Antarktis mit Vor- und Nachprogramm: MS Polar Star (12.01.- 29.01.2007)

    • 2007
    • Antarktis mit Vor- und Nachprogramm: MS Polar Star (12.01.- 29.01.2007)

      Es ist zwar schon eine ganze Weile her, aber vielleicht mag der eine oder andere mit mir auf eine virtuelle Expedition in die Antarktis gehen.

      Das Geschichte fing damit an, dass mein geplanter großer Südamerika-Urlaub 2006 vom Chef nicht genehmigt wurde. Ich war ziemlich gefrustet und suchte nach einer Alternative. Dabei stolperte ich über ein Wikinger-Angebot für Januar 2007: antarktische Halbinsel mit Iguazú als Vorprogramm zu einem ziemlich günstigen Preis (knapp über 6000 Euro). Das Ganze in Kleingruppe, d.h. 8 Personen plus Reiseleitung, dazu teilweise örtliche Guides. Weil mein Chef ein schlechtes Gewissen hatte, durfte ich den Großteil meines Jahresurlaubs ins neue Jahr mitnehmen und bekam für Januar/Februar mehrere Wochen genehmigt. Also buchte ich auch gleich noch eine Chile-Rundreise im Anschluss an die Antarktis .

      Erforderlich für die Reise war der Nachweis einer umfassenden Reise-Krankenversicherung und ein medizinischer Fragebogen, der war aber ein Witz. Letztlich wollten sie nur wissen, ob man halbwegs gesund war und mit leichter Unterstützung selbständig ins Zodiac steigen konnte ;) Weil Brasilien mit auf dem Reiseplan stand, durfte ich mir auch noch eine Gelbfieberimpfung abholen. Davon wollte dann zwar an der Grenze keiner was wissen, aber das Risiko, von den Brasilianern zwangsgeimpft zu werden, wollte ich nicht eingehen.
      Kleidungsmäßig erforderten die unterschiedlichen Klimazonen etwas Planung, letztendlich wurden es für die oberste Schicht eine ungefütterte, aber sehr robuste wasserdichte Jacke und eine gute Regenhose. Der Rest ging nach dem Zwiebelprinzip, alles so leicht wie möglich, doch zusammen warm- also Microfaser, Merino und Fleece, keine schwere Baumwolle. Statt Koffer nahm ich eine Planen-Reisetasche und als Handgepäck einen Tagesrucksack mit.

      Freitag, 12. Januar- Anreise

      Die große Reise startete nachmittags mit Spanair von Frankfurt. In Madrid mussten wir das Terminal wechseln und ziemlich weit laufen, die Umsteigezeit zum Iberia- Flug nach Buenos Aires war aber ausreichend. Diesen Flug habe ich nicht in guter Erinnerung, die Flugbegleiter waren arrogant und unfreundlich, sie schlossen nach einer Turbulenzen-Warnung alle WCs ab und legten sich dann fast alle schlafen. Die ganze Nacht rüttelten immer wieder Paxe vergeblich an den verschlossenen WCs, obwohl die Turbulenzen längst vorbei waren. Auch mit Getränken ging nie jemand herum, lediglich in der Galley ganz hinten standen ein paar Becher und Wasserflaschen. Ich habe Iberia seitdem gemieden...

      Samstag, 13. Januar- Buenos Aires


      Zur Morgendämmerung über Paraguay tauchten die Flugbegleiter wieder auf und die WCs wurden entsperrt. Ich zog Skiunterwäsche und Fleece aus, zippte die Trekkinghose ab und zog die Sandalen aus dem Handgepäck an, die Wanderstiefel kamen in einen Beutel. Kurz vor dem Ziel ging die Sonne auf, die Docks von Buenos Aires leuchteten golden. In Ezeiza landeten wir ohne Probleme, von den berüchtigten Scherwinden war nichts zu spüren.



      Als wir ausstiegen, war ich heilfroh, dass ich mich rechtzeitig umgezogen hatte, bei der Hitze traf einen fast der Schlag! Die Einreiseformalitäten zogen sich hin, doch irgendwann waren wir durch und konnten in den klimatisierten Kleinbus, der uns abholte. Wie üblich bei den frühen Landungen, konnten wir noch nicht ins Hotel, sondern bekamen eine Stadtrundfahrt.
      Unser erster Halt war am Friedhof von Recoleta. Das Grab von Evita ist natürlich Pflicht, mir gefallen aber die vielen anderen Grabmäler und Mausoleen deutlich besser. Leider fand ich die Zeit etwas knapp bemessen, man könnte dort viele Stunden verbringen.



      Der nächste Stop war die Plaza de Mayo mit den weißen Kopftuch-Markierungen, wo die die Madres noch immer jeden Donnerstag stumm ihre Runden drehen. Die Casa Rosada versteckte sich leider hinter einem Bauzaun, aber Cabildo und Rathaus zeigten sich in der Morgensonne.



      Wir besuchten noch die Kathedrale mit dem Mausoleum des Unabhängigkeitskämpfers San Martín, danach ging die Stadtrundfahrt weiter.



      Unser örtlicher Guide wies unterwegs auf eine Brücke über der Stadtautobahn hin, unter deren Fundamenten sich Folterkeller der Militärjunta befanden, von dort „verschwanden“ unzählige Menschen. Durch seine Banalität wirkte der Ort umso beklemmender.

      Der nächste Halt war Caminito mit den mit bunten Schiffsfarben gestrichenen Häuschen. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch 2003 wirkte alles schon deutlich kommerzialisierter, nur der Rio Riachuelo war noch immer eine Kloake und La Boca außerhalb des Caminito immer noch ein no- go- Gebiet. (2003 war eine Mitreisende mit dem lokalen Bus nach La Boca gefahren, weil sie als Maradona- Fan die Bombonera besuchen wollte. Auf dem Rückweg stolperte sie über einen noch warmen Ermordeten...)



      Unsere Stadtrundfahrt führte weiter über Puerto Madero zu unserem zentral an der Avenida de Mayo gelegenen Hotel. Das Castelar ist ein altehrwürdiges Haus, das dafür berühmt ist, dass der Dichter Federico Garcia Lorca in den 1930ern ein halbes Jahr dort wohnte. Die Hotellobby sah auch edel aus, unsere Zimmer allerdings gingen zum Hinterhof und waren stark renovierungsbedüftig. Dafür war die Lage ideal, sodass ich mich nach einer dringend notwendigen Duschpause zum Congreso und danach Richtung Avenida Corrientes aufmachte. Ich erstand einige Tango-CDs und stöberte durch die fantastischen Buchläden, wobei ich es bedauerte, dass ich allenfalls sehr rudimentäres Spanisch verstehe. Einer Neruda-Gesamtausgabe für wenige Pesos konnte ich aber doch nicht widerstehen.
      Am frühen Abend outeten wir uns als Touristen und gingen schon zum Abendessen (das obligatorische Bife de Chorizo), weil wir die 4 Stunden Zeitunterschied doch deutlich spürten. Auf dem Weg fielen mir im Geschäftsviertel immer wieder die krassen sozialen Gegensätze auf, die Karren der cartoneros (Altpapiersammler aus den Vorort-Slums) vor den Bankpalästen...



      PS- liebe Mods, könntet Ihr den falschen 2004-Tag vielleicht in 2007 umändern? Danke :thank_you:
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Super, @Albatross, die Südhalbkugel habe ich fast komplett verpasst in meinem langen Reiseleben und werde auch nicht mehr dorthin kommen, weder nach Südamerika noch in die Antarktis . Umso lieber folge ich dir auf deiner Reise, von der du mir ja schon begeistert erzählt hast. Nun wird sie bebildert. Freu mich! :thumbsup: :thumbsup:

      Viele Grüße

      omlia :)



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    • Albatross wrote:


      ...

      Freitag, 12. Januar- Anreise

      ... sie schlossen nach einer Turbulenzen-Warnung alle WCs ab und legten sich dann fast alle schlafen. Die ganze Nacht rüttelten immer wieder Paxe vergeblich an den verschlossenen WCs, obwohl die Turbulenzen längst vorbei waren. ...


      Gudrun, da war die Crew bestimmt überzeugt, die Turbulenzen halten noch an :whistling:
      Grüße
      Uwe
    • @MD800 - das mag gut sein, aber wenn man auf Sicherheit bedacht ist, sollte man auch Menschenansammlungen vor den Toiletten vermeiden und zumindest ein Schild anbringen. Viele dachten nämlich auch, die WCs seien besetzt und blieben lange vor der Tür stehen.
      @omlia - der Cono Sur war schon immer ein Traumreiseziel für mich, spätestens seit ich Bruce Chatwins "In Patagonien" in die Finger bekommen habe! Und zu Studizeiten war natürlich Galeanos "Die offenen Adern Lateinamerikas" Pflicht ;)

