Hoch hinaus über eine andere magische Linie - eine Rundreise durch Ecuador (18.06. - 15.07.2013)

    • 2013
    • Südamerika
    • Hoch hinaus über eine andere magische Linie - eine Rundreise durch Ecuador (18.06. - 15.07.2013)

      Bei der Durchsicht meiner Fotos und noch nicht aufbereiteter Reisen bin ich auf eine schon etwas länger zurückliegende gestoßen.
      Vielleicht hat ja der eine oder die andere von euch Lust, uns nachträglich zu begleiten. Zumindest für mich ist es eine gute Gelegenheit, mal für einige Zeit den Pickelvirus zu ignorieren
      ;)


      Wie alles begann

      Nachdem wir in den Vorjahren bereits zwei Gruppenreisen in Südamerika unternommen haben, möchten wir diesmal das abwechslungsreichste Land des Kontinents kennenlernen: Ecuador.
      Wir schauen uns die Angebote verschiedener Veranstalter an, aber die Reisen sind uns entweder zu kurz oder sie enthalten einen mit Segelboot-Ausflügen verbundenen Abstecher zu den Galapagos-Inseln.
      Letztere würden uns schon interessieren, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht im Segelboot <X – andere Angebote gibt es aber nicht zu buchen.

      Letztendlich finden wir im Internet das Angebot eines kleinen Reisebüros im Südosten Bayerns, das individuell zusammengestellte Reisen ab 2 Personen Gruppengröße anbietet. Wir lassen uns beraten und erhalten ein Angebot, das wir im Ping-Pong-Verfahren immer weiter verfeinern :) Hier wird ein neues Ziel ergänzt, dort ein Hotel geändert, und schließlich steht die Reiseplanung. Sogar unser Wunsch, eine bestimmte Nacht an einem bestimmten Ort zu verbringen und den Rest der Reise um diesen Fixpunkt herum zu planen, wird uns erfüllt :thumbup:
      Auch unserem Plan, die Hälfte der erlaubten 64 Kilo Gepäck pro Nase einem guten Zweck zuzuführen, wird entsprochen :D
      Wie es der Zufall will, hat eine Hilfsorganisation, die in Quito ein Kinderhaus betreibt, ihren Sitz nur wenige Kilometer von uns entfernt. So bekommen wir wenige Tage vor der Abreise zwei große Koffer mit Kleidung nach Hause gebracht. Diese wollen wir persönlich an ihrem Ziel abgeben (und einen gefüllten Koffer mit Waren für den Weihnachtsmarktstand wieder mit nach Deutschland zurücknehmen) ^^



      Dienstag, 18. Juni 2013 – Tag 1

      Anreise und Ankommen

      Heute heißt es früh aufstehen, denn wir müssen bereits kurz nach 4 Uhr am Flughafen sein || Der Taxifahrer ist etwas irritiert ob unseres großen Gepäcks, aber es passt zum Glück alles hinein :whistling:
      Das Aufgeben der Koffer geht schneller als erwartet, so dass wir um 5 Uhr bereits die Sicherheitskontrolle hinter uns haben und uns einen Kaffee gönnen können. Eine Stunde später geht es schon zum Gate zu einem kurzen Flug nach Amsterdam, wo wir nach etwas mehr als 2 Stunden Aufenthalt in unser Flugzeug steigen, das uns direkt nach Quito bringen wird :)
      Nach 4½ Stunden sind wir bereits dort (natürlich zuzüglich 7 Stunden Zeitverschiebung ;) ) und landen auf dem erst wenige Wochen zuvor eröffneten neuen Flughafen. Der alte, ursprünglich vor den Toren der Stadt angelegt, ist inzwischen von allen Seiten von neuen Stadtvierteln umgeben 8| Der neue liegt ein Tal weiter östlich. Dass dieses Tal auch als Nebelsenke berüchtigt ist, können wir zumindest an diesem Tag nicht bestätigen :pardon:

      Wir landen pünktlich und lassen die Einreiseprozedur über uns ergehen. Nach rund einer Stunde werden wir dann von unseren Guide begrüßt. Bevor wir den Flughafen verlassen, besorgen wir uns noch eine Flasche Wasser, denn die Fahrt zu unserem Hotel im Zentrum würde eine gute Stunde dauern :/
      Gegen 17 Uhr kommen wir dann endlich an und beziehen unser Zimmer. Wir schauen uns noch ein wenig in der Umgebung um, essen eine Kleinigkeit und liegen um 20 Uhr im Bett, ziemlich genau 24 Stunden nach dem Aufstehen :sleeping: :sleeping: :sleeping:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


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    • Juni 13 - da wart ihr genau zwischen unseren beiden Reisen 2012 und 2014. Bin gespannt wie es weiter geht :)
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !

    • @Arctica
      Ich habe mir die Festland-Ecuador-Teile deiner Berichte angeschaut und festgestellt, dass du das eine oder andere Foto in sehr ähnlicher Form wiederfinden wirst :D
      Interessanterweise haben wir an der einen oder anderen Stelle nahe gelegene Orte in der gleichen Gegend besucht, so dass du auch das eine oder andere Neue entdecken wirst ;)

      Dafür kamen mir fast alle Teile deiner Peru-Reise sehr bekannt vor.
      Bei diesem Foto kam mir sofort unser Besuch am gleichen Stand in den Sinn :whistling:



      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Oh klasse, auf die Reise bin ich gespannt! So weit nördlich bin ich nie gekommen, ich war immmer nur im Cono Sur (CL, AR, BOL)- aber der Reiseveranstalter sagt mir was- fängt mit S an und hört mit a auf, vermute ich ;)
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • Noschwefi wrote:

      Bei diesem Foto kam mir sofort unser Besuch am gleichen Stand in den Sinn

      HIHI - ja, da weiss ich wo das ist... :8o: Und die Farben lassen ja den Kameraverschluss schon automatisch klicken ;)
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
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    • Mittwoch, 19. Juni 2013 – Tag 2

      Von Brötchen, einer guten Stube und einem Heim

      Wir stellen uns zwar den Wecker auf 7:30 Uhr, sind aber bereits eine Stunde vorher frisch und munter :huh: Trotz der ungewohnten Höhe (wir befinden uns immerhin auf 2.800 Meter Seehöhe) haben wir gut geschlafen und erwarten sowohl das Frühstück als auch die ersten Eindrücke der Stadt :) Immerhin wurde die Altstadt bereits 1978 von der UNESCO in die weltweit erste Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen.
      Nach einem ausführlichen Frühstück verlassen wir gegen 8:30 Uhr das Hotel. Da das Wetter mitspielt, wollen wir uns zuerst einen Überblick verschaffen :search_1: Wir fahren daher auf den El Panecillo, den Brötchen-Hügel :mosking: Von einer Besteigung zu Fuß wird eh aus Sicherheitsgründen abgeraten, was uns einen guten Vorwand für die Autofahrt gibt :whistle3:
      Wir parken hinter der „Virgen de Quito“, einer 41 Meter hohen und aus 7000 Aluminiumteilen zusammengeschweißten Statue 8|



      Vom Fuße der Statue aus genießen wir den Ausblick gen Nordost :)



      Unmittelbar neben dem Fahnenmast können wir die Silhouette der Basilika ausmachen, die auch das nordöstliche Ende der Altstadt markiert. Rechts daneben sind unschwer die Hochhäuser der Neustadt zu erkennen. Noch ein Stückchen weiter rechts befindet sich unterhalb der Dunstglocke der Flughafen – die Nebelwarnung scheint doch nicht ganz unbegründet zu sein :hmm:

      Wir besteigen nun die Statue. Im Sockel finden wir zahlreiche Mariendarstellungen, passend zum Namen.



      Von der oberen Plattform aus haben wir eine grandiose Rundsicht. Hier können wir auch für wenige Augenblicke unseren ersten Vulkan erkennen ^^



      Nach einer guten Stunde vor Ort fahren wir in die Altstadt. Wir beginnen unseren Rundgang am Plaza Grande, der guten Stube von Quito :)



      Hier befindet sich ein kleiner Park, in dessen Mitte ein Heldenmonument für die gefallenen Märtyrer im Vorfeld der ersten Unabhängigkeitserklärung Ecuadors vom 10. August 1809 errichtet worden ist.
      Im Hintergrund sehen wir noch eine der ältesten Kirchen der Stadt, die Catédral, die wir anschließend auch von innen besichtigen.



