HAM-Nordkapp-HAM die Dritte - 24.7. bis 7.8.2020

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    • HAM-Nordkapp-HAM die Dritte - 24.7. bis 7.8.2020

      Eigentlich sollte alles ganz anders laufen: Weil die MS Lofoten Ende 2020 aus dem Liniendienst geht, habe ich für 2020 noch zwei Reisen mit der Lofoten gebucht. Für beide habe ich meine Wunschkabine 302 nahe der Rezeption erhalten.

      Losgehen soll die erste Reise am 2. April und am Ostermontag mit der Rückkehr nach Bergen enden. Alles ist vorbereitet: Die Anreise nach Hirtshals mit der Bahn, dann mit der Fjordline-Fähre über Nacht nach Bergen , dort eine Nacht im Hotel und dann aufs Schiff. Die Reiseunterlagen von Hurtigruten kommen per Mail am 6. März.

      Aber dann: Am 12. März kommt ein Mail vom CEO Daniel Skjeldam mit der Absage der Reise und dem Angebot, umzubuchen. Am 14. März schließen Dänemark und
      Norwegen ihre Grenzen für Ausländer. Nur Norweger dürfen noch ins Land, müssen sich dann allerdings umgehend 14 Tage in Quarantäne begeben.
      Also verschiebe ich die Reise auf März 2021 – dann allerdings mit der MS Vesterålen, die ich vom Februar 2018 bereits kenne.

      Mal sehen, was aus der zweiten Reise wird, die für 10. - 21. Juli gebucht war – noch hoffe ich!

      Am 16. Juni nimmt Hurtigruten die Reisen zwischen Bergen und Kirkenes wieder auf, doch zunächst nur für Norweger und nur mit den größeren Schiffen, die auch mit
      halber Passagierzahl fahren sollen. Die Lofoten wird voraussichtlich erst am 1.8. ihre erste Nach-Corona-Tour antreten. Also wird es auch mit meiner zweiten Reise in diesem Jahr nichts.

      Dann die große Überraschung: Am 12. Juni um 16.30 Uhr heißt es in einer Mail „Wir freuen uns Ihnen heute ein ganz besonderes Angebot zu machen. Unser
      brandneues Hybrid-Expeditionsschiff Fridtjof Nansen unternimmt dieses Jahr sechs Reisen nach Norwegen ab Hamburg. Auf den 14 tägigen Seereisen entlang der malerischen Küstenlandschaft und in spektakuläre Fjorde lernen Sie das ursprüngliche Norwegen im Glanz der Mitternachtssonne kennen. Wir bieten Ihnen hiermit an, auf die Norwegen Reise der Fridtjof Nansen ab Hamburg im Sommer 2020 umzubuchen. Durch die Umbuchung entstehen Ihnen keine zusätzlichen Kosten.“

      Schon eine Stunde nach Erhalt der Mail habe ich jemanden am Telefon. Doch der weiß noch nichts davon. Am Mittwochfrüh um halb neun dann die Bestätigung:
      Ja – ich habe es nicht falsch verstanden – ich kann ohne Zuzahlung umbuchen und bekomme eine RS-Kabine.
      Ich suche mir für die Abfahrt am 24. Juli die 535 an Deck 5 aus. Sie ist 17 qm groß, verfügt über eigenes Bad, Doppelbett und ist - wie alle auf der Fridtjof Nansen – eine Außenkabine mit Fenster. Nur auf mein Bordguthaben muss ich „verzichten“. Angesichts des Normalpreises für diese Reise von 6946 € fällt mir dies überhaupt nicht schwer. Ich habe zwar immer getönt, „mich kriegen keine zehn Pferde auf diese furchtbaren großen Schiffe“, aber das Angebot kann ich einfach nicht ausschlagen, zumal das Schiff sowieso nur über 565 Betten verfügt und nach einem Bericht momentan nur 350 Passagiere an Bord lässt. Da es über Pool, Sauna, Wellnessbereich
      und Fitnessraum verfügt, werden sich die Paxe wohl ziemlich verlaufen...

      Bei der Buchung werde ich darauf hingewiesen, dass keine Anlandungen in Häfen stattfinden. Allerdings habe man die Genehmigung, in Naturgebieten anzulanden – es könnte also durchaus Wanderungen geben. Noch am selben Tag überweise ich die Restzahlung für die Reise – und kann mich nun auf eine tolle Reise mit vielen neuen
      Eindrücken für den Schnäppchenpreis von 2414 € freuen!


