mit MS Lofoten unterwegs zu denselbigen (Bergen-Kirkenes-Bergen 11.02.-22.02.2011)

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    • mit MS Lofoten unterwegs zu denselbigen (Bergen-Kirkenes-Bergen 11.02.-22.02.2011)

      Fr., 11.02.2011

      Die ganze Nacht habe ich kaum geschlafen, die Freude ist riesengroß. Um 03:40 werde ich vom Taxi abgeholt, der Flughafenbus nach Hamburg fährt um 04:05. Während der Fahrt döse ich vor mich hin. Kurz vor 05:30 erreiche ich den Flughafen.

      Am LH-Schalter komme ich gleich dran, meine gestern zu Hause ausgedruckte Bordkarte wird eingescannt, mein Koffer (15kg) bis Bergen durchgecheckt.

      Durch die Sicherheitskontrolle komme ich ohne Probleme, meine Canadian Boots muss ich nicht einmal ausziehen! So, geschafft, jetzt ein Frühstück, Zeit bleibt genug bis zum Boarding um 06:25. Ich bin tief erleichtert. Jetzt kann es endlich losgehen - dachte ich. An Bord ist alle soweit fertig, der Kapitän meldet sich über die Lautsprecher, dass wir starten können. Nur eine Minute erklingt erneut seine Stimme:

      Wir sollen aufgrund einer halbierten Anzahl von Landungen in Frankfurt (statt 60 pro Stunde 30) eine spätere Startzeit bekommen, die ca. 2 Stunden Verspätung bedeuten würde. Ich habe aber noch einen Flug zu erreichen in Frankfurt, die Umsteigezeit hätte normal 90 Min. betragen. Panik bei mir! Was mache ich jetzt?

      Was nun folgt, sind minütliche Durchsagen des Kapitäns, der wohl intensiv mit der Flugsicherung verhandelt. Lange Rede - kurzer Sinn, wir hoben mit “nur” 35 Min. Verspätung ab. Letztendlich landen wir in Frankfurt mit ganzen 10 Minuten Verspätung - also “pünktlich”. Boah, bin ich froh!

      Der Weiterflug nach Bergen startet zwar auch später, ich lande aber sogar 5 Minuten vor Plan in der norwegischen Hansestadt. Auf meinen Koffer muss ich auch nicht lang warten, sodass ich um 12:00 im Flybuss zur City sitze. Vom “Festplassen” gehe ich (ja, das Wetter ist strahlend schön) zum HR-Terminal. Dort muss ich sogar noch warten, denn erst ab 13:00 wird das Gepäck entgegengenommen und später an Bord und vor die Kabinentür gebracht. Mir wird gesagt, dass LOFOTEN gegen 17:00 erwartet wird und das Boarding nach 18:00 beginnt. Also erkunde ich die Stadt, esse einen leckeren Fischsnack und geniesse die frische Seeluft am Hafen.

      Um 16:50 taucht still, ohne sich mit dem Horn zu melden, das “Objekt der Begierde” am HR-Terminal auf. Die LOFOTEN kommt geradewegs vom Werftaufenthalt im dänischen Frederikshavn. Vom Balkon aus beobachtete ich das Einladen der Fracht und des Proviantes. Um 18:00 kann ich beim Check-in den Umschlag mit den Angaben der Kabinennummer, des Tisches zum Abendessen, der Keykarte und des Boardingpasses entgegennehmen. Klar zum Entern des Schiffes! Meine Kabine 305 finde ich schnell, sie liegt im Gang neben der Rezeption im vorderen Teil des Schiffes. Ich empfinde den Geruch im positiven Sinne altmodisch, ich kann es nicht anders beschreiben. Abendessen, in Bergen gibt es Buffet, beginnt in einer Sitzung um 19:00. Das Rentiergeschnetzelte und Lachs haben es mir besonders angetan - superlecker! Um 20:30 findet für die deutschen Gäste ein Informationsgespräch statt. Wilma ter Haar, unsere Reiseleiterin, stellt die Offiziere vor. Der Sicherheitsoffizier zeigt uns, wie wir bei 10 m hohem Wellengang in der Barentssee in die Überlebensanzüge schlüpfen sollen, wenn es denn sein sollte, was niemand hofft.

