Sri Lanka und Südindien – Eine Asienreise im Vorfeld der Coronakrise – 25.01.-15.02.2020

    • Asien
    • Das Hotel sieht sehr ansprechend aus! Mit dem Spalt unter der Tür wäre es mir auch etwas anders geworden, gegen Krabbelgetier habe ich was ;)
      Ich hatte mich in Bhutan gewundert, warum die Stöpsel in den Waschbecken immer zu waren, bis ich einmal versehentlich einen offengelassen habe- so einen monströsen Tausendfüßler hatte ich noch nie gesehen, der da aus dem Abfluss kam...
      Viele Grüsse, Albatross
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    • @Albatross Oh wie schaurig. ;( Einen wichtigen Vorteil haben Schiffsreisen unbedingt - kein Krabbelzeug. Und im kühlen Norden ist man davon zum Glück auch nicht betroffen. :thumbup:

      Tag 17 – Von Kumbakonam über Thanjavur nach Tiruchirapalli – 10.02.2020

      Nach dem Frühstück machen wir uns früh auf den Weg zur 50 km entfernten Distriktshauptstadt Thanjavur. Unterwegs sehen wir Schülerinnen beim Morgenappell. Wieder fällt mir auf, dass alle die gleichen Affenschaukel-Frisuren tragen. Den Vorteil von Schuluniformen sehen ich ein, aber Einheitsfrisuren finde ich verstörend.



      Wie auf Busrundreisen üblich werden wir vom Reiseleiter während der Fahrt über die Highlights des Tages informiert. In Thanjavur befindet sich der Brihadeshwara-Tempel, der als der kunstgeschichtlich wertvollste Tempel Südindiens gilt. Er wurde im Jahre 1010 fertiggestellt und ist der älteste der drei Großen Tempel der Chola-Dynastie, von denen wir ja einen bereits am Vortag in Kumbakonam besucht haben. (UNESCO-Welterbe)

      Da die Anlage lange wegen Restaurierung geschlossen war und erst kürzlich wieder zugänglich wurde, ist mit einem großen Andrang Gläubiger zu rechnen. Daraus resultiert die Schwierigkeit, unsere Schuhe in der Nähe des Eingangs hinterlassen zu können. Über sein Handy nimmt unser Guide Kontakt zu Kollegen vor Ort auf und erkundigt sich nach der Situation. Leider bekommt er eine negative Antwort, was bedeutet, dass wir die Schuhe schon auf dem großen Parkplatz im Bus lassen und auf Tempelsocken eine viel befahrene Straße überqueren müssen.

      Leider haben wir nur je ein Paar Tempelsocken mitgenommen. Die konnten wir zwar im Strandhotel auf Sri Lanka einmal waschen lassen, aber nach mehrermaligem Benutzen in Indien sind sie inzwischen steif vor Schmutz. Während man in Moscheen immer auf Teppiche oder Pflasterungen tritt, geht man in Indien auch stets barfuß durch die Außenanlagen. Besonders viel Straßenstaub nehmen wir nun also bereits auf dem Parkplatz auf.

      Von hier aus sehen wir gut die zwei Tortürme (Gopurams) und den pyramidenförmigen Tempelturm (Vimana). Alle Bauten sind aus unzementierten Granitblöcken erbaut und größtenteils verputzt.



      Wir bewundern am ersten Gopuram wieder den Figurenreichtum der einzelnen Etagen.



      Der zweite Gopuram ist deutlich kleiner. Er imponiert mit riesigen Wächterfiguren und der Darstellung mythischer Erzählungen.



      Nachdem wir auch den zweiten Gopuram durchschritten haben, sehen wir vor uns eine nach allen Seiten offene Säulenhalle (Mandapam). Sie enrhebt sich über der größten Nandi-Figur Indiens. Klar ist also, dass wir es wieder mit einem Shiva-Tempel zu tun haben. Der Andrang ist groß, aber wir stürzen uns trotzdem alle ins Gewühl, um den Nandi einmal zu umrunden und dabei die schönen Deckenmalereien zu bewundern.



      Danach steigen wir zu einem der Heiligtümer im Tempel auf. Hier ist das Gedränge so groß, dass wir noch vor den Wächterfiguren umkehren. Die mit interessanten Malereien und Inschriften versehenen Decken können wir aber immerhin noch würdigen.