      Freitag, 24. Juli – 1. Reisetag

      Gegen halb drei kommen wir am Cruise Center Baakenhöft an und ich ziehe mit meinen Koffern los. Diese kann ich gleich abgeben, nachdem kontrolliert wurde, dass ich auf der Pax-Liste stehe – und ich natürlich vorher die Hände desinfiziert habe. Dann setze ich mich auf die Fensterbank, denn das Einchecken geht erst um „fünfzehnhundert“ los. Um drei strömen dann die Massen – und oft sind es sicherlich keine 1,5 Meter Abstand! Ich warte ab und bevor die neu eingetroffenen mit
      Koffern an mir vorbeiziehen können, begebe ich mich dann auch zum Check-in. Die Selbsterklärung und die Health-Declaration sind okay, die Temperatur auch und weiter gehts zur Kontrolle wie auf dem Flughafen. Dann aus dem Terminal raus, schnell ein Schritt zur Seite und zwei Fotos des Schiffs gemacht und über zwei Rampen aufs Schiff. Dort begrüßt mich Fritz aus dem Expeditionsteam „Herzlich Willkommen auf der Roald Amundsen“ - wir einige uns darauf, das Schiff einfach umzutaufen in
      Fridtjof Nansen. Im Schiff wird nur kurz gefragt, wie die Kabinennummer beginnt und ich werde eine Treppe tiefer geschickt. Hier werden alle Paxe mit Kabinen auf Deck 5 abgefertigt, also Cruise-Card ausgestellt wie immer. Allerdings habe ich nun eine andere Kabine erhalten: nicht die RS 535, sondern die RR 541, eine größere Kabine mit 19-23 qm. Sie hat viel Stauraum und ich habe bald alles ausgepackt.



      Die Sicherheitseinweisung verfolge ich um halb fünf – sie ist wie auf den Linienfahrten. Hier demonstriert Sascha vom Expeditionsteam, wie man den Überlebensanzug
      anzieht. Wie gewünscht erhalte ich die abendliche Essenssitzung um 18 Uhr. Gegen halb neun gibt es in der Explorer Lounge auf Deck 10 ein „Willkommensgetränk mit dem Kapitän“, der seine Mannschaft vorstellt und anschließend das Expeditionsteam. Der Kapitän stellt sich nur als Benny vor, wie auch alle anderen nur ihre Vornamen nennen. Der Chief Engineer ist Frank, Hotelmanagerin Giske, Rezeptionsleiterin Cecilia, Restaurantchefin Janine und es sind zwei Ärztinnen an Bord, Carola und Clinton. Das Expeditionsteam erscheint riesig – ist es mit rund 20 Personen (bei rund 170 Paxen) auch: unterschiedliche Wissenschaftler, die alle irgendwelche Angebote
      machen werden. Leiterin ist Friederike, auch Rike genannt, die Geologin ist.

      Um 21.08 Uhr passieren wir Brokdorf. Um 21.35 wird der Elblotse abgeholt, den wir hinterm Hamburger Hafen an Bord genommen haben. Gegen 21.40 Uhr sind wir an den Schleusen von Brunsbüttel.



      Inzwischen habe ich mir auch schon die Hurtigruten-App aufs Smartphone geladen, wo ich die Angebote und vor allem auch kurzfristige Änderungen (durch Wetter o.ä.) sehen kann. Los geht es morgen früh um neun mit Infos von Hotelmanagerin und Expeditions-Teamleiterin. Vorträge werden im Übrigen im Livestream auch in die Kabine übertragen.
      Um 22.43 Uhr erreichen wir Cuxhaven. Es muss ja von den norwegischen Schiffen ein zweiter ausländischer Hafen angelaufen werden, damit die Verpflichtung zur Anstellung norwegischer Besatzung nicht zum Tragen kommt.
    • Das ist ja schön, nach den Berichten von @Stanie78 und mir nun auch ein Bericht der dritten Reise der Fridtjof Nansen ab Hamburg. Wie ich lese waren auch viele der Expeditionsteammitglieder noch an Bord. Kapitän Benny war auch bei der zweiten Tour im Einsatz.

