Blick in die Vergangenheit - Im Freilichtmuseum

    • 2021
    • Mitte
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      Blick in die Vergangenheit – Im Freilichtmuseum (29.08.2021)

      Trotz des erwarteten Regenwetters wagten wir gestern einen Besuch des Niederbayerischen Freilichtmuseums in Massing. Massing ist eine kleine 4.000 Seelen-Gemeinde im Landkreis Rottal-Inn, die östlich an den Landkreis Landshut angrenzt, zwischen Vilsbiburg und Eggenfelden.
      Die Tour zu diesem Freilichtmuseum bot sich an, da es nur rund 50 km entfernt von Landshut liegt und daher schnell zu erreichen ist.

      Gegen 10:40 Uhr trafen wir auf dem kostenlosen Parkplatz vor dem Eingang zum Museum ein. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 6 Euro pro Person (Kinder ab 6 Jahren – 3 €). Einlass nur gemäß der 3-G-Regeln und man bekommt an der Kasse eine kurze Einweisung zu den Hygieneregeln im Museum.
      Allgemein benötigt man die FFP2-Maske nur, wenn man an den Ständen mit Handwerkervorführungen zu Mehreren steht, und in den Gebäuden. Man bekommt an der Kasse eine hölzerne Wäscheklammer, auf die der Name, Vorname oder ein anderes Erkennungszeichen geschrieben wird. An jedem der Gebäude befindet sich ein Schild mit einer Zahn und darunter hängt eine kleine Schnur. Betritt man ein Gebäude, klemmt man seine Wäscheklammer auf die Schnur und nimmt sie beim Verlassen des Gebäudes wieder ab.
      So erkennt man schon am Hauseingang, wie viele Besucher aktuell im Gebäude sind. Die Zahl auf dem Schild gibt die maximal zulässige Besucherzahl für das jeweilige Gebäude an. Wie ich finde, ein gutes und einfaches Konzept.



      Gleich am Eingang befindet sich der große Schusteröderhof, ein typischer niederbayerischer Vierseithof. Der Stadel des Hofes beherrbergt die Kasse und einen kleinen Museumsshop. Die Bauten des Hofes stammen aus mehreren Landkreisen, also ist der Hof eine Rekonstruktion. Der Getreidekasten des Hofes stellt heute die Museumsgaststätte dar.
      Ein Handwerker zeigt hier auch, wie man Stühle und Tische mit Geflecht herstellt.



      Die einzelnen Gebäude des Hofes stammen teilweise noch aus den 1770er Jahren und wurden Ende der 1960er Jahre abgebrochen und ab 1969, der Eröffung des Freilichtmuseums, hier wiederaufgebaut. Im Innern findet man Zeugnisse aus dem damaligen bäuerlichen Leben, sowei eine kleine Ausstellung in einem unteren Räume. Das Gebäude ist sowohl im unteren Wohnbereich, wie auch im oberen Schlafbereich zu besichtigen.



      Am Hauptgebäude, einem der wenigen noch erhaltenen Rottaler Stockhäuser, sehe ich auf dem Balkon auch einige Bienenstöcke. Etwas abseits des Hofes steht ein kleines, altes Backhaus, in dem heute sogar auch gebacken wurde (sonst nur jeden Mittwoch). Das leckere, frischgebackene Sauerteigbrot kann man natürlich auch erwerben, den 1,5 kg Laib für 5,50 €, was ich mir nicht habe nehmen lassen.
      Auf dem Weg zum nächsten Hof kommt man noch an dem kleinen Hirtenhaus vorbei. Gleich dahinter hat ein Imkermeister aus Bad Birnbach einen Stand. Hier kann man, neben Bienenwachsprodukten und den unterschiedlichsten Honigsorten, auch Met und Honigspirituosen, sowie Kosmetik kaufen.



      Bevor man nun den Kochhof erreicht, steht man vor dem Freisinger Häusl. Es gilt als eines der ältesten Bauernhäuser Niederbayerns und ist durch eine Inschrift im Obergeschoß auf das Jahr 1611 zu datieren. Das Häusl wird im Museum so nüchtern präsentiert, wie es erhalten war.
      Gleich gegenüber findet sich Beispiele der Tierwelt des Hofes. Man wird hier vom heftigen Schnattern der Gänse begrüßt (gewisse Ähnlichkeiten mit dem Geräuschpegel so mancher Forentreffen wäre rein zufällig … ). Hier findet man auch noch frei lebende Hühner.



      Hier befindet sich auch eine große Sauweide, eine Art Riesensuhle, in der sich die Schweine sichtbar sauwohl fühlen. Das zufriedene Gegrunze ist jedenfalls auch deutlich zu hören. Im Innenhof des Vierseithofes befindet sich, wie früher üblich, ein Misthaufen. Vor dem Hauptgebäude zeigt ein Korbmacher seine Kunst. Die so erzeugten Korbwaren kann man bei Interesse auch erwerben.



      Im Stadel hat ein Drechsler seine Drechselbank aufgebaut und drechselt hier kleine Kunstwerke, die er dann auch zum Verkauf anbietet. Im Hauptgebäude selbst finden sich Möbel und Ausstattungen, die einem Zustand von ca. 1930 entsprechen und vom alten Kochhof so übernommen werden konnten.



      Die Schlafräume im Obergeschoß zeigen eindrücklich, wie viele Personen einst auf so einem Bauernhof gelebt und gearbeitet haben. An der Länge der Betten kann man auch erkennen, dass die Menschen damals im Durchschnitt doch etwas kleiner waren, als es der Durchschnitt heute ist.
      Hinter dem Hof befindet sich ein 13,25 m hoher Windbrunnen, der aus 10,4 m Tiefe Wasser über hölzerne Rohre fördert.



      Wir erreichen das hintere Ende des Museums. Hier steht ein weiterer großer Vierseithof, der Heilmeierhof. Er besteht aus Wohnstallhaus, Stadel, Getreidekasten, Austragshaus, sowie Wasch- und Backhaus. Der Hof stellt eine Rekonstruktion eines Gastwirts-Anwesen in der Landwirtschaft dar und beherrbergt auch einen kleinen Kramerladen, in dem sich die Landwirte und ihre Helfer mit den damals notwendigen Kleinigkeiten des täglichen Lebens versorgen konnten.



      Als nächstes gelangt man zur Marxensölde, ein Mittertennhaus, wie es einem wirtschaftlich gut aufgestellten Bauern gehört hat. Im Gebäude ist ein Zustand von etwa 1885 rekonstruiert, zu dem auch ein aus Ziegeln gemauerter Backofen gehörte. Die Bauern solcher Häuser übten, neben der Landwirtschaft, meist noch ein Handwerk aus, was ihnen ein gutes Gesamteinkommen sicherte.



      Im Museum befindet sich neben der Marxensölde die Seilerei Eder. Auf der Reeperbahn in dem langen Gebäude kann man dem Seiler beim Herstellen von Seilen für den bäuerlichen Bedarf zusehen. In dem langen Gebäude lassen sich auch Filme über das Seilerhandwerk und die Geschichten der Seilerei Eder aus Pfarrkirchen, sowie der Seilerei Sachenbacher aus Vilsbiburg ansehen.
      Die vielen alten, wertvollen Maschinen stammen aus der Vilsbiburger Seilerei.
      Etwas weiter des Weges kommt man am Hopfengarten vorbei. Dahinter finden sich Truthähne und Gänse auf einer großen Wiese.



      Der Lehnerhof, der letzte Hof auf dem Rundgang, stellt den typischen Hallertauer Hof dar. Hier stand neben der Schweinemast und der Milchwirtschaft auch der Hopfenanbau im Mittelpunkt. Schweine-, Kuh- und Pferdestall bilden mit dem Wohntrackt eine große Einheit. Dieser typische Hopfenbauernhof stammt aus der Mitte des 19.Jahrhunderts.



      Letzter Anlaufpunkt, bevor man wieder den Schusteröderhof und damit den Ausgang erreicht, ist die Kegelbahn. In Bayern war das Kegeln einst Volkssport und wurde schon vor 1900 auf speziellen Kegelbahnen betrieben. Die Kegelbahn im Museum stammt aus Egglkofen und wurde 1904 erbaut.
      Die Kegel wurden damals von einem Kegelbub wieder aufgestellt und die lochlose Kugel in eine leicht abfallende Rollbahn gelegt, damit sie wieder zum Beginn der langen Holzbohle herunterrollte.

      Zurück am Schusteröderhof beendet wir, nach einem Blick in den Museumsladen, den Besuch des Museums.
      Das Museum ist sehr empfehlenswert und man sollte ausreichend Zeit mitbringen, sich in den einzelnen Höfen auch über die dort reichlich angebrachten Informationstafeln umfassend zu informieren.

      Erst auf der Rückfahrt setzte dann Regen ein. Die gut über drei Stunden, die wir im Museum unterwegs waren, blieben glücklicherweise regenlos.



      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Das Witzige an der Station war eine Mutter mit ihrem kleinen Zwerg im Kinderwagen. Er wollte unbedingt nah an den Zaun, um die Gänse zu sehen. Kaum hatte die Mutter den Wagen bis an den Zaun geschoben, kamen die Gänse laut und wild schnatternd angelaufen und der Kleine im Kinderwagen heulte heftig los (wahrscheinlich hat er sich so erschrocken und nicht damit gerechnet =O ). :mosking:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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