Im Kielwasser der Wikinger von Island nach Grönland (MV Fram, 11.-27.07.2019)

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    • Im Kielwasser der Wikinger von Island nach Grönland (MV Fram, 11.-27.07.2019)

      Weil gefühlt das halbe Forum im vergangenen Jahr in Grönland unterwegs gewesen ist und uns mit Reiseberichten beglückt hat, hatte ich zunächst nicht geplant, auch noch von meiner Reise zu berichten. Da nun aber noch völlig ungewiss scheint, wann hier wieder aktuelle Reiseberichte insbesondere auch von Expeditionsreisen zu lesen sein werden, will ich gerne helfen diese "schwere" Zeit zu überbrücken. Zumal die Bilder sicher angetan sind, etwas Linderung bei den aktuellen Umgebungstemperaturen zu verschaffen.

      Auch mit der Vorrede halte ich mich, hoffentlich ganz im Sinne einiger Forumsmitglieder (gell, @effemuc ;) ), kurz. Los geht's:

      Im Kielwasser der Wikinger von Island nach Grönland (MV Fram, 11.-27.07.2019)

      Wie kam es eigentlich zu dieser Reise ? Schuld waren wohl die beharrlichen Angebote für Expeditionsreisen von Hurtigruten nach der tollen Spitzbergen-Tour in 2016. Die ausgewählte Reise stach in mehrfacher Hinsicht heraus: länger als 14 Tage, eine exzellente Mischung aus Historie der Wikinger, arktischer Natur und Einblicke in das Alltagsleben in einer der abgelegensten Regionen der Welt.

      Tag 1 - 11.07.2019 Reykjavik

      Mit der Erwartung auf Eisberge, Wale, Gletscher, faszinierende Landschaften, Mitternachtssonne und ein tolles Schiff ging es per Direktflug von Frankfurt nach Reykjavik. Schon beim Anflug auf Island kann es nur erneut als bedauerlich bezeichnet werden, dass das Ausflugsprogramm für die Reise erst so spät bekannt gegeben wurde, dass die Buchung des 3-tägigen Vorprogramm auf Island urlaubstechnisch nicht mehr zu koordinieren gewesen ist. Das hätte sich sicher gelohnt. Auf dem Bustransfer vom Flughafen zum Hafen von Reykjavik bekam man nur einen ganz minimalen Eindruck von der Stadt.



      Markant war der Turm der Hallgrímskirkja vom Schiff aus zu sehen. Viel mehr war nicht drin, weil die tolle Glückskabine auf Deck 6 in Besitz und das Schiff wieder entdeckt werden wollten. Nach dem Eintreffen der letzten Passagiere und einem ersten Buffet hieß es am Abend "Leinen los".
      Es grüßt Capricorn :hut:

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    • Ich hänge mal vor dem Wochenende noch die erste Schiffsetappe daran, da gibt es ein paar mehr Bilder zu gucken:

      Tag 2 - 12.07.2019 Stykkishólmur - Halbinsel Snæfellsnes

      Mit dem heutigen Abstecher nach Stykkishólmur und der Rundfahrt um die Halbinsel Snæfellsnes gab es dann aber doch noch einen Einblick in Island, gilt die Halbinsel doch ein bisschen als Island en Miniature. Etwas stressig wurde es, als es hieß, dass das Schiff zwar im viel zu kleinen Hafen des Ortes anlegen kann, wegen des niedrigen Tidenstandes die Ausflügler aber mit den Polarcircle-Booten ausgetendert werden müssten. Leonina hatte bei der Spitzbergenreise schlechte Erfahrungen mit etwas "sportlichen" Bootsführern gemacht. Glücklicherweise war das Wetter auf der gesamten Reise so ruhig, dass da nie vergleichbare Probleme entstanden, obwohl mit 2 Ausnahmen (Nuuk und Sisimiut) überall getendert werden musste. Das Wetter war am Morgen noch etwas trübe, besserte sich aber im Laufe des Tages.

