Ganz ohne Schiff durch den Kaukasus – Armenien und Georgien – 7. - 22. September 2019

    • 2019
    • Ganz ohne Schiff durch den Kaukasus – Armenien und Georgien – 7. - 22. September 2019

      Vom Ararat zum Kasbek – so heißt die Studienreise beim Verantsalter Gebeco, die wir in diesem Spätsommer unternommen haben. Wir sind immer wieder gefragt worden, warum es uns ausgerechnet dorthin gezogen hat. Nun, sicher hatten wir schon viel von der landschaftlichen Schönheit der Kaukasusregion gehört und wussten darüber hinaus, dass Armenien und Georgien eine besonders alte christliche Kultur haben. Noch vor dem Römischen Reich wurde hier das Christentum Staatsreligion, und so sind diese Länder besonders reich an frühen Zeugnissen davon. Eine gewisse Neugier spielte schließlich auch eine Rolle, war doch der Kaukasus lange hinter dem Eisernen Vorgang für normalen Tourismus unzugänglich.

      Tag 1 – Anreise – 07.09.2019

      Wir sind wieder als bewährte Vierergruppe mit unseren Freunden unterwegs. