Corona-Ausbruch an Bord der ROALD AMUNDSEN

    • Nun ist die Quarantäne für alle beendet. Es befinden sich noch 11 Personen auf Grund von Krankheit , isoliert auf dem Schiff aber der Rest kann sich frei bewegen und seiner Wege gehen. Sobald auch die die erkrankten von Bord sind wird das Schiff gründlich gereinigt und dann kann die Reederei damit machen was sie möchte, heißt es muß nicht in Tromsoe liegen bleiben. Es ist natürlich eine sehr gute Nachricht, dass niemand mehr an Bord unter Quarantäne gestellt werden muss. Dies sagt der Pressesprecher von Hurtigruten, Tarjei Kramviken. Er sagt aber auch das es aktuell keine Pläne gibt weder die Roald Amundsen noch die Spitsbergen aus Tromsoe wegzuholen. Die Schiffe bleiben bis auf weiteres. Wir treffen die Entscheidungen darüber, was wir als nächstes tun in Absprache mit den Behörden, schreibt Kramviken.
      Nordlicht :flower:

    • Die Regionalregierung von Troms og Finnmark fylke hat bekannt gegeben, das Verfahren gegen die Schiffsärzte der ROALD AMUNDSEN eingeleitet werden. Es gäbe hinreichend Anhaltspunkte für Verfehlungen, so die Behörde, die, wie auch die betroffenen Personen als auch Hurtigruten, keine Aussagen zu Einzelheiten machte. Man rechne frühestens in mehreren Monaten mit Ergebnissen.

      nrk.no/tromsogfinnmark/fylkesm…oald-amundsen_-1.15129258
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    • Zahlreiche Verfehlungen, aber kein Abgrund

      Das erste Untersuchungsergebnis in Sachen Corona-Ausbruch an Bord der ROALD AMUNDSEN liegt nun vor. Wie Sjøfartsdirektoratet mitteilt liegen in mehreren Bereichen Verfehlungen bzw. Anweichungen von Infektionsschutzstandards vor, die Hurtigruten zuzuschreiben sind. So sei(en)
      • keine angemessene Risikoabwägung an Bord vorgenommen worden
      • die Vorbereitungen auf einen Virusausbruch unzureichend gewesen
      • die Sicherheitskultur an Bord fragwürdig gewesen
      • Sicherheits- und Infektionsschutzroutinen an Bord nur unzureichend bekannt gewesen und befolgt worden
      In einer ersten Stellungnahme schreibt Hurtigruten-Konzernchef Daniel Skjeldam von ernsthaften Kritikpunkten, die deutlichen Handlungs- und Verbesserungsbedarf bei Hurtigruten aufzeigten. Man wolle mit konkreten Maßnahmen aber noch abwarten, bis die Ergebnisse der von Hurtigruten in Auftrag gegebenen externen Untersuchung der Vorfälle an Bord der ROALD AMUNDSEN vorlägen, um auf einer breiteren und belastbareren Grundlage aktiv werden zu können, so Skjeldam.

      Die Aufsichtsbehörde hebt in ihrem Bericht eindeutig hervor, dass Hurtigruten nach Bekanntwerden des Virusausbruchs an Bord des "Expeditions-"Kreuzfahrtschiffs gut kooperiert und gehandelt habe und die Sicherheitsprotokolle und -Prozeduren angepasst und überarbeitet habe. Keiner der Vorwürfe sei so gravierend, dass Hurtigruten die Betriebserlaubnis verlieren könne, die Reederei solle aber bis zum 21. September einen Gesamtplan zur Beseitigung der Abweichungen und Verfehlungen vorlegen.

      Der Bericht von Sjøfartsdirektoratet hat für Hurtigruten keine strafrechtlichen Folgen. Die in diesem Bereich relevanten Ermittlungen gegen die Schiffsärzte und die Reederei wegen möglicher Verstöße gegen das norwegische Imfektionsschutzgesetz laufen zur Zeit noch.
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    • Wer des Norwegischen mächtig ist, kann den Bericht von Sjøfatsdirektoratet hier im Original lesen.

      Im Wesentlichen hat die Aufsichtsbehörde festgestellt, dass es bereits am 21. Juli den ersten Coronoverdachtsfälle an Bord der ROALD AMUNDSEN gegeben habe, aber keine Testungen vorgenommen wurden. Erste Tests wurden erst zehn Tage später nach der Ankunft in Tromsø am 31. Juli durchgeführt. Im Wesentlichen konstatiert Sjøfartsdirektoratet deutliche Abweichungen von dem von Hurtigruten selbst vorgelegten Infektionsschutzkonzept aber auch geltenden Regelungen. So fänden sich im Logbuch der ROALD AMUNDSEN keine Einträge bezüglich der bereits am 21. Juli mit Coronasymptomen auf die Krankenstation des Schiffes gebrachten Besatzungsmitglieder (eine rechtlich vorgeschriebene Dokumentation) und es sei seitens der Schiffsführung und der Reederei kein Alarm gegeben worden, was angesichts der Pandemiesitauation unbedingt erforderlich gewesen wäre. Ebenso wird die Rolle des medizinischen Personals an Bord kritisiert; so habe der norwegische Schiffsarzt angegeben, nie die erkrankten Besatzungsmitglieder gesehen oder untersucht zu haben, da für sie sein philippinischer Kollege zuständig gewesen sei und er nur für die Passagiere zuständig gewesen sei. Weiterhin habe es an Bord ein Kommunikations- und Zuständigkeitschaos gegeben. Auch sei es Sjøfartsdirektoratet nicht gelungen, zu ermitteln, ob es an Bord der ROALD AMUNDSEN Coronatestsets gegeben und im Umgang mit ihnen geschultes Personal gegeben habe. Letzteres sei zwar nicht vorgeschrieben, stehe aber im Widerspruch zu den Beteuerungen, die Hurtigruten vor Wiederaufnahme der Spitzbergen-Kreuzfahrten immer wieder abgegeben habe. Zudem habe Hurtigruten vor der Wiederaufnahme der Kreuzfahrten keine neue Risikoabwägung vorgenommen, sondern die vom 26. März, also kurz nach dem Lockdown, herangezogen und auf ihrer Basis Entscheidungen getroffen.

      Sjøfartsdirektoratet ist dennoch zuversichtlich, dass Hurtigruten die konstatierten Missstände innerhalb der gesetzten Frist bis Ende November abstellen werde. Man habe sich bislang noch keine Gedanken darüber gemacht, welche Konsequenzen ein Versäumnis für Hurtigruten haben würde und denke auch, dass diese Gedanken nicht nötig seien, so Dag Inge Aarhus von Sjøfartsdirektoratet.
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    • Der hauseigene Bericht ist da

      Heute wurden die Ergebnisse der Untersuchung des Cortona-Ausbruchs an Bord der ROALD AMUNDSEN, den Hurtigruten bei DNV-GL und dem Anwaltsbüro Wiersholm in Auftrag gegeben hat, vorgestellt. In Kürze lässt sich zusammenfassen, dass
      • das Riskiomangement bei Hurtigruten ungenügend war
      • keine angemessene Testung der ausländischen Besatzungsmitglieder vor ihrem Anbordgehen vorgenommen wurde
      • die für die Einreise von Ausländern in Norwegen geltenden Quarantänebestimmungen nicht beachtet wurden
      • Covid-19-Verdachtsfälle während der Reisen der ROALD AMUNDSEN nicht nachverfolgt wurden
      • bei Verdachtsfällen keine zeitnahen Coronatests durchgeführt wurden
      • selbst nach Bekanntwerden der Infektionen am 31. Juli zu viel Zeit verstrich, bis das Krisenmanagement in Gang gesetzt wurde
      Dem Bereicht zufolge lasse sich der Coronaausbruch an Bord des "Expeditions-" Kreuzfahrtschiffs somit nicht auf ein Einzelereignis, sondern eine Reihe ineinandergreifender Ursachen zurückführen. Besonders haarsträubend dabei sei, dass
      • die Quarantäneregeln an Bord der ROALD AMUNDSEN von einem gelernten Koch, nicht aber einem Juristen oder Infektionsschutzexperten aufgestellt worden seien
      • die Empfehlung des philippinischen Schiffsarztes, die auf der ersten Reise der ROALD AMUNDSEN bereits isolierten Besatzungsmitglieder auf Corona zu testen, nach Rücksprache mit einem norwegischen Arzt nicht befolgt worden sei
      Dennoch betonte Hurtigruten-Aufsichtsratschef Trygve Hegnar, er habe volles Vertrauen zum Konzernchef Daniel Skjeldam und betonte, dass er auch weiterhin die Geschicke der Reederei lenken solle.