      Wir nutzen die Gelegenheit, uns mit den Wachen vor dem Präsidentenpalast ablichten zu lassen, bevor wir uns im Kulturzentrum einen der typischen Innenhöfe anschauen.



      Wir laufen weiter zur Kirche San Francisco :locomotive:



      Auf dem Vorplatz holen wir uns an einem Stand einen kleinen Imbiss in Form eines leckeren Teilchens, das wir mit Sicht auf das „Brötchen“ verspeisen :cookie:



      Nach einem Blick auf die Kuppeln der Compania de Jesús besichtigen wir ausführlich das Museum des Convento de San Francisco.



      Um 15 Uhr sind wir im Kinderheim in einem Vorort von Quito verabredet. Hier gibt es keine Straßennamen, und so gestaltet sich die Anfahrt ein wenig problematisch :wacko1: Nachdem wir uns immer wieder telefonisch gemeldet haben, erhalten wir Anweisungen, mit deren Hilfe wir uns immer weiter nähern (am Lebensmittelgeschäft mit dem auffälligen Eingang rechts halten; am Kleintransporter ohne Räder links abbiegen; etc.) :/
      Schließlich haben wir es geschafft und können unsere Koffer abgeben. Einen lassen wir da (ebenso wie die Schokolade für die Kinder), den anderen nehmen wir leer wieder mit; schließlich brauchen wir auch Platz für unsere Andenken :whistling:
      Wir lassen uns das Konzept des Heims erklären und die Einrichtung zeigen. Wir erfahren, dass dies das einzige Heim in Quito ist, das sich um Jungen zwischen 12 und 18 Jahren kümmert, denn die übrigen Kinderheime setzen ihre männlichen Bewohner mit Beginn der Pubertät wieder auf die Straße ?( Wer mehr über die Arbeit vor Ort wissen will, kann sich hier weiter informieren.

      Nach 2 Stunden verlassen wir wieder das Heim, da wir sicherheitshalber noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder im Zentrum sein wollen :| Wir hinterlassen noch die Adresse unseres Hotels, in dem wir die Nacht vor dem Abflug verbringen werden, denn dorthin sollen wir den erneut gefüllten Koffer geliefert bekommen, den wir wieder zurück nach Deutschland nehmen wollen. Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für den deutschen Zoll haben wir im Vorfeld erhalten, daher sollte das kein Problem sein :)

      Wieder im Hotel angekommen essen wir zu Abend und merken anschließend, dass wir die Zeitumstellung noch nicht komplett geschafft haben. So verziehen wir uns wieder früh ins Bett, denn am nächsten Tag werden wir Quito verlassen und müssen daher erneut früh aufstehen ||
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Auch ich lasse mich gerne in dieses Land entführen ;) . Es ist schön, dass wir hier immer wieder mal virtuell auf Reisen gehen können in Länder/Gegenden, die wahrscheinlich in den seltensten Fällen in Natura, Life und in Farbe bereist werden können. Danke für diese Möglichkeit :)
      Grüße aus dem Rheinland

      Berichte sind in meinem Profil
    • Donnerstag, 20. Juni 2013 – Tag 3

      Von Figürchen und Kratern

      Auch heute sind wir bereits gegen 7 Uhr wach. Wir frühstücken, packen unsere Sachen und sind gegen 8:30 Uhr abfahrtsbereit :)
      Unser erstes Ziel für heute ist kilometermäßig gar nicht weit entfernt, aber durch den Berufsverkehr benötigen wir doch eine ¾ Stunde bis nach Calderón :|



      Es gibt eine ganz hübsche Kirche zu sehen, aber das ist nicht der Grund für unseren Halt. Hier im Ort gibt es eine lange Tradition, Guagas de Pan (Brotteig-Figuren) herzustellen. Ursprünglich dienten die Mazapán genannten Figuren als Grabbeigabe, um die Verstorbenen zu ehren. Heute werden sie meistens als Weihnachtsbaumschmuck verwendet ^^
      Wir haben die Gelegenheit, eine typische Werkstatt zu besichtigen, wo diese Figuren nach wie vor in Handarbeit hergestellt werden :yeah:



      Wir fahren weiter gen Norden und überqueren bald zum ersten Mal den Äquator; zuerst zu Fuß und anschließend noch einmal mit dem Auto :rolleyes:



      Nachdem wir Otavalo passiert haben, machen wir Mittagspause an einem Restaurant mit schöner Aussichtsterrasse.



