Könnte ich bitte noch etwas meer Eis haben? - Arctic Ocean Expedition mit der HONDIUS

    • Svalbard
    • 2022
    • Könnte ich bitte noch etwas meer Eis haben? - Arctic Ocean Expedition mit der HONDIUS

      Reisezeit: 15. bis 27.Mai 2022

      Die Vorgeschichte zu dieser Reise habe ich ja schon im Live-Bericht geschildert. Daher spare ich mir dies hier.

      15.Mai 2022 – München – Amsterdam – Aberdeen

      Kurz nach 6:00 Uhr stehe ich auf und nach einem guten Frühstück die üblichen Massnahmen vor längeren Reisen. Blumen mit ausreichend Wasser versorgen, unnötige Verbraucher vom Stromnetz nehmen und überall die Hauptabsperrventile von Warm- und Kaltwasser zudrehen.

      Um 8:15 Uhr mache ich mich mit Koffer auf den kurzen Weg zum Bahnhof. Da es nicht weit ist, stehe ich schon um 8:35 Uhr auf dem Bahnsteig, aber ich habe gerne ein wenig Zeitpuffer, man weiß ja nie. Die S-Bahn zum Münchner Flughafen fährt um 8:57 Uhr ein und die Fahrt bis unters Terminal dauert nur rund eine halbe Stunde.

      Schnell habe ich den Checkin-Schalter der KLM im Terminal 1 gefunden und gebe meinen Koffer ab. Die Dame am Schalter meint dann mein Koffer sei aber 22,3 kg schwer, da müsse ich Zusatzgewicht zahlen. Etwas verwirrt frage ich wieso :hmm: , das Aufgabegepäck dürfe doch 23 kg haben. Nein, es seinen nur 21 kg erlaubt, was ich noch nie gehört habe. Ich verweise auf meine Online-Bording-Card, auf der definitiv 23 kg steht :grumble: . Ach ja, gut dass dies dort stünde, dann wäre es in Ordnung, sonst wären nur 21 kg erlaubt. :pillepalle:
      Was immer die Dame gefrühstückt hat, es war wohl nicht gut, von 21 kg habe ich noch nie gehört. Früher waren es mal 20 kg, aber schon seit Jahren ist es bei fast allen Gesellschaften 23 kg.
      Ich habe lang später gegoogelt, aber nirgendwo einen Hinweis auf eine 21 kg Gepäckgrenze gefunden. :nono:
      Sicherheitshalber frage ich auch noch einmal nach, ob mein Koffer bis Aberdeen/Schottland durchgecheckt wird. Die Dame tippt danach noch heftig etwas in ihren Computer und zeigt mir dann die Banderole mit ABZ als Endziel. Vielleicht hatte ja vorher Aberdeen/USA eingetippt, aber das ist zugegebenerweise eine „böswillige“ Unterstellung. :whistle3:

      Danach geht es durch die sehr strengen Sicherheitskontrollen. Beim Körperscanner muss ich sogar noch mein Stofftaschentuch aus der Hose nehmen. Anschließend muss ich die Innenseite des FFP2-Maske zeigen, ich könnte ja darin eine zerlegte Kalaschnikow haben. Es folgen die üblichen Sprengstoffwischtest in meinem Fotorucksack, das Entfernen der Objektivdeckel, damit jemand durchschauen kann und ein schnelles Bild mit der Kamera, damit man sehen kann, dass es sich wirklich um eine solche handelt.

      Wie auch immer, kurz nach 10 Uhr sitze ich am Gate. Noch ist es ruhig, aber sehr schnell füllt sich das Gate. Darunter auch einige Ehepaare mit Kleinkindern. Mal sehen, wie die sich im Flug verhalten. Oft kommen die Kinder ja mit dem Druck in der Kabine beim Steigen und Sinken nicht klar und weinen dann heftig.

      Das Boarding startet etwa um 11:30 Uhr, wie mittlerweile fast überall üblich gruppenweise (hier zonenweise). Da ich für beide Flüge einen Sitz relativ weit hinten gewählt habe, schließlich habe ich ausreichend Zeit und muss mir das Gedränge beim Ausstieg vorne nicht antun, bin ich in Zone 4 und komme als einer der letzten in den Flieger.

      Wir lösen uns um 11:55 Uhr vom Gate und insgesamt ist der Flug, obwohl fast ausgebucht, sehr angenehm. Die Sitze haben ausreichend Abstand zu den Vordersitzen und unterwegs gibt es sogar eine Art Butterstulle, die richtig gut schmeckt. Die Windelpupser in meiner Nähe scheinen alle flugerprobt zu sein, jedenfalls hört man weder Weinen noch Schreien, nur ab und zu ein herzhaftes Lachen von den kleinen Pampersrockern.

      Um 13:15 Uhr docken wir am Gate in Shiphol an. Jetzt heißt es von D6 zu D87 zu gelangen, also einmal komplett durch den ganzen Gate D Bereich.



      Rund 30 Minuten habe ich dafür, inklusive Toilettengang und Passkontrolle vor dem Gate, gebraucht. Direkt am Gate D 87 befindet sich auch ein kleiner Imbiss. Hier möchte ich mir zu einem kleinen, warmen Sandwich auch noch ein Bier gönnen, aber die haben nur Heineken. Na ja, in der Not …... :pardon:
      Ich wähle mich in das Flughafen-Wifi ein und möchte einen Beitrag im Live-Bericht absenden, aber ständig bekomme ich die Meldung, ich sei nicht eingeloggt, was ein wenig irreführend ist. In Wirklichkeit war über das Flughafennetz keine Verbindung mehr. Schließlich trenne ich das Netz wieder und sende direkt über mein Mobile-Netz, da funktioniert es problemlos.



      Das Boarding erfolgt pünktlich, aber wir stehen noch lange am Terminal, bevor wir über die Taxiway zur Runway rollen und mit gut 25 Minuten Verspätung starten. Wieder ist der Flieger fast ausgebucht und trotzdem ist es ein ebenso angenehmer und entspannter Flug.



      Um 16:40 Uhr (Ortszeit UK) taucht die schottische Küste unter uns auf. Wir fliegen zuerst an Aberdeen vorbei, der Hafenbereich ist gut erkennbar aus dem Flieger, und dann in einem großen Bogen von Norden her auf Aberdeen zu.



      Um 16:53 Uhr berühren wir den schottischen Boden und rollen anschließend ruhig zum Terminal. Wir haben also von der Verspätung nur wenige Minuten aufholen können auf dem kurzen Flug. Während des Fluges mit der Embraer 195 hatte ich mich ein wenig mit meinem Sitznachbarn unterhalten, einem Amerikaner, der in Aberdeen (vermutlich auf einer Bohrinsel) arbeitet. Unterwegs gab es auch erneut ein leckeres „Butterbrot“.



      Meinen Koffer bekomme ich recht zügig und nach der Passkontrolle finde ich die Bushaltestelle für die Linie 727 direkt vor dem Terminal. Der Bus kostet generell £ 3,70 bis zur Endstation Union Square Bus Station, egal wo man aussteigt. Beim Einstieg kann man dies bequem wireless per Kreditkarte zahlen. Nur Kofferablagefächer fehlen in dem elektrisch betriebenen Doppeldecker.



      Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten bis wir in die Union Square Bus Station einfahren. Von hier aus muss ich nur noch rund 30 Meter zu Fuß um die Ecke gehen und stehe vor dem Jurys Inn Hotel. Ich bekomme schnell mein Zimmer und brauche im Aufzug eine Weile, bis ich begreife, dass ich mit dem Zimmerschlüssel den Aufzug am Sensor aktivieren muss :blush2: . Mein Zimmer ist sehr geräumig und liegt im siebten Stock mit Blick auf den Bahnhof. Ich mache mich ein wenig frisch und dann auf den Weg nach unten zum Hotelrestaurant, bzw. zur Hotelbar.





