Mit MS Lofoten plus MS Nordlys über Neujahr nach Nyksund - 25.12.19 bis 05.01.20

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    • Mit MS Lofoten plus MS Nordlys über Neujahr nach Nyksund - 25.12.19 bis 05.01.20

      Prolog

      Nass, kalt und grau, eben das typische Schleswig-Holstein-Wetter. Nein, das muss ich nicht auch noch zum Jahreswechsel haben. Im Winter brauche ich Schnee! Und etwas Bewegung ... vielleicht endlich mal wieder Langlaufen? ... Ach, wäre Schnee schön... Und vielleicht sogar - Nordlicht? --- Auf alle Fälle Schnee...!!! ---

      Und da fiel der Groschen endlich: Norwegen rief nach mir!!!

      Schließlich waren da ja auch noch diese paar Tage Resturlaub...

      Ja, man kann auch nachts um vier Uhr online einen Urlaub buchen. Man muss sich halt am nächsten Tag nur nicht über das Ergebnis wundern.... Was ich mir da ausgesucht hatte, passte nämlich nicht so ganz zu meinem damaligen Befinden. Auf jeden Fall eine ziemliche Herausforderung. Wie sollte ich das bloß hinbekommen? Vielleicht ginge es ja so - oder besser doch auf jene Weise?



      Tag 1 - 25. Dezember 2019 | Kiel - Oslo

      Treffpunkt ist am 1. Weihnachtsfeiertag um 12:30 Uhr an der Bushaltestelle am Norwegenterminal in Kiel. Von weitem erkenne ich den Kleinbus des Reiseveranstalters und rolle samt umfangreichem Gepäck hinüber. Zwei Mitreisende sind auch schon da, mit Nachtzug bzw. Zwischenübernachtung angereist. - Schön, dass man sich diesen Weg sparen kann, wenn man im Raum Kiel lebt.

      Wir laden ein und fahren nach überschaubarer Wartezeit aufs Autodeck der Color Line (Fantasy vermutlich). - Bei meinen Fahrten mit den „Vagabunden“ zum Langlaufen in Südnorwegen haben wir immer nur das Gepäck am Bus abgegeben, Tickets entgegengenommen und das Schiff dann zu Fuß geentert. Samt dem Gepäck, das man auf dem Schiff gebraucht hat, und Wartezeit in der Menschenmenge. Das ist so schon deutlich komfortabler, zumal der Bus direkt vor einem Zugang zum Deck geparkt wird und wir also vergleichsweise kurze Wege haben.

      Unser Busfahrer und Reiseleiter hat von Dresden aus schon eine längere Fahrt hinter sich, kann noch eine eigene Kabine ergattern und legt sich erstmal aufs Ohr. Wir drei Reiseteilnehmer*innen laden unser Gepäck in unserer 4er-Kabine auf Deck 8 ab und gehen dann los, um jeder für sich das Schiff zu erkunden. Für mich nichts Neues - mich interessiert an dem Schiff neben der Übernachtungsmöglichkeit vor allem das Außendeck und die Observation Lounge. Erst lasse ich mir den Fahrtwind eine Weile um die Ohren wehen, dann treffe ich mich am frühen Nachmittag mit der Mitreisenden H zum Mittagsbuffet. Weitere Rundgänge folgen, ebenso etliche Stunden auf Deck 15 an einem gemütlichen Platz mit gutem Blick aufs Wasser, auf die Store-Belt-Brücke gegen 18:30 Uhr und mit netten Gesprächen mit den beiden Mitreisenden. Am Sonntag sollten weitere Mitglieder der Reisegruppe am Flughafen Evenes eintreffen, es würde also nicht bei diesem sehr kleinen Reisegrüppchen bleiben. Gegen Mitternacht mache ich noch ein paar unscharfe Handyfotos von der südgehenden Color Magic und versuche dann, mich leise in die Kabine zu schleichen.


      Tag 2 26.12.2019 | Oslo - Richtung Trondheim

      Am Morgen wäre noch Zeit fürs Frühstücksbuffet; ich versorge mich lieber selbst und gehe noch eine Weile aufs Außendeck (Deck 13), genieße dann die Einfahrt in den Oslofjord in der Observation Lounge (Deck 15). Es ist kalt, endlich so etwas wie Winter, stellenweise eine dünne Eisdecke auf dem Wasser, auf den Schären aber leider kein Schnee. Luft und Himmel sind klar, der Morgen errrötet.

