Nimm mich mit Kapitän.....nach Nord-Finnland ins Eis - mit der MS Tavastland vom 28.2. bis 06.03.2020

    • 2020
    • Auch ich danke dir für die tollen Fotos und den erfrischenden Bericht und wünsche Euch noch eine traumhafte Tour.
      :lofoten2:
      Gruß
      Jürgen

      Kong Harald 2013 BGO-KKN
      Richard With 2015 BGO-KKN-BGO
      MS Lofoten 2017 BGO-KKN-BGO
      MS Lofoten 2019 BGO-KKN-BGO
    • Dienstag, 3.3.2020

      Die Sonne lachte durch unser Fenster. Draußen begann der normale Arbeitstag. Wir standen so gegen 06:30 Uhr auf und machten uns ganz gemütlich fertig. 07:30 Uhr, wie immer Frühstückszeit. Der Kapitän und wir waren die ersten im Speiseraum. Der Kapitän erzählte uns, dass die Temperatur in der Nacht auf -22 Grad gesunken war. So kalt hatte er es in diesem Winter noch nicht erlebt. Zur Frühstückszeit hatten wir -11 Grad. Wir fragten dann auch gleich, ob wir von Bord dürften. Das war natürlich kein Problem und da auch unser Kapitän an Land wollte, verabredeten wir uns sogar. Uwe, Eibo und ich packten uns warm ein und in Begleitung unseres Kapitäns verließen wir das Schiff. Das Wetter war einfach genial. Sonne pur und richtig kalt! So muss Winter sein!



      Der Kapitän erklärte uns wieder alles Wichtige. Es war spannend beim Be- und Entladen zuzusehen.





      Da das Wetter einfach unbeschreiblich schön war, wollten wir die Zeit an Land nutzen, um noch etwas zu Laufen. Nach ca. 1 ½ Stunden kehrten wir dann zum Schiff

      zurück.

      Die „Sampo“, ein alter Eisbrecher war mit Touristen an Bord gerade ausgelaufen. Aber laut Kapitän hätten wir sie sowieso nicht von Nahem betrachten dürfen. Die Finnen sind da wohl sehr streng und in bestimmte Bereiche darf man nun mal nicht. Wir fanden das auch gar nicht schlimm, denn von der Tavastland aus hatten wir die Sampo ja gut sehen können und auch fotografiert.



      Zurück auf dem Schiff freuten wir uns schon auf das Mittagessen. Es gab Reibekuchen mit Preiselbeeren, Reis mit gebratenem Fleisch und verschiedene Salate. Um 12:45 Uhr hieß es dann mal wieder Leinen los.



      Wir waren wieder auf der Brücke und haben die herrliche Fahrt genossen.
      Wir fuhren an dem Eisbrecher Urho vorbei.



      Der blaue Himmel, die Sonne, das Eis, alles strahlte so schön. Ich fand die vielen verschiedenen Blautöne enorm und konnte mich nicht satt sehen. Nach einer Stunde kamen wir in offenes Wasser. Ich wurde etwas traurig! Sollte es das jetzt gewesen sein?



      Aber kurze Zeit später hatten wir wieder Eis!

      Der Eisbrecher „Kontio“ lag in Sichtweite. Unser Kapitän nahm Kontakt auf. Für einen kurzen Moment konnten wir eine Robbe auf dem Eis entdecken. Aber für ein Foto hat es nicht gereicht, denn so schnell sie da war, war sie auch schon wieder weg.
      Wir passierten die Kontio.



      Sie blieb auf ihrer Position liegen, denn wir schafften es aus eigener Kraft durch das dünnere Eis. Dann war es Zeit sich mal wieder einen Kaffee zu gönnen. Offenes Wasser und Eispassagen wechselten sich ab.

      Von unserem Kapitän waren wir wirklich begeistert!! Er war immer sehr daran interessiert uns alles Neue mitzuteilen. Er hatte uns extra eine aktuelle Eiskarte ausgedruckt. Dann teilte er uns auch mit, dass wir Husum in Schweden nicht anlaufen würden. Also ging es auf dem direktem Wege zurück nach Lübeck.
      Die Brücke war für uns zu jeder Tages- und Nachtzeit offen. Wir hatten das Gefühl, dass man sich über unsere Anwesenheit freute. Natürlich verhielten wir uns ruhig und versuchten nicht zu stören.
      Nach dem Abendessen hielten wir uns im Salon auf und ließen den Abend ausklingen. Unser Mitreisender Uwe hat uns immer gut unterhalten. Es war immer sehr lustig mit ihm.
    • Danke Senja, für die tolle Beschreibung!
      Da blitzt ein klitzekleiner Gedanke im Kopf und sagt: hmmm, könnte ich mir auch vorstellen.

      Liebe Grüße aus Hamburg - esbat
      viele Grüße aus der schönsten Stadt - esbat

      Millionen träumen von der Unsterblichkeit - und wissen nichts mit dem Sonntagnachmittag anzufangen
      (Susan Ertz)
    • Weiterhin ein sehr schöner Bericht und beim Wetter hattet Ihr genau soviel Glück wie ich vor zwei Jahren... :thumbup:

      Also bei vier verschiedenen Eisbrecher Kontakten werde ich schon ein wenig neidisch, ich hatte auf meiner Reise nur zwei,
      wobei damals drei Eisbrecher mehr dort Oben unterwegs waren aber 2018 hatten die ja auch noch mehr zu tun... :/
      MfG aus dem Harz, Micha. :gr-cool:

    • Mittwoch, 4.3.2020

      Unsere Kammer hatte ja Aufstockbetten. Da ich die obere Etage gewählt hatte, konnte ich immer total gut aus dem Fenster sehen. An diesem Morgen war mir klar, dass wir nun endgültig das Eis hinter uns gelassen hatten. Wir waren mit 13,8 Knoten unterwegs und hatten leichte Schiffsbewegungen. Das Wetter hatte sich verschlechtert. Gestern noch Sonnenschein pur und heute war alles grau. Außerdem hatte auch noch Schneeregen eingesetzt.



      An den reinen Seetagen konnte man ja nicht allzu viel machen. Selbst eine Runde auf dem Deck fiel auf Grund des Wetters aus. Ich war nur kurz draußen.





      Nach dem Mittagessen war für 13:00 Uhr eine Übung für die Crew und die Passagiere angesagt.




      Alle waren pünktlich auf der Brücke erschienen. Der 2. Offizier rief jeden Namen auf, um zu kontrollieren, ob auch wirklich alle da waren. Auch wir wurden mit unserem Vornamen aufgerufen. Dann wurden gezielte Fragen gestellt was im Ernstfall zu tun wäre. Zum Schluss bekamen wir drei Passagiere einen roten Sack mit einem Überlebensanzug in die Hand gedrückt. Wir sollten den Anzug mal eben anprobieren.




      Das war gar nicht so einfach! Na ja, irgendwann hatten wir es dann geschafft.


      Dann noch zusätzlich eine Rettungsweste und irgendwie konnte ich mich dann überhaupt nicht mehr bewegen.




      Ich glaube für die Mannschaft war es eine amüsante Abwechslung. Ich war froh, als ich alles wieder ausziehen konnte. Damit war die Übung beendet und alle Crew-Mitglieder konnten an ihren Arbeitsplatz zurück. Der Kapitän blieb noch bei uns. Wir unterhielten uns noch ein wenig.
      Von 17:00 – 17:30 Uhr Abendessen. Nun war auch dieser Tag schon wieder fast vorbei. Bei einem Tee ließen wir den Tag im Salon noch einmal Revue passieren.
    • Senja wrote:

      Im Winter mit einem Frachtschiff ins Eis zu fahren reizte uns schon lange und so hatten wir uns vor zwei Jahren auf die Warteliste setzen lassen.


      Ich lese begeistert mit und fragte gerade meinen Göga, ob wir uns nicht auch auf die Warteliste setzten lassen sollten. Seine Antwort:
      "Gern, wenn ich auf der Warteliste bleiben darf."

      Nun bin ich gespannt auf eure weitern Erlebnisse. Danke für den schönen Bericht @Senja

      Viele Grüße
      Laminaria


      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.
    • Liebe @Senja,
      herzlichen Dank fürs mitnehmen. Eine ganz tolle Reise, und für uns eine super Ablenkung.
      Mußte lachen, das Alter verfolgt uns seit Wochen, erst Risikogruppe und nun auch hierfür sind wir natürlich zu alt. Nur gut, dass es immer wieder Mitglieder gibt,
      die uns an ihren grandiosen Erlebnissen teilhaben lassen
      Gerne mit euch auf der wunderbaren Tour.

      Liebe Grüße, Ricka
      es war eine :godtur: mit der Kong Harald
    • Donnerstag, 5.3.2020

      War denn wirklich schon Donnerstag? Die Zeit verging so schnell! Nach dem Frühstück fragten wir den Chef- Ingenieur, ob wir uns den Maschinenraum ansehen dürften. Für 10:30 Uhr hatten wir dann einen Termin ausgemacht. Ich war total gespannt.
      Zuerst wurde uns der Maschinen Kontrollraum gezeigt. Das war schon sehr imposant.

      Dann bekam jeder einen Ohrenschutz und wir betraten den Maschinenraum. Ich war angenehm überrascht, denn die Motorengeräusche

      waren nicht so laut wie ich vermutet hatte. Es gab viel zusehen.




      Wir gingen den ganzen Wellentunnel entlang (138 m). Vieles konnten wir nicht zuordnen aber alles wurde super erklärt. Eine Stunde waren wir im Maschinenraum.











      An dieser Stelle mal ein paar Informationen zu MS Tavastland:

      Länge 190,5 Meter

      Breite 26,5 Meter

      Max. Wasserverdrängung (Gewicht) 26188,75 Tonen

      Max. Geschwindigkeit 21 Knoten

      Zwei Hauptmaschinen, 2 x 9000 KW (2 x 12069 PS)

      Zwei Bugstrahlruder, 2 x 800 KW ( 2 x 1072 PS )

      Ein Heckstrahlruder, 800 KW ( 1 x 1073 PS )

      Zwei Anker, je 5,52 Tonnen

      Im Hafen Landstromanschluss

      Durchmesser einer Schiffsschraube 5,5 m

      Ein Ruderblatt 22,5 m²

      Es war einfach nur gigantisch das alles zu sehen.

      Wir fragten auch nach den Arbeitsbedingungen. Die schwedische Besatzung hat einen „Turn“ von 4 Wochen. Danach haben sie 4 Wochen frei und diese Zeit wird bezahlt. Bei den Filipinos sieht das etwas anders aus. Ihr „Turn" dauert 6 Monate. Also immer von Lübeck bis Kemi und zurück. Sieben Tage die Woche. Danach haben sie 3 Monate frei. Diese Zeit wird allerdings nicht bezahlt. Ich fand das etwas ungerecht aber alle waren mit dieser Variante zufrieden. Die Familienmitglieder zu Hause sind während des Turn`s
      Kranken versichert und das ist wichtig. Nach der freien Zeit müssen sie sich wieder neu bewerben. Es gibt keine Garantie wieder beschäftigt zu werden. Ganz schön hart!
      Beim Mittagessen hatten wir natürlich viel Gesprächsstoff!

      Das Wetter war an diesem Tag ganz schön. Kein Regen, etwas Sonne und ruhige See, sodass wir auch mal wieder länger an Deck verweilen konnten.
      Beim Nachmittags-Kaffee im Salon war jeder irgendwie in seine eigenen Gedanken versunken.

      Um 17:00 Uhr gab es unser letztes Abendessen. Erbsensuppe und danach Pfannkuchen mit Eis. Nach dem Essen waren wir drei nochmal auf der Brücke. Der letzte Abend war besonders schön, denn wir hatten einen ganz tollen Sonnenuntergang.

    • Senja wrote:

      Nach der freien Zeit müssen sie sich wieder neu bewerben. Es gibt keine Garantie wieder beschäftigt zu werden. Ganz schön hart!

      Das gilt auch für die phillippinischen Arbeitskräfte auf Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffen.
      In der Regel können sie nach der Pause wieder an Bord (alleine schon weil sie nicht mehr eingearbeitet werden müssen), haben aber kein Anrecht darauf.

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2: