Trier statt Tromsø - Die letzte Flussfahrt vor dem Lockdown...

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    • Trier statt Tromsø - Die letzte Flussfahrt vor dem Lockdown...

      da waren wir dabei! Unsere war die letzte genehmigte Fahrt vor dem Lockdown, anschließend fuhr unsere Thomas Hardy in die Winterruhe in die Niederlande! Die noch geplanten Reisen konnten nicht durchgeführt werden.
      Wie versprochen, wenn auch etwas später als gedacht , jetzt ein kleiner Bericht zu unserer Flusskreuzfahrt auf der Mosel , nämlich auf der von Phoenix-Reisen gecharterten "Thomas Hardy" der Schweizer Gesellschaft Scylla Cruises vom 28. 10.-2. 11. 2020.
      Gebucht hatten wir noch Anfang September, als die Corona-Fallzahlen noch recht niedrig, unsere Sehnsucht nach wenigstens etwas Wasser unter dem Kiel sehr hoch war, nachdem schließlich alle unsere Reisepläne auf dem Meer 2020 zu Staub zerfallen waren. Ein ganz leicht mulmiges Gefühl angesichts dieses doch recht zahmen Abenteuers unter Maskenpflicht war da, aber die neuen Erlebnischancen lockten doch!
      Los ging's für uns am Frankfurter Flughafen, etwas ungewohnt unterirdisch statt im Flieger ging es im schnellen ICE nach Köln. Übrigens kostete uns die Bahnfahrt so viel wie das Parken im Kölner Parkhaus gekostet hätte - eine entspannte Form der Anreise also für uns! Nach nur 55 Minuten Fahrt munter in Köln angekommen, nahmen wir uns als Ortsunkundige und klapprige Rentner ein Taxi zum Anleger - da der Taxifahrer kaum Deutsch konnte und Köln wohl auch nicht, kutschierte er uns zu einem Hotel in der Nähe des Abnlegers und meinte, von dort könnten wir ja laufen - das erste Mal in meinem Leben, dass ein Taxifahrer kein Trinkgeld von mir bekam. Unsere Idee war ohnehin Blödsinn, denn, schlauer geworden, spazierten wir nach der Rückankunft gemütlich mit unserem Rollkoffer die Rheinpromenade entlang zum Bahnhof. GoogleEarth hatte uns da noch durch die maskenpflichtbewehrte Innenstadt schicken wollen. Aber selbst ist der schlaue Reisende!
      Allerdings endete unsere Rückfahrt, so viel sei schon im Voraus verraten, beinahe auch in Köln: Durchsage beim Betreten des Bahnhofes: "Durch eine technische Störung fallen alle Fahrten zwischen Köln Hbf und dem Frankfurter Flughafen aus - Sie erfahren Näheres, wenn es so weit ist." Zum Glück half das Reisezentrum kompetent weiter, stempelte unsere Zugbindung frei und wir enterten leicht verschwitzt noch einen verspäteten ICE, der uns dann die Rheinstrecke hinunter zum Flughafen Frankfurt brachte, wo unser Taxi schon wartete.
      Aber jetzt wollen wir erst mal auf "unsere" Thomas Hardy! Sooo lang und groß hatten wir sie uns gar nicht vorgestellt - es war unsere erste Flusskreuzfahrt überhaupt und wir wohnen nicht in Rheinnähe. So war es schon beeindruckend, und die großen Fensterfronten der Kabinen und die großzügigen Decks sahen vielversprechend aus.
      Zufällig als erste angekommen, wurden die Koffergriffe und unsere Hände flüchtig desinfiziert und Fieber gemessen. Letzteres verfolgte uns dann die ganze Fahrt: nach der Methode " erst messen, dann esen" wanderten wir brav vor dem Frühstück zur Rezeption, wurden erneut an Handgelenk oder Stirn gemessen und konnten dann an die leckeren Frühstücks-Futtertröge.- Auch nach einer Rückkehr zum Schiff nach einem Ausflug etc. wurde erneut gemessen, auch wenn man nur eine halbe Stunde abwesend war - der Sinn dieser Maßnahme erschloss sich uns eher nicht, aber man ist ja ein artiger Passagier und es ja nur ein Stopp von wenigen Sekunden.