      Dein Hinweis auf die Essenssitzung um 18 Uhr deutet an, dass die 170 Paxe nicht gleichzeitig zum Essen durften. Ich bin gespannt, welche Unterschiede es dann noch auf Eurer Reise im Vergleich zu meiner zuvor gab.
    • Sonnabend, 25. Juli – 2. Reisetag

      Um halb zwei sind wir kurz vor Helgoland und mit 11,8 kn unterwegs. Die Route lässt sich auf Marine Traffic kaum nachverfolgen – meist sind wir zu weit vom Land entfernt, nur kurz nach halb elf zeigt sich, dass wir eben nördlich von Blåvand mit 13,6 kn fahren.
      Auf Hurtigrutenreisen frühstücke ich gewöhnlich um sieben – so auch hier. Morgens gibt es Tee und ich schwelge in Fisch: Lachs, Sild usw, dazu Rohkost und Brötchen. Heimatliche Gefühle kommen bei der Butter auf: sie wird in kleinen Weck-Gläsern serviert. Dann noch ein wenig Obst und ich bin für den Tag gerüstet.
      Um neun (und um zehn) findet die Infoveranstaltung mit Hotelmanagerin Giske (englisch, wird aber von Sascha per Kopfhörer simultan übersetzt) und Expeditionsleiterin Rike (deutsch) auf dem Explorerdeck statt. Rike stellt den geplanten Reiseverlauf vor. Leider hat die Aufhebung der bisherigen Beschränkungen aus
      meiner Sicht negative Auswirkungen: Es ist nunmehr geplant, nach Honningsvåg zu fahren und von dort kostenfrei zum Nordkapp. Ich hatte mich gefreut, die Vogelinsel Gjesværstappan und das Nordkapp mal von der anderen Seite zu sehen, aber das wird nun wohl nichts. Das lasse ich mir noch von Rike bestätigen und kommentiere es mit „Schade“. Um 10.45 Uhr gehe ich dann ins Auditorium auf Deck 6, um mir den Vortrag des Zoologen Fritz über die Vogelwelt anzuhören. Den
      Vortrag von Marina - „Norwegen, ein geographischer Überblick“ - um 14 Uhr schaue ich mir in der Kabine an, weil ich dort einfach gemütlicher sitze. Um 16 Uhr gehts
      dann in die Explorer Lounge, wo wir sechs Knoten lernen.
      Zwischendurch verbringe ich einige Zeit draußen – zu sehen gibt es außer Wasser aber so gut wie nichts. Viertel nach neun beginnt der Tagesrückblick und Ausblick auf morgen. Diverse Mitglieder des Expeditionsteams wechseln sich ab. Ralf zeigt uns, wo die Fridtjof Nansen sich jetzt befindet: kurz vor der norwegischen Rinne. Die
      Fridtjof Nansen ist allerdings rund 50 nautische Meilen (rund 63 km) am Skagerak vorbei gefahren, war also stets auf der Nordsee. Als Nächstes gibt es einen kleinen Einblick in die norwegische Sprache. Diesen geben Andrea aus der Sogne-Region, Christian von den Lofoten und Julia aus Bergen , das wohl auch das sächsische Norwegen genannt wird. Und schließlich folgen Informationen zur morgigen Strecke: vom Lysefjord nach Bergen .

      Dann berichtet Elena noch von den Wetteraussichten (wie an jedem Tag der Reise). Und schließlich geht Ralf auf die weitere Route ein. Nach dem Lysefjord gehts zunächst einmal zurück Richtung Stavanger. In dieser Gegend sind 80% der norwegischen Gewächshäuser angesiedelt. Er kündigt mehrere „points of interest“ auf Deck 10 an – u.a. um 11 Uhr mit Speakers Corner. Hinter Stavanger gehts zunächst durch den Karmsund mit einem POI Kopervik/Norsk Hydro/Haugesund, an Haugesund vorbei und dann auf die offene Seestrecke Sletta mit dem POI Sletta/Bømlo Inselgemeinde auf Deck 7.




      Sonntag, 26. Juli – 3. Reisetag Lysefjord mit Preikestolen

      Als ich um viertel nach vier wach werde, befinden wir uns noch südlich von Stavanger, fahren aber auch nur 9,1 kn. Anders als im fahrplanmäßigen Verkehr haben wir viel Zeit, um unsere nächsten Ziele zu erreichen.
      Nach dem Frühstück um sieben gehts aufs Observationsdeck 7. Um 8 Uhr sind wir an der Einfahrt zum Lysefjord und können schon die Lysefjordbrücke sehen. Der
      Lysefjord ist 40 km lang, die tiefste Stelle weist 500 m auf. Die Felswände sind sehr hell – es ist die „Heimat der Granitriesen“. Früher baute man den Granit ab und verwendete ihn u.a. zum Hafenbau in Stavanger und Amsterdam. Highlight des Fjordes ist der 604 m hohe Preikestolen, ein 25x25 Meter großes Felsplateau.
      Um acht fahren wir in den Fjord und sehen vor der Ortschaft Oanes eine eigenartige kugelförmige, halb untergetauchte Konstruktion. Was dies ist, weiß auch das Mitglied des Expeditionsteams, das ich frage, nicht, will sich aber schlau machen. Nach der Reise habe ich erkundet, dass es ein „Fishing“ ist, das seit einem Jahr
      stillgelegt ist. Es ist zylinderförmig mit einem weißen halbkugeligen Oberteil, ist 22 m lang und 22 m breit und heißt Ryfish Oanes SJO.