      Zuvor blicke ich noch aus den verschiedenen Fenstern dieser Etage auf die Stadt und den Hafen. Wie ich auf meinem Zimmer noch im Internet sehen konnte, ist auch die HONDIUS inzwischen von Vlissingen gestartet und auf dem Weg nach Aberdeen.



      Ich lasse kurz meine Kreditkarte registrieren, dann kann ich in der Bar aufs Zimmer Essen und Trinken. Ich wähle ein IPA (Indian Pale Ale) einer amerikanischen Brauerei, die aber in UK braut und ein leckeres Steak. Dazu werden reichlich Saucen auf den Tisch gestellt. Hier wähle ich eine sehr schmackhafte Hot Chilli Sauce, in der auch wirklich Chilli drin ist (habe zu Hause mal eine von Kühne gehabt, nannte sich feurig würzige Chillisauce und hatte genau 0,2 % Chilli drin – da sind die Vollkornsemmel meines Bäckers feuriger).



      Nach dem Essen gönne ich mir noch ein weiteres Bier für die nötige Bettschwere. Auf dem Weg nach oben in mein Zimmer noch einmal einen nächtlichen Blick aus den Hotelfenstern. Kurz nach 23 Uhr bin ich in meinem Zimmer und eine halbe Stunde später im Bett.

      Morgen möchte ich mir die Granitstadt mal etwas genauer anschauen.


      …. es geht bald weiter.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • 16.Mai 2022 – Aberdeen/Schottland


      Erst im Bett gestern Abend wurde ich mir der Geräuschkulisse bewusst. Unter meinem Hotelfenster liegt eine große Dachfläche, darunter die riesige Union Square Einkaufspassage. Auf dem Dach stehen deshalb unzählige große Lüfter, ich konnte direkt unter mir schon 25 zählen, von denen gut zwei Drittel ständig liefen. Die Geräusche der Lüfter waren sechs Etagen höher trotz Doppelverglasung deutlich zu hören. :fie:



      Zum Glück habe ich meine Ohrschutzstöpsel dabei, sonst wäre es eine unruhige Nacht geworden. Das Frühstücksbuffet des Hotels ist wenig Continental, aber ich finde trotzdem ausreichend Nahrung. Es ist draußen grau und nass, daher verwerfe ich meinen Plan bis nach Old-Aberdeen zu laufen. Auf der gut dreieinhalb bis vier Kilometer langen Strecke gibt es freie Passagen, in denen es nicht möglich wäre sich irgendwo unter zu stellen. Auch mit Regenkleidung macht dies dann keinen Spass.



      Zurück auf meinem Zimmer schaue ich bei mt nach und sehe die HONDIUS noch in der Nordsee. Dafür läuft gerade die OCEAN ADVENTURER in Aberdeen ein, vielleicht kann ich die ja fotografieren, obwohl sie weit vorne am Albert Quay anlegt. :search:
      Nachdem ich mir wasserbeständige Kleidung angelegt habe und die Kamera auch mit einem Wasserschutz versehen habe, mache ich mich auf den Weg zu einem Rundgang durch Aberdeen. Zuerst möchte ich allerdings Geld am Automaten abheben, den es im Union Square geben soll.



      Ich finde die Automaten auch recht schnell und versuche mit meiner Maestro-Karte dort Geld abzuheben. Doch der Automat verweigert dies, mit der Meldung, die Autorisation durch meine Bank sei abgewiesen worden :nono: . Das wundert mich doch sehr, da ich bisher überall in der Welt ohne Probleme mit der Karte Geld abheben konnte. Ich suche bei google nach dem nächsten Geldautomaten, der sich in der King Street befindet.
      Also schlage ich diese Richtung ein und muss mich nun zuerst an die Straßenüberquerungen hier gewöhnen. Da hier alle auf der falschen Seite fahren sind meine von Kindesbeinen erlernten Regeln für den Straßenverkehr (erst links, dann rechts, dann nochmal links, …. usw.) hier eher wenig hilfreich. In der Market Street muss ich ein wenig die Straße hinauf, erst hier gibt es einen Fußgängerübergang bei der Shiprow, in die ich einen Blick werfe. Mein Weg führt dann aber wieder hinunter zum Trinity Quay mit Blick auf die Fähre zu den Orkneys und Shetlands.
      Durch die Shore Brae gelange ich dann wieder zur Shiprow, genau am Aberdeen Maritime Museum, vor dem eine Gedenkskulptur für die Fischindustrie steht.



      Weiter durch die Shiprow geht es über die Exchequer Row direkt zum Castle Gate, einem zentralen Platz von Aberdeen, der an die Union Street anschließt. Linkerhand in der UnionStreet steht das viktorianische Rathaus der Stadt, an dessen Ostflanke sich der Tolboothturm befindet, ehemals Stadtgefängnis, heute ein Museum. Mitten auf dem Castle Gate steht der Mercat Cross. Die Reliefs rund um diesen Art Pavillon zeigen sämtliche Stuart-Monarchen, während das Einhorn auf der Säule die mittelalterlichen Marktrechte symbolisiert.
      In einem ehemaligen Bankgebäude an der Ecke King Street befindet sich heute ein großes Restaurant, das Archibald Simpson. An der Gordon Highlanders Statue hat man kleine Kränze abgelegt.



      Da ich zu dem anderen Geldautomaten will, spaziere ich nun die King Street hinauf. An der Ecke zur W N Street steht das Aberdeen Arts Centre. Gleich hinter der Einmündung der Summerfield Terrace finde ich auch den Geldautomaten, aber auch hier bekomme ich die gleiche Fehlermeldung. Daraufhin rufe ich beim Kundensupport der Commerzbank an.
      Der Mitarbeiter erklärt mir, dass es keine Einschränkungen für meine Maestro Karte gibt und wenn diese nicht funktioniere, müsse sie defekt sein :pillepalle: . Das kann ich kaum glauben, da ich sie ja vor zwei Tagen noch benutzt habe. Er rät mir, zu einer Bank zu gehen und dort mit Karte und Personalausweis Geld abzuheben. In google maps sehe ich eine Filliale der Royal Bank of Scotland und mache mich auf den Weg dorthin.



      Ich biege in die W N Street ab und versuche durch kleine Nebengassen zur Union Street zu kommen, lande aber in einer Sackgasse auf einem Hinterhof. Vor der Rückseite des Marischal College kann ich dann die Queen Street entlang, vorbei an der Greyfriars Church, zur Broad Street gelangen.



      Hier steht am Marischal Square das große Hauptgebäude des Marischal College, 1593 gegründet als protestantisches Gegengewicht zum katholischen Kings College in Old-Aberdeen. Über dem Hauptportal prangern diversen Wappen, während vor dem Gebäude die Staue von Robert the Bruce steht. Robert I. war von 1306 bis 1329 König von Schottland und während der Schottischen Unabhängigkeitskriege der Anführer der aufständischen Schotten.



      Über die Broad Street gelange ich am Westtower des Rathauses endlich auf die Union Street. Zuvor sehe ich noch die Staue von Denis Law, einem, in Aberdeen geborenen, international erfolgreichen schottischen Fussballspieler, der von den 50er Jahren bis in die 70er Jahre für viele europäische Spitzenclubs gespielt hat.
      Noch bevor ich die Royal Bank of Scotland erreiche, finde ich einen weiteren Geldautomaten an der Halifax Bank. Ich versuche es erneut und bekomme problemlos mein Geld. Entweder war irgendwas mit den vorherigen Geldautomaten, oder es gab doch irgendwo eine Sperre bei meiner Karte, die der Commerzbank Mitarbeiter bei oder nach meinem Anruf beseitigt hat :whistle3: .
      Ich biege in die St. Nicholas Street ein und sehe seitlich die Kirk of St. Nicholas Uniting. Dahinter befindet sich die St. Nicholas Einkaufspassage, die ich nun betrete.



