Reaktionen des Unternehmens Hurtigruten auf SARS-CoV-2

  • Der Knackpunkt in der Darlehensdebatte ist, dass SOF in seinem Regelwerk vorsieht, dass ausgezahlte Darlehen für den Fonds bei Rückzahlung einen Gewinn generieren müssen, wogegen im Fall Hurtigruten neben Senterpartiet und Norsk Sjømannsforbundet nun auch die Arbeiterpartei als größte im Storting vertretene Partei angeht.

    Insgesamt verursacht der Schiffsbetrieb alleine pro Jahr bis zu 2,5 Milliarden Kronen an Betriebskosten, sodass nach Abzug der Subvention durch den Staatsvertrag am Ende des Jahres ein Verlust von 1,4 Milliarden Kronen entstehen könnte, wenn die Reederei ihren vertraglichen Pflichten voll nachkommt.

    Es geht aber nicht nur um den Schiffsbetrieb und Reedereinnahmen durch Personen- und Gütertransport sowie Tourismus, sondern auch um die von der Hurtigruteneinstellung betroffenen Unternehmen besonders in Nordnorwegen. Daruf wies John Hansen Rune Saltnes, Vorstand in Nord Norges Dampskipsekspeditørers Forbund, der Interessenvertretung der Hurtigrutenexpediteure längs der Küste, heute in einem Kommentar hin. Neben den Folgen für den Tourismus und den Gütertransport selbst sieht er auch einzelne Häfen, deren Hauptkunde Hurtigruten ist, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht und nennt als Beispiele Ørnes , Nesna und Brønnøysund , wo die Dampfschiffsexpeditionen im Prinzip geschlossen seien und kein nennenswerter Frachtumschlag mehr stattfinde. Lokale Betriebe hätten die Planbarkeit ihrer Transportanbindung verloren und sähen sich gezwungen, mehr Güter auf die Straße zu geben, was in krassem Widerspruch zur Regierungspolitik, mehr Gütertransport von der Straße auf See zu verlagern, stehe. Dem Staat gingen ohne Hurtigruten große Mengen Steuereinnahmen verloren und letztendlich stehe die Überlebensfähigkeit vieler Gemeinden im Norden ohne die planbare Infrastruktur, die Hurtigruten mit gut 2000 monatlichen Anläufen biete, in Frage, so Saltnes. Dass Hurtigruten nun um Darlehen bitte, gehe letztendlich auf die Krisenmaßnahmen der Regierung zur Coronabekämpfung zurück, die zur Einstellung des Liniendienstes geführt habe. Um die Zukunft nicht nur von Hurtigruten als solchem, sondern von Hurtigruten als wichtigem Garanten für die Wirtschaft in Nordnorwegen und damit einen ganzen Landesteil sicherzustellen, müsse der Staat nun auch handeln und Hurtigruten stützen - und schließlich, so Saltnes, habe Hurtigruten um ein Darlehen gebeten, nicht um ein Almosen.
    Takk for oss

    BRITANNICUS :)
  • Nachdem sich inzwischen doch einige Bewegungen ergeben haben, hier der aktuelle Stand wo sich welches Schiff aktuell befindet (Stand 10.Mai - 9:00 Uhr):

    KONG HARALD: Sortland
    LOFOTEN: Hammerfest
    NORDKAPP: Ålesund
    NORDLYS: Ålesund
    NORDNORGE: Hammerfest
    POLARLYS: Sortland
    RICHARD WITH: unterwegs in Nordnorge
    VESTERÅLEN: unterwegs in Nordnorge

    FINNMARKEN: Trondheim
    MIDNATSOL: Molde
    SPITSBERGEN: Fiskarstrand
    TROLLFJORD: Ramfjord

    FRAM: Fiskarstrand
    FRIDTJOF NANSEN: Ulsteinvik
    ROALD AMUNDSEN: Atlantik (westlich der Azoren)

    NORDSTJERNEN: Kopervik
    Gruß Jobo,

    Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
    - Alexander von Humboldt -

    (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)

  • Salamitaktik?

    In einer Stellungnahme gegenüber der Presse hat Hurtigruten-Konzernchef Daniel Skjeldam sich erfreut über die Unterstützung einzelner Parteien im Storting und der Arbeitnehmerverbände in der Auseinandersetzung um Darlehen unter den Bedingungen von Statens obligasjonsfonds (SOF) sowie zu den Bedingungen für eine Wiederaufnahme des Liniendienstes ab Mitte Juni geäußert. Gleichzeitig zeigte er aber weitere Waffen und schraubte die Forderungen an den Staat höher.

    So erneuerte Skjeldam seine Forderung nach Darlehen unter SOF-Bedingungen oder alternativen Bedingungen. Gleichzeitig forderte er den Staat dazu auf, mehr Kapazitäten bei Hurtigruten zu kaufen (vulgo die Subventionen zu erhöhen) und so für einen Ausgleich für die entfallenen Buchungen zu schaffen. Ohne eine Klärung dieser Maßnahmen könne er sich eine Wiederaufnahme des Regelbetriebs im Juni nur schwer vorstellen, da Hurtigruten für eine Übergangszeit ein Verlustgeschäft sein werde, so der Konzernchef. Im Prinzip könne es aber sehr schnell wieder losgehen, wenn die finanzielle Seite gesichert sei, wovon letztlich nicht nur Hurtigruten, sondern auch zahlreiche Unternehmen längs der Küste profitieren würden.
    Takk for oss

    BRITANNICUS :)
  • Hurtigruten sieht Silberstreif am Horizont

    Ein heutiges Gespräch zwischen der Hurtigruten-Geschäftsleitung und Verkehrsminister Knut Arild Hareide ist nach Aussagen von Hurtigruten-Konzernchef Daniel Skjeldam konstruktiv verlaufen. Dabei stellten Skjeldam und seine Mitarbeiter ihre Vorstellungen für die Absicherung der unmittelbaren Zukunft der Küstenroute vor, auf deren Grundlage der Betrieb ab dem 16. Juni schrittweise wieder normalisiert werden könnte.

    So plant Hurtigruten zunächst vier Schiffe einzusetzen, wenn der Staat bereit ist, dafür monatlich 50 Millionen Kronen an die Reederei zu zahlen, um die bei Minimalbemannung mit 12,5 Millionen Kronen veranschlagten Betriebskosten der Schiffe zu decken. Diese Maßnahme solle, so Hurtigruten, solange greifen, bis die Einschränkungen in der Reisebranche zurückgefahren würden und Passagiere zurückkommen könnten. Vorbild für diesen Teil des Vorschlags ist die derzeit gewährte staatliche Unterstützung für Zug- und Fluggesellschaften. Damit könnten die sich aufsummierenden Verluste auf 120 Millionen Kronen pro Monat begrenzt werden, so Skjeldam.

    Darüber hinaus bedürfe es aber einer längerfristigen Lösung über Liquiditätsdarlehen entweder über Statens obligasjonsfond oder unter dem Mantel von Garanti-Instituttet for Eksportkreditt (GIEK). Dazu, so Hurtigruten, müssten allerdings die Bedingungen von SOF (s. vorstehende Posts) bzw. GIEK geändert werden, denn derzeit fällt die Reederei bei SOF durch das Raster und unter der Garantie von GIEK wären Darlehen auf 150 Millionen Kronen begrenzt, was unter dem Bedarf von Hurtigruten bleibt. Es komme am Ende weniger auf das konkrete Instrument an, sondern darauf, Hurtigruten durch die aktuelle Situation zu bringen und die Reederei dann unbeschadet aus ihr herauszuführen, so Skjeldam.

    Dabei erhält der Manager auch, wie in den vorstehenden Posts schon erläutert, Unterstützung sowohl von Logistikverbänden als auch den Gewerkschaften. Mit ihnen teilt Skjeldam die Hoffnung, Hurtigruten in eine Sommersaison führen zu können, die sicher durch eine verstärkte Nachfrage nach Urlaub in Norwegen gerade auch von Norwegern geprägt sein dürfte. Dazu müsse Hurtigruten jetzt verlässlich vorbereitet werden - im Sommer selbst sei es zu spät für Maßnahmen, denn dann würde auch die Planung der Sommerferien 2020 nicht mehr relevant sein.

    Von Seiten des Verkehrsministeriums gibt es noch keine Stellungnahme außer dem Hinweis, dass man die Vorschläge von Hurtigruten prüfen und sich dann schriftlich äußern werde, so Staatssekretärin Ingvild Ofte Arntsen.

    Es gibt also eine Perspektive, bleibt aber spannend...
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    BRITANNICUS :)
  • Ein Notruf von der Küste

    2020 sollte das Jahr der Jahre werden für Hurtigruten, man wollte Rekorde brechen und dann kam der Stopp. Der Kampf um Rekorde wurde zum Kampf um ein Rettungspaket.
    Es ist jetzt komisch, bei der Arbeit zu sein sagt Kapitän Geir Arne Johannesen von der Richard With. Als die Regierung am 12. März Norwegen schloss, verschwanden die Touristen und die Einnahmen mit ihnen. Normalerweise ist es am ersten Tag der Mitternachtssonne voll auf den Schiffen, diesmal waren es nur 4 Passagiere, unter ihnen der 80-jährige Bjørn Løpsmark dieser hat trotz seines langen Lebens einen leeren Bereich auf seiner Karte. Es gibt vieles das er noch nicht gesehen hat. Als der 80. Geburtstag gefeiert werden sollte, fiel die Wahl auf der Hurtigruten-Route von Bodø nach Bergen zurück. Aber dann kam das Virus - und jetzt fährt Hurtigruten nicht mehr nach Bergen . Nur von Bodø nach Kirkenes . Man bot mir an die Reise zu verschieben, aber wenn Sie 80 sind, wissen Sie nicht, wie es nächstes Jahr sein wird, sagt Løpsmark.

    "Es ist eine dramatische Situation für Hurtigruten", sagt CEO Daniel Skjeldam. Der CEO argumentiert, dass es die Reisebeschränkungen der Regierung sind, die das Unternehmen plötzlich zum Stillstand gebracht haben. Als wir ihn fragen wie viel sie verloren haben, antwortet der CEO, dass sie im Juni Reisen für eine Milliarde Kronen abgesagt haben. „Es gibt keine Reiseunternehmen auf der Welt, die über die finanziellen Mittel verfügen, um eine vollständige Abschaltung für eine lange, lange Zeit zu ertragen. “, betont er. Er sagt auch Hurtigruten werde keine weiteren Schiffe entlang der Küste in Betrieb nehmen, bis die Regierung auf die Forderungen zum Rettungspaket reagiert.

    Die Zeitung hat auch im Ministerium nachgefragt ob es für Hurtigruten realistisch ist, vor Mitte Juni eine Antwort zu erhalten. Und dort hieß es "Ja". Hurtigruten hat Vorschläge für die von ihnen gewünschten Maßnahmen unterbreitet, und wir schauen uns diese Vorschläge nun genauer an. Hurtigruten wird so schnell wie möglich Antworten bekommen, schreibt Staatssekretär Ingvild Ofte Arntsen.

    Zurück auf die Richard With: Wenn Kapitän Geir Arne Johannesen gefragt wird, wann die Leute am besten mit Hurtigruten reisen sollen, antwortet er immer Ende April und Mai. Da hat man alle Jahreszeiten auf einmal. Er glaubt auch nicht das man nur mit Norweger Hurtigruten retten kann, es braucht die Touristen. Wenn die Schiffe wieder fahren können kann es trotz allem noch ein guter Sommer werden.

    Und so fährt sie nun erstmal weiter die Strecke von Bodoe nach Kirkenes , wer arbeiten kann ist froh darüber und hofft aber auch das die Kollegen bald zurückkehren können.
    Nordlicht :flower:

  • Nein, aber...

    Die Regierung hat die Bitte von Hurtigruten, den Betrieb des Liniendienstes mit weiteren 12,5 Millionen Kronen pro Monat pro eingesetztem Schiff im Zeitraum 15. Juni - 15. September 2020 zu stützen, abgelehnt. Zur Begründung verweist Oslo darauf, dass der Staat der Reederei weiterhin die volle Subventionszahlung für 2020 auszahle, obschon seit der Eintsellung des Liniendienstes nur ein Notbetrieb mit zwei Schiffen zwischen Bodø und Kirkenes gefahren werde. Somit trage der Staat der außergewöhnlichen Lage flexibel Rechnung, wie es in einer Verlautbarung heißt. Die staatlichen Zuwendungen decken ungefähr die Hälfte der Lohn- und Betriebskosten von Hurtigruten auf der Stecke Bergen - Kirkenes - Bergen .

