Zur Quarantäneüberbrückung ein Reisebericht von der Lofoten 24.03.15 - 05. 04. 15

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    • Zur Quarantäneüberbrückung ein Reisebericht von der Lofoten 24.03.15 - 05. 04. 15

      Da mit der Einstellung des Verkehrs und der derzeitigen Situation durch CoVid19 meine "Abschiedstour" mit der Lofoten ins Wasser fällt und ich zudem noch durch die Einstellung des Betriebes meiner Arbeitsstelle betroffen bin gibt es nun hier einen (fast) tagesaktuellen "Live" Bericht einer Tour mit der Lofoten in 2015

      Ich hoffe, dass ich damit einigen von euch die Wartezeit auf den Weiterbetrieb verschönern kann

      @Jobo bitte dann nach Ankunft in Bergen ins Archiv schubsen

      ,.... uuund los gehts

      24. März 2015

      Auftakt zur Wiederholungstat:

      Meine zweite Hurtigrutenreise startet am frühen Dienstagmorgen mit der Fahrt zum Flughafen Düsseldorf. Da ich sehr früh am Flughafen bin sind die regulären Sicherheitsschleusen noch nicht geöffnet, stattdessen geht es durch den neu eingerichteten „Nacktscanner“, da dieses System noch in der Testphase steckt werden ALLE Personen im Nachgang noch durch Sicherheitspersonal sehr gründlich (wirklich gründlich) abgetastet.
      So zieht sich die Prozedur doch fast um 30 Minuten hin, und als ich durch die Kontrolle gelangt bin werden auch die normalen Stationen geöffnet.
      Nach einem kurzen Flug mit einer anschließenden großen Rundfahrt auf Schiphol (25 Minuten in der Luft / 30 Minuten Rollen in Amsterdam) komme ich am Gate an, und kann 15 Minuten später am gleichen Gate das gleiche Flugzeug wieder besteigen, nur das Flugziel hat sich glücklicherweise geändert, es geht nach Bergen .
      Da der Flieger heute Morgen nur sehr spärlich gebucht ist, werden die Passagiere durch die Flugbegleiter auf alle Sitzreihen verteilt, jeder hat also auch in der kleinen Fokker 70 genug Platz.
      Nach gut 2 Stunden Flug setzen wir in Bergen auf, der uns vom Pilot versprochene Regen hat sich wohl verlaufen.
      Als ich nach dem Flug mein Handy einschalte habe ich einige entgangene Anrufe, auf dieser Nummer eigentlich ungewöhnlich; wie ich bald erfahre ist ein Flugzeug auf dem Weg nach Düsseldorf abgestürzt und zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine genaueren Informationen.

      Mit dem Flybussen fahre ich bis zur Haltestelle „Festplassen“, durch meinen letzten Aufenthalt in Bergen weiß ich ja jetzt welche Haltestelle und Steilstrecken ich mit dem Koffer meiden sollte.
      So komme ich recht entspannt und zügig am Terminal an, wo ich meinen in dem Schließfächern einschließen kann.

      Auch meine Jacke kann ich hier lassen, das Thermometer zeigt 15°C und Bergen zeigt sich mit seinem (für mich) üblichen Wetter, Sonnenschein.
      Während dieser Zeit tobt im Süden des Landes ein Schneesturm, der in der Gegend von Oslo und im Innland für einiges Chaos sorgt.



      Ich vertreibe mir die Zeit mit einem Spaziergang über Nordness und durch Bryggen um schließlich gegen 14:25 die Lofoten an der Spitze der Halbinsel Nordness in Empfang zu nehmen. Hier treffe ich auch auf die ersten Mitreisenden, wie sich herausstellen wird.




      Nach einem leckeren Mittagessen mache ich mich auf den Weg zum Check in. Recht zügig kann ich nach der Sicherheitseinweisung an Bord gehen.
      2 Matrosen sind gerade damit beschäftigt die Ankertaschen zu streichen, einer davon ist Mats, ihn kenne ich noch von meiner letzten Fahrt in 2011, auch er hat mich erkannt und wünscht mir eine schöne Tour.

      Recht bald kann ich meine Kabine beziehen, die 304 :D, als ich meinen Koffer ausräume dockt nebenan die schwimmende Tankstelle an und versorgt uns mit dem nötigen Brennstoff für die Reise.

