Entdeckungsreise Antarktis, Falklandinseln und chilenische Fjorde mit Vor- und Nachprogramm 08.02.-06.03.2020

    • Antarktis
    • Tag 6 Fortsetzung: Einschiffung Roald Amundsen
      Bei der Ankunft am wahrlich kleinen Cruiseterminal in Punta Arenas erwartete uns noch vor der Gepäckkontrolle eine Krankenschwester, die uns einen Fragebogen zum Coronavirus ausfüllen ließ: Personen, die in den letzten zwei Wochen in China, Hongkong oder Macao waren, wurde der Zugang zum Schiff und damit die Teilnahme an der Reise verweigert. Anschließend wurde das Gepäck durchleuchtet und man sollte wieder seinen Bus besteigen, der einen die letzten 100 Meter auf dem Pier zum Schiff fahren musste. Auf dem schmalen Pier herrschte jedoch völliges Chaos, da neben der Roald Amundsen noch ein Trawler beladen wurde und sich sämtliche Fahrzeuge gegenseitig behinderten. So mussten alle Busse lange warten - bei uns war es eine Stunde! Aber dafür konnte Hurtigruten nichts, das war chilenisches Hafenmanagement - unser Guide Gabriel war entsprechend genervt.
      Als wir dann endlich auf dem Schiff waren, ging das Einchecken sehr schnell und reibungslos, da es deckweise organisiert war. Anschließend wurde nicht nur die Teilnahme an der Sicherheitseinweisung sondern auch die Abgabe des medizinischen Fragebogens, den man von zu Hause vom Hausarzt mitbringen muss, penibel überprüft. Fehlende Teilnehmer wurden vor Abfahrt des Schiffes ausgerufen!
      Unsere Suite 749 vom Typ MC ist ein TRAUM: Schickes Design, viel Stauraum, riesiger Balkon. Als Suitengäste können wir im Restaurant Lindström speisen, was wir dann zeitnah auch taten (wir mussten uns beim Checkin für eine von zwei Sitzungen entscheiden). Das Dreigangmenü war sehr gut, die Portionen angemessen und die Weinauswahl riesig - auch wenn letzteres für uns kein Kriterium bei einer Reise ist. Durch die großen Fenster konnte man das Treiben im Hafen wunderbar beobachten. Nach dem Essen gab es noch einen letzten Pflichttermin: die Ausgabe der Expeditionsjacken.
      Die weiteren Einrichtungen haben wir heute nur kurz in Augenschein genommen und werden darüber in den nächsten Tagen berichten, wenn wir sie genutzt haben. Das Wlan an Bord ist übrigens kostenlos.
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    • Jetzt seid ihr auf See! Tolle Kabine äh Suite!

      Zitat "Personen, die in den letzten zwei Wochen in China, Hongkong oder Macao waren, wurde der Zugang zum Schiff und damit die Teilnahme an der Reise verweigert."

      Ist ja heftig! Anderseits auch verständlich, dass man auf dem Schiff kein Risiko eingehen will. Hoffentlich musste niemand zurückgeschickt werden und diese Bedingung *vor* der Anreise von HR kommuniziert.

      Zitat "die Abgabe des medizinischen Fragebogens, den man von zu Hause vom Hausarzt mitbringen muss, penibel überprüft."

      Da habe ich gehört, dass das früher viel lascher gehandhabt wurde und sich keiner dafür interessiert hat, was UK Gäste, die im englischen NHS nur mit sehr großen Anstrengungen (nur als Privatleistung mit hohen Kosten) die med. Bestätigung überhaupt erhielten, verstimmt hat.
      schöne Grüße Tini :ilhr:

    • Tini wrote:

      Da habe ich gehört, dass das früher viel lascher gehandhabt wurde und sich keiner dafür interessiert hat,

      Bei unserer Antarktisreise 2011 wurde es von der Bordärztin überprüft. Wie penibel sie sich das Ding anschaute weiss ich nicht. Aber muss man doch auch nicht - ein Attest reicht doch. Kommt der Arzt zum Schluss, dass der Patient nicht reisen darf, stellt er doch erst gar kein Attest aus.
      Jan09 FM B-K ~ Jan10 NL B-K-B ~ Jan11 FRAM (Antarctica) ~ Apr11 NN B-K-B ~ Mrz12 LO B-K-B ~
      Jan13 LO B-Alta ~ Feb14 KH B-K ~ Jan16 LO B-K-B ~ Feb18 LO B-K ~ Jan20 LO B (T)-Alta-B

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Tini wrote:


      Zitat "Personen, die in den letzten zwei Wochen in China, Hongkong oder Macao waren, wurde der Zugang zum Schiff und damit die Teilnahme an der Reise verweigert."