      Die kurze Strecke vom Festland zum Schiff ^^ war schnell überwunden, und wir wurden vom netten Phoenix-Reiseleiter und einer ganzen Phalanx freundlicher Mitarbeiter begrüßt, von denen uns dann einer die wenigen Schritte bis zu unserer Kabine begleitete. Sie lag auf dem oberen Deck und war sehr ansprechend , wie auch das ganze Schiff in Brauntönen und Beige gehalten und wirkte gemütlich uns gediegen - wir fanden es allerdings auch ein ganz klein wenig langweilig, was die Farbgebung anging...Die Thomas Hardy wurde 2017 gebaut und unter Schweizer Flagge in Dienst gestellt; alles wirkte auch fast neu und gepflegt.
      Wir fanden ein superbequemes Bett mit einer ganzen Kissenparade ( 4 Stück pro Person...), ein großzügiges Bad mit toller Dusche, großem Fernseher mit amerikanischen und deutschen Fernsehsendern und einer Kaffeemaschine plus Teekocher ( nicht vergessen: die Thomas Hardy fährt normalerweise für englische Passagiere, und da ist ein fehlender Wasserkocher ohne teabags eine Revolution wert!)
      2 bequeme Sessel und ein Tischchen vor der riesigen Fensterfront mit französischem Balkon rundeten den positiven Gesamteindruck ab.
      Das Hygienekonzept der Reederei war gut durchdacht, wurde allerdings nicht immer 100% durchgesetzt. So sah ich unseren Kellner nach dem Frühstück sämtliche Tische mit dem gleichen Lappen abwischen, ohne auch nur einmal auszuwaschen oder etwas zu desinfizieren... Aber grundsätzlich war es gut: Einbahnstraßensystem, ein fester Tisch für alle Mahlzeiten, Bedienung nur am Tisch sowie die Maßgabe " beim Laufen Maske auf, am Tisch Maske ab." Das klappte auch relativ gut, nur auf den Gängen kamen uns immer wieder Leute entgegen, die die Regel bezüglich der Laufrichtung ignorierten, um schneller zum Futtertrog oder Weinglas zu gelangen bzw. sich die Treppen zu sparen.
      All inklusive bei den Getränken war auf der einen Seite sehr angenehm, brachte aber viele Gäste dazu, bei Sekt, Wein und Bier schon morgens üppig zuzugreifen. Säfte, Wasser, Tee und Kaffee waren ebenfalls inbegriffen, alkoholfreies Bier z.B. allerdings nicht, was ich angesichts der Fülle an angebotenen Alkoholika nicht in Ordnung fand - bei der Reiseleitung bzw. Hoteldirektorin fand ich mit meiner Anmerkung allerdings kein Gehör, sondern erntete nur ein Achselzucken - das sei eben so.
      Der angebotene (südafrikanische - nix Mosel oder Rhein ^^ ) Wein war übrigens recht lecker; auf den Sekt haben wir allerdings nach dem ersten Schluck aus dem Begrüßungsglas verzichtet - aber das ist nur unser persönlicher Eindruck; bei uns muss Sekt staubtrocken aus dem Glas rieseln......
      Zurück zum Schiff: Eine kleine Rezeption, ein Shop lagen vor der großzügigen Lounge mit Sesseln und Sesselchen und einem schönen Blick aus den Panoramafenstern. Dort haben wir uns an den Regenvormittagen gerne aufgehalten, wenn es auf dem Oberdeck zu windig und nass war. Nachmittags wurden dort Kaffee und Tee sowie Kuchen serviert - dieser allerdings, da nur aufgetaute Fertigware minderer Qualität, kein Highlight. Das haben wir bei ujnserer bisher einzigen Kreuzfahrt mit Phoenixreisen ( auf der Deutschland) ganz anders erlebt.
