... und dann wurde es ein Städtetrip ... (Venedig 09.10.-14.10.)

    • 2021
    • Süd
    • ... und dann wurde es ein Städtetrip ... (Venedig 09.10.-14.10.)

      Prolog:

      Wir schreiben August 2021. Ich sitze gemütlich in meinem andalusischen Heim und da überfällt mich das zwingende Bedürfnis zu reisen, Corona hat uns ja die ganze Zeit ausgebremst. Mag manch jemand seltsam vorkommen, da ich ja schon in Andalusien sitze, aber eben, da bin ich ja (auch) zu Hause, das ist nicht "verreisen". Ausserdem habe ich mal wieder Lust auf Schiff. Als ich mich also so durch Netz klicke finde ich ein nettes, kleines, altes Schiff, die OCEAN MAJESTY. Losgehen soll es schon im Oktober in Venedig, die angelaufenen Häfen sind in Italien, Griechenland (Kanal von Korinth!), Ägypten und Israel. Durchaus spannend. Sondierung in der Familie - Mann und Sohn haben Interesse, aber Mann keine Zeit und Sohn bekommt vom Arbeitgeber nicht frei. Aber: der Einzelzuschlag hält sich in Grenzen! Und freie Plätz, also fröhlich gebucht. Der Veranstalter verlangt auch keine Anzahlung, so muss im Fall einer Absage auch nichts zurückgezahlt werden. Denn: das Schiffchen dümpelt noch in der Werft in Griechenland. Einen Tag nach der Buchung macht Israel das Land komplett zu...

      Also erst mal zuwarten. Mit der Zeit will ich auf Nummer sicher gehen und buche mir schon mal die Flüge nach Venedig und zurück, mit zwei Tage Zeit in Venedig vor der Abfahrt, da ich die Stadt noch nicht kenne. Und auch ein Hotel wird gebucht, kostenlos stornierbar natürlich.

      Als geübter Schiffebeobachter behält man das Boot natürlich im Auge, es bleibt weiter in Griechenland und die vorhergehenden Reise werden offensichtlich storniert. Der Veranstalter meint, sie wollen die Fahrt durchführen, aber vier Wochen vorher geben sie Bescheid, da wäre ja dann auch die Zahlung fällig. Pünktlich kommt - die Absage, was ja zu vermuten war. Also Plan B. Mal einen Blick auf den Hurtigkalender, warum mal nicht eine Herbstreise, bei den schönen Bilder vom Herbst hier im Forum? Und siehe da, genau zu dem Termin würde mein Wunschschiff - die VESTERÅLEN - fahren. Oder doch Plan C - Städtereise nach Venedig. Ein Blick auf die Lufthansabuchung sagt mir - hätte ich wenige Tage vorher gebucht, hätte ich auch die Destination umbuchen können, so kann ich nur den Termin ändern. Also Städtereise! Umbuchung vom Flug klappte bestens, das gebuchte Hotel hat die Tage nichts mehr frei, so dass ich ein anderes buche, sollte eine gute Entscheidung sein, wie sich herausstellen soll.
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !

    • Bin mal gespannt, ob du in den gleichen Ecken warst, wie ich 2014. Werde die Bilder dann mal vergleichen, was und ob sich was geändert hat. :thumbup:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Samstag, 9 Oktober 2021


      Reisen in Coronazeiten ist nach ganz so einfach wie früher, zig mal überprüft man was man braucht - Impfnachweise, OK auf dem Handy - checked.. Nach Italien muss man online das EU dPLF (Europäisches digitales Passagier-Lokalisierungs-Formular) ausfüllen - checked. Sicherheitshalber lasse ich mich von Göga aber zeitig zum Flughafen fahren, man weiss in heutiger Zeit ja nie, lieber gemütlich einen Kaffee trinken statt dann Panik. Die mich allerdings fast überfällt, als ich in Frankfurt ins Terminal komme! Womit ich nicht gerechnet habe, dass ja Beginn der hessischen Schulferien sind und dass die Menschheit einen grossen Drang nach nix-wie-weg hat. Jedenfalls habe ich Lufthansa-Terminal noch nie so voll Menschen gesehen! Also erst mal sortiert. Bei genauem hinsehen merkt man, dass alles nicht so schlimm ist. Einige Leute stehen mit Fragezeichen im Gesicht vor den Check-In Automaten - betrifft mich schon mal nicht, bin ja online eingecheckt. Also zum Kofferautomat., Bordkarte gescannt, Kofferlabel an den Koffer gepinnt, zum Gepäckband, nach wenigen Minuten anstehen wird schon ein Automat frei, Koffer drauf, Bordkarte gescannt (ca. 3x bis der Automat merkt, dass er arbeiten soll), und weg ist mein Koffer und der freundliche Automat spukt den Beleg für das Gepäckstück aus, den es allerdings auch noch mal per Email gibt. Das Ganze geht ratzfatz, spart viel Zeit, ich verstehe aber, das mancher ob der Automaten etwas überfordert ist.

