Mit der MS Fram nach Spitzbergen und eine lange An- und Abreise durch drei Länder vom 10.05.-12.06.2017

    • Svalbard
    • Barentsburg hat eine wechselvolle Geschichte als Bergarbeiterort (siehe mein Link vom Vortag): Im 2. Weltkrieg von deutschen Kriegsschiffen zerstört, wurde es zuletzt in den 80ger Jahren wieder ausgebaut, wohl vorwiegend aus politischen Gründen, denn die Kohle ist nur von minderer Qualität. Aus dieser Zeit stammen auch die bunten Plattenbauten. Von über 1000 ist die Einwohnerzahl auf etwa 500 gesunken. Heute setzt man verstärkt auf Tourismus.

      Die Leninstatue ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Der chinesischen Reisegruppe gefällt es.





      Die schon etwas verblassten Streetart-Bilder spiegeln die Sehnsucht der Menschen nach ihrer Heimat mit Birken, Blumen und Zauberschlössern.





      Aber sicher genießen sie auch die Schönheit dieser Ausblicke.





      Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wo denn die Eisbären bleiben. Leider habe sie sich entschlossen, sich nur als Abbilder zu zeigen.
      Dafür kann ich ganz aus der Nähe in aller Ruhe betrachten. ;) ;) Trotzdem schade!! :(






      Aber "meine" kleine Schneeammer auf dem Schornstein tröstet mich mit ihrem schönen Gesang. Ob sie mir gefolgt ist? ;)





      Fortsetzung folgt.



      Viele Grüße

      omlia :)


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    • Was für eine Überraschung! Eine Brauerei in diesem entlegenen Ort. In der Gaststätte lassen wir uns das leckere Bier schmecken. :thumbsup:








      Im Kulturhaus erwartet uns eine weitere Überraschung. Zu traditioneller Musik wird getanzt und gesungen.
      Es sind schöne junge Frauen, die ihrem Männern hierher gefolgt sind.






      In einer vorderen Reihe entdecke ich junge Menschen in Inuit-Tracht. ?( Nicht zu glauben: "Ich kenne euch von Ummannaq!" rufe ich ihnne zu. Und tätsächlich!
      Sie kommen aus dem dortigen Kinderheim. Viele ihrer Lebensgeschichten sind erschütternd. Die Leiterin des Heims, Ann Andreasen de.wikipedia.org/wiki/Ann_Andreasen macht sie mit den aussterberbenden Traditionen wie Jagd, Gesang und Tanz vertraut und hat damit großen Erfolg. Sie ist auch an dem Film "Inuk"
      de.wikipedia.org/wiki/Inuk_(Film) beteiligt. Die jungen Menschen freuen sich so darüber, dass ich mich so gerne an ihre Gesang- und Tanzdarbierungen in Ummannaq erinnere, dass sie mir und der ganzen Gruppe vor dem Kulturhaus spontan ein kleines Konzert geben. Es ist bewegend, mit welcher Hingabe sie das tun. :thumbsup: :thumbsup:
      Ich habe das Kinderheim in Ummannaq angeschrieben und um Erlaubnis gebeten, die Fotos zu veröffentlichen, aber bisher keine Antwort bekommen. Wenn ich die Bilder einstellen darf, liefere ich sie euch nach.


      Es ist spät geworden, als wir uns zu unserem letzten Ziel auf Spitzbergen aufmachen: Dem Bellsund





      Viele Grüße

      omlia :)


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    • Beim Link zum Wikipedia-Eintrag zum Film fehlt die abschließende ")".

      Bei meinen Überlegungen für eine Umbuchung, wenn (was zu erwarten ist) auch die Dezemberfahrten abgesagt werden, liegt eine Spitzbergen Fahrt mit der NORDSTJERNEN derzeit aussichtsreich im Rennen. Dazu tragen auch die Bilder Deines Reiseberichtes bei - wobei ich eine der Touren im Zeitraum Ende August / Anfang September buchen würde. :hmm:
      <3 lig hilsen
      Bernhard


    • 02.06.2017



      Bilderbuchwetter beim Spitzbergen-Abschiedstag! :thumbsup:







      Wenn der alte Wetzstein reden könnte, hätte er viel zu erzählen, denn hier wurden Belugas, Eisbären und Rentiere gejagt.






      Der Polarfuchs ist im Fellwechsel und sieht ordentlich zerrupft aus. Er ist auf Futtersuche, aber mit dieser Beute kann er es nicht aufnehemen.