      Noch eine weitere Bemerkung zum Essen: die Mittags- und Abendkarte bot genügend Auswahl bei guter bis ausgezeichneter Qualität. Wir mochten auch die Portionsgröße, Vielesser wären vielleicht enttäuscht gewesen. Auch das Frühstücksangebot , aus dem man nach Karte wählen konnte, war z.B. mit frischem Bircher Müsli, Joghurt, Obstsalat und diversen frisch gemachten Eierspeisen wunderbar. Kaffee gab's in der Kanne, Tee wurde gebracht. Abgepackte Butter-, Marmelade- und Honigpäckchen standen schon bereit. Nur die Brötchen- und Brotauswahl fanden wir dürftig, die Brötchen billigste Aufback- und Ferigware, das Brot meist trocken und einmal sogar angeschimmelt. Auch das haben wir auf unserer bisher einzigen Hochseekreuzfahrt mit Phoenix ganz anders erlebt - gerade Brot und Brötchen waren zum Niederknien gut. Deshalb sind wir gespannt auf unsere nächste Flusskreuzfahrt, diesmal mit einem "echten" Phoenixschiff. Ja, ich fürchte, wir haben noch einmal gebucht, da uns April 2021 noch nicht sicher genug schien für eine Hochseekreuzfahrt.
      Das Sonnendeck der Thomas Hardy war durch das nasse Wetter nur sehr eingeschränkt nutzbar - da fehlte das Hurtigrutenfeeling und die Lounge hzw.Kabine waren ja auch so gemütlich - aber sonst sehr schön großzügig mit vielen Sitzgelegenheiten und zwei Ecken für Raucher. Ein kleineres Sonnendeck konnte auch genutzt werden, wenn das Oberdeck wegen niedriger Brücken gesperrt war.
      Abends haben wir die Lounge wenig aufgesucht - die Musikauswahl des abendlichen Alleinunterhalters war nicht so unsere Kragenweite, aber das sahen die anderen Gäste wohl anders: Abends war die Loiunge so dicht besetzt, dass Abstandhalten zur Illusion wurde und sicher im gesprächigen Beieinander fleißig Aerosole versprüht wurden.
      So viel für heute! Über die Fahrt selbst berichte ich das nächste Mal, wenn sich meine Finger wieder ausgeruht haben.
      Auch muss ich mich entchuldigen, dass ich kein einziges Foto liefern kann, weder von Speiseplänen noch von Bonn bei Nacht - ich habe schlichtweg nicht fotografiert!
    • Ich traue meinen Augen nicht: Trier im Hurtigforum! Ich wohne ganz in der Nähe und fahre fast jeden Tag über die Brücke am Anleger der Schiffe. Wahrscheinlich bin ich also an eurem Schiff vorbeigefahren. Bin gespannt, wie euch die Reise und natürlich auch Trier gefallen hat.

      Viele Grüße

      omlia :)


      Reiseberichte im Profil
    • Saedis wrote:

      da fehlte das Hurtigrutenfeeling

      @Saedis
      So ging es mir auch bei unsrer Schnupper-Flußkreuzfahrt ( Köln-Amsterdam-Köln). Als Alternative, wenn sonst keine Schifffahrt möglich ist okay, aber sonst lieber auf' s Meer.
      Aber trotzdem: Danke, für die Mitnahme auf diese Art von Reise, wenn auch die Bilder fehlen, beschreibst du alles so anschaulich, daß man die Bilder schon im Kopf hat.
      Ich bin gespannt, wie es weiter geht bzw. gegangen ist.
      Liebe Grüße von Trollebo
    • So - jetzt geht's ein bisschen weiter!
      Diese Kreuzfahrt war tatsächlich vor allem zur Entspannung und Entschleunigung gedacht, da ich zuvor eine Weile krank gewesen war. Deshalb haben wir des öfteren keine großen Unternehmungen geschafft, sondern manches auf eine Wiederholungsfahrt verschoben. :D
      Unsere Reise begann am 28.10. - am gleichen Tag, als der Lockdown verkündet wurde, und die Reiseleitung fürchtete schon, von der Reederei zur verfrühten Rückkehr oder zum Abbruch der Fahrt gezwungen zu werden. Zum Glück ging alles gut. Da wir bereits am Montagmorgen, 2.11. zurück in Köln erwartet wurden, durften wir die Fahrt planmäßig fortrsetzen und beenden.
      Nachmittags ging es nun von Köln los. Wir saßen gemütlich bei Kaffee und Kuchen in der Lounge und beobachteten die tiefhängenden Regenwolken und das Flussufer - schöööön! Nur auf die kratzige Auslaufmelodie hätten wir gern verzichtet, aber sie begleitete und täglich zum Teil mehrfach...
      Leider bescherte uns die schnell hereinbrechende Dunkelheit nur für kurze Zeit ein schönes Flusserlebnis den Rhein hinunter.
      Am nächsten Tag - nach 36.3. Grad -Körpertemperaturmessung zum Frühstück entlassen ( Spezialität des Tages: Pfannkuchen mit leckerem Topping aus Früchten) steuerten wir bei strömendem Regen Cochem an. Die Anlegestelle war ein wenig außerhalb, so dass wir unsere Pläne revidierten und kurzfristig noch den angebotenen Ausflug mit dem Bimmelbähnchen buchten. Er erwies sich als durchaus interessant und wir wurden dann in der Stadtmitte abgesetzt, sollten 2 Stunden später wieder zur Rückfahrt abgeholt werden. So weit, so gut, aber es schüttete weiter. Eine Auffahrt zum Aussichtspunkt Pinner Kreuz hatten wir schon gestrichen, so streunten wir nur ein wenig durch die sehenswerte Altstadt mit ihren schmalen und praktisch touristenlosen Gassen - nur die türkisgrünen Phoenixregenschirme rauchten überall auf, zusammengeballt und etwas missmutig schauend auch bei der Stadtführung, die man hatte buchen können. Ansonsten merkte man deutlich die Coronazeit - die Läden waren deutlich auf Gruppentourismus auch aus dem Ausland eingerichtet. Die in den Auslagen angebotenen Weine waren häufig von der Sorte "lieblich"... Etwas später legte auch ein weiteres Flusskreuzfahrtschiff , die AmaStella an, das brachte dann noch ein paar Passagiere in die Stadt.
      Nachdem wir genügend nass getropft waren, erholten wir uns erst mal im Altstadtcafé - so leckere Kuchen habe ich lange nicht gesehen, und widerstehen konnte ich leider auch nicht.... :S
      Nach unsererer Rückkehr und schmackhaftem Mittagessen fuhr unser Schiff gemütlich die Mosel entlang, unter niedrigen Brücken hindurch und durch mehrere Schleusen, in die Thomas Hardy auch gerade so eben hineinpasste. Nur wenige Zentimeter trennten und von den Seitenwänden. Die Landschaft war erstaunlich abwechslungsreich, Dörfer und Städtchen, die Bahnlinie, Weinberge im bunten Herbstkleid.
      Abends erreichten wir dann Zell und ein kleiner Abendspaziergang ohne Regenguss war erfreulich. Auch hier konnte man einen längeren Stadtrundgang mit Führer machen. Fairerweise schrieb Phoenix jedes Mal bei den Stadtrundgängen die Warnung dazu " für Personen mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet oder manchmal auch "beschwerlich" ". Als Alternative gab es häufig Weinproben - die Gäste beschrieben sie als "lustig", für uns allerdings keine Option, da ich für einige Wochen aus medizinischen Gründen weinlos leben musste...
      Abends legte dann unser Schiff wieder ab zur Fahrt nach Trier. In der dunklen Kabine konnte man auch ein wenig von den beleuchteten Städtchen am Ufer erhaschen.
      Am nächsten Morgen begrüßte uns wieder Regen, der uns ganz offensichtlich gefolgt war :cursing: . Wieder lagen wir recht weit draußen vor der Stadt, nur diejenigen, die eine Tour gebucht hatten, wurden abgeholt. Ein bisschen schade fand ich, dass die Reiseleitung zwar im Tagesprogramm kurz einen HopOn-Bus ab der Porta Nigra erwähnte, nicht aber, dass er als zweiten Stopp die Schiffsanlegestelle hat... So hätten wir uns den für mich ermüdenden Marsch in die Innenstadt sparen können. Wir sind dann an der Porta Nigra tatsächlich in diesen Bus gehüpft und haben so einen ersten Einblick in diese schöne Stadt bekommen. Wir stellten einmütig fest: Trier ist auf jeden Fall eine eigene Reise wert, z.B. mit der Bahn gut erreichbar, so dass man die vielen Sehenswürdigkeiten in Ruhe ansehen kann. Trier war für uns auf jeden Fall ein Höhepunkt dieser Reise. Schon seltsam - da ist man in der ganzen Welt herumgefdallen bis hin zu Neuseeland und der Antarktis , aber an der Mosel war ich zuletzt als Studentin. Und das ist schon sehr (!) lange her...
      In Trier wie in Cochem war übrigens Maskenpflicht in der Innenstadt, die aber nur teilweise eingehalten wurde, wie wir feststellten. Allerdings war auch die Verordnung noch recht "frisch".
      Mittags ging es bereits weiter - man hat jeweils nur wenige Stunden maximal, um einen Halt zu erkunden.
      Am Abend gab es erneut einen Stopp in Bernkastel-Kues mit Nachtwächterführung oder Weinprobe. Organisiert waren alle Ausflüge wohl sehr gut, in kleinen Gruppen und mit persönlichem Audiosystem. Wir haben uns allerdings immer selbst "organisiert"!
      Der nächste Tag sollte der einzige mit Sonne satt werden. Wir lagen ( einen großen Teil der Mosel hatten wir leider bei Dunkelheit zurückgelegt) von morgens bis zum späten Nachmittag im kleinen Dorf Alken schon relativ kurz vor Koblenz. Der Tag lud endlich auch einmal zur Eroberung des Sonnendecks und der gemütlichen Sitzgelegenheiten ein, wobei wir gebeten worden waren, beim Gehen auch auf dem Sonnendeck eine Maske zu tragen. Hier konnte man dann auch wunderbar und staunend die Massen an Autos, Wohnmobilen , Motorrädern und Fußgängern bestaunen, die an diesem noch lockdownfreien Samstag ab Mittag durch den Ort strömten und die Uferpromenade bevölkerten.Kaum wurde ein Parkplatz frei, war er 15 Sekunden später schon wieder besetzt, genau wie die Cafés und Gaststätten, in denen man noch nett draußen sitzen konnte. Zum Glück hatten wir uns das Dorf oder Städtchen - je nach Betrachtungsweise - bereits am Morgen angesehen - schön und sehenswert ! - und GöGa turnte sogar noch den steilen Weg zur ebenfalls sehenswerten Burg hinauf und hinunter.
      Nun muss ich unterbrechen - in Kürze geht's weiter!
    • Bevor ich unseren letzten See-Tag, ähm, nein Seh-Tag oder Flusstag schildere, möchte ich noch ein großes Lob an die fleißige Besatzung nachschieben. Wie man uns sagte, seien sie sozusagen die "Übriggebliebenen" gewesen, es habe kein Crewwechsel mehr stattfinden können. Trotzdem waren die meisten, mit denen ich sprach, nicht froh darüber, dass sie so schnell nun in die "Winterruhe" wechseln mussten, z.T. ohne genaue Perspektive, wie es weitergehen könnte in ihrer beruflichen Zukunft. Viele in der Besatzung sprachen ein wenig bis recht gut Deutsch, waren aber immer glücklich, wenn man mit ihnen auf Englisch schwätzte - normalerweise fährt das Schiff für einen englischen Anbieter.
      Ja, nachdem wir nun Alken hinter uns gelassen hatten, mussten wir uns natürlich für den Galaabend vorbereiten! Also werfe ich mich in mein einziges besseres Outfit, das ich mitgebracht habe. Sieht gut aus - allerdings habe ich vergessen, passende Schuhe einzupacken. Da "strümpfig" auch keine Option war, mussten es die gewöhnlichen schwarzen Sneakers tun - eine etwas seltsame Kombination, aber die meiste Zeit konnte man die Füße ja unterm Tisch verstecken.