      Zur verabredeten Zeit holt uns der Reiseleiter an der Kabine ab und begleitet uns hinunter zum Autodeck. Nach kurzweiliger Wartezeit verlassen wir die Colorline in Oslo und fahren Richtung E6. Witzig, dass die oberirdischen Sehenswürdigkeiten an den grauen Tunnelwänden reliefartig dargestellt sind. So hat man wenigstens eine Ahnung, wo in Oslo man sich gerade befindet.


      Exkurs

      Für mich als passionierte Zug- und Schiffsreisende ist eine längere Busfahrt eher gewöhnungsbedürftig. Klar, im Laufe der Jahre habe auch ich einige Urlaubsreisen per Kraftfahrzeug erlebt, aber wenn ich die Wahl habe, nehme ich lieber ein anderes Transportmittel. Freilich ist diese Perspektive "zu Land" zur Abwechslung auch wieder mal interessant - wenn man mal aus den Tunneln raus ist. Die Strecke am Mjøsasee entlang und durchs Gudbrandsdalen ist mir zwar durch diverse Touren mit den "Vagabunden" nicht ganz unbekannt, aber das ist auch schon wieder lange her. Ganz neu für mich aber ist eine Busreise über drei Tage (zwei Übernachtungen in Trondheim und Mo i Rana inklusive). Vor allem ohne Toilette im Bus, da es sich ja um einen Kleinbus handelt. Das hatte ich nicht bedacht.

      Nun denn. Es würde schon eine Lösung geben. In verschiedener Hinsicht an seine Grenzen zu gehen, das übt schließlich. Auch Gelassenheit kann man ja vielleicht lernen…

      Aber ich habe in den Wochen vor dem Urlaub dann doch recht viel hin und her überlegt: Was wären die Alternativen?
      Zurück würde ich - wie alle in der Gruppe - vom Flughafen Evenes aus fliegen. Ein Teil der Reisegruppe nutzte auch für die Anreise das Flugzeug. Dafür war ich allerdings definitiv zu spät dran - es gab nichts mehr nach den Weihnachtsfeiertagen, das einigermaßen gepasst hätte.

      Dann endlich eine Idee - eigentlich naheliegend: Die erste Übernachtung wäre in Trondheim - welches Schiff würde denn am 27.12. Trondheim Richtung Norden verlassen? Es ist ausgerechnet „mein“ Schiff, die MS Lofoten! Und es gab tatsächlich für diese Distanzreise noch ein Plätzchen für mich! Gesehen, gebucht! Gleich noch ein Ticket dazu für den Flughafenbus von Harstad nach Evenes - und naja, dort müsste ich dann halt ein paar Stunden auf den Kleinbus warten, der die Fluggäste am gleichen Tag sowieso in Evenes abholen würde. Das ginge also, was für eine Erleichterung!

      Andererseits: Einen ganzen Tag am Flughafen abhängen? Gut, ein paar Dinge könnte man sich auch am Sonntag in Harstad wohl anschauen, es müsste also nicht gleich der erste Flughafenbus sein… Das einzige Café am Flughafen befand sich aber innerhalb des Sicherheitsbereiches, also für Nichtfluggäste unzugänglich.

      Hm. Und wann fuhr doch gleich das südgehende Schiff in Harstad ab Richtung Sortland ?… An dem Tag die MS Nordlys, schön!… Das müsste doch genau passen. (Und sollte es nicht klappen, könnte ich in Harstad ja immer noch den Flughafenbus nehmen.) In Sortland müsste der Kleinbus auf dem Weg nach Nyksund, unserem Reiseziel, auf jeden Fall durchkommen und könnte mich dann dort bestimmt aufsammeln.

      Nur wann? Und hat in Sortland ein Café oder ein Restaurant am Sonntag so lange geöffnet? Die letzten Fluggäste unserer Reisegruppe würden erst nach 17 Uhr in Evenes ankommen, der Kleinbus wäre dann möglicherweise erst gegen 20 Uhr in Sortland


      Ich möchte das Ganze hier nun nicht weiter ausführen, nur so viel: Durch diverse Recherchen habe ich mich gewissermaßen als Infrastrukturexpertin für Harstad , Evenes und Sortland qualifiziert. :-))


      Zurück zu Tag 2 - E 6 nach Trondheim

      Es liegt Schnee!!!

      Die Busfahrt macht überraschenderweise sogar Spaß. Wir erfahren einiges über Sehenswürdigkeiten an der Strecke: über das angeblich höchste Gebäude (Europas? der Welt?) ganz aus Holz, Sprungschanzen in Lillehammer, den olympischen Fackelläufer als Schneise im Wald, über Elche, die wir nicht zu sehen bekommen, und Moschusochsen im Dovre- und im Rondane-Nationalpark, die sich uns auch nicht zeigen mögen.

      Diverse Stopps machen wir am Mjøsasjø bei Bolleland in Espa, dann an der Tankstelle am Tunet Kro in Fåvang, besichtigen die Ringebu Stavkirke von außen und halten nochmal am Rastplatz bei der Dombås Kirke.

      Abends erreichen wir Trondheim , checken im Thon Hotel ein und lassen es uns dann zu dritt bei Egons gleich schräg gegenüber schmecken. Noch ein paar Schritte durch die Fußgängerzone, die beiden anderen gehen noch ein Stück weiter, ich verabschiede mich - gute Nacht!



      Color Line weihnachtlich, Blick in Kiel auf die Stena Line nach Göteborg, verschneite Landschaft im Gudbrandsdalen, das höchste Holzhaus des Universums?



      Der Reisebus in Fåvang





      Ringebu Stabkirche



      Kirche in Dombås

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    • Yine wrote:

      über das angeblich höchste Gebäude (Europas? der Welt?) ganz aus Holz

      Es ist wirklich das höchste Holzgebäude der Welt, wie du hier nachlesen kannst :)

      Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht, nach stressfreier Reise klingt es bisher jedenfalls nicht ;)
      Das erklärt aber, warum du nur so kurz auf der MS Lofoten unterwegs warst :D

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Tag 03 - 27.12.2019 - Trondheim --> MS Lofoten

      Wir checken im Thon Hotel aus und fahren mit dem Bus in eine Seitenstraße beim Nidarosdom. Machen einen Spaziergang im Morgenlicht über Glatteis, leicht verschneite Wiesen und Wege um den Dom herum und hinunter zur Gamle Bybro.









      Dann bringt mich der Bus netterweise direkt zum Hafen, wo sich die MS Trollfjord aufs Auslaufen vorbereitet. Die MS Lofoten ist bereits in Sicht.




      Meine Reisegesellschaft wartet mit mir gespannt auf die Begegnung der beiden Schiffe. Ein Video davon hatte ich zeitnah bereits eingestellt, hier noch eine etwas erweiterte Version:




      Am Kai sehe ich @norwegenfan.123 und spreche sie an. Schön, dich persönlich kennenzulernen! :beer:


      MS Lofoten... Dieses Schiff zu betreten ist immer wieder wie heimkommen. Was soll das bloß 2021 werden? :girl_sigh:

      Erstmal einchecken in der Kabine 104. Die ist viel großzügiger als erwartet durch die Anordnung der vier Betten über Eck.




      Es geht los!










      In der Gegend um die Brückennock herum treffe ich zufällig auf A, die ich von einer Sommerreise mit der MS Lofoten her kenne. Die MS-Lofoten-Fans sind halt wie eine große Familie. :lofoten2: Von ihr erfahre ich auch, dass @Noschwefi samt Göga ebenfalls auf dem Schiff sind :good3: ; beide kenne ich bisher nur vom Lesen.

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    • Oh, eine kombinierte Reise! Das klingt sehr spannend.
      Wir haben im Juni auch eine Skandinavienreise geplant (Südnorwegen, Schweden und Dänemark), allerdings leider gänzlich ohne Hurtigruten, dafür mit 8 Hunden (Scotties). Wir wollen Zuchtschauen und befreundete Züchter besuchen.

      Ich freue mich auf die Fortsetzung.
    • Tag 4 - 28.12.2019 - Auf der MS Lofoten

      Der nächste Tag ist - wie angekündigt - recht windig. An der gesamten Küste werden in den kommenden Tagen Stürme erwartet. Auch die MS Lofoten würde mittendrin sein, besonders natürlich auf ihrer Fahrt über den Vestfjord. Ich bin an Deck, so oft und so lange ich kann, treffe dort regelmäßig auch @norwegenfan.123 an.