      Wir werden vom Expeditionsteam gut bewacht. Hier hält Steffen Biersack, der Expeditionsleiter, Ausschau nach Eisbären.
      Aber er entdeckt nur ein einsames Rentier.







      Bei Spaziergang verabschiede ich mich von der grandiosen Landschaft....







      ...und schweren Herzens auch von meinen kleinen Schneeammer.





      Fortsetzung folgt.


      Viele Grüße

      omlia :)


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    • 03.06.2017



      Wir wollen in Sørhamna, einer Bucht im Südosten von Bjørnøya, anlanden, aber heute macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Wettergott meint es nicht gut mit uns: Der Himmel ist grauverhangen, und es stürmt kräftig. Hier können wir nicht anlanden. Aber das Expeditionsteam findet eine Lösung. Wir umrunden die Südspitze und schwärmen an einer windgeschützten Stelle mit Zodiaks zu den Vogelfelsen aus. Was für eine archaische Landschaft! Wir sind tief beeindruckt. Im Boot herrscht respektvolle Stille, als wir uns den Vögeln nähern.









      Ich fühle mich ein wenig wie ein ungebetener Gast, der einen Blick in eine vom Menschen unberührte Welt tut.





      Es sind vor allem Lummen, die hier brüten,...






      ...aber es gibt auch Möwen (oder Eissturmvögel?). Sie haben sich einen Logenplatz gesichert.





      Wir werfen noch einen letzten wehmütigen Blick zurück, bevor wir wider an Bord gehen.




      Ich habe vorne im Zodiak gesessen und so manche Welle abbekommen. Die Kamera hat überlebt, ich auch, obwohl ich pitschenass und durchfroren bin. Aber nach einer warmen Dusche erwachen die Lebensgeister wieder, und bei einem Glas Wein schwelge ich zusammen mit Mitreisenden in Erinnerungen an diese besondere Reise. :D :thumbsup:
      Die ist aber noch nicht ganz vorbei, denn das Nordkapp wartet auf uns.


      Viele Grüße

      omlia :)


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    • omlia wrote:

      Möwen (oder Eissturmvögel?)
      Mit dem gelben Schnabel schätze ich mal, dass es Dreizehenmöwen sind.
      Die Trottellumme mit dem weißen Streif gefällt mir besonders, so wie zuvor die Walrösser auf ihrer Scholle, die kaum stabil genug wirkt, die Kolosse zu tragen. Eine unglaublich beeindruckende Natur mit ebenso beeindruckenden Fotos!
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Danke, @Albatross :thumbsup: Das wird wohl stimmen. Die Dreizehenmöwen sind ja die "Radaubrüder" unter den Möwen, und ich kann mich erninnern, dass es laut zuging an der steilen Felswand.
      Kannst du dich erinnern, dass wir auf unserer gemeinsamen Reise mit der MS Vesterålen bei Vardø "Milliuuuunen" Trottellummen gesehen haben? Es gab welche mit und ohne "Lidstrich", und die mit hatten uns besonders gefallen.


      Viele Grüße

      omlia :)


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    • @omlia Vielen Dank für den Bericht, Deine Fotos sind absolut spitze :thumbsup: ! So viele wundervolle Bilder von der Landschaft und Tierwelt "da oben" - die habe ich in den letzten Tagen (offline...) besonders genossen :love: , das lässt einen wünschen, selbst mal in den Genuss solcher Treffen mit Polarfüchsen, Walross und Co. zu kommen! Dankeschön!!! :flower:
      Liebe Grüße, Beate
      :lofoten2:



    • 04.06.2017


      Die norwegische Küste ist erreicht. Das Wetter passt zu meiner melancholischen Spitzbergen-Abschiedsstimmung.





      Die hellt sich erst auf, als wir die Vogelfelsen bei Gjesvær passieren. Weil es keine Ankündigung gab, stehe ich fast alleine an Deck
      und erhasche einen kurzen Blick auf die brütenden Basstölpel. Aber, oh Wunder,.....







      ...Nach fast einer halben Stunde wendet das Schiff, und wir fahren noch einmal zu den Vogelfelsen, diesmal näher heran. Da hat es wohl so manche Proteste gegeben. Danke, Herr Kapitän! :thumbsup:





      Es regnet, als wir Skarsvåg erreichen. Die meisten Mitreisenden machen sich auf zum Nordkapp. Da war ich ja schon auf der Hinreise, und so bleibe ich im Ort und schlendere im Hafengebiet herum. Der Ort scheint menschenleer zu sein. Ein einsames Wohnmobil parkt vor einem kleinen Café. Das hat geöffnet, und drinnen ist es trocken und warm. Und es gibt eine Ausstellung von Frits Solvang, einem Fotografen, der in den 60ger Jahren das harte Leben der Fischer in eindrucksvollen Schwarz-Weißbildern dokumentiert hat. :thumbsup:





      Aufgewärmt und getrocknet schlendere ich weiter, vorbei an den Netzen und Reusen der Berufsfischer.







      Aber es gibt hier auch viele Angeltouristen. Sie haben ihre Trophäen stolz an eine Hauswand genagelt.







      Ein einsames Haus grüßt zum Abschied. Dann geht es hinaus auf's offene Meer in Richtung Tromsø .





      Viele Grüße

      omlia :)


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    • 05.06.2017


      Am frühen Morgen erreichen wir Tromsø . Am Abend hatten wir lange bei so manchem Glas Abschied gefeiert. Das Herzstück meiner langen Reise liegt nun hinter mir. Was für eine tolle Reise! Ein ganz großes Dankeschön geht an den Wettergott, die Mannschaft, das Expeditionsteam und an die vielen Tiere, die sich uns ganz freiwillig gezeigt haben. :thumbsup: :thumbup: :thumbsup: Aber ich möchte auch die Entscheidung der Eisbären würdigen, sich meinen Blicken zu verweigern. Das haben sie bisher auf allen meinen Reisen getan. Aber wir sind ja schließlich nicht im Zoo! Hoffentlich komme ich bald noch einmal in euer Revier, und da würde ich mich seeehr freuen, wenn ihr eure Entscheidung noch einmal überdenkt. ;) :) ;)
      Vor mir liegt eine lange Tagesstrecke nach Kiruna. Mein Auto freut sich, als ich es aus dem dunklen Keller befreie, springt freudig an, und los geht es auf der E6 in Richtung Narvik. Der Frühling will noch immer so recht einziehen, sogar an den Fjorden ist noch kein frisches Grün zu sehen.












      Kurz vor Narvik geht es hinauf in Richtung Kiruna, immer beleitet von der Trasse der Erzbahn. An einem Rastplatz entdecke ich diesen protestierenden Samen. Überall im Norden habe ich ihn schon gesehen, meistens aber mit einer Handgranate. Was genau dahintersteht, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. Weiß jemand von euch mehr?





      Da bin ich noch einmal im Winter gelandet! Das Land liegt schneebedeckt da, und der Torneträsk beginnt erst allmählich, sich von seiner Eisschicht zu befreien.
      In Abisko halte ich nur kurz an. Jetzt, zwischen Winter- und Sommersaison, sind hier kaum Reisende, und der Ort wirkt recht trostlos.





      Da suche ich mir lieber einen schönen Picknickplatz am See und erfreue mich an den Eismalereien.






      Noch ein letzter Blick auf den See, dann erreiche ich müde von der ungewohnt langen Fahrt mein Hotel in Kiruna.




      Viele Grüße

      omlia :)


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    • 06.06.2017

      Ich bleibe für zwei Nächte in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens. de.wikipedia.org/wiki/Kiruna Sie wurde vor etwa 100 Jahren als Siedlung für den Abbau des Eisenenerzes gegründet. Die Mine verläuft schräg unter der Stadt und hat mit fortschreitendem Abbau dazu geführt, dass die Häuser gefährdet sind. So entstand ein gigantischer Umsiedlungsplan: Die ganze Stadt soll bis 2040 etwa 5 km außerhalb wieder aufgebaut werden, zum großen Teil durch Neubauten. Aber denkmalgeschützte Gebäude werden abgetragen und am neuen Ort wieder aufgebaut, vor allem auch die Kirche. Wie es sich anfühlt, auf unsicherem Grund zu leben, kann ich als Ruhrgebietskind nur zu gut nachempfinden. Es gab viele Bergschäden an den Häusern, und mir war es als Kind immer unheimlich, dass der Boden unter mir von lauter Gängen durchzogen war.

      Die Umsiedlung hat schon begonnen. Diese Häuser stehen zum Abriss bereit.





