Von Lissabon nach Hamburg mit der MS "World Voyager" 02.05. - 17.05.2022

    • 2022
    • West
    • Von Lissabon nach Hamburg mit der MS "World Voyager" 02.05. - 17.05.2022

      Ich starte hier mal meinen ersten Reisebericht. Das heisst dann also auch: Ich übe noch. Mal sehen, wie es läuft. Ihr seid herzlich eingeladen, mitzureisen :) .


      Anfang letzten Jahres haben meine Frau und ich das Hurtigruten-Angebot genutzt und eine Reise von Lissabon nach Hamburg, unseren Wohnort, mit der MS “Fridtjof Nansen“ für Mai 2022 gebucht, neues Schiff, modernes Design, Balkonkabine, die Vorfreude war sofort groß. Was dann passierte, wisst ihr ja alle, die MS “Fridtjof Nansen“ hatte ihre Grundberührung im Sturm vor Maloy und landete schließlich in der Werft. Einige Wochen haben wir gebangt und gehofft, dann zwei Tage geweint ;( bis meine Frau im Internet eine ähnliche Reise bei Nicko Cruises mit der MS “World Voyager“ entdeckte. Wie sich rausstellte, war noch was buchbar, also wurde gerechnet, geplant und der Urlaub zehn Tage nach hinten verschoben, was dank der toleranten Arbeitskollegen kein Problem war. Das Konto schnaufte noch ein klein wenig lauter :wacko: als bei der Hurtig-Reise, aber wir haben schon immer gesagt, wenn die Penunze verfügbar ist, muß man das machen. Wer weiß schon, was kommt :D .
      Wir haben also eine Balkonkabine gebucht. Die Häfen variierten etwas gegenüber Hurtig und als Besonderheit waren zwei Tage London eingeplant mit Durchfahrung der Themse unter der Tower Bridge durch. Wir waren gespannt – auch auf das Schiff. Die MS “World Voyager“ wurde 2019 gebaut und fährt erst seit 1-2 Jahren. Sie ist ein kleines Schiff, ein bißchen kürzer als die MS “ Otto Sverdrup “, mit der wir schon zweimal das Vergnügen hatten, vor und nach der Umbenennung. Maximal 200 Paxe können mitfahren, also angenehm wenig. Ein weiterer Unterschied zur Hurtig-Reise war noch der Hinweis auf den Dresscode, der zum Captains-Dinner “elegant“ vorsah, aber ansonsten keinen Leidenszwang in Aussicht stellte, da in den Ankündigungen viel Wert auf die familiäre, lockere Atmosphäre gelegt wurde. Nun ja, man wird sehen, dachte ich.
      Das wichtigste war nun noch, Corona zu vermeiden. Wir haben uns also zwei Wochen vor Fahrtantritt noch eine vierte Impfung verpassen lassen und alle Terminwünsche von Familie und Freunde ausgeschlagen, um die Zeit so isoliert wie möglich zu überstehen. Leider kamen auch die Granatengürtel beruflich immer dichter und ein Kollege nach dem anderen wurde positiv getestet. Man bangte ;( .
      Nicko Cruises war etwas widersprüchlich bei den Einschiffungsvoraussetzungen, ob nun noch ein Corona-Test erforderlich sein würde oder nicht. Eigentlich laut Reiseunterlagen nicht mehr, aber auf der Webseite war ein solcher als “obligatorisch“ und “max. 24 Stunden alt“ gefordert. Also haben wir nachgekuckt, was man da in Lissabon machen kann und Glück gehabt. Es gibt da nicht so viele Teststationen wie hier, aber eine war 8 Minuten fußläufig vom gebuchten, kleinen Altstadthotel, das wir für einen Tag vor der Einschiffung gebucht hatten. Also Termin gemacht am Einschiffungstag, alles bestens.

      Der Flug ging morgens um 06:00 Uhr ab Hamburg. Daher hatte ich die tolle Idee, schon um 03:00 am Flughafen aufzuschlagen, damit genug Zeit für alle Sicherheitsprozeduren bleibt. Noch war ja die Pandemie voll im Gange und ich vermutete Verzögerungen dabei.
      Wir sind also zeitig mit dem Taxi los, als der Taxifahrer uns aufklärte, daß der Flughafen erst um vier öffnet =O .

      Hätte man als Hamburger eigentlich wissen sollen, aber nun ja, wir beide sind eher erdverbunden, also Wenig- bis Nieflieger :saint: . So hatten wir davon keine Ahnung, doch der Fahrer wußte mehr:
      Man könne mit dem Fahrstuhl zur S-Bahn runterfahren, da sei ein Aufenthaltsraum, brauche man nicht eine Stunde vor der Tür stehen. So haben wir das gemacht. Von dem besagten Raum führte dann auch eine Rolltreppe in den Einkaufsterminal des Flughafens. Da haben wir dann weitergewartet bis die Verkäuferin der Bäckerei bei Dienstantritt auf uns aufmerksam wurde und vor dem Wachmann warnte, man habe hier schließlich um 3 noch nichts zu suchen. Ich dachte, lieber wieder raus, falls der Wächter einen schlechten Tag hat :whistling: . Ab halb vier durfte man dann drinnen warten. Um vier passierte was, nur nicht bei unserer Airline. Die kamen später und verplemperten tiefenentspannt jede Menge Zeit. So langsam wurde ich nervös, nur noch eine Stunde bis zum Abflug und noch keinen Sicherheitscheck hinter uns gebracht. Letztlich klappte es aber und wir hoben ab. Eine Impfbescheinigung wollte niemand sehen.

      In Lissabon erwartete uns trockenes Wetter mit leichter Bewölkung und das kleine Hotel in der Altstadt. Wir sind von dort gleich los auf Entdeckungsreise :) . Neugierig gings durch die vielen Gassen der Altstadt zum Elevador de Santa Justa, an dem gerade rumgeklempnert wurde,und weiter zum Arco da Rua Augusta.



      Von oben ist der Ausblick fantastisch.



      Natürlich gabs zwischendurch ein Pasteis de Nata, ein Blätterteig-Pudding-Törtchen, ziemlich süß, aber gut :P .



      Für abends haben wir die Empfehlung des Hotels befolgt und in einem portugiesischen Tapas-Restaurant gegessen. Das war schon mal sehr lecker.