      Ich kaufe mir einige benötigte Kleinigkeiten und verlasse die Passage an der Schoolhill, die ich nun entlang bis ich die Aberdeen Art Gallery erreiche. Auf dem Platz davor steht die Statue des Generals Charles George Gordon vor dem Eingang zu dem gleichnamigen College. Der Gerneral Gordon wurde in dem britischen Monumentalfilm Khartoum von 1966 von Charlton Heston gespielt.



      Gegenüber der Cowdray Hall geht es auf den Rosemount Viaduct, der über die Denburn Road und den Union Terrace Gardens führt. Auf der anderen Seite stehen die imposanten Gebäude des His Majestry's Theatre und der Aberdeen St. Mark's Church of Scotland. Rund um den großen Park Union Terrace steht ein hoher Bauzaun, da hier kräftig gearbeitet wird. Ich muss daher die Albert the Prince Consort Statue durch den Zaun fotografieren.



      Dies gilt ebenso für die William Wallace Statue und die Robert Burns Statue. Gegenüber ist der Kontrast zwischen dem modernen Dandara Construction und dem kleinen Gebäude rechts daneben, sowie dem alten Kirchturm mitten zwischen dem modernen Gebäude auffällig.
      An der Ecke Union Terrace / Union Street steht die Statue Edward VII (siehe Live-Bericht) gegenüber dem markanten Gebäude, in dem sich heute das Chaophraya, ein thailändisches Restaurant, befindet.



      Ich gehe ein wenig die Union Strett herunter bis zur Ecke Crown Street. Hier befindet sich die Music Hall und etwas weiter in der Union Street sehe ich ganz hinten den spitzen Turm der Gilcomston Church. Von der Crown Street wechsle ich in die Crown Terrace. Hier befinden sich die Crown Terrace Baptist Church und um die Ecke die Aberdeen Methodist Church.
      Gleich gegenüber führen steile Treppen zur Guild Street hinunter.



      Von den Treppen aus kann ich mein Hotel gut sehen. Ich gehe aber wieder zurück zur Union Street und von der Union Bridge kann ich unten ein Haus mit einem interessanten Mosaik sehen. Nach der Brücke zweigt links die Belmont Street ab, in der das Slains Castle sofort auffällt.



      Vorbei am Park St.Nicholas Cemetery wähle ich nun den Weg zurück in mein Hotel, die inzwischen doch recht nassen Sachen ausziehen und etwas trocknen lassen. Später frage ich an der Rezeption nach einem Restaurant oder Pub, um etwas zu essen. Es werden mir die Lokale in der Einkaufspassage empfohlen, aber dies ist nicht das was ich suche.
      An der Ecke zur Shiphol, wo ich am Morgen schon einmal war, finde ich in Molly's Bistro genau das richtige für meinen kleinen Hunger und große Durst. Danach eine kleine Verdauungsrunde zum Hafen und zurück ins Hotel.



      Am späteren Nachmittag möchte ich schon mal testen, wie weit es vom Hotel zum Kai ist, an dem morgen die HONDIUS anlegen soll. Zuerst gehe ich durch den Union Square einmal komplett durch und über den großen Parkplatz gelange ich hinunter zum Hafen. Auf der anderen Straßenseite führt dann ein extra Fußweg durch die Commercial Quay und die Regent Road zum Blaikie's Quay. Hier befindet sich auch das Fährterminal der Orkney-/Shetlandfähre und direkt dahinter der Kai für die Kreuzfahrtschiffe.



      Den Weg kenne ich nun schon und gehe wieder zurück bis zur Market Street. Um das Hafenbecken herum gehe ich nun die Virginastreet entlang. Hier führen eine steile Treppe und ein sanft ansteigender Fußweg hinauf auf die Castle Terrace und den Castlehill. Zuvor fiel mir jetzt schon wiederholt auf, dass Aberdeen allgemein recht sauber ist, nur auf Hundekot auf den Gehwegen muss man hier sehr aufpassen.



      Vom Castlehill aus hat man einen guten Blick über große Teile des Hafens und der Stadt. So blickt man hier auch von hinten auf die alte Zitadelle am Castle Gate. Sie wurde nach dem Vorbild des Balmoral Castle gebaut.



      Genau dahin wende ich mich nun, zurück vom Castlehill an der Ecke Castle Terrace rechts abbiegend. Über den markanten Platz mache ich noch einen kurzen Abstecher zum Marischal Square und wieder zurück über den Castle Gate zum Hotel.

      Den Abend lasse ich wieder in der Hotelbar ausklingen.


      …. es geht bald weiter.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Jobo wrote:

      Das Frühstücksbuffet des Hotels ist wenig Continental,
      So sind die Geschmäcker verschieden! Ich war im UK immer nicht sehr glücklich, wenn es nur continental gab, denn wie @Arctica liebe ich meinen black pudding und haggis ;)

      Das mit den Geldautomaten war schon früher so, die in den Shopping Centres innen und außen an der Wand haben öfter mit europäischen Karten nicht funktioniert. Das lag wohl weniger an deiner Karte als an den Restriktionen der Betreiber, die nur bestimmte inländische Karten akzeptieren.
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • Ja, ein sicheres Zeichen war schon, dass es keine Sprachauswahl gab, die es sonst immer zuerst an den Automaten im Ausland gibt.

      Im Hotel gab es auch kein Black Pudding oder Haggis, nur Würstchen, Speck, Rührei, Porree und sonstiges undefinierbares ...... 8|
      Gruß Jobo,

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    • Ganz so schlimm war es nicht, es sah schon alles frisch aus, nur Wurst, Käse und gekochte Eier musste ich etwas suchen. Ich bin halt kein Freund von Würstchen, Porree und sonstigen Sausages zum Frühstück. :thumbdown:
      Gruß Jobo,

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    • 17.Mai 2022 – Aberdeen – HONDIUS


      Als ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster schaue, sehe ich …. Nichts :search: . Es herrscht dichter Nebel über Aberdeen, aber zumindest regnet es nicht auch noch. Mein Zimmer steht mir noch bis 12 Uhr zur Verfügung. Schon beim Einchecken hatte ich nach der Möglichkeit gefragt, mein Gepäck bis zum Boarding der HONDIUS im Hotel unterstellen zu dürfen. War kein Problem.



      Bei mt kann ich sehen, dass die HONDIUS vor dem Hafen von Aberdeen kreist. In der Nacht hatte die OCEAN ADVENTURER an den Blaikie's Quay verlegt. Davor liegt auch noch die Fähre, also kein Platz für die HONDIUS. Sie wird wohl erst einfahren, wenn eines der beiden Schiffes den Hafen verlässt.
      Gegen 9 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Hafen. Ich komme aber von der Seite des Trinity und Regent Quays nirgendwo in eine gute Position, ein gutes Bild der OCEAN ADVENTURER zu machen.



      Ich habe mir für heute Morgen den Besuch des maritimen Museums vorgenommen. Da das Museum aber erst um 10 Uhr öffnet, will ich wieder über die Castle Terrace zum Castle Gate. Von unten kann ich auch den Aussichtsplatz von gestern sehen, rechts unterhalb des riesigen Wohnsilos :pleasantry_1: .
      Auf einer Bank auf dem Castle Gate lasse ich mich ein wenig nieder. Hinter mir ragt die alte Mercat Zitadelle in den Himmel, in der auf der rechten Seite „The Salvation Army“, also die Heilsarmee unter gebracht ist.