      Frisch gestärkt fahren wir weiter bergauf bis in eine Höhe von rund 3.100 Meter. Hier steht eine kleine Bergwanderung auf dem Programm. Wir müssen rund 100 Höhenmeter überwinden, wobei wir die schöne Aussicht gerne als Grund für die Zwischenpausen nehmen :whistling:



      Dann haben wir es geschafft und wir stehen am Kraterrand oberhalb der Lagune Cuicocha :)



      Auch hier kommen uns die vielen Pflanzen sehr gelegen, denn unser Schnaufen kann ja unmöglich mit der Höhe zu tun haben :P



      Wir laufen auf einem kleinen Weg zu einem Aussichtspunkt, bevor wir wieder zum Auto zurückkehren.



      Die Wanderung hat uns hungrig gemacht. Daher legen wir in Cotacachi eine kleine Pause ein, um eine Bäckerei zu suchen :cookie:



      Auf dem Weg zurück zum Auto fallen uns die kreativen Mülltonnen auf – Recycling einmal anders :thumbup:



      Auf unserem weiteren Weg sehen wir viel Grün. Auffällig sind die Felder, die sich an allen Seiten die Hänge hochziehen – ebene Felder sucht man hier weitestgehend vergeblich.



      Wir passieren eine Mautstation. Die Preise sind hier – wie überall im Land – in US-Dollar angegeben. Ecuador gibt auch eigene Münzen und Scheine heraus, die allerdings international nicht akzeptiert werden. Daher müssen wir uns später, gegen Ende der Reise, unser Restgeld genau anschauen :huh:



      Die etwas verfälschten Farben einiger Fotos bzw. eventuelle Flecken und/oder Spiegelungen sind übrigens der Tatsache geschuldet, dass ich auch durch die geschlossene Scheibe fotografiert habe – aber das habt ihr euch sicher schon gedacht :pardon:
      Auffällig sind die modernen Kirchen, die in vielen Orten zu finden sind, so wie hier in Ibarra.



      Dies ist der letzte größere Ort für heute, jetzt können wir vermehrt die abwechslungsreiche Landschaft genießen :)



      Den ganzen Tag über hätten wir immer wieder den knapp 5.800 Meter hohen Cayambe sehen können, wenn er sich nicht ständig in Wolken gehüllt hätte. Im Laufe des Nachmittags ist er aber immer besser zu sehen :thumbsup:



      Gegen 17:30 Uhr erreichen wir den auf 3.000 Metern Höhe gelegenen Ort El Angel, wo wir uns noch ein paar Minuten die Beine vertreten :locomotive:
      Neben der neugotischen Iglesia Matriz von 1926 finden wir den „Parque de le Libertad“ mit wunderschön beschnittenen Zypressen ^^



      Nun geht es die nächsten 20 Minuten steil bergauf bis auf knapp 3.600 Meter Seehöhe. Hier, am Rande der „Reserva Ecologica El Angel“, werden wir die nächsten beiden Nächte in der Polylepis Lodge verbringen. Von der Aussichtsplattform aus können wir die Aussicht auf den Cayambe in den letzten Sonnenstrahlen genießen :8o: – kaum zu glauben dass der Gipfel noch einmal 2.000 Meter höher ist als unser Standpunkt.



      Wir sind die einzigen Gäste. Dies hat einerseits den Vorteil, dass es ausgesprochen ruhig ist. Der Nachteil ist allerdings, dass der Speisesaal nicht extra für uns geheizt wird :S Das Essen ist dennoch heiß, aber die Jacke zum Abendessen nicht ablegen zu können ist schon ein wenig befremdlich :thumbdown:
      Dafür ist es in unserem Zimmer bei der Rückkehr vom Abendessen recht warm – so ca. 35 Grad X/ Dies liegt daran, dass der gußeiserne Ofen uns beinahe rotglühend empfängt. Schließlich muss die Wärme ja die ganze Nacht halten :fie:
      Trotz 2 Grad Außentemperatur machen wir das Fenster ein paar Minuten lang auf, bis es im Raum wieder erträglich ist. In der Zeit können wir draußen den absolut sternenklaren Himmel genießen. Das liegt aber auch daran, dass es auf dem gesamten Gelände der Lodge nur eine einzige leuchtende Außenlaterne gibt :whistle3:
      Wir lesen noch ein wenig im Bett und lassen uns von den an der Decke tanzenden Schatten der Flammen im Ofen in den Schlaf geleiten :| || :sleeping:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