      Am Folgetag stand dann der Corona-Test an, gleich nach dem Frühstück. Klappte alles super und negativ war er auch. Ein paar Stunden waren noch bis zur Einschiffung. Deswegen haben wir ein Tuc-Tuc gemietet. Der nette Rafael hat uns dann vom Miradouro de São Pedro de Alcântara durch die Stadtteile Chiado und Alfama kutschiert. Wir waren am Praça Júlio de Castilho sowie Miradouro da Graça, schauten über den Atlantik und bewunderten die Azulejos. Rafael hat uns in Hotelnähe abgesetzt und es ging dann mit dem Taxi zum Kreuzfahrtterminal.




      Bei der Einschiffung wurde nach dem Covid-Test geschaut. Wer keinen hatte, konnte vor Ort einen machen lassen. Hätte man wissen sollen, denn unser Test hatte 40 Euro pro Nase gekostet (Grumpf!). An Bord wurden wir mit Sekt und Lachsbrötchen begrüßt, bewunderten unsere Kabine und erkundeten die Aussichtsdecks, auf denen vor allem ich noch viel Zeit verbringen sollte. Nach der Rettungswesten-Einweisung und einem kleinen Bierchen begann die Ausfahrt aus Lissabon, vorbei am Seefahrerdenkmal Padrão dos Descobrimentos und dem Torre de Belém.




      Vielen Dank fürs Mitlesen bis hierher. Die nächste Station ist Porto. Die Texte werden dann auch ein bißchen kürzer werden. ;)


      Ups, ich bin leider in die falsche Rubrik gerutscht 8| . Hat jemand die Möglichkeit, den Bericht von der Arktis nach Europa zu verschieben?
    • Wir wir sind vor drei Wochen von einer ganz ähnlichen Reise zurückgekehrt: Von Las Palmas de Gran Canaria über Madeira, Lissabon, Porto, La Coruña, Bilbao (Sehr guter Ersatz für Le Havre :thumbup: - in Frankreich streikten nämlich die Festmacher.), Zeebrügge und Rotterdam zurück nach Hamburg, in dessen Nähe wir wohnen. :)
      Allerdings waren wir nicht mit einem hübschen, kleinen Schiff unterwegs, sondern mit der Mein Schiff 4, die ja eher ein Hotel mit variablem Meerblick ist. :D
      Nun bin ich auf deinen Reisebericht gespannt.

      Viele Grüße
      Laminaria
      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.

    • Lieber @Ursus, auch ich freue mich auf euren Reisebericht, haben wir mit der MS Midnatsol auch zweimal die Tour entlang der Küste Westeuropas gemacht, wird sicherlich Erinnerungen wachrufen.
      Daher gerne weiter ausführlich berichten.
      schöne Grüße Tini :ilhr:

    • Abends folgte dann noch das erste Dinner, heute noch unter dem Dresscode “gepflegt“, wobei sich rausstellte, daß eine bessere Jeans, also ohne Löcher und Verwaschungen, sowie ein anständiges Hemd durchaus ausreichte, also noch nicht groß anders als bei Hurtigruten, wo wir schließlich auch nicht in Jogginghose und Unterhemd aufgekreuzt waren. :hut:

      Es gab jeden Tag ein Sechs-Gänge-Menü, wobei man jeden Gang austauschen konnte gegen einen Alternativ-Gang aus einem feststehenden Menü, zum Nachtisch zusätzlich die Möglichkeit, Sorbet oder Eiscreme zu bekommen. Der Hauptgang konnte noch durch ein vegetarisches Gericht oder eine regionale Variante ersetzt werden. Alle Speisen waren ausgezeichnet und einfallsreich. Sämtliche Cremesuppen schmeckten fantastisch und die Sorbet-Dessert-Variante kickte jede Zelle frisch. Die Kellner tippten die ausgewählten Bestellungen auf einem Display ein. Das funktionierte reibungslos und schien gut eingespielt zu sein. :good3:

      Nach dem Abendessen haben wir erstmal in Ruhe die Koffer ausgepackt und dabei unsere Kabine in Besitz genommen. Der erste Eindruck war ja bereits sehr gut. Vergleichsmöglichkeiten hatten wir nur über die MS “ Otto Sverdrup “, allerdings vor und nach dem Umbau. Das optische war da ja sehr schön geworden, aber wir empfanden die Kabine nach dem Umbau enger und mit weniger Stauraum als vorher. Diesen Vergleich gewinnt die MS “World Voyager“ deutlich. Viel Platz rund um das Doppelbett, viele Schubfächer und einen für uns gut geräumigen Kleiderschrank, reichlich Steckdosen und USB-Anschlüsse. Es gibt auch eine Kaffee-/Tee-Ecke, die nicht den ganzen Schreibtisch einnimmt. Auf der MS “ Otto Sverdrup “ war mit dem Kaffeekocher praktisch das ganze Tischchen vollgestellt. Der große Bildschirm mit indirekter Beleuchtung dahinter war gut, um die in die Kabine übertragenen Vorträge anzuschauen. Unter dem Bildschirm befand sich eine Ablageleiste, die ganze Wand entlang und von uns viel genutzt. Angenehm, daß es diese Flausch-Hausschühchen gab und auch für alle Fälle einen Regenschirm. Daß wir diesen jedoch nicht brauchen sollten, konnten wir noch nicht wissen. :dance3:

      Gut gefallen hat uns auch der Balkon, zwei bequeme Sitze, kleiner Tisch und auch sogar vom Bett aus keine Sichtbehinderungen. Aufgrund der Lüftungsmöglichkeit über den Balkon und die moderaten Außentemperaturen während der Reise haben wir uns nicht groß um die Klimaanlage gekümmert. Sie schien jedoch gut zu funktionieren. Die optische Gestaltung der Kabine war modern und zeitgemäß. Über dem Schreibtisch und im Bad gab es große Spiegel, wenn auch nicht bis zum Boden. Ich fands groß genug. Das Bad war sehr schön, Dusche mit Glastür, Brause oben, Handbrause und Vierstrahl-Massagedusche zum Davorsetzen. Ablageflächen für Shampoo waren in die Duschwand eingelassen, Duschgel und Lotion in Spendern, schienen uns hochwertig zu sein. Der Abfalleimer war in eine Schublade integriert, benötigte also keinen Metalldeckel, der bei Seegang ständig klappert. :dance4:

      Schränke und Regale mit “Geländerstange“, damit bei Seegang nichts rausfällt, waren ausreichend vorhanden.
      Einziger Kritikpunkt war das viel zu dünne Klopapier. :negative:


      Ich weiß, so ein Eindruck von der Kabine ist immer subjektiv und hängt stark von Erwartungen und Gewohnheiten ab. Wir empfanden das, was wir vorgefunden haben, als modernen Luxus und waren schon sehr angetan davon. Da wir in Hamburg nur in einer kleinen Wohnung leben, waren wir hier sofort “angekommen“ und haben uns sehr wohl gefühlt.



