Das südwestliche Ende Festland-Europas – Algarve vom 13. bis 27.April 2008

    • Süd
    • Danke Bernhard, ich war davon ausgegangen, dass da mal eine kleine Werft war, da das ganze Gebäude und der daneben liegende Hof so aussah (wenn auch ziemlich verlassen). Vermutlich hat man dort in der Vergangenheit tatsächlich mal Boote angemalt und nur das Reklameschild war damals noch übrig.
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)


    • Donnerstag 24.April 2008 – Tavira, Pego do Inferno


      Meine heutige Tour soll wieder in Richtung Osten erfolgen. Nach dem Frühstück und dem inzwischen obligatorischen Reifendruck-Check, steuere ich schnell die Autobahn an. Vorbei an Faro ist mein heutiges Ziel die 10.000 Einwohnerstadt Tavira. Tavira liegt auf halber Strecke zwischen Olhão und Vila Real de Santo António.



      In der Stadt finde ich schnell auf dem Praça Zacarias Guerreiro einen Parkplatz. Ich stehe hier direkt gegenüber der Igreja de São José do Hospital (auch Igreja do Espírito Santo), einer Kirche aus dem 15.Jahrhundert, die nach dem Erdbeben von 1722 wieder bis 1752 aufgebaut wurde. Das Erdbeben von 1755 zerstörte die Kirche jedoch wieder und es dauerte bis 1768 bis sie erneut aufgebaut war. :hmm:
      Auf der anderen Seite steht die Igreja da Ordem Terceirade São Francisco, ein von 1250 bis 1330 errichtetes ehemaliges Franziskanerkloster. Die Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach wieder aufgebaut, nachdem sie, außer von den beiden großen Erdbeben, auch durch einen Zusammenbruch (1840) und einen Brand (1881) jeweils zerstört wurde.
      Ich wende mich zur Rua Tenente Couto und folge der schmalen Straße bis zur nächsten Kreuzung.



      Über die Rua Dr. Miguel Bombarda gelange ich in die Rua dos Mourus. Von hier führt die Travessa dos Escuteiros hinauf zu den Kirchen und dem Castelo. Tavira, das gelegentlich auch als „Klein-Venedig“ bezeichnet wird, sicherlich etwas übertrieben :pleasantry_1: , gilt auch als die Stadt der Kirchen. Insgesamt sollen es 27 Kirchen und Kapellen sein, auf jeden Fall irgend etwas zwischen 20 und 30.
      Ich erreiche zuerst die Igreja Matriz de Santiago, die aus der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts stammt.
      Gleich dahinter steht die große Igreja de Santa Maria do Castelo, die 1244 auf den Resten einer Moschee errichtet wurde.



      Blickt man von der Kirche über den Largo Abu-Otmane, sieht man die frisch restaurierte Pousada Convento Tavira, einst als Augustinerkloster Convento Nossa Senhora da Graça erbaut (1542-1568), heute ein nobles Hotel.
      Direkt neben der Kirche befindet sich, in einem alten Wasserturm, eine Camera obscura. Auf der anderen Seite der Kirche hat man einen schönen Blick auf die Stadt und die Mauern des ehemaligen Castelos. :search:



      Vom ehemaligen Castelo e Muralhas de Tavira, ursprünglich ein maurischer Wehrbau aus der Periode zwischen 8. und 13.Jahrhundert und anschließend umgebaut, existiert heute nur noch ein Teil der Mauer, ein mittelalterliches Palas und weiter unten ein alter Torbogen. Tortzdem lonht eine Besichtigung, aufgrund der guten Aussicht und des schönen Parks innerhalb der Mauern. :good3:



      Tavira wurde vermutlich im 2.Jahrtausend v. Chr. Von den Iberern gegründet, aber auch die Phönizier und Römer nutzten die Stadt. Der Name der Stadt stammt aus der Zeit der Mauren, die der Stadt den Namen Tabira gaben. 1242 wurde die Stadt von den Portugiesen zurückerobert.
      Typisch für die Stadt sind die Häuser mit ihren Walmdächern, wodurch sich die Stadt extrem vo benachbarten Olhão mit seinen Flachdächern unterscheidet.