      Wir fahren unter der Brücke hindurch und sind nun etwa eine halbe Stunde unterwegs bis zum Preikestolen. Wir haben Glück: vorhin regnete es, aber jetzt im Lysefjord ist es trocken. Teilweise hängen Wolken in den Bergen und in der Ferne ist es trübe, aber das, was wir sehen möchten, können wir gut erkennen. Die Felswände ragen steil auf und bieten faszinierende Formationen. Teilweise sind die Platten vollkommen senkrecht gestellt. Dazwischen immer mal wieder mit Schutt und Geröll gefüllte Kamine. Aber auch völlig bewaldete Hänge sind vorhanden. Nach dreißig Minuten liegen wir unterhalb des Preikestolen. Oben auf der Plattform sind vereinzelt Menschen zu erkennen. Entstanden ist der Preikestolen, also der Predigerstuhl, durch Frostsprengungen. Eine fast quadratische Felsrippe ragt aus dem Hang hervor.



      Eine Zeitlang bleibt die Fridtjof Nansen unbeweglich, dann beginnt sie sich langsam zu drehen. Zehn vor neun gehts dann allmählich wieder zurück und ich genieße die Fahrt auf Deck 10, wo eine halbe Stunde lang die professionelle Vogelbeobachtung stattfindet. Um halb zehn sind wir wieder an der Brücke angekommen und verlassen nun den Lysefjord.



      Weiß eigentlich jemand, was diese Kästen auf dem hohen Nordufer darstellen? Sie stehen ziemlich am Anfang des Lysefjordes. Leider ist meine Auflösung der Fotos nicht so gut, dass ich mehr erkennen kann. Überhaupt möchte ich mich für die bescheidene Qualität meiner Fotos entschuldigen - wenn ich sie mir so anschaue, sind sie bei einer Größe unter 150kB wirklich nicht mehr toll.