      Ich gehe gleich zur Security. Tatsächlich gibt es eine längere Schlange, man steht etwas an, aber es geht doch recht zügig vorwärts. Die Leute sind alle friedlich und ruhig, und auch das Securitypersonal freundlich - hatte ich in Frankfurt auch schon anders. Alles in allem - Check-in und Security - hat keine 40 Minute gedauert. Beim Weggehen von der Security steht so ein Kästchen, wo man Smilies anklicken kann, ob man zufrieden ist und ich klicke den grünen. Da kommt hinter mir ein freundliches Danke schön - ein Securityangestellter geht wohl gerade in Pause und freut sich. Er erzählt, dass sie vor kurzer Zeit die Halle dicht machen mussten, weil ein Maskenverweigerer den Aufstand probte. Er hoffe, dass trotzdem alle ihre Flüge erreicht haben.

      Ich habe nun Zeit, gemütlich in eine Kohldampfvernichtungsanlage zu gehen und mir ein Kartoffelsüppchen zu gönnen. Die kommt auch recht zügig - nur fürs Getränk brauchen sie fast so lang wie die ganze Prozedur des Eincheckens gedauert hat. Ich bin dankbar, dass das Gate von 68 auf 17 verlegt wurde - spart einige gefühlte Kilometer gedackel.

      Der Flug ist voll bis zur Halskrause und verläuft ruhig.




      Pünktlich landen wir in Venedig-Tessera / Marco Polo. Mein Koffer ist einer der ersten. Schon vom Kofferband aus sehe ich Automaten, um Tickets zu für die verschiedenen Verkehrsmittel zu ziehen. Ich habe mir einen 7-Tage-Pass für die Busse-/Wasserbusse besorgt, mit Zusatz Flughafenbus. Umgehend bekam ich nach der Buchung eine PIN, den ich nun in den Automaten eingebe - und schon habe ich mein Ticket! Also raus aus dem Terminal und Ausschau nach dem entsprechenden Bus gehalten - allzuviel ist hier nicht los und die Lage übersichtlich. Und schon sitze ich im Bus und los geht's Richtung Stadt. Da es kein schneller Flughafenzubringer ist, gibt es eine kleine Stadtrundfahrt durch Tessera.

      Ankunft in Venedig auf der grossen Piazzale Roma, wo Endstation für die Busse ist. Ich greife mir meine beiden Köfferchen und marschiere die 400m zum Hotel Carlton on The Grand Canal, direkt gegenüber vom Bahnhof. Mein Zimmer ist klitzeklein, aber gemütlich, das Bad mit kleinem Balkönchen fast so gross wie das Zimmer. Aber welcher Depp macht in eine klitzekleine Dusche eine riesige Regenbrause :pinch: Natürlich gibt es noch eine Extrabrause, um die zu nutzen, muss man einen Nippel an der Batterie ziehen und hoffen, dass der nicht plötzlich reinspringt und man dann im wahrsten Sinne des Wortes im Regen steht. Ich fresse einen Besen mitsammt Putzfrau, das hat sich kein langhaariges Wesen ausgedacht, das nicht jedes mal Haare waschen möchte.




      Dafür ist die Aussicht um so grossartiger, die Einfahrt zum Canal. Das moderne, lange Gebäude ist der Bahnhof, das kleine Häuschen links die Wasserbus / Vaporettohaltestelle. An den Lärm der Heckstrahlruder anlegender Boote musste ich mich erst gewöhnen und die ersten zwei Tage war ich schon früh morgens wach.



      Ich richte mich gemütlich ein, halte eine kleine Siesta und gehe schon mal zu einem ersten Spaziergang los, mehr oder weniger dem Canale Grande entlang bis zur Rialtobrücke. Hier einige Eindrücke








      Komischer Name für ein Boot...



      Diese Uhren sieht man häufig an Häusern









      Die Rialtobrücke




      An der Rialtobrücke nehme ich zum ersten mal den Vaporetto und fahre zurück zum Bahnhof. Ich beschliesse, mir heute ein Abendessen im eleganten Restaurant des Hotel zu gönnen. Als Vorspeise gibt es Spaghetti mit Lobster, zweiter Gang Lammkoteletts mit Grillgemüse und als Nachtisch Mokka-Halbgefrorenes. Ich muss sagen - für die Eleganz und den Namen des Restaurants und vor allem dem Preis war noch Luft nach oben, die Spaghetti waren selbst für eine deutsche Zunge einiges über dem al-dente-Punkt und dem Grillgemüse fehlte irgendwie der letzte Pfiff, irgendein Kräutchen hätte sich da gut gemacht. Dazu kam, dass ich trotz den drei Gängen eigentlich noch leichten Hunger hatte und dankbar die Chips in der Bar zu mir nahm, die es zum Brandy gab.

