Zur Quarantäneüberbrückung ein Reisebericht von der Lofoten 24.03.15 - 05. 04. 15

    • B-K-B
    • KaFei wrote:


      In Trondheim sind sehr viele Norweger zugestiegen, die aufgrund des Schneechaos in Oslo und im Innland keine Flüge mehr auf die Lofoten und weitergehend bekommen haben. Da aber jetzt alle Kabinen belegt sind bleibt ihnen nur der untere Salon als Übernachtungsmöglichkeit. Die Schiffsmannschaft springt hier kurzerhand ein und versorgt alle mit Decken und Kopfkissen, der sonst recht spärlich besuchte Salon (ich glaube ich habe ihn diese Reise nur ein einziges Mal betreten) gleicht einem Schlafsaal einer Jugendherberge, aber die Stimmung ist gut und keiner lässt sich die Laune verderben. Man geht das Ganze recht gelassen an.



      Ja, diese Atmosphäre durch die Distanzreisenden ist auf diesem Schiff schon was ganz Besonderes. :lofoten2: Danke @KaFei !

      Was auch immer mit der MS Lofoten ab 2021 geschieht - aber dieses Erlebnis ist unwiederbringlich verloren, sobald sie aus dem Liniendienst geht... ;(
    • 3. Tag
      Freitag, 27. 03. 2015

      Gegen 06:00 lasse ich mich das erste mal auf der Nock blicken, es ist relativ windig und die aufgehende Sonne hat es schwer sich gegen die Wolken durchzusetzen.

      Als Uhrzeit für die Überquerung des Polarkreises habe ich 7:10 getippt, allerdings haben wir uns in Nesna knappe 20 Minuten Verspätung eingehandelt. So passieren wir die Insel Vikingen mit dem Polarkreisglobus um 7:28.



      Mit gut 20 Minuten Verspätung treffen wir die südgehende Hurtigrute MS Polarlys. Da sich auch der Halt in Ørnes um 20 Minuten verspäten wird bleibt genug Zeit für ein ausgiebiges Frühstück.



      Bei der Ankunft in Ørnes kreist über uns ein einsamer Seeadler .

      An der Küste und auf diversen Facebookgruppen hat sich bereits herumgesprochen, dass nun der Schornstein fertig lackiert ist, und die Lofoten wird zum Fotomodell, fast in Echtzeit kann man nun unseren Kurs verfolgen. Die erste Fotosession gibt es von einer auslaufenden Fähre in Ørnes .



      In Begleitung einer Schnellfähre und eines Fischerbootes verlassen wir den Hafen Richtung Bodø .
      Die im „Tagesbefehl“ angekündigte Polarkreiszeremonie wird auf morgen verlegt.



      Aufgrund des Wetters entscheide ich mich in Bodø für einen Besuch des Luftfahrtmuseums, von der Tour zum Saltstraumen rät der Reiseleiter ab, da wir genau zur Stauwasserzeit in Bodø liegen, und der Gezeitenstrom zu dieser Zeit nur ein kleines Bächlein ist.


      Pünktlich um 15:00 verlassen wir Bodø und setzen zur Überquerung des Vestfjords an.



      In Bodø sind 90 Personen zugestiegen. Zum einen liegt dieses noch an diversen Verkehrsausfällen im Südosten, außerdem beginnen die Osterferien und das Wochenende. Die Küche hat jetzt alle Hände voll zu tun, denn zusätzlich zu den Vorbereitungen für das Abendessen verlassen nun im Minutentakt Burger und Pommes die Küche.Einigen Passagieren bekommt die Überfahrt jedoch nicht, da der Wind auffrischt und uns der Vestfjord gut durchschaukelt. Dennoch erreichen wir pünkltich Stamsund und es wird im Schutze der gewaltigen Lofotenwand schnell ruhiger.
      Immer wieder interessant ist es, wie an dem engen Anleger mit den Gabelstaplern rangiert wird.Zum Entfernen der Gangway kommt hier allerdings kein Stapler zum Einsatz, sondern Muskelkraft.



