Expedition zum Nordkap - MS OTTO SVERDRUP (HAM-Nordkap-HAM) 21.09.-05.10.2021

    • 2021
    • Nord
    • Expedition zum Nordkap - MS OTTO SVERDRUP (HAM-Nordkap-HAM) 21.09.-05.10.2021

      Einleitung

      Im Prinzip fing alles mit unserer ersten Hurtigruten-Reise vor acht Jahren an. Schon dieser doch recht kurze Aufenthalt in Norwegen, in den Fjorden, eben dieser schönen Gegend, löste sofort den so bekannten Virus-Befall aus. Wir dachten damals, dass man das Virus gut unter Kontrolle halten könnte. Schnell stellten wir aber fest, dass genau das Gegenteil damit erreicht wird. Weitere Reisen auf der Hurtigrute fanden danach alle zwei Jahre statt. Mittlerweile sind sogar unsere Kinder von diesem Virus angesteckt. Auf der letzten Tour waren wir zu viert unterwegs, doch in diesem Jahr sollte es sogar zu fünft losgehen. Und nun will ich es auch mal losgehen lassen …

      Man schrieb das Jahr 2019, es war Dezember und es zuckte bei dem Wort „Corona“ noch niemand zusammen. In jenen Tagen war es, dass uns neben der Ankündigung im Forum, auch ein Prospekt mit einem Angebot von Reisen mit der MS Maud ab Hamburg zum Nordkap erreichte. Wir waren zwar gerade vor zwei Monaten die Hurtigrute gefahren, aber das Angebot, das war als Hamburger doch sehr verlockend. War es doch nicht notwendig einen Flieger nach Bergen zu besteigen. Das erfreute meine Göga, die nichts gegen das Fliegen hat, aber, ich hatte es wohl in einem früheren Bericht schon mal erwähnt, das Opfer einer jeden Sicherheitskontrolle ist. Für mich war eine Reise ab Hamburg zum Nordkap aber auch eine Sache, mit der ich mich schnell anfreunden konnte.

      Nun tauchten aber natürlich einige Fragen auf. Und diese tauchten wesentlich früher auf, als ich es mir hätte vorstellen können. Es war ja keine Frage, dass auch ich gerne noch mal die Hurtigrute hätte fahren wollen, aber dass ich mir so schnell schon wieder Gedanken in diese Richtung machen durfte, das war natürlich prima. Weitere Fragen waren zum Beispiel, wer möchte mitfahren? Unsere Jungs, gerade das erste Mal gefahren, meldeten sich sofort. Selbst die Partnerin des einen zeigte sofort Interesse. Nächste Frage: Wann soll es losgehen und klappt es mit dem Urlaub? Ja, diese Frage musste ich natürlich auch für mich klären. Wir bekamen es aber recht schnell hin und einigten uns auf die Reise vom 21.September bis 5.Oktober 2021. Das war noch weit hin, immerhin achtzehn Monate. Bei den Preisen war aber eine lange Vorfreude als etwas Gutes anzusehen. Wir buchten daraufhin Mitte Januar 2020 die Reise in drei N2-Kabinen.

      Nun muss ich bei aller Vorfreude die ich hatte, sagen, dass die MS Maud (MS Midnatsol) und die MS Trollfjord eigentlich so meine Schiffe waren. Sie waren bestimmt nicht schlecht, aber sie waren zu sehr schwimmendes Hotel und das Umlaufdeck fehlte mir auch. Man kann sich ja aber nicht alles aussuchen und so würde ich auch damit klarkommen. Da war es Monate später für mich eine Freude, als wir eine Mitteilung bekamen, dass sich das Schiff geändert hätte und wir nun mit der MS Finnmarken, bis zur Reise in MS Otto Sverdrup umbenannt, fahren sollten. Die MS Finnmarken war uns auch schon von Besuchen bekannt. Sie sah damals zwar in einigen Ecken auch nicht mehr so frisch aus, aber das Schiff war ja in der Überholung und anschließend sollte es dann nahezu wie neu sein.

      Zwischendurch kamen immer wieder mal Gedanken auf, ob wir von dieser geplanten Reise genauso begeistert sein würden, wie von den bisherigen Fahrten auf der „richtigen“ Hurtigrute. Wird uns das Anlaufen der vielen verschiedenen Häfen, das Beobachten der Be- und Entladearbeiten und manches andere fehlen? Es wurde uns doch etwas bewusster, dass wir mit einem Unterschied zur Reise mit einem Postschiff rechnen müssen. Aber auch hier gibt es eine andere Seite, wir werden nämlich bisher unbekannte Orte kennenlernen.

      Und nun war die Zeit, in der Corona kam. Wie viele haben wir die Seite der Absagen von Zeit zu Zeit aufgerufen und gehofft. Es war eine lange Zeit. Auf der anderen Seite fragte man sich natürlich, wie sieht eine Reise in oder nach Corona aus? Möchte man da wirklich fahren? Teilweise hatten wir Zweifel, ob die Reise ein Genuss werden könnte. Die Zeit verging und als schließlich die Abschlusszahlung fällig wurde, kam das Schiff langsam in Sicht. Es kam aber mit der Rechnung auch eine Überraschung. Wir haben bei der Kontrolle der Rechnung festgestellt, dass wir mit einem Mal auf Deck fünf einquartiert waren. War das ein Upgrade? Dazu später mehr auf der Reise. Nun waren es nur noch wenige Wochen, bis es losgehen soll. Zwischendurch haben wir natürlich die Fahrten den MS Otto Sverdrup per Hurtigforum, MarineTraffic und wenn möglich, per Webcam verfolgt.

      Fortsetzung folgt
      Gruß Volkmar

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    • Tag 1 Anreise

      Endlich war es so weit, der Urlaub und damit unsere Reise zum Nordkap konnte beginnen. Wie ich schon in der Einleitung geschrieben hatte, wohnen wir in Hamburg und haben aus diesem Grund nicht viele Gedanken bezüglich der Anreise zum Schiff verschwenden müssen. Das Hurtigruten hatte in den letzten Wochen mehrfach angerufen und nach einer Zugbuchung gefragt. Die Anreise 2.Klasse mit InterCity war im Angebot enthalten oder auch das kostenlose Parken eines Fahrzeuges. Es hätte aber bei der Nutzung eines dieser beiden Angebote so ausgesehen, dass wir entweder erst einmal etwas von Hamburg wegfahren müssten, um einen IC nutzen zu können oder das genutzte Fahrzeug hätte etwa zwei Kilometer Luftlinie von unserem Haus auf einem Abstellplatz gestanden. Das erschien uns beides nicht besonders sinnvoll. Wir konnten aber mit unserem Reisebüro vereinbaren, dass es die Kosten für ein Großraum-Taxi für uns fünf Personen zum Terminal und zurück übernimmt. Das war doch eine nette Aktion, die wir gerne angenommen haben.



      Zusammen mit den Reisepapieren bekamen wir diverse zusätzliche Information, die im Wesentlichen die Abläufe des Check-In während der Corona-Zeiten betraf. Es gab eine Check-In-Zeit, die möglichst eingehalten werden sollte. Und da gab es papiertechnisch schon das erste Problem. Obwohl zusammen gebucht hatten wir verschiedene Zeiten. Das sah zuerst blöd aus, konnte dann aber vor Ort geregelt werden. Die erste Zeit war sehr früh und es war noch nichts los, so hat man uns als Familie gesamt angenommen. Wie man lesen kann, bin ich schon beim Einchecken, was auch bedeutet, dass es im Gegensatz zur letzten Reise mit dem Taxi an diesem Tag sehr gut funktioniert hat.



      Ich beschreibe hier mal kurz den Ablauf des Eincheck-Vorgangs, in ein paar Jahren wird es vermutlich und hoffentlich keiner mehr wissen.

      Vor dem Terminal Aufstellung mit 1.5 Meter Corona-Abstand. Hatte man den Eingang des Terminals erreicht, dann wurde zuerst als Vorkontrolle Fieber gemessen. Bei uns war alles in Ordnung, so ging es weiter zur Prüfung der Papiere und Impfzertifikate. Hatte man auch diese Stufe geschafft, erhielt man eine Nummer, um sich bei dem entsprechenden Stand noch einmal einem Schnelltest unterziehen zu lassen. Anschließend gab es bis zur Auswertung des Testes eine Wartezeit. Nacheinander wurden Blätter mit den negativen Tests an die Wartenden ausgegeben und wir durften weiter zur Kontrolle der Reisepässe. Hier erhielten wir dann auch unsere Umschläge und die „Eintrittskarte“ zum Schiff. Auf das Schiff kamen wir aber erst nach einer Sicherheitskontrolle. Was mir dabei gerade auffällt, hier kam meine Göga ohne jegliche Probleme durch … Prima, jetzt konnten wir die Gangway zum Schiff betreten und wenige Sekunden später das Schiff selbst.



      Von den Kabinen her sah es so aus, das Göga und ich, sowie einer unserer Söhne mit seiner Partnerin die Kabinen auf Deck 5 hatten. Unser anderer Sohn hatte kein Upgrade bekommen und seine Kabine damit weiterhin auf Deck 3. Bei den erhaltenen Unterlagen stellten wir fest, dass die Essenzeiten nicht gleich waren. Dies war natürlich blöd und so suchten wir das Restaurant Aune gleich auf, um dies zu regeln. Vor Ort teilte man uns mit, dass maximal vier Personen pro Tisch zugelassen wären und das Restaurant auch eingerichtet sei. Auf der anderen Seite verstand der Restaurant-Chef aber, dass wir als Familie auch gemeinsam speisen wollten. Es wurde eine gute Lösung gefunden. Wir wurden zu einen „Infektionsgemeinschaft“ erklärt und es wurde ein zusätzlicher Sitz an einen runden Tisch hinzu gestellt. Dieser Tisch war ab sofort unser Stammtisch und wurde auch nur von uns besessen. Hiermit war der Punkt gesetzt und wir wurden auf dem Schiff langsam bekannt.

      Als wir die Kabinen erreichten, hatten unsere Koffer den Weg auch schon gefunden. Jetzt kam der erste Blick in die jeweiligen Kabinen. Da mussten wir leider feststellen, dass unser Sohn auf Deck 3 wohl das beste Los gezogen hatte. Wir konnten zwar schnell das Umlaufdeck erreichen, aber die Kabine war um die Breite des Umlaufgangs kleiner. Wir kamen über die Zeit damit zurecht, aber es war eben recht eng. Im Gegensatz zur 3er-Kabine fehlten ein Nachttisch und ein Sitzplatz. Leider gab es auch aus Design-Gründen bei den Kabinen keine Ablage über den Betten , wie sie auf der überholten MS Polarlys zu finden war. Besonders viel Schrankfläche gab es in der Kabine auf Deck 5 nicht, aber die Koffer passten zum Glück gut unter die Betten .



      Bei einem kurzen Rundgang auf dem Schiff kamen wir an der Jacken-Ausgabe vorbei. Es war noch leer und so nutzten wir die Chance. Die Jacken durften auf Grund Corona vorher nicht anprobiert werden. Beim Schach würde man sagen „berührt – geführt“. Da wir aber zu fünft auftraten, konnten wir mit einer Jacke beginnen und uns dann in den verschiedenen Größen zurechtfinden.

      So, die Jacken hatten wir also auch schon mal. Nun klang ein Aufruf zur Sicherheits-Unterweisung durch die Lautsprecher. Das passte uns gut, und somit ging es auf Deck 8. Kaum hatte die Unterweisung begonnen, da bekam ich auf meinem Handy einen Anruf. Ich muss zwei Sachen dazu erklären. Einmal ging bis jetzt alles so schnell, dass ich bis jetzt noch nicht daran gedacht habe das Teil auf still zu schalten. Zweitens, und das bekam viel mehr Aufmerksamkeit, der Anrufton war recht laut, und … es war das Typhoon der MS Polarlys. Was passierte also in diesem Moment? Viele anwesende Reisende guckten nach draußen, weil sie ein größeres Schiff in der Nähe vermuteten. Das Ergebnis: Man kannte uns jetzt auch hier! Peinlich, peinlich. Es war übrigens das Reisebüro, dass sich erkundigen wollte, ob bis jetzt alles gut geklappt hätte – sehr aufmerksam!

      Das Wichtigste hatten wir jetzt erledigt und wir konnten uns nun weiter dem Schiff widmen. Die Koffer wurden übrigens mit einem Kran auf den Bug-Bereich gehoben und von dort verteilt. Weiter ging es, ein wenig gucken hier, ein paar Fotos dort. Die Zeit verging und gegen 18:15Uhr ging es endlich los.



      Das Wetter war dabei richtig hamburgisch. Es gab Sonne und Regen, was gerade bei der Vorbeifahrt an Willkommhöft schade war. Da es hinterher schnell dunkel wurde, konnten wir die Elbe gar nicht richtig miterleben. Von der Besatzung wurde aber schon jetzt angedeutet, dass wir mit sehr unruhiger See zu tun haben werden. Aus diesem Grund wurde sensiblen Reisenden angeraten etwas gegen die Seekrankheit zu unternehmen.

      Gruß Volkmar

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    • Tag 2 Esbjerg

      In der Nacht war die Nordsee nicht so unruhig wie tags zuvor angesagt. Wir trafen uns morgens vor dem Aune und waren gespannt auf das Frühstück. Es war zwar Urlaub, aber trotzdem hatten wir uns eine Zeit zum Treffen gesetzt. Obwohl nicht so viele Reisende an Bord waren, wollten wir längere Wartezeiten vor dem Restaurant möglichst vermeiden.

      Auch hier wieder kurz eine Information, wie der Ablauf auf Grund Corona gehandhabt wurde. Innerhalb des Schiffes wurde Maske getragen. Eine Schlange bilden und Abstand halten war ebenfalls mal grundsätzlich angesagt. Am Eingang des Restaurants befand sich stets eine Mitarbeiterin, die mit einem Laser-Temperatur-Messgerät auf die Stirn zielte. Das Ergebnis wurde jedem gezeigt. War dies in Ordnung wurde jeder zum Händewaschen geleitet. Es standen am Eingang auch zwei Gesichtsscanner zur Temperaturermittlung, diese erwiesen sich aber immer wieder funktionell als sehr sensibel. Wenn sie eine Temperatur anzeigten, war diese wohl richtig, aber eben nur „wenn“. Zum Händewaschen wurde extra im Eingangsbereich ein Waschplatz mit drei Handwaschbecken eingebaut. War diese Wäsche absolviert, kam mit einer Handdesinfektion der letzte Schritt. Anschließend wurden die Reisenden zu ihrem Tisch begleitet. Alle, außer uns. Wir waren ja, ich schrieb es bereits, die Infektionsgemeinschaft an Bord. Wir hatten unseren festen Tisch und den durften wir, oft unter einem leichten grinsen der umstehenden Servicekräfte, eigenständig ansteuern.

      Das Frühstück setzte sich aus bestellbaren Anteilen (z.B. Rührei, Omelette usw.) und einem Buffet zusammen. Am Buffet war das Angebot absolut ausreichend und es wurde am laufenden Band immer wieder aufgefüllt. Der Aufschnitt zum Beispiel befand sich portioniert in kleinen Schälchen. Dabei war es egal, ob man eine normale Portion oder die doppelte Menge, also zwei Schälchen entnahm. Das funktionierte alles sehr gut und bei Problemen, wenn es denn welche gab, halfen die Servicekräfte gerne und schnell.



      Zu viel Zeit konnten wir uns am heutigen Tag beim Frühstück aber nicht lassen, denn wir liefen in unseren ersten Hafen ein. Es handelte sich um Esbjerg, ein Hafen, der wohl hauptsächlich aus tarifrechtlichen Gründen angefahren wurde. Dies merkte man aber nicht an dem Angebot des Ausflugs zum Seefahrts- und Fischereimuseum und der in der Nähe des Museums stehenden Skulptur „Der Mensch am Meer“. Der Guide erzählte uns schon im Bus viele interessante Fakten über Esbjerg und auch als wir nach einer kleinen Rundfahrt zur Skulptur kamen, hatte er einiges zu berichten. Mir gefielen die am Strand sitzenden Herren sehr gut, konnte ich doch bei meiner Größe von gut zwei Metern endlich mal zu jemanden aufsehen. Für uns ging es nun weiter zum gegenüberliegenden Seefahrts- und Fischereimuseum. Vor vielen Jahren waren wir schon einmal mit unseren damals noch kleinen Jungs dort. Schon in der Zeit fiel uns auf, dass man in Dänemark viel Wert darauf legt, dass etwas funktioniert und betätigt werden kann. Dies hatte sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. So war die Förderung von Rohstoffen aus der Nordsee sehr plastisch und interessant an vielen Modellen dargestellt. Neben den vielen Aquarien konnten wir auch auf dem Außengelände bei bestem Wetter eine Menge sehen.



      Auf dem Rückweg fuhren wir durch einen Teil des Hafens, in dem gerade das größte Schiff/ die größte Arbeitsplattform zum Aufbau von Windkrafträdern auf See umgebaut wurde.

      Zurück an Bord ging es dann auch schnell weiter Richtung Norwegen. Während der Ausfahrt konnten entfernt auf den Sandbänken auf Steuerbord Seehunde oder Backbord Urlauber gesichtet werden. Auf Grund des engen Fahrwassers war das Schiff hier mit einem Lotsen besetzt, dessen Lotsenboot uns eine Zeit lang im Heckwasser folgte. Man hatte manchmal das Gefühl, dass die Person am Ruder des Lotsenbootes merkte, dass einige Objektive auf das Boot gerichtet waren. Er lies sich auf jedem Fall immer mal wieder etwas zurückfallen, um dann möglichst eindrucksvoll und mit viel Gischt wieder der Otto Sverdrup näher zu kommen. Nachdem der Lotse von Bord und mit seinem Boot entschwunden war, nahmen wir wieder Fahrt auf. Nun war auch hin und wieder mal ein größerer Pott zu sehen. Da wir nach einiger Fahrtzeit den Seeweg zum/vom Skagerrak kreuzen sollten, hatte ich eigentlich mit mehr Schiffsverkehr gerechnet.



      Unser nächstes Ziel sollte Stavanger sein. Obwohl das Wetter sehr schön war und zu dieser Zeit oftmals „Fotowolken“ am Himmel zu sehen waren, merkten selbst wir einen zunehmenden Wind und Wellengang. Es ging zum Abend so weit, dass uns das Expeditionsteam andeutete, dass wir eventuell Stavanger nicht anlaufen könnten. In der Abendlichen Vorstellung des Programms wurden zwar noch alle möglichen POI´s in Stavanger angesprochen, dies aber immer wieder unter Beachtung des vorherrschenden Wetters. Und wir sollten in der Nacht noch merken, dass uns das Wetter beherrscht! Nebenbei bemerkt. Ich habe heute die Vielseitigkeit des Heckfahnen-Aufbewahrungs-Behälter entdeckt. Bei der Nutzung eines Tablets eignet er sich sehr gut, um zum Beispiel neben der Beobachtung des Hafens oder eines anderen Objektes, das Forum im Auge zu behalten und eventuell Fragen zu beantworten, bzw. Bericht zu erstatten.

      Gruß Volkmar

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    • Tag 3 Stavanger (oder auch nicht)

      Der Tag gewann an Helligkeit und langsam konnten viele sehen, warum sie in der Nacht nicht geschlafen hatten. In der Nacht fegte ein starker Wind über die Nordsee und die Wellen standen dem Wind in keiner Weise nach. Es gab bestimmt eine Menge Passagiere für die an diesem Morgen ein kräftiges Frühstück nicht in der ersten Reihe der sehnlichsten Wünsche stand. Auch wenn wir das Passagieraufkommen zum Frühstück erst ein Mal wahrnehmen konnten, so war es an diesem Tag deutlich unter dem gestrigen Niveau. Wir ließen es uns trotzdem gut schmecken.



      Die MS Otto Sverdrup fuhr in der vergangenen Nacht tatsächlich durch eine sehr aufgewühlte See. Wer seine Kabine im vorderen Bereich des Schiffes sein eigen nannte, der hatte des Öfteren berechtigt das Gefühl von Schwerelosigkeit zu erfahren. Neben diesem Gefühl waren aber auch immer wieder die Geräusche des auf das Wasser aufschlagenden Schiffes zu hören. Wir, immer noch weit achtern im Schiff schlafend, bekamen diesen Umfang an Neptuns Mitteilungsbedürfnis kaum mit.

      Schon während des Frühstücks wurde uns über die Lautsprecher vom Expeditionsteam die schlechte Information überbracht, dass es auf Grund der Wetterlage nicht möglich wäre den Hafen von Stavanger anzulaufen. Der Kapitän hätte sich daraufhin entschlossen direkt weiter bis Molde zu fahren. Es war bei dem Wetter verständlich und wir hatten es auch schon am Vorabend schwach vermutet. Zu deutlich waren doch immer wieder die „wenn´s“ und „aber“ in Sätzen des Expeditionsteams zu hören gewesen.

      Das Schiff kämpfte sich inzwischen durch die aufgebrachte See und wir ritten mit. Gegen elf Uhr kamen wir in ruhigeres Wasser, bei gleichbleibend starkem Wind. Wir erreichten Haugesund.



      An Backbord fuhren wir am Leuchtfeuer Höyevarde und wenig später an der Kirche von Avaldsnes vorbei.



      In einer Bucht lag der LNG-Tanker Gulf Energy. Er war zwar fest vertäut und vermutlich bei normaler Wetterlage ausreichend gesichert. Bei diesem starken Wind musste er aber scheinbar noch zusätzlich durch einen Schlepper gesichert werden.



      Anschließend ließen wir eine Werft für Arbeitsplattformen und den Leuchtturm von Tonjer hinter uns.



      Nun bekamen wir für ein paar Seemeilen wieder den vollen Seewind ab, was sind auch deutlich an der Brandung zeigte.



      Dies war aber nur recht kurz, denn je mehr wir uns Bergen näherten desto ruhiger und besser wurde das Wetter. Unser nächstes Ziel war Molde und so fuhren wir am Flughafen Flesland vorbei und streiften Bergen entfernt.



      Bei einem Blick in den Byfjorden, unter der Asköybrücke durch, war es möglich den Stadtrand von Bergen zu sehen.



      Von hier wurde das Wetter wieder etwas schlechter und es kamen immer wieder Schauer herunter. Das war immer nervig, aber es hatte auch den Effekt, dass mehrere Regenbögen sichtbar wurden.



      Man sollte es nicht glauben, aber dies war schon wieder ein Tag unserer Reise. Für uns stand in wenigen Minuten das Abendessen bereit und anschließend habe ich nur noch ein Foto beim Durchfahren des Steinsundes gemacht. Es handelt sich hier aber scheinbar nicht um den häufig durchfahrenen Bereich, sondern um den sogenannten Äußeren Steinsund .

      Gruß Volkmar

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    • Tag 4 Molde

      Auf der normalen Route hatte ich immer so einen gewissen Start in den Tag. Es war immer so, dass ich nach dem Aufstehen erst einmal auf dem Umlaufdeck ans Heck ging und dort ein Foto vom Wetter aufgenommen habe. Anschließend wurde das Schiff bei einem Rundgang „kontrolliert“. Das lief auf dieser Tour bis jetzt irgendwie noch nicht so richtig und dabei waren wir schon drei Tage unterwegs. Heute hatte ich nun das Gefühl es könnte endlich passen. Am Heck angekommen, konnte ich feststellen, dass es trocken und nicht besonders windig ist. Beim Gang nach vorne konnte am Horizont sogar die Ankündigung eines Sonnenaufgangs erkannt werden. Auf Grund der weitreichenden Wolkendecke fiel ein schöner Sonnenaufgang aus. Dies alles spielte sich etwa auf der Höhe des Flughafen Vigra bei Alesund ab. Bis Molde musste ich dann feststellen, dass wir wohl nur besonders geschützt fuhren, denn im Midfjorden und Storfjoden bekamen wir wieder die volle Ladung.



      Relativ früh wurde uns mitgeteilt, dass es wieder eine Programmänderung für den Tag geben wird. Es wird uns nicht möglich sein den Hafen Kristiansund anzulaufen. Deshalb wird die MS Otto Sverdrup bis zum Abend in Molde verweilen. Der Ausflug zur Atlantikstraße wird durchgeführt, endet aber wieder in Molde . Das Ganze war zwar wieder einmal eine Umstellung, die aber eventuell auch Vorteile bieten konnte. So wurde die Atlantikstraße einmal nordwärts und einmal südwärts befahren. Das hatte doch auch etwas. Ein Nachteil war vielleicht, dass uns nicht mehr Zeit für den Ausflug zur Verfügung stand und wir in dieser Zeit wieder zurück nach Molde mussten. Letztendlich bedeutete dies, dass die Aufenthaltszeiten an verschiedenen Haltepunkten sehr begrenzt waren. Aber was soll´s, wir mussten flexibel sein und schließlich waren wir froh, dass der Ausflug überhaupt durchgeführt wurde. Das Expeditionsteam hatte auf Grund des Wetters eine Menge zu tun und es sollte noch nicht das Ende sein.



      Aber jetzt alles der Reihe nach. Wir hatten nach der Ankunft in Molde Zeit den Ort zu erkunden. Das nutzten wir, obwohl es ziemlich stark regnete. Dieser Mut lohnte sich, da das Wetter zum Mittag besser wurde. Es wurden sogar deutliche Anzeichen von Sonnenstrahlung ausgemacht und wir waren gutes Mutes, dass es am Nachmittag einen schönen Ausflug geben könnte. Nach dem Mittagessen ging dann auch los.



      Wieder einmal eine kurze Beschreibung, dieses Mal zu den Abläufen bei Ausflügen. Wir wissen, dass ein Schiff (meist) mehrere Decks besitzt, das ist auch bei der MS Otto Sverdrup so. Um eine gewisse Gerechtigkeit bei den Ausflügen zu erreichen, wurden die Passagiere der einzelnen Decks immer wieder in verschiedener Reihenfolge aufgerufen und in den Expeditionsbereich gebeten. Hier erhielt jeder Teilnehmer einen Patch, mit der entsprechenden Gruppennummer. War eine Gruppe vollzählig, dann wurde sie zum Bus oder der jeweiligen Veranstaltung geführt. So lief alles sehr ruhig und geordnet ab. Wenn es wie bei uns, Teilnehmer (Familienmitglieder) auf verschiedenen Decks gab, dann konnte man sich auf ein Deck einigen. Das funktionierte gut und so konnten wir immer zusammen die Ausflüge genießen. Die ausgegebenen Jacken hatten übrigens an den Armen eine Fläche, an der diese Patches hafteten - … und das ganz schön stark!

      Es ging also los. Wir fuhren zuerst durch Molde und bekamen neben vielen Erklärungen auch den Flugplatz und vieles andere zu sehen. Dann ging es ab in die schöne Landschaft. Der Bus brachte uns zuerst nach Bud. Dieser Ort liegt genau an der Ecke, an der die Schiffe der Hurtigrute nordwärts in die Hustadvika Kurs nehmen. Im Umfeld des Ortes befinden sich, wie oftmals hier, deutsche Hinterlassenschaften aus dem 2. Weltkrieg und es ist eine sehr windige Ecke. Besichtigungen waren in der Kürze der Zeit nicht möglich. Es reichte aber für einen Gang auf die Hafenmole, um einen ungefähren Überblick über den Ort zu gewinnen und die Naturgewalten am Körper zu spüren. Anschließend sammelten wir uns wieder am Bus und wir fuhren weiter.



      Das Wetter wechselte oft innerhalb weniger Minuten. Windig war es auf jeden Fall, aber es regnete eben nicht immer. Weit war es nicht mehr und wir erreichten in kurzer Zeit die Atlantik-Straße. Da wir wieder zurück nach Molde zum Schiff mussten, hatten wir die Möglichkeit zwei Mal über die Straße zu fahren. Nordwärts wurde ohne Unterbrechung gefahren, in südlicher Richtung machten wir eine kurze Rast. Von hier aus kämpften wir uns ein paar hundert Meter gegen den Wind, um die größte der Brücken gut fotografieren zu können. Es gibt dort zwar einen schönen Rundweg, aber auf Grund der engen Zeitplanung sollten wir den nicht in voller Länge gehen. So blieb nur ein mehr oder weniger kurzer Blick auf die Brücke und natürlich die tosende See.