      Vor Müdigkeit kann ich kaum mehr zuhören, auch habe ich meine Kamera in der Kabine vergessen. Mist! Erschöpft falle ich in meine gemütliche, aber etwas schmale, Koje. (80 x 193 cm Liegefläche habe ich später per Zollstock gemessen). Es ist 21:45, das Ablegen aus Bergen verpasse ich so, was nicht weiter schlimm ist - morgen früh will ich an Deck, um mich mit der neuen Thermotasse für 209 NOK von innen aufzuwärmen und die kalte, klare Seeluft zu geniessen.
    • Juchuuuu - endlich wieder ein Reisebericht... :dance3: Vielen Dank. Fasziniert mich immer wieder wie man mit den Hufen scharrt, obwohl wir es alle schon mindestens 1x, viele aber schon öfters erlebt haben... :ahahaha:

      foerdesprotte wrote:

      (statt 60 pro Stunde 30)

      60 Landungen in der Stunde - wovon träumt der Mann den nachts :laugh1: , Und starten könnte dann auch nichts mehr... (das Höchste bei gutem Wetter sind 45 Bewegungen, also Starts und Landungen)
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !


    • foerdesprotte wrote:

      Durch die Sicherheitskontrolle komme ich ohne Probleme, meine Canadian Boots muss ich nicht einmal ausziehen!

      Da kann ich auch ein Lied davon singen, musste grundsätzlich meine Schuhe (Bergstiefel) ausziehen weil irgendwas gepiept hat. als danach immer noch nicht Ruhe war hab ich der freundlichen Person dann mitgeteilt das es wohl der Bügel im BH ist. :cursing: Und dann durfte ich durch. Wenn man eh schon dem Flieger hinterher rennen muß ist das nicht lustig, passiert auf unserer ersten Hurtigrutenreise...
      Nordlicht :flower:

    • @ arctica:

      oh, Arctica,

      ich habe auf dein insider-wissen gehofft, kann nur so berichten, wie ich meine, mit meinem Nicht-Wissen die Worte des Kapitäns verstanden zu haben. Jedenfalls war das Erlebnis "prickelnd". Na ja, ist ja nun mal gut gegangen!

      @ Nordlichtjägerin:

      Fotos? Jaa, ich muss die 394 Fotos verkleinern (mal sehen, wie lang das dauert), bitte hiermit das Forum offiziell um Geduld!

      LG

      foerdesprotte :)
    • Arctica wrote:

      (das Höchste bei gutem Wetter sind 45 Bewegungen, also Starts und Landungen)

      Dann hätte Frankfurt ja weniger wie München? Alleine heute sind es zwischen 18 und 19 Uhr 59 Landungen in München, dazu kommen noch 17 Starts.

      Ich denke Frankfurt hat drei Startbahnen? :hmm:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • hab mich grad nochmal schlau gemacht und muss mich revidieren - in Frankfurt sind es um 80 Bewegungen im Mixbetrieb (also Starts und Landungen), vorausgesetzt die Startbahn West ist mitzunutzen (Wind!). Nur Landungen sind um die 50. München kann mehr Bewegungen abfertigen bei reinem Landebetrieb, aber weniger im Mixbetrieb. Der Grund bei foerdesprotte kann aber gewesen sein dass man nicht so schnell enteisen konnte in Frankfurt um die Startenden raus zu bekommen, dann sind schlicht die Parkplätze voll.