      Von der Anhöhe gehe ich die Largo da Misericórdia hinunter bis zur Igreja da Misericórdia. Sie ist eine der wenigen Kirchen, die ich geöffnet finde, allerdings ist fotografieren im Innern ausdrücklich verboten :nono: . Die schöne Kirche besticht schon von außen durch ihr, für den Algarve, einmaliges Renaissanceportal.
      Von der Kirche gelange ich durch das Arco da Misericórdia (Porta deo Dom Manuel), den vom Castelo erhaltenen Torbogen, zum Praça da República.



      Der Praça de República, mit seinem auffälligen Brunnen in der Mitte, reicht bis ans Ufer des Rio Gilão (Rio Ségua), der südlich Tavira ins Meer fließt. Vom Praça de República führt die Ponte Romana über den Fluss. Die siebenbogige Brücke, die im 17.Jahrhundert rekonstruiert wurde, steht auf den Fundamenten einer alten römischen Brücke. Die Brücke ist, als reine Fußgängerbrücke, für den Autoverkehr gesperrt.



      Direkt am Ufer des Rio Gilão befindet sich der Jardim Público de Tavira, eine kleine Parkanlage mit einem, vom Wasser umspülten, Musikpavillon. Am Ende des Jardim steht man vor dem Gebäude des Mercado da Ribeira, einer großen Markthalle. Ehemals eine reine Fischmarkthalle, bis zur Verschlickung des Flusses lebte Tavira vom Fischfang, wandelt sich die Halle mehr und mehr zu einer Freizeithalle mit Cafés und Restaurants.



      In Höhe des Jardim Público de Tavira führt die Ponte das Forças Armadas über den Fluss. Von der Brücke aus lässt sich der Rio Gilão gut bis zur Ponte Romana im Nordwesten und der großen Ponte dos Descobrimentos, einer vierspurigen Flussüberquerung, gut überblicken.
      Auf der anderen Uferseite angekommen, spaziere ich die Rua Poeta Emiliano da Costa hinauf.



      Die Travessa Almirante Cândido dos Reis hinauf überquere ich die Rua Almirante Cândido dos Reis und erreiche über die Rua das Figueiros und die Rua Feixinho de Vides den Largo do Carmo. Hier steht ein ehemaliges Karmeliterkloster, die Igreja da Ordem Terceira do Carmo von 1747.
      In dem Gebäude westlich der Kirche befindet sich ein wissenschaftliches Museum.



      Hinter dem Museum beginnt der Largo de São Brás. Hier steht die gleichnamige Ermida, eine Einsiedelei spätmittelalterlichen Ursprungs. Vorbei an der Ermida mit der sparsamen Fassade spaziere ich den Platz entlang und wähle schließlich den Weg durch die Travessa dos Fumeiros de Diante und die Rua da Porta Nova.
      Am Nordende des Praça Dr. António Padinha steht die Igreja de São Paulo (Igreja de Nossa Senhora da Ajuda) aus dem 17.Jahrhundert.



      Mitten auf dem Platz vor der Kirche steht die Statue von Marcelino António Maria Franco, ein ehemaliger Bischof des Algarve. Die Rua 5 de Outubro hinunter erreiche ich wieder die Ponte Romana und wechsle ans andere Ufer.
      Am Ende der großen Markthalle lasse ich mich jetzt in einem Café nieder und gönne mir eine Pause :whistle3: . Man sitzt hier direkt am Ufer und hat einen schönen Blick auf den Teil von Tavira auf der anderen Seite des Flusses.



      Man kann hier verstehen, warum man Tavira als die schönste Stadt des Algarve bezeichnet. Blickt man in die große Halle, kann man die früheren Marktstände erahnen, auch wenn heute rundherum nur noch gastronomische Betriebe und kleine Geschäfte sind. :pardon:
      Vom Mercado do Ribeira führt die Travessa das Cunhas zur Rua Dr. Marcelino Franco. Von hier aus sind es nur wenige Querstraßen bis zu meinem geparkten Auto.



      Von Tavira aus fahre ich nordwestlich auf der N270 und unterquere nur wenig später die Autobahn. Etwa zwei Kilometer später kreuzt die M514-2, in die ich rechts abbiege. Nach etwa drei Kilometer biegt links eine schmale Straße zum Pego do Inferno ab. Ich parke mein Auto auf dem ausgewiesenen Parkplatz. Nach rund 100 Meter zu Fuß erreicht man eine lange Holztreppe, die noch einmal rund 300 bis 400 Meter nach unten führt.