      Auf dieser Tour wird das neue Konzept der Lofoten getestet, welches auf der nächsten Tour offiziell eingeführt wird. Daher gibt es auch nicht wie üblich das Bergen Büffet, sondern ein serviertes Abendessen mit vorgegebenen Plätzen.
      Da noch nicht alle Gäste der ersten Sitzung eingecheckt haben, aber auf diese gewartet wird verschiebt sich das Essen der 2. Sitzung auf 20:30. Zeitgleich findet die Informationsveranstaltung in der Bar statt. Da mir das Abendessen wichtiger ist, als Werbung für Wasserpakete und Ausflüge versäume ich diese.
      Es gibt ein 3 Gang Menü mit kaltem pochierten Lachs als Hauptgang und EINER einzigen kleinen Kartoffel als Sättigungsbeilage. Dem neuen Konzept entsprechend wird der Hauptgang auf Platten angerichtet und von den Kellnern vorgelegt.

      Nach dem Abendessen und einem Getränk in der Bar ist es auch schon fast an der Zeit für die Abfahrt.
      Gegen 22:05 werden die Leinen losgeworfen und wir fahren nach einer Drehung hinaus in das Lichtermeer von Askøy.

      Die Brücke durchfahren wir gegen 23:00 und danach geht es ins Bett.


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    • Nachtrag zum ersten Tag:

      Meine Reise fand in der schlimmsten Wasserkriese von Hurtigruten statt:

      Das Wasser, welches in allen Kabinen als Trinkwasser geeignet ist, und mit dem an Bord gekocht wird, aus dem der Kaffee und Tee zubereitet wird etc. darf aus "hygienischen" Gründen nicht im Restaurant als Tafelwasser ausgegeben werden. Als Großzügige Alternative bietet Hurtigruten ein Wasserpaket an. Hier gibt es je Mahlzeit eine formschöne Plastikflasche mit importiertem Wasser eines weltbekannten Getränkeproduzenten aus Atlanta, Georgia. Leider hat es Hurtigruten versäumt den Mitarbeitern eine einheitliche Begründung an die Hand zu geben. :whistling:


      Und nun einige Hardfacts:

      148 Passagiere an Bord, Ausgebucht bis auf eine für Distanpassagiere freigehaltene D2 Kabine

      Kapitän: Tor Amundsen
      Obersteuermann: Kurt Nærbø
      Zahlmeisterin: Siv-Randi Andersen
      Chef Maschinist: Kristian Arnesen
      Reiseleiter: Morten Sagen
      Restaurantleiterin: Gøril Kvalberg
    • 2. Tag, 25. 03. 2015
      Nach einer ruhigen Nacht entere ich mit einem Kaffee bewaffnet gegen 6:00 die backbordseitige Brückennock.
      Während wir auf den Hornelen zusteuern geht langsam die Sonne auf und zaubert ein warmes Farbenspiel an die sonst granitgrauen Felswände.

      Genau unterhalb der Meeresklippe begegnet uns planmäßig die südgehende MS Midnatsol. Nach 10 Seetagen und etlichen Begegnungen mit anderen Schiffen hält sich auf dem „Glaspalast“ die Begeisterung ziemlich in Grenzen, außer der Brückenbesatzung der Midnatsol nimmt niemand Notiz von uns, zumal aus bekannten Gründen am Hornelen in der Regel nicht mit dem Typhon gegrüsst wird.






      Nun aber erstmal zum Frühstück.
      Als Alleinreisender hat man hier gerne mal das Problem, dass man in der Zeit in der man sich am Buffet versorgt „abgeräumt“ wird und man mit bestücktem Teller vor seinem neu vergebenen Platz steht. Als Abhilfe lasse ich meine Kamera auf dem Tisch liegen, während ich mich am Buffet bediene.
      Abgesehen von hoch motivierten Kellnern bietet das Buffet eine hervorragende Auswahl an Aufschnitt, Käse, Müslis und Beigaben, frischem Obst, Joghurts und im Gegensatz zu anderen Schiffen (in dieser Zeit) gebeizten Lachs.
      Selbstverständlich darf auf gar keinen Fall Porridge fehlen (die erfahrenen Lofotenfahrer wissen mit Sicherheit warum)

      Während des Frühstücks legen wir kurz in Måløy an, die Gangway wird gar nicht erst angelegt, sondern nur 2 Paletten Fracht aufgenommen.
      Gut gestärkt verlassen wir den Hafen und steuern das Vestkapp an. Stadthavet hat allerdings noch nicht ausgeschlafen und zeigt sich von seiner aller ruhigsten Seite, 2011 habe ich das anders erlebt und bin mitsamt Sessel durch den Panoramasalon gewandert.



