Mit der MS Transtimber von Lübeck ins Eis ( 09.03-20.03.2013) - und zwei weitere Eisfahrten (2012 und 2019)

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    • Mit der MS Transtimber von Lübeck ins Eis ( 09.03-20.03.2013) - und zwei weitere Eisfahrten (2012 und 2019)

      Kaum war ich im Februar 2012 von meiner ersten Fahrt mit der Transtimber ins Eis des Bottnischen Meerbusens zurück, habe ich schon die nächste Reise gebucht.
      "Aha, es hat Sie wohl erwischt", meinte die Dame in der Buchungsagentur lachend. Das kann man wohl sagen, und weil aller guten Dinge drei sind, bin ich 2019 noch einmal gefahren. Wie ich die 6 Jahre dazwischen überstanden habe? Na ja, es ging, da war ich in Grönland, und da gab es Eis in Hülle und Fülle! ;)
      Ich werde hauptsächlich die Reise von 2013 schildern, sie aber immer wieder mit Bilder der beiden anderen Reisen ergänzen.
      Los geht's!

      09.-10.03.2013

      Mit meiner Begeisterung habe ich eine Freundin angesteckt, und so starten wir gemeinsam, übernachten bei meiner Tochter in Köln und kommen am Nachmittag im tiefverschneiten Lübeck an. Unser Hotel liegt etwas außerhalb des Zentrum und wir haben vom hochgelegenen Restaurant aus einen herrlichen Blick über die Dächer der Stadt.




      11.03.2013


      Heute soll es an Bord gehen! Aber das ist gar nicht so einfach. Es hat die ganze Nacht über geschneit, und der Verkehr ruht weitgehend, ein seltenes Ereignis in Lübeck.
      Irgendwie schaffen wir es mit dem Auto bis zum Hafen, melden uns an und dürfen bis zum Schiff vorfahren. Prima, das Auto kann dort stehenbleiben! :D
      Unser Gepäck wird per Lift an Bord gebracht, wir dürfen leider nicht mit in den Käfig und entern das Schiff aus eigener Kraft.
      Ich kenne das Schiff ja vom letzten Jahr und zeige meiner Freundin auf einem ersten Rundgang zuerst den wichtigsten Ort: Die Brücke! Da werden wir uns häuslich einrichten. Wie schön: Den freundlichen Kapitän kenne ich vom letzten Jahr. :thumbsup:
      Eigentlich soll es bald losgehen. Dick eingemummelt stehen wir an Deck. Aber die Ladefläche ist noch leer. ?( Aha, es schneit noch immer, und wie sich herausstellt, haben die Ladefahrzeuge keine Winterbereifung. Es dauert viele Stunden, bis die leeren Container endlich an Bord sind und wir auslaufen können.








      2012 laufen wir bei Tageslicht und herrlichem Winterwetter aus. Es ist sehr kalt, auf der Trave glänzt eine zarte Eishaut, auf dem Frachter, der uns begegnet, ist die Eisschicht erheblich dicker.












      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Oh wie schön - Berichte von Eisfahrten, passt super zum eisigem Ostwind hier an der Küste und vielleicht friert die Ostsee ja auch hier noch ein wenig in der Wismarer-Bucht in den nächsten Tagen... :whistling:

      Bin schon sehr gespannt wie viel Eis Du hattest auf den einzelnen Fahrten und ob es so ausschaut wie auf meiner Fahrt 2018... :rolleyes:
      MfG von der Ostsee, Micha. :gr-cool:

      Even after the worst storm the sun will shine again... :gr-thumbup:
    • @micha, @Clipperfan, zwei tolle Berichte! Und es gibt ja noch mehr im Forum: @Senja war noch im März 2020 mit der Tavastland unterwegs und @Utha im März 2019. Vielleicht habe ich auch noch einen übersehen. Ich werde noch mal in alle Berichte hineinschauen und versuchen, zu viel Ähnliches zu vermeiden.
      @Laminaria, was ist das nur mit dem Eis? Ich kann auch einfach nicht genug davon bekommen. Das geht nicht nur uns so: In einem Interview mit Markus Rex, dem Leiter der Polarstern-Expedition, ging es eigentlich um sachliche Fragen. Aber plötzlich begannen seine Augen zu glänzen und er erzählte, dass er, kaum zu Hause, wieder von Sehnsucht nach dem Eis erfasst werde.
      Und der Bericht passt ja auch zum winterlichen Wetter, wie Micha schon schreibt. Sogar hier im Südwesten schneit es sanft vor sich hin, die Vögel erstürmen das Futterhäuschen und das Eichhörnchne buddelt im Schnee herum, etwas hektisch auf der Suche nach seinen Vorräten.


      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Da werden auch bei mir direkt Erinnerungen wach. Wir waren ja im letzten Jahr mit der "Tavastland " in Finnland im Eis.
      Eine besondere Fahrt, an die ich mich immer gerne erinnere.

      Also, los geht es mit deinem Bericht......ich freue mich !

      Liebe Grüße
      Senja
    • @Senja, da habt ihr aber Glück gehabt, dass euch die Schweden trotz wachsender Pandemie noch mitgenommen haben.
      Ich wollte ja mit @Albatross im März noch einmal ins Eis, aber daraus wird nun leider, leider nichts. Da können wir nur auf das nächste Jahr hoffen.
      Du schreibst von einer sehr freundlichen Besatzung. Das habe ich 2012 und 2013 auch so erlebt, 2019 leider weniger.

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Ja, da hatten wir wirklich ganz großes Glück! Auf unserer Fahrt haben wir natürlich mitbekommen wie sich die Situation in Deutschland
      verändert hatte. Wir fühlten uns sicher auf der Tavastland !

      Die Besatzung war super nett und der Kapitän war einfach nur toll. Wir durften zu jeder Zeit auf die Brücke.

      Nun bin ich gespannt wie du deine Reise erlebt hast.

      Liebe Grüße
      Senja

    • 12.03.2013



      Nach dem deftigen Frühstück zieht es uns nach draußen. Wir drehen mehrere Morgenrunden treppauf, treppab an der Ladung vorbei. Das Schiff ist fast 200m lang, und so kommen viele, viele Meter zusammen. Ob ich mich ohne meine sportliche Freundin dazu aufgerafft hätte?
      Wir stehen noch draußen an Deck, als wir bei herrlichem Wetter durch den Schärengarten auf Göteborg zufahren.







      Schnell die gelben Warnwesten an und ab in den Hafen! Dachten wir, aber anders als 2012 dürfen wir nicht an Land. Die Sicherheitsvorschriften haben sich wohl verschärft. Schade, schade, aber auch vom Schiff aus gibt es viel zu entdecken, seien es die Spieglungen auf der dünnen Eishaut....






      ...oder das geschäftige Treiben im Hafen. Wie von Geisterhand bewegt werden die Container hin- und hergefahren. Fast unheimlich, wie sich die unbemannten Fahrzeuge zielstrebig durch den Hafen bewegen.





      Der gestrandete Cadillac und die Klebeschaum-Kunstwerke begegnen mir 2012 beim Bummel durch den Hafen.








      Am Nachmittag geht es hinaus aufs Meer, vorbei an einer Festungsinsel. Sieht fest aus wie Munkholmen !





      Während meine Freundin es sich auf ihrem Lieblingsplatz bequem macht, wartet auf mich eine verantwortungsvolle Aufgabe:
      Ich übernehme das Steuer....





      ....und lenke das Schiff sicher dem Sonnenuntergang entgegen. ;) ;)




      Viele Grüße
      omlia :)

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    • @Snovhit, Achtung, Achtung, höchste Infektionsgefahr! So wie dich die Hurtigrutenbegeisterung gepackt hat, könnte es dir auch mit dieser Eisroute gehen. Bei mir jedenfalls ist es so, und ich möchte im nächsten Jahr noch einmal fahren - zum vierten Mal!

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • 13.3.2013

      "Kommen wir bald ins Eis?" fragen wir beim Frühstück, schon ein klein wenig ungeduldig. "Erst in der Nacht, und das könnt ihr nicht überhören," meint die Köchin lachend. Da bleibt Zeit, euch Schiff und Mannschaft vorzustellen. Jammerschade, dass ich keine Fotos von der Mannschaft einstellen kann. Ich hätte fragen sollen!
      Die freundliche schwedische Köchin versorgt uns liebevoll mit schmackhafter Kost. 2012 ist Martin der Koch an Bord. Sein langer Vollbart wird von Tag zu Tag kürzer. Es fällt ihm schwer, sich von ihm zu trennen, aber bald endet seine Tour, und seine Freundin beschwert sich immer über seinen kratzenden Bart. Was man für die Liebe nicht alles tut!

      Während auf unseren Tischen Ketchup und Senf dominieren, finden sich auf dem Tisch der philippinischen Mannschaft interessantere Gewürze. Wir leihen und Chili-. Sojasauce und Tabasco aus und kommen mit ihnen ins Gespräch. Anders als die schwedische Mannschaft, die nach vier Wochen an Bord vier Wochen frei haben, bleiben sie (wenn ich mich recht erinnere) sechs Monate und haben dann zwei Monate frei. Die Kälte setzt ihnen zu, denn viele von ihnen arbeiten im Außenbereich des Schiffes. Und Heimweh haben fast alle. Im Aufenthaltsraum hängt eine Karte der Philippinen. Sie zeigen uns ihre Heimatorte, erzählen von Freunden und Familie, zeigen Fotos ihrer Kinder.....




      Den Chefingenieur kenne ich von 2012. Er lädt uns ein ins Herz des Schiffes. Es ist jedesmal ein Erlebnis, durch den gewaltigen Maschinenbereich und die Werkstatt geführt zu werden. Er zeigt uns die MAN-Maschinen und erzählt von einem beeindruckenden Besuch der Produktionsstätte in Süddeutschland. Mich beeindruckt die lange Antriebswelle, die sich durch die ganze Länge des Schiffes zieht, denn bei diesem RoRo-Schiff, das von hinten beladen wird, liegt der Motor im vorderen Bereich des Schiffes.






      Wir sind zurück in der Oberwelt, drehen unsere ausgedehnten Runden, steigen unzählige Stufen, besichtigen die Sauna und den Fitnessraum, schauen für ein Gespräch und einen Kaffee auf der Brücke vorbei... und fühlen uns schon fast zu Hause.

      Ich schnappe mir noch einmal meine Kamera und suche nach Motiven. Gar nicht so einfach auf einem Arbeitsschiff, aber für ein paar Stillleben drücke ich doch auf den Auslöser.








      Das Schiff gleitet ruhig dahin, wir genießen die Abendstimmung und grüßen die Schwäne, unsere Vorhut auf dem Weg ins Eis.




      Viele Grüße
      omlia :)

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    • Liebe Omlia, eine sehr interessante Reise die du gemacht hast. Ich freue mich, dich auf der Erinnerungsfahrt begleiten zu können.
      Ich glaube, diese einfache Schiffsreise würde meinem Mann und mir auch sehr gut gefallen. Wenn man wieder darf, wird es eine Überlegung wert sein.
    • @Wintersonne, es gibt z.Zt. nur die MS Tavastland, die die einwöchige Tour bis ganz hoch in den Bottnischen Meerbusen macht und auch Passagiere mitnimmt. Meistens werden nur 2 Kabinen für Gäste freigegeben. Deshalb muss man sehr zeitig buchen!
      Es ist ein Arbeitsschiff, der Komfort nicht zu vergleichen mit Passagierschiffen. Aber es ist ein gepflegtes Schiff, sogar mit Saune und Fitnessraum. Den haben wir aber nicht gebraucht bei den vielen Treppen und der Bewegung an frischer Luft.

      Viele Grüße
      omlia :)

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    • @omlia, danke für die Info, wenig Komfort schreckt uns nicht. Gerade weil es kein "herkömmliches" Passagierschiff ist, ist es für uns interessant. Wir machen auch gerne Urlaub in Almhütten ohne großen Komfort. Bin gespannt, ob und wann es uns glückt, diese Fahrt zu erleben.
      Liebe Grüße
      Wintersonne
    • 2012

      Das Eis lässt noch auf sich warten, aber ich werde mit besonderen Naturphänomenen mehr als entschädigt.
      So begeistert habe ich den jungen Kapitän noch nicht erlebt."Schau mal! Ist das nicht wunderbar!" Das Schiff gleitet durch eine magische Welt: Seenebel, von Licht durchflutet.





      Und ganz plötzlich ist es da, das Eis. Es kracht und rumpelt, als das Schiff die losen Schollen durchpflügt. Noch ist die Eisdecke nicht geschlossen, und es entstehen phantastische Formen, wunderschöne Kunstwerke.




      Es ist sehr, sehr kalt, und der dick Vermummte wundert sich, dass ich es so lange draußen aushalte. Aber es ist einfach zu faszinierend zu sehen, wie das Schiff das Eis brechen lässt und sich lange Risse durch die Eisdecke ziehen. Erst als mein Akku schwächelt, gehe ich wieder auf die Brücke.




      Was ist das? "Hast du ein Glück, das gibt es nur ganz selten!" meint der Kapitän und erklärt mir das Phänomen. Es sind Halos, die durch Spiegelungen und Lichtbrechungen entstehen.
      meteoros.de/themen/halos/haloarten/ee08/






      14.03.2013

      In diesem Jahr kündigt sich das Eis ganz anders als 2012 an, nämlich mit Pauken und Trompeten! Mitten in der Nacht weckt mich ein gewaltiger Lärm. Man könnte meinen, ein Güterzug fährt vorbei. Nichts als rein in die Klamotten und rauf auf die Brücke! Wir sind in Verblockungen geraten. Wind und Strömung haben hohe Barrieren aufgetürmt. Es herrscht angespannt Stille auf der Brücke. Das Schiff hat ja die höchste Eisklasse und ist nach den Eisbrechern das stärkste Schiff auf dieser Route. Ob es das Eis durchbrechen kann? Die Maschinen laufen auf Hochtouren, wir setzen vor und zurück, bleiben aber immer wieder stecken. "Ich versuche es noch einmal, dann rufen wir den Eisbrecher", meint der Kapitän, denn der Treibstoffverbrauch bei diesem Manöver ist gewaltig. Ein letzter Anlauf, dann gelingt der Durchbruch! Mit gewaltigem Lärm geht es langsam weiter durch die Nacht. Meine Müdigkeit ist wie weggeblasen, und so bleibe ich bis zum nahen blauen Morgenstunde auf der Brücke.









      Meine Freundin hat von all den nächtlichen Aufregungen nichts mitbekommen und staunt über das, was sie draußen zu sehen bekommt.






      Ist die Natur nicht eine unglaubliche Künstlerin? Das wird sie uns im Laufe des Tages noch vielfach beweisen!


      Fortsetzung folgt.


      Viele Grüße
      omlia :)

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