      Ist ja heftig! Anderseits auch verständlich, dass man auf dem Schiff kein Risiko eingehen will. Hoffentlich musste niemand zurückgeschickt werden und diese Bedingung *vor* der Anreise von HR kommuniziert.

      Zitat "die Abgabe des medizinischen Fragebogens, den man von zu Hause vom Hausarzt mitbringen muss, penibel überprüft."
      Da habe ich gehört, dass das früher viel lascher gehandhabt wurde und sich keiner dafür interessiert hat, was UK Gäste, die im englischen NHS nur mit sehr großen Anstrengungen (nur als Privatleistung mit hohen Kosten) die med. Bestätigung überhaupt erhielten, verstimmt hat.


      Uns ist eine Person bekannt, der aufgrund ihrer Anreise aus Hongkong die Teilnahme verweigert wurde. Inwiefern sie sich im Vorfeld über Beschränkungen informiert hatte, wissen wir nicht.
      Bei der Abgabe der medizinischen Fragebögen stand neben uns ein britisches Paar, das seine vergessen hatte. Diese wurden sofort vom Arzt beiseite genommen und einer längeren Befragung unterzogen.
    • Tag 7: Beagle Channel
      An Bord befinden sich ca. 380 Passagiere, davon jeweils gut 20% Deutsche, Briten und US-Amerikaner, der Rest verteilt sich auf 22 andere Nationen. Die Passagiere werden in 12 Expeditionsgruppen unterteilt, je nach Nationalität. Wir gehören zu den "Adelie Penguins", es gibt zusätzlich Nummern, falls die Spezies für einen Zungenbrecher sorgen würde :). Stiefelanprobe und anschließende Ausgabe auf Deck 3 waren entsprechend gestaffelt und verliefen heute Vormittag sehr entspannt. Man hat später die Gummistiefel - wie die speziellen Rettungswesten für die Anlandungen - in der Kabine und begibt sich bereits umgezogen zu den Booten. (Wir erwähnen das, weil es auf der FRAM vor einigen Jahren anders organisiert war.)
      Ebenfalls noch am Vormittag mussten alle zur Einweisung für die Benutzung der Tenderboote erscheinen. Die Präsentation war nicht nur informativ, sondern sehr unterhaltsam, Auditorium und SienceCenter boten genug Sitzmöglichkeiten und große Bildschirme, um dem Vortrag aus allen Ecken folgen zu können. Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist, konnte im Vorfeld ein Headset für die Simultanübersetzung ausleihen. Der Expeditionsleiter Stefan machte allen große Hoffnungen, dass es morgen mit einem Aufenthalt am Kap Hoorn klappen könnte. Auch soll die Reise diesmal deutlich weiter nach Süden gehen als bisher, über den 66. Breitengrad hinaus - stabiles Wetter vorausgesetzt. Außerdem stellte sich ein Team des Discovery Channel vor, welches die Reise begleiten und dokumentieren wird. Ob das wohl Einfluss auf unsere Route hatte?
      Mittags entschieden wir uns für das Buffet im Restaurant Aune. Hier gab es kleine Snacks, kalt und warm, Suppe, Salat, Desserts - einfach, aber lecker.
      Das Nachmittagsprogramm war bestimmt von der Fahrt durch den Beaglekanal entlang der Nationengletscher. Sehr imposant, begleitet von einigen Erläuterungen per Lautsprecherdurchsage in Englisch und Deutsch. Nebenbei wurde die erste Walflosse und ein Rudel Robben gesichtet. Albatrosse und Sturmvögel folgten dem Schiff.
      Vor dem Abendessen gab es die übliche Begrüßung durch den Kapitän und die Vorstellung des mehr als 20 Mitglieder umfassenden Expeditionsteams. Dass man für die Deutschen die Vorträge mit zwei Dolmetschern simultan übersetzt, mag ja sinnvoll sein. Dass man aber auch alle Ansprachen anschließend auf Deutsch wiederholt, zieht manches doch in die Länge - auch wenn dies auf vorhergehenden Reisen wohl kläglich vermisst wurde.
      Nach einem Stop in Puerto Williams geht es heute Nacht Richtung Kap Hoorn und gegen 7 Uhr soll die erste Gruppe aufbrechen.
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    • Tag 8: Kap Hoorn
