Insel des ewigen Frühlings im Atlantik – Madeira vom 18.Mai bis 1.Juni 2006

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      Insel des ewigen Frühlings im Atlantik – Madeira vom 18.Mai bis 1.Juni 2006


      Inzwischen bin ich mit dem Digitalisieren meiner Urlaubsdias aus den vergangenen Jahren schon ein wenig weiter gekommen. Dabei kann man so schön die früheren Urlaube noch einmal Revue passieren lassen. Gerade bei dem regnerischen und kalten Wetter momentan, ist es schön Bilder aus wärmeren Zeiten zu betrachten. :imsohappy:
      Da es immer noch etwas dauert, bis Reisen unbeschränkt wieder möglich sind, wollte ich euch auch etwas Wärme gönnen und euch mitnehmen auf meine damalige Reise zur Blumeninsel im Atlantik. :dance3:

      Ende April 2006 hatte ich mich kurzfristig entschlossen, die Zeit zwischen Oster- und Pfingstferien für eine Urlaubsreise zu nutzen. Meine Azoren-Reise 2004 hatte mich für die portugiesischen Inseln begeistert und ich hatte mich schnell für Madeira als Ziel entschieden.

      Bei Jahn-Reisen fand ich eine Reise mit LTU-Flügen, Hotel und Mietwagen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, die ich Anfang Mai buchte.

      Donnerstag 18.Mai 2006 – München – Madeira

      Nachdem ich gestern bereits meinen Koffer beim Vorabend-Check-in abgegeben habe, mache ich mich kurz vor Mittag auf den Weg zum Flughafenbus. Um die Mittagszeit ist der Bus nur dünn besetzt und der ruhige Verkehr auf der Autobahn lässt uns pünktlich gegen 12:50 Uhr am Flughafen einfahren.

      Die Sicherheitskontrolle ist schnell passiert und ich bin rechtzeitig am Gate. Der LTU-Flieger ist dann auch nur etwa zur Hälfte gefüllt und verlässt pünktlich um 14:30 Uhr das Gate und hebt ab. Die Flugzeit beträgt vier Stunden und 20 Minuten. Nach einem ruhigen Flug landen wir um 17:50 Uhr Ortszeit (Madeira liegt eine Stunde hinter unserer Zeit) auf dem Aeroporto de Santa Catarina, wie der Flughafen von Funchal damals hieß (heute heißt er Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo :mosking: ).

      Vor dem Flughafen wartet schon ein kleiner Tansferbus auf mich und drei weitere Reisende. Ein Ehepaar und ein älterer Mann werden zuerst zu einem Hotel in Câmara de Lobos gebracht und dort abgesetzt. Anschließend fährt mich der Fahrer nach Calheta zu meinem Hotel Calheta Beach (nennt sich heute Savoy Calheta Beach).



      Es ist gegen 19:30 Uhr als wir dort eintreffen. Ich bekomme ein schönes Doppelzimmer zur Alleinbenutzung mit Balkon zur Meerseite. Ich gehe nun, nachdem ich mich auf dem Zimmer etwas frisch gemacht habe, zuerst im Hotelrestaurant zum Abendessen, solange dieses noch geöffnet hat.
      Das Essen ist gut, wenn auch nicht überwältigend, aber für den Augenblick genügt es mir, um den Hunger zu stillen.

      Anschließend packe ich meinen Koffer aus und richte mir mein Zimmer häuslich ein. Eine Weile sitze ich dann noch auf meinem Balkon. Dabei höre ich eine Zeitlang seltsame Geräusche, denen ich in den nächsten Tagen noch auf die Spur kommen werde. Im Moment kann ich sie nicht wirklich zuordnen, aber definitiv handelt es sich um Geräusche von Vögeln. :pardon:

      Bin schon gespannt, wie es dann morgen aussehen wird und was mir der Tag dann bringt. Eines ist gewiss, er wird mir meinen Mietwagen bringen, den man mir morgen hier zum Hotel bringen will.


      Fortsetzung folgt …..
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

    • Freitag 19.Mai 2006 – Calheta


      Ich habe die erste Nacht sehr gut geschlafen, wozu eine schöne, feste Matratze und das angenehme Rauschen des Meeres an die Küste sicherlich beigetragen haben. Jetzt kann ich mir die Anlage vom Balkon aus genauer ansehen.



      Unter mir befindet sich der zweiteilige Hotelpool und die Landschaft der Liegen verteilt um diesen. Direkt hinter dem kleineren Kinderbecken befindet sich die Poolbar. Die ganze Poollandschaft ist nach vorne abgegrenzt und liegt gut eineinhalb bis zwei Meter über der Strandpromenade.
      Calheta ist der einzige Ort auf Madeira, der eine Badebucht mit feinem weißen Sand besitzt. Alle anderen Ufer sind Steinufer und nur vereinzelt findet man kleine dunkle Lavasträne.
      Der Sand stammt aus der Sahara und jedes Frühjahr wird eine neue Schiffsladung davon hierher gebracht, um das zu ersetzen, was sich der Atlantik im Laufe des Jahres genommen hat.



      Nach dem guten Frühstück spaziere ich zur Verdauung vom Hotel zu dem kleinen Jachthafen, der gleich neben dem Hotel liegt. Meinen Mietwagen soll ich im Laufe des Nachmittags bekommen, also genug Zeit sich die Umgebung in Ruhe anzuschauen. Von der Mole des Jachthafens kann ich den ganzen Hotelkomplex überschauen. Hinter dem Hotel steht direkt am Steilhang ein großes Einkaufszentrum mit Parkhaus. Sonst sehe ich nur wenige Häuser in der Nähe.



      Ich sage an der Rezeption kurz Bescheid, dass ich entweder am Pool oder auf meinem Zimmer bin, wenn der Mietwagen gebracht wird. Zuerst lasse ich mich an einem der Tische nieder, die nahe am Hotel stehen und jeweils durch einen großen Strohschirm vor der Sonne schützen. Hier lese ich in meinen Reiseführern und mache die ersten Pläne für die nächsten Tage, während von der Bar, an der ich mir zuvor ein Getränk besorgt hatte, ruhige Chillout-Musik (Café del Mar) erklingt.



      Ich möchte heute Abend in dem Restaurant essen gehen, welches sich am Südende des Hotelbaus zum Jachthafen hin befindet. Daher esse ich am Tag nur einen kleinen Snack von der Poolbar. Einen kleinen Spaziergang mache ich dann noch zur anderen Seite der Uferpromenade und an der Straße entlang. Die Straße liegt unterhalb des Steilhanges und führt am Ende der Badebucht in den Ort Calheta. Oberhalb sieht man die grauen Gebäude des Ortsteils Estreio da Calheta.
      Mein Mietwagen trifft erst am späten Nachmittag ein, ein VW Golf. Ich übernehme das Auto und stelle es direkt gegenüber in das Parkhaus, dass auch von den Hotelgästen genutzt werden kann.



      Heute möchte ich noch keine Tour machen, dafür ist es auch eigentlich schon zu spät. So verbringe ich die Zeit bis zum Abendessen noch auf meinem Zimmer und mit kleinen Spaziergängen rund um das Hotel und den Jachthafen.
      Am Abend kehre ich dann im Restaurant Onda Azul ein. Das Restaurant ist spezialisiert auf Fisch und Meeresfrüchte, also genau meine Kragenweite. Das Restaurant gehört zwar auch zum Hotel, ist aber ein öffentliches Restaurant und nur von außen mit separatem Eingang zugänglich.



      Das Essen ist sehr gut und auch der Service stimmt, es wird für die nächsten zwei Wochen mein festes Restaurant sein. Gezahlt wird anschließend nicht am Tisch, sondern an einer separaten Kasse am Tresen. Im warmen Abendlicht spaziere ich anschließend noch entlang des Jachthafens, der zu dieser späten Stunde eine wohltuende Ruhe ausstrahlt.



      Es ist noch recht warm und auch das Wasser scheint noch nicht zu kalt zu sein, jedenfalls tummeln sich noch einige Schwimmer in der Badebucht und genießen den Platz und die Stimmung. Es reizt mich durchaus auch hier ins Wasser zu gehen, aber mit vollem Bauch spaziere ich dann doch lieber die Promenade entlang bis zum anderen Ende der Bucht.



      Zurück in meinem Zimmer sitze ich noch lange auf dem Balkon in der lauen Abendluft. Wieder höre ich die Vögel, die wohl im Steilhang hinter dem Hotel ihre Nester haben und diese abends anfliegen. Inzwischen habe ich vom Hotelpersonal erfahren, dass es sich um Madeira-Sturmtaucher handelt, die mit ihrem wehleidigen Geschrei nicht zu überhören sind.
      Meist hält das Geschrei ein bis zwei Stunden an, bevor es dann wieder ruhig wird.


      Fortsetzung folgt ….
      Gruß Jobo,

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      - Alexander von Humboldt -

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    • @lynghei eigentlich waren die Geräusche ganz witzig. Es ging meist so kurz nach Anbruch der Dunkelheit los und spätestens ab 23 Uhr war dann Ruhe. Am lautesten war es direkt unterhalb der Nester am Steilhang, beim Hotel vorne raus, war es erheblich ruhiger und hat nicht wirklich gestört.

      @rs1033 das Hotel war nur dünn besucht, da es ja außerhalb der Saison war. Die beginnt dort meist erst Anfang Juni, bzw. mit den Pfingstferien. Es ist dort auch unüblich Liegen mit Handtüchern zu belegen. Wohl auch weil ausreichend Liegen da sind. Lediglich draußen am Strand die Liegen (die öffentlich sind) waren an Sonntagen stark genutzt, wenn die Einheimischen den Strand fluteten.
      Gruß Jobo,

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    • Samstag 20.Mai 2006 – Rundfahrt Jardim do Mar, Ponta do Pargo, Paúl da Serra


      Nach einem guten Frühstück schnappe ich mir meinen kleinen Rucksack und die Fotoausrüstung. Am Eingang zum Supermarkt und dem Parkhaus gegenüber befindet sich gleich auf der linken Seite eine kleine Café-Bar. Hier gönne ich mir noch einen Bica im Stehen :good3: und kaufe anschließend im Supermarkt Getränke und Snacks für den Tag.



      Eine Etage höher parkt mein Mietwagen und mit meiner Dauerkarte, die ich an der Rezeption bekommen habe, kann ich die nächsten zwölf Tage problemlos ein- und ausfahren. Ich wähle die Richtung nach Westen. Hier führt die Straße zuerst hoch nach Estreito da Calheta und am Ortsende zweigt eine Nebenstraße wieder links ab zur Küste.
      Die Straße, die es erst seit 1969 gibt, führt in den kleinen Ort Jardim do Mar, der zuvor nur über Saumpfade erreichbar war. Mitten im Ort halte ich an der Igreja Nossa Senhora do Rosário.



      Eine schmale Gasse hinunter gelangt man zur Küste. Der Ort Jardim do Mar liegt weit im Westen der Insel. Madeira weist in seiner Länge eine Ost-/Westrichtung auf, die sich ab etwa Inselmitte leicht nach Norden neigt. Die Insel ist 57 km lang und 22 km breit und hat eine Gesamtfläche von 741 km². Sie liegt etwa 700 km westlich vor der Küste Nordwestafrikas und rund 500 km nördlich der Kanaren.



      Von Jardim do Mar fahre ich durch den neuen langen Straßentunnel nach Paúl do Mar. Serpentinenartig führt nun die Straße wieder hoch auf die Hauptroute. Kurz vor Lombada dos Marinheiros mache ich Halt auf einem Aussichtsplatz neben der Straße. Neben der schönen Aussicht sind hier auch viele der Madeira-Mauereidechsen zu beobachten. :search:
      Von der Bevölkerung als Schädlinge angesehen, weil sie Bananen und Weintrauben fressen, werden sie leider oft vergiftet. Dabei schützen die Eidechsen die Bevölkerung sogar vor der Borreliose. Wenn Zecken sich das Borrelia-Bakterium bei Mäusen und Kleinsäugern eingefangen haben und danach das Blut der Eidechsen trinken, tötet dieses das Bakterium ab. Die hohe Anzahl von Eidechsen verhindert somit eine Ausbreitung der Borreliose.

      (die schwarzen Ecken bei den Bildern entstanden leider durch einen zu dicken UV-Filter auf dem Weitwinkel-Objektiv, was ich dann erst nach Entwicklung der Dias sehen konnte, sorry :pardon: )



      Ich fahre weiter nordwestlich und biege dann zum Ponta do Pargo ab. Den Namen hat der Leuchtturm, der den westlichsten Punkt Madeiras darstellt, von der Seebrasse (portugiesich Pargo). Von diesem Fisch soll hier zu Zeiten der ersten Besiedlung ein besonders großes Exemplar gefangen worden sein. Der Ponta do Pargo ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel und ich bin froh, dass ich hier im Moment noch der einzige Besucher bin. :hut:



      Der Leuchtturm steht hier 375 m (in manchen Reiseführern steht auch 312 m) über dem Meeresspiegel und warnt die Schifffahrt vor der Westküste der Insel. Rund 750 Meter östlich des Leuchtturmes befindet sich noch der Aussichtsplatz Miradouro do Fio. Von hier hat man einen schönen Blick nach Süden. Zurück fahre ich wieder am Leuchtturm vorbei, dem höchstgelegenen Leuchtfeuer Portugals.



      Vom Ponta do Pargo fahre ich nordwärts, eine schöne, wenn auch kurvenreiche, Strecke Richtung Porto Moniz. Die Straße führt überwiegend durch bewaldetes Gebiet, vorbei an Achadas da Cruz. Kurz hinter Achada do Pinheiro zweigt rechts die Straße auf die Hochebene ab, die ich auch nehme. Schnell steigt hier die Straße auch über 1.000 Meter an.



      Am Chão do Covão lege ich einen Halt ein. Auf der rechten Seite befinden sich zwei hohe Sendeantennen auf dem 935 Meter hohen Terça. Etwas weiter links davon sehe ich einen kleinen, runden Turm auf einer 1.060 m hohen Anhöhe. Auch zur anderen Seite hin ist die Aussicht hier oben genial.



      Am Pico da Fonte do Bispo, auf 1.297 Meter Höhe, lege ich dann eine längere Pause ein. Hier auf der Paúl da Serra verzehre ich meine mitgebrachte Brotzeit und sitze anschließend lange auf einem großen Stein direkt neben der Straße. Kein anderes Fahrzeug kommt in der Zeit hier vorbei und ich genieße diese herrlich ruhige Atmosphäre hier. Man hat hier das Gefühl, man sei der einzige Mensch weit und breit, lediglich einige Kühe in der Nähe hört man ab und zu. :dance3:



      Anschließend fahre ich an Rabacal vorbei, hier ist ein großer Parkplatz, da es ab hier zu verschiedenen Levada-Wanderungen geht. Das steht auf jeden Fall auch noch auf meinem Plan. Wenig dahinter zweigt eine Straße nach Calheta ab und so bin ich am Nachmittag wieder am Hotel. Nachdem ich das Auto geparkt habe, spaziere ich die Straße nach Calheta entlang und bewundere die Pflanzenvielfalt hier am Straßenrand. Neben Bananenstauden und Kakteen findet sich hier auch der Korallenbaum mit seinen roten Blüten und der Hibiskus.



      Unter den Kakteen fällt natürlich die Opuntie mit ihren breiten, runden Blättern auf. Am Ortsanfang stehen einige Drachenbäume und Palmen, wie ich sie Jahre später dann auch auf Mauritius und auf den Kapverden gesehen habe. Bis zur Kirche wandere ich hinauf, die aber verschlossen ist.



      Inzwischen ist die Sonne schon im Begriff unterzugehen und ich mache mich auf den Rückweg zu meinem Hotel. Ein kurzer Zwischenstopp auf meinem Zimmer und danach zum Abendessen ins Onda Azul. Heute steht leckerer Polvo auf meinem Speiseplan und dazu gönne ich mir einen guten Rotwein. So lasse ich den schönen Tag gemütlich ausklingen. :ok:

      Fortsetzung folgt …......
      Gruß Jobo,

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    • Dafür müsste es bei uns aber ganzjährig noch wärmer werden und außerdem fehlt es in unseren Breiten an solchen Mauern, wo sich die Tiere drin verstecken können. Bei uns gibt es nur Monokulturen von Futtermais und Raps. 8|
      Gruß Jobo,

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    • Madeira kenne ich bislang leider nur von Fotos, deswegen bin ich gespannt, was du uns noch zeigen wirst! Die Sonnenuntergänge sind spektakulär :love:
      Bei uns gibt es zwar nicht wenig Eidechsen (für die DB so ein "Ärgernis" wie der Juchtenkäfer ;) ), aber offenbar funktioniert das mit der Borreliose trotzdem nicht- schade...
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil

    • Sonntag 21.Mai 2006 – Rabaçal, Levada-Wanderung


      Für heute habe ich mir die Wanderung entlang der Levadas ausgesucht. Ich hoffe nur, dass am heutigen Sonntag nicht zu viele andere Touristen oder Einheimische auf den gleichen Gedanken kommen und es zu voll wird :hmm: . Als Startpunkt für die Wanderung habe ich Rabaçal gewählt, an dem ich gestern ja vorbei gefahren bin.



      Madeira hat seine Wasserquellen alle auf der Höhe. Wasser gilt hier als Gemeingut und jeder soll die Möglichkeit haben, seine Felder und Gärten zu bewässern. Daher wurden schon seit dem 15.Jahrhundert Bewässerungskanäle angelegt, die das Wasser von den Quellen in der Höhe bis hinunter auf die Felder an den Küsten tragen, sogenannte Levadas.
      Die Levadas haben nur ein minimales Gefälle, so dass das Wasser in diesen Kanälen nur ganz leicht fließt. Zur Instandhaltung der Kanäle, die oft auch durch eigens dafür durch den Fels gebohrte Tunnel führen, existieren neben den Levadas schmale Pfade, die als ideale Wanderwege gelten.



      Als ich auf dem Parkplatz oberhalb Rabaçal eintreffe, steht dort nur ein Auto und ich besuche als erstes den schönen Aussichtsplatz hier oben. Mehrere Kleinbusse warten hier auf Wanderer, um sie vom Parkplatz hinunter zum Forsthaus Rabaçal zu fahren. Sie warten immer, bis sie mehrere Personen für eine Fahrt haben. Nicht nur mir dauert dies zu lange, etwas unterhalb sehe ich zwei Frauen die den asphaltierten Weg nach unten zu Fuß in Angriff genommen haben, was ich nun auch mache. :dance3:



      Die Straße führt etwa zwei Kilometer nach unten, bis zum Forsthaus Rabaçal. Ab hier führt ein Sandweg ein wenig nach unten und dann kann man entlang der Levadas wandern. Wie die beiden Frauen auch, nehme ich zuerst die Levada do Risco, ein Weg der zum Cascata do Risco führt. Der Weg entlang des Kanals ist eben und bieten zuweilen auch herrliche Ausblicke, um kurz danach wieder durch den Wald zu führen.



      Nach etwa 15 bis 20 Minuten ruhiger Wanderung erreiche ich den Aussichtsplatz an der Cascata do Risco. Hier stürzt sich ein Wasserfall aus 100 Meter in die Tiefe in einen kleinen See. Die Levada verschwindet hier in einem Tunnel. Ein Hinweisschild, wie auch meine Reiseführer warnen aber vor dem weiteren Weg, da dieser zur Zeit nicht sicher ist. Daher kehre ich hier um, zumal ich ja bezüglich meiner Wanderung auch noch andere Pläne habe.
      Die beiden Frauen, Französinnen, wie ich inzwischen mitbekommen habe, überlegen hier auch noch kurz, folgen mir dann aber auch zurück.



      Ich spaziere also den gleichen schönen Weg wieder zurück. Kurz vor dem Forsthaus Rabaçal gelangt man über mehrere Stufen hinunter zur Levada 25 Fontes, der bekanntesten und schönsten Levada auf Madeira. Ich bin erstaunt, dass bis jetzt außer den beiden Französinnen und mir keine anderen Wanderer hier sind. Damit hätte ich an einem Sonntag nicht gerechnet. :pleasantry_1: Das schöne Wetter zieht die Menschen heute wohl eher ins Wasser.



      Die Strecke entlang der Levada 25 Fontes erweist sich wirklich als ausgesprochen schön. Fast eben, das sanfte Gefälle merkt man gar nicht, führt der schmale Weg an den Berghängen entlang. Dass es auf der einen Seite steil hinunter geht merkt man gar nicht, da der Hang stark bewachsen ist. Nur an den Stellen, wo die Pflanzen fehlen, befindet sich ein Geländer aus Holz, Metall oder gar eine kurze, ausreichend hohe Betonmauer.
      Inzwischen habe ich die beiden Französinnen schon weit hinter mir gelassen und höre nur noch meine eigenen Schritte und die Geräusche der Natur.



      Ich komme am unteren Ende des Wasserfalles vorbei, eine extrem dunkle Ecke, die keine Bilder zulässt. Der Weg führt aber weiter und nach einer guten Stunde Wanderzeit seit Rabaçal erreiche ich die 25 Fontes, die in einen kleinen See münden. Ob es wirklich 25 sind, kann ich nicht wirklich feststellen. Hier ist aber ein ruhiger und guter Platz für meine mitgebrachte Brotzeit und ich lasse mich auf den Steinen am kleinen See nieder.



      Hier packe ich meine Brotzeit aus und während ich herzhaft in meine Käse- und Wurstbrote beiße, landen vor und neben mir mehrere Vögel. Es handelt sich um Madeira-Buchfinken, eine auf Madeira endemische Art. Sie picken sich die Brotkrümmel, die mir runter fallen, von den Steinen auf, direkt bei meinen Füßen. Ich lege einige Krümmel auf meine linke Hand und schon sitzen zwei dieser total zutraulichen Vögel auf der Hand und picken von dort die Krümmel.
      Die beiden Französinnen sind inzwischen auch eingetroffen und fotografieren lachend das für sie interessante Geschehen.
      Inzwischen sitzen einige der Finken sogar schon auf meinen Armen und Schultern und ich will etwas testen. Ich nehme einen Krümmel zwischen meine Lippen, so dass er weit genug herausschaut. Kaum wende ich den Kopf zur rechten Schulter, streckt sich einer der Finken und nimmt mir den Krümmel vorsichtig von den Lippen.
      So etwas habe ich bisher auch noch nicht erlebt. Ich versuche, während ich mit der linken Hand weiter füttere, mit der rechten zumindest die Piepmätze vor mir auf den Steinen zu fotografieren, aber leider werden die Bilder unscharf.



      Noch eine ganze Zeit lang füttere ich so die Vögel, bevor ich die gemeinsame Mahlzeit beende. Die beiden Frauen haben sicherlich einen ganzen Film mit mir und den Vögeln verbraucht.
      Während die beiden sich hier auch niederlassen, mache ich mich auf den Rückweg. Jetzt kommen mir nach einiger Zeit auch andere Wanderer entgegen, aber insgesamt wohl nicht mehr als fünf oder sechs. Ich erreiche den Aufstieg nach Rabaçal wieder und gehe auch wieder die Straße zum Parkplatz zu Fuß hinauf.



      Ich will die Zeit noch nutzen und die Höhenstraße weiter die Paúl da Serra entlang fahren. Die Straße steigt hier ständig an und auf dem Aussichtsplatz am Gipfel Pedras befinde ich mich bereits auf 1.512 Meter Höhe. Kein Wunder, dass ich mich auf der einen Seite dort schon in den Wolken wiederfinde. :search:



      Ich fahre wieder los, die Straße fällt ab dem Aussichtspunkt wieder langsam ab, und stoße wenige Kilometer weiter auf die Hauptstrecke zwischen São Vicente und Ribeira Brava. Kurz vor Serra de Água stoppe ich noch einmal auf einem Miradouro an der bewaldeten Strecke.
      Anschließend fahre ich über Ribeira Brava zurück nach Calheta.



      Ursprünglich wollte ich ja noch zur Entspannung im Meer baden, aber als ich den Trubel an dem kleinen Sandstrand vor dem Hotel sehe :nono: , überlege ich es mir anders und bleibe die wenigen Stunden bis zum Abend am Hotelpool.
      Beim schönen Abendessen im Onda Azul lasse ich den Tag ausklingen.


      Fortsetzung folgt ...
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
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    • @Jobo

      Die nächste Fortsetzung Deines Madeira-Reiseberichts kann ich kaum erwarten.

      Ende November 1972 begann in Capetown eine Fahrt mit der CANBERRA in Richtung Southampton, unter anderem mit einem Stopp in Funchal/Madeira. Das Schiff kam ursprünglich aus Sydney und musste den Umweg über Südafrika nehmen, weil der Suezkanal damals gesperrt war. Die wenigen Stunden auf Madeira waren für mich Anlass genug, später einige Urlaubsreisen zu dieser Trauminsel zu buchen. Die Linienbusfahrten dort nach Curral das Freiras waren unvergesslich, ebenso der kalte Nebel auf der Hochebene von Paul da Serra. Da es auf Madeira praktisch keine Sandstrände gibt, lohnt ein Tagesausflug mit der Fähre zur Nachbarinsel Porto Santo. Dort lädt ein etwa 7 bis 8 Kilometer langer herrlicher Natursandstrand zum Baden ein.

      Lupo

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