      Erneut benötigt das Abendessen der ersten Sitzung mehr Zeit als geplant, jedoch beschleunigen einige heftige Wellen, die uns nach der Ausfahrt aus Stamsund treffen das Abräumen des Desserts ziemlich, es geht einiges an Tellern zu Bruch.So wird entschieden die zweite Sitzung während einer etwas verlängerten Liegezeit in Svolvær durchzuführen.
      Später steht noch die Durchfahrt durch den Raftsund an. Auf dem Achterdeck gibt es Fischbouletten und an der Bar kann ein Trollfjorddrink erworben werden. Letzterer ist auf der Lofoten ein Schwarztee mit einem ordentlichen Schluck Rum (reichlich 4cl). Da die Sicht aber gegen 0 Tendiert, man kann die Einfahrt zum Trollfjord nicht einmal erahnen, stehen außer einem einsam Fischfrikadellen bratenden Koch noch gerade einmal 3 Personen auf dem Außendeck. So fällt dementsprechend die Portion Fischbouletten sehr großzügig aus.

      Hier komme ich mit einem Norweger ins Gespräch, er ist bei der norwegischen Luftwaffe in Kristiansand stationiert und auf dem Weg nach Sortland in die Osterferien, allerdings verlief seine Heimfahrt alles andere als geplant, am Dienstagmittag nach Dienstschluss ist er per Bahn nach Oslo gefahren und wollte von dort aus Fliegen, allerdings wurde der Flughafen wetterbedingt geschlossen. So ist er in der Hoffnung mit der Hurtigrute fahren zu können mit der Bahn nach Trondheim gefahren, jedoch hatte der Zug eine zu große Verspätung und er hat die Lofoten nur noch ablegen sehen. So ist er dann mit der Nordlandsbahn nach Bodø gefahren und hat es so doch noch auf das Schiff geschafft.(Nur so zum Vergleich, sein Weg von Kristiansand nach Hause ist weiter als mein Weg aus dem Sauerland nach Kristiansand)Wir bauen den Trollfjorddrink mit eigenen Mitteln nach (entgegen anders lautender Behauptungen verfärben sich die roten Becher bei entsprechender Füllung doch nicht blau) und wärmen uns innerlich auf, bevor wir uns nach der Ausfahrt aus dem Raftsund verabschieden.
    • 5. Tag,Samstag, 28. 03. 2015

      “In the town where I was born
      Lived a man who sailed to sea
      And he told us of his life”




      Mit diesem Ohrwurm und 15 Minuten Verspätung legen wir um 7:00 in Harstad an. Seitdem wir die Lofoten verlassen haben, sind wir wieder im Winter angekommen, so liegt in Harstad noch einiges an Schnnee.
      Nach einem knapp 45 Minütigen Fotorundgang durch den Ort kommen wir pünktlich zum Schiff.



      Auch unser Reiseleiter hat die Liegezeit für eine Runde durch den Ort genutzt, allerdings in flotterem Tempo. Pünktlich um 8:00 legen wir ab, die südgehende MS Richard With kommt uns mit einer kleinen Verspätung entgegen. Mit einem Blick auf die Uhr und einem leichten Grinsen benutzt unser Kapitän das Typhon für eine anständige Begrüßung des Schiffes, als keine Reaktion von drüben kommt wird noch einmal kurz Signal gegeben und jetzt erfolgt eine Antwort.
      Soviel zu verboten



      Nach dem Ablegen und dem passieren von Trondenes Kirche bleibt genügend Zeit für ein ausgiebiges Frühstück.

      Heute mit Svele, anstelle von Lachs (gibt es immer im Wechsel, einen Tag am Buffet aufgeschnittener Lachs und einen Tag Sveler)



      Zwischen Harstad und Finnsnes wird auch die Polarkeistaufe nachgeholt, das Verschieben dieser hat sich gelohnt, da heute das Wetter wesentlich besser ist als gestern.Das Taufkommando bestehend aus Kong Njord, dem Kapitän, dem Rezeptionsleiter Snorre Pedersen, der ab heute auch als Zahlmeister tätig ist und dem Reiseleiter nimmt seine Arbeit sehr ernst, während es die Gewinnerin des „Polarkreisratens“ noch relativ leicht erwischt bekomme ich von Neptun und Snorre eine volle Ladung Eiswürfel verpasst (ich habe damit allerdings auch schon gerechnet).
      Besonders schlimm trifft es Roger, unseren Tischkellner, er wird vom Kapitän persönlich getauft, und Lofotenfahrer wissen was das heisst.



      Nach der Taufe bleibt noch zeit sich trockenzulegen, denn wir steuern bereits Finnsness an, die Liegezeit reicht aus um sich ein bisschen die Füße zu vertreten und das Schokomännchen, sowie Ottar von Lenvik abzulichten.