      Es war ein ereignisreicher Tag heute: das sagenumwobene Kap Hoorn zeigte sich von seiner sanften Seite und so wurde - wie am Abend zuvor angekündigt - um 7 Uhr mit dem Ausrufen der einzelnen Expeditionsgruppen begonnen. Nach den Informationsveranstaltungen der letzten beiden Tage sollte eigentlich jeder wissen, wie man sich an Bord der Polarcircleboote verhält und was einen an der Landestelle erwartet. Dementsprechend zügig ging es an Bord auch voran. In der "Blackbox" auf Deck 3, wo man zu den Booten gelangt, gab es auch noch einmal Tipps zum Ein- und Aussteigen bei etwas mehr Wellengang. Helfende Hände standen einem stets zur Seite.
      Es gibt am Kap nur eine enge, steinige Anlegebucht. Das Team hatte eine Art Steg vorbereitet, so dass man nicht über glitschiges Geröll steigen musste, ein Treppenweg führt hinauf zum Plateau, Holzbohlenwege leiten einen dort oben zum Albatros-Monument (zur Erinnerung an alle Seefahrer, die am Kap ihr Leben ließen) und zum Leuchtturm, der von einer chilenischen Familie betreut wird. Wahrlich alles keine große körperliche Herausforderung.
      Nachdem alle Passagiere und das Team zurück an Bord waren und die meisten schon wieder gemütlich beim Mittagessen saßen, erschien in der Bucht ein chilenisches Patrouillenboot. Es nahm eine Person, die sich bei dem Ausflug offensichtlich so verletzt hatte, dass sie die Reise nicht fortsetzen konnte, und deren Mitreisende auf. Erst gegen halb drei verließen wir die Bucht wieder. Dann ging es zurück nach Norden, um zwei Lotsen abzusetzen und die Reise Richtung Süden zum nächsten sagenumwobenen Teil unserer Reise konnte beginnen: die Drake Straße.
      Den Tagesablauf gibt es am einfachsten in der App, ohne entsprechendes Handy muss man für die Papierform an die Rezeption. Die App ist einfach aber dadurch sehr übersichtlich: Tagesprogramm, personalisierte Exkursionstermine und Buchungen sowie praktische Informationen zum Schiff.
      Wir nutzten heute auch erstmals das Gym: man findet dort zwei Rudermaschinen, zwei Fitnessfahrräder, vier Laufbänder, zwei Kraftmaschinen sowie je einen Bereich für Hanteltrainung und Mattenübungen. Angesichts des Durchschnittsalters der Gäste wird sich dort wohl immer ein Platz finden lassen. Überhaupt das Alter: Nach unseren Erinnerungen war der durchschnittliche Gast der MS Fram bei unserer Spitzbergentour deutlich fitter als das Publikum hier - vielleicht auch ein Resultat des (auch beworbenen) höheren Komforts der Roald Amundsen.
      Nun harren wir den Bedingungen während der Drake-Passage...
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      Tag 9: Drake-Passage
      Wer den Routenverlauf auf Panomax verfolgt, wird feststellen, dass wir direkt zum Polarkreis unterwegs sind, den wir morgen am späten Nachmittag erreichen sollen - vermutlich, weil das Wetter zur Zeit gnädig ist: Wellenhöhe 3 m, Luft 6 Grad, Wasser 7 Grad, 12 kt Wind. Nach Aussage der Besatzung ist es bislang eine wirklich ruhige Passage: kein Drake Shake, sondern Drake Lake. Festhalten muss man sich trotzdem.
      Wer glaubt, dass an einem solchen Seetag Langeweile aufkommt, irrt. Nach dem Frühstück ein Vortag über die technischen Besonderheiten des Schiffes (sehr detailreich), dann die obligatorische Einweisung in Antarktis-Anlandungen, dann Mittagessen gefolgt vom obligatorischen Staubsaugen aller Kleidung, die wir in der Antarktis tragen werden. Am Nachmittag außerdem die Pflichteinweisung fürs Kajakfahren, wenn man (wie wir) daran teilnehmen wil und ein recht unterhaltsamer Vortrag vom Bordfotografen mit vielen hilfreichen Tipps zu guten Kompositionen und Techniken. Und das sind nur die Dinge, an denen wir teilgenommen haben. Wolkenbeobachtungen oder Animalwatching mit dem Expeditionsteam sowie ein Film über Amundsen standen auch auf dem Programm.
      Noch ist kein Land in Sicht, doch es wird merklich kühler, nebliger und unfreundlicher - nachdem man am Nachmittag auch eine Stunde in der Sonne sitzen konnte.
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      Gute Frage! Da müsste sich der Admin mal zu äußern, wir sind uns keiner Schuld bewusst.
      Aber die Internetbandbreite ist hier zu dünn, um sich aktuell darum zu kümmern - das muss bis zur Rückkehr in die Zivilisation warten. Unser Avatar ist jetzt halt "Eishase im dichten Schneetreiben". :)