      Gegen elf ist dann der nächste Programmpunkt: Speakers Corner. Vier vom Team erzählen von einem bestimmten Thema und können auch gefragt werden, allerdings ist für jeden nur 10 Minuten vorgesehen, dann erfolgt der Wechsel. Zunächst höre ich von Silvia über das Leben im Fjell. Sie ist vor etlichen Jahren mit ihrem Mann und jüngeren Kindern nach Norwegen ausgewandert und lebt am See Møsvatn in der Hardangervidda. Für ihre schulpflichtigen Kinder erhalten sie Fahrgeld – sie müssen sie mit dem Boot oder dem Schneemobil ans andere Ufer bringen. Der See ist meist von Juni bis November eisfrei. Solange die Eisdecke noch nicht trägt, sind sie völlig isoliert. Daher hat sie inzwischen drei Kühltruhen stehen und hat festgestellt, dass man sogar Eier und Milch einfrieren kann. Im Notfall müssen sie nur 113 wählen und es kommt ein Helikopter (wenn es denn wettermäßig möglich ist). Ihr Mann, ein Ingenieur, musste in Norwegen ganz von unten anfangen – er hat sogar Schaltschränke montiert. Dann stieg er in der Firma jedoch recht schnell auf und ist jetzt Koordinator für Arbeiten auf Plattformen. Dies ist eine gut bezahlte Arbeit – wie alles im Offshorebereich.
      Der zweite Schnack ist mit Julia. Thema ist das Verhältnis von Männern und Frauen in Norwegen. Offiziell herrscht Gleichberechtigung, aber beispielsweise beträgt die gender pay gap immer noch 14% (in Deutschland 17%). Allerdings gibt es seit 2006 die Frauenquote für Führungspositionen und der Anteil ist bereits von 7% auf 33% gestiegen – Ziel sind 40%. In Norwegen gibt es die verpflichtende Elternzeit – jedes Elternteil muss zweieinhalb Monate beim Kind bleiben. Anschließend kann das Kind in eine kostenfreie Kinderkrippe. Dies ist allerdings nicht verpflichtend, wer zuhause bleibt, erhält monatlich 600 €. Die weitere Bildung ist ebenfalls kostenfrei. Prostitution ist verboten – bei Zuwiderhandlung wird nicht die Frau, sondern ihr Freier bestraft. Im recht konservativen Land geht man mit psychischen Erkrankungen
      noch wie früher um - „so etwas gibt es hier nicht“. Das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen ist ganz anders als in Deutschland. Die Mädchen werden nicht von den Jungen umworben, müssen selbst aktiv werden. Bei Dates zahlt jeder für sich. Und Julia erzählt, dass sie einige sehr gute Freunde hat, die sie aber noch nie berührt hat! So etwas findet allenfalls innerhalb der Verwandschaft statt, die ein wichtige Rolle spielt. Dies wird auch dadurch deutlich, dass selbst für entferntere Verwandschaftsverhältnisse noch Bezeichnungen existieren.
      Mein dritter Schnack ist dann mit Christian, einem gebürtigen Grönländer. Er ist begeisterter Kajakfahrer und hat Friluftsliv studiert, was auch sein Thema ist.
      Danach trage ich mich für eine Mitfahrt i Science Boat an. Mit einer Secchi-Disk wird der Planktongehalt erkundet, es wird eine Wasserprobe genommen und mit dem CTD werden Salzgehalt, Temperatur und Durchsichtigkeit erkundet.
      Diese ganzen Angebote des Expeditionsteams gefallen mir sehr gut, erfährt man doch sehr viel mehr über Land und Leute als bei einer normalen Linienfahrt mit der Hurtigrute.
      Um halb zwei gibt es einen POI auf Deck 10 mit Informationen über die freie Strecke Sletta. Hier ist laut Ralf, der hier mal mit dem Kajak unterwegs war, die Situation aus eigener Erfahrung kennt, das Problem, dass wegen fehlenden Schärenschutzes und vieler Strandflaten die Wellen vom Land zurückgeworfen werden. Daher gab es hier viele Seenotfällen, zuletzt vor einigen Jahren mit einem Katamaran. Auf der Seekarte wird vor „Dangerous waves“ gewarnt. Segler, die von Bergen aus in Richtung Stavanger wollen, fahren hier im Konvoi mit Begleitung. Wir passieren Ryvarden, eine Steinvarde auf Sletta, die zugleich die Grenze zwischen Rugaland und Hordaland markiert. Zum Hafen Leirvik erzählt Ralf, dass hier ein Schwerpunkt die Schiffswerften fürs Ölgeschäft sind.
      Um 14 Uhr erzählt dann Julia über die Hanse in Bergen . Vieles weiß ich, aber einige Punkte habe ich mir dann doch noch notiert. Bergen war nie eine Hansestadt, lediglich ein Hansekontor. Dennoch wurde hier erfolgreich gehandelt. Tyske Bryggen war Ende des 19. Jahrhundert praktisch stillgelegt und verfiel allmählich. Nach vier
      Jahrhunderten unter dem Einfluss der Hanse und anschließend den norwegischen Erben (es heirateten durchaus hanseatische Kaufleute norwegische Frauen, deren Söhne dann die Kontore erbten), hatte sich der Handel verlagert, insbesondere seit der Entdeckung und Besiedlung Amerikas. Viele Bergenser plädierten dafür, die maroden Häuser abzureißen und moderne Gebäude zu errichten. Julia zeigt einen Architektenentwurf eines furchtbaren, großen Gebäudes, das ein wenig dem Osloer Rathaus ähnelt. Glücklicherweise wurde dieser Plan nie verwirklicht.