      Aber ging ja nochmal gut :thumbup:
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    • Also München hat/kann aktuell max. 90 Flugbewegungen pro Stunde. Mit der dritten Startbahn sollen es dann 120 werden. Genausoviel hätte Frankfurt mit der Startbahn Nordwest, also der vierten Startbahn. ;)
      Gruß Jobo,

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    • ja, das wird ja schon. Alle Startbahnen nutzen aber nichts wenn es nicht genügend Standplätze gibt resp. wenn die Flugis nicht wieder rechtzeitig wegkommen.
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    • Sa, 12.02. 2.Tag

      Früh um 05:45 erwache ich und fühle mich ausgeruht. In der Cafeteria zapfe ich mir einen Kaffee und gehe an Deck. Es ist noch dunkel, der Himmel ist mit Sternen übersät. Undeutlich zeichnen sich links und rechts vom Schiff steile Berge ab. Die Luft, auf die ich mich so gefreut habe, schießt in meine Lunge. Ein erster Glücksmoment! Der heisse Kaffee tut sehr gut. Gespannt warte ich auf die Begegnung mit der neuesten Generation der HR-Flotte – der MIDNATSOL. Um 06:24 tauchen die Lichter hinter einem Berg auf, und eine Minute später rauscht das Schiff, mit ebenfalls Scheinwerfer-Grüßen antwortend, an uns vorbei. Wirklich, zwei Generationen begegnen sich (1964-2003).

      Um 07:00 legen wir in Malöy an, ich nehme mein erstes Frühstück an Bord ein. Ich kann zwischen drei warmen Gerichten wählen – Rührei, kleine Würstchen und Köttbullar, also kleinen Fleischklopsen. Das übrige Angebot ist sehr reichhaltig: verschiedene Wurstsorten, Käse (immer Geitost), Salate (der Schalentiersalat wird für die nächsten 11 Tage zum Standardprogramm), Marmeladen, Pasten, zwei verschiedene Schoko-Nuss-Cremes, warme Brötchen und Brot. Sehr, sehr angenehm angerichtet. Ich fühle mich im Himmel! Der Kaffee schmeckt mir aber besser als der aus der Cafeteria!
      Immer noch laufen wir nach Fahrplan, ab 08:00 treffen wir auf die erste offene Seestrecke, das „Stadthavet“. Hier empfängt uns eine leichte Dünung, die die LOFOTEN sachte schaukeln lässt, eher zum Tanz einlädt, wie ich finde. Die Sonne kommt langsam hinter den Bergen hervor, am Vestkap(p) um 08:45 ist die Stimmung sehr schön. Es ist wolkenlos, 0°C, ich stehe auf der Steuerbord-Nock, und bin mit mir und der Welt im Reinen. Ich beginne mit dem „Entschleunigen“.
      Um 10:15 kommen wir in Torvik an, ein kleines Nest mit bunten Häusern und erstem Schnee und Eis. Zum ersten Mal höre ich das tiefe, satte Horn, was tagsüber erklingt, wenn Häfen angelaufen oder wir entgegenkommenden HR-Schiffen begegnen. Innerhalb der 30 Minuten, in denen wir am Kai liegen, sehe ich Menschen aus dem Ort, die neugierig dem Alltag entfliehen wollen, indem sie dem Be-und Entladen unseres historischen Schiffes zuschauen. Irgendwie habe ich das Gefühl, als das das tägliche Erscheinen eines HR-Schiffes die Attraktion des Tages ist.
      Wir passieren eine wunderschöne Landschaft aus schneebedeckten Bergen , die blaue Farbe des Meeres bildet einen eben so schönen Kontrast.
      Um 11:55 legen wir in Alesund an. Um dem Rummel beim Buffet zu entgehen, tauche ich erst um 12:30 im Restaurant auf. Diejenigen, die Ausflüge gebucht haben, sind schon um 11:30 zum Schlemmen gegangen. Also kann ich getrost dem Rummel entfliehen, die Tische sind neu eingedeckt, das Buffet aufgefüllt. Hmm....
      Noch habe ich 2 Std. Zeit, mir auf eigene Faust die Jugendstil-Gebäude anzuschauen. Von diesen bin ich sehr beeindruckt, ich fotografiere ununterbrochen, so mein Gefühl. In der alten Apotheke erstehe ich eine Postkarte, diese widme und schicke ich an dieses Forum! Rechtzeitig bin ich wieder an Bord, lasse meine Pfoten desinfizieren, und bin natürlich wieder an Deck, als die LOFOTEN pünktlich um 15:00 diese wunderschöne Stadt verlässt.
      Weiter geht es bei immer noch wolkenlosem Himmel – ja ist denn hier Sommer? Wenn es nicht so frisch wäre, könnte man glatt meinen, dass es Juni-August wäre. Um 17:35 kommen wir in Molde an, ich schaue dem Be-und Entladen aus dem oberen Salon zu. Das Abendessen beginnt für mich nach Wunsch mit der ersten Sitzung um 18:00 (habe 3 Wochen vorher direkt an das Schiff meinen Wunsch gemailt). Es gibt als Vorspeise ein „Klippfischbolinho“, also eigentlich eine „Fischkrokette“, als Hauptgericht „Hühnchen auf Gemüserisotto m. Tomatensauce“, den Abschluss bildete ein „Apfelkuchen m. Vanilleeis“. Ich fühlte mich satt, aber nicht pappsatt, was nicht weiter negativ für mich war, da ich ja insgesamt drei volle Mahlzeiten am Tag hatte, was auch für die folgenden Tage bis zum Ende der Reise gelten sollte. Um 18:30 verliessen wir Molde , der nächste Höhepunkt laut Tagesprogramm war die Begegnung mit MS Vesteralen um 19:40. Was für ein Getröte von ihr!
      Nun überquerten wir die 2. offene Seestrecke, die „ Hustadvika “. Auch hier empfing uns eine leichte Dünung, wieder war gemütliches „Tanzen auf der Nock“ angesagt. Zwar bin ich durch das „nach vorne Schauen“ beglückt, die Seeluft macht mich aber auch müde, und so bin ich gegen 21:00 in die Koje.
      Somit verpasse ich das Anlaufen von Kristiansund .