      Post was edited 1 time, last by “Nordlicht”: Zitat entfernt/Nordlicht ().

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      Danke für den Hinweis, haben wir jetzt gemacht - in Anbetracht unserer "10-Baud-Leitung" (falls Du diese Einheit noch kennst :) ) versuchen wir möglichst wenige Knöpfe zu drücken.

      Der Avatar ist leider aufgrund des UrhG über Bord gegangen. Aber man soll ja auch keine fremden Spezies in die Antarktis bringen. ;)
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      Tag 10: Polarkreis und The Gullet
      Die Temperaturen sinken (1 Grad), der Wind nimmt deutlich zu (30 kt). Aufgrund der Ambitionen der Besatzung, den südlichen Polarkreis zu queren und Marguerite Bay zu erreichen, hatten wir heute einen weiteren Seetag. Warm eingepackt schauten wir Albatrossen und Kap-Sturmvögeln zu, wie sie gekonnt den zunehmenden Wind genossen und um das Schiff herum segelten. Einzelne Robben tauchten so schnell ab, wie sie aufgetaucht waren. Kurz konnte man auch Walflossen beobachten, die Tiere an sich blieben aber in den Wellen versteckt.
      Am Nachmittag und Abend überschlugen sich dann die Ereignisse: Zuerst die stolze Ansage von der Brücke, dass wir den Polarkreis erreicht hätten. Einmal Nebelhorn bitte. Wie bestellt, tauchen die ersten Eisberge auf. Und gleichzeitig galt jetzt ein Tempolimit, denn nun haben Wale Vorfahrt. Wer nicht beim Abendessen an einem Fensterplatz saß, den zog es hinaus auf die Beobachtungsdecks. Aber ganz warm eingepackt, denn nun setzte leichter Schneefall ein. Da es noch durch die Meerenge "The Gullet" gehen sollte, blieben alle an Deck, um die imposante Enge am Eingang zum Gullet zu bestaunen. Es war ein bisschen gespenstisch, bei immer dichter werdendem Nebel und abnehmendem Tageslicht quasi ins Nichts oder besser um die Eisberge herum zu steuern.
      Da von der Situation am "Gullet" (war die Enge eisfrei oder versperrt) die Planung für den folgenden Tag abhing, wurde es noch ein wenig hektisch, denn es gab kurzfristig zusätzliche Vorträge zum geplanten Programm am nächsten Tag.
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      Tag 11: Stonington Island und Red Rock Ridge
      Offensichtlich haben wir die Passage geschafft, denn heute Morgen fuhren wir in der südlich gelegenen Marguerite Bay zu unserer ersten Anlandung sowohl in der Antarktis als auch für diesen Tag nach Stonington Island. Mit ein wenig Verspätung startete nach dem Frühstück die erste Gruppe zu diesem historisch interessanten Ort. Denn neben einigen tierischen Bewohnern wie Pinguin und Robbe, die in der Sonne faulenzten, existieren hier Reste von ehemaligen Forschungsstationen der Briten und Amerikaner. In kleinen Gruppen kann man die Gebäude betreten, vorher muss man die Schuhe putzen - fast wie im richtigen Leben. Wegen der Dunkelheit innen gibt es Stirnlampen für jeden. Früher war die Insel über eine Schneebrücke mit dem Gletscher verbunden, so dass die Forscher den Gletscher mit Schlitten erkunden konnten. Die Amerikaner hatten sogar Flugzeuge hier unten. Am Ende des gut einstündigen Aufenthaltes konnten ganz Wagemutige ein Bad in polaren Gewässern nehmen, bei einer Wassertemperatur von etwas über 0 Grad.
      Auch das Kayaking sollte heute losgehen, allerdings war am Vormittag wegen zu schlechter Wetterbedingungen für diese Angelegenheit keine Ausfahrt möglich. Man will auch dieses Abenteuer natürlich so komfortabel und sicher machen wie möglich.