      Wir kommen zum Vimana, der als Höhepunkt der drawidischen Baukunst gilt. Ein Besuch des über zwei Etagen angelegten Hauptheiligtums ist möglich, soll aber wegen des Andrangs recht lange dauern. Einige unserer Gruppe, darunter auch mein Göga, stellen sich der Herausforderung. Ich scheue das Getümmel und bleibe mit ein paar Fauen lieber draußen. Wir bewundern die Fassade und sehen uns kleinere Schreine wie etwa den von Ganesha an. Dann ziehen wir uns in den Schatten vor dem Ausgang zurück.





      Immer wieder fallen uns kahlgeschorene indische Kinder, aber auch Erwachsene, mit Kreidebemalung auf. Uns war erklärt worden, dass es sich dabei um den Brauch handelt, seine Haupthaare dem Tempel zu spenden. Daraus werden dann Perücken gemacht.



      Als die Gruppe wieder vereint ist, trotten wir auf Tempelsocken den langen Weg zurück zum Bus.


      Fortsetzung folgt.


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    • Tag 17 – Von Thanjavur nach Tiruchirapalli – 10.02.2020 Fortsetzung

      Nach kurzer Fahrt gelangen wir zur Werkstatt eines Bronzegießers. Hier haben wir es wieder mit einem sehr alten Handwerk zu tun. Natürlich denken wir gleich an die Sammlung herrlicher Figuren, die wir im Nationalmuseum von Chennai bewundert haben.

      In der Werkstatt ist alles für uns vorbereitet, so dass wir die einzelnen Arbeitsschritte alle sehen können. Am Anfang steht die Arbeit des Wachsfiguren-Herstellers. Hier ist die meiste Kunstfertigkeit gefragt, denn er formt die später zu gießende Figur mit allen Feinheiten aus dem warmen, weichen Wachs.



      Fertige Wachsfiguren werden vorsichtig in feuchten Lehm eingebettet.



      In der prallen Sonne wird später die Form fest und gleichzeitig verflüssigt sich das Wachs und fließt durch eine Öffnung ab.

      Nun ist der Bronzegießer gefragt.



      Nachdem das Metall sich im Ofen verflüssigt hat, holt er es mit einer langen Zange heraus und gießt den Inhalt durch die Öffnung in die hohle Form. Schwer zu ertragen, dass diese Arbeit ohne Schutzkleidung und barfuß ausgeführt wird.



      An einem bereits erkalteten Objekt demonstriert der Handwerker uns das Zerschlagen der Form, legt so den Rohling frei und reinigt ihn in Wasser. Ein wenig Feinarbeit ist dann noch nötig bis zur fertigen Figur.

      Mein Göga hat mich an Schillers Lied von der Glocke erinnert. Wenn ich mir jetzt den Text anschaue, finde ich tatsächlich passende Zeilen für die beobachteten Arbeitsgänge:

      In die Erd’ ist’s aufgenommen,
      Glücklich ist die Form gefüllt,
      Wird’s auch schön zu Tage kommen,
      Daß es Fleiß und Kunst vergilt?



      Nun zerbrecht mir das Gebäude,
      Seine Absicht hat’s erfüllt,
      Daß sich Herz und Auge weide
      An dem wohlgelungnen Bild.



      Am Ende gehen wir noch durch die Verkaufsräume und manch einer von uns nimmt sich hier ein Andenken mit nach Hause.

      Inzwischen ist es Mittagszeit und wir steuern ein großes Hotel an, wo wir diesmal Zeit haben ausgiebig zu speisen.

      Danach ist der Weg nicht mehr weit nach Tiruchirapalli (kurz Trichy genannt). Im Sangam Hotel haben wir dann die Wahl, im Hotel zu bleiben oder einen weiteren Ausflug zu machen. Es ist angedacht, zur Festung Rock Fort hinauf zu steigen, die wir vom Bus aus schon sehen konnten.



      Von dort soll der Blick über die Stadt großartig sein. Wer nicht hochsteigen mag, kann solange unten die Einkaufsstraßen besuchen.

      Uns überkommt die Faulheit. Bei der Hitze einen Berg hoch? Lieber nicht! Wir bleiben im Hotel. Göga verschwindet im Pool und ich in der Hotelboutique.



      Ich hatte einige immerhin Knie bedeckende leichte Hosen mitgenommen, aber sowohl in Sri Lanka als auch in Indien kann man dergleichen nur im Badehotel tragen. Normale Jeans sind aber bei feuchter Hitze nicht zu empfehlen. Also hatte ich mir am Flughafen von Colombo schnell noch eine dieser billigen, luftig-lockeren Pumphosen besorgt, die man an vielen Touristen in diesen Breiten immer sehen kann. Mit der neuen Bluse aus dem Hotel fühle ich mich nun gewappnet für den kommenden Tag.



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    • Tag 19 – Tiruchirapalli –11.02.2020

      Bevor wir Tiruchirapalli (abgekürzt Trichy) wieder verlassen, fahren wir zu dem Highlight der Stadt, der Tempelstadt Srirangam.

      Tempelstädte sind eine Besonderheit Tamil Nadus. Es gibt sie nur hier. Im Idealfall besteht eine solche aus einem Heiligtum und sieben rechteckigen, konzentrischen Mauern. Die äußeren Mauern umschließen normale Wohnstraßen, die Bereiche zwischen den Inneren Mauern sind dem Tempelbetrieb zugehörig. Hier wohnen die Priester, werden Devotionalien verkauft und die Tempelwagen geparkt. Zwei zueinander senkrechte Achsen führen durch die Mauern hindurch. An dieser Stelle befinden sich Tempeltore (Gopurams). Die äußeren sind die zuletzt erbauten und in der Regel die höchsten.

      Sri Ranganathaswami ist der größte Vishnu-Tempel Indiens. Seine sieben Umfassungsmauern werden von 21 Gopurams gekrönt. Die meisten Bauten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Allerdings ist der 13 Etagen und 72 m hohe Gopuram erst 1987 auf alten Fundamenten errichtet worden. Als wir dem gewaltigen Turm näher kommen, sehen wir durch das Zoomobjektiv eine mythische Darstellung von Shiva im Schlangenbett.



      Wir gehen weiter zum zweiten Turm. Dort werden Kühe gefüttert und Blumenketten verkauft.



      Durch einen Pavillon hindurch kommen wir zum Gopuram der dritten Umfassungsmauer. Auch hier sehen wir Vishnu im Schlangenbett.



      Am Gopuram des vierten Rings wird alles verkauft, was man für das Opferritual, die Puja, benötigt: Blumen, Ketten, Kreide … Hier wird auch der Wagen für die Tempelfeste geparkt. Wir sehen, dass gerade Aufbauten für die Dekorationen errichtet werden. In einem kleinen Geschäft können wir unsere Schuhe lassen.



      Als wir den 4. Gopuram durchqueren, kommen wir auf einen Platz mit einem Pavillon und einer Säulenhalle (Mandapam). Sie sind mit bunten Figuren geschmückt.



      Plötzlich kommen aus dem Mandapam Männer mit großen Schirmen hervor. Kurz darauf werden ein Elefant und ein weißes Pferd auf den Platz geführt. Das Pferd steht dann seitwärts, der Elefant unter dem Dach. Ebenso wie die Priester trägt er auf seiner Stirn das Vishnu-Zeichen.



      Wir stellen uns neben eine der schönen Säulen und beobachten das Treiben eine Weile. Mit gellendem Schrei läuft ein Mann zum Ausgang. Er trägt einen Behälter mit gesegnetem Wasser auf dem Kopf und wird von zwei Begleitern gestützt. Offensichtlich befindet er sich in einer Art religiöser Extase.
      Wenig später trifft eine Gruppe amerikanischer Hare-Krishna-Jünger ein. Der Tempel enthält neben dem Vishnu-Heiligtum auch Schreine für seine Avatare. Zwei davon sind Krishna und Rama. Das erklärt die Anwesenheit der in Lachsfarben gekleideten Pilger.



      Unser Reiseleiter führt uns nun auf das Dach der Säulenhalle. Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf einige bunte Vimanas. Es ist drollig, direkt hinter den bunten Dachornamenten zu stehen, Offenbar haben sie erst kürzlich frische Farbe bekommen.



      Pferd und Elefant sind noch immer auf ihrem Platz. Plötzlich hören wir viele Salven lauter Böllerschüsse. Daraufhin füllt sich der Platz mit Menschen, viele davon sind Priester. Der ranghöchste von ihnen sitzt im Rollstuhl. Er und seine Entourage werden mit Elefant und Pferd unter der Säulenhalle hindurch in den Tempel geleitet.



      Nachdem wir genug gesehen haben, steigen wir wieder vom Dach herunter.


      Fortsetzung folgt.


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    • Tag 18 – Sri Raganathaswami Tempel – 11.02.2020 Fortsetzung

      Nachdem wir vom Dach herabgestiegen sind, dringen wir in das Gewirr des inneren Tempelbereichs vor, der aus vielen ineinender verschachtelten Hallen besteht. Hier sehen wir auch den Elefanten und das Pferd wieder. In Indien ist es inzwischen verboten, Elefanten zu fangen und zur Arbeit einzusetzten. Nur in Gefangenschaft geborene Tiere dürfen noch abgerichtet werden. Tempelelefanten sind etwas sehr Übliches. Gegen ein Entgelt segnen sie Tempelbesucher mit dem Rüssel. Diese Aktion darf verständlicherweise nicht fotografiert werden.

      Als nächstes gelangen wir zum Schrein des Garuda. Er ist halb Mensch, halb Adler und stellt das Reittier von Vishnu dar. Hier werden gerade viele Opferzeremonien verrichtet und so halten wir uns im Hintergrund.



      In dieser Halle sehen wir auch verschiedene Statuen von Königen der Dynastie, die den Tempel erbauen ließen.



      Ein besonders schöner Mandapam ist die 1000-Säulen-Halle mit ihren Granit-Reliefs und den Wand- und Deckenmalereien.



      In einer Nebenhalle werden vor einem Wandgemälde von Vishnu im Schlangenbett Spenden für den Tempel gesammelt. Wir sehen hauptsächlich Säcke mit Reis zur Armenspeisung.



      Wir kommen zum Parampada vaasal, dem Tor zum Himmel. Es wird nur einmal im Jahr zum Fest Vaikuntha Ekadashi geöffnet, wenn die Götterstatue aus dem Allerheiligsten in die 1000-Säulen-Halle getragen wird, um dort Gläubige zu segnen.



      Das verzierte Tor wird auf jeder Seite von bunten Götterstatuen flankiert. Auf beiden Seiten sind Vishnu mit seiner Frau Lakshmi und der oft grün dargestellte Affengott Hanuman mit Frau zu sehen.



      Hanuman ist eine beliebte Gottheit. Er gilt als Gefährte Ramas, eines Avatars Vishnus. An einer Säule sehen wir, dass ihm ein Opfer in Form von Butter und Blumen dargebracht wurde. Das geht auf eine Legende zurück, die besagt, dass Rama nach einem Kampf die Wunden Hanumans mit Butter bestrichen hat.



      Im vierten Innenhof kommen wir zum Sesharayar Mandapam. An den äußeren Monolithsäulen dieser Audienzhalle sind sich aufbäumende Pferde und Krieger im Kampf gegen wilde Tiere dargestellt. Ein absolut großartiger Anblick!



      Nach diesem Highlight machen wir uns auf den Rückweg und kommen dabei an einigen schönen Vimanas und Gopurams vorbei.



      Ich stelle fest, dass dies bislang mein Lieblingstempel ist, und erstehe beim Hinausgehen einen schönen Bildband.
      Endlich können wir dann auch unsere Schuhe wieder anziehen und uns im kühlen Bus mit Wasser erfrischen.


      Fortsetzung folgt.


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    • Ich wusste, dass es bei dem Klima eine Tempel-Marterstrecke werden würde und dass die Aufnahmefähigkeit vor Ort für mich deshalb begrenzt sein könnte. Deshalb ist ein wenig Vorbereitung ganz gut, denn man sieht nur, was man weiß. Manches habe ich aber einfach optisch auf mich wirken lassen und hatte dann später zu Hause beim Betrachten der Bilder oder nun beim Nachbereiten einen zusätzlichen Genuss. ;)

      Viele Grüße
      Laminaria


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    • Tag 18 – Von Tiruchirapalli nach Madurai – 11.02.2020 Fortsetzung

      Jetzt wurde es Zeit für ein Mittagessen und wir steuern unterwegs einen Schnellinbiss an. Ein einfaches Reisgericht und dazu Unmengen eines Colagetränks wecken die Lebensgeister.



      Nach 2 ½ Stunden Fahrt, halten wir bei einem kleinen Dorftempel und gehen dann auch weiter in das Dorf hinein.



      Zum dritten Mal werden wir Handwerkern bei der Arbeit zusehen, in diesem Fall geht es um Töpfer, die für uns zur Demonstration ihre Scheiben rotieren lassen



      Ich frage unseren Reiseleiter, ob dies auch eine Toilettenpause sei, denn mein reichliches Trinken rächt sich jetzt. Eigentlich sei das erst in einer Stunde geplant, aber er könne für mich nach einer privaten Toilette fragen. Eine junge Frau führt mich dann in einen Anbau ihres Hauses, der gleichzeitig als Waschküche dient. Mein Vorbehalt war unnötig. Es war die absolut sauberste Toilette, die ich in unterwegs in Indien gesehen habe.



      Es hat in Indien übrigens einen Vorstoß der Regierung gegeben, dass alle Häuser Toiletten haben sollten. Auf den kleinen, türkisfarbenen Verschlägen steht geschrieben, dass es sich um ein staatlich gefördertes Programm handelt.



      Hinter dem Töpfereigelände befindet sich ein weiterer kleiner Tempel. In seinem Schatten beobachten wir, wie eine Frau ein kompliziertes Mandala kreiert. Die weißen Linien entstehen, indem sie Kreidepulver aus der Hand rieseln lässt. Das erfordert bestimmt eine lange Übung.



      Zuletzt erstehen die meisten von uns ein paar kleine Tonfiguren – größere Krüge machen sich ja nicht so gut auf einer Flugreise. Dann schlendern wir zurück zum Bus.



      Eine Stunde später gibt es dann für alle eine biologische Pause und den Besuch eines Blumenmarktes. Das ergibt immer wieder schöne Motive.



      Gegen Abend erreichen wir schließlich das Regency Hotel in der Großstadt Madurai, wo wir für zwei Nächte bleiben werden.


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    • Es hilft, wenn man immer wieder den klimatisierten Bus und am Abend auch ein kühles Hotel als Refugium hat. Anderenfalls würde ich eine solche Reise niemals machen.
      Umgekehrt gilt es ja genauso: März auf der Hurtigrute - wenn man nicht wie ein Michelin-Männchen angezogen sein will, muss man sich im ganz hohen Norden zwischendurch immer mal im Schiff aufwärmen.
      Geht alles. ;)

      Viele Grüße
      Laminaria


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    • Tag 19 – Madurai – 12.02.2020

      Die Millionanstadt Madurai ist um den zentralen Sri-Minakshi-Sundareswara-Tempel herum errichtet worden. Die ältesten Teile stammen aus der Zeit des 12-13 Jahrhunderts, die heutige Form entstand im 16-17. Jahrhundert. Es handelt sich um den Höhepunkt der drawidischen Tempelbaukunst.

      Der Tempel hat täglich rund 10 000 Besucher. Die Priesterschaft, die den Tempel selbst verwaltet, hat zahlreiche Beschränkungen durchgesetzt:
      Taschen jeder Art sind verboten und müssen am Tor abgegeben werden.
      Das Fotografieren mit Kameras oder Smartphone ist verboten.
      Tempelsocken sind verboten; man muss barfuß gehen.
      Körperbedeckende Kleidung ist selbstverständlich geboten. Für Frauen ist ein Halstuch Pflicht.

      All das wird am Eingang kontrolliert. Man passiert eine Personenkontrolle wie am Flughafen. Da man ohnehin nichts mitnehmen kann, sind wir dem Rat des Reiseleiters gefolgt und haben alles im Bus in der Obhut des Fahrers gelassen.
      Da wir also auch kein Handy bei uns hatten, gibt es nicht einmal eine Außenaufnahme von einem der 12 Gopurams. Nun ja, an anderer Stelle haben wir ja vielleicht genug derartige Bilder gemacht.

      Am meisten sind uns ganz besonders schöne Säulenhallen in Erinnerung geblieben. Die beiden Hauptschreine dürfen ohnehin nur von Hindus betreten werden. In ihnen werden in erster Linie Shivas Gemahlin Parvati als Minakshi (die Fischäugige) und dann auch Shiva selbst als der Schöne (Sundareshwara) verehrt. Es handelt sich hier um die Verschmelzung der vorhinduistischen lokalen Göttin Minakshi mit der weiblichen Hauptgottheit der Hindus. Der Sage nach ist Madurai der Ort der Vermählung von Sundareshwara und Minakshi.

      Jeden Abend wird daher die Statue der Minakshi in einer feierlichen Prozession aus ihrem Schrein heraus und in den des Sundareshwara hinein getragen. Es ist geplant, dass unsere Gruppe am Abend wieder hierher kommt, um der Zeremonie beizuwohnen.

      Am Ausgang erwerbe ich ein paar Postkarten, damit auch dieser schöne Tempel später in meinem Fotoalbum dokumentiert werden kann.

      Unser zweites Ziel ist der Tirumalai-Nayak-Palast, der 1636 errichtet wurde. Von außen wirkt er eher unspektakulär.



      Im Inneren staunen wir aber umso mehr über die prachtvolle Ausgestaltung der Wände und Gewölbe, insbesondere im Thronsaal.



      Anschließend machen wir einen kurzen Fotostopp an der Tempelinsel.



      Der Rückweg zum Hotel führt uns an einem Zwiebelmarkt vorbei. Inder essen sehr gern scharf.



      Genau das tun wir dann auch im Hotel, wo ein kleines Mittagsbuffet aufgebaut ist.
      Den späten Nachmittag haben wir zur freien Verfügung, aber die Umgebung des Hotels lädt nicht zum Spazierengehen ein.

      Nach dem Abendessen begibt sich eine Koalition der Willigen zum Tempel, um das Zu-Bett-bringen der Minakshi zu erleben. Wir vermuten, dass wir sowieso hinter einer Menge von Gläubigen nicht viel sehen werden. Ich selbst habe auch keine Lust mehr, noch einmal barfuß zu laufen. Am nächsten Morgen erzählen die Mitreisenden aber, dass es keinen Andrang gegeben habe und sie in vorderster Reihe gestanden hätten. Eigentlich doch schade, dass wir nicht dabei waren!


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    • Tag 20 – Von Madurai an die Südspitze Indiens – 13.02.2020

      Am heutigen Tag gibt es keine Besichtigungen mehr, denn wir werden 300 Kilometer zurücklegen müssen, um das Hotel in der Backwater-Region Südindiens zu erreichen. Natürlich gibt es zwischendurch Pausen für uns und vor allen Dingen für den Busfahrer. An einem Obstmarkt sehen wir allerlei bunte Fahrzeuge.



      Je weiter wir nach Süden kommen, desto häufiger fallen uns katholische Kirchen in den Ortschaften auf. Wir befinden uns in dem früheren Missionsgebiet der Portugiesen.

      Am Nachmittag erreichen wir die Südspitze des indischen Subkontinents und überqueren kurz darauf in Richtung Westen die Grenze zum Bundesstaat Kerala. Hier beginnt der Bereich der Backwaters, der sich bis hinauf nach Mumbai erstreckt. Nun ist es nicht mehr weit zu unserem Ayurveda Resort Isola di Cocco auf Poovar Island.

      Das Hotel liegt in einer schönen Parkanlage umgeben von Wasserarmen, also eigentlich nicht richtig auf einer Insel. Die Klimaanlage im Zimmer funktioniert und die Ritze unter der Tür bekomme ich sicher auch noch abgedichtet. ;)



      Um 17 Uhr besteht die Möglichkeit, eine Bootsfahrt durch die Backwaters zu unternehmen. Eigentlich hatten wir uns darauf die ganze Reise über schon gefreut und in Gedanken daran auch einen vergleichbaren Ausflug in Sri Lanka durch die Mangroven damals für weniger wichtig gehalten und also nicht gebucht. Nun gewinnt abermals unsere Faulheit die Oberhand und wir bleiben einfach den Rest des Tages am Pool. Die angebotenen Ayurveda-Anwendungen reizen uns ebenfalls nicht.





      Tag 21 – Poovar Island
      – 14.02.2020

      Den nächsten Tag verbringen wir ebenfalls in faulenzender Weise und verlassen den Hotelbereich kaum.
      Auch das Mittagessen nehmen wir in unserem Restaurant ein. Wie vielfach in den Tropen ist es nach allen Seiten hin offen. Die Kühlung erfolgt durch große Ventilatoren über jedem Tisch. Große Netze sind um die Säulen herum gespannt und lassen nur zwei Durchgänge frei. Das ist eine Maßnahme gegen diebische Streifenhörnchen und Krähen. Die Tierchen haben aber herausgefunden, wo der Durchschlupf möglich ist. Mehrmals sehen wir, wie Krähen gezielt Tische anfliegen und Zuckertütchen schnappen. :D



      Der Meeresstrand ist zu Fuß nicht zu erreichen. Poovar Island ist durch einen Wasserarm vom eigentlichen Strand getrennt. Man kann sich mit einem Boot übersetzten lassen, aber es gibt dort keinerlei Schatten und das Baden ist ohnehin nicht gestattet. Die rote Fahne ist ständig oben.



      Schatten und Pool sind bei der Hitze hier im südlichen Kerala die Orte, wo wir uns beständig aufhalten.

      Meine Sehnsucht nach dem Hamburger Schmuddelwetter :thumbup: steigt ins Maßlose.


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    • Tag 22 – Von Thiruvananthapuram über Dubai nach Hamburg – 15.02.2020

      Beim Abendessen haben wir noch einmal die Geselligkeit in unserer kleinen Gruppe genossen und sind dann zeitig zu Bett gegangen. Der Heimflug startet früh um 4:30 vom Flughafen der Hauptstadt Keralas, Thiruvananthapuram (früher Trivandrum). Nach 3 Stunden Schlaf werden wir um 1 Uhr am Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht, wo wir uns von Reiseleiter und Busfahrer verabschieden.

      Auf dem Weg zu den Gates fällt mir vor den Rolltreppen eine eindrucksvolle Statue auf und ich mache davon noch schnell eine Aufnahme. Später schicke ich das Bild einem befreundeten Indologen mit der Frage, um was für eine Gottheit es sich da wohl handeln mag. Die Antwort lautet, es sei ein für Kerala typischer Kathakali-Tänzer und keine Statue sondern ein lebender Mensch. =O



      Zwei anstrengende Flüge in voll besetzten Maschinen liegen nun vor uns. Beim Zwischenstopp in Dubai sehen wir absolut keine ostasiatischen Reisegruppen mehr, dafür etliche westliche Leute mit Mundschutz.

      Pünktilich gegen 13 Uhr desselben Tages landen wir auf dem Hamburger Flughafen bei herrlich nasskaltem Wetter. ;) Ein Taxi bringt uns schnell zu unserem Schleswig-Holsteinischen Zuhause.

      ….......................

      Zu dieser Zeit Mitte Februar wird in Heinsberg Karneval gefeiert – mit den bekannten Folgen.

      Wir verbringen eine Woche später gemeinsam mit Kindern und Enkeln drei Tage in einer Ferienwohnung in Husum. Am 1. März feiern wir dann mit 30 Gästen unsere runden Geburtstage. Zu dem Zeitpunkt sind in Hamburg die ersten beiden Covid-19-Fälle dokumentiert, kein einziger in unserem Landkreis. Als die Fallzahl bei 35 liegt, besuchen wir mit etwas mulmigem Gefühl am 10 März noch eine Theatervorstellung, bevor das Haus 2 Tage später geschlossen wird. Diese Aktivitäten kommen uns nun vor wie aus einer anderen Zeit.

      Deshalb sind wir froh und dankbar, dass wir die anstrengende, aber doch wunderbare Reise nach Sri Lanka und Indien am Jahresbeginn noch unbeschwert haben genießen können.

      Wie aber ist es diesen beiden Ländern inzwischen ergangen?

      Sri Lanka hatte Ende Januar einen einzelnen Corona-Fall, dann nach einer Pause weitere Fälle Mitte März. Inzwischen hatte sich das Gesundheitssystem gut vorbereiten können und der Inselstaat ist bislang sehr glimpflich davon gekommen.

      Indien berichtete am 3. März von ersten Erkrankungen und am 24. März wurde der Lockdown verhängt. Tausende arbeitslose Arbeiter haben sich danach teilweise zu Fuß in ihre Dörfer aufgemacht, andere harren weiterhin ohne Versorgung in den Städten aus. Die Corona-Lage scheint sich gerade in den Städten etwas zu entspannen; hoffen wir das Beste!

      Für dieses Jahr waren bei uns keine weiteren Reisen geplant, allerdings hatten wir uns sehr auf den 2. sächsischen Stammtisch im April gefreut, der dann leider nicht zustande kommen konnte.
      Nun hoffen wir, dass wenigstens die Hochzeit unseres Sohnes im Juli an der Nordseeküste einigermaßen nach Plan stattfinden kann, wenn auch vermutlich mit Abstandsregelungen.

      Für Februar/März 2021 hatten wir schon 2019 eine Kreuzfahrt mit Mein Schiff 5 gebucht (Singapur, Malaysia, Thailand), aber nun halten wir derartige Kreuzfahrten eigentlich im nächsten Winter noch für ausgeschlossen. Es gibt Schlimmeres, die Gesundheit ist wichtiger!


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