      Durch das Land der Feen und Elfen - entgegen anderslautender Behauptungen gibt es auf Island keine offizielle Elfenbeauftragte - führte die Busfahrt entlang der Nordküste der Halbinsel. Hier und da Schafe, immer wieder Wasserfälle und natürlich vulkanisch geprägte Berge und Lavalandschaften...



      Die Bucht und der Strand von Djúpalónssandur war früher die Heimat von sechzig Fischerbooten und galt als eines der produktivsten Fischerdörfer auf der Halbinsel Snæfellsnes. Davon sind nur noch der Strand und bizarre Lavaformationen geblieben. Die Gegend ist heute unbewohnt.
      Am Strand finden sich aber immer noch vier Hebesteine mit Gewichten zwischen 154 kg für Fullsterkur ("volle Stärke") bis 23 kg für Amlóði ("nutzlos"). Sie wurden traditionell verwendet, um Männer für die Arbeit auf Fischerbooten zu qualifizieren.



      Und verstreut über den Strand liegen die Überreste des Grimsby-Fischtrawlers Epine (GY7), der dort am 13. März 1948 an den Felsen zerschellte.

      Eine weitere Gelegenheit für einen Fotospaziergang bot der Stopp beim Leuchtturm von Malarrif an der südöstliche Spitze der Snæfellsnes-Halbinsel. Faszinierend, wie unbeirrt sich eine Vielzahl von Blütenpflanzen den kargen Bedingungen auf dem Lavagestein stellt.



      Der Blick auf Snæfellsjökull (Schneeberggletscher) blieb leider die ganze Rundfahrt über durch niedrige Wolken verwehrt. Der 1446 m hohe Snæfell gilt zwar als aktiver Vulkan, der letzte Ausbruch liegt jedoch bereits 1800 Jahre zurück.

      In Anarstapi, einem weiterem Fotostopp auf der Rundfahrt, bestand die Möglichkeit für einen Klippenspaziergang. Von den Klippen aus waren die brütenden Seevögel beobachtbar. Bizarre Felsformationen wie der Felsenbogen Gatklettur (u.l.) reihen sich entlang des Küstenabschnitts zwischen Anarstapi und Hellnar auf.



      Búðakirkja, die angeblich meistfotografierte Kirche Islands, ist das letzte Überbleibsel der frühen mittelalterlichen Siedlung Búðir, einem bevorzugten frühen Handelshafen auf Island. Die 1703 erbaute Kirche wurde in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts aufgegeben, aber schon 1849 auf Betreiben der Einheimischen wieder in Dienst genommen.



      Direkt unterhalb der Kirche liegen wunderschöne helle Sandstrände. Nur das Wasser ist eiskalt.

      Über den Vatnaleið-Pass führte die Rundfahrt zurück nach Stykkishólmur. Grüne Wiesen wechselten sich ab mit Lavafeldern, die von vertrocknetem Moos bedeckt sind.

      Der Nachmittag stand zur freien Verfügung für einen Rundgang durch das kleine Fischerstädtchen Stykkishólmur. Lebhaft wurde es jedes Mal, wenn die Fähre über den Breiðafjörður (Breitfjord) zu den Westfjorden, Islands Nordwesten, verkehrt. Die Fähre passte gerade so an der MV Fram vorbei an ihre Anlegestelle.

      Stykkishólmskirkja ist ein monumentaler moderner Kirchenbau, entworfen vom bekannten isländischen Architekten Jón Haraldsson. Sie wurde 1990 eingeweiht und erhielt 2012 ihre Orgel vom renommierten Orgelbauer Johannes Klais aus Bonn.



      Der Handelsplatz wurde schon zur Mitte des 16.Jh. von deutschen Kaufleuten aus Bremen und Oldenburg gegründet, weil die umliegenden Schären einen ausgezeichneten Schutz für den natürlichen Hafen boten.



      Am Abend wurde der Anker gelichtet und die MV Fram nahm südwestlichen Kurs auf die Südspitze Grönlands. Immer wieder schreckte das Schiff vor dem Bug schwimmende Seevögel auf, die sich dann entweder tauchend oder wie dieser Papageitaucher unbeholfen paddelnd in Sicherheit zu bringen versuchten.



