Antarktis mit Vor- und Nachprogramm: MS Polar Star (12.01.- 29.01.2007)

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      @Lupo - das war der erklärte Lieblingsfilm des Expeditionsteams :)
      @Sterna paradisaea - mich lenkt kein Garten ab, der gepflegt werden muss ;)


      Freitag, 26. Januar- Ushuaia, Punta Arenas


      Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von meinen Mitreisenden, die gleich morgens nach Buenos Aires flogen. Ich hatte noch etwas Zeit und ging eine Runde zum Hafen und ein paar Mitbringsel einkaufen.



      Nachmittags holte ich meine Tasche aus der Hostería und nahm ein Taxi zum Flughafen. Auf dem Flug mit LAN Chile nach Punta Arenas hatte man teilweise gute Sicht auf die Feuerland-Gletscher.



      Vom Flughafen, der gut 20 km außerhalb liegt, nahm ich einen der Kleinbus-Shuttles in die Stadt und zum Hostal Oro Fueguino, zentral unterhalb des Aussichtspunkts Cerro de la Cruz gelegen. Ich machte lediglich noch einen kleinen Stadtbummel und organisierte mir etwas zum Essen.

      Samstag, 27. Januar – Punta Arenas, Seno Otway, Puerto Natales

      Ich nahm nach dem Frühstück wieder einen Shuttlebus zum Flughafen und traf mich nach kurzer Wartezeit mit meiner neuen Reisegruppe, die aus Santiago ankam. Es waren alle nett und die Gruppengröße, die mich zuerst erschreckt hatte, machte sich nicht negativ bemerkbar.

      Unsere Fahrt ging nach einem kleinen Halt am Aussichtspunkt über die Magellanstrasse zur Pingüinera am Seno Otway. Im Gegensatz zu den antarktischen Pinguinen, die sich einem furchtlos näherten, konnte man die Magellanpinguine hier nur von weiter weg beobachten und musste sich an die Wege halten. Weiter ging es nach Norden. In Villa Tehuelches, einem typisch patagonischem Kaff, gab es Kaffeepause. Natürlich mit Pulverkaffee, wie in Chile allgemein üblich, dort haben die großen Konzerne wie Nestle und Coca Cola alles stark im Griff, wohl ein Erbe der Chicago Boys... Ich habe mich deswegen dort in der Regel an Tee gehalten. Im Garten hinter dem Café konnte man den Kondor bewundern, der war als Küken aus dem Nest gefallen und konnte deswegen nie fliegen. Inzwischen war er sehr alt und auf einem Auge blind.



      Gegen Abend kamen wir an unserem Tagesziel Puerto Natales an, checkten im Hotel ein, machten einen Spaziergang entlang der Küstenpromenade und gingen an der Plaza zum Abendessen.

      Viele Grüsse, Albatross
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      @Kauderwelsch- es pfeift dort auch an der See ganz ordentlich ;) Bei den Bergen kann man eh nur unten laufen, oben ist nur für ernsthafte Bergsteiger.


      Sonntag, 28. Januar- Torres del Paine

      An diesem Tag führte uns der Weg in den Torres del Paine Nationalpark. An der Laguna Amarga hatte man den ersten Blick auf das wolkenverhüllte Massiv.



      Beim typisch patagonischen Wind konnte man jedoch nur ein Stückchen weiter schon etwas mehr von den Torres sehen. Im Nationalpark dürfen die Tiere nicht abgeschossen werden, entsprechend furchtlos bewegen sich Darwin-Nandus (Choique) und Guanacos. Wir sahen eine Gruppe junger Nandus direkt neben der Strasse, auf der anderen Strassenseite war Papa Nandu – bei den Choiques hütet immer das Männchen die Kinder. Auch Kondore sahen wir kreisen.



      An der Laguna Azul im Nordosten des Parks unternahmen wir eine Wanderung entlang des Sees bis zum nächsten Höhenrücken. Der Wind trieb die Wolken um die Berge, sodass die Torres im einen Moment frei zu sehen waren und kurz darauf das ganze Bergmassiv wieder dicht war.



      An der Laguna Azul sah man immer noch die Folgen des Brandes, den ein Wildcamper 2 Jahre vorher ausgelöst hatte, er hatte seinen Kocher umgeschmissen. Die Blumen und Gräser hatten sich schon wieder erholt, die Südbuchen brauchen im subantarktischen Klima allerdings Jahrzehnte oder noch länger. Wildes Campen ist nicht ohne Grund im Park streng verboten, was 2012 den nächsten nicht daran gehindert hat, sein Toilettenpapier und 13.000 Hektar Wald abzufackeln :evil:



      Über die Fälle des Rio Paine und den Aussichtspunkt auf Lago Pehoe und die Cuernos del Paine ging es zur Hosteria am Rio Serrano.

      Viele Grüsse, Albatross
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      @lynghei - es ist erschreckend, was Leichtsinn und Dummheit anrichten können. Manche Backpacker sehen nur, was der Campingplatz kostet oder fühlen sich in ihrer persönlichen Entfaltung eingeschränkt und meinen, sie könnten das umgehen...

      @omlia- Torres del Paine ist nicht umsonst ein UNESCO Biosphären-Reservat!


      Montag, 29. Januar- Torres del Paine

      Ich war extra früh aufgestanden, um den berühmten Sonnenaufgang über den Cuernos zu sehen, der diese rot erglühen lässt. Leider spielte das Wetter nicht mit und es wurde eine Studie in Grau.



      Bis wir allerdings an der Fähre über den Lago Pehoe angekommen waren, hatte der stürmische Wind den Himmel fast blankgefegt. Die Fahrt mit dem Katamaran über den See brachte uns zum Refugio und dem Weg zum Valle Francés. Es wurde immer stürmischer, je weiter wir gingen, am Lago Skottsberg trieb der Wind hohe Fontänen über den See.



      Kurz darauf war für mich der Urlaub vorzeitig beendet, als ich mit dem Stiefel in ein verdecktes Loch im Boden geriet. Nach einer Woche im Krankenhaus in Punta Arenas wurde ich mit Gipsbein in der ersten Klasse nach Hause geflogen, but that's another story.... :sshithappens:

      The end


      Ein kurzes Fazit in Bezug auf die Antarktis :

      ich kann ich jedem nur empfehlen, ein möglichst kleines Schiff, vorzugsweise mit nicht mehr als 100 Paxen, zu wählen, man kann so deutlich mehr Zeit an Land verbringen! Als Jahreszeit ist Mitte Januar ideal, weil die Pinguinküken bereits aktiv sind und außerdem weniger Gefahr besteht, dass einzelne Passagen wegen Eis nicht passierbar sind.
      Viele Grüsse, Albatross
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      Vielen Dank für's Mitreisen lassen! Da ich aus mehreren Gründen niemals in diese Gegend reisen werde, habe ich den virtuellen Besuch bei den Pinguinen und in Patagonien um so mehr genossen. :)
      Deinem Fazit in Bezug auf das Schiff kann ich voll zustimmen und da ist zum Beispiel die Plancius ein würdiger Ersatz für die leider nicht mehr fahrende Polarstar.
      Um mit dem Stiefel in einem verdeckten Loch im Boden zu landen und dabei zu lang anhaltendem Schaden zu kommen, muss man übrigens nicht weit reisen, das schafft man auch beim Walken im heimatlichen Wald auf laubbedeckten Fußwegen. X(
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      Liebe Albatross,

      vielen Dank für den wahnsinnig interessanten Bericht und die wunderschönen Fotos !!! :thumbsup: :8o: :thumbup: Ich muss da unbedingt auch mal hin!!! :good3:
      Das Ende war ja nicht so toll. Ich stelle mir das nicht gerade einfach vor, in Chile im Krankenhaus zu landen. Wie konntest du dich mit Ärzten und Pflegern verständigen ? Oh je, gut, dass das schon längst überstanden ist !
      Viele Grüße
      Seemaus
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      @Sterna paradisaea - wohl wahr, das geht sogar beim Müll-Rausbringen direkt vor der Haustür ;) Nach Patagonien würde es mich auch nach bereits 3 Reisen durchaus nochmal ziehen, nur dann eben eine Version für Fußkranke...

      Ja, die Plancius oder auch die kleinen Schiffe von Polar Quest sind da nicht schlecht!

      @Seemaus - das Ende hatte ich nicht so geplant, aber zum Glück war wegen Antarktis eine Rundum-Reiseversicherung Pflicht. Es waren alle äußerst hilfsbereit und ein paar Brocken Spanisch verstehe ich. Tornillos (Schrauben) und placas (Platten) habe ich gleich kapiert, nur das spanische Wort für Bettpfanne habe ich mich standhaft geweigert zu merken :laugh1:
      Viele Grüsse, Albatross
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      Ich habe diesen Bericht sehr genossen. Bis auf den etwas bitteren Schluss war es eine absolute Traumreise mit einem faszinierenden Vor- und Nachprogramm. :thumbsup: All die vielen Landschafts- und Natureindrücke sind sicher unvergesslich. Danke auch für die tollen Tierfotos! :clapping:

      Ich könnte mir glatt vorstellen, lieber ein Jahr nicht zu verreisen und das Geld für eine Antarktis-Fahrt mit einem kleinen Schiff zu sparen. Da müsste ich aber zu Hause Überzeugungsarbeit leisten und mich selbst würde auch der lange Flug schrecken.

      Viele Grüße
      Laminaria


      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.
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      @Laminaria - der Flug dauert natürlich noch etwas länger als einer nach Südostasien, aber es ist lang nicht so schlimm wie nach Neuseeland ;) Und wenn man schon in Südamerika ist, kann man auch noch anderes machen. Argentinien und Chile sind traumhaft schöne Länder, die im Norden Temperaturen haben, die auch deinem Mann gefallen könnten ;)
      Viele Grüsse, Albatross
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