      Skjeldam selbst räumte erneut ein Versagen bei Hurtigruten ein, für das er letztendlich in der Verantwortung stehe. Man habe mit dem Untersuchungsergebnis nun einen effektiven Maßstab in Händen, mit dessen Hilfe Hurtigruten sicherstellen könne, dass sich Versäumnisse wie an Bord der ROALD AMUNDSEN nicht mehr wiederholen werde und man so verlorenes Vertrauen zurückgewinnen könne.

      Ein Teil der Fragen, die im Zuge der DNV-GL/Wiersholm-Untersuchung aufgeworfenen Fragen sind allerdings nach wie vor ungeklärt, da sie gleichzeitig Gegenstand der laufenden behördlichen Untersuchung (Polizei und Gesundheitsbehörde Tromsø ) sind.
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    • In der Schlussphase

      Die polizeilichen Ermittlungen in Sachen Coronaausbruch an Bord der ROALD AMUNDSEN befinden sich nach Aussagen des Ersten Staatsanwalts Lars Fause in der Schlussphase. Er rechne damit, dass sie innerhalb eines Monats abgeschlossen sein dürften und dann eine Entscheidung über das weitere Vorgehen fallen werde. Da die Hurtigruten vorgeworfenen Verfehlungen auch Freiheitsstrafen nach sich ziehen können, ist die Staatsanwaltschaft bereits an den polizeilichen Ermittlungen beteiligt.
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    • Insgesamt zwanzig Personen sind bislang im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen in Sachen Coronaausbruch an Bord der ROALD AMUNDSEN verhört worden. Dazu gilt es, umfangreiche Dokumenten- und Datenbestände zu sichten, und auch die Veröffentlichung des noch ausstehenden Berichts der Gesundheitsbehörde von Tromsø wird noch abgewartet, so teilten die zuständigen Ermittlungsbehörden mit. Zudem gelte noch es zu klären, ob "nur" Einzelpersonen oder das Unternehmen Hurtigruten insgesamt strafbar gehandelt haben könnten, so Staatsanwalt Lars Fause. Sollten die Ermittlungen zu letzterem Ergebnis gelangen, würde sich das Verfahren auf für norwegische Verhältnisse juristisches Neuland begeben, denn bislang ist noch nie ein Unternehmen in höheren Instanzen wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz mit Bußgeldern belegt worden.
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    • In einem Interview mit NRK hat sich Hurtigruten-Aufsichtsratschef und -Aktionär Trygve Hegnar zum Corona-Ausbruch an Bord der ROALD AMUNDSEN und den Folgethemen geäußert. Dabei stellte er zunächst klar, dass er die Ergebnisse der von Hurtigruten in Auftrag gegebenen Untersuchung der Vorfälle akzeptiere. Es habe zu viele Unklarheiten bezüglich Zuständigkeiten und Vorgehensweisen gegeben, die getroffenen Entscheidungen seien schlichtweg furchtbar gewesen und seien zum Schaden der Reederei, der Passagiere und der Gemeinde Tromsø gewesen.

      Von einem Skandal wollte Hegnar aber nicht sprechen und verwies auf andere Ausbruchsfälle in Norwegen, z.B. an Universitäten, im Krankenhaus von Østfold und der Tour des "Coronabusses" durch Norwegen vor gut zwei Wochen. Es seien, so Hegnar, überall Fehler gemacht worden, und das Wort Skandal sei für Unternehmen, die hart für die Sicherheit gearbeitet hätten, unpassend.

      Bezogen auf die philippinischen Seeleute an Bord der "Expeditions-"Kreuzfahrtschiffe wies Hegnar zudem den Vorwurf des Sozialdumpings zurück. Im Liniendienst längs der norwegischen Küste würde schließlich nach norwegischem Tarif bezahlt; die Beschäftigung von Filipinos sei in der internationalen Kreuzfahrtbranche zudem normal und ohne diese Möglichkeit hätte Hurtigruten in diesem Segment sonst auch keine Chance. Einen tariflichen Vergleich von Küsten- und Kreuzfahrt halte er für unangebracht, so Hegnar. Und, so der Aufsichtsratschef, könne man auch nicht so einfach die Besatzung eines "Expeditions-"Kreuzers in Bergen gegen Norweger austauschen, sobald das Schiff von Hamburg kommend norwegische Gewässer erreicht habe.

      Zudem bekräftigte Hegnar sein bereits wiederholt ausgesprochenes Vertrauen in Hurtigruten-Konzernchef Daniel Skjeldam. Es sei nun an der Zeit, in die Zukunft zu blicken, und Skjeldam sei dafür ebenso der richtige Mann, wie für das nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichts notwendige interne Ausmisten bei Hurtigruten.
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