      Im Abendlicht gaben die Wolken zum guten Schluss doch noch den Blick auf den Snæfellsjökull frei.


      Es grüßt Capricorn :hut:

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    • Hei Alfred,

      eigentlich wart Ihr ja schon mit Stykkishólmur "in Grönland" - zumindest, wenn man dem Spielfilm "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" glaubt.
      Die auffällige Stykkishólmskirkja ist auf jeden Fall beim "Landeanflug in Grönland" zu sehen und auch weitere Aufnahmen, die in Grönland spielen sollen, wurden in Stykkishólmur gemacht.
      Grüße
      Uwe
    • Wie schön! Ich bin mit an Bord und schwelge in Erinnerungen an meine Framreise 2010, die auch den Wikingerspuren folgte und weiter über Neufundland und Labrador bis Halifax ging. Ich bin gespannt, was ich wiederekenne und was sich verändert hat, z.B. die Ausdehnung der Gletscher im Prins Christian Sund, den ihr hoffentlich durchfahren konntet.


      Viele Grüße

      omlia :)


      Reiseberichte im Profil
    • @'Kauderwelsch': Mehr Island gibt es leider nicht.
      @hajott: Auf dem Bild bin ich sicher irgendwo, ich glaube eher auf Deck 5. Leider reicht die Auflösung nicht.
      @omlia: Das Expeditionsteam hat es bis zum Schluss spannend gemacht. :) Morgen mehr.

      Tag 3 - 13.07.2019 Seetag


      Was für ein unglaubliches Glück !!! Schon am zweiten Tag auf See hallte der Ruf "Wale an Backbord" über das Deck. Ein riesiger Finnwal , eine Gruppe Pilotwale und zahlreiche lebensfrohe kapriolenschlagende Delphine unterhielten uns bei der Überquerung der Dänemark-Straße nach Grönland.



      Der von der Walsichtung abgesehen wunderbar ruhige Seetag war ideal dazu angetan, sich mit den Abläufen an Bord vertraut zu machen, Mitreisende kennen zu lernen, die Jacken und Leihgummistiefel in Empfang zu nehmen, sich die Einteilung seiner Bootsgruppe für die Landgänge zu merken, die Vortragsangebote des 13-köpfigen Expeditionsteams zu studieren oder auch einfach nur herunterzuschalten und die Nase in Wind und Sonne zu stecken.



      Die 213 Passagiere stammten aus insgesamt 17 Ländern, die meisten aus Deutschland (89), der Schweiz (26), dem Vereinigten Königreich (25), den USA (17) und China (15), einzelne aber sogar aus Australien und Neuseeland.

      Leider hielt der folgende Tag nicht, was der Sonnenuntergang und das Abendrot versprachen...





      Tag 4 - 14.07.2019 Seetag


      Dieser Tag war mit Abstand der ungemütlichste der ganzen Reise. Wind bei 16 m/s, Wellen bis 5 m, Nebel mit minimaler Sicht. Perfekte Zeit, um noch mehr in Urlaubsmodus zu kommen und der Einladung des Kapitäns Ole Johan Andreassen zu einer Brückenbesichtigung zu folgen.



      An diesem trüben Tag nutzten wir auch das Vortragsprogramm des sehr engagierten Expeditionsteams. An den meisten anderen Tagen war es aber draußen viel zu schön, um sich in den abgedunkelten und doch recht stickigen Vortragsraum der Fram zu setzen.

      Die Tage 3 und 4 waren übrigens die einzigen Seetage der Reise - auch das ein Grund für die Wahl dieser Tour. Und gut, dass sie am Beginn der Reise lagen - sehr hilfreich, um in den Urlaubsmodus zu kommen, stellte ich mir doch gerade zu Beginn der Reise gelegentlich die Frage, ob diese lange Reise eine gute Idee war. Im Betrieb steppte nämlich gerade zu der Zeit der Bär. Aber irgendwie habe ich dann doch geschafft, mich etwas rauszuziehen und die Daheimgebliebenen übernehmen zu lassen.
      Es grüßt Capricorn :hut:

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    • Aber gerne doch, @Kauderwelsch

      Nachtrag zu Tag 4: Viele Leute waren ja wegen des Wetters nicht an Deck. Mich hat es nicht geschreckt, und wohl auch nicht einen Norweger, der mich auf norwegisch ansprach und der dann meine Antworten auf geradebrechtem (oder heißt es geradebochenem ?) Norwegisch ertragen musste. Es stellte sich heraus, dass er aus der Finnmark kam und viel in Kirkenes zu tun hat. Er war - klein ist die Welt - gut mit Hans und Nicole bekannt.