      Unten angekommen steht man vor einem kleinen runden See in den ein Wasserfall rauscht. Der Legende nach soll der See so tief sein, das Taucher bisher den Grund nicht fanden. Auch soll der See unterirdisch sowohl mit dem Rio Gilhão, wie auch mit dem Guadiana verbunden sein, was man durchaus bezweifeln darf. Er wird gerne von den Einheimischen und den wenigen Touristen, die ihn finden zum Baden genutzt.
      (Im Jahr 2012 soll es in der Gegend leider gebrannt haben und der Brand soll alles um den See vernichtet haben. Seitdem ist der See nicht mehr zugänglich) :fie:



      Zurück im Hotel freue ich mich schon auf einen gemütlichen Abend mit leckerem Essen im O Grelhador. Zuvor sehe ich vom Balkon aus diese „Schottin“ (?) mit ihrem Dudelsack die Straße zum Hotel herunter laufen. Im Hotel habe ich sie dann aber nicht gesehen, als ich vom Restaurant zurück bin und noch lange unten am Pool sitze. Später erfahre ich, dass sie recht gut unten am Strand in der Bar öffentlich gespielt hat, schade, hätte ich mir gerne angehört.



      Wird fortgesetzt ….
      Gruß Jobo,

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      - Alexander von Humboldt -

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    • Freitag 25.April 2008 – Praia da Cova Redonda, Porches, Algar Seco, Farol de Alfanzina


      Nach einer angenehmen Nacht lasse ich mir beim Frühstück wieder viel Zeit. Noch habe ich keinen richtigen Plan für heute und beschließe daher, zuerst den Strand auf der Ostseite des Hotels, dessen etwas versteckten Weg dorthin ich ja erst vor wenigen Tagen entdeckt habe, zu besuchen. Ich schnappe mir also Handtuch und Badesachen und spaziere die Straße vom Hotel in den Ort entlang.



      Fast wäre ich wieder an der Lücke zwischen zwei Grundstücksmauern vorbei gelaufen :search: , so schmal ist dieser Weg. Er zieht sich gut 150 Meter entlang der Grundstücksmauern und Büschen bis hinunter zum Praia da Cova Reconda. Unten angekommen teilt ein großer Felsen den langen Strand noch einmal quasi in zwei Abschnitte, einen kleineren an dem ich mich jetzt befinde und einen langen, weiten Strand in Ostrichtung bis zur nächsten Felswand.



      Vor dem langen Strandteil steht noch ein großer Felsen im Wasser. Auf der Steilwand dahinter kann ich Angler erkennen, die oben vom Felsen aus angeln. Der Felsen, der meinen Strandteil zur rechten abgrenzt, hat auch einen kleinen Durchgang, durch den man zu einem noch kleineren Strand, dem Praia dos Cavalos, gelangt. Es ist bewölkt heute, aber trotzdem warm und ich nutze den Strand, der mir heute Morgen alleine gehört :dance3: . Einmal springe ich auch kurz ins Meer, aber sehr warm ist das Wasser immer noch nicht.



      Eine ganze Zeitlang mache ich es mir an dem Strand bequem, bevor ich den langen Weg hinauf wieder in Angriff nehme. Kurz vor dem Hotel kann ich einen Blick in die Anlage der Apartmenthäuser werfen, die auch zum Hotel gehören. Da es inzwischen schon kurz vor Mittag ist, nehme ich eine kleine Brotzeit auf meinem Balkon zu mir, scheinbar noch zu früh für Jonathan, jedenfalls lässt sich keine Möwe blicken. :pardon:



      Für den Nachmittag habe ich mich nun doch noch zu einer kleinen Tour entschieden. Nur drei bis vier Kilometer sind es bis Porches. Hier parke ich vor der Igreja de Nossa Senhora da Encarnação, der Kirche des Ortes die aus dem 16.Jahrhundert stammt. Porches ist das Keramikzentrum des Algarve, aber mich interessieren hier mehr die riesigen Schornsteine. Diese Schornsteine sind berühmt für den Algarve und sind ein Überbleibsel aus der Zeit der Mauren. Porches ist aber berühmt für die größten und imposantesten dieser Schornsteine.