      Kurz vor 10 Uhr mache ich mich dann auf den Weg zur Shiprow. Hier befindet sich das Aberdeen Maritime Museum im drittältesten Gebäude des Zentrums, dem Provost Ross House von 1593. Das Museum hat gerade geöffnet, als ich dort eintreffe. Der Eintritt in das Museum ist frei. :dance3:



      Das Museum-Gebäude ist nicht sehr groß, aber immerhin erstreckt sich die Sammlung über vier Etagen. Außer mir sind zu der frühen Stunde nur etwa fünf oder sechs weitere Besucher hier. Dadurch kann man alles sehr gut und in Ruhe betrachten. Auf jeder Etage läuft aber auch immer mindestens ein Museumsmitarbeiter herum, der die Besucher beobachtet und jederzeit für Fragen zur Verfügung steht.



      Neben Modellen alter kanonenbestückter Fregatten und Linienschiffe, sind hier auch Modelle von Teeklippern, Dampf- und Motorschiffen zu sehen. Dazu Ausrüstungsgegenstände, Brückenaufbauten und vielen Informationstafeln und Bilder aus der alten Zeit. Diverse Teile alter Schiffe, wie ein Deckhaus und einen Kartenraum, hat man auch hier ausgestellt.



      Ich arbeite mich so von Etage zu Etage nach oben. Dort angekommen hat man einen guten Ausblick auf den Hafen gegenüber. Noch immer liegt die Orkney-/Shetlandfähre am Kai und davor, leider nicht sichtbar, die OCEAN ADVENTURER. Die HONDIUS kreist immer noch vor Aberdeen, obwohl sie nach einer vorher erfragten Auskunft von Oceanwide-Expedition zwischen 7 und 8 Uhr am Morgen hier anlegen sollte. :hmm:




      Im Treppenhaus des Museums hat man ein großes Modell einer Bohrinsel über alle Etagen aufgestellt. Finde ich sehr gelungen und informativ. :good3:
      Eine Etage tiefer gibt es einen kleinen Bereich, in dem ein 3-D-Film zu sehen ist. Dazu hängen dort 3-D-Brillen für die Besucher. Hier wird gezeigt, wie die Arbeiter einer Bohrplattform mit einem Helikopter zu eben dieser gebracht werden.



      Ich arbeite mich nun wieder in die unteren Etagen durch. Auch hier finde ich wieder viele interessante Modelle und maritime Exponate. Auf einer Etage ist ein Original-Tauchroboter, sowie ein originaler Tieftauchanzug ausgestellt.
      Gegen 11 Uhr verlasse ich das kleine Museum wieder und gehe zurück zum Hotel.



      Ich packe nun meinen Koffer und gebe ihn und meinen Fotorucksack beim Auschecken an der Rezeption des Hotels ab. Anschließend gehe ich zum Mittagessen wieder in die Stadt. Bei meinem Rundgang hatte ich gestern an der Ecke Union Street, Broad Street das Steakhouse Miller & Carter gesehen.
      Genau dort kehre ich nun ein und gönne mir ein leckeres Steak mit Süßkartoffel-Pommes und Pfeffersauce. Dazu gibt es lokales Kaltgetränk (ich dehne den lokalen Bereich einfach mal bis Edinburgh aus), welches mir sehr zusagt. :beer:
      Da ich danach noch reichlich Zeit zur Verfügung habe und inzwischen sogar der blaue Himmel sichtbar ist, spaziere ich noch einmal zum Castle Gate und über die Castle Terrace am Hafen entlang zum Hotel.



      Um 15:15 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Kai. Die HONDIUS dümpelt immer noch vor Aberdeen herum. Am Kai liegt noch die OCEAN ADVENTURER, die mir irgendwie bekannt vor kommt. Richtig, ich hatte das Schiff 2015 in Ponta Delgada gesehen, damals noch als SEA ADVENTURER.

      Hier am Kai warten schon einige Mitreisende. Überwiegend handelt es sich um Mitglieder einer Reisegruppe der Heatherlea, eines Reiseveranstalters der Reisen zur Vogel- und Naturbeobachtung anbietet.
      Ich schreibe eine Mail an Herrn Grahl von Leguan und bekomme die Information, dass die HONDIUS wohl wegen Nebel nicht in den Hafen kann und wir wahrscheinlich mit den Zodiacs abgeholt werden :ok: . Mit dem ganzen Gepäck (?), da bin ich mal gespannt.

      Es treffen nun immer mehr Reisende hier ein, darunter auch zwei Reiseleiter von Heatherlea. Sie haben allerdings auch nur die Info, dass zwei Busse uns hier abholen und zu einem anderen Kai fahren sollen.

      Wenig später kommen dann auch die Busse und wir teilen uns darauf auf. Doch wir sitzen noch sehr lange in den Busse und warten, bevor dann endlich die Information kommt, wir werden zum Strand gefahren und danach zum Hafen.



      Die Fahrt führt durch die Stadt, unser Bus hält hier noch einmal, da einer der Reisenden seinen Vorrat an Duftwässerchen für seine nervige E-Zigarette (die er schon die ganze Zeit im Bus gedampft hatte) auffüllen muss. :dash:
      Danach fahren auch wir zur Küste zu den Footdee Public Toilets, die sofort von allen im Eiltempo besucht werden. Wir sind wohl auf den letzten Drücker hier eingetroffen, nachdem der letzte von uns die Anstalt verlässt, wird diese sofort geschlossen. :mosking:
      Wir erfahren nun, dass wir tatsächlich anschließend von Zodiacs abgeholt werden und können diese bei der Einfahrt in den Hafen auch kurz danach beobachten. Wie viele andere auch, nutze ich die noch verbleibende Zeit bis zur Abfahrt, um mir meine wasserdichte Überziehhose aus dem Koffer zu nehmen und anzuziehen.



      So fahren wir dann zum Duthies Quay, wo die Zodiacs schon auf uns warten. Der andere Bus war aber vor uns da und so müssen wir noch eine Weile im Bus verharren. Schließlich kommt einer der Heatherlea Reiseleiter und fragt nach noch acht Personen, die mit der ersten Welle zur HONDIUS gebracht werden sollen. Bevor die anderen Reisenden auch nur darüber nachgedacht haben, bin ich schon auf dem Weg zu dem letzten Zodiac. :locomotive:
      Das große Gepäck wird später separat zum Schiff gebracht. Schnell die Rettungsweste an und nix wie rauf aufs Zodiac.



      Als dann auch der letzte auf der Gummiwulst sitzt, geht es los. Pro Zodiac sind zehn, maximal 12 Passagiere an Bord. Unser Bootsführer ist George, ein Australier, der auch der stellvertretende Expeditionsleiter ist. Schon auf der meist ruhigen Fahrt unterhält er uns ganz nett und fragt zuerst nach den Nationalitäten. Bis auf eine junge Kanadierin und mir, sind nur Briten der Heatherlea-Group auf dem Zodiac.



      Zwischendurch gibt George auch mal etwas Gas, was einigen, die wohl zum ersten Mal in einem Zodiac unterwegs sind, doch einen etwas besorgten Blick hervorlockt. :/ :laugh1: Schließlich taucht die HONDIUS vor uns auf, der Anblick des Schiffes ist mir gleich sehr angenehm. Gerade wollen wir auch zu den Einstiegsluken fahren, als ein anderes Zodiac, mit Szymon einem Polen als Bootsführer, ein Problem hat. Seine Passagiere hat Szymon schon ausgeladen, aber der Motor seines Zodiacs will nicht mehr anspringen.
      Wir fahren hinüber und Szymon wirft uns ein Seil herüber. Nun ziehen wir sein Zodiac an, bis sein Außenborder wieder anspringt. Dann fährt uns George zum Schiff und wir steigen vom Zodiac ins Schiff.



