Norwegen mit Schwerpunkt Vestland – 26.07. - 18.08.2021

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    • Norwegen mit Schwerpunkt Vestland – 26.07. - 18.08.2021

      „Endlich wieder reisen!“, das sagten wir uns, nachdem alle Buchungen erledigt waren.

      Eigentlich war Norwegen für uns noch gar nicht wieder an der Reihe gewesen. Als wir im Februar 2020 aus Indien zurückkamen, hatten wir schon Monate zuvor eine Südostasienkreuzfahrt von und nach Singapur für den März dieses Jahres festgemacht. Die Pandemie namens Covid-19 hatte aber inzwischen Deutschland erreicht und es war klar, dass dieser „Geist“ nicht in die „Flasche“ zurückkehren würde. Wir machten uns also keine falschen Hoffnungen und warteten in Ruhe ab, bis TUI Cruises unsere Reise stornieren und uns eine Umbuchung anbieten würde. Monate später haben wir dann für den April/Mai 2022 eine Ersatzreise mit Mein Schiff 5 gewählt – sicherheitshalber „nur“ von Gran Canaria nach Hamburg. Die Hoffnung war und ist, dass wir dann in Europa wieder im Normalzustand sind.

      Aber natürlich wollten wir auch in diesem Jahr gern eine schöne Reise unternehmen. Dass die Wissenschaft inzwischen glücklicherweise Impfstoffe entwickelt hat, minimiert das Risiko wesentlich, aber Südeuropa wollten wir dennoch lieber meiden. Also dachten wir entweder an die heimischen Küsten oder wir hofften, dass Norwegen die strikte Einreisebeschränkung lockern würde. Sobald das angekündigt wurde, bemühten wir uns um ein Ferienhaus für 10 Tage im August. Als die Möglichkeit konkret wurde, folgte die Color-Line-Buchung, und wir bastelten uns zuletzt noch einige Hotelübernachtungen dazu. Und so sah unsere Reise aus:

      Kiel/Oslo – Gudbrandstal – Sognefjord – Ferienhaus am Førdefjord – Bergen – Hardanger – Hardangervidda/Numedal – Oslo/Kiel



      Tag 1 – Kiel-Oslo – 26.07.2021

      Die Norwegenfähren legen um 14 Uhr in Kiel ab. Autofahrer müssen sich 2 Stunden vorher auf dem Parkplatz einfinden. Dort passiert man zunächst eine kleine Bude, an der die Buchungsnummer kontrolliert und das Impfzertifikat eingescannt wird. Daraufhin erhält man die Bordkarten und einen großen, orangefarbenen Anhänger für den Rückspiegel, der die erfolgte Impfung der Insassen deutlich sichtbar anzeigt. Für Ungeimpfte gibt es ein Testzentrum.

      Um 12:35 erleben wir unseren „magischen Moment“, als wir endlich in den Bauch der Color Magic hineinfahren können. Unsere Kabine liegt diesmal ganz am Heck. Die beiden Bullaugen in der mittleren Reihe ganz rechts werden unsere sein.



      An Bord herrscht eine strenge Maskenpflicht in Innenräumen, wie man es ja schon lange gewohnt ist. An Deck ist man davon natürlich befreit. Leider ist das Wetter in Kiel sehr trüb. Als wir auslaufen, fängt es sogar leicht an zu regnen. Wir schauen uns am anderen Fördeufer noch die Schwedenfähre, die Mein Schiff 1 und die Vasco da Gama an, bleiben dann aber nur noch bis zum Yachthafen an Deck. Das ist nicht schlimm. Wir haben diese Fährfahrt seit den 80er Jahren schon oft erlebt – auch mit diversen älteren Schiffen. Außerdem kennen wir Kiel aus unserer Studienzeit sehr gut.
      Wir machen es uns also in der Kabine gemütlich und genießen später bei der 2. Tischzeit das schmackhafte Buffet im Restaurant.

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      Die trüben Fotos, die ich von der Kieler Förde gemacht habe, erspare ich euch jetzt gern. Stattdessen verweise ich auf den Reisebericht von @Nordlicht, die ziemlich genau einen Monat nach uns Kiel und diese kleine Seereise bei strahlendem Wetter erlebt hat.
      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.

    • Tag 2 – Gudbrandsdal – 27.07.2021

      Als wir morgens hinausschauen, ist das Wetter leider immer noch regnerisch. Wir werfen nur einen kurzen Blick ins Freie, der nicht sehr lohnend ist. Also machen wir uns in Ruhe über das Frühstücksbuffet im Restaurant her. Die Ankunft in Oslo möchten wir eigentlich doch wie immer gern an Deck erleben, aber eine Durchsage vereitelt frühzeitig diese Absicht. Alle Passagiere werden gebeten, auf ihre Kabine zu gehen. Erst wenn das jeweilige Deck aufgerufen wird, sollen sich nur die Betreffenden zum Parkdeck begeben. Wir sehen ein, dass Schlangen in den Treppenhäusern und vor den Fahrstühlen nicht mit dem Infektionsschutz vereinbar sind und bleiben brav drinnen. Beim Auslaufen in drei Wochen wird uns niemand am Schauen hindern können. Hoffentlich wird das Prozedere aber nicht für immer beibehalten!

      Als wir das Schiff verlassen, befinden wir uns gleich in einer sehr langsam vorankommenden, zweispurigen Autoschlange. Vorn werden auf jeder Seite immer etwa 5 Fahrzeug gleichzeitig kontrolliert. Wieder muss man den Ausweis und das Impfzertifikat vorweisen, obwohl sich am Rückspiegel ja schon der entsprechende Anhänger aus Kiel befindet. Etwas langwierig ist das schon, aber die Autoschlange der zu Testenden ist noch länger.



      Aber endlich sind wir auf der E6 und fahren zügig durch nach Lillehammer, der Stadt der Birkebeiner und der Winterolympiade 1994.



      Als wir eine Kaffeteria und danach ein Geschäft aufsuchen, erleben wir erstaunt, dass absolut niemand eine Maske trägt. Desinfektionsmittelspender sind aber überall reichlich vorhanden. Wir machen uns keine Gedanken; vermutlich sind die Inzidenzen niedrig und es konnten also wohl Lockerungen eintreten.

      Es regnet weiterhin, weshalb wir uns nicht lange in Lillehammer aufhalten. Unser nächstes Ziel ist das Hotel Dale-Gudbrands Gard in der Gemeinde Sør Fron, das wir schon von einer früheren Übernachtung her schätzen.
      Dale-Gudbrand war ein mittelalterlicher Bauernhäuptling in Hundorp, der nach einer Konfrontation mit König Olaf Haraldsson (später der heilige Olaf) den christlichen Glauben annahm.
      Die Beherbergung von Pilgern hat auf diesem Hof Tradition seit der frühen Christianisierung. Die Wiederbelebung des Olafswegs in neuerer Zeit führte zur Errichtung vieler schöner Kilometersteine. Til Nidaros 337 km steht an dieser Stelle des Pilgrimsleden.



      An diesem Abend wird besonders deutlich, dass man sich hier auf historischem Grund bewegt, denn Hundorp bereitet sich gerade auf die 1000-Jahr-Feier der oben genannten Begegnung von Dale-Gudbrand und dem König vor. Auf den Grünflächen vor den Hotelgebäuden stehen Festzelte und eine Bühne, auf der Kinder eine Choreografie einstudieren. Die Festlichkeiten beginnen aber erst am 29. Juli. Noch ist es ruhig.

      Beim Abendessen sind wir zunächst ganz allein in dem großen Speisesaal, dessen Kamin der Kopf eines Moschusochsen ziert. Später genießen wir noch den Blick auf den Fluss und die Eisenbahn

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    • Möglicherweise ist der Bursche im Dovrefjell-Nationalpark eines natürlichen Todes gestorben und sein Fleisch war zu zäh. ;)

      Ab Dombås werden übrigens Moschusochsen-Safaris angeboten. Im Herbst 1999 hatten wir vergeblich versucht, die Herde auf eigene Faust zu finden. Diesmal hatten wir leider keine Zeit für die Gegend eingeplant.
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    • @Laminaria, da reise ich gerne mit auf vertrauten Wegen!
      Vom "Viewpoint Snøhetta" bei Hjerkinn kann man übrigens Moschusochsen ganz ohne Safari beobachten. Bei meinem letzten Besuch war dort ein "Ranger" mit Spektiv und unterstützte uns Besucher bei der Suche nach den Tieren. Aber auch ohne Moschusochsen lohnt sich der Weg zu dem beeindruckenden Gebäude, entworfen von den Architekten des Osloer Opernhauses.

      Viele Grüße
      omlia :)

      Reiseberichte im Profil
    • Wie ich nun sehe, ist der wirklich beeindruckende Viewpoint 2011 eröffnet worden. Als wir 2015 ab Kirkenes südwärts fuhren, galt unser Interesse dem Østerdalen mit der Stadt Røros, weshalb wir das Dovrefjell zügig durchquert haben. Von der Existenz des Viewpoints wussten wir damals nichts.
      In Unkenntnis einen großartigen Aussichtspunkt zu verpassen - das ist uns am Nærøyfjord leider auch schon passiert. :(
      Solche neuen Entwicklungen sollte man also unbedingt im Auge haben.

      Viele Grüße :)
      Laminaria
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    • Tag 3 – Von Ringebu nach Sogndal - 28.07.2021

      Als wir am Morgen aufbrechen, liegt ein stimmungsvolles Wolkenband über dem Fluss, aber es regnet nicht mehr.



      Tags zuvor hatten wir die Stabkirche von Ringebu passiert, aber die Öffnungszeit war längst vorbei. Nun stellen wir fest, dass sie immer erst ab 11 Uhr für Besucher zugänglich ist. Da wir heute eine lange Fahrt vor uns haben, mögen wir zwar nicht so lange warten, aber von außen wollen wir uns die schöne Kirche wenigstens noch anschauen.
      Als wir kurz nach 10 Uhr ankommen, haben wir großes Glück: Die Ticketvergabe ist schon besetzt, weil für 10:30 zwei Reisebusse angekündigt sind. Also können wir uns in Ruhe umschauen und dürfen ohne Blitz sogar im Inneren fotografieren. Die Kirche geht auf das Jahr 1220 zurück, wurde 1630 baulich ergänzt und erhielt eine Innenausstattung im Acanthusbarock, einer hier üblichen Ausprägung dieser Stilepoche.



      Gut gelaunt fahren wir danach zuügig weiter bis Otta, wo wir nach Westen abbiegen. Der gleichnamige Fluss ist mit seinen Stromschnellen und dem Wechsel von schmalen und breiten Stellen recht malerisch. Kurz vor Vågå steigen wir am Rastplatz Neset bru aus und gönnen uns einen kleinen Ausflug über die Hängebrücke. Auf der anderen Seite führt der Weg durch einen Nadelwald, der von einer imposanten, glatten Felswand flankiert wird.



      Bald haben wir genug Bewegung gehabt und die Mücken treiben uns ebenfalls zurück zum Auto. Wir tanken in Vågå und fahren dann durch bis Lom, wo wir nach langer Zeit wieder einmal die Stabkirche besuchen wollen.
      Es regnet hier zwar nicht, aber man muss auf die Intervalle der Rasensprenger achten, um zur Kirche vorzudringen. Das hatten wir so schon einmal erlebt. Es muss sich hier wohl um eine notorisch niederschlagsarme Gegend handeln.



      Wir nehmen uns ausgiebig Zeit für die Besichtigung. Die ältesten Bauteile stammen von 1158, die heutige Form geht auf das 17. Jahrhundert zurück, An der Kanzel fallen auch hier die Acanthusblätter als bevorzugtes Element der Barockschnitzereien auf.



      Wieder springen wir dann an den Rasensprengern vorbei und suchen einen Schnellimbiss auf. Danach gehen wir noch hinunter zum Fluss, wo es neben einer Holzbrücke einen Gesteinslehrpfad gibt. Hier befindet sich auch der Endpunkt der Prestfosstraversen, einer Zipline, die gerade gut genutzt wird.



      Hinter Lom biegen wir ab und durchqueren das Bøverdal und das Leirdal. Als ich mir einmal kurz die Füße vertrete, kommen mir diese drei Eichhörnchen vor die Kamera.



      Weiter geht es über das Sognefjell. So schneearm haben wir die Strecke noch nie gesehen, aber auch spät im Sommer ist die Landschaft beeindruckend schön. Es gibt mehrere Rastplätze, wo man in Ruhe die Szenerie auf sich wirken lassen kann.



      Als wir am Aussichtspunkt über das Dorf Fortun anhalten, haben wir die Hochgebirgsregion durchquert und sehen die abwärtsführenden Serpentinen vor uns. Auffällig ist die ausgeprägte Herbstfärbung der Vegetation. Wir werden später in den Fernsehnachrichten erfahren, dass die Region um den Sognefjord im Gegensatz zum Rest des Landes bis dahin sehr wenig Niederschlag hatte.



      Der Name Fortun kommt einem bekannt vor? Ja, die Stabkirche von Fantoft in Bergen stammt ursprünglich aus diesem Ort – natürlich der erste, später abgebrannte Bau.

      Nach einer kurvenreichen Fahrt erreichen wir gegen 19 Uhr das Hofslund Hotel in Sogndal, das uns für drei Nächte beherbergen wird. Unser winziges Zimmer im Altbau hat einen etwas versteckt liegenden Balkon (schwarzes Kreuzchen). Hier haben wir seitlich einen schönen Blick auf den Fjord und die neue Brücke.

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    • Tag 4 – Nigardsbreen – 29.07.2021

      Nun haben wir zwei volle Tage für Unternehmungen im Bereich des inneren Sognefjords zur Verfügung. Das Wetter soll trocken bleiben, aber die Bewölkung ist noch durchgehend. Ein wenig schade, denn heute wollen wir zum Nigardsbreen. Der ist von Sogndal aus ziemlich gut zu erreichen. 29 Km sind es bis Gaupne und von dort noch einmal 37 Km durch das Jostedal bis zum Breheimsenter.

      Dort halten wir kurz an, um einen ersten Blick auf den Gletscher zu werfen.



      Dann fahren wir weiter bis zum Parkplatz am Gletschersee, wo ein Boot uns zum Ausgangspunkt der Wanderung bringt.




      Vom See aus kommt uns die Gletscherzunge wesentlich kürzer vor als bei unserem letzten Besuch 1997. Zu Hause werden wir später die Bilder aus gleicher Perspektive vergleichen und das leider auch bestätigt finden. Die Eisfront war früher richtig imposant.




      Wir verlassen das kleine Boot und folgen den Markierungen, die den gangbarsten Weg zum Viewpoint anzeigen. Zunächst gibt es noch lockere Vegetation, später sehen wir nur noch glatte Felsen und müssen über kleine Ansammlungen von Moränenschutt klettern. Die Felsen sind von auffälligen Gesteinslinien durchzogen.




      Schließlich gelangen wir zu der Absperrung, hinter die man nicht ohne ortskundigen Führer gehen sollte. Von hier aus hat man immerhin einen guten Blick bis zum Gletschertor und kann auch den reißenden Fluss bestaunen.




      Nachdem wir genug geschaut und fotografiert haben, machen wir uns an den Abstieg. Es handelt sich nur um knapp 2 Kilometer, die mir letztlich aber doch etwas beschwerlich vorkommen. Leute unseres Alters haben wir hier auch nicht gesehen.




      Als wir uns umschauen, sehen wir in der Ferne auf dem Eis eine kleine Wandergruppe, und ich betätige noch einmal den Zoom.



      Ach ja, so waren wir vor 24 Jahren auch mit unseren zu der Zeit 15 und 13 Jahre alten Jungs unterwegs – bei besserem Wetter und besserer Kondition. Wir waren damals in verschiedene Seilschaften eingeteilt und so konnten ich sie fotografieren. Es ist ein unvergessliches Erlebnis und man fühlt sich sehr klein zwischen den imposanten Furchen des Eises, die im Spätsommer auch nicht mehr sehr weiß aussehen.




      Nun aber bringt uns das kleine Boot zurück zum Parkplatz.



      Wir fahren zum Breheimsenter, um dort auf der Terrasse ein paar Lachssandwiches zu verspeisen. Auf der Heimfahrt wollen wir uns noch die alte Kirche von Gaupne anschauen, die aber natürlich geschlossen ist. Also fahren wir zum Hotel zurück und entspannen auf unserem Balkon.
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    • Tag 5 – Solvorn und Urnes – 30.07.2021

      Der Wetterbericht hat schönes Wetter versprochen und tatsächlich haben wir endlich einen richtig sonnigen Tag. Heute wollen wir gern nach langer Zeit die Stabkirche von Urnes wiedersehen. Dafür müssen wir nicht weit fahren.

      Am kleinen Barsnesfjord entlang

      führt die Straße nach Solvorn, wo wir das Auto stehen lassen und um 11 Uhr die Fähre zum Ostufer des Lustrafjords nehmen. Der Blick auf Solvorn vom Schiff aus ist unglaublich schön und ich fotografiere pausenlos. Hier sind zwei Beispiele:




      Die Fähre legt an dem kleinen Ort Ornes an.



      Wir gehen die gewundene Straße bergauf zur Kirche. Die Sonne steht schon hoch und es wird uns richtig heiß. Wie gut, dass wir den anstrengenderen Ausflug zum Nigardsbreen am Vortag bei bedecktem Himmel unternommen haben.

      Die Stabkirche von Urnes ist die älteste erhaltene Stabkirche überhaupt. Die Ursprünge gehen auf das frühe 12. Jahrhundert zurück und ihr heutiges Aussehen entspricht bis auf den Dachreiter im Wesentlichen immer noch dem des Spätmittelalters.



      Teile einer noch älteren Kirche aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts haben beim Bau Verwendung gefunden. Herausragend ist dabei das geschnitzte ehemalige Nordportal mit seiner Tierornamentik aus der vorchristlichen Wikingerzeit – allgemein als Urnes-Stil bezeichnet. Hauptsächlich deshalb ist diese Kirche 1979 in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen worden.
      Wir schließen uns einer englischsprachigen Führung an und betreten das Innere der Kirche durch die ebenfalls reich verzierte Tür.



      Zur mittelalerlichen Ausstattung des Raumes gehört eine romanische Kalvariengruppe (Christus, Maria und Johannes) und ein eiserner Kerzenhalter auf dem Altar. Bemerkenswert sind die geschnitzten Kapitelle der Stäbe, die christliche Motive aufweisen.
      Die Kirche befand sich lange in Privatbesitz des Hofes Urnes. Im 17. Jahrhundert wurde in den offenen Dachstuhl ein Gewölbe eingezogen und es wurden zwei tragende Stäbe des Mittelraumes gekappt, um für Gestühl Platz zu schaffen. Ein Schildbürgerstreich! Die Kirche drohte einzustürzen und der Innenraum musste durch hässliche Schrägstreben gestützt werden.




      Draußen bleibe ich noch ein wenig auf der Feldsteinmauer sitzen, während mein Göga den Hang hinauf geht, um die Kirche von dort aus aufzunehmen.




      Urnes Gard gleich nebenan hat eine Gartenterrasse, wo man warme und kalte Getränke bekommen kann. Das nutzen wir aus und machen uns dann auf den Rückweg zum Anleger. Dabei passieren wir nicht etwa einen großen Friedhof; die Kreuze gehören zu einer Himbeerplantage.



      Die Fjorde in Norwegen sind generell Obstanbaugebiete. Bald kommen wir auch an einem der üblichen unbemannten Straßenverkaufsstände vorbei. Man bedient sich und legt das Geld einfach in die kleine Kasse. Hier gibt es unglaublich lecker aussehende Kirschen, aber wir müssen leider verzichten. Das an Bord der Color Magic eingetauschte Geld besteht in zwei 500-Kronen-Scheinen, die wir bislang noch nicht antasten mussten. Das Wechselgeld in der Kasse reicht dafür natürlich überhaupt nicht und so müssen wir auf die prallen Früchte verzichten. :(




      Als wir uns Solvorn mit der Fähre nähern, herrscht am kleinen Strand inzwischen reges Badeleben.



      Wir schlendern dann noch ein wenig durch den Ort und sehen auch hier einen besonders schönen Himbeerhof.



      Um die Fjordlandschaft zu genießen, fahren wir weiter in nordöstliche Richtung. Wo der kleine Gaupnefjord in den Lustrafjord mündet, haben wir einen schönen Blick auf die Nes kirke und Feigumfossen am gegenüber liegenden Ufer.



      Auf der Autokarte ist die Kirche in Dale als sehenswert markiert. Es ist tatsächlich eine sehr schöne Feldsteinkirche mit romanische Elementen aus dem 13. Jahrhundert, die auch eigentlich geöffnet sein sollte. Ein freundlicher Anwohner fragt telefonisch nach und erfährt, dass die Schließung mit der Covid-Pandemie zu tun hat.



      Enttäuscht steuern wir einen Schnellimbiss an und machen uns am späten Nachmitttag auf den Rückweg.
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    • Tag 6 – Über Fjærland und Jølster an den Førdefjord - 31.07.2021

      Heute ist ein Reisetag. Wir verlassen Sogndal und wollen abends das gemietete Ferienhaus an der Küste beziehen.

      Die E5 entlässt uns nach mehreren Tunneln beim Gletschermuseum von Fjærland. Hier steigen wir kurz aus, um einen schönen Blick vom Dach des Gebäudes auf einige Ausläufer des Jostedalsbreen zu haben.



      Danach machen wir einen Abstecher in den Ort selbst, wo gerade ein sommerlicher Volkswettkampf stattfindet. Die Teilnehmer müssen erst zu Kajaks hinschwimmen, dann eine Strecke paddeln und schließlich zum Ausgangspunkt zurück laufen. Alle Welt ist mit Fähnchen und zum Teil sogar kostümiert auf den Beinen.



      Wir schauen eine Weile zu und dann gehe ich zum eigentlichen Zweck meines Besuches über:

      Fjærland ist sogar in der Autokarte als „bokbyen“ hervorgehoben. Der Ort ist bekannt dafür, dass in mehreren kleinen Häuschen und Schuppen Antiquariate eingerichtet sind. Das möchte ich heute ausnützen. Seit Jahren bringe ich mir bei jedem Besuch aus Norwegen Bücher mit oder bestelle mir manchmal auch welche per Post. Sie häufen sich im Bücherschrank an, aber niemand sonst in der Familie oder im Freundeskreis kann sie lesen. Um für neue Literatur Platz zu machen, habe ich also einen Schwung Bücher ins Auto gepackt, von denen ich sicher bin, dass ich sie nicht ein zweites Mal zur Hand nehmen werde. Krimis von Jussi Adler Olsen habe ich bereits im Bücherregal der Hotelbar in Sogndal zurückgelassen. Nun habe ich noch einen Stapel Romane von Camilla Läckberg abzugeben.
      Die kleinen Buchläden stehen alle offen, aber kein Mensch ist zu sehen, weil jeder sicher die Wettkämpfer anfeuert. Ich suche also im nächstbesten Raum eigenmächtig die Rubrik „krim“ und sortiere meine bestens erhaltenen Bändchen unter L ein. Hoffentlich wird jemand Freude daran haben.



      Wir werfen noch einen Blick auf das Traditionshotel Mundal, dass wohl stark heruntergekommen gewesen sein muss. Nun wird es offenbar rundum erneuert.



      Dann fahren wir wieder weiter nach Norden, machen aber bald Halt am Bøyabreen. Auch dieser Gletscher hat sich merklich zurückgezogen. Es gibt eine Cafeteria mit Panoramafenster und wir stimmen überein, dass der Blick bei unserem letzten Besuch vor 11 Jahren doch beeindruckender war.




      Wenige Kilometer weiter nördlich kommen wir zur Gemeinde Jølster, die von einem fjordartigen See durchzogen wird, dem Jølstravatnet und seiner südöstlichen Verzweigung, dem Kjøsnesfjord.
      Wir fahren erst in den größeren Ort Skei, wo wir im Supermarkt Einkäufe tätigen und für Mitbringsel noch in Audhild Vikens Vevstove vorbeischauen. Es handelt sich hier übrigens um den ursprünglichen Laden. Der gleichnamige auf Bryggen in Bergen ist eine Zweigniederlassung.

      Bei Kjøsnes fahren wir über die Brücke, um auf die schmalere Straße am Südufer des Jølstravatnet zu gelangen. Der Blick auf das Nordufer ist sehr malerisch.



      Der Meinung war ganz offensichtlich auch der bedeutende norwegische Maler Nikolai Astrup (1880-1928), dessen Heim und Museum wir jetzt besuchen.



      Als ältester Pastorensohn sich ganz der Malerei widmend, hatte er von seinem strengen Vater wenig Unterstützung. Die drei kleinen Häuschen, die zu dem mühsam bewirtschafteten kleinen Hof gehören, hat er nacheinander für sich und seine wachsende Familie gebaut. Er hatte mit 27 eine 15jährige Bauerntochter geheiratet und mit ihr 8 Kinder großgezogen.

      Der Naturgarten mit den Grasdachhäuschen erscheint einem heute wie ein Gesamtkunstwerk.



      Erst in dem größten und zuletzt 1926 erbauten Haus hatte der Maler im Dachgeschoss ein eigenes Atelier. Leider starb er schon zwei Jahre später an Lungenentzündung.

      Die Anlage umfasst weiterhin ein kleines Museum, in dem sich auch einige Originalgemälde und Holzschnitte befinden. Die meisten Werke kann man jedoch in Oslo und Bergen bewundern. Hier gab es vor einigen Jahren eine Sonderausstellung .

      Nun machen wir uns ohne weitere Verzögerung auf den Weg zu unserem Ferienhaus, wo wir am späten Nachmittag freundlich von den Vermietern empfangen werden.

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    • Tag 7 – Askvoll und Dalsfjord – 01.08.2021

      Inzwischen haben wir uns in dem Ferienhaus eingerichtet, das wir über Booking.com gefunden hatten und das über Interchalet vermietet wird. Es liegt auf einer Halbinsel am Førdefjord; die Entfernung zu den nächsten größeren Orten Førde im Osten und Askvoll im Südwesten beträgt jeweils gut 30 km.
      Es handelt sich um ein 100 Jahre altes Bauernhaus im Familienbesitz unserer Vermieterin. Unmittelbar nebenan haben die Eheleute sich ein kleines, modernes Haus gebaut. Sie befinden sich im Ruhestand und betreiben hobbymäßig noch ein wenig Schafzucht, auch um den Bewuchs auf dem riesigen Hanggrundstück kurz zu halten.

      Wir machen also quasi Ferien auf dem Bauernhof. Die aller nächste Umgebung empfinden wir als idyllisch und der Blick über den Fjord ist wunderschön.



      Wir wollen das sonnige Wetter ausnützen und fahren kurz nach 9 Uhr in Richtung Askvoll. Kurz bevor wir das Ufer des Førdefjords verlassen, können wir in nordwestlicher Richtung bis zu den Industrieanlagen von Florø blicken.



      Südlich geht es am Stongfjord entlang, wo Ufer und Wolken sich in dem ruhigen Wasser spiegeln.



      Das Städtchen Askvoll liegt bald prächtig vor uns in der Sonne. Wir kennen es von einer früheren Reise her schon gut. Man kann hier sehr interessante Bootsausflüge machen. Danach steht uns heute noch nicht der Sinn.



      Ich statte zunächst dem Rathaus einen Besuch ab, um zwei lokalhistorische Bücher zu kaufen, die ich auf der Website von haugenbok gefunden hatte. Es handelt sich um zwei dicke Wälzer mit dem Titel „Hav og fjordfolk“ I und II, die je 498,- NOK kosten sollen. Der erste Band, der die frühe Zeit bis 1850 behandelt, ist offenbar ein Ladenhüter. Wenn man den zweiten Band erwirbt, bekommt man inzwischen den ersten gratis dazu. Das freut mich natürlich außerordentlich.

      Beim Auto schlage ich vor, dass wir uns heute den Dalsfjord anschauen, der landschaftlich sehr schön sein soll. Wir fahren also südlich von Askvoll nach Westen und haben bald den einzigen etwas größeren Ort Dale vor uns, den wir über eine Brücke und einen Kreisverkehr im Berg erreichen. Selbst in dieser vergleichsweise abgelegenen Gegend hat man also keine Kosten für den Straßenbau gescheut.



      Wir parken im alten Ortskern nahe der komplett eingerüsteten Kirche. Daneben gibt es einige recht schöne Holzhäuser und die Skulptur eines Knaben. „Vesle Daniel“ lesen wir und recherchieren, dass es sich um eine Figur des beliebten norwegischen Schriftstellers Jakob Sande (1906-1967) handelt. Im vergangenen Jahr wurde in seinem Geburtort Dale sogar ein Zentrum für Erzählkunst eingeweiht.



      Wir schauen uns noch ein wenig am Ufer um.



      Dann verlassen wir den Ort in östlicher Richtung. Kurz hinter dem Tunnel steige ich aus, um endlich den 135 m hohen Laukelandsfossen zu fotografieren, den man während der Fahrt schon mehrfach sehen konnte.



      Wir folgen dem Dalsfjord bis zu seinem Ende und kehren dann über Førde zum Ferienhaus zurück, wo wir es uns im Garten mit einem Becher Kaffee gemütlich machen.

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