      Die erste Nacht stellte sich als ganz schön kabbelig heraus, verbunden mit lauten, metallischen “Fahrgeräuschen“. Offenbar ging es gegen die Dünung gegenan, und das Schiff schlug regelmäßig hart aufs Wasser auf. Keine Herausforderung für unsere Seebäuche, aber wir waren gespannt, ob beim Frühstück viel los sein würde.
      Morgens auf dem Weg dorthin kommt man an den Büronischen der Kreuzfahrtleitung vorbei. Da standen die ersten Nörgler, denen ihre Kabine bei dem Seegang in der Nacht zu laut war und beschwerten sich. Waren wohl immer nur auf Riesenschiffen :pillepalle: . Aber mit solchen Mitreisenden hatten wir schon gerechnet.
      Verblüffenderweise schon wieder hungrig, zogen wir weiter zum Frühstück. Der Atlantik hatte sich ja inzwischen beruhigt und wir hatten noch nicht den Überblick, ob jemand fehlte. Insgesamt waren wir 110 Passagiere an Bord. Es war also nirgendswo zu voll. Das Frühstücksbuffet ließ für uns keine Wünsche offen, alles was zum deutschen und englischen Frühstück gehört, war da, zusätzlich tolle Omeletts oder “Egg Benedict“ bestellbar, reichlich Kuchen, viele Brot/Brötchen-Sorten und eine Honigwabe. Die Kellner brachten Schnapsgläser mit frisch gepressten Obst-Shots von der Saftbar.

      Der Typ auf dem Bild hat dem Foto zugestimmt. Das bin nämlich ich. :popcorm2:

      Für den Ausflug nach Porto machten wir im Hafen von Leixoes fest. Dort gibt es ein futuristisches Terminal, das wie ein begehbarer Pac-Man aussieht. Da marschierte man durch zu den Bussen. Wir hatten den Ausflug gebucht, um bequem nach Porto zu kommen und keine Zeit mit Warten auf die Öffis zu verplempern.



      Außerdem war eine Bootstour auf dem Douro sowie eine Portweinverkostung dabei.
      Die Busfahrt (übrigens FFP2-Maskenpflicht, wie auch an Bord des Schiffes) ging zunächst am Wasser entlang durch den Strandort Matosinhos bis zum Fotostopp am Torre des Clerigos, eines der Wahrzeichen Portos. Interessanter fanden wir dort die Platanen im Jardim de Cordouaria nebenan, mit ihrem enormen Stamm-Umfang. Sie sollen irgendeine Krankheit überstanden haben und sind dann so im Umfang gewachsen. :search:



      Bilder waren im Kasten und weiter gings in den Altstadtbezirk Ribeiro und zum Umsteigen auf das Boot, eins von den Portweinfass-Transport-Booten, die heute für solche Ausflugsfahrten genutzt werden. So fuhren wir dann unter den Brücken Portos hindurch, den Finger immer am Auslöser. Das ganze etwa eine Stunde lang, ganz leichter Wind und blauer Himmel. Schöner gings nicht. :pleasantry:



      Auf der anderen Seite des Douros wurde angelegt und der Portweinkeller aufgesucht (Kellerei Burmester). Die Einführung in die Portweinherstellung war ziemlich ausführlich und etwas trocken, denn die Pröbchen gabs erst danach. Meine Frau nutzte auch einen Moment der Unaufmerksamkeit zur Vorprobe. :girl-dance:

      Dann aber war der Verkostungsraum eingedeckt, die Portwein-Gläser eingeschenkt, eins weiß, eins rot. Da wir offenbar weniger Probierer als erwartet waren, bot sich mir die Möglichkeit, einmal mehr zu überprüfen, welcher davon besser schmeckte. :blush2:

      Nun, bislang waren wir keine Portwein-Fans. Das könnte sich jetzt ändern.



      Am Abend winkte das Begrüßungs-Gala-Dinner. Ein klein wenig hatten wir uns dazu rausgeputzt und konnten feststellen, daß unsere Garderobe schick genug war. Vorher gabs in der Main-Lounge ein Gläschen aufs Haus. Dazu stellte sich die Schiffsführung und die Kreuzfahrtleitung einzeln vor. Es handelte sich um eine bunte Mischung verschiedener Staatsangehöriger, insgesamt arbeiteten auf dem Schiff Mitarbeiter aus 25 Nationen. Der sympathische, griechische Kapitän Tsounakos sprach akzentfrei Deutsch und begegnete uns übrigens immer wieder beim Frühstücks- und Mittagsbuffet, was ich bei Hurtig bislang noch nicht erlebt hatte. Die Kreuzfahrt-Direktorin, der Hotelmanager und auch die Lektorin Marieluise, die jeden Nachmittag im Auditorium mit einem Vortrag auf den nächsten Reisetag vorbereitete, waren auch meist zugegen. Die Vorträge haben wir lieber in der Kabine per Bildschirm angehört- und gesehen. Seit Corona wütet, mag ich Hörsäle nicht mehr so gerne. Und eine Stunde war mir ehrlich gesagt auch etwas lang.
      Als nach dem Schluck das Dinner freigegeben wurde, stürmten alle den Speisesaal. War der einzige Abend, an dem alle gleichzeitig zum Essen sind. Dementsprechend wurde es schnell voll, wir waren unter den letzten. Spontan haben wir uns dann entschlossen, draussen zu essen, wo auch eingedeckt war. Als es später kälter wurde, wurden Decken gereicht.



      Nach dem Dinner gabs dann noch einen Gin Tonic bei Klavier-Musik in der Lounge und dann ab ins Bett.

      In Spanien gehts weiter. Fortsetzung folgt.
    • Die nächste Anlegestelle war La Coruna, morgens um 09:30 Uhr.



      Wir sind daher zeitig zum Frühstück, weil wir dann gleich auf eigene Faust loswollten. Das Schiff lag zentral, etwa 200 m bis zur Innenstadt. Es wurde auch ein Ausflug mit dem Bus nach Santiago de Compostela angeboten, was uns aber nicht so wichtig war, außerdem wollten wir nach Möglichkeit nur Bus fahren, wenn man zu Fuß nicht wirklich irgendwo hinkommt. Zunächst ging unser Weg zur Avenida Marina mit ihren Glasfassaden.