      Post was edited 1 time, last by “foerdesprotte” ().

    • Hi foerdesprotte,

      So und nicht anders ist es mir auch gegangen damals.
      Genießen, wo man kann, Zeit, so viel man will.
      Und wenn das Bett knapp ist, dann ist eben knapp.

      Der Bericht ist klasse, ich freu mich schon wieder auf Weihnachten.

      almidi
    • 13.02. 3.Tag

      Durch ein quietschendes Geräusch werde ich wach. Meine Uhr verrät mir, dass es 05:50 ist. Der Blick aus dem Fenster fällt auf eine Kaimauer – wir sind in Trondheim 10 Min. vor Plan angekommen. Es ist kalt in der Kabine, die Heizung habe ich bis jetzt nicht aktiviert. Nun muss es aber sein, draussen ist es wohl sehr kalt! Ich beschliesse, mich in meine „Polar-Schale“ zu werfen. Nun fühle ich mich als Michelin-Männchen, aber nicht in Weiss, sondern in „Ostfriesen-Nerz-Gelb“ (meine Jacke hat dieselbige Farbe). Bevor ich die LOFOTEN verlasse, prüfe ich die Temperatur anhand eines der Thermometer, die neben den Türen zur Kommandobrücke hängen: -15°! Uff, denke ich.
      Es ist bereits 06:30, als ich über den zwar vereisten, aber durch massiven Gebrauch von Granulat durchaus begehbaren Kai zur vor uns liegenden, südgehenden, NORDKAPP, gehe. Mensch, was für ein Gegensatz, allein die Größe! Mit etwas skeptischen Gefühlen betrete ich das 1996 gebaute Schiff.
      Die ersten Eindrücke der Treppenhäuser und der Foyers auf den jeweiligen Etagen sind positiv – ich hätte nur glänzendes Chrom vermutet. Was ich aber sehe, sind schöne Gemälde, viel Holz und einen mit geschmackvollen und sehr bequemen Sitzen ausgestatteten Panoramasalon „ Polarsirkelen “. Noch ist es stockdunkel, aber ich setze mich trotzdem in einen dieser Sessel und geniesse für eine Zeit die Stille. Welch Wohltat!
      Über das Deck 5 erreiche ich sowohl das Heck mit dem Flaggen-Mast, als auch den Bug, dort, wo ich die im Nebel liegende Insel Munkholmen erahnen kann. Es knarzt ganz schön, sobald ich meine Füße auf die gefrorenen Anti-Rutsch-Matten setze. Vom sich in der Mitte des Schiffes befindlichen Flaggenmast am Heck sieht die dahinter liegende LOFOTEN wirklich aus wie... na ja, die Verniedlichungsform schießt mir durch den Kopf. So schmal, die Lady! Ich linse noch von aussen in eine wohl nicht mehr bewohnte (laut Plan N-Kategorie) Kabine – seelenlos, steril, ist mein erster Eindruck. Aber man muss ja bloß darin schlafen! Gegen 08:00 verlasse ich mit durchaus positivem Eindruck die NORDKAPP, fühle mich aber „zu Hause“, als ich die LOFOTEN betrete. Das Frühstück mundet ausgezeichnet!
      Um 09:00 begebe ich mich in die Stadt. Am Vorabend habe ich mir an der Rezeption einen Stadtplan geholt, somit kann ich gut den Weg in die City finden. Die Wege sind zum großen Teil vereist, ich habe meine Spikes nicht mitgenommen (Achtung Scherz-Quiz: ich H . . . . . . .e!). Im Zentrum angekommen blicke ich von einer Brücke über den Nidar-Elv zu den von der aufgehenden Sonne angestrahlten Speicherhäusern. Diese bezaubernde Stimmung möchte ich natürlich mit meiner Kamera auf Speicherkarte festhalten – nichts geht!!! Warum sind nur die Taschen in meiner Thermo-Hose so klein, dass ich nicht die Cam darin stecken kann? Also, heisst es für mich, die wunderschönen Stimmungen und Bilder von der Stadt in meinem Hirn zu speichern. Auf der alten Brücke unterhalb des Nidaros-Domes begegne ich drei freundlichen englischen Mitpassagieren. Einer, nennen wir ihn George, zeigt mir seine Spikes. Er beteuert, versucht zu haben, auszurutschen, es aber partout mit diesen „Dingern“ nicht schaffe. (Gerne PN an mich).