      Mods- danke für das fixe Umändern von 2004 auf 2007!
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Sonntag, 14.Januar- Iguazú auf brasilianischer Seite

      Wir mussten für unseren Morgenflug sehr zeitig aufstehen, zu früh für das Frühstück, aber immerhin waren im Hotel Kaffee und Kekse für uns bereitgestellt. Als wir im Transferbus sassen, ging über dem Bahnhof von Retiro gerade erst die Sonne auf. Über die Costanera, vorbei am Haus des Fischereiclubs, gelangten wir zum Stadtflughafen Aeroparque Jorge Newbery. Unser Flug nach Iguazú war (oh Wunder!) planmäßig. Gleich nach dem Start hatte man einen tollen Blick auf die die breite Schneise der Av. 9 de Julio mit dem Obelisken, und auch auf die Slums jenseits der Bahnlinie.



      Ich hatte einen Platz auf der rechten Seite und die Mündung des Rio de la Plata und lange Zeit den Rio Uruguay im Blick.



      Beim Landeanflug sah man schon die Gischt der Cataratas, denn der Flughafen auf argentinischer Seite liegt mitten im Wald nahe der Fälle. Die Temperaturen waren so heiß wie in Buenos Aires, nur kam dazu noch eine enorme Luftfeuchtigkeit. Man musste damit leben, dass immer alles nassgeschwitzt war.
      Wir wurden wieder von einem örtlichen Guide abgeholt, einem deutschstämmigen Brasilianer, der ein etwas altertümlich klingendes Bayrisch sprach und der recht unterhaltsam war. Bei seinen politischen Ansichten stellte man die Ohren allerdings lieber auf Durchzug...
      Der kleine Grenzverkehr zwischen Argentinien und Brasilien war unproblematisch, unser Guide kannte überall Amigos und wir pendelten ohne große Wartezeiten hin und her. Als erstes schauten wir uns die brasilianische Seite der Fälle von Iguazú an. Dort hat man den besten Überblick und kann die Größenordnungen ermessen, das Nachmittagslicht war dafür ideal.







      Danach besuchten wir den Parque das Aves, der viele einheimische Vögel zeigt, aber ziemlich ungepflegt wirkte.



      Gegen Abend fuhren wir zu unserem Hotel in Foz do Iguaçu, ebenfalls auf brasilianischer Seite. Die nicht besonders schöne Stadt wuchs enorm während des Baus des Itaipú-Staudamms. Am ersten Abend aßen wir im Hotel und mussten wegen der eiskalt eingestellten Klimaanlage alle zu den warmen Jacken greifen.
      Viele Grüsse, Albatross
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    • @lynghei @sternengucker - mir geht es eigentlich von den Temperaturen her wie euch, ich vertrage sowas schlecht. Buenos Aires war wie SW-Deutschland im Hochsommer und zum Glück eher trocken. Iguazú war heftig, aber die Fälle sind so spektakulär, dass ich die 2 Tage dort ausgehalten habe und danach wurde es ja kühler ;)
      Meiner Erinnerung halfen meine eigenen Fotos, Fotos bzw.ein Film Mitreisender sowie ein Logbuch vom Schiff auf die Sprünge.
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Albatross wrote:

      Ich habe Iberia seitdem gemieden...

      Unsere Erfahrungen mit Iberia-Langstrecke sind ähnlich, und wenn es geht vermeiden wir es ebenfalls. Strecken innerhalb Europas sind ok. Meine Mutter flog Ende der 70er mit Iberia nach Mexico und war total zufrieden - Superservice. Leider konnten sie das wohl nicht in die Neuzeit retten.
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    • @Kauderwelsch- in Iguazú hatten wir mit dem blauen Himmel echt Glück, auch am Folgetag gab es Regenbögen :love:
      @Arctica - kaum ein Jahr später bin ich mit LAN Chile nach Santiago geflogen, das war ein Unterschied wie Tag und Nacht! Da gingen sie die ganze Nacht mit Getränken durch den Flieger und die Klos wurden regelmäßig saubergemacht. Ganz abgesehen davon, dass auch das Essen und der Wein besser waren ;)


      Montag, 15. Januar- Iguazú auf argentinischer Seite

      Diesen Tag verbrachten wir komplett auf der argentinischen Seite der Fälle. Zuerst nahmen wir den Weg vom Besucherzentrum an der oberen Kante der Fälle entlang (circuito superior) , das Morgenlicht im Rücken.





      Danach gaben wir uns die Bootstour: mit einem umgebauten offenen Lastwagen zum Anleger, im Boot den Rio Iguazú runter, spätestens dann alles Wichtige wasserdicht evakuieren und unter der Gischt der San Martín- Fälle durch. Da man sowieso dauernd schwitzt, ist es bei über 30 Grad auch nicht schlimm, wenn man komplett nass wird :)



      Im Anschluss nahmen wir den unteren Weg (circuito inferior) und das Boot rüber auf die Isla San Martín, wo es (teilweise rutschige) Treppen zu einem Aussichtspunkt hochging. Die Insel war für mich das Schönste an Iguazú, man ist sozusagen mittendrin und es sind nicht so viele Leute dort!





      Die Pflanzenwelt ist ungeheuer üppig, vieles kennt man bei uns als Zimmerpflanze, nur wächst dort wie Unkraut, was wir mühsam hochpäppeln.



      An den Stellen mit den meisten Touristen sind oft die putzigen Coatis (Nasenbären). Man sollte sie keinesfalls füttern, denn sie sind enorm frech und durchwühlen Taschen und Rucksäcke (und beißen können sie auch). Die indigenen Guaraní halten sie als Haustiere, ebenso wie die 1,5m langen schwarzweißen Tegus (Echsen), die sich leider immer eilig vor uns ins Unterholz verkrümelten.



      Nach einer Pause im Besucherzentrum (was für ein Rummel!) nahmen wir nachmittags das Bähnchen zur Garganta del Diablo. Unterwegs sah man unzählige tropische Schmetterlinge, eine ganze Böschung war dicht an dicht voll mit Monarch-ähnlichen Faltern. Über Stege gelangte man zum Aussichtspunkt direkt über der Garganta del Diablo (Teufelsschlund). Der Kontrast zwischen dem flachen ruhigen Wasser und dem plötzlichen Absturz ist gewaltig.



      Am Abend gingen wir in Foz do Iguaçu in den „Biergarten“ zum Essen. Wir waren schon vorgewarnt und teilten uns je zu zweit eine Portion, die aber immer noch viiiiel zu groß war. Ein Freund des gerösteten Maniokmehls, das anscheinend in Brasilien zu fast jeder Mahlzeit gehört, werde ich sicher nie, alles andere schmeckte sehr gut. Zur Verdauung brauchte es einen Caipirinha :thumbup:

      Viele Grüsse, Albatross
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    • Boah! Bin ganz atemlos angesichts der ungeheuren Wassermassen. Tolle Fotos, ganz besonders gefallen mir Nr. 24/35/36!
      Dass eine Wasserfalldusche eine willkommene Abkühlung für euch war, kann ich gut verstehen. Mir ist es einmal sogar in Island so ergangen.
      An einem ungewöhnlich heißen Tag (etwa 25 Grad) waren wir froh über eine Dusche, als wir hinter dem Seljalandsfoss hergingen.


      Viele Grüße

      omlia :)


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    • @omlia - mich hat der einzelne Baum ganz oben am Wasserfall fasziniert! Die Fälle können durchaus auch mehr Wasser führen, es hatte im Oberlauf offenbar nicht geregnet, sonst wäre das Wasser nicht so klar gewesen.
      Am Seljalandsfoss musste ich bisher immer warme Klamotten und volle Regenmontur tragen ;)
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Albatross wrote:

      kaum ein Jahr später bin ich mit LAN Chile

      Ja, mit LAN waren wir auch total zufrieden und ebenso mit der brasilianischen TAM, die aber glaube ich mittlerweile mit LAN fusionierte. 2011 sind wir noch mit dem alten Jumbomodel von Lufthansa nach Buenos Aires geflogen, das war auch etwas grenzwertig, aber die Crew war ok.

      Die Iguazúfälle stehen bei mir auch noch auf der To-do-Liste, und das seit bald 60 Jahren, meine Mutter war Anfang der 60er da, sie besuchte eine Schweizer Freundin, die in Paraguay geboren wurde und zur gleichen Zeit in ihrem Geburtsland weilte. Ihr Flug ging übrigens damals von Zürich über Frankfurt - Rom - Madrid - Dakar - Recife - Sao Paulo - Buenos Aires, mit dem schönen Comet von Aerolineas Argentinas . Auf dem Weg von Asunción zum Flughafen verbaselte sie dann ihren Pass, er war nicht mehr aufzufinden. Die Aufregung am Flughafen war gross, sie musste nach Buenos Aires und in Paraguay gab es kein Schweizer Konsulat. Die Paraguayer schickten dann einen Sicherheitsbeamten mit nach Buenos Aires, damit sie dort duch die Passkontrolle kam. Viel später fand sich ihr Pass wieder, als die Freunde ihren Wagen verkaufen wollten, er war aus der Tasche gerutscht und zwischen den Sitzen abgetaucht.
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    • @Arctica - in den 60ern waren Flugreisen noch Abenteuer. Kaum vorstellbar, dass das heutzutage ohne Pass so klappen würde. Ich hatte immer den Eindruck, die Argentinier und die Chilenos sind noch bürokratischer als die Deutschen. Und wenn jemand typisch deutsch rumgemotzt hat, hat's gleich doppelt so lang gedauert :laugh1: Freundlichkeit hilft immer ;)
      Sao Paulo wäre nicht mein Wunsch-Umsteigflughafen... Mein Schwager wurde da mal zwangsgeimpft: die wollten beim Umsteigen von allen aus dem Flieger den Impfpass sehen und dann impften sie mit einer einzigen (!) Impfpistole alle durch, die keine Gelbfieberimpfung bzw. keinen Impfpass hatten :thumbdown:


      Dienstag, 16. Januar- Itaipú- Dreiländereck- Ushuaia

      Morgens stand ein Besuch in Itaipú an, zuerst ein Infofilm im Besucherzentrum und dann eine Bustour auf der Staumauer. Das Kraftwerk am Rio Paraná wurde von Paraguay und Brasilien gemeinsam gebaut und war bis zur Fertigstellung des 3-Schluchten-Staudamms das größte der Welt. Es war schon beeindruckend, aber ein Programmpunkt, den ich nicht zwingend gebraucht hätte .



      Anschließend machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Puerto Iguazú (argentinisches Eis essen :icecream: , das gehört zum weltbesten!) und zum Dreiländereck bei der Mündung des Rio Iguazú in den Paraná.



      Mittags ging es mit Umsteigen in Buenos Aires in den tiefen Süden nach Ushuaia. Dort erlebten wir am frühen Abend einen ordentlichen Temperaturschock- von tropischen 35+ Grad zu einstelligen Temperaturen und Sturm. Wir hatten einen Transfer ins Hotel Tolkeyen, etwas außerhalb am Beagle Kanal gelegen, Abendessen gab es ebenfalls im Hotel.

      Mittwoch, 17. Januar - Ushuaia, Beagle-Kanal

      Als wir morgens vor die Tür schauten, lag auf den Bergen Neuschnee.



      Nach dem Frühstück gingen wir zu Fuß die knapp 5 km in die Stadt, unser großes Gepäck sollte direkt zum Schiff gebracht werden. Unterwegs wurden wir immer wieder mal nassgeregnet und außerdem von unzähligen Hunden angebellt. Auf Höhe der Abzweigung zum Flughafen habe ich mich dauerhaft auf dem Gehweg verewigt: dort war frisch betoniert, aber nicht abgesperrt und kein Hinweisschild- mit einem Stiefel landete ich in der Pampe :whistling: Wenn man in Ushuaia auf den Boden schaut, sieht man öfters solche Schuh- oder auch Pfotenabdrücke...
      Am Malvinas- Denkmal hatten wir erstmals einen Blick auf den Hafen: dort lagen u.a. die Marco Polo, ein russischer Eisbrecher, die Mare Australis und dahinter schaute halb verdeckt unsere kleine Polar Star raus.



      Wir wärmten uns in der Chocolatería bei Kaffee bzw einem Submarino (heiße Milch, in der ein großes Stück hausgemachte Schokolade aufgelöst wird) auf, bevor wir dem Gefängnis (Museum) einen Besuch abstatteten.



      Dann war es Zeit, zum Schiff zu gehen. Die Polar Star hatte ihr Leben als Eisbrecher begonnen und wurde später für Expeditionszwecke umgebaut/ verlängert. Unsere 3er-Kabinen waren die mit den Bullaugen, sie lagen im originalen Teil des Schiffs und hatten stabile (Stock)-Betten. Unter den Betten waren fest schließende Schubladen, sodass man alles seefest verstauen konnte. Je zwei Kabinen teilten sich ein dazwischen liegendes Bad, man musste also immer 2 Türen abschließen und durfte vor allem nicht vergessen, auch die zur Nachbarkabine hinterher wieder aufzuschließen!



      Nachdem wir uns eingerichtet hatten, ging es zur Infoveranstaltung. Mit einem Glas Sekt für alle gab es die Vorstellungsrunden: Brücke und Maschinenraum waren in polnischer Hand, außerdem war ein norwegischer Seekadett an Bord, der auch Zodiac fuhr, die Seeleute waren Filipinos. Der Chefkoch war US-Südstaatler, die übrige Küchen- und Bar-Crew wiederum Filipinos. Das Expeditionsteam war international: Expeditionsleiter war ein Meeresbiologe aus Edinburgh, die anderen kamen aus England, Kanada, Australien, Deutschland und der Schiffsarzt war Kiwi.
      Auch die etwa 90 Paxe waren international, mit englischsprachigen in der Mehrheit. Damals konnte man in Ushuaia noch Last-Minute -Antarktis buchen und so waren auch 2 holländische Backpacker an Bord.
      Nach der Vorstellungsrunde wurde allen eingeschärft, stets eine Hand zum Festhalten freizuhalten, besonders wichtig, weil für die Drake Sturm vorhergesagt war. Entsprechend wurden auch allen des Doktors „happy pills“ oder Patches dringendst ans Herz gelegt.

      Zum Ablegen war ich draußen und erkundete danach das Schiff, das durch den Anbau etwas verwinkelt war. Die Polar Star hatte eine open bridge policy, man durfte also überall hin. Bei kniffligen Passagen gab es Einschränkungen, die vorher kommuniziert wurden und an die sich alle hielten. Noch bevor man sich richtig orientiert hatte, gab es auch schon den obligatorischen Safety drill.



      Danach war Dinner time. Das Essen war ausnahmslos ganz hervorragend, in der Regel sogenannte „Fusion“-Küche, d.h. ein westlich-asiatischer Mix. Die Hauptmahlzeiten gab es im Speisesaal und rund um die Uhr gab es Kaffee/ Tee in der Observation Lounge, dort nachmittags jeden Tag frischgebackene Kekse/ Kuchen. Ab 17 Uhr war dort auch Happy Hour, zu späterer Stunde gab es die Drinks an der Bar. Der Speisesaal war nicht schick, aber sehr seetauglich: Antirutschdecken, erhöhter Rand an den langen und festgeschraubten Tischen und im Gang/ ums Büffet Stangen an der Decke zum Festhalten.

      Nach dem Essen befanden wir uns noch immer im geschützten Beagle-Kanal. Als der Lotse von Bord ging, gingen wir in die Kabine: ups, Bullaugen mit Metallplatten verschlossen....Ich hatte angesichts der Vorhersage bereits sicherheitshalber Reisetabletten eingeworfen und legte nochmal nach. Damit schlief ich bestens.
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Albatross wrote:

      die Argentinier und die Chilenos sind noch bürokratischer

      Besonders die argentinos haben da so einen gewissen Ruf... :whistling:

      Albatross wrote:

      Sao Paulo wäre nicht mein Wunsch-Umsteigflughafen...

      Das war ein Direktflug (!) Frankfurt - Buenos Aires (da wird einem wieder klar, was der Unterschied zwischen Direkt- und Nonstop-Flug ist). Wir sind (zwangsmässig) bei unserem Flug nach Lima auch in Sao Paulo umgestiegen, war aber absolut problemlos.
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    • @Arctica - viele lernen den Unterschied zwischen Direkt- und Nonstop-Flug erst, wenn sie mal einen Direktflug mitgemacht haben :D
      Ja, die argentiischen Grenzkontrollen sind speziell ;) Einmal nahmen sie uns die Fahrzeuge auseinander, nur weil sie bolivianische Kennzeichen hatten, das andere Mal wurde der chilenische Busfahrer wegen einer Nichtigkeit abkassiert- das kostete jeweils Stunden. Dazu setzen sie im tiefsten Süden irgendeinen heimwehkranken jungen Kerl aus dem Norden hin, der dann ewig in irgendwelchen Kladden rumsucht und im Zeitlupentempo Buchstaben malt...
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Donnerstag, 18. Januar- Drake

      Beim Aufwachen stellte ich fest, dass ordentlich Bewegung im Schiff war (laut Logbuch Windstärke 8 und Wellen 6-9m, gelegentlich bis 13m). Mir ging es gut, ich schwankte Richtung Speisesaal, immer schön mit Festhalten. Vor dem Eingang stand eine und übergab sich in einen Papierkorb :puke: Drin war es ziemlich leer, alle Fenster waren mit Metallplatten verschlossen und die Haltestangen an der Decke waren definitiv nötig. Ich brachte mein Frühstück unfallfrei an den Tisch und fing an zu essen, als mein Gegenüber sich ziemlich plötzlich in seine Müslischüssel übergab :puke: Meine Nebensitzerin fing prompt auch an zu würgen :puke: Dann sagte jemand zu mir, „du wirst so grün im Gesicht“ <X und reichte mir einen trockenen Toast. Den habe ich brav gekaut und meine Gesichtsfarbe wurde wieder normal, nochmal gutgegangen :whistle3:
      An dem Tag waren sehr wenige Leute unterwegs, die meisten, die auf Ingwerpillen, Globuli, Seabands etc. vertraut hatten, lagen darnieder. Einige ließen sich reumütig doch noch die Chemie geben, die anderen litten in der Koje vor sich hin. Erschwerend kam hinzu, dass eine neue Lieferung Sykepose in Ushuaia ausgeblieben war und von der vorherigen ebenfalls stürmischen Fahrt kaum noch Restbestände übrig waren. Als Ersatz gab es Butterbrottüten, die nicht wirklich eine Alternative waren.

      Weil die Außendecks gesperrt waren, war mir der vormittägliche Vortrag (über Albatrosse) willkommen, viele Zuhörer waren es nicht.
      Beim Lunch waren noch immer sehr gelichtete Reihen zu verzeichnen. Ich schaute, dass mein Magen gefüllt blieb, war aber lieber etwas vorsichtig. Nachmittags gab es etwas besser besuchte Vorträge über Pinguine und über den Klimawandel. Das Rollen (die Polar Star hat keine Stabilisatoren) ließ auch etwas nach, sodass das oberste Deck hinten geöffnet wurde. Beim Abendessen hatte ich wieder meinen gewohnten Appetit.



      Freitag, 19. Januar- Drake

      In der Nacht hatten wir die antarktische Konvergenz überquert und die See war sehr viel ruhiger geworden. Beim Frühstück waren wieder alle Plätze besetzt. Der zweite Tag auf der Drake verging mit Vorträgen zu Robben und über Shackleton, einer Sicherheitseinweisung für die Zodiacs und mit Gummistiefelauswahl. Der Doktor hatte als Doktor nichts zu tun und jagte stattdessen mit Riesen-Tele die Seevögel. Wir anderen begnügten uns mangels passender Ausrüstung mit Schauen (ich hatte damals nur ein billiges Reisezoom, das ewig zum Fokussieren brauchte). Abends gab es wie jeden Tag verschiedene Filme zum Thema Natur und Antarktis .

      Samstag, 20. Januar- Argentine Islands, Petermann Island, Lemaire Channel

      Schon der erste morgendliche Blick zeigte Eisberge und das ganz typische antarktische Licht, die Wolken halb die Berge verdeckend und total faszinierend :love: Wir waren in der Antarktis angekommen, genauer, bei den Argentine Islands.



      Auf der Polar Star konnten immer alle Paxe gleichzeitig an Land, manchmal in 2 Gruppen an benachbarten Anlandestellen mit Tausch nach Halbzeit. Es gab übrigens keine Einheitsjacken, jeder trug seine eigene Kleidung, nur die Gummistiefel wurden gestellt. Die Regenhose kam über die Stiefel, damit bei den normalerweise nassen Landungen das Wasser nicht oben reinlaufen konnte, Rucksäcke trug man über der Schwimmweste.

      Zuerst machte sich das Expeditionsteam auf, um die Landepunkte zu inspizieren und ggf. mit Fähnchen Wege abzustecken. Dann durften wir endlich raus in die Zodiacs! Da es kaum Seegang gab, war das erste Einsteigen in die Zodiacs kein Problem. Wir wurden instruiert, beim Ein- und Aussteigen immer auf dem Gummiwulst entlang zu rutschen, um das Zodiac nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Salzränder auf dem Hinterteil hatte meine Regenhose danach für alle Zeiten ;)

      Ich war bei den Paxen, die zuerst Winter Island besuchten. Nach der nassen Anlandung wurden die Schwimmwesten in einem großen Sack eingesammelt und erst wieder zur Rückfahrt ausgegeben. Winter Island bekam seinen Namen, weil dort die britische Expedition 1934-35 überwinterte, ihre Hütte Wordie House ist heute ein historisches Monument. Die ersten Schritte auf antarktischem Boden erfüllten alle mit Ehrfurcht und ich staunte, wieviel Muscheln und Seetang doch zu sehen waren, das hatte ich nicht erwartet.



      Nach einer Stunde stiegen wir wieder in die Zodiacs und fuhren rüber nach Galindez Island. Dort befand sich seit 1954 die Faraday Station des British Antarctic Survey, wo erstmals das Ozonloch entdeckt und dokumentiert wurde. Nachdem die Briten die Station für ein symbolisches Pfund verkauft hatten, betreibt dort heute die Ukraine die Vernadsky-Station. Am Fahnenmast flatterte neben der ukrainischen Flagge auch der Union Jack, wie sich herausstellte, war HRH Princess Anne einen Tag vor uns dort gewesen.



      Wir bekamen eine sehr interessante Führung durch die Station, die in der berühmten Bar endete. Die Briten hatten von weiblichen Barbesuchern (in der Regel Mitarbeiterinnen von benachbarten Stationen) immer Bezahlung mit einem BH erbeten, und da hingen nun die kuriosesten Exemplare, weil die Damen sich natürlich einen Spass machten und besonders hässliche oder extragroße Teile mitbrachten :D Ein Plastik-Weihnachtsbaum stand auch noch rum... Ich erstand wie die meisten eine Postkarte und gab sie auf, in dem Bewusstsein, dass sie erst am Ende der Sommersaison mit dem Schiff wegkommen würde und dann über die Ukraine nach Deutschland reisen musste. Die Karte kam tatsächlich an, es dauerte aber Monate.



      Zurück auf der Polar Star gab es Mittagessen und, während wir das kurze Stück nach Petermann Island fuhren, auch den ersten Buckelwal-Alarm.
      Auf Petermann verteilten die 90 Paxe sich gut, es war ein 4 km langer Weg geflaggt, den man auf der Insel entlanggehen konnte. Am Anlandepunkt waren eine argentinische Schutzhütte, die Ruinen einer britischen Hütte und die Zelte von 3 Pinguinforschern, denn auf Petermann Island findet man alle 3 Pygoscelis-Arten (Bürstenschwanz-Pinguine): Eselspinguine, Adelie-Pinguine und Zügelpinguine, außerdem jede Menge Skuas.



      Wir gingen zuerst den geflaggten Weg, immer darauf bedacht, den Pinguinen nicht den Weg abzuschneiden, denn die mussten sich bergauf im sulzigen Schnee ziemlich mühen. Abwärts rodelten sie manchmal einfach auf dem Bauch herunter, sehr zum Vergnügen der Zuschauer;-)



      Am anderen Ende der Insel war eine kleine Bucht, in der sich Eisberge gefangen hatten, die unglaublich intensiv leuchteten.



      wird fortgesetzt...
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Fortsetzung Samstag, 20. Januar- Petermann Island

      Hinter dem eisfreien Bereich erhob sich eine dicke Gletscherschicht, und wer glaubte, dass Eis nur weiß oder bläulich sei, merkte, dass dem nicht so ist. Sobald Guano vorhanden ist, siedeln sich Schnee- und Kieselalgen an, die alles bunt färben.



      Auf dem Rückweg kamen wir nach den Eselspinguinen mit ihrem roten Schnabel (2000 Brutpaare) auch bei den Adelie-Pinguinen mit dem weißen Augenring (500 Brutpaare) vorbei. Beide Arten hatten Küken, die schön flauschig und pummelig und mitunter ziemlich verkleckert aussahen und auch schon mit den Flügeln schlugen und rumwatschelten.






      Zum Schluss gaben sich noch die Zügelpinguine die Ehre, die mit ihrem Kehlstreif wie englische Bobbies mit Helm aussehen. Die Skuas waren sehr aktiv und interessierten sich auch für die Zelte der Pinguinforscher ;) Im Größenvergleich sah man, dass sie fast gleich groß wie die Pinguine sind.



      Zurück auf dem Schiff gab es Abendessen und dann lichtete die Polar Star den Anker.



      Fortsetzung folgt...
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • Du hast beeindruckende Momente festgehalten. :thumbsup:
      Die Formen der Eisberge erinnern mich teilweise an Tiere. Zum Beispiel Bild 38 an einen Frosch oder das Letzte an einen Wal ;) . Interessant finde ich auch die bunten Farben der Eisberge wie auf Bild 1.
      Ich freue mich auf weitere Eindrücke.
      Lynghei