Hamburg - Nordkapp und zurück mit der Fridtjof Nansen, 07.-24.07.2020

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    • Hamburg - Nordkapp und zurück mit der Fridtjof Nansen, 07.-24.07.2020

      00 – 07.07.2020 - Vorgeschichte

      Normalerweise freut man sich schon über ein Jahr im Voraus auf eine Reise mit Hurtigruten. Man plant Landausflüge, fragt im Hurtigforum nach allem Wichtigen, liest Liveberichte aus der gleichen Jahreszeit, teilt seine Vorfreude mit anderen hier im Forum und überlegt sich, was man wohl noch anschaffen und einpacken muss.

      Nicht dieses Mal! Den Livebericht von @Stanie78 über die erste Reise der Fridtjof Nansen von Hamburg zum Nordkapp und zurück hatte ich mit verfolgt und meine Sehnsucht nach Norwegen und dieser besonderen Form der Reise mit den ungewöhnlichen Zielen und Aktivitäten wuchs. Eine Probebuchung für einen Einzelreisenden holte mich dann aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen. Urlaub hätte ich ja genau in den zwei Wochen nach dem 10.7. – aber der Preis!

      Und dann kamen heute gleich zwei Hurtigruten-Newsletter! Den zweiten las ich dann am späten Nachmittag und wurde plötzlich sehr unruhig. Kurzentschlossene Einzelreisende ohne Aufpreis! Soll ich, soll ich nicht, ist das nicht verrückt, in drei Tagen! In der Unruhe habe ich dann schon mal mit einer ersten Wäsche angefangen...

      Die Unruhe wuchs und so rief ich dann schließlich im Reisebüro meines Vertrauens an und mein Freund riet mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Neues Schiff, ungewöhnliches Programm, den Rest von Norwegen kenne ich ja schon von vielen Autotouren und mehreren Hurtigrutenfahrten (siehe auch mein Bericht über die Tour im letzten November hier im Forum).

      Also die Details der Reise geschickt – er kannte das Angebot noch nicht. Und kurz danach kam auch schon die Bestätigung von Hurtigruten, dass ich ab Freitag in See steche. Schnell also die Rechnung per Kreditkarte bezahlt (es hat mehrere Anläufe gebraucht, bis ich gesehen habe, dass das Limit überschritten wurde, zum Glück konnte ich die Zahlung dann auf 2 Kreditkarten verteilen!).

      Die ersten Dinge von der Packliste (zum Glück hatte ich von vorherigen Fahrten eine Liste vorliegen!) liegen bald schon bereit. In der Nach war dann kaum an Schlaf zu denken.

      Am Mittwoch habe ich dann im Büro alles geregelt und mir den Donnerstag und Freitag zum ohnehin geplanten Urlaub auch noch freigenommen. Mittwochnachmittag und Donnerstag wurde dann der Koffer gepackt, ein paar Teile noch gebügelt und abends war dann der Koffer voll und ich fix und fertig.
    • @seealpe: Lass Dich überraschen :) .
      @Esther: Schön, wenn mein Bericht ein Lichtblick in der Quarantäne ist. Halte durch!
      Dann will ich mal hurtig weitermachen mit dem ersten Reisetag.

      01 – 10.07.2020 – Los geht’s

      Um 7:30 geht es los. Ohne Staus und Dank Navi lande ich um kurz nach 11 in der Tiefgarage in Hamburg. Auf den letzten Metern konnte ich schon das Schiff sehen und auch sehen, dass der Weg ohne Probleme zu Fuß zu bewältigen ist. Nach der Suche nach dem richtigen Ausgang aus der Tiefgarage, machte ich mich im leichten Regen auf zum Cruise Center Braakenhöft, welches ich dann auch schon kurz vor 12 erreichte. Hier hatten sich dann auch schon ein paar Mitreisende eingefunden. Nach kurzem Warten und dem Ausfüllen der Gesundheitsfragebögen, geht es dann an Bord. Praktischerweise wird das Einchecken auf den jeweiligen Decks an jeweils 2 Terminals durchgeführt, was bei vollem Schiff sicherlich den Vorgang entzerrt und beschleunigt.



      Für die bereits Angereisten gibt es im Restaurant Fredheim ein Mittagessen und dann ist ausreichend Zeit die Kabine einzurichten und die verschiedenen Ecken des Schiffes zu erkunden. Wegen des aufwändigeren Sicherheits- und Gesundheitschecks bin ich an Bord geblieben.

      Das Schiff ist einfach toll. Die Aufteilung, das Design, die Größe zum Beispiel der Explorer Lounge, mir gefällt es.

      Um 16 Uhr steht dann die Sicherheitsunterweisung an. Gezeigt wird der bekannte Film, der auch auf der Küstenroute gezeigt wird, natürlich für die Fridtjof Nansen aktualisiert. Live kommentiert und danach noch mit der Demonstration des Anziehens eines leichten Schutzanzuges erweitert.