      Ganz kurzfristig entschließe ich mich zu einer Grubenführung. Vor vielen Jahren bin ich einmal in eine Kohlengrube eingefahren. In 1000 Metern Tiefe sind wir durch staubige Gänge gelaufen und auf Knien durch heiße enge Flöze gerobbt. Das hat meine Achtung vor den Bergleuten ins Unermessliche anwachsen lassen. Was wird mich hier erwarten?

      Vor der Touristinfo steht ein großer Bus. Der wird unsere kleine Gruppe sicherlich zum Eingang der Grube bringen, denke ich. Aber er fährt in die Grube hinein.
      Über beleuchte Straßen mit Kreuzungen und Gegenverkehr geht es immer tiefer in den Berg hinein. Ich fühle mich wie in einem norwegischen Tunnel. Das hatte ich nicht erwartet. Aber der Abbau von Eisenerz geschieht anders als der von Kohle. de.wikipedia.org/wiki/Eisenerzgrube_Kiruna
      Wie das geschieht, erklärt uns unser Guide, als wir in etwa 500 Metern Tiefe ein Infozentrum erreichen. Hier gibt es museale Gegenstände aber auch riesige Maschinen zu bestaunen.







      Eigentlich steht nun die Kirche auf dem Programm, aber nach meinem Besuch in der Unterwelt sehne ich mich nach frischer Luft und Weitblick. Den bekomme ich von einem nahegelegenen Berg aus. Welch grandiose Landschaft! :thumbsup: Aber die Wunden, die der Bergbau geschlagen hat, sind nicht zu übersehen.







      Das ist ein Tag voller Überraschungen. Was für ein beeindruckendes Bauwerk an diesem Ort! Mir ergeht es wie vor langer Zeit, als ich nach eine Reise durch die norwegische Natur im Dom von Trondheim stand. Ich versuche mich schlau zu machen und erfahre, dass die Kirche zwischen 1903 und 1912 erbaut wurde und zu den bedeutendsten Gebäuden der schwedischen nationalromantischen Architektur zählt. Sowohl die amerikanische Holzarchitektur als auch die norwegischen Stabkirchen und samische Koten haben den Baustil beeinflusst. Die Orgel stammt übrigens von deutschen Orgelbaumeistern.




      Es wartet noch eine weitere Überraschung an diesem ereignisreichen Tag auf mich.

      Fortsetzung folgt.


      Viele Grüße

      omlia :)


      Reiseberichte im Pofil
    • Die Mitternachtsonne verlängert die Tage ins Unendliche, und so mache ich mich noch auf nach Jukkasjärvi. Hier, am Ufer des Torneälv, liegt das älteste Eishotel der Welt.
      Was ich vorfinde, ist nachhaltig und traurig zugleich. Die skelettierten Überreste lassen die vergangene Eispracht kaum erahnen.









      Der Fluss nimmt die schmelzenden Überreste auf.





      Woher stammen die folgenden Bilder? ?(
      Seit 2016 gibt es das Eishotel 365, das unter einer dicken Schutzhülle den Sommer tiefgekühlt übersteht. Ob es das alte Hotel ganz ersetzt? Welch Energieverschwendung! Aber nun ist ein ganzjähriger Tourismus möglich. Wer wohl im Sommer im Eishotel übernachten will? Ich entdecke einige asiatische Besucher auf dem Gelände, aber im riesigen Eispalast bin ich ganz alleine.
      Der Mann am Eingang zeigt mir einen Rettungs-Wärmeraum, dann entschwindet er. Lange bewundere ich die kunstvollen Objekte und Räume.










      Als ich durch den langen Gang zur Ausgangstür gehe, ist sie verschlossen und weit und breit niemand zu sehen. Der Wärmeraum tröstet mich kaum, denn die Nacht will ich hier nicht verbringen. :thumbdown: Aber kurz bevor leichte Panik aufkommt, entdecke ich einen roten Alarmknopf. Der öffnet mir die Tür zurück in die helle Welt.





      Auf dem Weg zurück nach Kiruna halte ich bei einer kleinen Kirche an, denn Autos stehen davor. Also ist die Kirche geöffent, eine Seltenheit in skandinavischen Ländern. Ein Chor probt vor dem wunderschönen samischen Altarbild. Ich höre eine Weile zu, dann geht es müde zurück zum Hotel.







      Was für ein Tag! Ich lasse ihn mit einer tollen Doku über das Eishotel ausklingen.





      Viele Grüße

      omlia :)


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