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    • Freitag, 21. Juni 2013 – Tag 4

      Ein Tag in der Natur mit seltsamen Gestalten

      Heute unternehmen wir zwei grundverschiedene Wanderungen im Naturschutzgebiet El Angel.
      Zuerst aber müssen wir uns aus dem Bett kämpfen. Die Temperatur im Zimmer beträgt knapp über 0 Grad :fie: Ich tappe zuerst zum Ofen, vor dem sich noch ein paar Scheite Holz befinden, die ich nach wenigen Minuten im Ofen verstaut und zum Brennen bekommen habe :) Zurück ins Bett zum Aufwärmen und schnell wieder aufstehen – ich habe vergessen die Badezimmertür zu öffnen :wacko1: Nach einer Viertelstunde im Bett ist die Temperatur in Kopfhöhe (beim Stehen, nicht im Bett) schon wieder annehmbar, und erstaunlicherweise ist das Wasser sogar warm 8| Als ich im Bad fertig bin, ist die Wärme auch bis in Betthöhe vorgedrungen :D

      Nach dem Frühstück fahren wir eine knappe halbe Stunde mit dem Auto auf einen kleinen Parkplatz in 3.900 Metern Höhe.
      Wir stehen in einer unwirklichen Welt namens Páramo (auf deutsch: schlechtes, baumfreies Land) :huh: Allerdings sehen wir außer einem Pfad und grün-braunem Gras nicht viel, denn wir stehen außerdem mitten in den Wolken :hmm: Da der Weg nicht zu verfehlen ist, folgen wir ihm trotzdem und erkennen bald schemenhafte Gestalten, die neben dem Weg stehen ?( Als sich der Nebel zwischendurch kurz hebt und wir genauer hinschauen, erkennen wir einige „Frailejones Gigantes“ :8o: Hierbei handelt es sich um Asterngewächse, die nur hier wachsen.



      Die Pflanzen werden bis zu 7 Meter hoch. Wir gehen näher heran und befühlen die Blätter. Mit geschlossenen Augen könnte man meinen, ein Kaninchen zu streicheln (abgesehen von der Temperatur natürlich), so dick und flauschig fühlen sie sich an 8|
      Wir laufen weiter und erreichen nach knapp einer Stunde die 4000-Meter-Marke und bald darauf den „Mirador El Moran“. Bei guten Wetter kann man von hier aus bis ins Amazonasbecken sehen, aber das ist uns heute nicht vergönnt :| Dennoch ist der Blick durch die Lücken in den vorbeiziehenden Wolken faszinierend.



      Auf dem Rückweg sehen wir ganze Felder mit den stillen Mönchen.



      Wieder zurück in der Lodge essen wir zu Mittag und ruhen uns ein wenig aus ||
      Gegen 15 Uhr brechen wir auf in eine ganz andere Welt.



      Wir erkunden einen verwunschenen Wald mit teilweise mehr als 1000 Jahre alten Polylepisbäumen, auch Papierbäume genannt ^^



      Zwischendurch entdecken wir in einer Lichtung vereinzelte Frailejones, einige sogar mit Blüten.



      Wir kehren wieder in den Wald zurück und können die Polylepisbäume unter lauter Bromelien und Flechten mehr erahnen als sehen :huh:



      Als wir uns die Bäume näher ansehen, wird bei einem Blick auf die abblätternde Rinde auch der Name „Papierbaum“ erklärbar :thumbup:



      Kurz vor Sonnenuntergang kehren wir wieder in unsere Lodge zurück.



      Unser Abendessen nehmen wir wieder im schönen, aber kalten Speisesaal ein :|
      Als wir anschließend unser Zimmer aufsuchen, wird gerade der Ofen eingeheizt. Sorgfältig werden die Holzscheite im Ofen aufgeschichtet und mit einer Brennpaste aus einem Plastikeimer bestrichen :thumbup: Statt die Reste aus dem Eimer herauszukratzen, wird selbiger zum Schluss verkehrt herum über den Holzstapel gestülpt und das ganze schnell angezündet, bevor wir reagieren können X/ ?( X/ Wir schauen uns etwas entgeistert an als der Angestellte verschwindet und anschließend noch einmal in den Prospekt. Dort steht wirklich Eco-Lodge, so wie wir es auch in Erinnerung haben :pardon: Wir vermuten einfach mal, dass dieses Wort in Ecuador eine andere Bedeutung hat als in Europa :dash:
      Der Kamin zieht bei der draußen herrschenden Kälte zum Glück gut ab, so dass wir von den abziehenden Dämpfen nichts mitbekommen. Die Natur freut sich sicher um so mehr :whistle3:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


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    • Aber doch besser, wenn der Eimer verbrannt wird - dann ist er wenigstens weg. Ich vermute mal, dass die Müllabfuhr nicht sonderlich ausgeprägt ist. Und selbst wenn, wäre er auf einer Deponie gelandet und hätte Jahrhunderte zum Verrotten gebraucht. Ok, statt Brennpaste hätte man Kienspäne zum Anfeuern nutzen sollen, dass wäre richtig Eco gewesen. ;)
      Es grüßt Capricorn :hut:

      7/11 RW // 3/12 NX // 7/12 FM/VE // 3/13 VE // 1/14 TF // 3/14 LO //
      7/14 NX // 4/16 FR // 3/18 VE // 7/19 FR

    • Ich bin platt, dass ihr die Höhe so gut weggesteckt habt! Nach so wenigen Tagen schon auf 3600m übernachten ist nicht ohne.
      Was für eine tolle Landschaft :love: Gelernt habe ich auch wieder was, ich kannte bislang nur polylepis rugulosa, die auf bis über 5000m wachsen und viel mickriger sind. Diese hier sind Prachtsexemplare!
      Die kalte Lodge kann ich mir lebhaft vorstellen, da war der Ofen schon Luxus ;)
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • @Albatross
      Wir haben es sehr ruhig angehen lassen, um uns gut akklimatisieren zu können.
      Dass wir nicht anfällig für die Höhenkrankheit sind, wussten wir zum Glück vorher schon (in Peru haben wir 2 Jahre zuvor bereits einen mehr als 5.000 Meter hohen Pass ohne Probleme überquert und auch einen kleinen Spaziergang auf der Passhöhe gut überstanden).

      Wir haben mit dem Reiseveranstalter über unsere Höhenerfahrungen gesprochen und gemeinsam festgelegt, dass 2 Nächte in Quito auf knapp 3000 Meter zur Eingewöhnung reichen müssten - und so war es dann auch :)
      Unsere Wanderung zum Aussichtspunkt bestand aus einem rund 2 Kilometer langen, nur leicht ansteigenden Weg und wir konnten uns die Zeit nehmen, die wir brauchten - der große Vorteil bei einer Reise in einer Kleinstgruppe ;)

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
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    • Samstag, 22. Juni 2013 – Tag 5

      Ein Tag der Märkte

      Der erste Tag nach der Sommersonnenwende beginnt wieder bei Temperaturen von knapp über 0 Grad. Ob das daran liegt, dass wir unsere nördlichste Übernachtung haben? An der nahen Grenze zu Kolumbien wird es wohl kaum liegen :hmm:
      Egal warum, der Morgen beginnt wie der Vortag mit Ofen anfeuern vor dem Aufstehen :S Nur der Extra-Abstecher zum Öffnen der Badezimmertür entfällt :whistling:

      Wir haben uns bereits um 7 Uhr zum Frühstück verabredet, da wir gut 2 Stunden Fahrtzeit bis zu unserem ersten Ziel haben, das (offiziell) von 6 bis 10 Uhr stattfindet.
      Dennoch nehmen wir uns noch ein wenig Zeit, um vor der Abfahrt die Stille und die Stimmung zu genießen :love:



      Wir folgen der gut ausgebauten Straße, die man auf dem Foto sehen kann. Da es trocken ist, lässt sie sich im Geländewagen auch abwärts gut befahren :/
      Nach rund einer Viertelstunde kommt wieder der Ort El Angel in Sicht.



      Die nächsten gut 1½ Stunden genießen wir wieder die vorbeiziehende Landschaft :rolleyes:



      Gegen 10 Uhr erreichen wir unser „nur“ noch auf 2.500 Meter Höhe gelegenes Ziel: Otavalo. Hier gibt es heute gleich zwei Märkte: den traditionellen Viehmarkt etwas außerhalb der Stadt und den größten Mercado Indigena in Ecuador, den „Big Poncho Business“ (benannt nach dem zentralen Veranstaltungsort, dem Plaza de los Ponchos).
      Wir kommen gerade rechtzeitig, um noch etwas vom Viehmarkt mitzubekommen :|



      Bauern aus der Umgebung treffen sich hier, um Tiere zu verkaufen oder zu tauschen.



      Für jede Tiergattung gibt es einen eigenen Bereich, die wir uns nacheinander anschauen :)
      Hühner und Hähne werden getrennt angeboten.



      Cuy, die südamerikanische Variante des Meerschweinchens, werden direkt aus einem großen Sack verkauft; entweder einzeln zum direkten Verzehr oder paarweise für die eigene Zucht.



      Der Erfrischungsstand Marke Eigenbau darf natürlich ebenfalls nicht fehlen :huh:



      Nach einer guten halben Stunde fahren wir weiter in die Innenstadt, wo wir uns durch den großen Markt schieben (lassen).
      Hier gibt es alles Mögliche zu kaufen, angefangen von typischen Touristenmitbringseln bis hin zu Gewürzen für die Einheimischen.



      Aber auch die Bäuerin, die ihre magere Ernte verkaufen möchte, findet noch einen Platz :thumbup:



      Was natürlich auch nicht fehlen darf, sind die Stände mit bunt gefärbter Alpacawolle und ihren Erzeugnissen :D



      Langsam wird es Zeit für eine Mittagspause :whistle3:



      Wir befinden uns mehr oder weniger zufällig am zentralen Park von Otavalo, an dem auch das sehenswerte „Museo de Tejidos El Obraje“ liegt, wo wir uns über die traditionellen Webarbeiten und die Wollherstellung informieren. Es liegt in einem Gebäude, das ehemals als „Fabrik“ diente, in der die Indigenas zu Kolonialzeiten mehr oder weniger als Zwangsarbeiterinnen ausgebeutet wurden :thumbdown:
      Vor dem Besuch des Museums stärken wir uns aber noch im museumseigenen Cafe :cookie:



      Heute bilden die Otavalenos eine wohlhabende und angesehene Kulturgemeinschaft, die ihre Produkte effektiv vermarktet.
      Nach dem Museumsbesuch schauen wir uns auf dem Weg zurück zum Auto noch eine Stunde lang auf dem Markt um. Dabei stellen wir fest, dass sogar die Straßenlaternen passend geschmückt worden sind 8|



      Nach wenigen Minuten Fahrt erreichen wir in einem Vorort Otavalos unser heutiges Domizil. Wir erhalten einen kleinen Bungalow mit Terrasse, die direkt in einen großen Garten übergeht. So können wir den Tag geruhsam (und mit einer Siesta bis zum Abendessen) ausklingen lassen :sleeping:
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


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    • Noschwefi wrote:

      (in Peru haben wir 2 Jahre zuvor bereits einen mehr als 5.000 Meter hohen Pass ohne Probleme überquert

      Wobei wir in Peru die Erfahrung machten, dass Mitreisende, die schon am Himalaya problemlos auf über 4000m waren, in Peru ziemliche Schwierigkeiten hatten. Ich denke, da kommt es etwas auf die Tagesform und die Luft an. Probleme hatten bei uns einige in Cusco, wo die Luft auch recht schlecht ist. GöGa hatte da z. B. etwas Probleme, in Ecuador ist er dann ohne Schwierigkeiten auf über 5000 gewesen. Natürlich muss man sich immer mit Bedacht bewegen. Wenn man z. B. mal bei einem Toilettenbesuch der letzte der Gruppe ist und schnell zum Bus düsen will, rächt sich das ganz schnell...
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
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