      Das Wetter war übrigens super, blauer Himmel und 18 Grad, gegen Abend kam jedoch ein leichter Wind auf und es sollte der letzte Tag sein, wo ich mit einem kurzärmligen Shirt durch die Stadt spazierte.
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    • Arctica wrote:

      Aber welcher Depp macht in eine klitzekleine Dusche eine riesige Regenbrause

      Immerhin hatte es eine Duschkabine! Ich hatte in Firenze in grauer Vorzeit mal ein Hotel, wo die Dusche (ohne Vorhang oder Kabine) jedesmal das gesamte Mini-Bad inklusive Waschbecken und Toilette überschwemmt hat ;) Scheint früher in Italien nicht unüblich gewesen zu sein....
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • Albatross wrote:

      die Dusche (ohne Vorhang oder Kabine) jedesmal das gesamte Mini-Bad inklusive Waschbecken und Toilette überschwemmt hat

      Das ist oft das Problem, von älteren Häusern, wo man Bäder eingebaut hat. In Kopenhagen hatte ich ein schmales langes Bad - erst das Waschbecken, dann die Dusche mit Vorhängen, dann die Toilette, sprich zur Toilette musste man durch die Dusche - nett, wenn vorher gerade geduscht worden war.
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    • Sonntag, 10. Oktober 2021


      Ich habe lausig geschlafen, gehe daher früh zum Frühstück. Es gibt ein Frühstücksbuffet, allerdings wird einem coronamässig vorgelegt. Es ist alles da, was man braucht - mehr aber nicht, da ist für die Güte dieses Hauses noch schwer Luft nach oben, etwas das auch bei Bewertungen von anderen Gästen bemängelt wird. Warum gibt es jeden Tag den gleich langweiligen Kochschinken und nicht mal einen Rohschinken? Ebenso eine langweilige und jeden Tag gleiche Sorte Käse. Ich bin jetzt nicht jemand, der nur am Rummeckern ist und satt wird mal allemal, aber immerhin sind wir in einem 4*-Hotel mit internationalen Gästen. Oder bin ich nur von den Bergenbuffets verwöhnt... :whistling:

      Wie auch immer, schon bald gehe ich los. Die Routenplanung meines Reiseführer habe ich griffbereit auf dem Handy. Und befolge sie bis zur zweiten Querstrasse, da sollte ich rechts abbiegen, geradeaus gefiel es mir aber viel besser :whistling: Und überhaupt - kein Mensch kann mir vorschreiben, wo ich lang zu latschen habe, ich bin ein freier Schweizer und kann dahin wo ich will... Basta! Nie wieder schaute ich auf die Routen - kann sein dass ich so das eine oder anderer Gotteshaus verpasse und von dem einen oder anderen Palast den Namen des herzoglichen Insassen nicht mitbekomme, dafür finde ich die eine nette Gasse und das andere nette Fotomotiv.

      So spaziere ich durch das Stadtviertel Cannaragio im nordwestlichen Teil von Venedig. Der Cannaregiokanal ist einer der grösseren Kanäle von Venedig, er mündet in den Canale Grande und dürfte früher der Haupteinfahrtskanal in die Stadt gewesen sein. Cannaregio ist das dichtbesiedelste Viertel der Stadt. Ich spaziere immer am Kanal entlang, bis zur Lagune




      Canale Cannargio





      Hier zweigt der kleine Rio de la Crea ab



      Blick auf die Einfahrtsstrasse nach Venedig, wo auch der Zug fährt



      Parallel zum Canale Cannaregio verlaufen drei Kanäle, der Rio della Misericordia, Rio de la Sensa und der Rio de Sant'Alvise. Ich pendle nun zwischen den dreien hin und her, mit der allgemeinen Richtung zurück zum Canale Grande. Pendeln muss man, denn oft kann man nicht am Kanal entlang laufen und muss die Seite wechseln. Hier in den Gassen herrscht herrliche Ruhe, Touristen sieht man kaum.







      Die Kirche Sant'Alvise





      Manchmal fühlt man sich beobachtet...



      Die Kirche Madonna dell'Orto



      Die Kirche der Abtei Misercordia





      Langsam komme ich wieder in den Dunstkreis des Canale Grande, was man an den Touristenströmen erkennt.






      Ich arbeite mich weiter durch die Stadt, bis ich am Markusplatz stehe...


      Fortsetzung folgt...
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