      Nachdem alle wieder an Bord waren, schipperte die Roald Amundsen langsam durch die Bucht an imposanten Eisbergen in allen möglichen Formen und Größen vorbei. Man hatte das Gefühl, in einer Science-Fiction-Dekoration unterwegs zu sein, fast schon kitschig schön. Auf der Höhe von Red Rock stoppten wir erneut und das Expeditionsteam checkte die Lage für Landung und Kayaking. Wir hatten Glück: ruhige See und eine mögliche Stelle am Ufer, um an Land in die Kayaks zu wechseln. Also ab in die warmen Klamotten und Trockenanzüge, die uns am Morgen bereits ausgehändigt worden waren und runter zum Tenderpit. Dort bekamen wir weitere Tipps zum Verhalten und die Kayaks wurden passend eingestellt. An einer langen Leine zogen wir die Boote im Tenderboot hinter uns her an den felsigen Strand. Ole und Thomas, unsere norwegischen Guides, suchten nach einer geeigneten Stelle zum Landen, wo wir bei der Anlandung von Robben und Pinguinen überrascht wurden. Dann wurde in der Nähe der Küste in respektvollem Abstand von Eisbergen und Tierwelt gemütlich durch die Bucht gepaddelt und die Tierwelt beobachtet: fütternde Pinguin- und Kormoraneltern, vor unseren Booten querende Robben sowie durch und über das Wasser fliegende Pinguine, spielerisch kämpfende Seebären. Fast zwei Stunden waren wir in den Kayaks unterwegs, freuten uns dann aber auch über die heiße Dusche - die Temperaturen von Luft und Wasser liegen halt nur knapp über dem Gefrierpunkt.
      Und jetzt blicken wir um 22 Uhr in einen kitschigen Sonnenuntergang hinter Eisbergen.
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      Tag 12: Packeis bei 70 Grad Süd / Charcot Island
      Es geht noch weiter nach Süden, solange bis wir das Packeis oder besser Treibeis erreichen. Ein neuer Rekord soll aufgestellt werden, für die Roald Amundsen, für Hurtigruten. Dass dadurch sehr viele Seemeilen mehr als bei den vorhergehenden Reisen zurückgelegt werden müssen, heißt aber wohl momentan auch weniger individuelle Anlandungen.
      Der Vormittag zog sich dadurch in die Länge, dichter Nebel machte die Beobachtung der Umgebung nahezu unmöglich. Glücklicherweise sind die Angebote an Bord breit gestreut, so dass wir zwei unterhaltsame Vorträge zum Wettstreit zwischen Amundsen und Scott, wer der erste am Südpol sein würde, sowie über die verschiedenen Eisarten in der Antarktis genießen konnten. Egal welchen Alters, die Experten verstehen ihr Publikum zu begeistern. Um die Mittagszeit klarte es etwas auf, riesige Eisberge zogen vorüber. Seit dem Vormittag wussten wir ja nun, ab wann eine Eisscholle so genannt werden darf ;).
      Eine willkommene Abwechslung an solch einem Seetag ist auch das Essen, weshalb wir an dieser Stelle mal ein paar Worte zu den Restaurants verlieren wollen. Frühstück gibt es im Aune als Buffet. Wir als Suitengäste können uns auch im Lindström bedienen lassen, was wir bisher meistens gewählt haben, da es einfach ruhiger und gemütlicher ist. Das Frühaufsteher-Frühstück im Fredheim haben wir noch nicht getestet. Wenn zur normalen Frühstückszeit Anlandungen stattfinden, öffnet auch das Aune schon mal früher, damit man nicht mit leerem Magen losziehen muss. Zu Mittag wird im Aune ein Buffet und im Fredheim eine kleine Karte (z.B. Burger, Tortillas, Dumplings) angeboten. Und abends gibt es im Aune entweder Menü (zwei Sitzungen) oder Buffet, abhängig vom Tagesprogramm. Im Fredheim bleibt die Karte wohl dieselbe wie mittags - auch das haben wir bisher nicht genutzt. Im Lindstrom gibt es (auch in zwei Sitzungen) ein Dreigangmenü mit drei oder vier Gerichten pro Gang zur Auswahl, welches für Suitengäste inklusive ist, man aber ansonsten für 25 Euro pro Person reservieren kann. Die Karte dort wechselt alle drei Tage. Wir genießen diese Abendessen im Lindstrom aufgrund der Qualität des Essens sowie der Atmosphäre sehr.
      Gegen drei Uhr verkündete das Nebelhorn die Überquerung des 70. Breitengrades und ca. 1 Stunde später erreichten wir die Grenze zum Treibeis (ca. 70° 10'). Zur Feier des Tages (oder als Entschädigung für die lange Anfahrt??) gab es an der Poolbar auf Deck 10 Hotdogs. Das Schiff fuhr ein kleines Stück in die eisige Schicht hinein und die Beobachtungsdecks füllten sich mit Kameras. Auf den größeren Schollen ruhten sich zahlreiche Robben aus, die kleineren Brocken waberten hin und her. Und mittendrin ruhte ein wunderschöner Tafeleisberg. In Bootsgruppen sollte es eine Stunde später für 30 Minuten durch das treibende Eis gehen, aber tatsächlich wurde es eine viertelstündige Fahrt entlang der Kante, da der Wind das Eis inzwischen weit weg gedrückt hatte und sich die Fahrt, um überhaupt an den Eisrand zu gelangen, entsprechend verlängerte. Der Expeditionsleiter wurde nicht müde, uns die Einzigartigkeit der heutigen Reise anzupreisen. Wir hätten aber gut darauf verzichten können, wir sind schließlich nicht auf der Jagd nach Rekorden - hierüber gehen die Meinungen der Reisenden jedoch weit auseinander. Nun müssen wir natürlich auch wieder dieselbe Strecke zurückfahren, so dass es erst morgen Nachmittag eine Chance für eine neue Anlandung in Marguerite Bay, etwas nördlich unserer gestrigen Position, gibt.
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      Tag 13: Pourquoi-Pas Island, Horseshoe Island, Marguerite Bay
      Nun also wieder zurück, bei heftigem Wind (bis 50 kt) und entsprechendem Wellengang. Bereits bei der täglichen 9:00 Uhr Ansprache des Kapitäns wurde klar, dass eine Anlandung auf der Insel Pourquois-Pas, die uns am Abend zuvor vorgestellt worden war, frühestens um 16:00 möglich sein würde, da der Wind das Schiff deutlich bremste. Das Tagesprogramm wurde jedoch zunächst nicht aktualisiert, was wir schade fanden. Prinzipiell gibt es das Problem, dass es das Tagesprogramm in der App, als Fernsehkanal und in gedruckter Form gibt - und das lässt sich alles weder völlig synchron noch aktuell halten.
      So nutzen wir den Vormittag zu Vorträgen über Pinguine und über den Antarktis-Vertrag.
      Gegen 15:00 ließ uns der Expeditionsleiter wissen, dass Plan A, der Besuch von Bongrain Point auf der Insel Pourquois-Pas aufgrund seiner exponierten Lage und des Windes gestrichen werden muss. Plan B: Horseshoe-Island, gleich nebenan. Gegen 17 Uhr wurde die erste Gruppe in die schmale Bucht gefahren. Neben einer weiteren britischen Forschungsstation Base Y gab es hier geologisches und biologisches zu bestaunen: Mähnenrobben, ein paar vereinzelte Adeliepinguine und Skuas auf zum Teil leuchtend grünen Felsen. Jede Gruppe bekam eine Stunde Zeit, so dass die letzten Boote erst gegen 22 Uhr in der Dämmerung zurück kamen.
      Heute Nacht fahren wir erneut durch "The Gullet" - die ursprünglich für den Abend geplante Vorstellung der morgigen Expedition wurde aufgrund des verschobenen Zeitplanes vertagt. Zur Zeit wird noch alles spontan entschieden - wir sind halt noch nicht auf der gewöhnlichen Route.
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