      Und ab etwa 1955 begannen Forscher, sich für die Geschichte des Ortes zu interessieren und es fanden erste Ausgrabungen statt. Dabei wurde deutlich, dass es hier auch schon vor der Hanse Aktivitäten gab. Großer Vorteil war, dass die Häuser nach den vielen Bränden immer wieder originalgetreu aufgebaut wurden – die Originalpläne aus dem 12. Jahrhundert waren und sind noch vorhanden. Was sich an den Häusern deutlich zeigt, ist der instabile Untergrund – etliche sacken um rund 4 mm pro Jahr ab und/oder werden schief. Sie müssen nach und nach angehoben werden. Momentan ist das Hanseatische Museum bis (mindestens) 2026 geschlossen, weil es sowohl angehoben als auch renoviert wird. Die Bucht Vågen ist rund sechs Meter tief und wie früher üblich, wurde der gesamte Müll einfach ins Wasser gekippt. Zwischen den beiden rechten Häuser von Bryggen besteht derzeit ein Höhenunterschied von 60 cm. Die Lehrlinge kamen in jugendlichem Alter nach Bergen und brauchten 15 Jahre, um zum Kaufmann aufzusteigen. Am Ende der Lehrzeit stand noch die Prüfung mit recht schwierigen Bedingungen, u.a. einem Kielholen. Für Frauen war Bryggen verboten, allerdings soll es in der Øvregate doch „Damen“ gegeben haben, u.a. aus Deutschland. Organisiert waren die Handelsleute in „Höfen“, die alle Häuser einer Flucht umfassten. Diese Höfe wählten ihre Vertreter für den Bryggerat. Der Name Einhornhof entstand durch ein Mißverständnis: Vorbesitzer
      war wohl ein Einar, was fälschlich mit Einhorn übersetzt wurde. 90% des Handels umfasste die Ware Stockfisch – so war im Winter kaum Arbeit vorhanden, was zur
      Erlangung von Bildung genutzt wurde. Der Niedergang der Hanse beruhte auf der Ablösung des gewöhnungsbedürftigen Stockfisches durch den von den Holländer erfundenen Matjes, die Entdeckung Amerikas und dadurch verursachte Veränderungen der Warenströme und die Berechnung von Zöllen durch die Dänen, die nun nach der Decksfläche berechneten, wobei die breiten Hansekoggen den niederländischen schmaleren Schiffen unterlegen waren. Um 1750 waren die meisten Hansekontore durch Erbfälle schließlich in norwegischer Hand.
      Um halb fünf folgt dann ein Vortrag von Charlotte über Meeressäuger der norwegischen Küste. In der Explorer Lounge auf Deck 10 kann man die Präsentationen nicht nur auf den beiden großen Monitoren, sondern auch auf etlichen kleineren Bildschirmen verfolgen.

      Genau zur ersten Dinner-Zeit kommen wir nach Bergen . Ich merke plötzlich, dass wir die Askøybrua passiert haben und flitze an Deck. Leider ist es recht trübe – vor
      allem, als wir vor Skuteviken sind. Um 18.10 Uhr sind wir vor Nordnes, dann, gegen 18.20 Uhr verzögert der Kapitän noch etwas mehr von 5,7 auf 3,6 kn. Aber Bergen
      wird seinem Ruf gerecht, es liegt unter Wolken und die Bergstation des Fløyen taucht nur mal kurz auf. Bei der kurzen Vorbeifahrt kann man gut nach Vågen hineinschauen, sieht allerdings aus dieser Perspektive nur die neueren Kontorhäuser und natürlich die Häuser am Ende des Beckens. Skuteviken betrachte ich noch in Ruhe, danach wird es in Höhe des Gamle Bergen schon wieder sehr trübe.



      So komme ich erst um viertel nach sechs zum Dinner, was hier aber – im Gegensatz zur Linienfahrt – kein Problem ist. Es wird hier nach Bedarf serviert. Als ich dann beim Essen sitze, registriere ich auf einmal, dass wir unter der Floating Bridge, der Nordhordalandsbrua, durchfahren – also mal eine ganz andere, mir bisher noch nicht bekannte Route, nämlich durch den Radfjord!
      Nach dem Abendessen gibt es dann eine obligatorische Sicherheitseinweisung für die Expeditionsboote und schließlich den täglichen Rück- und Ausblick. Kurz vor zehn sehe ich vorm Fenster Felshaufen: ja, wir sind im Steinsund ! Also nix wie hinauf auf Deck 11. Es ist relativ lau und wieder ein schöner Tagesabschluss. Voraus sehe ich den steilen Zahn von Værlandet und einen halben Alden – der obere Teil versteckt sich in den Wolken.



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    • Moin Roberta,

      Danke für den schönen Bericht, nur die Bilder könnten noch etwas besser sein, versuch doch mal einen anderen Bildkomprimierer.
      Ich nehme immer "verkleinerer17b" der ist sehr einfach gehalten, funktioniert sehr gut, ist leicht zu bedienen und man kann auch zugleich mehrere Bilder verkleinern - wenn Interesse besteht, ich habe dafür auch mal eine kleine Anleitung geschrieben... ;)
      MfG von der Ostsee, Micha. :gr-cool:

      Even after the worst storm the sun will shine again... :gr-thumbup:
    • @Roberta ,Dein Bericht ist so interessant, dass es nicht wichtig ist ob die Bilder alle gelungen sind.