      Die Begrüßung an Bord ist kurz, aber sehr herzlich :heart: . Wir bekommen unsere Kabinen-Keys und die Information, dass das Gepäck später an Bord kommt. Das Restaurant, heute Abend in Buffetform, sei aber für uns schon geöffnet und man wünscht uns einen guten Appetit.
      Ich suche schnell meine Kabine auf, die 401, und bin sofort begeistert. Enorm viel Stauraum hier, angenehme Farben, und ausreichend groß. Unter die Betten passen jeweils mindestens zwei große Koffer und in den Schränken ist viel Platz. Steckdosen an jeder Seite und ich finde sogar eine Dreifachverlängerung. Nur der Schreibtisch ist etwas klein, zumal ein Teil des Platzes noch durch einen großen Luftionisierer belegt wird :pardon: . Den hätte man besser auf der anderen Seite, auf dem kleinen Schränkchen am Ende des Bettes unetrgebracht.
      Auch das Bad wirkt sehr angenehm. Die Dusche ist durch eine Glaswand und Glastür abgetrennt und neben und unter dem Waschbecken ist erneut viel Stauraum.



      Ich gehe anschließend zum Restaurant und esse eine Kleinigkeit, da ich eigentlich noch satt bin, von meinem Mittagessen. Jetzt aber endlich raus und die Außendecks anschauen. Ich habe ja noch etwas Zeit bis zu den ersten Sicherheitseinweisungen.
      Auf der HONDIUS gibt es keine Aufzüge und somit auch keine Versuchung, der Bequemlichkeit zu unterliegen :whistle3: . Die Außendecks und Treppen sind etwas verwinkelt und erinnern mich stark an die VESTERÅLEN.
      Ja, ich habe dieses Schiff auf Anhieb in mein Herz geschlossen. Klar gilt meine ganz große Liebe nach wie vor den Segelschiffen und danach kommen die alten Dampf- und Motorschiffe wie die STETTIN, LOFOTEN, NORDSTJERNEN, usw., aber von den moderneren Schiffen liegt die HONDIUS sofort ganz weit vorne.



      Auf den Bug des Schiffes kann man jederzeit, außer natürlich bei An- und Ablegemanövern oder bei Ankermanövern. Wie ich später erfahre, ist auch die Brücke häufig zugänglich. Der russische Kapitän Artur Yakovlev lässt dies die meiste Zeit zu.
      Auf den Achterdecks befinden sich jeweils große hölzerne Sitzgelegenheiten. Alle sind überdacht und somit auch weitestgehend bei Regen nutzbar. Auch die Seitendecks sind überdacht, nur der Bug und das Oberdeck (Deck 8) bieten keinen Schutz von oben.



      Auf dem Oberdeck gibt es aber den wärmsten Platz auf den Außendecks :imsohappy: . Direkt seitlich am Schornstein befinden sich große, vergitterte Auslässe. Hier strömt oft die warme Abluft des Maschinenraumes heraus. Ein sehr angenehmer, warmer Luftstrom, wenn man direkt davor steht. Natürlich stehen hier auch die ganzen SAT-Antennen des Schiffes und der vordere Bereich ist dauerhaft nicht zugänglich.



      Ich bin gerade zur rechten Zeit an Deck 5 achtern, als unser Gepäck in großen weißen Lastensäcken mit den Zodiacs zum Schiff gebracht wird. Dort wird es aufgereiht und jeder kann sich sein Gepäck heraus suchen und zur Kabine bringen. Der Einfachheit halber nehme ich nun den Weg durch den Lektorenraum, der bei dieser Fahrt aber exklusiv den Heatherlea's zur Verfügung steht.
      Nachdem ich meinen Koffer schnell ausgeräumt habe, lasse ich den leeren Koffer unter dem Bett verschwinden.
      Ich gehe zur kurzen ersten Sicherheitseinweisung in die Lounge, hole mir einen Wifi-Voucher an der Rezeption und drehe danach noch eine Runde über die Decks.



      Gegen 23 Uhr bin ich zurück in meiner Kabine. Hier fand ich gleich am Anfang eine Trinkflasche und ein Notizbuch als „Personal Ship Log of ...“, zum Eintragen der persönlichen Erlebnisse. :thank_you:
      Wenig später liege ich in meiner Koje und freue mich, endlich wieder auf See zu sein und vom Schiff und den Wellen sanft in den Schlaf geschaukelt zu werden.


      …. es geht bald weiter.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • Jobo wrote:

      ... nur Wurst, Käse und gekochte Eier musste ich etwas suchen.

      dann war das aber ein umfangreiches continental breakfast! Ich kenne continental in UK nur als toast und jam und mit Glück noch Cornflakes. Dann doch lieber Full English, die ominösen Würstchen kann man ja weglassen ;)
      schöne Grüße Tini :ilhr:

    • Wenn ich alles was mir ominös vorkommt am englischen Frühstück weglasse, habe ich einen leeren Teller .... :D
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Bei meinen Touren durch Schottland wurde seitens der Gastgeber im Bed and Breakfast auf full scotish breakfast :essen: Wert gelegt. Also z.B. keine Würstchen, sondern black pudding. Englisches Frühstück in Schottland :pillepalle:
      Grüße
      Uwe

      I need vitamin sea!
    • 18.Mai 2022 – Fair Isle

      Die erste Nacht auf dem Schiff war sehr angenehm, ich liebe es in den Schlaf geschaukelt zu werden :good3: . Ich werde so gegen 6:30 Uhr wach und zuerst geht es in die Dusche. Die ist recht geräumig, so dass man auch bei ein wenig Seegang nicht sofort überall aneckt. Frühstück gibt es von 8 bis 9 Uhr, was mir die Möglichkeit eröffnet, vorher ein wenig Frischluft auf Deck zu schnuppern, kommt doch einfach mit auf einen Rundgang.

      Zuerst an Backbord:


      Dann weiter auf den offenen Bug:


      Über die Steuerbordseite:


      Bis zum Heck:


      Genug Frischluft, jetzt erst mal Frühstücken. Das Frühstück wird generell in Buffet-Form durchgeführt. Gleich beim Eingang zum Restaurant steht die Buffet-Theke, die auf beiden Seiten die gleichen Speisen anbietet. Dadurch werden allzu lange Schlangen am Buffet vermieden. Ich suche mir einen Tisch gleich um die Ecke an Steuerbord. Diesen Tisch habe ich, bis auf ein Mal, immer für mich. Das Buffet ist ausreichend sortiert, ich habe während der Reise eigentlich nie etwas vermisst und bin immer gut satt geworden.
      Da ich bis zur offiziellen Sicherheitsübung noch Zeit habe, mache ich mich nach dem Frühstück auf den Weg zur Brücke, die heute geöffnet ist :locomotive: . Habt ihr Lust mich zu begleiten?







      Nach der Besichtigung verbringe noch ein wenig Zeit auf den Außendecks. Das Wetter zeigt sich am Morgen von seiner schönen Seiten. Während die HONDIUS ruhig durch die See stampft, lasse ich mich noch ein wenig auf Deck 5 achtern nieder.