      Tag 5 - 15.07.2019 Prins Christians Sund

      Grönland - Kalaallit Nunaat, wie es in der Sprache der Inuit genannt wird - kommt am frühen Morgen in Sicht. Kap Farvel an der Südspitze ist nicht mehr weit. Vereinzelt sind an der Küste hängengebliebene Eisberge zu sehen. Hinter den abweisenden Küstenklippen ist der Inlandseisschild zu sehen. Keine Spuren von Leben und Zivilisation.

      Grönland ist die größte Insel der Welt und hat eine Fläche die etwa 6 mal der Fläche von Deutschland entspricht, 4/5 sind dauerhaft vom bis zu 3400 m dicken Inlandseisschild bedeckt. Die Gesamteinwohnerzahl liegt bei etwas über 50.000 Menschen.

      Von den Inuit wurde Grönland bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Die Wikinger hatten die Insel im Jahr 875 entdeckt. Aber erst gut 100 Jahre später, im Jahr 983, begann die Landnahme unter Erik dem Roten, der nach einem Mord für 3 Jahre aus seiner Heimat Island verbannt worden war.

      Auf einer Expeditionsreise muss das Expeditionsteam immer einen Plan A, einen Plan B und zusätzlich auch noch einen Plan C vorhalten, um auf Wetter und andere äußere Gegebenheiten reagieren zu können. Erfreulicherweise ließen Wetter und Eislage die Durchführung von Plan A, also die Fahrt durch den gut 100 km langen, in der ersten Hälfte fast schnurgeraden Prins Christians Sund zu. Was besonders schön war, hatte doch das Team bei der Vorbesprechung am Vorabend in Aussicht gestellt, eine kleine Gemeinde am Ende des Sunds zu besuchen.

      Unmittelbar nach dem Frühstück erreichte das Schiff die Einfahrt zum Sund. Versteckt auf dem Berg eine Funkstation, mit einigen weiteren Gebäuden am Fuß des Berges. Andere Lebenszeichen ? Fehlanzeige.



      Prins Christians Sund

      Heutzutage ist die Blockade durch Eis und Eisberge eher selten geworden, weil nur noch wenige der von den bis zu 1000 m hohen Bergen kommenden Gletscher bis zum Wasser herunterreichen. Deutlich konnte man bei allen Gletschern das zunehmende Abschmelzen in den vergangenen Jahrzehnten erkennen.

      Besonders auffällig war, dass auf den ersten 30 km im Sund absolut keine Tiere zu sehen waren. Keine Vogel, nichts. Das erste Tier war dann eine große Bartrobbe, die es sich auf einer kleinen Eisscholle gemütlich gemacht hatte und uns von dort vorsichtig beäugte.



      Alle Gletscherzungen gehörten zum gleichen Gletscher, dem Sermeq Gletsjer, dem südlichsten Ausläufer der Inlandseiskappe Grönlands. Die frisch freiliegenden Felsflächen, das zurückweichende Eis, die mächtigen Schmelzwasserausflüsse und das überall herunterfließende Wasser zeigten deutlich die Einflüsse der Klimaerwärmung.



      Voraus der größte im Sund feststeckende Eisberg, aber weit davon entfernt, die Durchfahrt zu versperren. Dahinter wurde die Landschaft aufgrund der geschützten Lage etwas weniger abweisend.



      Aappilattoq

      Direkt unterhalb des mächtigen Doppelberges Marlulissat befindet sich das kleine Dorf Aappilattoq. Bereits aus der Ferne sind die kleinen bunten Häuschen zu erkennen. Die Siedlung wurde schon 1880 bewohnt. Sie liegt an der Kreuzung dreier fischreicher Fjorde und verfügt über einen kleinen Naturhafen.



      Im Zuge des Ausbaus als Utsted (Handelsposten) wuchs die Einwohnerzahl bis auf 250 Menschen, nahm dann aber aufgrund von Landflucht in den letzten Jahrzehnten wieder auf derzeit noch 100 Menschen ab. Haupteinnahmezweige sind Jagd und Fischerei sowie neuerdings auch vermehrt der Tourismus.

      Höhepunkt des Aufenthalts in Aappilattoq war für die Touristen die Aufführung des Kirchenchores. Selten haben wir inbrünstigeren Gesang gehört - aber die Stimmen... Höhepunkt für die Kinder des Dorfes war sicher der zeitgleiche Ausflug auf das Schiff.



      Durch den Torssukaatak-Fjord fuhren wir wieder hinaus auf die offene See, nun vor Westgrönland. Steile Bergflanken rechts und links, kleine Gletscherfelder, keine Menschenseele. Lediglich ein paar wenige Vögel kreuzten unseren Weg.



      Nach dem Verlassen des Fjords trafen wir dann auf der Südwestseite Grönlands auf die ersten allerdings wenigen Eisberge - wunderbar in Szene gesetzt von der abendlichen Sonne.


      Es grüßt Capricorn :hut:

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    • Toll, dass es mit der Durchfahrt geklappt hat! :thumbsup: Vor 10 Jahren gab es noch viel mehr Eisberge im Fjord, und es war gar nicht sicher, ob wir überhaupt durchfahren könnten. Aber auch da reichten schon nicht mehr alle Gletschezungen bis ans Meer
      Hat dich der Besuch des kleinen Dorfs auch so beeindruckt? Damals war die Fram das erste Schiff, das in dem Jahr das Dorf besucht hat (Ende September!),
      und alle Bewohner waren in Tracht auf den Beinen, später auch fast alle auf dem Schiff. Die Kinder hatten einen Riesenspaß, vor allem im Fitnessraum!

      Capricorn wrote:

      meine Antworten auf geradebrechtem (oder heißt es geradebochenem ?) Norwegisch

      Wenn du dir die ursprüngliche Bedeutung des Wortes anschaust, ist es vielleicht besser, nach einem alternativen Ausdruck zu suchen. =O Damit umschiffst du ganz nebenbei die sicher augenzwinkernde Frage nach der richtigen Beugung. ;)

      duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/radebrechen


      Viele Grüße

      omlia :)


      Reiseberichte im Profil
    • Capricorn wrote:

      Höhepunkt für die Kinder des Dorfes war sicher der zeitgleiche Ausflug auf das Schiff.

      Das ist etwas, was mir bei meiner Grönlandreise im Juli 2018 sehr gut gefallen hat - das wechselseitige Besuchen. Schulklasse an Bord - Passagiere im Ort. Oder das gemeinsame Fußballspiel - Ortsjugend gegen Crew/Passagiere. Eine Form von Respekt!

      Leider storniert!!!
    • @Capricorn
      Habe deinen Reisebericht jetzt erstmal bis hier in einem Rutsch gelesen und die Bilder angesehen. Ganz herzlichen Dank fürs Mitnehmen.
      Die Bilder von Island rufen bei mir die Erinnerung an meine Island-Zeltreise von vor 40 Jahren wach . Gleichzeitig wird die Vorfreude geschürt auf unsere Grönlandreise August 2021, in der großen Hoffnung, daß sie stattfinden kann.
      Aber wir haben in diesem Jahr gelernt mit Enttäuschungen zu leben: Hurtigrutenreise im März abgebrochen, Kurzreisen mit dem Bus ausgefallen und nun werden wir Anfang September Island auch nicht wieder sehen können.
      Schön, daß dein Reisebericht ein bißchen über die Wartezeit bis zu vielleicht möglichen Nachhol-Reisen 2021 hinweghilft. :)
      Liebe Grüße von Trollebo
    • @omlia Es wurde zwar auch bei uns gesagt, dass wir das erste Schiff in der Saison waren (immerhin 2 Monate früher als ihr), ob es stimmt, weiß ich aber nicht. Ja, den Besuch in Aappilattoq habe ich auch als sehr speziell empfunden. Was bewegt Menschen in so einer einsamen Gegend, die ich als noch viel abgeschiedener empfunden habe als jeden Ort auf der weiteren Reise, zu leben ? Für die meisten von uns Mitteleuropäern kaum nachvollziehbar.

      @All: Danke für die Komplimente.

      Tag 6 - 16.07.2019 Hvalsey und Qaqortoq

      Der ursprüngliche Plan A für den Tag war der Besuch der warmen Quellen von Uunartoq. Ich hatte sogar in Vorbereitung darauf morgens gleich eine Badehose angezogen. Wegen eines medizinischen Notfalls an Bord musste jedoch in der Nacht das nächstgelegene Krankenhaus in Qaqortoq (Julianehåb) angesteuert werden. Da dieser Ort eigentlich erst für den Folgetag geplant war, musste also auf Plan B umgestellt werden.



      Erstes Ziel des Tages war die Ruinenanlage auf Hvalsey. Thorkel Farserk, Cousin Erik des Roten, gelangte hier ab 985 durch Ackerbau und Viehzucht schnell zu Wohlstand. Wegen der Größe der Gebäude wird sogar gemutmaßt, dass der Ort später Sitz des Vertreters des norwegischen Königs war.



      Die als imposante Ruine erhaltene Kirche entstand etwa um 1300. Die Gemeinde umfasste insgesamt 30 umliegende Höfe und hatte einen eigenen Priester. Der letzte Kirchenregistereintrag in Verbindung mit Hvalsey datiert aus dem Jahr 1408. Danach riss der Kontakt der grönländischen Nordmänner nach Island und Norwegen ab. Als 300 Jahre später erste Expeditionen aus Europa wieder in die Gegend kamen, waren die Grænlendingar spurlos verschwunden. Da keine genetische Vermischung mit den einheimischen Inuit festgestellt wurde, nimmt man an, dass sie einfach ausgestorben waren.



      Laut Schiffslogbuch ist dieser Tag der wärmste der ganzen Reise. Mittags um 12 Uhr wurden satte 21°C gemessen !

      Nach dem ungeplanten nächtlichen Aufenthalt war Qaqortoq nun am Nachmittag erneut das Ziel der MV Fram. Neben der ungleich größeren MS Astor ging das Schiff auf Reede und die Passagiere wurden in das 3200 Einwohner-Städtchen ausgetendert.



      Das älteste Gebäude der Stadt (1775) war ursprünglich eine Schmiede und gehört mittlerweile zum Museum. Im Obergeschoss eines anderen Museumsgebäudes übernachteten prominente Besucher. 1933 beispielsweise war Charles Lindbergh zu Gast. Und wir wissen nun, wo der Weihnachtsmann den Sommer verschläft.



      Das Baumaterial der 1832 erbauten Kirche stammt vollständig aus Norwegen und lagerte zunächst erst vier Jahre in einem benachbarten Ort, weil das Transportschiff dort auf Grund gelaufen war. Im Zentrum nahe des Hafens steht der älteste Springbrunnen Grönlands.



      Grönlands Nationalblume, das Grönländische Weidenröschen.



      Weder Möwen noch Tauben sind die Stadtvögel Qaqortoqs, hier beherrschen Kolkraben den Luftraum.



      Am Nachmittag hatten wir die Gelegenheit zur Besichtigung der Great Greenland Tannery, in der vornehmlich Seehundfelle, aber auch Felle von Moschusochsen, Eisbären und anderen Tieren, die in Grönland gejagt werden, gegerbt und weiterverarbeitet werden. Der Import in die EU ist exklusiv über ein Unternehmen in Kopenhagen möglich. Abnehmer finden sich vornehmlich in Südeuropa. Fotografieren war dort leider nicht erlaubt. Die Damen im angeschlossenen Shop konnten einem Leid tun, die Kaufzurückhaltung war sehr groß.
      Es grüßt Capricorn :hut:

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