      Wir haben uns dann aber kurzfristig entschlossen bis zum Herkulesturm zu laufen. Dies ist ein römischer Leuchtturm aus dem 2. Jhdt., der im 18 Jhdt. restauriert wurde und heute der weltweit älteste, in Betrieb stehende. Als Wahrzeichen der Stadt konnten wir ihn schon bei der Anfahrt bewundern. Der Weg dorthin führt immer an der Küste entlang, vorbei an der alten Festung Castelo de Santo Anton und wird von Straßenlaternen im Jugendstil gesäumt, jede mit einer anderen Intarsie ausgestattet. Es ist gleichzeitig eine Art Markierung der Strecke.



      Zur Seeseite hin konnten wir beobachten, wie sich das britische Passagierschiff “Balmoral“ langsam dem Hafen näherte, immer auf das “Centro de Coordinación de Salvamento Marítimo“ zu, also das Kontrollzentrum der Seenotrettung, eine Art goßes, verspiegeltes “H“. Kurz bevor man den Leuchtturm erreicht, passiert man noch das Trainingszentrum des örtlichen Fußballclubs Deportivo. Die hatten im europäischen Fußball auch schon mal eine größere Rolle gespielt, schon etwas her, in den 90ern.



      Der Turm selbst steht auf einer Anhöhe von 112 m. Die Eintrittskarten für die Besteigung mußte man am Fuß dieses Hügels kaufen, nicht etwa oben am Turm. Da der Ausblick auch vom Hügel aus schon imposant zu sein schien, hatten wir eh nicht vor, noch über 300 Stufen hochzuklettern, aber wer das möchte, muß das wissen, sonst steigt er den Hügel zweimal hoch. :dash:



      Nach kurzer Fotopause oben sind wir auf dem Rundweg an der Küste weiter und passierten den örtlichen Badestrand Playa de Orzan, um dann noch kurz in die Altstadt zum Rathaus zu schauen, weitere Fotos zu schießen.



      Das Mittagessen an Bord haben wir noch rechtzeitig erreicht und uns nach 17 km Fußmarsch ordentlich am Osso Bucco bedient.
      Die Temperaturen waren mittlerweile richtig schön mild, also gings nachmittags auf zwei Liegen auf dem Achterdeck, wo wir beobachten konnten, wie die Passagiere von der inzwischen angelegten “Balmoral“ strömten. An sich ein schönes Schiff, aber viel zu viele Paxe . Uns wurde einmal mehr bewußt, welchen Luxus wir auf unserem Schiff mit nur 110 Paxen an Bord genießen durften. Dann sind wir etwas eingedöst. :imsohappy:



      Zum Abendessen hatten wir das Glück neben einem älteren Paar, deutlich über siebzig, zu sitzen, die wir im Laufe der Reise noch sehr lieb gewonnen hatten. Die beiden sind ihr Leben lang gereist und waren vor etwa 20 Jahren in Bhutan, also quasi als Pioniere des ersten Tourismus in diesem Land, von Burma, Laos und anderen Reisezielen mal ganz abgesehen. So ging der Abend beim Essen rasend schnell vorüber. Falls ihr das hier lest: Liebe Grüße an Gisela und Ernst. :beer: :friends:
    • Bei den Ausflügen hat man ja immer die Qual der Wahl. Als wir am 30. April nach La Coruña kamen, hatten wir uns per Bus nach Lavacolla bringen lassen, um die letzten 10 km des Jakobspilgerweges zu wandern. Der Guide hatte ein durchaus flottes Tempo vorgelegt. Es war also anstrengend, aber gleichzeitig ein sehr schönes Erlebnis. Ich fand es erstaunlich, dass derartige Ausflüge bei Tui-Cruises angeboten werden.
      Uns ist natürlich leider entgangen, die Altstadt von La Coruña kennen zu lernen. Das Rathaus sieht ja wirklich sehr schön aus. Danke für die Fotos von eurem Landgang. :thumbsup:

      Viele Grüße
      Laminaria
      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.

    • Jeden Morgen noch vor dem Frühstück führte mich der erste Weg immer ganz nach oben auf das Aussichtsdeck, um einen Morgengruß zu fotografieren und meiner Mutter und meiner Tante nach Hause zu schicken, wo die beiden da immer schon drauf warteten. :hut:
      Das ganze Deck hatte ich in der Regel für mich alleine, nur Cengiz, der Assistent der Kreuzfahrtleiterin, drehte dort manchmal auf der Laufbahn seine Trainingsrunden. Er war an Bord für alles technische zuständig, das mit der Unterhaltung der Gäste zu tun hatte, u.a. fuhr er die Zodiacs oder installierte auch mal eine Diskokugel. :good3: :pleasantry_1:

      Nach dem Frühstück auf dem Weg nach Santander stand vormittags eine Führung auf der Brücke unseres Schiffes mit dem Kapitän an. :pilot: :clapping:



      Das war spannend, wir hatten bei Hurtig dazu noch nie eine Gelegenheit erhalten. Daher war ich erstaunt, daß das Angebot nur von zwei Gruppen mit jeweils etwa 20 Paxen genutzt wurde. Vom Kapitän erhielten wir so einen z. B. einen Einblick in die vier Radarsysteme und die Feuerlöschanlage. Vor der “World Voyager“ fuhr er ein “Mein Schiff“, mit dem er viele Häfen wegen der gigantischen Größe gar nicht anlaufen konnte. Daher findet er die kleinen Schiffe auch interessanter. Übrigens manövriert auch er lieber mit Seitenstrahlrudern anstatt mit Azimuts. Das hatte mir auch schon mal ein Offizier auf der “ Otto Sverdrup “ erklärt, allerdings zufällig im Treppenhaus, als wir ins Gespräch kamen, nicht auf der Brücke. Der war ganz begeistert von der Manövrierfähigkeit der “Otto“. :ok:

      Ein Ausbau der Nicko-Flotte ist offenbar geplant, so sollen neben dem Schwesterschiff der “World Voyager“ (“World Explorer“) noch zwei weitere baugleiche vom Stapel laufen und anschließend sei auch noch der Bau weiterer vier Schiffe geplant, so der Kapitän.

