Massentourismus ?

    • Maut in Geiranger?

      In Geiranger plant man die Einführung einer Maut für Touristen, die auf dem Landweg durch den Ort kommen. Der Hintergrund ist, dass die Mehrzahl von ihnen nur durch den im Sommer im Prinzip täglich verstopften Ort fahren, ohne dort eine einzige Krone auszugeben. Es wird über ein System nachgedacht, bei dem die reinen Durchreisenden höhere Gebühren zahlen sollen, als Reisende, die sich länger im Ort aufhielten.
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Die wird dann aber nicht den Durchfahrenden abverlangt, sondern denen, die den Ort besuchen und sich dort aufhalten. :S Verständnis hätte ich für eine Maut, wenn die Gemeinde einen Tunnel oder eine Umgehungsstraße baut, um den Durchreisenden eine Verbesserung anzubieten. Aber nur fürs Durchfahren zu kassieren ist ein Rückfall ins Mittelalter. Schließlich fährt nicht jeder durch Geiranger , weil er den Ort verstopfen will, sondern weil er von A nach B reisend durch Geiranger muss.
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX // 4/16 FR // 3/18 VE // 7/19 FR

    • :sironie: Im Mittelalter hätte man sich in Marak, also Geiranger , wohl über jeden Besucher gefreut und ihnen für das Kommen sogar noch etwas bezahlt ;)

      Ich kenne den Ort seit 1981 und bin eigentlich nur noch entsetzt über die Haufen Volks, aber auch darüber, dass es sich im Prinzip nur noch um eine Landungsbrücke mit angeschlossenem Souvernirverkauf handelt. Geiranger ist letztlich einer der Orte, für den der Massentourismus, von dem man bezogen auf die Größe des Ortes in der Saison fraglos reden kann, die Büchse der Pandra ist. Man öffnet den Fleischtopf der Einnahmen, wird eventuell noch vom "einsamen Planeten" gepriesen, aber andererseits wird eben auch der Preis dafür fällig.

      Tourismusabgaben werden in Norwegen ja auch an anderen Orten schon intensiv diskutiert (z.B. Preikestolen, Lofoten) und am Nordkapp wird ja auch gerne dafür bezahlt, ein Felsplateau mit Kinosaal und Verkuafsstätten zu betreten. Nusfjord ist in toto zum Museum erklärt worden und zumindest im Sommer wird meist kassiert. An vielen Orten wird in der kurzen Saison einfach oberhalb der Kapazitäten gewirtschaftet (ich warte eigentlich nur darauf, dass in Olden mal eine größere Zahl Kreuzfahrtpassagiere unter einen Omnibus oder ein Hymi gerät =O ), um Einnahmen zu generieren.

      So, wie ich die Diskussion wahrnehme, wird jetzt nach Auswegen gesucht, die sicher auch nötig werden, wenn man bedenkt, dass das Land pro Jahr mehr Touristen als Einwohner hat (wobei das Verhältnis Einwohner/Touristen und Fläche/Touristenzahl weniger krass ist, als z.B. auf Island ;) ). Insofern ist der von mir gewählte, aber bezogen auf Geiranger nicht geprägte Begriff "Maut" wohl auch etwas irreführend, vielmehr handelt es sich um eine Art "Tourismussteuer", die die Reiseströme regulieren soll.
      Takk for oss

      BRITANNICUS :)
    • Wer es zeitlich einteilen kann, soll Geiranger und Umgebung im Frühjahr, aus meiner Sicht noch besser zwischen Mitte September und Ende Oktober besuchen - ich finde es einfach wunderschön. Der Massentourismus wird sich noch viel stärker "entfalten", wenn der asiatische und besonders der chinesische Markt (noch intensiver) bearbeitet wurde. Also bald reisen . . .
    • Auf dem Papier ganz einfach: Zugang zum Ort/Fjord radikal beschränken, am besten über die Anzahl an Besuchern pro Tag. Maut etc. würde es nur elitär machen, d.h Zugang für Wohlhabende und Reiche (weiche Definition) und ähnlich Privilegierte. Dasselbe für Orte wie Venedig und andere tourist hotspots.

      In der Praxis heutzutage m.E. so gut wie unmöglich, da der notwendige Mut zur Radikalität und die notwendige politische Lobby fehlen. Zu viel Profit im Spiel, für Reiseveranstalter, örtliche Tourismus-Haie und andere Profiteure.

      Das oft genannte Argument “Es bringt Geld für die lokale Wirtschaft, die ohne Touristen untergehen würde” kaufe ich nicht. Sicher muss man differenzieren und Touristen-Orte individuell betrachten, aber overall ist es das übliche Argument der externen Profiteure, die von der echten Situation vor Ort keine Ahnung haben und sich einen Dreck um die Menschen dort scheren.

      Wenn man selbst handeln oder nicht selbst Teil des Problems (so man es denn überhaupt als ein solches wahrnimmt) sein möchte, bleibt mit Stand heute meiner Meinung nach nur das Nicht-Reisen in die touristischen Krisengebiete.

      Ich selbst würde sehr gerne z.B. Florenz, Venedig, Rom oder (noch einmal, nach 2004) Barcelona besuchen. Bei der derzeitigen Lage werde ich definitiv darauf verzichten und trotzdem weiterleben.

      Heutige ARD “Hart aber fair” Sendung beleuchtete das grundsätzliche Problem, ohne Norwegen auch nur mit einem Wort zu erwähnen – wohl immer noch zu elitär = teuer bzw. Nischenstatus (zahlenmäßig nicht so relevant).

      Ich fand die Sendung trotzdem informativ. In der Mediathek nachzuschauen.

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    • Fjaerland wrote:

      Wer es zeitlich einteilen kann, soll Geiranger und Umgebung im Frühjahr, aus meiner Sicht noch besser zwischen Mitte September und Ende Oktober besuchen - ich finde es einfach wunderschön. Der Massentourismus wird sich noch viel stärker "entfalten", wenn der asiatische und besonders der chinesische Markt (noch intensiver) bearbeitet wurde. Also bald reisen . . .


      Massentourismus ist vergleichbar mit (überspitzt gesagt) einer Rattenplage. Wir Hurtigruten-Fans schätzen doch das genaue Gegenteil, oder? Deshalb begrüße ich es, dass endlich etwas getan wird. Nur ist zu befürchten, dass die geplante Maßnahme nicht ausreichen wird, um das Übel einzudämmen. :thumbsup:
      Einher geht das Übel mit einer gravierenden Umweltverschmutzung durch die Kreuzfahrtindustrie. Hier müssten Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Das Problem ist doch hinreichend bekannt! Doch ich befürchte, der Kommerz wird wieder einmal die Oberhand gewinnen. Gewissen Absichtserklärungen, die zum Inhalt haben, die Kreuzfahrtriesen fernzuhalten, bzw. den Schiffsverkehr im Geiranger einzuschränken, müssten ganz schnell Taten folgen. Wer's glaubt ...? :evil:
      Ich selbst habe vor zwei Jahren mit meiner Frau eine Nordtour mit "Mein Schiff 1" unternommen. Ihr zuliebe, obwohl ich schon damals dem Kreuzfahrttourismus skeptisch gegenüber gestanden habe. Im Geiranger konnte ich dann erleben, wie die ausgebooteten Massen den Ort überfluteten. Seither verstehe ich sehr viel besser, was dieser Massentourismus anrichtet.
      Ich hoffe nur, dass die einheimische Bevölkerung schnell weitere Gegenmaßnahmen erzwingt. Denn die hat, was ja verständlich ist, die Schnauze gestrichen voll. :thumbdown:
    • "Touristen sind immer die anderen"


      Dirk Schümer war heute (genauer: gestern) einer der Gäste bei “Hart aber fair”. Ich teile seine politische Selbstplatzierung i.d.R. ganz und gar nicht, aber zu diesem spezifischen Thema konnte ich ihm, zumindest in dieser Sendung, uneingeschränkt zustimmen. Er lebt übrigens seit 20 Jahren in Venedig.

      Hier der direkte Link zur Sendung in der ARD Mediathek:

      ardmediathek.de/tv/Hart-aber-f…61146&documentId=55710200
    • Lucianegon wrote:

      "Touristen sind immer die anderen"


      Dirk Schümer war heute (genauer: gestern) einer der Gäste bei “Hart aber fair”. Ich teile seine politische Selbstplatzierung i.d.R. ganz und gar nicht, aber zu diesem spezifischen Thema konnte ich ihm, zumindest in dieser Sendung, uneingeschränkt zustimmen.

      Dem stimme ich ebenfalls zu. Ich selbst kenne Venedig aus eigener Erfahrung. Der Vergleich, den Schümer in der Sendung gemacht hat, Kreuzfahrer gleich Kreuzzüge, finde ich zutreffend. Ob nun alle Leute, die diese Sendung gesehen haben, nun umdenken, daran fehlt mir allerdings der Glaube. Billig, billig billig ... So lange sich daran nichts ändert, wird es das Problem geben.
      Und was die Billigflüge betrifft, ich selbst fliege nach Bergen ja auch mit einem Billigflieger (Norwegian). Aber nicht, weil das so billig ist. Nein, weil es ein Direktflug von Berlin aus ist.
    • Massentourismus ist sicherlich ein Problem. So sehr ich auch Island als Land lieben gelernt habe, so sehr denke ich auch, dass ich dort so schnell nicht wieder hinfahren werde. Einfach, weil diese Massen an Touristen über kurz oder lang zum Problem werden und gerade Island erfährt seit ca. dem Jahrtausendwechsel, und spätestens seit 2008, was "Massentourismus" bedeutet. Natürlich, das Land lebt auch vom Tourismus, nur muss man eben immer abwägen... Oder eben das Beispiel Venedig. Natürlich würde ich die Stadt gerne mal in Natura sehen, nur denke ich, dass ich nicht auch noch meinen Körper durch die Gassen zwängen muss, wenn die Stadt quasi in Touristen ertrinkt.

      Eine andere Möglichkeit ist, in der Nebensaison zu fahren (was aber auch nicht für alle eine Option ist, schulpflichtige Kinder z.B. haben eben nur zu bestimmten Zeiten Ferien und die Eltern können ja auch schlecht kleine Kinder einfach sich selbst überlassen...). Auf Amrum hatte eine Vermieterin von Ferienhäusern z.B. gesagt, dass sie sich freut, wenn ab September überhaupt mal jemand kommt, da es ab diesem Monat eher mau aussieht und die Häuser/Wohnungen dann oft lange leer stehen. Der Vorteil der Nebensaison ist, dass die Preise dann oft viel günstiger sind.
    • Ich frage mich gerade, was den Unterschied macht zu den Menschenmassen, die täglich am Nordkapp sind. Diese werden ja auch noch mit unzähligen Bussen durch die Natur gekarrt.
      Wer zum Preikestolen will, muss das aus eigener Kraft tun. Da ich selbst diesen Weg schon gegangen bin und weiß, wie anstrengend er ist, habe ich volle Hochachtung vor allen, die diese Wanderung schaffen und vollstes Verständnis dafür, dass man dann ein halbwegs aussagekräftiges Beweisfoto haben möchte.

      LG Marion :girl_witch: