Im Frühling auf die Varanger-Halbinsel: Mit dem Auto von Hafen zu Hafen (25.05.-13.06.2018)

    • 2018

    • 29.03.2018 Utsjoki - Tana Bru - Tanamündung



      Ich starte sehr früh am Morgen. Es ist erst 7 Uhr, als ich an dem "Hakengimpel-Café" vorbeikomme. Ich kehre für einen Kaffee ein und habe einen Beobachtungsplatz am Fenster für mich allein: Früher Vogel trifft frühe Vögel. ;)
      Auf der einsamen Straße nach Utsjoki erwacht mein Ohrwurm vom Vortag. Ich summe ihn vor mich hin, und mein Auto schlängelt sich im Walzertakt über die Straße.
      So vergeht die Zeit wie im Fluge. Ein verlassenes Gehöft, eine alte Kirche kurz vor Utsjoki, .....






      ....und schon erreiche ich den Tana-Fluss. Er ist Grenzfluss zwischen Finnland und Norwegen und wird auf seiner gesamten Strecke nur von zwei Brücken überspannt: hier in Utsjoki und in Tana bru. Ich bleibe auf der kleinen Straße auf der finnischen Seite und folge dem Fluss bis zu einer schönen Picknickstelle. Ich wundere mich über das weiße Gestein am Ufer. Dass es Eis ist, entdecke ich erst aus der Nähe.








      Ich werde misstrauisch beäugt, aber dann für harmlos befunden. Es gibt sogar ein kleines Ständchen. ^^






      In Tana bru treffe ich im Restaurant beim Mittagstisch auf Bauarbeiter, die die neue Brücke errichten. Sie wird neben der alten Brücke gebaut, die eine bewegte Geschichte hat und ist mittlerweile fertiggestellt. polarkreisportal.de/e6-nordnor…u-hat-jetzt-zwei-bruecken
      Proteste gegen den Abriss der alten Brücke waren vergeblich. Allerdings bleiben am Ufer Teile stehen, die an die Geschichte der Brücke erinnern sollen.

      Weiter geht es am Fluss entlang, der kurz vor der Mündung in den Tanafjord zwischen Sandbänken dahinströmt. Auf einem holprigen Stichweg fahre ich bis zu Mündung.
      Hier ist eigentlich ein Hotspot für Vogelliebhaber, aber heute regnet es, und am Endpunkt treffe ich nur auf ein einsames "Birder-Wohnmobil". Von Vögeln und Robben keine Spur. Aber dafür ist die Landschaft faszinierend.










      Schon seit vielen Jahren fallen mir diese Schilder auf. An dem mittleren fahre ich gerade vorbei. Es gibt sie auch in Schweden, und sogar in Island habe ich sie schon gesehen. Was für eine Unterschied zu unseren Warnschildern mit Särgen, weinenden Menschen, blutigen Verbänden....
      Während bei uns mit hoch erhobenem Zeigefinger gemahnt wird, wird hier auf Ressourcen gebaut und die sozialen Bindungen positiv angesprochen. Das könnte doch unseren Verkehrsplanern zu denken geben.






      Jetzt geht es hinauf aufs Fjell.





      Fortsetzung folgt.



      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Jeden Morgen freue ich mich wieder auf eine Fortsetzung :thumbup:
      Je karger die Landschaften werden, desto faszinierender finde ich sie :love:
      Deine Links sind übrigens gefährlich, das Ohrwurm-Lied hat mich gestern auf der Suche nach mir mehr zusagenden Versionen ewig in den Untiefen von Youtube versacken lassen :laugh1:
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Danke für die Bilder, bei mir werden Erinnerungen wach. Die Bauarbeiter im Elvekanten habe ich auch getroffen, ein Vierteljahr später als du. Wenn ich die Beschreibung recht verstehe, bist du danach zurück über die Brücke und - mit Blickrichtung Mündung - auf der rechten Seite am Tana entlang gefahren? Diesen markanten Berg mit den so deutlich zu sehenden Gesteinsschichten finde ich auch beeindruckend. Nun bin ich noch neugieriger, wie es weitergeht. ^^
      LG
      Beate
    • @Snovhit, schön, dass du auch dabei bist und mit mir "meinen" hohen Norden kennenlernst. Wohin geht denn deine Reise im nächsten Jahr?

      @Albatross, sagt dir denn die Version von Tapio Rautavaara, der so inbrünstigt singt, mehr zu? Aber mit einem weiteren Video sollten wir die Mitreisenden lieber verschonen. ;) ;) Mit Kargheit ist die Varanger-Halbinsel reichlich gesegnet. Warte nur ab!

      @Clipperfan, dass dir meine Bilder gefallen, freut mich. Ich habe deine ja auch schon bewundern können.

      @Kassiopeia, die Brücken-Bauarbeiter wurden im Elvekanten gut versorgt. Ich hatte Glück: Es gab Finnbiff (Rentiergeschnetzeltes), meine letzte Restaurant-Mahlzeit für längere Zeit. Ja, ich bin am rechten Ufer auf die Nr. 890 in Richtung Båtsfjord gefahren und kurz vor Austertana auf den kleinen Stichweg zur Mündung abgebogen. Bin gespannt, wie sich unsere Wege weiter kreuzen. Warst du eigentlich auch allein unterwegs?

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Liebe @omlia,
      erst heute deinen neuen Reisebericht entdeckt. Ganz wunderbar bin total begeistert. Freu mich, wenn ich auch mitkommen darf? :)

      Deine Bilder, sind einmalig schön. Auch die beiden Liedervideos. Wobei mir der Stimmgewaltige im ersten Video besser gefällt.
      Im August 2019 waren wir in der Felsenkirche in Helsinki und haben zufällig auch einen Musikus getroffen. Er hat vorne so schön am Klavier gespielt, sodass wir beinahe
      die Zeit vergessen hätten.
      Mit Spannung und großem Interesse werde ich deine Reise verfolgen. ;)

      Hab Dank dafür und sei gegrüßt
      Ricka
      es war eine :godtur: mit der Kong Harald
    • Die Stichstraße zur Mündung des Tana bin ich 2005 leider nur ein kurzes Stück gefahren. Kurz hinter Rustefjelbma hab ich jemanden besucht (Wegebeschreibung: An der Tankstelle vor der Rechtskurve vor dem Fluß Tana nach J... fragen).
      Schön, mal den weiteren Verlauf zu sehen :thumbup:
      Grüße
      Uwe

      leider storniert :(
    • @Ricka, schön, dass du dabei bist! Na, hast du jetzt auch einen Ohrwurm? Wenn du noch nicht genug von dem Lied hast: Auf youtube gibt es noch einige Variationen! ;)

      @MD800, aha du bist die kleine Straße am linken Ufer entlang gefahren. Die bin ich vor 2 Jahren bis zum Ende gefahren. Ein wunderbarer Ort! :thumbsup:
      Diesmal war ich am rechten Ufer auf der Nr. 890 in Richtung Båtsfjord unterwegs. Etwa 3 km vor Austertana geht eine kleine Stichstraße nach links ab und führt schnurstracks auf die Mündung zu. Ein sehr beliebter Platz für Vogelfreunde.

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • 29.05.2018 Kongsfjordfjell - Båtsfjord



      Auf dem Fjell gibt der Winter seine Abschiedvorstellung,....






      ...aber die Vögel haben schon Frühlingsgefühle. Haben sich diese exotischen Gestalten verflogen?
      Das denke ich auch immer bei den Papageitauchern. Man würde sie eher in tropischen Gefilden vermuten.

      Die beiden Kampfläufer konkurrieren um die Gunst einer Vogeldame und plustern sich zu unglaublichen Gestalten auf.
      Dabei vollführen sie seltsame "Tänze" und kommen sich auch mal in die Wolle, ups, ins Gefieder.












      Schaut mal, wie unglaublich prächtig und unterschiedlich sie sich kleiden! Höflinge sind nichts dagegen!

      brodowski-fotografie.de/beobachtungen/kampflaeufer.html



      In grauem Licht geht es weiter übers Fjell.








      Müde komme ich in Båtsfjord an und bleibe für eine Nacht in einem Hotel in der Hafengegend.




      30.05.2018 Båtsfjord - Berlevåg




      Bei einem kleinen Rundgang am nächsten Morgen treffe ich auf Möwen mit einer Vorliebe für Symmetrie und erbittert kämpfende Eiderenten. Die Entendame wendet völlig ungerührt ab. Dabei geht es doch um ihre Gunst!








      Båtsfjord gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsorten. Das ändert sich auch diesmal nicht. Es ist mir einfach zu wuselig hier.
      Aber seit ich vor einiger Zeit eine Doku über einen singenden Båtsfjorder Taxifahrer entdeckt habe, beginne ich Sympathie für den Ort zu entwickeln, vor allem aber für das Leben der Menschen in dieser rauen Gegend.
      Am Anfang des Films fährt er singend über das nächtliche, tief verschneite Fjell, spektakulär. :thumbsup:





      Die Küstenstraße von Kongsfjord nach Berlevåg gehört zu meinen Lieblingsstrecken. Aber heute bin ich eilig, denn meine Vermieterin wartet auf mich, und so halte ich nur für ein paar Schnappschüsse.







      Fortsetzung folgt.


      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Liebe @omlia, im Herbst 2019 bin ich zum ersten Mal B-K-B gefahren und war so sehr fasziniert von dieser Reise. Das Licht, die Farben und besonders die Landschaft...
      Nun wollte ich am 23.03.21 mit der MS Otto Sverdrup fahren...
      Wegen Corona erschien mir die Abfahrt ab Hamburg sicherer als Flug oder Fähre/Bahn.
      Naja, ich warte nun noch bis März 2022. Obwohl ich es gar nicht erwarten kann, diese schöne Landschaft wiederzusehen.
      Deine Berichte lese ich mit Begeisterung, anscheinend hast du so etwas schon öfter gemacht. Ich nehme das mal in meine zukünftigen Planungen auf.
      Freue mich schon auf die Weiterrreise. :)
    • @Snovhit, bis 2022 sind wir ja hoffentlich alle geimpft und du kannst die ersehnte Reise antreten.
      Ja, ich war schon öfter in der Finnmark unterwegs, meistens mit dem Mietauto. Ich reise gerne langsam, mal auf der Varanger-Halbinsel, aber auch auf Nordkinn oder der inneren Finnmark.

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • @omlia Wieder so schöne Bilder! Dieser morbide Charme der verwitterten Holzschuppen, und wie wirkungsvoll die Landschaft mit wenigen Farben auskommt...Kampfläufer konnte ich auch schon auf der Varanger-Halbinsel beobachten, bei der Kirche von Nesseby. Was für ungewöhnliche Geschöpfe!

      Ich bin übrigens auch alleine unterwegs gewesen. Und doch nicht viel später als du, nach deinem gestrigen Post dachte ich, du wärst im März dort gewesen, ich hätte die Überschrift genauer lesen sollen. Ich war um Mittsommer herum dort.
      LG
      Beate
    • Kassiopeia wrote:

      Wieder so schöne Bilder! Dieser morbide Charme der verwitterten Holzschuppen,

      Dem kann ich nur zustimmen.
      Und vielen Dank liebe @omlia für den link zu dem zauberhaften Video ( von 2002) über den singenden Taxifahrer- da flossen bei mir schon ein paar Sehnsuchtstränen Erinnert uns an unsere Winterfahrt 2017. Aber noch schöner die Erinnerung an unsere Sommerfahrt 2015: Da hat nämlich das Crewmitglied Hans zur Zeitüberbrückung bzw. zum Wachbleiben bis zum Mitternachtskonzert in Tromsö für Interessierte den Film aufgelegt "Cool and crazy". Darin geht es um den Männerchor von Batsfjord oder war es Berlevag ? Die einzelnen Männer werden vorgestellt und ihr Leben in Berlevag beschrieben. Auch wenn es in dem Film Berlevag gewesen war, besteht soviel Ähnlichkeit. Außerdem wird ihr Austausch mit bzw. Besuch eines Männerchors in Rußland beschrieben. Trotz umfangreichen Recherchierens hatte ich Film damals nirgends auftreiben können.
      Nachtrag: Habe durch @omlia s Erinnerung gerade nochmal nach dem Film (Erscheinungstermin der DVD 2002) gesucht und ihn gefunden. Kaufbar und mit besten Rezensionen, denen ich nur zustimmen kann. Bei YouTube findet man diesen Trailer dazu



      Liebe Grüße von Trollebo

      Post was edited 10 times, last by “Trollebo” ().

    • Kassiopeia wrote:

      und wie wirkungsvoll die Landschaft mit wenigen Farben auskommt.

      Und wie wenige unterschiedliche Formen sie braucht. Das fasziniert mich immer wieder. "Als die Welt noch jung war" heißt der Titel eines Buches, und daran muss ich in dieser Landschaft immer denken.

      @eku, ja, eine tolle Doku über Land und Leute, und gegen Ende ein Leckerbissen für Freunde der Lofoten.

      @Trollebo, ein herrlicher Film über den Männerchor von Berlevåg , dem Ort, an dem ich in meinem Bericht gerade ankomme. Musikalische Talente überall!
      Danke für den Trailer! Über den Chor morgen mehr aus Berlevåg .

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • 30.05.2018 Berlevåg


      Ich bin in meinem Lieblingsort angekommen. Es fühlt sich fast wie nach-Hause-kommen an. Hier bleibe ich für mehrere Tage. Bisher habe ich immer bei Dieter in seinem " Berlevåg pensjonat", eigentlich der einzigen Unterkunft im Ort und eine wichtige Informationsstelle, gewohnt. In diesem Jahr finde ich ein Haus direkt am Hafeneingang, das nur gelegntlich vermietet wird, denn es ist das Wohnhaus einer Familie. Meine Vermieterin zieht für einige Tage mit ihren Kindern ins Ferienhaus. Sie arbeit im Museum und vertraut mir den Schlüssel für ihr Haus an. "Nein, du vertreibst uns nicht", meint sie lachend. Die Kinder freuen sich auf das Hüttenleben.
      Noch ein gelbes Haus, noch größer als das in den finnischen Wäldern und sehr gemütlich. :thumbsup:
      Juppi, ein toller Logenplatz,...






      ...und es dauert nicht lange, da geht das Schaupiel los: Ein Begrüßungsküsschen, zum Abschied ein dunkles Rauchwölkchen, und dann zieht die MS Trollfjord südwärts, und die MS Kong Harald läuft für einen kurzen Stopp in den Hafen ein.







      31.05.2018 Berlevåg


      Im Hafen ist es ungewöhnlich ruhig. Weit und breit keine Fischerboote zu sehen. Am Eingang der Fischfabrik treffe ich auf die Managerin. Ich frage sie, ob sie mir einen Fich verkauft. "Nein, aber ich schenk dir einen, komm mit." So lande ich bei einer Tasse Kaffee im Büro der Fabrik. Der "kleine" Fisch, um den ich gebeten habe, wiegt einige Kilo und reicht für mehrere Tage.





      Bei der "Kongekrabbe-Fabrikk" stehe ich vor geschlossenen Türen. Keine Saison, heißt es. Das war vor einigen Jahren ganz anders. Da kam gerade ein Fischerboot mit reicher Beute an, und, wie toll, ich durfte mit in die Fabrik und fotografiern, soviel ich wollte. Zum Abschied schenkte mir der Arbeiter ein paar riesige Krabbenbeine. Das Rezept, das mir eine Frau im Supermarkt verriet, war denkbar einfach: "Kauf Weißbrot und Mayonnaise". Gesagt, getan! Sehr lecker war's, das fanden auch die Mitbewohner in der Pension.







      Bis in die 70ger Jahre war der Hafen nur schwer erreichbar. Die Molen mit den Steinen aus dem nahegelegenen Steinbruch wurde immer wieder zerstört, Passagiere mussten auf offener See ausgebootet werden, ein oft gefährliches Unterfangen. Eines der offenen Boote kann man im Museum bersichtigen. Sehr eindrucksvoll. Die Tetrapoden wurden vor Ort hergestellt. Das Gestein aus dem Steinbruch wurde auf Schienen transportiert, zermahlen und zu den Tertapoden geformt.
      Erst seit 1975 können die Hurtigrutenschiffe den Hafen anlaufen, allerdings nicht bei stärkerem Sturm. Im Ort gibt es viel Unmut darüber, dass die Schiffe auch bei geringem Seegang öfter nicht anlegen. Das habe ich selbst von meinem Logenplatz aus erlebt. Den Ärger kann ich verstehen, denn diese Verbindung ist für den Ort enorm wichtig. Bis Tana bru, dem nächsten Versorgungszentrum, sind es 135 km, und der Weg führt übers raue Fjell.






      Ein paar Impressionen von meinem Molen-Bummel:








      Und da ist er, mein erster Adler in diesem Jahr, fast direkt vor meiner Nase.
      Ich werde ihn immer wieder von meinem Ausguck aus beoachten können.





      Fortsetzung folgt.



      Viele Grüße
      omlia :)


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    • Einen beneidenswerten Logenplatz hattest du in dem gelben Haus! Schön, dass du Videos sowie Ereignisse und Fotos aus anderen Jahren einbaust, das vervollständigt das Bild.
      Die Fotos sind wie immer fantastisch, in Bild 56 und 57 hast du spannende Pareidolia entdeckt- ein Seehund? und ein Geist :)
      Viele Grüsse, Albatross
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