      Gegen Mittag kam der nächste Hafen in Sicht, um 13:00 legten wir in Santander an. Vorher gabs zu mittag noch Barbeque auf dem Pooldeck, war super für einen Carnivoren wie mich. :dance3: :essen:



      In der Ferne konnte man die Pyrenäen erkennen, ziemlich gewaltig. :woot:

      Die Radarkugeln mit den Türchen erinnerten irgendwie an zeitgenössische Hobbithomes. Meine Göga versuchte ihr Glück, war aber keiner zu Hause. :search: :mosking:



      Als Ausflug fand nachmittags eine zweistündige Stadtrundfahrt statt und führte mit dem Bus zum Jardines de Piquio mit dem Strand von El Sardinero sowie auf die Magdalenenhalbinsel mit dem Palacio de la Magdalena, der dem König vom Volk geschenkt wurde :an-king: , ein bunter Mix aus verschiedenen Baustilen. Aufgrund des milden Klimas vom vormaligen Monarchen wohl auch gut genutzt. Gut zu erkennen war auch der Roca del Camello, der Kamelfelsen in der nördlichen Bucht der Halbinsel.



      Nach einem kurzen Fotostopp am Leuchtturm von Cabo Mayor gings auch schon zurück an Bord.



      Diese Tour hätte man auch zu Fuß machen können, aber zum Zeitpunkt der Buchung wußten wir noch nicht, wo genau das Schiff anlegt. Bevor es zum Abendessen ging, haben wir natürlich noch die Ausfahrt an Deck genossen. :friends:



      Merkwürdigerweise war außer uns meist niemand auf dem Oberdeck, auch mit Fernglas war nie einer bewaffnet, dabei gab es so viel sehen. Manche Menschen kucken einfach gar nicht. :negative:

      Am Abend nach dem Essen haben wir uns in der Main Lounge zu Klaviermusik noch einen Gin Tonic gegönnt, für mich immer gerne mit einem Spritzer Angostura. Dem wurde auch wunderbar entsprochen. Einige Tage später hatte sich der Barkeeper wohl daran erinnert und es sehr gut gemeint oder aber der Flaschenausguß ist abgerutscht. Jedenfalls war der Drink schon hellrot, ein bißchen sehr bitter, aber doch noch genießbar. :wacko1: :mosking:

      Weiter geht es in Frankreich....bis bald :yeah:
    • Am nächsten Morgen hatten wir bereits die Biscaya erreicht und hielten auf die Mündung der Gironde zu. Der Atlantik hatte sich schon in der Nacht eher in einen Ententeich verwandelt, so gut wie kein Seegang, morgens schon blauer Himmel und weiterhin Sonnenschein :D . Vor Le Verdon-sur-Mer/Port Medoc in der Gironde-Mündung gingen wir auf Reede. Also wurde zum ersten mal auf dieser Reise getendert. Der erste Tender ging bereits um 09:30 Uhr vom Schiff ab, weil eigentlich gleich morgens die Ausflüge starten sollten.



      Kurzfristig wurde dies jedoch geändert, die Busse sollten erst mittags abfahren. Für uns kein Problem, denn vormittags wurden zunächst Rundfahrten mit den Zodiacs angeboten. Da war meine GöGa natürlich sofort Feuer und Flamme. :gamer4: Ich blieb lieber an Bord und übernahm das Fotoshooting. Die Zodiacs waren auf Deck 8, also ganz oben an achtern beiderseits der Heliplattform untergebracht und wurden mit dem Kran heruntergehüsert. Unten gings dann durch eine Luke von Bord. Zwei Zodiacs wurden dafür klargemacht, gesteuert von Cengiz und der Kreuzfahrtleiterin Sabine, bei der meine Göga mitfuhr. Unser Fotoequipment hatten wir zuvor aufgeteilt, die Kamera ging mit aufs Zodiac und ich bekam Gögas Handy, mit dem man verblüffend gute Bilder machen konnte. Es waren allerdings Schnappschüsse auf gut Glück, denn ich hatte mich auf Deck 8 in der Sonne postiert und konnte auf dem Display kaum etwas sehen. :to_keep_order: Eine Stunde sind sie dann rumkarriolt, ich folgte mit dem Fernglas so gut es ging. Als dann in der Ferne ein Schiff ins Blickfeld kam, war ich mal wieder abgelenkt und fand die Zodiacs nicht wieder. Sie waren um die Landzunge drumrum und tauchten erst eine Viertelstunde später wieder auf. Zurück an Bord schloß ich meine begeisterte Göga in die Arme :friends: :good3: und wir sichteten gemeinsam die unterwegs geknipsten Fotos bevor es dann auch schon Zeit fürs Mittagessen war, etwas zeitiger wegen des Ausflugs.



      Zwei Ausflüge wurden Angeboten. Einer ging schon vormittags ab nach Bordeaux incl. Weinverkostung auf einem Weingut, der andere nannte sich “Panoramafahrt Route de Chateau, mit Weinverkostung“. Bordeaux wäre auch für uns interessant gewesen, aber die lange Busfahrt schreckte uns ab. Abends berichteten andere Paxe dann auch eher Negatives. Bordeaux wäre zwar unglaublich sehenswert gewesen, nur vor Ort blieben nur anderthalb Stunden, in die dann auch noch das Mittagsessen fiel, so daß kaum Zeit für den arg kurzen Rundgang blieb. :gamer3: Wir hatten also die Panoramafahrt gebucht und machten uns auf den Weg durchs Medoc zum Weingut Chateau Camensac.
      Zunächst gings durch eine durchaus hübsche Landschaft, aber nichts Aufregendes, vor allem war noch kein Wein zu sehen. Das sollte sich nach ein paar Kilometern aber ändern, dann kamen nur noch Weinfelder. Die charmante Guide versuchte uns unterwegs das französische Weinklassifizierungssystem zu erklären, was mir ehrlich gesagt recht wurscht war. Unseres in Deutschland finde ich schon unübersichtlich und ich gab schnell auf, mir das hiesige einzuprägen. Entweder der Wein schmeckt oder nicht. Wenn er schmeckt, darf er gern mehr kosten, schöne Sachen kosten nun mal mehr, aber das Brimborium drumherum fand ich schon immer ziemlich aufgeplustert. :pillepalle:
      Man konnte schnell feststellen, daß die Reben hier in der Regel nur kniehoch sind, was natürlich auch die Ernte erschwert und letztendlich auch verteuert. Wir waren gespannt auf das zu besichtigende Weingut und natürlich die Weinprobe. Chateau Camensac entpuppte sich als sehr schön angelegtes Gut, wir besichtigten drinnen ein schloßartiges Wohn- und Arbeitszimmer, herrschaftlich möbliert und lichtdurchflutet. Hinten dann der Garten, kräftige schattenspendende Bäume und getrimmter Rasen, ein paar Gartensesselchen, so weit so gut. :thumbsup:



      Dann ging es in den Betrieb, ein Großteil der Weinreifung vollzog sich hier in Betonbehältern, was mir ehrlich gesagt völlig neu war. Man erwartet ja immer Holz oder Edelstahl, aber Beton hat offenbar guten Einfluß auf den Sauerstoffgehalt im Wein und das Aroma. Letztlich ging es dann aber doch in den Keller, wo die Eichenfässer lagerten. Die Erklärungen der Guide wurden leider immer wieder von dummen Fragen einiger Ausflugsteilnehmer unterbrochen, die die Antworten darauf eh schon wußten und das nur aus Klugschnackerei machten. :diablo: Die Ablenkung nutzte diesmal ich zwecks individueller Vorprüfung. :blush2:



      Endlich, endlich ging es zur Weinverkostung. Der “Probier- und Verkaufsraum“ war sehr schön gestaltet. Wände aus hellem Backstein, gewölbte Decken und Regale mit Weinflaschen aller Größen und auch einige sehr alte Flaschen mit schon verwitterten Etiketten sorgten für ein stimmungsvolles Ambiente. :good3: :thank_you:



      Zwei Rotweine sollten nacheinander gekostet werden, wurden ersteinmal eingeschenkt und dann ausführlich beschrieben, damit sie Zeit hatten, etwas zu atmen. Wir trinken schon gerne kräftige, trockene rote und nutzen auch gelegentlich eine Karaffe, um die Luftzufuhr zu verbessern. Hier half es jedoch alles nichts, der erste Wein war uns einfach zu sauer. Den umstehenden Gesichtern war die gleiche Expertise anzusehen. :bad: Der genannte Preis von 18 Euro pro Flasche tat sein Übriges, ein Verkaufsschlager würde es nicht werden. Man hoffte auf den zweiten. Der war besser, sollte aber auch 35 Euro pro Flasche kosten. Die habe ich nicht geschmeckt, der Zaster blieb am Mann. Das schien auch einhellige Meinung unter den Paxen zu sein. Viel gekauft wurde nicht.
      Anschließend wurde die Rundfahrt fortgesetzt und durch einige Fotostopps unterbrochen, u.a. bei den Rothschild-Chateaus (Mouton und Lafitte) sowie einem Loire-Schloß-Nachbau, der einer großen Versicherung gehörte, nett anzusehen. Da sieht man mal, was mit den Prämien alles so gekauft wird. :hmm:



      Dann gings zurück zum Tender in Verdon-sur-mer und an Bord. Abends nach dem Essen enterten wir die Main-Lounge und lauschten Oliver Wenath am Klavier zu Elton John und Billy Joel-Songs. Das war toll. :dance: Um 23:00 gings noch kurz an Deck und dann in die Koje.
    • Es ging weiter gen Norden in Richtung Bretagne. Zum Frühstück sind wir schon um halb acht gegangen, weil wir um 08:00 morgens Le Palais auf der Insel Belle Isle erreichten. Auch hier wurde ein Ankerplatz angesteuert, so daß wieder getendert wurde. Alle halbe Stunde ging ein Tender an Land und wieder zurück. Wer auf eigene Faust los wollte, konnte also sehr flexibel seinen Tag planen. Wir hatten allerdings den Ausflug gebucht, der am Vormittag stattfinden sollte, die “Panoramafahrt Belle Isle“, natürlich wieder mit dem Bus.



      Die zerklüftete Küstenlinie der Insel bietet sehenswerte Ausblicke auf Felsformationen in malerischen Buchten :pleasantry_1: . Kein Wunder also, daß Claude Monet immer wieder an der gleichen Stelle gesessen hat, um etliche Male das gleiche Motiv auf Leinwand zu bannen. Das erinnerte mich ein bißchen an Papa Wallander, nur jedes Bild halt immer ohne Auerhahn :D . Die Aussicht, die er wählte, auf die “Aiguilles de Port-Coton“ war jedenfalls atemberaubend, insofern waren wir ganz mit ihm :good3: .



      Weiter ging die Fahrt zur Pointe des Poulains, die die Schauspielerin Sarah Bernhardt zu ihrem Rückzugsort erkoren hatte. Unsere Guide berichtete ausführlich über Leben und Werk der berühmten Mimin. Sehr ausführlich. Auch wenns gut gemeint war, wir wurden ungeduldig und schlichen uns davon, um die knappe Zeit auszunutzen und in den Dünen auf der Steilküste umherzustreifen :whistle3: . Ein wirklich schönes Fleckchen Erde konnte bekuckt werden. Unser Verständnis für die Ortsliebe der Schauspielerin wuchs immens :thank_you: .



      Nachdem wir uns pünktlich wieder am Treffpunkt für die Weiterfahrt eingefunden hatten, mußte mal wieder auf einige Paxe gewartet werden, die sehr schlecht zu Fuß waren, aber trotzdem überall mithinlaufen mußten. Das führte immer wieder zu Verzögerungen zu Lasten der Zeit aller anderen. Ich empfand das als sehr störend, um so mehr, als andere gehbehinderte Paxe stets pünktlich zur Stelle waren. Es ging also und lag nicht an der Planung.

      Letztlich fuhren wir weiter zur letzten Station auf der Insel, dem idyllischen Fischerdorf Sauzon. Mein persönliches Highlight hier :pleasantry_1: , an Monets Stelle hätte ich mich hierher gesetzt, um die Dorfbucht immer wieder zu malen. Obwohl sonntags, hatten einige Geschäfte geöffnet, vor allem Souvenirläden und Galerien, viele Paxe haben dies genutzt. Wir haben vor allem reichlich Fotos gemacht.



      Nachdem wir zurückgetendert und uns über das Mittagsbuffet hergemacht hatten :essen: , hielten wir auf den Achterdecks 5 und 6 nach zwei Liegen Ausschau und wurden fündig, was ja auf dem halbvollen Schiff auch nicht so verwunderlich war. Nach ein paar Bildsendungen an Freunde und Verwandte daheim war ich bei herrlichen windstillen 20°C rasch eingenickt :sleeping: bis ich anderthalb Stunden später schon wieder appetitlich erwachte :P . Unser Schiff verfügte nämlich über einen kleinen Eiswagen mit sechs täglich wechselnden Eissorten, der jeden Nachmittag bis etwa 16:00 Uhr bemannt war :icecream: . Für mich als Speiseeis-Fan eine grandiose Idee, folglich steuerte ich ihn an, so oft der Zeitplan es erlaubte :dance3: , war übrigens alles inklusive. Brönnoysund habe ich daher nicht wirklich vermisst. Mit Eis bewaffnet gings hinauf auf Deck 8, um die Abfahrt von Belle Ile zu beobachten.