      Unter der Gisundbrücke hindurch lassen wir uns bei bestem Wetter von einer recht kräftigen Strömung durch den Rystraumen ziehen.Moschusochsen auf Ryøya,…… heute eher schüchtern.Zwischendurch musste ich das Sonnenbaden an Deck noch kurz für ein kleines Mittagessen unterbrechen. Das Plastikwasserproblem haben wir mittags mittlerweile in Abstimmung mit dem Restaurantpersonal „gelöst“Doch nun heisst es sich für den nächsten Landgang bereitmachen, denn wir können bereits die Eismeerkathedrale, eines der Wahrzeichen Tromsøs sehen,…



    • In Tromsø habe ich mir ein straffes Programm vorgenommen, so mache ich mich direkt nach dem Anlegen auf den Weg zur Talstation des Fjellheisen um auf dem Storsteinen, dem Hausberg Tromsøs einen Blick über die Stadt zu nehmen. Auf der bekannten Brücke ist jedoch Vorsicht angesagt, die Bürgersteige sind noch immer stark vereist.



      Währen in der Stadt die Sonne erste zaghafte Versuche unternimmt den Winter zu beenden ist hier oben noch richtig Winter, einige Skiläufer sind unterwegs und auch 3 Hundeschlittengespanne.



      Mit der letzten Gondel geht es wieder runter und mit einem Zwischenstop in der Eismeerkathedrale geht es dem nächsten Ziel entgegen.Bei einem Besuch in Tromsø darf ein Bier aus der Microbrauerei der Ølhallen nicht fehlen. Ein Bier mit dem Namen „One Night Stand“ landet in meinem Glas. Das in Kooperation mit der der Ægir Brauerei aus Flåm gebraute IPA ist so ziemlich der krasseste Gegensatz zu den „Einheitsbieren“ die man im Massenmarkt findet.



      Gegen 18:00 machen wir uns dann auf den Rückweg zum Schiff. Da auch das Nordkapbüffet in 2 Sitzungen stattfindet bleibt genug Zeit das Ablegen aus Tromsø zu genießen.





      Noch mehr genossen wird allerdings später am Buffet. Das schöne Wetter hat bei vielen Gästen für einen recht sportlichen Nachmittag gesorgt. So entspannt geht es dann auch am Buffet eher ruhig zu und ein Gedränge bleibt aus. Da kaum noch Distanzreisende an Bord sind, ist es in der 2. Sitzung etwas leerer im Restaurant und wir können uns problemlos in unserer „Mittagsrunde“ zusammensetzen. Da wir alle auf das Wasserpaket verzichtet haben, gönnen wir uns zum Essen die eine oder andere Flasche Wein. (Mit Tafelwasser aus der Karaffe, zum Wein ist diese ja hygienisch unbedenklich)



      Als die meisten Gäste bereits beim Dessert angekommen sind sorgt ein Nordlichtalarm für eine rekordverdächtige Leerung des Restaurants. Nach einer Zeit gehe ich zurück ins Restaurant um mir noch einen Tee zu holen, gerade ist der Koch, mit dem ich mich gestern im Raftsund beim Fischfrikadellen braten unterhalten habe, am Abräumen des Buffets. Er ruft mich zu sich und fragt mich, ob ich noch Appetit auf ein paar Reker habe Ich bekomme eine große Wasserfeste Papiertüte gefüllt mit Garnelen in die Hand gedrückt. Diese lasse ich mir später im „Wintergarten“ unter Nordlichtbescheinung schmecken.Das Nordlicht verstärkt sich noch während der Liegezeit in Skjervøy und bleibt uns noch bis fast Mitternacht in unterschiedlicher Stärke erhalten.

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    • KaFei wrote:

      Ich glaube aus dem Forum und vom Schiff aus,.....

      niemand



      Es gab eine Zeit vor dem Forum (ja ich weiß, schwer vorstellbar ;) ), da war ich mit meiner ersten Schwiegermutter im Mai 2003 das erste Mal mit Hurtigruten unterwegs. Und sie hat 5 Moschusochsen am Wassersaum gesehen. Sie war damals erstaunt, dass ich sie nicht gesehen habe. So gut wie sie dort standen und so groß sie seien. Ich war halt auf der anderen Seite des Schiffes mit einem Seeadler 'beschäftigt' ;)

      Danach die Reisen haben wir sie leider nicht mehr gesehen.
      Lynghei

    • @KaFei Dein Bericht ist ein besonderes Geschenk in diesen Zeiten. Dafür danke ich dir sehr. :flower: Außerdem verstehe ich immer mehr,warum die MS Lofoten so viele Liebhaber hat. Ich bin vor vielen Jahren nach einer Trekkingtour mit Zelt von Bergen nach Stamsund gefahren und landete in einer fensterlosen Kabine im Unterdeck. Der Kontrast war einfach zu groß, und ich habe die MS Lofoten seitdem gemieden. Leider, leider, und nun ist es zu spät!

      Viele Grüße

      omlia :)
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      6. Tag,
      29.03. 2015

      In Norwegen gehen die Uhren etwas anders,…heute stimmt das sogar, denn heute Nacht wurden die Uhren vorgestellt.

      Um etwas der verlorenen Zeit aufzuholen wurde unser Aufenthalt in Hammerfest verkürzt. Und wir sind bereits um 06:15 wieder unterwegs.
      Gegen 08:40 begegnen wir der südgehenden MS Trollfjord. Beide Kapitäne kennen sich gut, und so wird es etwas lauter, wir grüßen mit beiden Typhonen und kurz nach der Begegnung bekommt unser Kapitän ein Bild von uns auf sein Handy geschickt





      Mit uns „kämpfen“ sich 2 Fischerboote durch den immer stärker werdenden Wind Richtung Havøysund . An Deck werden bereits die Festmacherleinen vorbereitet, als wir, den Anleger schon in Sicht, scharf beidrehen und den Halt auslassen.



      Allerdings liegen wir jetzt auch wieder perfekt im Zeitplan Nach einem verfrühten Mittagessen legen überpünktlich in Honningsvåg an.
      Direkt nach dem Festmachen verlassen die Nordkapausflügler das Schiff. Ich verzichte auf den Ausflug (der Preis war 2015 noch nicht ganz so abgehoben, aber ich war 2011 schon bei fast gleichem Wetter am Kap) und sehe mir Honingsvåg an.



      Ach ja, es ist jetzt Sommerzeit ;)


      In einem der letzten Häfen haben wir mit unserem Anker erfolgreich geangelt, ein grobmaschiges Netz hat sich in den Fluken verfangen.



      Gut eine Stunde nach uns legt der Fischtrawler, den wir heute morgen vor Havøysund überholt haben in einem anderen Bereich des Hafens an.



      Durch das kristallklare Wasser kann man auf dem Grund des Hafenbeckens Königskrabben beobachten. Ein paar Angler haben sogar von einer Pier aus das ein oder andere Exemplar gefangen.



      Wir können nicht pünktlich ablegen, da der Bus der Nordkappausflügler 15 Minuten Verspätung hat. Um allen Eventualitäten zuvorzukommen hält der Bus fast direkt an der Gangway und keine 3 Minuten später heißt es auch schon „Leinen los“.
      Am Nordkapp soll es neblig gewesen seien und aufgrund des starken Windes konnten sich die Besucher des Globus sich dort kaum auf den Beinen halten.
      Der Wind erwischt uns auf recht schnell, als wir den schützenden Magerøyasund verlassen und wir haben zwischendurch an die 30° Schräglage, hier empfiehlt es sich Tassen und Gläser festzuhalten, da diese ein Eigenleben entwickeln und die Gegend jenseits des Tisches erkunden wollen. Der Besuch des Krabbenfischer vor Kjøllefjord fällt auf Grund des Windes aus.



      Während wir mit dem Nordkyn den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands passieren beginnt die erste Sitzung des Abendessens, heute ohne Weingläser und mit Crémesuppe. Das Essen der ersten Sitzung wird so gelegt, dass der Hauptgang im Bereich des Hafens von Mehamn vorgelegt werden kann. Bei der 2. Sitzung ist jedoch das ganze Können der Kellner gefragt, da wir zu dieser Zeit die ungeschützt über die Barentssee rollen. Aber auch dieses gelingt dem routinierten Personal.Nach dem letzten Hafen des Tages steht noch die Begegnung mit der Kong Harald auf dem Programm, diese lässt jedoch Berlevåg aus und schleicht sich heimlich und leise während unserer Liegezeit vorbei.