Grönland mit der MS Ocean Diamond - mit Island und Ilulissat auf eigene Faust (07.08.-02.09.2015)

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    • 2015
    • Grönland mit der MS Ocean Diamond - mit Island und Ilulissat auf eigene Faust (07.08.-02.09.2015)

      Reisefrust statt Reiselust: eine Grönlandreise und eine lang geplante Islandumrundung storniert X( - und dann noch das: Sternfahrt zum Familienpicknick im Grünen wegen Kälte, Regen und Wind gecancelt. Da sitze ich und grolle vor mich hin. :evilgrin:
      Gut, dass es Erinnerungen gibt! Auf einer Reise war ich in Island und Grönland! Da könnte ich doch.....
      Schreiben als Trostpflaster? Hoffentlich!!

      Eine Entdeckung im Winter 2014: Die MS Ocean Diamond, die bisher nur für Islandumrundungen eingesetzt war, fuhr 2015 zum ersten Mal nach Grönland, und das zu einem erstaunlichen Single-Reisepreis (Die Reise kostet mittlerweile fast das Dreifache). Startpunkt war Reykjavik, Endpunkt Kangerlussuaq. Flüge waren nicht inkludiert, die musste ich also selbst buchen. Warum dann nicht eine Woche früher nach Island? Und wenn ich schon mal in Grönland war.... Ich könnte doch von Kangelussuaq doch noch einmal nach Ilulissat zurückfliegen. Gesagt, getan, und nach einem Buchungsmarathon stand die Reise endlich und die Vorfreude konnte beginnen.


      07./08.08.2015 Anreise - Flug nach Keflavik

      Wie immer freut sich meine Tochter, wenn ich auf dem Weg zum Abflughafen Düsseldorf bei ihr eine Zwischenübernachtung in Köln einlege, und nach einer sehr kurzen Nacht sitze ich schlaftrunken im Flieger. Von Keflavik nehme ich den Bus zum Domestic Airport in Reykjavik. Dort wartet mein Mietauto auf mich. Das ist praktisch, denn das Schiff wird in einer Woche in Reykjavik starten, und dann bin ich schon vor Ort.
      Meine Unterkunft in der Nähe von Selfoss ist ein Glücksgriff. Die Vermieterin ist Schweizerin, ich der einzieg Gast, und wir kommen bei einem köstlichen Abendessen schnell ins Gespräch. Es endet mit einem Büchertausch. Ich habe ein Buch über deutsche Frauen, die nach dem Krieg nach Island ausgewandert sind, dabei, und meine Gastgeberin schenkt mir das Erstlingswerk eines Freundes: Joachim B. Schmidt, In Küstennähe. Wir tauschen, und die Geschichte über einen schrägen Menschen voller Irrungen und Wirrungen, lakonisch und berührend erzählt, begleitet mich durch Island.


      09.08.2015 Westmännerinseln

      Beim Frühstück versuche ich, eine Unterkunft für die nächsten zwei Tage zu finden. Alles weit und breit ausgebucht! =O Da ist guter Rat teuer.
      Nur auf den Westmännerinseln findet sich noch ein Zimmer. Darf ich mit dem Mietauto auf die Fähre? Egal, ich versuche zu buchen. Alles ausgebucht, aber ein vorderer Wartelistenplatz macht mir Hoffnung.

      So aufregend hatte ich mir meinen ersten Islandtag nicht vorgestellt. Bei der Fahrt entlang der Küste entspanne ich ein wenig. Schönstes Wetter, was will ich mehr?
      Einen Platz auf der Fähre natürlich!





      Ich stehe wirklich ziemlich vorne in der Wartelistenschlange, schaue sehnsüchtig aufs bewegte Meer und hoffe.





      Es klappt tatsächlich, und los geht's auf die Inseln, von denen ich nur wenig weiß, denn sie stehen ja nicht auf meinem Plan.
      Der Blick auf den Hafen ist von einem erkalteten Lavastrom halb verdeckt. Darüber werde ich noch mehr erfahren.





      Das Hotelzimmer ist schnell bezogen, und der freundliche Inhaber gibt mit erste Tipps für eine kleine Inselrundfahrt.





      Dass dieser Berg kaum ein paar Jahrzehnte alt ist, weiß ich auch noch nicht.
      Eine Joggerin erzählt mir von der Skulptur. Wenn ich noch wüsste, was! Sieht ein wenig aus wie ein Schaf.
      Ich genieße das herrliche Wetter und den Blick aufs "Festland" mit dem unaussprechlichen Eyafjallajökull. Da liegt er friedlich im Sonnenlicht. Vor fünf Jahren hat er mit seinem Ausbruch den Flufverkehr in ganz Europa lahmgelegt. Aber auch ich stehe auf explosivem Grund, wie ich am nächsten Tag erfahren werde.





      Schafe direkt neben der kleinen Landebahn! Einen Zaun kann ich nicht entdecken, aber es wird hoffentlich einen geben.








      Vorbei an zwei Austernfischern, die das Wandern für sich entdeckt haben, geht es zurück zum Hotel.








      Gute Nacht!


      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Dann warst du ja genau vor uns auf dem Schiff, bis Kangerlussaq am 27.August. Wir sind da am Abend aufs Schiff gegangen und haben die zweite Grönlandtour bis zurück nach Reykjavik gemacht. ;)
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • @Jobo, ich hab mich ja schon in deinen tollen Bericht vertieft und viel Gemeinsames gefunden, aber auch Überraschungen, z.B. eure
      geplatzte Anlandung in Ilulissat. Da hatte ich mich nämlich als Begrüßungskomitee angekündigt, stand aber leider vergeblich am Hafen.
      Aber davon später mehr.

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Wir schön, da fahre ich sofort mit! Die ungeplanten Vestmannaeyjar bei solchem Wetter, darum beneide ich dich! Vergangenes Jahr wollte ich endlich auch mal auf die Inseln, aber das muss jetzt bis nach der Pandemie warten....Das "Trostpflaster" nehme ich daher gerne an :)
      Viele Grüsse, Albatross
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    • @omlia :Ich bin auch dabei, obwohl Islandreiseberichte bei mir momentan auch weniger schöne Erinnerungen wecken: erstens an die Islandreise, die ich 2019 gesundheitsbedingt stornieren musste und an eine ins Auge gefasste, aber zum Glück noch nicht gebuchte Islandreise, die 2020 dem Pickelvirus zum Opfer gefallen ist.

      Andererseits erinnen mich Deine Fotos aus Heimaey an einen Tag mit Bilderbuchwetter auf den Westmännerinseln und nun werde ich parallel zum Lesen Deines Berichts endlich mein Fotobuch über diesen fantastischen Teil meiner Reise zu den Schafsinseln (2017) fertigstellen.

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    • @alle, schön, dass ihr eine Alleinreisende begleiten wollt. Das freut mich!
      @Balou, da musst du wohl sehr sehnsüchtig hoffen, denn es gibt leider noch keine Anzeichen, dass sich Grönland für Touristen öffnet.
      Ich drück dir jedenfalls fest die Daumen!
      @Albatross, ja, das Wetter war wirklich beneidenswert. Schade, dass morgen schon mein letzter Inseltag ist!
      @Sterna paradisaea, mir hilft das Schreiben über den Stornofrust hinweg. Vielleicht tröstet dich ja das Lesen und dein geplantes Fotobuch. Wie lange warst du denn auf den Schafinseln? Du meinst doch die Färöer?

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • 10.08.2015 Westmänner Inseln


      Im Januar 1973 gab es völlig unerwartet einen großen Vulkanausbruch, der viele Häuser zerstörte. Wie durch ein Wunder konnten alle Einwohner gerettet werden, denn wegen eines starken Sturms lagen alle Fischerboote im Hafen und konnten die Menschen in Sicherheit bringen. Ein neuer Vulkankegel entstand: Das Eldfell. Der 5 Monate dauernde Lavafluss drohte die Hafeneinfahrt zu versperren. Durch einen gewaltigen Kraftakt konnte das verhindert werden: Mit Wasserkanonen konnte man den Lavafluss in letzter Sekunde stoppen, und heute bietet die erkaltete Lava einen zusätzlichen Schutz für den Hafen.
      Vor einigen Jahren hat man einige verschüttete Häuser ausgegraben und um eines herum ein Museum gebaut. Und so zeigt sich das "Pompeji des Nordens":








      eldheimar.is/


      Hier ein beeindruckender Film, der mehr sagt als alle Worte (Auf youtube gibt es auch eine Langversion):






      Die Luftbilder von heute zeigen die Dimensionen des neu entstandenen Vulkans:






      Meine Suche nach den Papageitauchern im Süden und im Hafengebiet bleibt leider vergeblich. Ich kann nur einige weit entferne Vögel entdecken. Die Zahl der Puffins hat erheblich abgenommen, wie mir ein Einheimischer erzählt.
      Für ein besonderes Ereignis ist es noch zu früh. Schade, da wäre ich gerne dabeigewesen! Wenn die kleinen Papageitaucher flügge werden, fliegen sie nachts statt aufs Meer in den hell beleuchteten Ort und landen am Boden. Von dort können sie nicht starten. Nun schlägt die Stunde der Kinder. Sie sammeln die kleinen Vögel ein und helfen ihnen bei ihrem Start in den Himmel. Berührend, mit welcher andächtigen Freude die Kinder bei der Sache sind (vor allem im zweiten Teil des Films).






      Wenn schon weit und breit keine Papageitaucher,...







      dann wenigsten ein paar Möwen.






      Diese beiden Streetart-Kunstwerke sind mir bei einem späteren Besuch (2018) vor die Linse gekommen.





      Was für schöne Lichtspiele am Abend! Wehmut kommt auf, denn morgen geht es zurück aufs "Festland".





      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Mit den Papageientauchern hatten wir 2017 mehr Glück und die die dekorativen Häuser sind mir damals auch schon aufgefallen. :thumbsup:
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • @Jobo, danke für den Link zu deinem Heimæy Aufenthalt und deine umfassenden Beschreibungen.
      Ich war übrigens 2018 auch mit der MS Ocean Diamond dort, allerdings auf dem Weg nach Grönland. Das war der "Islandschlenker", bevor es auf Grönland zuging (2015 ging es zunächst nach Stykkishólmur). Wir waren auch in der Höhle und beeindruckt vom Gesang von Arndis Halla. Örvar war leider nicht mehr dabei.

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • 11.08.2015 Heimæy - Vik - Jökulsárlón


      Auf dem Frühstücksbuffet schaut mich eine Flasche Lebertran an. Was fast alle Isländer freiwillig täglich überleben, sollte mir doch auch gelingen. Kleine Becher stehen bereit. Soll ich mir die Nase zuhalten? Nein, wenn schon, denn schon!! Mit dem Geschmack poppen Kindheitserinnerungen an die Schule auf: Haferbrei und der tägliche Löffel Lebertran, gefürchtet von uns allen. :arghs: Kräftiger Applaus und Gelächter reißt mich aus meinen Erinnerungen. Am Nebentisch sitzt eine Gruppe amerikanischer Geologen, von denen niemand die Mutprobe auf sich nehmen wollte. So werde ich ungewollt zu ihrer "Frühstücksheldin". Dabei war es eigentlich gar nicht so schlimm, und der Geschmack schnell vom Kaffee überdeckt, ganz im Gegenteil zum Gammelhai, den ich als Autofahrer einmal ohne Brennivin probiert habe. Das fast traumatisches Geschmackserlebnis begleitete mich den ganzen Tag. :blerg:
      Nach einem interessanten Gespräch mit den Geologen wird es Zeit für die Fähre.


      Ein letzter Blick auf die schönen Felsgebilde der Hafenausfahrt....




      ...dann geht es an Land und vorbei an dem Hof am Fuße des Eyjafjalljökull. Er war nach dem Ausbruch des Vulkans mit einer dicken Schicht Asche bedeckt. Im Gegensatz zu einigen anderen Höfen hat die Bauernfamilie nicht aufgegeben. In ihrem kleinen privaten Museum gibt es einen beeindruckenden Film über den Ausbruch. Heute fahre ich aber vorbei am Museum, denn meine nächste Unterkunft in der Nähe von Höfn ist noch weit entfernt.





      Immer wieder biege ich von der Hauptstraße ab, um in Ruhe die faszinierende Landschaft zu bestaunen.




      Dyrhólæy kurz vor Vik ist ein phantastischer Aussichtspunkt.




      Nachdem ich in Vik meine Lebensmittelkiste aufgefüllt habe, geht es durch eine Lava-Mondlandschaft auf das Skaftafell mit seinem beeindruckenden Gletscher zu.





      Ich biege für einen kurzen Stopp zum Informationzentrum Skaftafell ab. Dort gibt mir eine junge Studentin einen Geheimtipp: die Gletscherlagune Fjallsárlón in der Nähe der berühmten Jökulsárlón Lagune. Der Tipp hat sich wohl herumgesprochen, denn mich erwarten Autos über Autos. Kein Parkplatz zu finden, und so fahre ich nach ein paar Fotos wieder zurück auf die Ringstraße. Aber ich werde wiederkommen, denn ich bleibe für einige Tage in der Gegend.









      Auch bei der Gletscherlagune Jökulsárlón sieht es nicht anders aus. Überall Besucher. Kurzer Stopp: Hallo Seehund! Die junge Küstenseeschwalbe ruft lauthals nach Futter, und die Eltern lassen sich nicht bitten und fliegen eifrig hin und her.









      Am Abend komme ich müde in meiner Unterkunft, einer Schaffarm, an. Hier bleibe ich für drei Nächte. Juppi, es gibt ein leckeres Abendbuffet, natürlich mit viel Schaffleisch. So kann meine Lebensmittlekiste geschlossen bleiben.
      Ein letzter Blick aus dem Fenster, dann schlafe ich einem neuen Tag voller Ereignisse entgegen.






      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Nach dem obligatorischen Morgenblick auf die Fagradalshraun-Webcams geneße ich jetzt deine wie immer wunderbaren Fotos und träume mich aus dem hiesigen Regenwetter nach Island ;) Das Nunatak-"Herzchen" im Gletscher am Fjallsárlón ist klasse, das hat mich auch immer fasziniert!
      Viele Grüsse, Albatross
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