      Anschließend war auch schon Zeit für ein kleines Bier vom Faß in der Lido Bar am Pool, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken :beer: . Gut genudelt von den sechs Gängen beschloß ich, mir noch einen Absacker bei Klaviermusik zu genehmigen und dabei meine Tagebucheinträge nachzuholen :imsohappy: , während meine Göga sich bereits in die Koje begab.



      Leben wie Gott in Frankreich – ist was dran, nicht nur so dahingesagt. Morgen geht’s in den Ärmelkanal. Wetterprognose unverändert – kaum zu glauben. Uns hats gefreut. Fortsetzung folgt.
    • Montag, der 09.05., eine Woche Urlaub war nun schon vorbei ;( . Heute sollte St. Malo angelaufen werden. Morgens erwartete uns zunächst mal dichter Nebel, so gut wie keine Sicht, aber da wir erst um 11:30 Uhr erwartet wurden, waren wir sicher, daß sich das noch geben würde. Zum Frühstück wurden wir heute mit Sekt und frischen Waffeln verwöhnt :essen: . Wir ließen uns Zeit, denn draußen war ja eh noch nichts zu sehen. Die Smaragdküste im Norden der Bretagne tauchte schließlich ganz langsam aus dem Dunst auf. Rechtzeitig zum Anlauf auf St. Malo schien die Sonne dann wie bisher gewohnt :woot: , so daß sich faszinierende Ausblicke auf etliche kleine Inseln mit wehrhaften Festungen boten. Sowas hatte ich noch nie auf so engem Raum gesehen. Kein Wunder, daß hier im 18. Jahrhundert ein Piratennest war, strategisch günstig, wie alles lag.



      Heute würden wieder die Tender zum Einsatz kommen, aber es wurde nicht geankert, sondern an einer Tonne festgemacht, zwischen St. Malo und dem Badeort Dinard. Hierfür kamen zwei Boote zum Einsatz, eines drückte die “World Explorer“ in die richtige Position, das andere transportierte fünf Mann zur Tonne, wovon zwei rübersprangen und sich um die Tampen kümmerten, die anderen leisteten psychischen Beistand, oder so. Viel Buhei, fand ich, denn Lotsen hatten wir sowieso überall und woanders reichten ja die Anker. :hmm: :wacko1:



      Das Ausflugsangebot heute ließ einem die Qual der Wahl. Man konnte Bustouren zum Mont St. Michel oder in die schöne Altstadt von Dinan unternehmen oder einen Rundgang durch St. Malo buchen. Letzteres wäre natürlich auch auf eigene Faust eine Option Wert gewesen. Aber eins ging nur und meine Göga war schon immer fasziniert vom Mont St. Michel ohne bislang dort gewesen zu sein, also haben wir das gemacht. Ich selbst hatte vor dreißig Jahren die Möglichkeit, in den frühen Morgenstunden auf den Berg zu gehen, noch ohne den täglichen Touristenandrang und vor Öffnung der Souvenirshops. Das war eigentlich nicht mehr zu toppen, aber ich freute mich auch auf das Wiedersehen. :dance4:
      Nach dem Mittagessen starteten die Tender. Wir sind so früh wie möglich mit, um wenigstens noch kurz auf die Festungsmauer von St. Malo aufzuentern und ein paar Bilder zu machen, bevor es mit dem Bus weiterging. :ahahaha:



      Die Fahrt führte uns zunächst nach Cancale, der “Austernhauptstadt“ der Bretagne. Auf 400 ha wurden hier Austern gezüchtet. Man konnte einen Teller voll an mehreren Buden kaufen, sich auf die Promenade setzen und hinterher die Schalen über die Schulter an den Strand werfen. Da hatte sich schon eine richtige Halde gebildet, die Geschäfte gingen demnach gut. Es war Zeit genug eingeplant, um auch in Ruhe ein paar zu verzehren, jedoch nicht von uns. Vielleicht mache ich mir ja eines Tages was draus, bisher aber sind Austern nichts für mich :bad: . Letztlich wurden wir auch an Bord kulinarisch excellent verwöhnt :dance3: , so daß kaum Wünsche offen blieben und wir in Grunde nirgendswo noch was zu essen hätten kaufen müssen.



      Die Promenade in Cancale war aber auch ohne Austern sehr sehenswert, nur ging hier natürlich auch Zeit verloren, die wir sonst am Mont St. Michel hätten verbringen können. Die Busfahrt endete dann auch noch relativ weit vom Mont weg. Hier hatte sich seit meinem letzten Besuch viel getan, man kommt nicht mehr so dicht mit dem Auto ran und den Parkplatz, auf dem mein Kumpel Michael damals seine Rostlaube abstellte, gibt es auch nicht mehr. Man hätte jetzt von einer Art Rastplatz aus einen Shuttlebus nehmen müssen, aber dazu fehlte uns viel zu viel Zeit. Der Damm, über den früher der Berg erreicht werden konnte, wich einer Brücke, so daß der Berg jetzt wieder komplett umspült wird und die Bucht nicht weiter versandet.

      :hut:

      Der Mont St. Michel war für uns somit nur ein Fotomotiv aus der Ferne, aber gleichwohl ein sehr beeindruckendes. Nachdem die Bilder im Kasten waren, bedienten wir uns noch am extra für uns aufgebauten Kuchenbuffet und bummelten durch einen Souvenirshop. Dann gings zurück zum Schiff. Unterm Strich war das heute etwas zuviel Busfahren, nur durch zu kurze Stopps unterbrochen. Morgen in Honfleur wollten wir wieder ohne Ausflugsbuchung losgehen und freuten uns schon darauf.
      Um 18:00 konnten wir noch die Abfahrt vom Oberdeck aus beobachten, wieder das gleiche Tamtam mit den zwei Booten, nur anders herum. Ein Eis hatten wir natürlich auch wieder dabei. :icecream:



      Merkwürdigerweise schon wieder hungrig begaben wir uns zum Abendessen und ließen danach den Tag in der Observation Lounge auf Deck 7 (von uns nur “Zehn Vorne“ genannt :pilot: , der eine oder andere wird wissen was ich meine) mit einem Bier ausklingen.
    • Am Dienstag, den 10.05. war unsere Vorfreude groß, denn heute stand Honfleur auf dem Programm :dance3: . Auch hier hatte ich vor 30 Jahren mit meinem alten Freund ein paar Tage verbracht, so daß ich besonders neugierig war, was sich in dem kleinen Ort, den ich damals so ins Herz schloß, verändert hatte. Um 07:30 Uhr sollten wir bereits anlegen mit Zeit bis in den Nachmittag.