      Mit gemächlicher Fahrt (12 Knoten) und überpünktlich erreichen wir die Weltmetropole Torvik , der erste kurze Landgang ist hier möglich. Schon nach 15 Minuten geht es weiter.



      Vorbei an Ulsteinvik passieren wir im schönsten Sonnenschein schneebedeckte Berge und erreichen passend zum Mittagessen die Insel Hessa vor Ålesund . Da wir jedoch nicht am bekannten Hurtigrutenterminal anlegen, sondern zur Presterbrygga müssen, bekommen wir noch eine schöne Anfahrt auf Ålesund geboten.

      Da wir einen weiteren Weg zum Anleger haben und uns durch einige Fischer und Freizeitboote schlängeln müssen legen wir mit einer leichten Verspätung von 15 Minuten an. Leider wird zur Zeit der Weg zum Aksla renoviert und ein Aufstieg zum Aussichtspunkt fällt somit aus. Also ein „normaler Stadtbummel“.



      Im Hafen landen gerade einige Fischer ihren Fang an, für einige Mitreisende ist hier die erste Möglichkeit mal einen Seelachs in seiner eigentlichen Form zu sehen



      Gegen 15:00 heisst es Leinen Los und es geht weiter. Allerdings wird recht kurz nach dem Ablegen und dem Passieren der Ostspitze von Hessa die Maschine erst gedrosselt, dann gestoppt und schließlich ganz abgestellt. Auf der Brücke wird gerade telefoniert als der Reiseleiter die Situation aufklärt.
      Aufgrund des schönen Wetters und eines Zeitpuffers im Fahrplan werden wir uns eine halbe Stunde treiben lassen und versuchen von Deck aus ein paar Fische zu angeln.



      Auf Deck 3 werden alsbald die Köder ins Wasser gelassen, aber heute muss kein Fisch sein Leben lassen, wir gehen leer aus. Bald schon geht es weiter und wir verlassen in Begleitung eines deutschen Containerfeeders Ålesund .



      Während der Liegezeit und auch jetzt wurde an Bord fleissig gearbeitet und die Bemalung des Schornsteins fertiggestellt. Er erscheint nun wieder in den Reedereifarben der VDS von 1964.



      Am Frühen Abend steuern wir durch den Midfjorden auf Molde zu, welches wir im Sonnenuntergang erreichen.



      Nach einem 30 Minütigen Aufenthalt verlassen wir die Stadt des Jazz und der Rosen wieder und setzen Kurs auf den nächsten Hafen, Kristiansund .

      Auf dem Weg dorthin warten aber noch 2 wichtige Sachen, als erstes währe da die Begegnung mit der südgehenden MS Nordlys auf Höhe des Ölkomplexes Nyhamma und als zweites das Abendessen.





      Die zweite Sitzung des Abendessens verzögert sich um knapp eine Stunde, da die erste Sitzung noch immer läuft, es reibt noch ein bisschen mit dem neuen Servierkonzept. Dies bekommenn wir in der zweiten Sitzung auch zu spüren. Ich sitze an einem der Tische die zuletzt bedient werden und einige Tischkammeraden haben es nicht so mit der Pünktlichkeit zumal kommen sie vor lauter Tippen am Smartphone kaum zum Essen, was das Ganze noch zusätzlich in die Länge zieht.
      So bekommen wir den jetzt leider nur noch lauwarmen Hauptgang meistens erst wenn die ersten Tische bereits ihr Dessert gegessen haben. Normalerweise sind die Portionen ausreichend, aber auf dieser Tour wird sehr sparsam vorgelegt, als Sättigungsbeilage wieder einmal nur eine Einzige Kartoffel. Da fast alle anderen Tische bereits beim Dessert sind ist auch an Nachservice nicht mehr zu denken.

      Beim Essen boykottiere ich das Plastikwasser und gönne mir ein alkoholfreies Mack Freeze Bei der üblichen Frischluftdosis auf der Brückennock entdecke ich durch die Kamera einen ganz leichten grünen Schimmer am Himmel, welcher jedoch bald durch die Lichter von Kristiansund überdeckt wird.



      Nach dem Auslaufen aus Kristiansund dreht das spärliche Nordlicht aber noch ein wenig auf und wird gut sichtbar, eine Durchsage von der Brücke erfolgt allerdings nicht und so haben gerade einmal 3 Passagiere das erste Nordlicht der Reise mitbekommen.Nach diesen Eindrücken besuche ich noch die Indische Dusche (jenseits des Ganges) und horche an der Matratze.

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    • 3. Tag, 26. 03. 2015

      Passend zum Anlegen in Trondheim komme ich, natürlich mit Kaffeebecher bewaffnet, auf die Backbord Brückennock.
      Das Anlegen am hinteren Liegeplatz in Trondheim ist mit der Lofoten eine recht einfache Sache,…Man legt kurz „vorwärts“ mit der Steuerbordseite an und lässt den ersten Offizier an Land springen. Dieser zieht dann als Frühsport das Schiff an der Bugleine zurück zum hinteren Liegeplatz.



      Vor dem Frühstück vertrete ich mir im Hafengebiet noch ein wenig die Füße und schaue der MS Nordkapp beim Anlegen zu. Auf eine Besichtigung des Schiffes verzichte ich heute.



      Nach dem Frühstück erkunde ich auf eigene Faust die Stadt. Allerdings zieht sich nach einem vielversprechenden Morgen der Himmel immer mehr und mehr zu und der Wind frischt auf, daher keine Spiegelungen der Lagerhäuser an der Nidelva.



      Hier würde sich ein Überfall lohnen,…. In manchem Geldtransporter ist weniger Wert vorhanden



      Da es zunehmend kälter und windiger wird und auch die Stadt heute nicht wirklich erwachen will mache ich mich gegen 11 Uhr auf den Weg zum Hafen. Pünktlich um 12:00 legen wir ab und setzen unseren Weg nach Norden fort. Vorbei an Munkholmen passieren wir den Kreuzfahrer Black Watch von „Fred Olsen Cruise Lines“, einer der ersten Kreuzfahrer der Saison.
      Der 1972 in Helsinki gebaute Liner bietet Platz für 820 Passagiere und zählt somit noch zu den eher kleineren Schiffen die sich in der Sommersaison an Norwegens Küsten tummeln.



      Gegen 13:00 passieren wir die Nebelglocke von Røberg und verlassen den Trondheimsfjord. An einem schönen Fensterplatz lasse ich mir das Mittagessen schmecken, während wir den Leuchtturm von Agdenes passieren. Pünktlich gegen 14:30 wird er meist fotografierte Leuchtturm Norwegens, das Kjeungskjær Fyr noch einige weitere Male auf die Sensoren gebrannt.



      Als kleiner Bonus passieren wir trotz auffrischendem Wind den Stokksund .



      Pünktlich zum Abendessen der ersten Sitzung fahren wir auf die Folda und werden gemächlich geschaukelt. Erneut verschiebt sich die 2. Sitzung des Abendessens um ca. eine Stunde nach hinten. So können wir uns zwar kurz das Heck der Finnmarken ansehen, müssen jedoch schnell zurück an Bord um überhaupt noch eine Chance zu haben ins Restaurant zu kommen.



      Trotz Schildern an den Türen versuchen viele Besucher des Schiffes durch das Restaurant zu gehen. Um dieses zu Unterbinden werden die Türen kurzzeitig durch Restaurantpersonal bewacht, und schon bald verlassen wir Rørvik auch schon wieder.
      In Trondheim sind sehr viele Norweger zugestiegen, die aufgrund des Schneechaos in Oslo und im Innland keine Flüge mehr auf die Lofoten und weitergehend bekommen haben. Da aber jetzt alle Kabinen belegt sind bleibt ihnen nur der untere Salon als Übernachtungsmöglichkeit. Die Schiffsmannschaft springt hier kurzerhand ein und versorgt alle mit Decken und Kopfkissen, der sonst recht spärlich besuchte Salon (ich glaube ich habe ihn diese Reise nur ein einziges Mal betreten) gleicht einem Schlafsaal einer Jugendherberge, aber die Stimmung ist gut und keiner lässt sich die Laune verderben. Man geht das Ganze recht gelassen an.