      Von Porches aus fahre ich über Lagoa wieder in Richtung Küste. Ich fahre durch Carvoeiro und wende mich östlich. Hier parke ich direkt an der Küste, an der Algar Seco (soll übersetzt trockener Gully bedeuten). Im Laufe der Jahrtausende hat das Meer hier abstrakte Felsformationen geschaffen.



      Ähnlich der Ponta da Piedade bei Lagos sieht man hier Felsbögen, Schluchten und bizarre Höhlen. Vereinzelt entstehen hier bei Flut kleine Tümpel auf den Felsen. Fische die es nicht rechtzeitig wieder zurück ins Meer schaffen, bleiben in den Tümpeln zurück, was letztlich ihr Ende bedeutet. Unter schlagen immer wieder heftige Wellen an die Felsen. :ok:



      Auch dieser Platz hier ist ein gern genutztes Ausflugsziel, aber da die Saison gerade erst beginnt, habe ich den Platz fast für mich alleine. Nur wenige Autos parken ebenfalls schon hier. Einige davon gehören sicherlich den auch hier auf den Felsen stehenden Anglern, die ihre langen Leinen von der Höhe der Felsen ausgeworfen haben.



      Vom Parkplatz führen hölzerne Treppen hinab bis ans Meer. Ich erforsche lange die Wege, die zwischen den Felsen hindurchführen. Nur ein Vater mit seinem kleinen Sohn begegnet mir hier noch. Selbst die kleine Bar mitten zwischen den Felsen hat zwar bereits geöffnet, aber noch keine Gäste. :nono:



      So manch interessante Aus- und Einblicke eröffnen sich mir. Ganz vorne am Abgrund über dem Meer stehen auf allen Seiten verteilt die Angler. Ich verbringe wohl insgesamt mehr als eine Stunde hier und genieße neben den tollen Ausblicken auch die Ruhe hier. Oft hört man nur die, von den auf die Felsen aufprallenden Wellen verursachten Geräusche.



      Für die Rückfahrt wähle ich die Nebenstraßen die Küste entlang. Einen kurzen Zwischenstopp lege ich am Farol de Alfanzina ein, ein Leuchtturm, der seit 1920 hier steht.
      Von hier sind es nur noch fünf Autominuten bis zum Hotel.

      Den Abend beschließe ich mit dem mir schon zur Routine gewordenen Ritual. :good3:



      Wird fortgesetzt …...
      Gruß Jobo,

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    • Samstag 26.April 2008 – Loulé


      Heute ist mein letzter Tag vor der Abreise vom Algarve. Da mein Flug morgen erst um die Mittagszeit startet, brauche ich jetzt noch nicht ans Kofferpacken zu denken. Dazu ist heute Abend und morgen früh noch Zeit genug. Also wird nach einem ausgiebigen Frühstück erst der Reifendruck an der Tankstelle kontrolliert und aufgefüllt und danach fahre ich auf die Autobahn in östlicher Richtung.



      Noch vor Faro verlasse ich die Autobahn und nach drei Kilometer habe ich mein Ziel erreicht, die Stadt Loulé mit ihren rund 20.000 Einwohnern. Ich parke das Auto in einem kostenlosen Parkhaus. Von hier brauche ich nur wenige Meter über die Avenida Jóse da Costa Mealha zu gehen, um zum Zentrum zu gelangen. Der Largo Gago Coutinho, mit dem modernen Brunnen, ist ein zentraler Ausgangspunkt für meinen Rundgang.



      Hier kann man schon die Nordseite des Mercado Municipal de Loulé, der großen Markthalle im neomaurischen Stil, sehen. Sie stammt aus der Zeit nach 1900. Rechts daneben steht das Rathaus der Stadt, das Câmara Municipal de Loulé. In der Halle findet täglich ein großer Markt statt, aber ich habe den heutigen Tag mit Bedacht gewählt.



      Jeden Samstag-Vormittag findet in Loulé der wohl größte Landmarkt des Algarve statt. Händler und Käufer aus dem ganzen Umland finden sich hier ein, um frische Lebensmittel und Haushaltswaren anzubieten und zu kaufen :good3: . In der Halle finden sich überwiegend Fisch-, Obst-, Gemüse- und Blumenstände. Obst, Gemüse und Blumen sehen ebenso frisch aus, wie die gefangenen Erzeugnisse aus dem Meer.



      Loulé wurde vermutlich von den Karthagern 404 v. Chr. Gegründet, aber auch römische Ursprünge wurden gefunden. Über die Abstammung des Namens gibt es zwei Theorien. Viele vermuten, das er von dem maurischen Al-Ulyá (die Höhere) abstammt, aber es gibt auch Stimmen, die eine Abstammung vom lateinischen „laurus“ (Lorbeer, Lorbeerbaum) vermuten. :pardon:
      1249 wurde der zu dieser Zeit maurische Ort von den Portugiesen erobert.



      Danach erhielt Loulé 1266 die Stadtrechte. Loulé galt jahrelang als das Handwerkerzentrum des Algarve. Geblieben sind davon nur noch wenige Kunsthandwerker.
      Während es in der Markthalle noch relativ ruhig zugeht, ist rund um die Markthalle, an den unzähligen Ständen, schon viel mehr los.



      Hier finden sich ebenfalls Stände mit Stockfisch, Obst, Blumen, Gemüse und Gewürze. Aber ich kann auch Stände mit Geschirr und vielen anderen Haushaltswaren sehen. Es herrscht ein reges Treiben in den Straßen die an der Markthalle entlang laufen und auch noch in den Nebenstraßen. Ich weiß gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll, überall wird gefeilscht und die Waren wandern von den Ständen in die Taschen und Einkaufstüten.



      Ich brauche einige Zeit um mich von dem interessanten Treiben loszureißen. Von Largo Gago Coutinho schlendere ich, vorbei am Rathaus, die Praça da República bis zum Largo Dr. Bernardo Lopes entlang. Hier befindet sich auch die Touristeninformation. Hier biege ich in die Rua Dom Paio Peres Correiro ein. Hier steht die Ermida de Nossa Senhora da Conceição, eine von außen eher unscheinbare, aber im Innern, laut Reiseführern, sehenswerte Kapelle. Einige Reiseführer warnen aber schon vor der etwas baufälligen Kapelle und so bin ich auch nicht überrascht, die Kapelle komplett eingerüstet zu sehen. Da hat man wohl mit der Restauration begonnen und Zutritt ist nicht mehr möglich. :hmm:



      Ich biege wenig später in den Largo Dom Pedro I. ein und stehe bald vor den Bicas Velhas (alte Ausgüsse), aus denen gutes Trinkwasser fließt. Die Einheimischen füllen sich hier gerne Wasserflaschen auf. Auf der rechten Seite sehe ich die Reste des ehemaligen Castelo de Loulé, welches auf maurischen Ursprung zurück geht. Von hier folge ich der Rua Martim Moniz in südlicher Richtung.



      Über eine kleine Gasse, die durch schöne Azulejos an den Wänden der Häuser besticht, erreiche ich den Largo Batalhão Sapadores Caminhos de Ferro, an dem sich auch der Jardim dos Amuados, ein kleiner Park, befindet. Diesen steuere ich nun zuerst an. Auf der Westseite des Parks befindet sich ein Aussichtsplatz, etwas erhöht über den Häusern davor.



      Von Aussichtsplatz kann ich weit nach Westen schauen. Dort fällt einem sofort der kuppelartige Bau der Santuário de Nossa Senhora da Piedade auf, der neben einer alten Kapelle steht, die man allerdings von hier nicht sehen kann. Am zweiten Sonntag nach Ostern findet hier die Prozession Mãe Soberana statt, bei der ein schwerer Altar mit Statue der Nossa Senhora im Laufschritt den Berg hinauf gebracht wird. :locomotive:
      Gegenüber dem Jardim steht auch die Igreja Matriz, die Hauptkirche der Stadt.



      Durch die Portas do Céu, die Himmelspforte, verlasse ich den Largo kurz. In der Pforte befindet sich auch eine kleine Kapelle. Dahinter beginnt „normales“ Wohngebiet, also gehe ich zurück zur Igreja Matriz de São Clemente. Die zentrale Kirche der Stadt Loulé stammt aus der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts und musste, aufgrund der Erdbeben von 1755, 1856 und 1969, bereits mehrmals wieder aufgebaut werden.



      Die Kirche wurde, wie so viele hier am Algarve, auf den Resten der Hauptmoschee von Loulé gebaut. Der hohe Glockenturm soll einst das Minarett der Moschee gewesen sein, worauf das „Zwiebeldach“ noch hindeutet.
      Von der Kirche aus spaziere ich wieder zurück zum Parkhaus. In einer Nebenstraße fällt mir dieses herrlich restaurierte Froschauge :ok: auf, ein Austin Healey Sprite Mark I., die von 1958 bis 1971 gebaut wurden. Entlang der Avenida José da Costa Mealha gelange ich wieder ins Parkhaus zu meinem Auto.



      Es ist schon früher Nachmittag, als ich das Hotel wieder erreiche. Jetzt steht erst mal eine Brotzeit auf meinem Balkon an. Jonathan leistet mir natürlich gerne Gesellschaft. Ob er wohl weiß, dass dies das letzte Mal ist. Er wird sich aber sicherlich beim Nachmieter wieder bedienen, da bin ich mir sicher. :mosking:



      Eigentlich wollte ich ja den Rest des Nachmittags noch am Pool verbringe, aber schon bei der Rückkehr kam mir das Hotel voller und belebter vor. Jetzt kann ich sehen, dass dieser Eindruck nicht getäuscht hat. Es sind heute wohl viele Gäste angereist und gut 60 bis 70 % der Liegen schon bestzt. Die Ruhe der Vorsaison, die ich die letzten zwei Wochen genießen durfte, ist definitiv nun vorbei. :fie:



      Also nutze ich die Zeit und packe schon mal meinen Koffer soweit es heute schon möglich ist. Am Abend spaziere ich dann hoch zum O Grelhador, ein wenig besorgt hier könnte es auch schon voll sein, aber die Neuankömmlinge haben das Restaurant wohl noch nicht entdeckt. Schön für mich, so kann ich den letzten Abend bei Garnelen und leckerem Wein recht geruhsam ausklingen lassen.

      Zurück im Hotel verbringe ich den restlichen Abend auf meinem Balkon. Plötzlich sehe ich lauter kleine Lichter über Albufeira aufsteigen :search: und kann mir dies erst nicht erklären. Dann wird mir klar, dass es sich um, die nicht unumstrittenen, „Himmelslichter“ handelt. Immerhin können sie hier, so wie sie übers Meer getragen werden, wenigstens kein Unheil anrichten. Mit diesen Gedanken gehe ich dann auch ins Bett.


      Wird fortgestzt … mit Rückreise und kleinem Fazit
      Gruß Jobo,

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    • Sonntag 27.April 2008 – Rückreise


      Der Koffer ist weitestgehend gepackt und das Auto muss auch erst bis 11:00 Uhr am Flughafen bei der Autovermietung abgegeben werden. Ich habe also heute Morgen viel Zeit, um in Ruhe zu frühstücken, mich danach auf dem Zimmer fertig zu machen und aus zu checken.

      Gegen 9:50 Uhr fahre ich vom Hotel ab und bin um 10:25 Uhr am Flughafen. Zuerst gebe ich den Mietwagen ab und weise noch einmal ausdrücklich auf den permanenten Druckverlust des linken Hinterrades hin. Auch der Koffer ist schnell abgegeben, so dass ich zuerst noch in Ruhe einen Bica trinke.

      Die Sicherheitskontrolle ist auch schnell passiert und so sitze ich ab 11:30 Uhr am Gate. Ausreichend zeitig für den Abflug um 12:50 Uhr, Boarding offiziell ab 12:25 Uhr. Der Flug verläuft problemlos und ruhig, Maschine etwa zu einem Drittel besetzt, und nach drei Stunden und zwanzig Minuten landen wir in München planmäßig um 17:10 Uhr Ortszeit. Kurz nach 18:00 Uhr bin ich dann wieder zu Hause und ein schöner Urlaub ist zu Ende. :pardon:


      Fazit


      Der Algarve ist allemal ein schönes Urlaubsziel. Wenn man die Hotelburgen in den Touristenorten sieht, z.B. Albufeira, wird einem klar, dass man allerdings nach Möglichkeit nicht zur Hochsaison hierhin reisen sollte. Es sei denn man liebt den Trubel an Strand, Hotel, Restaurant und den Ausflugszielen.

      Außerhalb der Saison kann man aber eine wirklich schöne Zeit hier verbringen und auch von den Temperaturen ist es dann durchaus erträglich.

      Die Landschaft ist faszinierend und die Menschen, wie überall in Portugal, stets freundlich. :good3:

      Die Flüge: Ich bin mit Air Berlin gut geflogen (beide Maschinen waren ehemalige LTU-Flugzeuge), allerdings hatte ich auch bei beiden Flügen Sitze mit extra Fußraum.

      Der Mietwagen: Mit dem Ford Focus war ich sehr zufrieden (wenn man vom permanenten Druckverlust des einen Rades absieht), er war auch noch relativ neu. Empfang und Abgabe des Fahrzeuges waren völlig unproblematisch.

      Das Hotel: Ein sauberes Hotel mit freundlichem Personal in perfekter Lage. Weit genug weg von eigentlichen Armação de Pêra mit seinen vielen Hotels und auf der Klippe in exponierter Lage. Poolbar, die Bar im Hotel und auch das Restaurant (was ich allerdings nie genutzt habe) machten einen freundlichen und sauberen Eindruck. Das Frühstücksbuffet lies keine Wünsche offen.

      Das Restaurant O Grelhador: Ich habe eigentlich ausschließlich dieses Restaurant genutzt, da ich dort stets freundlich und zuvorkommend bedient wurde und das Essen hervorragend war. Daher war ich meist abends einfach zu faul noch nach anderen Restaurants zu suchen. :imsohappy:

      Der Strand und der Atlantik: Die Strände machten alle auf mich einen sehr sauberen und zu dieser Zeit meist leeren Eindruck. Der Atlantik war allerdings noch recht frisch zu der Zeit. :fie:

      Die Städte: Lagos, Silves, Castro Marim und Tavira waren für mich die interessantesten Orte (auch aufgrund ihrer Geschichte), aber auch Faro, Olhão und Loulé waren den Besuch wert. Sagres ist eigentlich kein richtiger Ort und von Portimão habe ich nur die Uferpromenade gesehen. Das gegenüberliegende Ferragudo allerdings ist (noch) ein sehr urtümlicher Ort. Dies gilt auch für viele kleine Orte im Hinterland.

      Besondere Plätze: das Cabo de São Vicente ist vergleichbar mit dem Nordkap, man muss einfach einmal da gewesen sein. Die Ponta da Piedade und Algar Seco sind fantastische Orte, die den Felsalgarve in seiner bizarren Schönheit zeigen. Schade, dass man den Pego do Inferno nicht mehr besuchen kann. :pardon:

      Die von mir benutzten Reiseführer:
      (die hier erwähnten Reiseführer und Karten sind reine Empfehlungen und sollen nicht als Werbung gedacht sein, es gibt auch gute weitere Reiseführer und Karten die ich hier nicht explizit erwähne. Ich empfehle hier auf jeden Fall sich die Reiseführer in einem guten Buchladen anzuschauen und mal ein wenig darin zu blättern, ob einem der Stil des jeweiligen Reiseführers zusagt, bzw. ob man mit der Karte zurechtkommt)
      • Marco Polo – Algarve (Auflage 2002), 120 Seiten – Informationen meist nur zu den Hauptorten und -sehenswürdigkeiten. Ist wohl mehr als Reiseführer für die typischen Strandurlauber gedacht, die zwischendurch mal einen Ausflug machen wollen
      • Merian live – Algarve (Auflage 2006) 128 Seiten – kam mit den Reiseunterlagen. Hier trifft das Gleiche zu wie beim Marco Polo, allerdings habe ich auch einige nicht ganz richtige Informationen gefunden
      • Olimar Reisen (Polyglott-Verlag) – Reiseführer Algarve (Auflage 1998/99) 96 Seiten – Erstaunlich wie viel gute Informationen man auf so wenig Seiten unterbringen kann. Auch wenn es nicht mehr der neueste war, kompakte Informationen, auch für einen Urlaub der sich nicht nur am Strand abspielt :ok:
      • Falk spirallo Reiseführer – Algarve (Auflage 2002) 190 Seiten – der etwas andere Reiseführer mit Informationen, die andere Reiseführer gut ergänzen. Allerdings hat es mich etwas gestört, dass man oft hin und her blättern musste, da manche Informationen, z.B. zu einem Ort, nur verteilt zu finden waren
      • Dumont Reisetaschenbuch – Algarve (Auflage 2001) 216 Seiten – sehr guter Reiseführer mit vielen Informationen, auch tiefer gehenden
      • Baedeker Allianz Reiseführer mit Karte – Algarve (Auflage 2006) 286 Seiten – mit Abstand der beste Reiseführer. Kaum Informationen die man hier nicht findet. Guter Aufbau und auch gut zu lesen. Den hatte ich, trotz der Tatsache, dass er etwas dicker war, immer dabei. - Die Karte im Maßstab 1:200.000 war für alle Touren vollkommen ausreichend und hilfreich. :imsohappy:



      Ja, und Jonathan, was soll ich sagen. Vielleicht hätte er mal nach Lübeck fliegen sollen und seinen gefiederten Brüdern dort erzählen sollen, wie gut wir uns verstanden haben. Aber wahrscheinlich hätten sie sein Portugiesisch ohnehin nicht verstanden.
      Gruß Jobo,

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    • Vielleicht hat seinen Nachkommen aber auch erklärt, dass sich im/am Hotel ein anständiges Verhalten gebührt, auch im Ausland. Und wenn's pressiert, dann bitte etwas wegfliegen! In Lübeck war dann aber ein bestimmter Mensch auf einem sich sonst dort nicht befindlichen Schiff im Weg :mosking:
      Dein Bericht zeigt, dass Du aus dem Urlaub mit sehr vielen schönen Eindrücken nach Hause gekommen bist. Und die Dir jetzt beim Schreiben des Berichts sicherlich wieder lebendig vor Augen waren! :thumbup:
      Lynghei

    • Ja, gerade wenn auch schon Jahre vergangen sind und man glaubt, man hätte die Hälfte von damals vergessen, kommt die Erinnerung doch recht schnell wieder. :thumbup:
      Gruß Jobo,

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    • Herzlichen Dank für den Bericht und die Fotos, wäre scheints auch eine Reise wert. Vor allem die Strände mit den Felsen haben es mir angetan und wenn das Meer "mir" gehört, sehe ich schon einmal über sonst für mich zu niedrigen Temperaturen hinweg.

      Liebe Grüße, Kamilla
    • Die durchschnittliche Wassertemperatur liegt dort im April bei 16-17°C, erst ab Mai steigt die Temperatur dann stetig an und erreicht im Sommer durchschnittlich 22°C. Gerade der Westalgarve, der Barlavento (also die Luv-Seite - dem Wind zugewandte Seite) ist immer etwas frischer, als der Ostalgarve, der Sotavento (die Lee-Seite).
      Der März ist bezgl. der Wassertemperatur der kälteste Monat des Jahres. Fällt der extrem kalt aus, was damals der Fall war (ich hatte die Temperaturen im Vofeld beobachtet), ist auch der April noch sehr kalt.
      Gemessen hatte ich es damals nicht, aber im Hotel hatte man an einer Tafel die tägliche Wassertemperatur angezeigt und die lag meist bei 15 bis 16°C.
      Gruß Jobo,

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      Esther wrote:

      Ob das Meer im Herbst aufgewärmter ist durch die Sommersonne?


      Jedenfalls wird die durchschnittliche Wassertemperatur in den Reiseführern wie folgt angegeben:

      August/September - 20°C :thumbsup:
      Oktober - 19°C :thumbup:
      November - 17°C :whistling:
      Dezember - 16°C ;(
      Gruß Jobo,

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      Vielen Dank für den Bericht von „dem“ Algarve. Auch wir lieben es, mit dem Mietwagen die Gegend zu erkunden. In der Vorsaison, im April dorthin zu reisen, ist eine gute Idee, auch wenn man vielleicht nur mit den Füßen ins Meer kommt. Das werden wir mal im Auge behalten.
      LG Lundefugl