Ostern 1995 - Per Pedes zum Nordkap - garniert mit ein bisserl Hurtigruten - 14.04.1995-30.04.1995

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    • Ostern 1995 - Per Pedes zum Nordkap - garniert mit ein bisserl Hurtigruten - 14.04.1995-30.04.1995

      Nach dem herrlichen Wetter heute hatte ich ein wenig schlechtes Gewissen, da ich mir jetzt an Ostern (2011) fest vorgenommen hatte, meine alten Hurtigruten Kisten aufzuräumen: heute Abend fielen mir gleich ein Stapel Fotos von 1995 entgegen und so schwelgte ich in Erinnerungen :love:

      Da es hier ja zuletzt mit Reiseberichten ein wenig dünn war ?( hoffe ich zur allgemeinen Unterhaltung beizutragen...und natürlich Nachahmer zu faszinieren :P Jetzt habe ich noch ein wenig Scan-Arbeit und die aufgezeichneten Notizen müssen noch sortiert werden.

      Planung/Vorbereitung: Im Oktober 1994 hatte ich einen neuen Job in München angenommen und so war klar, dass bis zum nächsten Urlaub ein halbes Jahr vergehen würde. Da die Firma glücklicherweise Weihnachten zu machte war ich bereits Silvester in den Genuß einer Winter-Hurtigrutenreise gekommen (nach Weihnachten bei der Familie in Düsseldorf nur Bergen-Tromsö mit M/S Ragnvald Jarl mit Silvesterfeier in Kristiansund und Tromsö-Bergen mit M/S Vesterälen zurück).

      Nach überstandener Probezeit stand Ostern 1995 an und ein lang gehegter Traum kam wieder in mir hoch: bis dahin war ich noch nie am Nordkap gewesen - wollte ich eigentlich auch erst als Rentner - vorbeigefahren mit Bussen und Hurtigruten war ich schon einige Male - da fiel mir wieder mein Lappland Handbuch ein: ein paar Abenteurer hatten in den 70er Jahren einen Reisebericht verfasst, wie sie im Winter zu Fuß zum Nordkap aufgebrochen waren...das hatte mich als jungen Kerl sehr beeindruckt - und so kam die Idee: ich wollte gern nicht zusammen mit Volksmassen zur Kugel sondern allein da oben stehen - einfach in Ruhe geniessen, und gern im Winter, um die weiss-blaue Landschaft zu erleben...

      Freitag, 14. April 1995 Karfreitag
      Flug München-Oslo

      Mit SAS bin ich damals immer über Kopenhagen nach Oslo geflogen. Diesmal war ich im Rainbow Hotel Oslo untergebracht. Ankunft am frühen Abend (noch in Fornebu) und mit dem Flybussen ins Zentrum. Nach einem Karl Johan Bummel mit viel Schnee und Eis - es war menschenleer wegen Ostern - beim Italiener Michelangelo auf ein Abendessen eingekehrt und dann früh schlafen gegangen...

      Samstag, 15. April 1995
      Weiterflug Oslo-Bodö

      Nach dem Buffetfrühstück im Hotel Pub wieder mit dem Flughafenbus nach Fornebu und am Vormittag mit einer SAS Boeing in 1,5 Stunden nach Bodö , dann mit einem Taxi (damals noch 80 NOK) zum Hurtigrutenkai und da lag sie schon: die M/S Harald Jarl! Hier kaufte ich zunächst mal ein Distanse-Ticket mit Kabine (bekam Nr. 115) bis Kirkenes bei der netten Purserin Karen J.. Um 15 Uhr konnte meine Hurtigrutenreise Nummer 31 mit der Kreuzung des Vestfjords beginnen: Kapitän war Arne Vingen und Reiseleiter Karl Hestbek. Zur damaligen Zeit gab es auf Hurtigruten noch festangestellte Lotsen, auf der Harald Jarl arbeitete mit Karl Maröy einer der markantesten, immer einen Zahnstocher zwischen Hand und Mund und eine Tageszeitung vor der Nase - er war auch auf dieser Tour dabei.

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    • Entusiast wrote:

      Da es hier ja zuletzt mit Reiseberichten ein wenig dünn war

      Du weist aber schon noch, daß wir für Reiseberichte eine eigene Rubrik haben? :search: Da stehen alleine für März und April 22 Reiseberichte drin .... :grumble: :dance3: (die Nicht-Hurtigruten Berichte nicht mal mitgezählt)
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • SORRY - Tut mir leid, dass ich mich weiter oben etwas missverständlich ausgedrückt habe - und den falschen Smiley auch noch erwischt habe.
      Das war bei den Massen von Reiseberichten natürlich ironisch gemeint - allein vom April könnte man ja ein Buch auflegen! Und einige haben noch nicht mal angefangen...

      Fortsetzung

      Nun aber weiter im Jahre 1995, Ostern:

      Der Weiterflug von Oslo nach Bodö war also wunderbar, in ein verschneites österliches Nordnorwegen:

      Nach der Vestfjordquerung und der Begegnung mit einigen bekannten Mannschaftsmitgliedern lernte ich inzwischen auf dem Aussendeck auch die ersten Mitpassagiere kennen: seit Bergen hatte sich hier an Bord der M/S Harald Jarl schon so etwas wie eine Aussendeck-Clique gebildet! Darunter auch ein professioneller Fotograf, der im Auftrag des Merian-Verlages die komplette Rundtour ablichten sollte. Später erschienen viele dieser Fotos in der 1. Auflage des Merian Hurtigruten Reiseführers im Jahre 1999 - habe gerade im Bücherregal nochmal nachgeschaut - dieses Buch mit seinen Fotos ist für mich immer noch eine tolle Erinnerung an eben genau diese meine Tour.
      Ein eigenes Foto habe ich noch von diesem Tag, vom Anlaufen in Svolvaer : volle Fischgestelle mit der Insel Lille Molla und dem Vollmond im Hintergrund.

      Weiter zu erwähnen ist der Ostersonntag, an dem wir im sonnigen Tromsö anlegten und mit unserem Reiseleiter Karl die Seilbahn auf den Storsteinen besteigen konnten - gut es war wegen Ostern entsprechend voll da oben - aber damals wurde so ein Ausflug auf Hurtigruten im Winter praktisch nie angeboten. Damals war es eher normal, dass die Hurtigruten-Reiseleiter auch diverse Landausflüge geguidet haben - davon werdet Ihr hier im Laufe des Berichts noch öfter hören - war eben eine beschauliche Zeit...
      Insgesamt hatten wir auch eine tolle Weiterfahrt durch Lyngen

      Gekrönt wurde dieser Abend noch von der Polarkreistaufe, die in den 90er Jahren oft erst am Troms Abend, also einen Tag nach der eigentlichen Überquerung des Polarkreises stattfand. In den 2000ern dagegen findet sie ja nun fast ausschließlich direkt am Querungstag, also vor oder nach Anlegen in Bodö statt. Auf der M/S Harald Jarl wurde dies sehr feierlich mit allen Offizieren und persönlicher Überreichung des Zertifikats durch den Kapitän begangen.

      Naja, ich war ja ehrlicherweise noch im Hotel in Oslo als die Mitpassagiere die magische Linie passierten und habe dann mal eben mit SAS die Abkürzung genommen...Ziel dieser Reise war natürlich mehr das Nordkap als der Polarkreis und dazu später mehr...Fortzetzung folgt
    • Entusiast wrote:

      SORRY - Tut mir leid, dass ich mich weiter oben etwas missverständlich ausgedrückt habe - und den falschen Smiley auch noch erwischt habe.

      Biste jetzt unter die Politiker gegangen... :D

      Entusiast wrote:

      und dem Vollmond im Hintergrund.

      DEM Vollmond - ich sehe zwei, obwohl ich noch kein Bier getrunken habe... ;)

      Freue mich darauf wies weitergeht!
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
      Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Entusiast wrote:

      an dem wir im sonnigen Tromsø anlegten und mit unserem Reiseleiter Karl die Seilbahn auf den Storsteinen besteigen konnten - gut es war wegen Ostern entsprechend voll da oben - aber damals wurde so ein Ausflug auf Hurtigruten im Winter praktisch nie angeboten. Damals war es eher normal, dass die Hurtigruten-Reiseleiter auch diverse Landausflüge geguidet haben


      Hei

      Danke für deinen Bericht, freue mich auf die Fortsetzung. Karl war auch ein ganz besonderer Reiseleiter. Hat auf einer unser Harald Jarl Reise in Trondheim ein Pferderennem organisiert. Maschinenchef gegen Kapitän.

      Hilsen fra Sveits
    • Weiter geht’s…

      Die nächsten Tage genoss ich weiter auf der M/S Harald Jarl, ohne dass es besondere Vorkommnisse gegeben hätte, Fotos habe ich auch nur noch bei der Einfahrt nach Kjöllefjord gemacht.


      Kirkenes wurde erreicht und ich verlängerte mein Ticket bis Honninsväg.

      Und dann kam der große Tag: nicht, dass er fest geplant gewesen wäre – ich hätte wohl noch 1 bis 2 Versuche unternommen mit den nachfolgenden Hurtigrutenschiffen – aber als ich am Mittwoch, 19. April 1995 meine Kabine verliess um das Wetter zu studieren: wir lagen in Honningsväg , südgehend, ca. 6.15 Uhr am frühen Morgen: Sonnenschein, feinster blauer Himmel, leichter Wind. Einer dieser Tage im Norden wo man vorab sieht, dass das Wetter auch nicht schnell umschlägt…wenn nicht heute, wann dann? Ich fühlte mich ausgeschlafen und fit und verliess hier nach einer kurzen Abschiedsrunde die M/S Harald Jarl. Diese legte kurze Zeit später in Richtung Havöysund ab.

      Nun stand ich also viertel vor sieben am Kai in Honningsväg und wusste absolut noch nicht was mich an diesem Tag erwarten würde… Traumwetter gab es wenigstens schon mal.
      Zunächst bin ich dann mit meinem Gepäck zu dem damaligen SAS Hotel im Zentrum marschiert und habe mir ein Ticket für die Teilnahme am Frühstücksbuffet gekauft. Vorab hatte ich im Rutebok for Norge, einer Art Kursbuch für Norwegen damals, herausgesucht, dass um 8 Uhr ein lokaler Bus der FFR Busgesellschaft Richtung Norden fuhr. Genauer gesagt versorgt er die nördlichsten Fischerdörfer der Welt Gjesvaer und Skarsväg mit Post, Milch und Passagieren und fährt auch noch Kamöyvaer an.

      Erst genoss ich aber das Frühstück, packte mir davon etwas Proviant ab und gegen 7.40 Uhr suchte ich das stille Örtchen auf und unterzog mich einer Umzugszerenomie. 2 Hosen, 2 Pullis über mein Oberhemd, 2 Paar Socken warf ich mir an. Dann begab ich mich zur Rezeptionsdame und stellte erstmal das Gepäck für den Tag unter, mit dem Hinweis ich wolle heute zum Nordkap, ggf. würde ich hier heute Abend ein Zimmer mieten. Da es 1995 noch keine Handys hatte bat ich sie, wenn sie bis 17 Uhr am Nachmittag noch nix von mir gehört hätte bitte ein Suchkommando inklusive Helikopter zu alarmieren… ungläubiges Staunen!

      Schnell kaufte ich bei ihr noch je 1 Flasche Cola und Arctic Water und machte mich mit meinem Minirucksack und Jacke auf den Weg zur Busstation. Kurz vor 8 Uhr kam dann ein älterer Fahrer aus dem Depot und öffnete mir und 3 anderen Passagieren den normalen Reisebus mit Spikes. Ich löste ein Ticket bis Skarsväg kryss für 100 norwegische Kronen und machte es mir gleich in der ersten Reihe gemütlich. Um 8 Uhr fuhren wir dann bei weiter schönstem Sonnenwetter los, durch eine weiss gezuckerte Traumlandschaft. Honnigsväg lag schnell hinter uns und als erstes wurde das Dorf Kamöyvaer angefahren. Ich wusste natürlich, dass der Bus zuerst weiter nach Gjesvaer und dann nach Skarsväg fahren würde und somit kam ich in den Genuss einer kompletten Inselrundfahrt von fast 2 Stunden. Teilweise lag richtig viel Schnee und die Straßen waren nur an wenigen Stellen richtig frei geräumt.

      Gjesvaer liegt nochmal ca. 25 Kilometer von der Hauptstraße entfernt und hier ging es zwischen teils meterhohen Schneewänden hindurch. Dort angekommen blieb der Bus ca. 10 Minuten stehen um den örtlichen Tante-Emma-und-Postladen zu beliefern. Hier verliessen die letzten Mitpassagiere den Bus und es kam auch kein neuer hinzu. Danach weiter allein mit dem Fahrer die 25 Kilometer zurück zur Hauptstraße, natürlich heizt er auf diesem winterlichen Untergrund wie nur ein Einheimischer. Einige Gesprächsfetzen zwischen uns in Englisch: Woher kommst du? Wohin willst Du? Waaaaaaaaaaassssssssssss, zu Fuß? Mit der Jacke? Ausgeschlossen, mit dem Jäckchen!

      Und schon waren wir wieder auf der Hauptstraße, weiter gen Norden in Richtung Skarsväg, dass einige Kilometer weiter nordöstlich liegt. Kurz überlegte ich, ob ich noch mit nach Skarsväg wollte, der Rundfahrt wegen, ich könnte den Bus auch auf dem Rückweg verlassen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und bevor mir noch einer mein Ziel ausredet bitte ich den Busfahrer, mich doch direkt abzusetzen! Skarsväg kryss, Kreuzung nach Skarsväg, da wo der Schlagbaum im Winter die weitere Fahrt auf der Hauptstraße zum Nordkap versperrt. Hier stehen in der Regel die Schneepflüge, die im Winter die Kolonnenfahrt ans Nordkap ermöglichen. Ca. 13 Kilometer bis zum Ziel. Mittwoch, 19. April 1995 10 Uhr, mein erstes Etappenziel für heute ist erreicht.

      Fortsetzung folgt…
    • Klar doch Jojo,
      und weiter…

      Da stand ich also, dreizehn komma drei Kilometer vorm großen Ziel, dem Globus, entfernt. Als erstes fiel mir mal die stechende Sonne und der scharfe Wind auf. Zunächst habe ich dann dick Sonnencreme aufgetragen, die Sonnenbrille aufgesetzt und die Kapuze übergezogen und meinen kleinen Proviantrucksack auf den Rücken geschnallt.

      Ich hatte die Kopie einer Wanderkarte dabei und wollte der Straße folgen, die ja durch die wegweisenden meterhohen Pinne markiert ist. Dann den ersten Kilometer in Angriff genommen und losmarschiert, die Straße war teilweise völlig frei geräumt, andere Teile schön eingeschneit oder auch eisglatt – dabei blies mir trotz des schönen Wetters ein fürchterlicher Gegenwind ins Gesicht! Ich konnte kaum einen Fuß vor den anderen bekommen und mußte richtig kämpfen, kam mir vor wie in einem Windkanal, und dann auch noch so kalt – schnell wurde mir klar, das würde ich so nicht 13,3 Kilometer durchhalten – dabei knallte doch die Sonne vom Himmel runter und Niederschlag lag nicht in der Luft. Was tun? Ich könnte mich nach Skarsväg durchschlagen oder warten ob jemand kommt, rosige Aussichten…

      Also doch weiter Richtung Kap…
      kämpfte ich mich cirka 20 Minuten Meter für Meter gen Norden – dann plötzlich: war der Wind weg, eine unheimliche, für mich noch nie dagewesene Stille. Die Straße hatte eine Linkskurve bergauf genommen.

      Ein Blick auf die Karte zeigte mir, es ging jetzt Richtung Westen weiter, ein ganzes Stück lang, auf einmal fing ich an zu schwitzen, also erstmal kurze Pause und Fotos machen und dann weiter. Wärmer und wärmer wurde es, sodass ich letzlich meine Jacke ausziehen musste – ich hatte ja auch noch die Pullis drunter- mir lief der Schweiss. Nebenbei kam ich an diesem touristischen Punkt, Holzhaus, Samenzelt, wo sie immer das Rentier vorführen vorbei. Kein Lebenszeichen: weder ein Tier noch ein Mensch zu sehen, kein Schneescooter oder Auto, also wohl noch keine Saison!?

      Auffallend und bis heute beeindruckend für mich einfach diese unglaubliche Stille: kein Auto, kein Mensch, kein Vogel, kein Flieger am Himmel – nur mein Atem und meine Schritte. Dazu diese phantastische Landschaft, weiß gezuckert, ab und zu links oder rechts ein auftauchender dunkelblauer Fjordeinschnitt, zugefrorene Seen mit der ein oder anderen Scooter Spur, blauer Himmel bis zum Horizont – träum!

      Meine Wanderung ging so einige Zeit weiter, wechselnd mit Wegrichtung, Wind an/aus, Jacke an/aus, Kapuze auf/runter, Fotostops, immer mal wieder anhalten, stehenbleiben, innehalten, umschauen, ja sie war immer noch da, diese Stille! Einen Proviantstop gönnte ich mir, aber ich musste auch noch was für die Stunden am Kap vorrätig haben, also sparsam sein.

      Mein Wandertempo war sehr gemächlich, fast trödelnd, immer den Weg genießend, Zeitdruck hatte ich nicht: im Vorfeld der Tour hatte ich Telefonkontakt mit der an diesem Tag nordgehenden Hurtigrute M/S Nordlys gesucht und versucht herauszufinden, ob sie an diesem Tag genügend interessierte Passagiere für einen Nordkapausflug hätten – sie würden mir dann quasi in einigen Stunden Abstand mit dem Bus folgen und ich könnte dann für die Rückfahrt eben diesen Bus nutzen und mir die rückläufige Wanderung ersparen. Quasi war es meine einzige Alternative, denn andererseits hätte ich per pedes mindestens ins Dorf Skarsväg zurückmarschieren müssen. Nun, der Zahlmeister der Nordlys am Telefon nahm Rücksprache mit der Bordreiseleiterin und diese hatte genügend Anmeldungen für die Tour – voraussetzend, dass an diesem Tag das Wetter gut wäre – dem war ja so – also grünes Licht für mich! Wobei ich am Telefon nicht erwähnte, dass ich quasi deren Bus benutzen (missbrauchen?) wollte – dazu später mehr…

      Auf dem Weg zum Kap kann man von der Straße ab und zu schon einen Blick auf das Nordkap selbst erhaschen, dies trieb mich zusätzlich an und so gegen 12 Uhr mittags kam ich in Reichweite, um 12 Uhr 30 war ich dann endlich am Parkplatz – also 2 ½ Stunden für die 13,3 Kilometer –ok, gemächlich halt.

      Hier oben pfiff der Wind und das gute Wetter hatte Bestand. Menschen, Autos, Scooter waren nicht zu sehen, die Nordkaphalle abgeschlossen, wenn auch nicht verrammelt. Nun hatte ich einige Stunden hier oben ‚zur freien Verfügung‘. Im Jahre 1995 war der Hurtigfahrplan noch etwas anders, Honnigsväg, Kirkenes etc. wurden nordgehend einige Stunden später angelaufen, ich erwartete also den eintreffenden Bus mit den Touristen gegen 15 Uhr/15 Uhr 30 hier am Nordkap.

      Ausgiebig habe ich Fotos geschossen und die Gegend auf dem Plateau erkundet: Der Globus die ganze Zeit menschenfrei, die ‚Kinder der Welt‘ und die Aussicht in alle Richtungen (Knivskjellodden, Porsanger) genossen. Dabei fiel mir der heftige Schiffsverkehr hier oben in der Barentssee auf, ich hatte Aussicht auf alle möglichen Frachtschiffe, Trawler etc. die mal in kürzerer oder weiterer Entfernung vom Kap ihre Bahnen zogen. (Damals ahnte ich noch nicht, dass ich 5 Jahre später mit der M/S Polarlys hier selbst einmal mit Aussicht südwärts aufs Nordkap entlang fahren würde.)

