Im Frühling auf die Varanger-Halbinsel: Mit dem Auto von Hafen zu Hafen (25.05.-13.06.2018)

    • 2018
    • Im Frühling auf die Varanger-Halbinsel: Mit dem Auto von Hafen zu Hafen (25.05.-13.06.2018)

      Da bin ich schon wieder mit einem Bericht. Es ist aber auch einfach zu verlockend, den Tag mit schönen Reiseerinnerungen zu beginnen.
      Diesmal möchte ich euch in meine norwegische Lieblingslandschaft mitnehmen. Vom Schiff aus erscheint sie wenig spektakulär: keine schneebedeckten Berggipfel, tiefen Fjorde,.... und wenn man "Hurtigruten-Winterfahrer" ist, hüllt sie sich weitgehend in Dunkelheit. Erst wenn man sie zu Land bereist, zeigt sie sich in ihrer ganzen arktischen Schönheit.
      Am 25.Mai geht es mit dem Zug durch die schon fast sommerliche Eifel nach Köln zu meiner Tochter. Lange Gespräche, kurze Nacht.


      26.05.2018


      Von Düsseldorf geht es mit dem Flieger nach Helsinki. Hat sich der Pilot verflogen? Es wimmelt nur so von asiatischen Reisenden. Aha, Helsinki ist ein wichtiges Drehkreuz für Asienflüge. Die Geschäfte haben sich auf das asiatische Publikum eingestellt. Besonders beliebt ist die Moomin-Familie. Ich kannte bisher nur die schönen Bücher (Tove Jansson, Geschichten aus dem Mumintal), aber mittlerweile hat die Vermarktungsmaschine zugeschlagen, und ich stehe staunend zwischen Geschirr, Bettwäsche, Handtüchern, T-Shirts.... Was es alles gibt! =O
      Weiter geht es nach Ivalo. Dort wartet mein Mietauto auf mich. "Pass bitte auf die Rentiere auf", bekomme ich mit auf den Weg. Es dauert nicht lange, da kreuzen die ersten gemütlich die Straße. Vor einigen Jahren hatte ich sie schon auf dem Parkplatz des Flughafens getroffen. Wohin sie wohl reisen wollten? ;)






      Meine Unterkunft zu finden ist eine echte Herausfoderung. Auf der E75 geht es vorbei an Inari bis nach Kaamanen, kurz vor der Abzweigung der Straße 92 nach Karasjok.
      Der Vermieter hat mir den Weg beschrieben, aber den kleinen Waldweg zu finden ist nicht einfach, und dann verzweigt er sich noch. Aber schließlich stehe ich staunend vor diesem "Palast" ganz für mich alleine. Steht der Snowscooter noch oder schon da, oder bleibt er während des kurzen Sommers einfach dort stehen?
      Drinnen fehlt es an nichts. Ich habe die Wahl zwischen 3 Schlafzimmern, der Wohnraum ist sehr gemütlich, die Küche perfekt, und es gibt sogar schnelles Internet .
      Hier bleibe ich gerne für drei Nächte. Der See lädt noch nicht zum Bade ein, aber dafür gibt es noch keine Mücken :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: , und ich kann den Tag gemütlich am See ausklingen lassen. Heute Morgen noch Köln und jetzt diese wunderschöne Idylle!







      27.05.2018



      An der Straße fällt mir ein unscheinbares Blockhaus auf. Davor parken erstaunlich viele Autos, ganz ungewöhnlich in dieser einsamen Gegend. Mal sehen, was es dort zu entdecken gibt. Volltreffer: Straßenarbeiter, der Postbote, ein Wildwart machen dort Pause, vor allem aber sehe ich Kameras mit riesigen Objektiven. Ich bin an einem Hotspot für Birder gelandet. Die Rückfront des kleinen Cafés ist komplett verglast und gibt den Blick frei auf einen Futterplatz für Vögel. Ich erfahre von den Fotografen, dass sie auf den legendären Hakengimpel warten, einen über 20cm großen Finken, der in arktischen Gefilden zu Hause ist und in "freier Wildbahn" nur schwer zu beobachtne ist. Hier wird er das ganze Jahr über mit Futter angelockt und zeigt sich regelmäßig. Aber zunächst gibt das Eichhörnchen eine akrobatische Vorstellung.






      Voilà: Monsieur und Madame in ihrer ganzen Größe und Pracht!






      Die Landschaft ist nicht spektakulär, strahlt aber eine wunderbare Ruhe aus.






      Einer der Birder in dem Café hatte mir von einem Vogelbeobachtungsturm in der Nähe erzählt, und schon auf dem Weg dahin begegnet mir dieses Singschwanpaar, verbunden in inniger Zuneigung.






      Die Schneeschmelze ist noch nicht lange vorbei, und vom Turm aus ersteckt sich der Blick über ausgedehnte Überschwemmungsgebiete.





      Vorbei an einer idyllisch gelegenen Hütte (Die könnte mir auch gefallen) geht es zurück zu meiner Komfortunterkunft.
      Was für ein schöner erster Tag!





      Viele Grüße
      omlia :)

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    • omlia wrote:

      Die Landschaft ist nicht spektakulär

      @omlia
      Da muß ich dir total widersprechen: Einfach zauberhaft diese Landschaft! Und was heißt schon "spektakulär" ?
      Ein bißchen kannte ich ja schon von deiner Reise, aber jetzt freue ich mich, mitfahren zu dürfen und vor allem, deine unglaublich tollen Fotos zu genießen! Das hilft, die Trauer wegen der aktuell stornierten Reise zu verkraften und gleichzeitig die Sehnsucht in, wenn auch noch verhaltene, Vorfreude zu verwandeln. :)
      Liebe Grüße von Trollebo
    • Lundefugl wrote:

      Ich bin schon ganz gespannt, wie es weitergeht!

      Ich auch. Das hört sich vielleicht merkwürdig an, aber ich schreibe ja entlang der Fotos. Wer weiß, was da noch aus den Tiefen meines Gedächtnisses auftaucht.



      mil etter mil wrote:

      Die Varanger-Halbinsel hatte sich damals in den „Nebeln von Norwegen“ verborgen, so dass ich sie hiermit nun nacherleben kann

      Mit Nebeln werde ich nicht dienen können, aber die Luft war aus anderen Gründen oft feucht.


      eku wrote:

      Danke, dass Du uns wieder mit tollen Fotos und einem interessanten Bericht verwöhnst.

      Mindestens genauso verwöhne ich mich selbst beim Ordnen und Sortieren der Bilder und beim Schreiben.


      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Sehr gerne bin ich auch bei dieser Reise von dir dabei, schließlich war ichziemlich genau 1 Jahr später in der Region unterwegs.

      (Mit dem Camper per Fähre von Travemünde nach Helsinki, durch Finnland nach Ivalo, dann Varangerhalbinsel und entlang der Nordküste mit vielen Auslassung wegen Zeit und Wetter[Wintereinbruch in Mehamn erlebt und festgesessen weil kein Winterdienst Anfang Juni] über Alta und Senja gings dann nach Schweden und über Göteborg nach Hause.)
    • 28.05.2018 Am Inarisee



      Ich mache mich auf den Weg zum Inarisee. Die Birken grünen, das Rentier hat den Winter gut überstanden, und die Seeschwalbe macht Käfer-Beute.






      Ich war auch im Vorjahr am Inarisee. Da hatte ich auf der Suche nach dem Bücherbus ein Ehepaar, das am See lebt, kennengelernt und ihre Gastfreundschaft genossen.
      Das war am 19.05., nur 9 Tage vorher. Da herrschte noch tiefer Winter, und es ging mit dem Motorschlitten zum Eisfischen auf den See.






      Was für ein Kontrast! In diesem Jahr ist der See schon länger eisfrei, die kleinen Felder umgegraben, und die Kartoffeln liegen schon im Boden, von Folie geschützt.
      Wir machen einen langen Rundgang durch ihr kleines Reich. Überall hängen Vogelhäuschen und Futterstellen. In kleinen Gewächshäusern wachsen verschiedene Pflanzen heran, im Erdkeller liegen viele Vorräte.... Ich bin sehr beeindruckt davon, wie die Beiden sich so hoch im Norden fast ausschließlich selbst versorgen.






      Das kleine Motorboot wird gestartet, und wir fahren hinaus auf den See, um die Netze einzuholen.






      Die "Beute" wird an Land direkt verarbeitet. Ein Teil wird eingefroren, ein anderer gräuchert. Der Räucherofen steht schon am Ufer bereit.






      Nun ist Hausarbeit angesagt. Decken werden geschüttelt. Ich darf auch helfen.






      Dann sitzen wir lange auf der Terrasse und beobachten die Vögel auf dem See: Eisenten, Sterntaucher... und diesen Gänsesäger, der es sich auf einem Stein gemütlich macht. Meine Gastgeber kennen sie alle bei ihren finnischen Namen. ?( Die Bestimmungsbücher helfen weiter. Ich fotografiere die Bilder mit den lateinischen Namen und lasse mir am Abend vom Internet weiterhelfen.








      Als Gastgeschenk habe ich eine Flasche Quittenschnaps dabei. Ich erzähle von meinen beiden Bäumen, die so reiche Frucht tragen, dass daraus einige Flaschen Quittenschnaps gebrannt werden kann. Große Verwunderung über diese geheimnisvolle Frucht, die weder Birne noch Apfel ist. Dabei heißt sie auf finnisch "Quitteni", also fast wie bei uns.






      Am Abend sitze ich lange an "meinem" See. Es gibt noch immer keine Mücken :thumbsup: , am Lagerfeuer brutzelt ein Würstchen, und das finnische Bier schmeckt mir gut.
      Bin ich wirklich erst zwei Tage von zu Hause fort?
      Der Abschied vom Inarisee macht mich wehmütig, und als ich mich später im Netz über den See informiere, entdecke ich dieses Lied, das zu meiner Stimmung passt. Die Finnen lieben ihren See wohl sehr, denn es gibt viele unterschiedliche Einspielungen dieses Liedes. Weil ich mich nicht entscheiden kann, stelle ich euch zwei ganz unterschiedliche vor.
      Das melancholische Lied begleitet mich noch tageland als Ohrwurm.






      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Habe gerade den Bericht entdeckt und freue mich, mit auf Reisen zu gehen. Die Varanger-Halbinsel gehört zu meinen Lieblingsgegenden in Norwegen. Und auch Finnnisch Lappland hatte ich schon unter den Rädern. Gerade das "Unspektakuläre" empfinde ich als reizvoll. Besonders erfreuen mich deine Tierbeobachtungen, schöne Bilder!
      LG
      Beate
    • @seealpe, es ist spannend, was sich hinter der Küstenlinie verbirgt und sich bei den kurzen Hafen-Stopps nicht entdecken lässt!

      @Kassiopeia, morgen werde ich auf der Varanger-Halbinsel ankommen. Schön, dass du eine kundige Begleiterin bist und meine Begeisterung für diese entlegene Region teilst. :thumbsup:


      Viele Grüße
      omlia :)

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