      Die Rast an der Atlantikstraße war auch gleich der Wendepunkt des Ausfluges. Von dort ging es wieder Richtung Molde , allerdings unterbrochen von einem (leider sehr kurzen) Kaffee-Stopp. Hier gab es zum Kaffee ein paar warme Waffeln, die lecker schmeckten, aber fast inhaliert werden mussten. Wieder im Bus, wurde der letzte Punkt des Ausfluges angesteuert. Es handelte sich dabei um einen Aussichtspunkt oberhalb von Molde . Wenn ich die Karte richtig deute, dann handelte es sich um den 404 Meter hohen Varden. Von hier hatten wir kurzzeitig eine sehr schöne Sicht über Molde , bis, ja bis der Regen diese Sicht ziemlich reduzierte. Es war aber trotzdem schön.



      Eine besondere Aufgabe wartete aber noch auf unseren, und eigentlich auch anderen die Busfahrer der Tour. Der Weg zum Varden war nämlich nur ein etwas breiterer Sandweg. Wir waren der erste Bus und schon wieder auf der Herunterfahrt, als uns die anderen Busse entgegen kamen. Bei sehr engen Vorbeifahrten konnten wir schon das Können der Busfahrer sehen. Irgendwie kamen alle Busse wieder herunter und wir wurden pünktlich beim Schiff abgegeben.

      Eigentlich wollte ich doch nur einen Bericht und kein Buch schreiben, aber was soll ich machen, wenn doch so viel passiert ist? Ja, es geht weiter, der Tag ist noch nicht zu Ende - … auch wenn so manche Passagiere im Nachhinein hier gerne den Tag beendet hätten.

      Auf der MS Otto Sverdrup ging es erst einmal mit dem Abendessen weiter. Und das war wie die letzten Abende sehr gut. Das Schiff verließ Molde und nahm Kurs auf Brönnöysund . Und wir? Wir freuten uns, dass es nun doch klappt! Was sollte jetzt klappen? Wussten wir doch, dass Norwegenfan.123, Akinom und Scotty1076 uns mit der MS Nordnorge auf der Postroute entgegen kamen. Hätte unser Schiff Kristiansund anlaufen können, dann hätte es nicht geklappt, da wir dieses Stück dann mit dem Bus gefahren wären. Aber so war alles anders, jedenfalls jetzt noch.

      Nun fuhren wir durch den Moldefjorden zum Julsundet und weiter durch den Haröyfjorden zur Hustadvika . Ja, und diese Hustadvika hatte mit uns etwas anderes vor. Wir standen schon ein paar Minuten mit Akinom in Verbindung und freuten uns schon auf das Treffen, da kam die traurige Mitteilung. Auf Grund des Windes war es den Passagieren der MS Nordnorge nicht mehr erlaubt die Außendecks zu betreten. Schade, aber wir können ja auch mal mit Lichtzeichen aus den Kabinen arbeiten – so schnell geben wir nicht auf. Aber auch hier wurde uns ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die MS Nordnorge änderte nämlich nicht ihren Kurs Richtung Molde , sondern fuhr einfach geradeaus weiter. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch einige Seemeilen auseinander, es war aber möglich das Schiff durch den Regen in größerer Entfernung zu sehen. Schade.

      Für uns ging es nun auch wieder ins Schiff und wenig später auch in die Koje. Auch wenn man noch nicht gleich schlafen wollte, wenn dies bei dem kommenden Seegang überhaupt möglich war, so konnte man doch vom Bett aus gut die Erklärungen des Expeditionsteams im Bord-TV betrachten. Am Ende der Tagesplanung gab es dann auch vom Expeditionsteam den Hinweis auf eine vermutlich sehr unruhige Nacht.
      Gruß Volkmar

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    • Den Ausflug Atlantikstraße auch schon unternommen. Die Zeit an dem Rastplatz war ebenfalls sehr begrenzt.

      Das lag aber daran, dass bei dem Ausflug auch ein Besuch im Marmorbergwerk beinhaltet war (sehr interessant) und die Fahrt teilweise über schneebedeckte Straßen führte.

      Hoffe, die nächsten Tage hattet Ihr besseres Wetter

      Gruß seealpe
    • Tag 5 Brönnöysund

      Gestern hatte ich am Rande erwähnt, dass wohl einige Passagiere sich schnell das Ende des Tages gewünscht hätten. Die Ursache lag in der vergangenen Nacht. Wir bekamen auf der Hustadvika und der Folda den Wind ab, dem die MS Nordnorge nach Süden entflohen war. Dabei muss ich ehrlich sagen, oder besser schreiben, dass wir in unserer Kabine relativ weit hinten gar nicht so viel gespürt hatten. Ja, es ging auf und nieder, aber mit eher beruhigender Wirkung. Weiter vorn muss es demnach so stark gewesen sein, dass zeitweise die Schwerkraft nicht mehr ausreichte, die Reisenden auf der Matratze zu halten. Dazu kamen dann noch die Geräusche des auf das Wasser schlagenden Rumpfes. Auf jeden Fall war es ausreichend, um am Morgen ein Sturm-Zertifikat an der Kabinentür vorzufinden.



      Als ich morgens an Deck erschien, da sah es eigentlich gar nicht so schlecht aus. Der Wellengang war nicht besonders, aber es wehte noch recht stark. Ich hatte jedenfalls echte Probleme, trotz kurzer Verschlusszeit, den Leuchtturm deutlich auf die Speicherkarte zu drücken. Das Ganze bedurfte doch einiger Versuche bis zum Erfolg. Es war jetzt ungefähr zehn Uhr und wir fuhren gerade auf Rörvik zu. Die Landschaft vor Rörvik ist relativ flach und unspektakulär, so nahm ich mir ein paar weitere Leuchttürme als Ziel.