      Frühstücksbuffet gabs ebenfalls um 07:30 Uhr, wir gehörten heute zu den ersten. Den Ausflug “Spaziergang durch Honfleur“ hatten wir nicht gebucht. Ein Bustransfer war nicht nötig, in knapp 20 Minuten Fußmarsch durch ein kleines Industriegebiet erreichte man die Ortsmitte, also sind wir auf eigene Faust los :good3: . Das Informationsmaterial zu den einzelnen Anlegeorten war seitens der Ausflugsleitung vom Schiff mitunter etwas spärlich, teilweise mit dem Hinweis auf eine Touristeninformation, die sich dann jeweils gleich nach der Einreisekontrolle befinden sollte. In Honfleur klappte aber alles vorbildlich, denn in der Kontrollstelle saß eine sympathische Dame, die einen Faltplan für jeden hatte und alles wunderbar erklärte – vielsprachig und mit Händen und Füssen, wenn man kein Französisch konnte. Alle anders lautenden Gerüchte über die nur ungern Englisch oder Deutsch sprechenden Franzosen konnten hier zumindest deutlich widerlegt werden. :imsohappy:



      Nachdem wir das Caroussel de Honfleur passiert hatten, sind wir erstmal zum “Bassin de vieux port“ weiter, wo so früh noch nichts los war, ein ungewohnter Anblick, weil hier spätestens ab mittag normalerweise alle Tische besetzt sind. Dort haben wir uns erstmal in Ruhe umgesehen und Fotos gemacht. Meine Begeisterung für dieses Städtchen war bereits jetzt auf meine GöGa übergesprungen :girl_witch: , so daß ich die Kamera eine ganze Weile los war.



      Wir sind von dort kreuz und quer durch die Stadt gelaufen und haben dabei auch den “Jardin de Tripot“ entdeckt, eine schöne, kleine Parkanlage, die erst 2015 als Ruhepol angelegt worden war, also auch für mich neu. :thumbsup:



      Von dort gings zur Eglise St. Leonard und dem dazugehörigen Garten und letztlich immer wieder zum Bassin, wo jetzt schon die ersten Gäste am Mittagstisch saßen und Meeresfrüchteplatten verdrückten. Wir suchten uns einen kleinen Tisch und bestellten jeder einen Cidre, schön eiskalt (und ich noch einen Calvados dazu, herrlich). Ein alleinreisender Passagier, der sich derweil von dem Spaziergang abgesetzt hatte, sah mein Gedeck und leistete uns sogleich Gesellschaft, auch er mit Cidre und Calva. Man könnte hier glatt die Zeit vergessen. :beer: :imsohappy:



      Es war im übrigen die gleiche Bar, in der sich vor 30 Jahren folgende Anekdote zutrug: Es war damals etwas kälter als heute und mein Kumpel und ich, wir trugen beide schwere, schwarze, zweireihige Seemannslederjacken mit hochgeschlagenem Kragen und saßen rotzcool mit Sonnenbrille :cool: draußen vor der Bar, um ein Bier zu trinken. Alles was in der Karte stand, sagte uns nichts und das Kronenbourg-Bier wollten wir nicht, also hatten wir ahnungslos auf gut glück jeder ein “Tango Panaché“ bestellt, was ja gut klang, sich aber dann als pinkfarbene Limonade herausstellte. Zack, stieg die Röte ins Gesicht, aber wir haben herzlich gelacht, der Kellner auch. :friends:

      Zum Schluß wurde noch die Eglise St. Catherine, eine schöne alte Holzkirche, besichtigt und wir machten uns zu Fuß auf den Weg zum Schiff, wo wir gerade noch das Mittagessen erreichten und danach den Eiswagen :pleasantry_1: .



      An Oberdeck haben wir dann die Abfahrt beobachtet und dabei einen guten Blick auf den Hafen von Le Havre werfen können. Eine merkwürdige Industrie-Struktur an der Küste entpuppte sich als Fabrik für Windkraftanlagen. Mitten im Industrie-Hafen lagen auch zwei große Bettenburgen-Kreuzfahrtschiffe. Deren Paxe mußten halt erst mit dem Bus nach Honfleur karriolt werden. Da lob ich mir die kleinen Schiffe, die überall hinkommen. :good3:



      Spätnachmittags wurde in der Observation Lounge noch ein “Gin + Tonic Tasting“ angeboten. Da waren wir natürlich dabei. Barchef Ilija stellte uns fünf verschiedene Ginse und Tonics vor und hatte allerhand dazu zu erzählen. Da ich das ja – wie schon mitgeteilt – eh gerne trinke, konnte ich noch wieder was dazulernen, was zu hause beizeiten auch angewendet werden wird. Das Abendessen erreichten wir folglich ein wenig beschwingter als bisher. Bei französischer Musik, gespielt von unserem Bordpianisten Oliver Wenath (richtig gut: J.M. Jarre`s “Oxygen“) endete ein wunderschöner Tag. Morgen sollte die Reise ihren Höhepunkt erfahren. Wir freuten uns auf London…. . :dance:
    • @Topolino1954
      Das mit den Tassen wußte ich gar nicht. Wir fanden die Gläser sowas von passend, schön kalt und beschlagen. Wir versuchen gerade, zu hause einen vernünftigen Cidre zu bekommen, bislang erfolglos. Das Zeug aus dem Supermarkt war nix und unser Weinhändler hat zwar bestellt, bekommt aber keine Lieferung.
    • @Ursus, ja, haben es auch erst in der Bretagne kennengelernt....war etwas verblüfft als wir dort das 1.Mal essen waren Moules Frites und dazu Cidre. Kommt der Kellner und stellt uns Tassen hin, ich dachte o.k.hast mit deinem vor 50 Jahren erlernten französisch irgend was falsches bestellt. Als er dann die Flasche brachte hab ich mich mal vorsichtig umgeschaut und wahrhaftig, alle bretonischen Gäste haben schön ihren Cidre aus Tassen getrunken. Musste dann natürlich ein handgetöpfertes Cidre-Service mitnehmen, aber mit dem Cidre den man hier bekommt noch nie benutzt. Haben schon weiss nicht wie viele probiert, keiner hat uns geschmeckt, aber vielleicht war es ja auch wieder das Urlaubsphänomen, im Urlaub schmeckt alles anders.....:-)