      Blickt man nach vorn, kann man im Dunst schon Fair Isle erkennen. Davor sehe ich etwas Weißes, das uns entgegen kommt. Es handelt sich um die SEA SPIRIT. Das kleine, nur 90,6 m lange Schiff bietet für maximal 114 Passagiere arktische Reisen im Luxussegment an (ausschließlich Suiten).
      Die SEA SPIRIT ist eines von acht in Italien von 1989 bis 1992 gebauten Schiffen der Renaissance Klasse, für die bis 2001 existierende US-amerikanische Kreuzfahrtreederei Renaissance Cruises. Das kleine Schiff wurde 1991 als RENAISSANCE FOUR gebaut und ging als HANSEATIC RENAISSANCE auf Reisen. Danach gab es viele Namenswechsel, zuerst 1992 wieder zum Baunamen, 1997 zu SUN VIVA, 2000 zu MEGASTAR SAGITTARIUS, 2001 zu SPIRIT OF OCEANUS und ab 2010 dann zu SEA SPIRIT.



      Ich begebe mich nun in die Lounge. Hier erfolgt nun die offizielle Vorstellung des Expeditionsteams. Expeditionsleiter ist Eduardo Rubio aus Guatemala, seine Stellvertreter sind George Kennedy aus Australien und Sara Jenner aus UK. Zum Team gehören dann noch als Schiffsarzt der Niederländer Arne Mosch, ebenfalls aus den Niederlanden Meike Sjoer, Miriam Vermeij und Koen Jongerling, dem aber die Niederlande zu flach waren und der inzwischen in Chile lebt. Aus den UK stammen Hazel Pittwood, Andrew Crowder und Beth Hitchcock (Schottland). Dann sind da noch Juan Berenstein aus Argentinien, Szymon Niezabitowski aus Polen und Claudio Ghiglione aus Italien. Eine multinationale Truppe, die meisten sogar noch recht jung. :ok:
      Nach der Teamvorstellung gibt es die Einweisung zu den Zodiacs, Ein-, Ausstieg, Verhalten, usw..

      Im Anschluss müssen wir unsere Rettungswesten aus der Kabine holen und uns im Restaurant treffen, von wo wir zu unserem jeweils zuständigen Rettungsboot geführt werden. Als letzter Pflichtpunkt für heute dürfen wir auf Deck 3 unsere Muck-Boots empfangen, hohe, warme Gummistiefel für die Nass-Anlandungen.



      Nachdem alle Pflichttermine abgehakt sind, bin ich, inzwischen mit Kamera bewaffnet, wieder auf Deck. Fair Isle ist nun auch schon genauer zu erkennen und die ersten Eissturmvögel und Basstölpel umkreisen uns. Gerade die Eissturmvögel sind aber schwer mit der Kamera zu erwischen. Zum einen sind sie sehr schnell und zum anderen fliegen sie meist dicht über dem Wasser, was ein Fokussieren sehr schwierig macht.



      Wir nähern uns Fair Isle immer mehr und man kann schon Einzelheiten auf der Insel deutlich ausmachen. Allerdings ist die See doch sehr bewegt, je näher wir der Insel kommen, das wir ein feuchter Ritt mit den Zodiacs bei der Anlandung. Es ist inzwischen kurz vor 12 Uhr, höchste Zeit Kamera und warme Jacke in die Kabine zu bringen und zum Lunch-Buffet zu gehen.



      Beim Lunch wird auch nach dem Wunsch fürs Dinner gefragt. Man kann zwischen drei Gerichten wählen, Fleisch, Fisch und vegetarisch. Die Frage dient aber nur der Übersicht für die Küche, wie viele der einzelnen Gerichte ungefähr benötigt werden.
      Nach dem Essen bin ich schnell wieder auf Deck. Fair Isle liegt nah voraus. Ich lerne Viola und Dimitris kennen, ein deutsches Paar :hut: . Bin also nicht der einzige Deutsche an Bord. Ab 14 Uhr sollen die Anlandungen beginnen. Die erste Gruppe sollen die Passagiere von Deck 3 bilden, daher machen die beiden sich nun auf den Weg zu ihrer Kabine, um sich für die Anlandung fertig zu machen. Ich wäre dann bei der zweiten Gruppe, die von den Passagieren der Decks 4, 6 und 7 gebildet wird.



      Die beiden sind kaum weg, da kommt die Durchsage, dass eine Anlandung auf Fair Isle aufgrund der Wetterbedingungen, Wind und für die Zodiacs zu hohe Wellen, nicht stattfinden kann. Besonders für die Passagiere, die seit Vlissingen an Bord sind, ist dies sehr ärgerlich, da ja auch der Landgang in Aberdeen wegen Nebels ausgefallen war. Wir werden stattdessen Fair Isle mehrfach umkreisen.



      Ich gebe zu, dass es mich jetzt nicht so sehr geärgert hat. Fair Isle war ein Punkt der Reise, mit dem ich mich auch erst sehr spät beschäftigt habe. Meine Hauptgründe für die Reise waren die Schiffstour selbst mit den Seetagen, das Packeis und hoffentlich Eisbären. An zweiter Stelle dann Jan Mayen und Svalbard. Erst kurz vor der Reise habe ich mich dann auch über Fair Isle informiert. Ursprünglich wäre auch die Jungfernfahrt der JANSSONIUS ein Hauptpunkt für mich gewesen, aber daraus wurde ja leider nichts.



      Die kleine, zu Schottland gehörende, Shetland-Insel ist gerade mal acht Quadratkilometer groß. Nur 55 Menschen leben hier (Stand November 2020). Hauptexportartikel der Insel sind die Strickwaren aus Schafwolle, Fair Isle Knitware, die recht teuer sind, aufgrund der geringen Stückzahlen. Diese sollen sogar vom britischen Königshaus getragen werden. Ansonsten ist Fair Isle für die vielen Vögel bekannt, die hier brüten und als Zwischenstation für viele Zugvögel.





      Auffällig ist das riesige Nebelhorn hoch oben auf einem Felsen. Das Vorhandensein eines solchen Signalinstrumentes lässt Rückschlüsse auf das hier meist vorherrschende Wetter zu.
      Es erfolgt nun die Durchsage, dass wir noch sehr nahe an einer weiteren kleinen Shetland-Insel vorbei fahren, eine kleine Entschädigung für die gecancelte Anlandung auf Fair Isle. Also genieße ich weiter die ruhige Fahrt durch die Nordsee, immer in Richtung Norden.







      Wir können Foula, die Insel an der wir vorbeifahren wollen, schon gut voraus erkennen, als plötzlich die Fahrt verlangsamt und die HONDIUS leicht nach Backbord abdreht. Es dauert nur wenige Minuten, dann nimmt sie wieder Fahrt auf und zielt wieder auf Foula.



      Kurze Zeit später gibt es die Erklärung zu dem Manöver. Es gab ein kleines technisches Problem im Maschinenraum, zu dessen Beseitigung allerdings die Maschine einmal neu gestartet werden musste. Alles in allem kein Grund zu irgendeiner Besorgnis, also weiter die Sicht auf Foula genießen.



      Auch bei Foula werden wir wieder von Vögeln umkreist. Im Wasser sind einige Dickschnabellummen erkennbar. Auch Basstölpel fliegen an uns vorbei, einige mit Nistmaterial in Form von Algen im Schnabel.



      Rund eineinhalb Stunden dauert unsere langsame Vorbeifahrt an der abgelegenen Insel, die auch nur etwa 40 Bewohner hat. Dann nehmen wir wieder Kurs Richtung Nord, nächstes Ziel ist Jan Mayen. Die Shetland-Inseln bleiben im Dunst hinter uns zurück, bis sie gar nicht mehr zu sehen sind.