      Sehr blau ist die Stunde...





      Ørnes





      Auf dem Weg nach Bodø





      Zwischendurch wärme ich mich immer mal wieder im Panoramasalon auf, mittags gönne ich mir das Buffet. In Bodø bleibe ich an Bord, baue testweise mal mein Stativ auf, das muss ich noch üben. Schließlich hoffe ich ja, irgendwann auf dieser Reise mal Nordlicht zu erwischen.

      Vor der Abfahrt in Bodø kommt die Durchsage, dass wir wegen des Sturmes in Stamsund nicht anlegen können und mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit auch nicht in Svolvær . Reisende mit Ziel Lofoten sollen am besten in Bodø von Bord gehen. Später wird bestätigt, dass wir auch Svolvær auslassen werden.

      Die stürmische Überfahrt auf dem Vestfjord - sie dauert fast acht Stunden - verbringe ich überwiegend im Panoramasalon. Da kann ich mich gut auf einer der Bänke festklemmen und habe alles gut im Blick. Zum Beispiel auch einige andere Passagiere, die mit ihren Sesseln das eine oder andere Mal ins Rutschen kommen. Ansonsten verläuft die Fahrt zwar bewegt aber unspektakulär.

      Gegen 23 Uhr sind dann nur noch ein junger Norweger und ich im Salon. Der junge Mann hatte sich ein Glas Bier nach dem anderen aus der Cafeteria geholt; dies scheint seiner Nüchternheit aber keinen Abbruch getan zu haben. Gegen halb zwölf spricht er mich an, ob ich auch meinen Hafen verpasst hätte. Er wolle auf die Lofoten, um dort mit Freunden Silvester zu verbringen. Anstatt bereits in Bodø auszusteigen, habe er aber lieber kurzfristig noch ein Hotel in Stokmarknes gebucht, von dort würde er dann am nächsten Morgen weiterreisen.

      Ich erzähle ihm von meinem Anreisedilemma: Sollte ich am Folgetag besser über Evenes oder Sortland weiterreisen? Am liebsten würde ich ja einfach auf eigene Faust nach Nyksund fahren anstatt irgendwo stundenlang herumzuhängen… Im Nu stellt sich heraus: Ich bin mit meiner eher beiläufig erzählten „Geschichte“ genau an den Richtigen geraten. Nicht nur, dass es sich bei ihm altersgemäß um einen digital Native handelt, der mit ein paar wenigen Klicks plus einigen Wischern in Nullkommanix die passenden Webseiten aufrufen kann - er hat auch an verschiedenen Orten auf den Vesterålen gelebt und kennt die Inseln wie seine Westentasche.

      Als sich gegen Mitternacht auf dem Weg in den Raftsund der Sturm gelegt hat, habe ich auch meinen Fahrplan fertig: Mit der MS Nordlys zurück nach Sortland . Von dort mit dem Bus im öffentlichen Nahverkehr nach Myre, wo ich mir dann ein Taxi nach Nyksund gönnen würde… Auch eine Telefonnummer der Taxizentrale ist in diesem spontanen, norwegisch-freundlichen Beratungsservice inbegriffen.


      Tag 5 - 29.12.2019 - Von Harstad zurück nach Sortland und weiter über Myre nach Nyksund

      Am nächsten Morgen muss ich nun die MS Lofoten wieder verlassen. Zuerst gibt es noch ein kurzes Frühstück in netter Gesellschaft: Gerda ist extra so früh mit zum Frühstücken gekommen, will in Harstad dann beim Ablegen auch auf Deck sein. Die anderen Foris und A sehe ich leider nicht mehr. Wir legen pünktlich an und ich verlasse das Schiff an dem dunklen Hafen mit Sack und Pack. Ein merkwürdiges Gefühl, so auf der anderen Seite zu stehen und das Ablegemanöver zu beobachten… Es gibt zum Abschied sogar ein paar kurze Laute aus dem Typhon. :lofoten2:



      Abschied von der MS Lofoten in Harstad





      Lange habe ich die MS Lofoten noch im Blick, während sich bereits die MS Nordlys nähert - ebenfalls pünktlich - und sich schweigend an den Kai schwingt.





      Ich gehe an Bord, warte angesichts der längeren Schlange erstmal an der Seite. Schließlich verstaue ich mein Gepäck im Luggage-Raum hinter der Rezeption und nehme meine Bordkarte entgegen. Fahre mit dem Aufzug nach oben und erkunde die Außendecks. Es gibt ein Umlaufdeck (Deck 5), das ich natürlich einmal komplett umrunde. Viele Leute sind um die Zeit ja noch nicht auf dem Schiff unterwegs.

      Es ist sehr frisch und windig, und ich merke nun, wie erschöpft ich bin, vor allem von der ganzen Gepäckschlepperei. So suche ich mir einen gemütlichen Platz auf Deck 7 ganz vorne im Panoramasalon (dem „Explorer“), schließe mein Handy an die Steckdose und genieße die Aussicht sozusagen vom Sessel aus. Dort verbringe ich einen erheblichen Teil der Strecke bis zur Risøyrenna - völlig groggy und einfach froh, einen Sitzplatz zu haben. Draußen zieht eine wunderschöne Landschaft wie im 3-D-Kino an mir vorbei. Es erscheint mir geradezu unwirklich. Auf der MS Lofoten hat man immer das Gefühl mittendrin zu sein. Hier steht - bzw. fährt - man eher „über den Dingen“.

      Draußen zu fotografieren hat bei dem starken Wind praktisch keinen Sinn, wie ich feststellen muss. Nach Risøyhamn drehe ich wieder ein paar Runden auf Deck. Die einzigen einigermaßen brauchbaren Bilder entstehen aber durch die Glasscheibe des Panoramasalons und mit dem Handy. „Gutes“ Wetter - also Sicht auf die Berge -, Tageslicht und meine Lieblingsstrecke. Und trotzdem - für mich ist das Schiff heute in erster Linie ein Transportmittel, das mich meinem Ziel näherbringt und zugleich eine warme Umgebung bietet und jederzeit eine Toilette in der Nähe...





      Als ich um 12:30 Uhr in Sortland das Schiff verlasse, muss ich mich auf Google Maps noch kurz orientieren, dann mache ich mich auf den Weg Richtung Nordlys Pizzarestaurant (Gårdsallen 6). Eines der wenigen Lokalitäten in Sortland , das - zumindest laut Internet - heute Mittag wohl bald öffnen soll, und das praktischerweise schon auf dem Weg zum Busterminal liegt.

      Ich versuche wieder mal, den Reiseleiter per Handy zu kontaktieren, meine diversen SMS' mit Anfragen zu Reisevarianten, Abholmöglichkeiten usw. waren bis dahin ins Leere gegangen. Ich wollte ja auf jeden Fall Bescheid sagen, wo ich nun auf den Kleinbus warten würde - bzw. eben auch nicht. Endlich komme ich durch. Der Reiseleiter hatte in der Unterkunft in Nyksund keinen Handyempfang, stellt sich heraus. Erst als er heute Richtung Flughafen Evenes losfuhr und ein Stück von der Unterkunft entfernt war, kamen meine sämtlichen Nachrichten wohl alle an - ein Pling nach dem anderen. Kurze Info, was ich vorhabe.

      Dann öffnet mir der Inhaber des Restaurants auch schon die Türe - eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit - und ich setze mich ins Warme. Er komme ursprünglich aus Istanbul, erzählt der Inhaber auf meine Nachfrage. Ob mich die türkische Musik stören würde? Im Gegenteil, die Klänge sind mir vertraut und machen neben der netten Plauderei und einer vorzüglichen „kleinen“ Pizza mit monströsen Ausmaßen den Aufenthalt sehr angenehm. (Mit dem zur Pizza gereichten Schälchen Knoblauchmayonaise kann ich dagegen nichts anfangen.)

      Satt, warm und zufrieden mache ich mich dann auf den Weg, um in Ruhe zum Busterminal in der Nordre Frydenlund Alle zu rollen. Zwar ist der Weg über die Kjøpmannsgata nicht weit, aber sperriges Gepäck und Unmengen Rollsplit - ursprünglich wohl auf die vereiste und nun fast schneefreie Wege gestreut - machen es doch recht anstrengend.

      Am Terminal ist es bereits dunkel, viele Reisende warten innen im Wartesaal auf ihren Anschluss. Ich suche mir ein Mäuerchen zum Gepäckabstellen und Anlehnen in der Nähe „meines“ Busses, der Linie 862 Richtung Stø. Die Abfahrt in Sortland ist um 15:20 Uhr, geplante Ankunft in Myre um 16:10 Uhr. Ein Taxi nach Nyksund hatte ich bei „Myre Taxi“ sicherheitshalber vorab reserviert, obwohl der nette junge Norweger auf der MS Lofoten mir versichert hatte, dass auch immer das ein oder andere Taxi in Myre an der Haltestelle stehen würde. Kurz sichere ich mich beim Busfahrer ab: Ja, der Bus hält in Myre. Er geht dann aber zunächst nochmal zu Kollegen hinüber; erst kurz vor Abfahrt kommt er wieder zurück, um das Gepäck einzuladen und mir die Fahrkarte auszustellen, die ich natürlich mit Kreditkarte bezahlen kann.





      Während ich also auf die Abfahrt warte - höchstens etwa ein Viertelstündchen - taucht plötzlich der Reiseleiter von Elchtours aus Richtung Terminal auf; er war gerade auch in Sortland angekommen und wollte mal nach mir schauen. Alles bestens. Ich erhalte sicherheitshalber noch die Handynummer eines der beiden Mitreisenden, die ja schon seit gestern Abend in Nyksund sind. Mit seinem Telefonnetz hat er dort wohl auch Handyempfang. Dummerweise hatten wir „Teilnehmer*innen“ während der gemeinsamen Anreise nicht daran gedacht, Handynummern auszutauschen… Außerdem bekomme ich noch den Zugangscode für die Haustüre der Unterkunft in Nyksund, für alle Fälle.

      Die Weiterfahrt mit dem Bus klappt reibungslos. In Myre wartet das vorbestellte Taxi auf mich und bringt mich die letzten 13 Kilometer zur Holmvik Brygge in Nyksund. Eine kurvige Strecke direkt an der Küste; wenn es nicht dunkel wäre bestimmt mit interessanten Ausblicken. Gegen 17 Uhr stehe ich dann vor der Eingangstüre, muss mich kurz orientieren, weil alles anders aussieht als auf dem Bild. Logisch, man sieht das Haus auf den Fotos vom Meer aus, nun befinde ich mich auf dem wesentlich höher gelegenen Weg auf der Rückseite des Hauses und muss zum Eingang wieder einige Stufen hinuntersteigen. Mein Klingeln und Rufen hört niemand, schließlich finde ich die richtige Türe und gebe den Code ein.

      Auch innen ist alles still, ich geistere ein paar Minuten durch den Flur in der gleichen Etage - hier scheinen auf jeden Fall die Schlafräume zu sein - und gehe im verwinkelten Treppenhaus dann noch einen Stock tiefer. Finde den Eingang zu einer riesigen Wohnküche - und endlich auch meine beiden Mitreisenden, die es sich in einer Sofaecke mit Buch und Strickzeug gemütlich gemacht haben. Freudige Begrüßung - und ja, wir haben oben Schritte gehört, sonst aber nichts, und uns gewundert … Du kannst dir schon mal eines der Einzelzimmer aussuchen…

      Ich bekomme eine kurze Führung durchs Haus, finde ein schönes Zimmer, klein aber oho, alles aus Holz gezimmert, aber ziemlich überheizt, ich drehe die Heizung erstmal ab und lüfte. Der Wohnraum ist dagegen recht ausgekühlt und auch etwas zugig, da hat es jemand mit uns gut gemeint und wollte, dass wir es zumindest in den Schlafräumen warm haben. Dort brauche ich es aber eher frisch… Alles wunderbar, das Gepäck findet seinen Platz, ich suche den Wohnraum wieder auf, lasse mir von der weiteren Anreise per Kleinbus erzählen, berichte von meinen eigenen Erlebnissen … zwischendurch wird das Abendessen vorbereitet, und irgendwann am Abend - gegen 21 Uhr? - treffen auch die fünf Reiseteilnehmer*innen samt Reiseleiter vom Flughafen Evenes ein. Unsere „WG auf Zeit“ ist komplett.
    • Tag 6 - Nyksund - Skjellfjord Hurtigbåtkai - Øksnes Vestbygd - Myre

      Was mir vorher gar nicht klar war: Nyksund hat eine recht interessante, wechselhafte Geschichte. Einiges erfuhr ich von der Taxifahrerin auf dem Weg von Myre nach Nyksund sozusagen aus erster Hand. Etliches habe ich natürlich auch im Internet nachgelesen: Das ehemalige rege Fischerdorf mit dem Naturhafen liegt ganz im Nordwesten der Insel Langøya auf zwei vorgelagerten Inseln. Irgendwann gab es dann nicht mehr genug Platz für die großen Fischerboote. So wurde der ganze Ort samt Hafen, Fischfabriken und Bewohnern wohl kurzerhand nach Myre umgezogen. Nyksund verfiel mehr und mehr, wurde von "Alternativen" aus dem Berliner Raum entdeckt, aufgemöbelt, lag dann wieder brach, wurde wieder neu entdeckt, ... Mehr dazu gibt es zum Beispiel hier nachzulesen: de.wikipedia.org/wiki/Nyksund und natürlich auch auf diversen touristischen Seiten.

      Am Montag, 30,12.19 - es war zunächst grau, diesig und ziemlich windig, der Sturm hatte an der Küste kaum Schnee übrig gelassen - stand eine Fahrt mit dem Hurtigbåt in der "Vestbygd", einer Inselgruppe der Kommune Øksnes auf dem Programm. Dazu wurden wir mit dem Kleinbus zum Skjellfjord Hurtigbåtkai gefahren und dort in das lokale Boot verfrachtet, um dann etwa 1,5 Stunden gefühlt kreuz und quer zwischen den Inseln hin und her zu sausen, bis wir gegen 11 Uhr in Myre wieder an Land abgesetzt und vom Kleinbus abgeholt wurden.




      Obwohl man leider von der - bei guter Sicht bestimmt spektakulären - Umgebung nicht viel sehen konnte, war es trotzdem spannend; viele Häfen werden nur bei Bedarf angefahren. Ja, wirklich schade, dass man so wenig sehen konnte. Aber das kleine Boot hat ein ganz schönes Tempo drauf, und Spaß gemacht hat die Fahrt auf jeden Fall.





      Hurtig, hurtig...


      Anschließend nutzten wir die restliche Zeit, in der es noch hell war, für einen ausführlichen Spaziergang an der Küste bei Myre. Im Ort wurden dann noch einige Einkäufe getätigt und dann fuhren wir bereits wieder in der Dämmerung zurück nach Nyksund.





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      Falls jemand das mal braucht: Auf dieser Seite gibt‘s die Fahrpläne für die Hurtigboote in der Gegend; für Behelfshäfen auch Telefonnummern, unter denen man beim Boot Bescheid sagen kann, wenn man abgeholt werden möchte: reisnordland.no/a/hurtigbaat-nordre-nordland

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    • Tag 07 - 31.12.2019 - Nyksund - Inga Sami Siida - Silvester in Nyksund

      An diesem Tage fährt die gesamte Gruppe zur Rentierfarm Inga Sami Siida.



      Der Ræka oder Reka, 607 m überm Meeresspiegel. Ein Eldorado für Kletterer, westlich vom Eidsfjord auf der Insel Langøya gelegen. Wir sehen ihn in etwa aus der gleichen Perspektive wie vom Hurtigrutenschiff aus, sind eben nur „näher dran“. Es ist laut wiki der zweitbekannteste Berg der Vesterålen (nach dem Møysalen). Benannt ist er wohl nach dem alten vesterålischen Namen für Spaten. Der alte samische Namen des Berges 'Goivo' bedeutet Schneeschaufel. Es gibt dazu auch eine Legende.



      Weitere Impressionen vom Eidsfjord


      Die Rentierfarm Inga Sami Siida liegt in Kvalsaukan auf Hinnøya, nordöstlich von Sortland .




      Nach einem eindrucksvollen Joik und spannenden Infos über die Geschichte und die Situation der Sami durch Lena dürfen wir sie beim Füttern der Rentiere begleiten.




      Die Rentierfarm gehört der Familie Inga. Hier Laila Inga mit einem Touristen aus einer anderen Gruppe.








      Mehr zur Rentierfarm zum Beispiel hier: visitnorway.de/listings/sami-culture-inga-sami-siida/126534/





      Diese Fotos sind am Rema 1000 Parkplatz in Sortland (Vesterålsgata) entstanden.


      Silvester feiern wir gemeinsam mit anderen Gästen im Restaurant der Holmvik Brygge, unserer Unterkunft.