      Eine innere Zufriedenheit durchzog mich – ich hatte mein Ziel erreicht! Für ein paar Stunden war ich wohl der ‚nördlichste Festlandseuropäer‘ :P oder so was ähnliches!?

      Fortsetzung folgt… dann wieder etwas mehr Hurtigruten…
    • Entusiast wrote:

      Im Jahre 1995 war der Hurtigfahrplan noch etwas anders, Honnigsväg, Kirkenes etc. wurden nordgehend einige Stunden später angelaufen,

      Richtig, Honningsvåg wurde von 13 bis 17:30 Uhr angefahren, Kirkenes am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag um 9:30 bis 11:30 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Sonntag um 11:45 bis 13:45 Uhr.
      Letzteres lag daran, das Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag auch südgehend Vadsø angefahren wurde. :8o:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Jobo, danke für die Ergänzung!

      War zu faul, mir den alten Fahrplan rauszusuchen, der liegt irgendwo in einem Umzugskarton. Meine Wanderung fand ja am Mittwoch statt, also waren wir am Donnerstag mit der M/S Nordlys um 11.45 in Kirkenes !? Will ja noch nicht zuviel von der Fortsetzung ausplaudern...

      In meinen Aufzeichnungen fehlen genauere Uhrzeiten, aber ich meine mich auch zu entsinnen, dass der Bus mit den Paxen so gegen 14.30 Uhr am Nordkap ankam und ich selbst kurz vor fünf am Nachmittag im SAS Hotel Honningsväg ein Lebenszeichen abgegeben habe um den Helikopter Einsatz zu verhindern, nein, natürlich auch mein Gepäck aufzusammeln - und kurz nachdem ich an Bord der M/S Nordlys war gab es Abendessen, da erinner ich mich noch - also war die Abfahrt wohl 17.30 Uhr.
    • ...diese unglaubliche Stille: kein Auto, kein Mensch, kein Vogel, kein Flieger am Himmel – nur mein Atem und meine Schritte.


      Hallo Entusiast,
      ich habe Deinen Bericht erst heute gelesen und danke für diesen erlebnisreichen und super geschriebenen Bericht. Dein Empfinden bei der unglaublichen Stille habe ich auch mal bei einer Schneewanderung im schwed. Lappland erlebt. Man kann es nicht beschreiben, muß es erleben :thank_you: ...super :thumbup:
      Gruß nonnie
    • Muddi wrote:

      Das ist auch ohne Hurtigruten wahnsinnig spannend und beeindruckend

      Danke Marion und allen anderen für die Blumen!!! Schön, dass ich einen gewissen Spannungsbogen aufbauen konnte! Jetzt nach 16 Jahren schaut man doch mit einer gewissen Gelassenheit auf die Tour zurück - klasse waren wirklich die Eindrücke:

      Brutaler Wind von Nord, der mich fast zum Abbruch gedrängt hätte. Absolute Stille, wie sie mir nie wieder im Leben vergönnt war und wo ich mich heute noch nach sehne. Die Landschaft kombiniert mit der frühjährlichen Jahreszeit und dem grandiosen Wetter und später die Freundlichkeit der Menschen - dazu später mehr - ich arbeite zügig an der Fortsetzung - es ist halt ein wenig Arbeit mit den Fotos: scannen und so.

      Ich bringe es selber kaum über die Lippen: Mageröya und das Nordkap sind auch heute noch in meinem Herzen!!!
      Das kann ich fast nicht glauben, nachdem ich das damals selbst so verpönt habe und erst als Rentner zum Nordkap wollte! Boahhh, wie oft war ich seitdem da oben... und arbeiten muß ich voraussichtlich immer noch 23 Jahre. :S

      Hier wollte ich eher Nachahmer werben - weil es lohnt sich einfach - und ist nicht wirklich gefährlich! Gut, es kann lebensgefährlich werden, aber zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Wetter und guter Planung - geniesst es einfach! Lykke til - god tur!

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