      Ich habe viele Jahre überhaupt nicht fotografiert und einmal hatten alle Bilder Salzwasserflecken weil ich aus Begeisterung bei Regen und Wind nicht aufhören konnte zu fotografieren.
      Wichtig ist, dass Du eine schöne Reise hattest und es ist fein, dass Du uns in daran teilhaben läßt. :thumbup:

      Liebe Grüße, Kamilla
    • Montag, 27. Juli – 4. Reisetag Geirangerfjord

      Kurz nach sechs hole ich mir einen Kaffee im Friedheim, bevor es dann auf Deck 7 geht. Dort sind schon viele Vogelfreunde und wir liegen von 6.29 Uhr bis 6.51 Uhr vor der Vogelinsel . Offenbar sind momentan nicht so sehr viel verschiedene Vogelarten zu sehen, es
      sind vor allem Basstölpel. Selbst mit einem Abstand von vielleicht 100 Metern machen sie einen ganz beträchtlichen Krach. Die Felswand ist weiß – aber es ist kein Bes...ss, es sind alles Vögel. Das ist schon beeindruckend. Oben drüber schweben immer wieder Seeadler . Die Basstölpel sind nicht so besonders gut zu erkennen, aber als wir dann wieder Fahrt aufnehmen, scheuchen wir etliche Vögel auf, die sich gerade mit Fisch versorgen. Wenn sie starten, laufen sie meist drei Schritte über Wasser – klassische Dreispringer.

      Inzwischen hat auf Deck 7 das Tai Chi/Qi Gong begonnen. Als ich hochschaue, sehe ich, dass die derzeitige Brückenbesatzung vor der Scheibe steht und fleißig mitmacht. Das kennzeichnet aber auch die Atmosphäre auf diesem Schiff: Alle gehen recht locker miteinander um und vieles wird per Du geregelt – auf Englisch ja sowieso nicht zu unterscheiden. Es ist recht bewölkt – umso schöner sind Sonnenstrahlen auf dem Wasser, während der „Zuckerhut“ von Ålesund sich noch als schwarze Silhouette abzeichnet. Ich bleibe noch an Deck, bis wir Grasøyane Fyr passiert haben – von dieser Seite aus deutlich dichter als auf der Normalstrecke und
      im Hintergrund die Kleven Verft in Ulsteinvik .

      Erst um viertel vor acht gehe ich dann frühstücken. Den Hjørundfjord passieren wir um neun. Viertel vor zehn wird über geplante besondere Aktivitäten der nächsten Tage informiert, um halb elf heißt es „Alles begann in Norwegen – Wikinger erobern den Nordatlantik“.
      Schon um 11.20 Uhr sind wir unter Åkerneset mit der Kontrollstation „Adlernest“. Ich empfinde die Erklärung allerdings als etwas dürftig, es wird kaum auf die Einzelheiten und Abläufe eingegangen. Und wenn man dann abends den Film „Bølgen“ bzw. Todeswelle anschaut, kann einem noch nachträglich ein Schauder über den Rücken laufen.


      Gegen viertel vor zwölf verzögert die Fridtjof Nansen, um in den Geirangerfjord einzubiegen.
      Die Felswände im Geirangerfjord sind immer wieder beeindruckend – auch wenn sie „inkontinent“ sind. Auf den Brautschleier wird allerdings nicht hingewiesen, nur auf die Sieben Schwestern und den Freier. Kurz hinter den Wasserfällen stoppt die Fridtjof Nansen für gut vierzig Minuten. Mit drei Tenderbooten werden die 18 Teilnehmer der Wanderung nach Skageflå mit den beiden Guides übergesetzt.
      Dann gehts weiter und schon um 13.39 Uhr zeigt Marine Traffic „at anchor“. Die Tenderboote werden wieder abgesetzt und die Paxe werden gruppenweise aufgerufen, versehen mit Mundschutz und Rettungweste zur Tender Lounge auf Deck 3 zu kommen. Dort wird die Cruisecard gescannt, Temperatur gemessen und dann geht es zu acht auf ein Boot. Dabei fassen zwei Crewmitglieder mit an – u.a. auch die Servicekräfte aus dem Restaurant.
      An Land besteht dann die Möglichkeit, mit Christian eine Wanderung (u.a. zum Fjordsenter) zu machen oder auch mit dem Shuttlebus, der von 14 bis 18 Uhr pendelt
      und in dem natürlich auch Maskenpflicht herrscht, direkt zum Norsk Fjordsenter zu fahren. Oben im Center gibt es zur Einführung eine Diashow über das Weltnaturerbe und dann gehts zur Ausstellung. Dazu brauche ich mal wieder sehr viel Zeit – es ist viel über das Leben in Norwegen zu sehen. Ins Auge fällt mir im kleinen Laden die Regstrierkasse aus Bielefeld.
      Als ich schließlich durch bin, mache ich mich auf den „Abstieg“ zum Kai. Eigentlich ist noch ein Abstecher zur Kirche von Geiranger geplant, aber dann ist der Wasserfall bzw. sind die vielen Katarakte so faszinierend, dass ich ihnen bis unten folge.



      Gegen fünf bin ich wieder auf der Fridtjof Nansen: Hände desinfizieren, Cruisecard scannen, dann darf man die Maske abnehmen und sich wieder frei bewegen.
      Nach dem Dinner gehts auf Deck 10, wo ich dann die Ausfahrt bis zur Raudbergvika verfolge. Im Sunnylvsfjord werden wir von einigen Möwen begleitet, die mir einige schöne Porträts erlauben. Dann noch ein Blick auf die Olivin-Mine bzw. Dunit-Mine Raudberg. Anschließend ziehe ich mich nach drinnen zurück.
      Schließlich machen wir einen kurzen, zwanzigmimütigen „technischen Stopp“ in Ålesund , wo eine Gruppe von drei Personen aussteigt – nun sind wir noch 171 Paxe bei 162 Crewmitgliedern. Bei den drei Personen soll es sich um Angestellte von Hurtigruten aus Hamburg handeln, die einmal live erleben sollten, was sie dort für Fahrten verkaufen und wie das Schiff insgesamt ist.
      Gegen Mitternacht gehe ich noch einmal hoch: ich will Lepsøyrevet betrachten. Doch es hat sich stark verändert: die 12 Betonpfähle, die das Fahrwasser markierten, sind kaum sichtbar und es werden etliche Brückenpfeiler erstellt, die teilweise schon recht weit gediehen sind.
    • Dienstag, 28. Juli – 5. Reisetag Hitra/Frøya - 2.500 Inseln, Klippen und Riffe

      Die Belugawale, meine Gruppe, sind für 9 Uhr fürs Kleinboot-Cruisen im Bereich Smøla angekündigt. Von den 15 an Bord befindlichen Tenderbooten sind 12 unterwegs – jeweils zwei zusammen, wobei eines als „Leading boat“ deklariert ist. Leider sind die beiden Guides (m) in unserem Leading boat sich nicht so ganz im Klaren über die Route, die wir einschlagen sollen und es dauert ziemlich lange, bis sie sich endlich dazu entschließen, von unseren Guides (w) über Funk Ratschläge anzunehmen. ^^ :rolleyes: Die kleinen Inselchen – in diesem Gebiet gibt es rund 5000 davon – ragen aus meist flachem Wasser – oft ist es nur zwei bis drei Meter tief und wo wir fahren, auch mal 10 Meter. Die Fahrt selbst dauert etwa siebzig Minuten und ist wunderschön. Aus den kleinen Booten bietet sich doch ein ganz anderer Anblick als vom Schiff herunter und das Erlebnis ist viel unmittelbarer. Die Sonne scheint, die See ist relativ ruhig und unsere Guide Marina erzählt zusammen mit Andrea und beantwortet Fragen. Es macht viel Spaß.



      Das letzte Boot kommt gegen halb eins wieder bei der Fridtjof Nansen an und schon bald gehts auf der normalen Route weiter gen Norden. Die Sonne hat sich zurückgezogen und der Wind nimmt zu. Bald klappen die Lehnen der Stühle hin und her, aber mich ficht das Geklapper wenig an. Allerdings leeren sich die ungeschützen Bereiche recht bald. Wir passieren die Kirche auf Edøya, Tyrhaug Fyr und später Terningen Fyr.



      Viertel nach vier dann wird gruppenweise aufgerufen: auf Deck 6 gibt es „Svelve“ - Pfannkuchen mit Fruchtmus und Sahne. Gruppenweise damit man sich nicht zu nahe kommt und mit Einbahnregelung: An Backbord hin und nach dem Genuss an Steuerbord zurück. Bald darauf sagt der Kapitän Kjeungskjær Fyr an. Das genieße ich von Deck 11 – und schon gibt es etliche weitere Fotos dieses besonderen, achteckigen Leuchtturms.



      Kurz vor sechs kommen wir an Asenvågøy fyr vorbei, dem Leuchtturm mit dem grünen Sockel. Wahrscheinlich ist der Wind heute nachmittag zu stark, denn entgegen der gestern geäußerten Absicht geht es nicht durch den Stokksund , sondern außen herum. Aber das hatte ich schon beinahe vermutet. Wenn man überlegt, wie dicht
      man mit der Lofoten den Felsen schon kommt, muss die Fridtjof Nansen wirklich ganz, ganz ruhiges Wasser haben.

      Um 23 Uhr gibt es eine lautstarke Begegnung mit der Finnmarken, allerdings ohne Ankündigung. Vierzig Minuten später sind wir schon nördlich von Rørvik mit 13 kn unterwegs.