      Das Galamenü zum Abendessen konnte sich sehen lassen und war sehr lecker! Riesengarnelen auf Risotto als Vorspeise ( da ich Krustentiere sogar in Norwegen nicht mag und auf der Mosel eben auch nicht, bekam ich einen leckeren Caesar's Salad mit Hühnchen extra zubereitet), danach eine Klare Ochsenschwanzsuppe, als Zwischengang ein Zitronensorbet. Zum Hauptgang konnte man zwischen perfekt gebratenem Rinderfilet, einer Dorade oder Kürbisravioli als vegetarischem Gericht wählen. Als Nachtisch gab es Eisbombe, allerdings nicht flambiert und auch nicht wie im Hauptrestaurant oft üblich, mit etwas Brimborium herumgetragen. (Wir saßen im kleinen, viel gemütlicheren zweiten Restaurant am Heck). Zum Abschluss Cognac für den, der mochte und einige süße Leckereien.
      Ja, auch so eine Flusskreuzfahrt kann dazu beitragen, dass die Waage anschließend missbilligend den Kopf schüttelt! 8|
      Am nächsten Morgen, dem Sonntag, wachten wir in Koblenz auf, direkt an der Seilbahnstation zur Festung Ehrenbreitstein. Die schöne Uferpromenade lockte uns auch dementsprechend zu einem gemütlichen Spaziergang u.a. zum Deutschen Eck. Die nun schon vertrauten dicken Regenwolken begleiteten uns auch an diesem Tag. Auch am Deutschen Eck fiel besonders auf, das Touristen und insbesondere Busgruppen fehlten - es war einfach unglaublich viel Platz!
      Mittags ging es auch schon wieder weiter in Richtung Bonn, ein Ziel, das wir aber erst in der Dämmerung erreichten. Zum Ausgleich blieben wir dort über Nacht, wurden nur ermahnt, wirklich um 06.45 Uhr zurück an Bord zu sein...
      Auch Bonn im abendlichen Regen bei Maskenpflicht lockte uns nicht, so dass wir einen längeren Besuch verschoben und lieber noch eine Nacht zum Ausschlafen im wirklich himmlisch bequemen Bett nutzten.
      Der Koffer musste erst um 7.30 Uhr am nächsten Morgen vor der Tür stehen - später fanden wir ihn dann Kai, bewacht von der Hoteldirektorin, wieder. Auch sonst lief alles geruhsam und gemächlich, ohne Hektik und Stress ab. Wir frühstückten geruhsam und mussten auch die Kabine erst um 9 Uhr verlassen. Die Rechnung, die Beurteilung der Reise und den Trinkgeldumschlag hatten wir schon am Abend zuvor abgegeben.
      So spazierten wir denn los, und - man glaubt es kaum: am Ende der Reise wurden wir in Köln mit Sonne begrüßt...
      Fazit unserer ersten Flusskreuzfahrt: Wir haben diese Reise durchaus genossen. Wenigstens ein bisschen Wasser unterm Kiel, das Dahingleiten den Fluss entlang, an dem das Entdecken kleiner Highlights wie die Farben des bunten Herbstalubs an den Ufern und in den Weinbergen, Schwäne auf dem Fluss, überwinternde Gänsesxharen auf den Wiesen dahinter, die gepflegten Dörfer und Städte ( wenn auch z.T. im Verkehr erstickend!)lockten. Verwöhnt werden durch eine freundliche Crew, all das summierte sich zu erholsamen Ferientagen. Allerdings glauben wir, dass eine Fahrt in den helleren Monaten April bis vielleicht Anfang Oktober uns mehr Möglichkeiten bieten würde, doch etwas mehr zu sehen und erleben zu können.
      So sind wir gespannt auf unsere zweite Flusskreuzfahrt, 10 Tage lang den Rhein, den Main und ein Stück die Donau hinunter, die wir für April gebucht haben, da wir in diesen unsicheren Coronazeiten nicht wagten, bereits wieder ein Hochseeschiff zu buchen.