      Langsam durchbricht die Sonne die Wolkendecke und verschafft uns so einen schönen Start der Tour, als wir um kurz vor 18 Uhr unseren Liegeplatz verlassen.



      Zunächst geht es ein Stück rückwärts bis wir Platz zum Wenden haben. Danach gleiten wir an der Skyline von Hamburg vorbei. Elphi, Landungsbrücken, Blankenese, schließlich um 19:30 die Schiffsbegrüßungs-(in unserem Fall Verabschiedungs-)anlage Willkom-Höft, die uns auf Norwegisch begrüßt und uns anschließend mit der norwegischen Nationalhymne auf den Weg schickt.



      Zeit sich um das leibliche Wohl zu kümmern! Carpaccio vom Klipfisch aus Dybvik, Gemüsebrühe, Gebratener Kabeljau mit Muschelsauce von Rissa und Karamelisierte Äpfel, Nyr-Creme und Streußel (keine Angst, ich werde jetzt nicht jeden Tag eure Speichelproduktion anregen :) ).

      Um 21 Uhr steht dann noch das Kennenlernen der Führungsmannschaft des Schiffes und des Expeditionsteams an. Das Betreuungsverhältnis von Expeditionsteam und Passagieren ist sehr gut. Wir sind mit 62 Passagieren an Bord und wurden auf 4 Bootsgruppen aufgeteilt. Ich gehöre zur Gruppe „Gryllteiste“. Ein brennender Sonnenuntergang hinter dunklen Wolken beendet dann den Abend.

    • @Baldur
      Wie freue ich mich, hier mit dir mitreisen zu können, denn vielleicht klappt es ja , daß wir die gebuchte Fahrt ab Hamburg Anfang März 2021 machen können, allerdings noch mit goßem Fragezeichen, wegen Corona. Wir werden zwar mit der Otto Sverdrup fahren ( jetzt noch Finnmarken), aber die Strecke ist ja dieselbe. @Stanie78 's Bericht hatte ich auch verfolgt und als die Fridtjof Nansen ohne Passagiere am 7.8.2020 von Hamburg zurückfahren mußte, konnte ich sie von Cuxhaven-Duhnen aus am Rande des Wattenmeers fotografieren (Fotos im Forum unter Fridtjof Nansen). An deiner Stelle wäre ich auch auf's Schiff gesprungen. Wenn man will, schafft man alles. Nun bin ich sehr gespannt auf deinen Bericht !!! der Anfang verursacht bei mir schon ein Gänsehautgefühl :) !
      Liebe Grüße von Trollebo
    • @Baldur, Ich habe schon Stanie78's Bericht verschlungen, nun verschlinge ich deinen...wir haben für den 26.1. auf der Otto Sverdrup gebucht und ich bete jeden Tag dass es klappt, wie auch immer die Reise dann werden wird...Hauptsache Hurtigruten und Norwegen.... Ich harre deines weiteren Berichts...❤️❤️
    • Steigt alle ein, kommt alle mit, es sind noch Kabinen frei!

      02 – 11.07.2020 – Seetag


      Vor dem Frühstück muss ich zunächst nach draußen und mich umschauen. Blauer Himmel, vereinzelt dunkle Wolken, die sind aber weiter weg. Die Bewegungen des Schiffs sind spürbar aber das erwarte ich auch bei einer Schiffsreise – Ententeich kann ja jeder.



      Das Frühstück. Ein Erlebnis! Man bekommt so viel angeboten, die Bedienung hinter den Theken ist unheimlich freundlich und möchte mir alles auf den Teller laden. Doch ich kann wiederstehen. Beim angebotenen Omelett sage ich aber zu. Es wird frisch zubereitet mit den gewünschten Extras und mir dann später an den Tisch gebracht. Es ist ungewohnt sich vieles anreichen oder fertigmachen zu lassen, aber verständlich und vernünftig.

      Bei so wenigen Passagieren gibt es bei keiner Mahlzeit feste Essenssitzungen. Man geht dann, wenn man Zeit oder Hunger hat. Und wenn die Zeit mal nicht passt, gibt es ja von 6-7 und von 12-21 Uhr noch das Restaurant Fredheim.

      Der heutige Tag ist ansonsten bestimmt von Vorträgen zu Seevögeln, Norwegens Geologie, Knoten und dem Bürger-Wissenschafts-Programm. In einem Vortrag zum Thema Bildgestaltung gibt uns Bordfotografin Andrea Einblicke in gute und schlechte Bildgestaltung.

      Das Mittagessen gibt es als Menü, wobei beim Hauptgang zwischen Fleisch, Fisch und Vegetarisch ausgewählt werden kann und als Nachtisch auch zwei verschiedene Angebote zur Wahl stehen (verschleiertes Bauernmädchen und als Alternative Eis).

      Wer an einem der nächsten Tage Kajakfahren möchte oder sich am Stand-Up-Paddling ( SUP ) versuchen will, muss heute an einer Sicherheitsunterweisung teilnehmen und ein Haftungsausschlussformular ausfüllen. Ich bin mutig und melde mich für beide Aktivitäten an.

      Das Abendessen bekomme ich heute im Restaurant Lindstrøm. Hurtigruten bietet auf dieser Reise jedem Passagier zweimal kostenlos die Möglichkeit im Lindstrøm zu speisen. Ich habe mich wohlgefühlt. Das Personal sehr nett, wie auch im Aune, das Essen lecker.



      Um 21 Uhr findet das erste Treffen mit dem Expeditionsteam statt. Durch die entsprechenden Experten ist dies sehr informativ. So erfahren wir die genaue Wetterprognose für morgen und auch einiges zu den norwegischen Dialekten und natürlich zu geplanten POIs (Point of Interests).


    • An die Sache mit dem größeren Schiff und wenig Passagieren könnte man sich gewöhnen... ^^ Da komme ich gerne auch noch mit, zumal der Anfang und die Bilder schon vielversprechend für ein paar erholsame Tagesausklänge sind, dankeschön :) !
      Liebe Grüße, Beate
      :lofoten2:



    • 03 – 12.07.2020 – Lysefjord

      Früh um kurz vor sechs schaue ich schnell auf die Panoramakamera, bevor ich aus dem Bett in meine Klamotten springe, um die Schiffsbegegnung :) mit der Stavangerfjord nicht zu verpassen. Ich genieße den frühen Morgen auf dem Vorschiff und wie das Schiff nach Stavanger einbiegt und durch die vorgelagerten Schären fährt.



      Nachdem wir Stavanger passiert haben, nutze ich die Zeit, um mich vernünftig fertigzumachen und gönne mir dann das Frühstück. Und schon geht es wieder raus, um die Einfahrt in den Lysefjord nicht zu verpassen.



      Der bedeckte Himmel schafft eine besondere Stimmung. Es ist trocken und die Wolken liegen hoch, sodass wir Prekestølen, die Kanzel, gut sehen können. Oben können wir auch 3 Personen sehen. Wenn ich überlege, dass ich da oben mal an der Kante gesessen habe …



      Zurück geht es an Stavanger vorbei in Richtung Haugesund. Unterwegs werden einige Programmpunkte angeboten, wie auch an vielen anderen Tagen. Auch wenn ich nicht immer daran teilgenommen habe, fand ich die Angebote interessant und hätte daran teilgenommen, wenn es nicht draußen schöner und interessanter war oder ich einfach mal eine kurze Pause brauchte.

      Auf dem Programm stand Gemüseschnitzen und da es nichts anderes zu tun gab, war ich mit dabei. Ein Crewmitglied zeigte uns zusammen mit dem Chefkoch einige Dinge, die er aus Obst und Gemüse schnitzte. Der Schnitzer hat sich durch viel Eigenengagement langsam in der Küche hocharbeitet. So hat er sich die Fähigkeiten für das Gemüseschnitzen selbst durch YouTube-Videos beigebracht.

      Interessant fand ich heute eine Speakerscorner mit dem Expeditionsteam. In der Explorer Lounge auf Deck 10 verteilten sich 5 Mitglieder des Expeditionsteams und wir konnten uns jeweils für eine kurze Zeit mit ihnen zu vorgegebenen Themen austauschen, dann wurde gewechselt. Tolles Format.

      Am Mittag gab es bei Haugesund einen Point of Interest (POI), bei dem wir etwas über die Geschichte der Gegend erfahren haben und gemeinsam hielten wir Ausschau nach Haraldshaugen, dem Grab des ersten Wikingerkönigs Harald Schönhaar, welches wir dann auch entdeckt haben.



      Am Nachmittag gab es dann für die „Fotografen“ an Bord eine Gesprächsecke mit Andrea unserer Fotografin an Bord. Aus dem Gespräch heraus ergaben sich dann einige Themen, die an den nächsten Tagen aufgegriffen wurden.



      Vor dem Abendessen näherten wir uns Bergen . Nach dem Passieren der Sotra-Brücke fuhren wir weiter auf die Askøy-Brücke zu. Und so konnten wir, wenn schon kein Landgang möglich ist, einen Blick auf das Hurtigrutenterminal, die Nordneshalbinsel und dann einen Blick in den Vågen werfen. So sahen wir die Speicherhäuser vor der schönen Bergkulisse und oben drüber thronte die Bergstation der Fløybanen. Dann wurde gedreht und wir folgten der Route der „normalen“ Hurtigrutenschiffe erneut unter der Aksøy-Brücke durch und dann nach Norden an Øygarden vorbei in den Abend.



      Das Tagesprogramm beendet Sabine mit einer Lesestunde in der Explorer Lounge.