdoor-Erfahrung. Unsere 2 "kleinen Guide-Mädchen" sahen aus wie 17, waren 24 Jahre alt und eine hatte bereits ein Biologiestudium in London und Tromsoe abgeschlossen. Nach der Saison wollte sie mit Medizin anfangen :wacko1: Bei der Anderen war es so ähnlich.......
      Gruß
      Renate
    • 4. Tag Hoher Norden - Wir suchen Eis

      Die Nacht war kurz - nach den Walrossen haben wir noch in der Panorama Lounge zusammengesessen und den Hurtigruten Spezial als "Abzacker" genommen. Heute morgen beim Frühstück verkündete Karen (Expeditionsleiterin) "Wir suchen das Packeis", das Wetter spricht dafür das wir immer weiter gen Norden schippern. Heute also ein richtiger Expeditionstag, hier fährt die FRAM zum ersten Mal. Die geplanten Vorträge von Tomas (polnischer Dipl. Biologe für Antarktische Biologie) "König der Arctic" und "Eis-Portrait eines erstaunlichen Materials" von Steffen (Geologe) werden verschoben auf die nächsten Tage. Jetzt ist jeder auf Deck 5 oder 7 und hält Ausschau nach Eis und den Polar Bär :search: Um ca. 10.30 Uhr wird die Packeisgrenze bereits mit bloßem Auge wahrgenommen :dance3:

      Die FRAM gleitet sanft immer näher ans Eis und alle werden diesen Augenblick nie vergessen, der Eisbär wird gesichtet und tummelt sich auf den Eisschollen. Stille an Bord, Maschinen aus und ein um den anderen Moment boten sich bessere Gelegenheiten den Bär vor die Linse zu bekommen, auch das Personal ist inzwischen an Deck mit Kamera. Wir genossen voller Ehrfurcht gegenüber der Natur diesen Moment diesem Giganten der Arktis so nah zu sein. Nachdem er sich im Wasser und auf den Eisschollen aus unserem Blickfeld verzogen hat, werden die Polarcirkle Boote parat gemacht und auf geht es für uns ins Packeis - wow super bei diesem Wetter

      Ich bin in der 2. Gruppe eingeteilt, wir haben ca. 30 MIn Zeit für die Bootsfahrt ins Eis. Bis ca. 16 Uhr verbleibt die FRAM an der Packeisgrenze - an Mittagessen denkt keiner, der Käpitän kommt mit Mannschaft auf Deck 5 und wir stoßen alle mit einem Glas Sekt auf die 81 Grad 29 Nord mit einem lauten Skål an. Die Sandra (schweiz. Fotografin) steht auf Deck 7 und macht ein Gruppenfoto von allen - siehe Fram Blog

      Wir alle erhalten ein Arctic Certificat, wir sind mit der FRAM und Kapitän Andreassen die ersten der Hurtigrute, die 81 Grad erreichen.

      Fortsetzung folgt..
    • Fortsetzung 4. Tag - (nach PC Absturz!)

      Die FRAM gleitet gemächlich an der Packeisgrenze entlang gen Westen gegen 18 Uhr. Unser nächstes Ziel ist die Hinlopenstrasse, und zwar die Kinnvikabucht. Wir kreuzen die nördlichste Inselgruppe Sjuøyane. Sie liegt nördlich von der großen Insel Nordaustland. Wir waren nur 940 km vom Nordpol entfernt und sind uns dessen auch bewußt, das es nicht selbstverständlich ist auf so einer Fahrt. Das Arctic Certificate dokumentiert, daß wir auf 81 Grad 29 Nord waren.

      Diesen unvergesslichen Tag beenden wir gemütlich und freudig in der Panorama Lounge bei guten Getränken und bewundern die Eis, Früchte und Gemüse Schnitz Kunstwerke.

      5. Tag - Hinlopenstrasse/Kinnvika und Bråsvellbreen

      Die Hinlopenstrasse wurde wahrscheinlich nach Thymen J. Hinlopen benannt, ein holl. Leiter einer Handels- und Walfangfirma im 17. Jahrhundert. Die Fram macht ihren Weg südlich durch diese berühmte Strasse, die die Ostküste von Spitzbergen und die große, eisüberzogene Insel Nordaustland trennt zum ersten Mal. Nach dem Frühstück steuern wir die Kinnvikabucht an. Kinnvika wurde nach einem schwed. See benannt. Im Jahre 1957-1958 errichteten die Schweden zusammen mit den Finnen eine Forschungsstation. Hier wurden Observationen der Geophysik (Meterologie, Polarlichter, Magnetismus etc.) erfolgreich durchgeführt. In neuerer Zeit im Jahr 2000 haben eine engl. Naturliebhaberin und ein norw. Forscher Hauke Trinks mit 2 Hunden in dieser 20 qm großen Hütte ein Jahr gelebt. (Es gibt ein Buch "Kinnvika 80 Grad Nord" ISBN 978-3-89405-820-3)

      Das Wetter ist wieder diesig und etwas nebelig geworden, so daß wir den eindrucksvollen Vogelfelsen Alkefjellet nicht so richtig genießen können. Außerdem ist es zu spät, die meisten Vögel sind schon gen Süden geflogen, um den Winter zu entgehen. Unser Kurs schlängelt sich weiter zu Europas größtem Gletscherfeld mit einer Gesamtfläche von 8ooo qkm. Er ist 45 km lang und 20 km breit. Es ist faszinierend, an dieser dramatischen Front entlang zu fahren. Der Teil, den wir sehen wollten, heißt Bråsvellbreen, aber der Nebel wird mehr und unser Kapitän entscheidet nicht näher ran zu fahren bzw. er wollte noch bischen rumfahren, aber Sicherheit geht vor, schade.

      Ein paar Aufnahmen konnte ich doch machen, die rosa Farben im Eis sind Algen wie uns der Biologe Tomas erklärte. Inzwischen ist es 22 Uhr. Morgens und abends hatten wir immer Nebel, so daß wir auch keine Sonnenauf- und -untergänge vor unsere Linsen bekamen. Aber der nächste Tag sollte uns wieder fröhlich und glücklich machen.

      Fortsetzung folgt...