      Trotzdem fehlte uns etwas: die Bewegung des Schiffes vom leichten Schwanken bis zum Schaukeln im Wintersturm, die Seeluft und natürlich die atemberaubenden Landschaften von norwegischen Fjorden bis z.B. auch den sanften Buchten des Mittelmeeres, von Naturerlebnissen wie Spitzbergen ( hurra, August 2021) oder Alaskas ganz abgesehen.
      Natürlich sollte man nicht vergleichen, aber trotzdem ... Aber vielleicht wird ja März noch eine Option - die Hoffnung bleibt!
      Verbittert hat uns zudem noch die mail einer nordnorwegischen Freundin, die von traumhaften Nordlichtnächten damals in Tromsø schrieb und gleich noch Beweisfotos mitschickte...
      Ich hoffe, Ihr habt meinen Bericht ein wenig genießen können - ich hoffe ebenso, ich habe ihn nicht allzusehr ausufern lassen! :sleeping:
    • Liebe @Saedis
      vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht eurer Flusskreuzfahrt-Kurzreise in meine alte Moselheimat :)
      Schade dass ihr so ein Pech mit dem Wetter hattet und zu der Jahreszeit vieles schon im Dunkeln lag, früher im Jahr hat man sicherlich mehr von der schönen Landschaft und den Orten.
      Vor allem aber erfreulich, dass eure Fahrt von Vorfällen verschont blieb. Eine Moselfahrt der MS Vista Serenity in der vorhergehenden Woche hatte nicht soviel Glück und musste in Piesport/Mosel abgebrochen werden: news-trier.de/13-covid-19-fael…reis-bernkastel-wittlich/
      schöne Grüße Tini :ilhr:

    • Saedis wrote:

      Ich hoffe, Ihr habt meinen Bericht ein wenig genießen können - ich hoffe ebenso, ich habe ihn nicht allzusehr ausufern lassen!

      @Saedis
      Ich kann auf den zweiten Teil deiner Frage nur antworten : Ganz und gar nicht! Ich habe den Bericht genossen ! :)
      Als reine Erholungs- und Entspannungfahrt kann ich mir, nach unsrer Fluß- Kurzreiserfahrung, eine Flußkreuzfahrt auch vorstellen oder als Alternative, wenn andere Schiffsreisen nicht möglich sind. Man muß einfach wissen, was auf einen zukommt und entsprechend das Beste daraus machen. Die Kabinen sind ja wunderschön und bequem und wenn man auf dem Sonnendeck sitzen kann und sieht die Landschaft an einem vorbeiziehen, ist das auch interessant. Sicher ist eine Fahrt in der helleren Jahreszeit vorzuziehen..
      Vielen Dank für deinen interessanten Bericht und für dein Fazit, dem ich einfach nur zustimmen kann. :)
      Liebe Grüße von Trollebo
    • @Saedis

      Es war interessant, in der Zeit der ausgedünnten Hurtigruten-Fahrten Bodö - Kirkenes - Bodö Deinen sehr anschaulichen Reisebericht einer Schnupper-Flusskreuzfahrt zu lesen. Nun sieht es aber so aus, dass ein Dienst Trondheim - Kirkenes - Trondheim für unsere norwegischen Freunde wieder zur Diskussion steht. Es fehlt für uns nur noch die Möglichkeit, diese Touren ebenfalls buchen zu können. Dass statt B-K-B mit insgesamt 2.642 Seemeilen für T-K-T nur noch 1.954 Seemeilen angeboten werden, könnten wir wohl leicht verschmerzen.

      Lupo
    • Ja, es wäre absolut traumhaft, wenn wir wieder mitfahren dürften!
      Ich bin überzeugt, dass das halbe Hurtigforum dann die Bestellhotline glühen lässt...
      Träumen wir also weiter von Trondheim-Kirkenes-Trondheim und dass wir gesund und munter und vielleicht sogar geimpft wieder nach Norwegen einreisen dürfen!