      Ich kann also in aller Ruhe zu dem anberaumten Captains-Cocktail gehen. Hier werden zuerst reichlich kleine Snacks gereicht und dann weitere Crewmitglieder vorgestellt, so der Hotel-Manager William Barnes und die Rezeptionistin Karolina Guziejko. Danach geht es nahtlos zum Dinner.
      Mein Tisch ist leider jetzt schon besetzt, daher setze ich mich an einen Tisch in der Mitte. Ein sehr nettes älteres britisches Paar setzt sich zu mir. Während er eher zu der wortkargen Sorte gehört, habe ich mit ihr eine nette Unterhaltung. Zudem lacht sie sehr gerne und strahlt damit viel Sympathie aus. Obwohl die Snacks schon sättigend waren, lasse ich mir die Vorspeise, Haggis, Neepes and Tatties, sowie das Hauptgericht Deer Loin nicht entgehen.



      Da sind dann allerdings noch einige Runden über die Decks angesagt, um zumindest einen Teil der Kalorien wieder abzubauen. Das funktioniert auch recht gut, da es natürlich mit reichlich Treppensteigen verbunden ist. Gerade fahren wir recht nahe an einigen Bohrinseln vorbei, so habe ich beim Rundgang sogar noch etwas zu sehen. Zudem bietet der schöne Sonnenuntergang auch die passende Kulisse dazu. Ich stelle jetzt meine Uhr wieder eine Stunde vor, da wir in der Nacht die britische Zeitzone verlassen und für uns wieder die MESZ gilt.
      Bin schon gespannt, was uns Jan Mayen morgen bietet.


      …. es geht bald weiter.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

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    • Klar, dass die sehr enttäuscht waren, aber sie haben es mit Fassung getragen. Überhaupt gab es auf der Tour eigentlich nie ein böses Wort. Wenn mal was nicht gemacht werden konnte, hat man es halt so hingenommen. ;)
      Gruß Jobo,

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    • 19.Mai 2022 – Seetag

      Nach einer weiteren erholsamen Nacht in meiner bequemen Koje zwinge ich mich erst kurz nach 7 Uhr aus selbiger. Für einen morgendlichen kurzen Rundgang an Deck vor dem Frühstück reicht die Zeit dennoch aus. Die frische Luft steigert den Appetit und das Frühstück schmeckt gleich nochmal so gut. Schon gleich beim zweiten Frühstück werde ich von den Servicekräften im Restaurant, die an Bord als Stewart und Stewardessen bezeichnet werden, mit dem Vornamen angesprochen. Das verstärkt das ohnehin sehr angenehme, familiäre Klima an Bord noch einmal. :good3:

      Heute ist der erste von zwei Seetagen auf dem Weg nach Jan Mayen. Ich habe also Zeit genug, meinen Internet-Voucher zu testen. Die ersten 100 MB sind frei, erst danach müsste man weitere MB kaufen. Gestern hatte ich ja noch Verbindung über mein Mobiltelefon zu Sendemasten auf Fair Isle, doch jetzt auf See hilft nur noch der Satellitenempfang über das Bord-Wifi.

      Ab und zu bekomme ich auch Verbindung, die aber immer wieder abbricht. Lange Texte posten oder mailen ist da nicht drin und Bilder senden schon gleich gar nicht. Nachdem ich gut eineinhalb Stunden an den verschiedensten Plätzen im Schiff getestet habe, gebe ich auf. :fie:



      Da gehe ich lieber raus auf Deck. Wenn auch das Wetter heute nicht ganz so schön ist. Es ist stark bewölkt, aber zumindest trocken. Die uns ständig begleitenden Eissturmvögel ziehen ihre Kreise ums Schiff. Ihre Flugeigenschaften sind genial. Oft ziehen sie mit gleicher Geschwindigkeit dicht über dem Wasser neben dem Schiff her, dann ein, zwei Flügelschläge und sie zischen nach vorne weg.

      Bis zum Lunch schlendere ich von Deck zu Deck, mal über steuerbord nach vorn, dann wieder über backbord nach hinten und dort die Decks hoch. Dabei unterhalte ich mich mit noch weiteren Deutschen an Bord. Nach dem Lunch drehe ich erneut einige Deckrunden und verschwinde dann in meine Kabine. Das angenehme Stampfen der HONDIUS beschert mir ein gut zweistündiges Nachmittags-Nickerchen.



      Anschließend wieder an Deck kann ich diesen kleinen gefiederten Segler beobachten. Ich habe leider noch nicht herausgefunden, um welche Art es sich hier handelt. Dummerweise habe ich vergessen einen der vielen Vogelexperten an Bord danach zu befragen. :blush2:



      Ansonsten sind es wieder die üblichen Verdächtigen, die uns in der Luft begleiten. Ab und zu mal ein Basstölpel, aber meist sind es die Eissturmvögel, die uns mit ihrer Flugkunst faszinieren. Im Laufe des Tages gibt es auch immer wieder Vorträge in der Lounge. Da diese jedoch alle in englisch sind, spare ich mir die meisten. Jeden Abend kurz vor dem Dinner gibt es dann für alle den Tagesrückblick und die Aussicht auf den morgigen Tag. Ein Ritual, das sich jeden Tag genauso abspielt, wie die Zusammenkunft der Heatherlea's täglich um 21 Uhr. Hier wird die Ausbeute der Vogelbeobachtungen des Tages besprochen, zu der auch die anderen Passagiere eingeladen sind. :hut:

      Beim Dinner sitze ich wieder an „meinem“ Tisch. Zum Abendessen kann man natürlich diverse Weine und auch Biere bestellen. Das Bier der Spitzbergen Bryggerie, welches auf der Karte steht, gibt es leider nicht, dafür drei belgische Sorten, Stella Artois, Jupiler und Leffe. Letzteres habe ich meist getrunken. Ach ja, Heineken gab es auch, wurde aber meist nur von den Niederländern getrunken.

      Juan vom Expeditionsteam hat sich dann zu mir an den Tisch gesetzt und wir haben uns nett unterhalten. Das machen die Expeditions-Teammitglieder eigentlich immer, dass sie sich zu den Passagieren an den Tisch setzen. Das wurde auch allgemein von den Gästen gern gesehen und angenommen.



      Nach dem Dinner bin ich schnell wieder auf den Außendecks, zumal es jetzt kaum noch dunkel wird, wir sind seit gestern hier in der Zeit der Mitternachtssonne. Zwei Basstölpel ziehen elegant am Schiff vorbei, während ich erneut das leichte Stampfen der HONDIUS genieße.

      Auf Deck 7 achtern:



      Deck 4 steuerbord:


      Am Bug:


      Dann auch mal auf dem Oberdeck (Deck 8).







      Backbord Deck 5:


      Und noch einmal am Bug:


      So lasse ich gemütlich den Tag ausklingen. Morgen steht ein weiterer Seetag an, aber am Morgen zuerst die Überquerung des Polarkreises.



      Dann sind wir definitiv in der Arktis angekommen. Mit dem Gedanken geht es für mich um 23:30 Uhr in die Kabine und um Mitternacht liege ich in der Koje.


      …. es geht bald weiter.
      Gruß Jobo,

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    • 20.Mai 2022 – Seetag


      Wie schon gestern angekündigt, ertönt unser Schiffshorn laut und deutlich um 5:59 Uhr. Ein sicheres Zeichen dafür, dass wir gerade den Polarkreis überquert haben. Na ja, die Arktis läuft mir nicht weg, also in Ruhe aufstehen und erst mal wach duschen. :dance3:
      Ein Blick aus meinem Fenster zeigt dichten Nebel, mit dem uns die Arktis empfängt.