    Die bei Hurtigruten für den Kontakt zu den Behörden zuständige Anne Marit Bjørnflaten betonte, Hurtigruten wolle gar keine Aufstockung der Subventionen, sondern lediglich staatlich garantierte Darlehen, die das Unternehmen Krone für Krone und verzinst zurückzahlen wolle. Unterstützung erhält die Reederei dabei vom Vorsitzenden der Senterparti, Trygve Slagsvold Vedum, der auf die Bedeutung von Hurtigrutzen für die nationale Infrastruktur und den emotionalen Wert des Unternehmens verweist.

    Die Regierung hat die Tür mit der Ablehnung aber nicht zugeschlagen: So sagte Verkehrsminister Knut Arild Hareide heute im Storting auf eine parlamentarische Frage, dass man weiter an einer Lösung in Hinblick auf die Betriebsaufnahme von Hurtigruten arbeite, und auch Hurtigruten bestätigte, dass man weiterhin im Dialog mit der Regierung stehe und Bewegung in der Frage des Zugangs zu Krisendarlehen und Staatsgarantien erwarte.
    Takk for oss

    BRITANNICUS :)
  • Hurtigruten hat nun einen Kredit aufgenommen und sich damit selbst gerettet. Das weniger schöne daran sind die hohen Zinsen, aber in diesen sauren Apfel muss man wohl beißen. Wenn ich es richtig verstehen geht es um 1 Milliarde Kronen die aufgenommen wurde.
    Es ist eine teure, aber notwendige Lösung sagt Daniel Skjeldam, man habe Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und auch den Partnern entlang der Küste.

    nrk.no/tromsogfinnmark/hurtigr…illiard-kroner-1.15049850
    Nordlicht :flower:

  • Das leidige Thema Rückzahlungen...

    New

    ...ist hier im Forum ja schon an anderer Stelle wiederholt thematisiert worden. In Norwegen findet es jetzt auch seinen Niederschlag in den Medien. So war das Ehepaar Gerd (75) und Kjetil (80) Hedeland von Hurtigrutens hochglänzenden Prospektbildern von der Mitternachtssonne, Seeadlern und Fjorden so hingerissen, dass sie ihre (halb-)runden Geburtstage an Bord der TROLLFJORD vergolden wollten. Dazu nahmen sie so manche Krone in die Hände, genau gesagt 102.314 Stück davon, und gönnten sich eine Suite mit allem Pipapo. Tja, und dann hielt :thumbdown: Pickelkralle :thumbdown: Einzug in Norwegen - und was das für Hurtigruten bedeutete, brauche ich hier im Forum wegen mangelnden Neuigkeitswertes ja nicht näher ausführen ;)

    Ende März nahmen die beiden dann Kontakt mit Hurtigruten auf, um den Reisepreis zurückzuerhalten, denn aus gesundheitlichen Gründen kommt für sie eine spätere Reise nicht in Frage. Schließlich füllten sie in der zweiten Aprilhälfte den online-Antrag auf Rückerstattung aus, fragten am 22. Mai und am 7. Juni nach und erhielten jeweils die Standartantwort mit der Bitte um Geduld und Verständnis wegen der zahlreichen Anfragen, die abzuarbeiten seien.

    Einigen von Euch dürften jetzt sicher die Ohren klingeln, aber jetzt kommen ein paar Hintergründe:

    Eigentlich beträgt die Erstattungsfrist für ausfallende Pauschalreisen in Norwegen 14 Tage, diese Frist wurde aber im April von der Regierung vor dem Hintergrund des Coronaausbruchs in Norwegen auf drei Monate verlängert. Diese Frist für Stornierungen beginne nun abzulaufen, so Forbrukertilsynet, die norwegische Marktaufsichtsbehörde, und die ersten Reiseunternehmen begännen nun, die Rückzahlungen vorzunehmen. Im Nach dem Sommer will die Behörde dann überprüfen, ob dieser Verpflichtung auch nachgekommen worden ist, so der zuständige Abteilungsleiter Jo Gjedrum.

    Hurtigruten möchte sich im konkreten Fall des Ehepaares Hedeland nicht äußern, Pressesprecher Rune Thomas Ege versicherte aber, dass die Reederei allen, die einen Anspruch darauf hätten, ihr Geld innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Dreimonatsfrist zurückzahlen werde. Man habe deshalb auch die Buchhaltung verstärkt, dennoch benötige die schiere Zahl der unterschiedlichen Anfragen zwischen Rückzahlung und Umbuchung zu einem erhöhten Zeitaufwand, so der Reedereisprecher.
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