      Während der Fahrt entlang Rörvik ließ der Wind auf Grund der geschützten Lage eine Zeitlang ziemlich nach. Wir konnten sogar mehrere Seeadler in der Nähe beobachten.



      Aber auch diese ruhige Phase ging einmal vorbei und der Wind wurde wieder stärker. Allerdings wurde das Wetter zum Mittag hin sonniger, so dass uns der Torghatten bei relativ gutem Wetter empfing. Nach einer kurzen Runde am Torhatten fuhr die MS Otto Sverdrup am Ortskern von Brönnöysund vorbei, zum Anleger Salhusoya etwas weiter nördlich. Als wir noch beim Anlegen waren, fuhr in einiger Entfernung die südwärts fahrende MS Kong Harald vorbei.



      Wer sich angemeldet hatte, konnte nun an dem Ausflug zum Torghatten teilnehmen. Mit den Bussen fuhren wir bis zu einem Parkplatz in der Nähe vom Torghatten , um ihn dann im Rahmen einer kleinen Wanderung teilweise zu umrunden. Begleitet wurden wir von mehreren Guides, die an verschiedenen Stellen des Weges Aufstellung nahmen und dort verschieden Information gaben. Der Weg bergauf zum Loch war zur Zeit gesperrt, so dass wir nur den Blick von unten hatten.



      Wir hoffen auf dem Rückweg noch ein paar Schritte in Brönnöysund selbst zu laufen, aber dies war auf Grund der Länge des Torghatten-Ausfluges leider nicht mehr möglich. So ging es dann direkt zum Schiff zurück. Nicht viel später legten wir dann auch ab und unser nächstes Ziel sollte morgen am Sonntag Reine und Svolvaer auf den Lofoten sein.
      Gruß Volkmar

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    • Tag 6 Svolvaer

      Am heutigen Morgen grüßten uns die Lofoten, und das sogar mit einem Schimmer Morgenrot. Stärker sollte es aber nicht mehr werden. Wir wurden bis jetzt nicht gerade vom Wetter verwöhnt, warum sollte es sich ändern? Und, das hing auch wieder mit dem Wetter zusammen, wie sollten heute nicht in Reine anlegen, sondern gleich in Svolvaer . Normalerweise wäre Svolvaer heute unser zweiter Hafen gewesen. Der Naturhafen von Reine machte es aber auf Grund des immer noch starken Windes unmöglich dort anzulegen. Mittlerweile waren wir Programmänderungen gewohnt und für das Wetter konnte Hurtigruten ja noch nichts. Das Expeditionsteam war aber in den vergangenen Stunden nicht untätig und hat einen Plan B aus der Schublade gezogen. Statt Reine und Ǻ wurde ein Ausflug mit Bussen nach Henningsvaer angeboten.



      Diese Information erhielten wir bereits vor dem Frühstück, das nun erst einmal den Körper aufbauen sollte. Ich schrieb es schon öfter, wir waren zu fünft, wir waren die Infektionsgemeinschaft und wir waren nicht immer gleichzeitig zu den Mahlzeiten vor dem Aune. Es passierte also, dass mal die einen oder anderen ein paar Minuten in den Sesseln vor dem Restaurant gewartet haben. In dieser Zeit und unter Beobachtung der Eingangskontrollen auf Corona kam mir mal wieder eine typisch blöde Idee. Mit meinen etwas über zwei Metern stellte ich bei der meist am Eingang stehenden und für die Fiebermessung zuständigen Servicekraft auf Grund ihrer doch geringeren Größe ein Problem da. Sie kam normal nicht an meine Stirn, ich musste mich immer ziemlich nach vorne neigen. Wie könnte man dies für beide angenehmer gestalten? Ich wusste eine Möglichkeit.

      Wir mussten also heute etwas warten, ich hatte eine Idee und während einer kurzen gedanklichen Machbarkeitsstudie hatten wir unsere Vollständigkeit hergestellt. Wir konnten die letzten Meter zum Aune gehen. Ein, zwei Passagiere waren noch vor uns, dann waren wir mit dem Fiebermessen dran. Die Dame begrüßte uns und wollte mit dem Messen beginnen, als ich, um ihr ein einfacheres Messen zu ermöglichen, vor ihr auf die Knie fiel. Also messen konnte sie in diesem Augenblick auch nicht mehr. Sie musste sehr lachen, was auch schnell auf die hinter ihr wartenden Servicekräfte und den Restaurantleiter übergriff. So etwas hatte sie wohl noch nicht erlebt. Als sie dann nach kurzer Zeit wieder in der Lage war die Messung durchzuführen, konnte sie mir bestätigen, dass ich auf jeden Fall nicht unter Fieber leiden würde. Im Restaurant waren wir nun auch der letzten Servicekraft bekannt …

      Nach dem Frühstück starteten die Busse Richtung Henningsvaer. Es gab wieder eine Einteilung in Gruppen. Diese Einteilung war aber nur auf dem Weg nach Henningsvaer wichtig, da quasi ein Pendelverkehr mit den Bussen aufgebaut wurde. Auf dem Rückweg fuhren die Busse los, wenn sie voll waren. Voll hieß jetzt in Corona-Zeiten 36 Personen. Wir fuhren in einem der ersten Busse. Eigentlich ist es ja ein schöner Ort, den ich auch schon etwas von einer Webcam kannte. Bei dem Wetter allerdings, das nun immer fieser wurde, war die Busfahrt doch auch schon sehr angenehm. Es gab am Ende auch keine Entscheidung, wir mussten raus.



      Heute war Sonntag und wenn sonst in größeren Orten wohl eher weniger los war, so dürfte es hier in Henningsvaer vermutlich ganz ruhig sein. Wir merkten sehr schnell nach dem Aussteigen, dass dies ein Irrglaube war. Es war ganz schön laut hier. Ja, es war laut, aber der Lärm kam vom Regen, der auf die Schirme und Jacken prasselte. Etwas mehr und wir hätten durch den Ort schwimmen können. Es tauchte tatsächlich mal die Frage auf, was ich hier eigentlich mache. Das war schade, denn der Ort muss bei mindestens trockenem Wetter sehr schön und interessant sein. Immerhin hat er ein vor einigen Jahren für das weltweit schönste Fußballstadion ausgezeichnet worden. An diesem Tag wäre vermutlich sogar Wasserball möglich gewesen. Direkt hinter einem der Tore steht ein Leuchtturm, was vermutlich auch nicht so häufig ist. Der Ort wäre bestimmt etwas für Leuchtturmwärter mit Interesse für Fußball.



      Trotz des Regens hatte ich ein paar Aufnahmen gemacht. Diese Bilder musste ich stark beschneiden, da ich zum Schutz der Optik meine Hand über die Kamera gehalten habe. Leider nur oft nicht hoch genug. Es war wirklich schade der Ort, und wir auch, hatten dieses Wetter nicht verdient. In Henningsvaer stehen viele schöne Häuser, bei denen wir gerne mehr Zeit zum Gucken verbracht hätten. Es ging aber nicht, trotz der Regenkleidung waren wir fertig. Am Busstop hatten wir Glück und konnten den nächsten Pendelbus nach Svolvaer zum Schiff nehmen.

      Auf dem Schiff legten wir uns erst einmal trocken. Es war ein herrliches Gefühl. Auf Grund des relativ kurzen Aufenthaltes in Henningsvaer konnten wir noch an der Essensitzung teilnehmen. Dies gab uns Kraft für den Nachmittag. Das Wetter wurde tatsächlich besser und der Regen hörte auf. Frisch gestärkt erkundeten wir Svolvaer . Wir kannten den Ort zwar schon von früher, aber da war es meist schon dunkel und die zur Verfügung stehende Zeit beschränkte die Bewegungsfreiheit auch. Natürlich lag auch zufällig ein Andenken-Geschäft auf dem Weg. Grundsätzlich fiel uns bei diesem Besuch auf, dass das südländische Flair der letzten Jahre nicht mehr bestand. Es könnte natürlich am Wetter liegen, aber es gab einfach kaum noch Bars und Restaurants an der Promenade. Hier hat vermutlich Corona sehr viel mitgespielt, da es eine lange Zeit keinen Tourismus hier gab. Da wollen wir hoffen, dass sich dies wieder deutlich bessert und der Ort wieder seinen Charme bekommt.



      An diesem Tag wurde das Abendessen etwas vorgezogen und sogar eine Pause zwischendrin eingelegt. Diese Maßnahme hing mit dem Besuch des Trollfjords zusammen, der genau in diese Zeit fiel. Natürlich, es war auch bei diesem Besuch bis jetzt noch nicht klar, ob der Kapitän das Schiff in den Trollfjord steuern würde. Es lag dabei weder am Schiff, noch beim Kapitän, sondern wie bis jetzt so vieles, am Wetter. Um ein wenig mehr Tageshelligkeit zu haben, legten wir in Svolvaer schon fünfzehn Minuten früher ab. Es wurde also noch einmal spannend an diesem Tag. So trübe sah es bei unseren Besuchen des Trollfjords noch nie aus, aber es ging hinein. War die Helligkeit und das Wetter ausreichend oder wollte uns der Kapitän an diesem Tag doch noch eine Freude machen, wir wissen es nicht. Auf jeden Fall war diese Fahrt durch den Trollfjord etwas ganz anderes. Es hatte mystische Ausmaße und über einen plötzlich neben einem stehenden Troll hätte sich kaum jemand gewundert. Die beiden Bilder können die Stimmung nur sehr begrenzt darstellen, sie sind eigentlich viel zu hell. Natürlich gab es auf Deck 8 die Trollfjord-Suppe und auch den Trank. Nach diesem Erlebnis fuhren wir weiter in die Nacht. Der Raftsund wurde dabei nicht befahren, es ging durch den Tjeldsund weiter in den Norden.



      Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, eigentlich schon viel zu spät, dass wir quasi von Begin der Reise immer wieder in Kontakt mit Stef55 aus dem Forum und ihrem Göga standen. Wir hatten uns auf dem Schiff verabredet, gleich gut verstanden und tauschten immer wieder Informationen aus. Dabei fällt mir gerade ein, dass ich den Beiden noch ein paar Bilder zusenden wollte … Hallo Steffi, die Bilder kommen noch!
      Gruß Volkmar

      Meine Reiseberichte sind im Profil verlinkt

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    • Flemming T. wrote:

      War die Helligkeit und das Wetter ausreichend

      Die Helligkeit ist nicht ausschlaggebend, die Schiffe fahren auch bei Dunkelheit ein. Wenn sie einfahren :) Ich war um Mitternacht im Stockdunkeln ohne Scheinwerfer, mit Fastvollmond drin.
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !

    • Flemming T. wrote:

      Es wurde uns nur an diesem Tag so erklärt

      Ja, den lieben Passagieren wird so manches Seltsame erklärt. Eine Mitreisende auf meiner letzten Lofotenfahrt, die auf ihrer zweiten HR-Tour war, erzählte, auf ihrer ersten HR-Reise mit der VESTERÅLEN habe man im Trollfjord gesagt, nur LOFOTEN und VESTERÅLEN können in den Trollfjord , die anderen Schiffe seien zu gross... :whistling:
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
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