      Der Dom ist geöffnet, um 11:00 soll ein Familien-Gottesdienst mit Taufe stattfinden. Oh, welch wohltuende Wärme in diesem großen Gebäude! Die Orgel ertönt, durch die feinen Glasfenster scheint die Sonne, der Kinderchor macht sein „Warm-Up“ mit Trampeln, sich den Körper abklopfen und natürlich die Stimmen „ölen“. Also, nicht falsch verstehen, da wird nichts durch die Kehle von aussen geschleust, die Mädchen und Jungen haben einfach nur Atem- und Ton-Übungen absolviert, für mich als ehemaligen Chor-Sänger sehr interessant! Bevor der Gottesdienst beginnt, verlasse ich den Dom und schlittere zurück zur „schwimmenden Kathedrale“ (oh, jetzt werde ich aber übermütig).
      Kurz nach 12:00 bricht die LOFOTEN auf zur Fahrt weiter gen Norden. Bei Tag ist die Passage des langen Trondheimsfjordes eine Augenweide – zumindest für diejenigen „Grünschnäbel“ von uns, die bisher noch nicht weiter nördlich waren. Die Sonne scheint (mal wieder) von einem wolkenlosen Himmel, das Thermometer zeigt in der Sonne +15°C, das Wasser des Fjordes ist dunkelblau - wunderschön! Nach dem Ausgang des Fjordes und „Agdenes Fyr“ kommen wir an unzähligen Schären vorbei. Auf einer dieser „Felsbuckel im Meer“ thront der rote, achteckige Leuchtturm, dessen korrekte Wiedergabe des Namens mir zuviel Zeit kosten würde, ihr wisst, wie er heisst?! Der Wind brist minütlich auf, Schaumkronen zieren das Wasser, ich kann mich nur noch auf der Backbord-Nock aufhalten, ohne vom Wind aus SO auf der Luv (also der windzugewandten Seite) weggeweht zu werden. Das Schiff krängt (also „legt sich auf die Seite“), fährt mit nun permanenter Schlagseite. Wir fahren unaufhaltsam auf die „Sackgasse“ zu, von der dann der „ Stokksund “ abzweigt. Erstaunt nehmen wir paar Verwegenen auf der Nock wahr, dass wir nach Steuerbord abdrehen, eine 180° Kehre vollführen. Ähä? Bald darauf meldet sich das offizielle Sprachrohr des Schiffes, Reiseleiterin Wilma ter Haar. Die Schiffsführung habe entschieden, wegen starken Windes und Wellenganges „aussen herum zu fahren“. Na ja, denke ich, wenn wir dann nur rechtzeitig in Rörvik sind, damit ich dort noch die südgehende NORDNORGE besichtigen kann. Die Fahrt über die offene Seestrecke „ Folda “ ist etwas bewegt, aber nichts dramatisches. Um 21:00 erreichen wir Rörvik , es bleiben etwa 20 Minuten Zeit, die vor uns liegende NORDNORGE zu entern. Der erste Eindruck ist ernüchternd, keine grossen Gemälde, vielmehr Reliefs verzieren die Foyers. Der Schock dann auf dem Weg zum Aussendeck: durch die Bar, wo eine Sängerin und ein Keyboarder versuchen, musikalische Stimmung zu verbreiten. Kreisch!!! Geht gar nicht! Hier prallen Weltanschauungen aufeinander, nicht nur ich persönlich habe so empfunden, sondern auch meine „Mitlofoter/innen“, ihr wisst schon, was ich meine.
      Schnell verlassen wir dieses Schiff und sind froh, wieder auf unserer Lady zu sein. Das Ablegen gestaltet sich schwierig, der Wind und das brodelnde Wasser pressen unser Schiff gegen den Kai. Rückwärts bugsiert sich die LOFOTEN in das mit Felsen verzierte Hafenbecken (welch prickelnde Vorstellung), um dann nach ca. 15 min. an der sich noch am Kai befindlichen NORDNORGE vorbei zu fahren. Von dort vernehme ich ein rasselndes Geräusch, lichten die den Anker? Es ist 21:45, es geht weiter nordwärts, ich bin s . . .müde und falle in meine Koje.
    • Danke - man lebt wieder mal richtig mit :thumbup:

      foerdesprotte wrote:

      Hier prallen Weltanschauungen aufeinander, nicht nur ich persönlich habe so empfunden

      naja - Gott sei Dank ist ja keiner gezwungen sich das anzutun. Auf der Nordlys waren die Russen da ganz begeistert von, aber auf der FINNMARKEN bekam der Ausdruck "Alleinunterhalter" eine ganz neue Bedeutung - der Mann unterhielt sich selbst... :whistling: Also ich kann dir versichern - man kann auf diesen Schiffen herrlich reisen ohne dass man sich sowas reinzieht... :D
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
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    • :sdanke: toller Bericht - ich kann es fast gar nicht erwarten, wie es weiter geht. :thumbsup:

      Das mit den unterschiedlichen Schiffsgenerationen und auch Schiffen scheint mir sehr interessant. Bin mal gespannt was ich im April für Schiffe zu Gesicht bekomme und wie die mir gefallen. Hier im Forum gehen die Geschmäcker ja ziemlich auseinander - und das ist auch gut so.

      Viele Grüße
      Eisbär 66
    • foerdesprotte wrote:

      Von dort vernehme ich ein rasselndes Geräusch, lichten die den Anker?

      Bist du sicher, das es nicht der Anker der Lofoten war? Die kleinen, alten Schiffe werfen oft den Anker im hafenbecken, um sich dann beim Ablegen an dem Anker wieder gegen Wind und Strömung in Fahrtrichtung zu ziehen. ;)
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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