      Noch reichlich Zeit bis zum Frühstück, also ab aufs Außendeck. Es ist jetzt schon deutlich kälter, als die letzten Tage und scheinbar hat es auch geregnet in der Nacht. Jedenfalls sind die offenen Deckstellen nass. Eine sanfte Dünung schiebt das Schiff noch zusätzlich vorwärts.





      Durch das frühe Aufstehen dauert es doch einige Zeit, bis das Restaurant zum Frühstück öffnet. Als Begrüßung in der Arktis hat man sich da am Eingang etwas einfallen lassen. :ok:



      Kaum sitze ich danach beim Frühstück, setzt sich Koen vom Expeditionsteam zu mir. Es entsteht eine nette Unterhaltung während des Frühstücks und auch in den Folgetagen haben ich mich oft mit ihm unterhalten. Ein wirklich sympathischer Typ, der immer offen auf die Passagiere zugeht und jederzeit für Fragen zur Verfügung steht, wie eigentlich alle aus dem Team. :good3:

      So stand ich zum Beispiel gestern an der Reling, als sich Hazel vom Team dazu stellte und wir uns unterhalten haben.

      Wie alle anderen Passagiere auch, finde ich mich nach dem Frühstück in der Lounge ein. Hier gibt es jetzt die Verhaltens- und Sicherheitseinweisung für Svalbard, eine Veranstaltung mit Pflichtteilnahme. Immerhin wird hier auf die Gefahr durch Eisbären hingewiesen und uns die Folgeleistung der Anweisungen durch das Expeditionsteam eindrücklich klar gemacht.

      Danach schlendere ich noch eine Weile über die Decks und versorge mich dann bei Karolina an der Rezeption mit ausreichend Postkarten. Briefmarken gibt es aber an Bord keine, da muss ich auf Longyearbyen hoffen. :pardon:

      Bei Postkarten halte ich es gerne ein wenig Old-School. Aus jedem Urlaub beglücke ich Verwandte, Freunde und Bekannte mit Urlaubsgrüßen per Karte, ob sie es wollen oder nicht. Einzige Ausnahme bisher war die Tour im Januar in der Antarktis .
      Da war für den letzten Tag ja ursprünglich ein kostenpflichtiger Ausflug in Ushuaia vorgesehen, an dem ich nicht teilnehmen wollte. Stattdessen hatte ich einen Rundgang durch Ushuaia geplant, wollte mir dann irgendwo Postkarten kaufen, diese in einem Café schreiben und bei der Post aufgeben.
      Aus den geschilderten Gründen wurde daraus ja leider nichts. Das erste Mal, dass ich keine Karten verschickt habe. Der Virus hat es verhindert. :diablo:

      Apropos Virus, während der gesamten Reise wurde nirgendwo ein Impfnachweis oder Testnachweis verlangt. Auch gab es ab Amsterdam nirgendwo mehr eine Maskenpflicht. Dies galt für Hotels, Restaurants, Geschäfte, auf dem Schiff, in den Flughäfen ebenso, wie in den Flugzeugen. Lediglich beim Start in Deutschland war im Flieger bis Amsterdam Maskenpflicht und als ich zurück kam dann wieder in der S-Bahn.
      Es war eigentlich ein Urlaub wie vor der Pandemie. Lediglich auffällig war, dass die vielen im Schiff verfügbaren Desinfektionsspender auch von fast allen Passagieren häufig genutzt wurden. Ich habe auch während der ganzen Tour weder von irgendwelchen Infizierten gehört, noch Passagiere oder Crewmitglieder mit irgendwelchen Symptomen bemerkt. :nono:



      Während des Lunch, bei dem ich zwei weitere Deutsche an Bord kennenlerne, lichtet sich der Nebel draußen etwas und ich hoffe schon auf bessere Sicht, aber als ich danach wieder aufs Deck komme, sind wir schon in der nächsten Nebelwand gefangen.
      Jetzt ist auch kaum noch jemand draußen und es gibt nichts zu sehen und es nieselt inzwischen auch ein wenig, idealer Zeitpunkt für einen nachmittäglichen Schönheitsschlaf, zumal auch ein weiterer Versuch über das Bord-Wifi ins Internet zu kommen kläglich scheitert.

      Gut zwei Stunden verbringe ich so in anderen Sphären, bevor ich wieder in die Realität zurückkehre. Am Wetter hat sich nicht wirklich etwas verändert, nur der Regen ist weg. Ich drehe wieder meine Runde an Deck und treffe auf dem Bug auf Holger, einen weiteren Deutschen, der eine gesharte Kabine bis Longyearbyen hat. Erst danach hat er die Kabine für sich alleine, da er die Folgetour auch noch macht.



      Somit bin ich inklusive meiner Person bei zehn Deutschen die an Bord sind, am Ende der Reise werde ich hier bei 15 sein. Ich wandere weiter über die Decks des kleinen Schiffes.
      Die HONDIUS ist 107,6 m lang und 17.6 m breit, bei einem Tiefgang 5,36 m. Das Schiff wurde in Kroatien bei Brodosplit gebaut, Baunummer 484. Die Kiellegung war am 11.Dezember 2017, die Übergabe an die Reederei am 22.May 2019.
      Das Schiff wird von zwei Schiffsdieselmotoren, Typ ABC (Anglo Belgian Corporation), mit zusammen 4.200 kW angetrieben und erreicht damit eine Reisegeschwindigkeit von 15 Knoten. Das Schiff mit einer BRZ von 6.603 und NRZ von 2.057 verdrängt 5.590 Tonnen und hat eine Tragfähigkeit von 1.154 tdw. Auf 94,275 m Länge zwischen den Loten verfügt die HONDIUS über 80 Kabinen für maximal 174 Passagiere. Diese wurden bei unserer Fahrt von 68 Besatzungsmitgliedern (Crew, Hotelcrew und Expeditionsteam) betreut.

      Eigner des Schiffes ist die Hondius Scheepsreizen BV mit Sitz in Vlissingen. Namensgeber für das Schiff ist der Kartograph Jodocus Hondius. Das Schiff war weltweit das erste Schiff mit der höchsten Eisklasse für Kreuzfahrtschiffe, der Polarklasse 6, identisch mit der in Skandinavien gebräuchlichen Eisklasse 1A Super, die eine Fahrt in geschlossenem Eis bis 1 m Dicke zulässt (gleiche Eisklasse wie die ROALD AMUNDSEN, die aber erst am 25.Juni 2019 offiziell übergeben wurde). Zertifiziert ist das Schiff im Lloyd's Register.

      Um 18:30 Uhr gehe ich zum täglichen Briefing vor dem Dinner. Heute gibt es Entenkeule zum Dinner, dazu gönne ich mir einen chilenischen Rotwein, den ich schon kenne, Casillero del Diablo. Hier gibt es den Merlot dieser Marke, ich hatte zu Hause schon den Cabernet Sauvignon, beide sind sehr leckere und gut verträgliche Weine.



      Die abendliche Verdauungsrunde an Deck fällt diesmal etwas kürzer aus, es ist kalt und nass draußen, was nicht wirklich zum Verweilen einlädt. Ich nehme mir den dicken Spitzbergen Reiseführer, den ich vorab von Leguan Reisen bekommen hatte, und setze mich in die Lounge um ein wenig darin zu lesen.

      Ich versuche noch einmal auch das Bord-Wifi, aber außer einer kurzen Mail, die ich senden kann, bricht es wieder ständig ab. So beschließe ich den Tag und suche meine Kabine auf.
      Vielleicht bekomme ich ja morgen, bei Jan Mayen wieder Kontakt über mein Mobilphone.


      …. es geht bald weiter.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)