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    • Tag 8 - 01.01.2020 - Neujahr in Nyksund

      Nachdem wir an Silvester richtig Glück mit dem ersehnten Schnee hatten, ist es heute nass, grau und glatt. Die geplante Tour auf den "Hausberg" wird daher auf einen Spaziergang verkürzt - ich bleibe heute sowieso "zuhause". Die anderen aus der Gruppe kommen auch bald wieder zurück. So machen wir es uns eben in unserem Quartier gemütlich.



      Hier sieht man die Spuren der Silvesternacht: In Hoffnung auf Nordlicht waren dort zahlreiche Stative aufgebaut worden, und immer wieder verließ im Laufe der Nacht der eine oder andere die Fete, um auf der Terrasse mal kurz Ausschau zu halten... leider vergebens. Wir haben natürlich trotzdem schön gefeiert, mit "Bleigießen", leckerem Essen und netten Gesprächen.



      Das große Wohnzimmer bietet verschiedene Ecken und Nischen mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, so dass jeder sein Plätzchen zum Entspannen finden kann. Hier eine kleine Skizze.
    • Tag 9 - 02.01.2020 - Bø Kommune



      Heute fährt uns der Kleinbus durch die Bø Kommune. Hier geht es zu verschiedenen Aussichtsplätzen. Der Reiseleiter bemüht sich sichtlich, und das gilt auch für die anderen Reisetage, mit heißem Draht zum Veranstalter für uns das Bestmögliche herauszuholen. Doch das Wetter will einfach nicht mitspielen, der Blick auf die Lofoten bleibt uns verwehrt. Wir haben an diesen Tagen oft Gelegenheit, die windige bis stürmische See an der Küste mal von der anderen Seite zu erleben, mit festem Boden unter den Füßen, und so versuche ich ab und zu, die bewegte See zu filmen und die Gischt einzufangen.





      Ganz im Norden der Bø Kommune am Kai von Hovden, Straumsjøen.





      Etwas südlicher dann ein Blick auf die Felsen vor Nykvåg.


      Dann fahren wir weiter nach Bø und spazieren zum 'mannen fra havet'.





      Er ist Teil des Skulpturenparks Friluftsgalleri Nordland. Von 1992 bis 2015 wurden 36 Skulpturen von Künstlern aus 19 Ländern in Nordland aufgestellt. Etwas ganz Besonderes daran ist auch, dass die Kunstwerke mit ihrer Umgebung korrespondieren. Die Künstler haben den Platz für ihre Skulpturen entsprechend selbst ausgesucht. Initiiert und finanziert wurde der Skulpturenpark vom Bezirk Nordland gemeinsam mit den beteiligten Kommunen. Diese und weitere Infos findet man auf einer Tafel zu einer umfassenden Übersicht der Skulpturenausstellung in der Nähe des „Mannes am Meer“. Etliche Foris werden den Park kennen - vermutlich aber überwiegend von Sommerreisen.





      Wir halten uns noch eine Weile in der Gegend auf und genießen es, dass die Wolken etwas aufreißen. Zwischendurch zeigen sich sogar Ansätze sogenannter Perlmutt- bzw. Stratosphärenwolken. Eine aus unserer Gruppe war per Bahn via Stockholm, Kiruna und Narvik angereist (und hat sich dann an Flughafen Evenes mit abholen lassen); sie konnte unterwegs mit dem Zug dieses Phänomen sogar auf Video bannen.




      An der Küste bei Bø

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    • Tag 10 - Langenes Kirke - Stø - Gisløya




      Heute fahren wir in die andere Richtung bis nach Stø. Den kleinen Ort verbindet mit Nyksund ein insgesamt etwa 15 km langer (Rund-)Wanderweg; er führt entlang der Küste sowie übers Fjell und wird auch Dronningruta - Königinnenweg - genannt.





      Zunächst zur Langenes Kirke, der ältesten Kirche auf den Vesterålen. Ursprünglich stand sie möglicherweise auf Gisløya, einer kleinen Insel etwas südlicher, und wurde dann hierher umgezogen.








      Auf einer Anhöhe in unmittelbarer Nähe der Kirche befindet sich ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Fischer, die auf dem Meer ihr Leben lassen mussten.





      Wir nehmen uns Zeit.


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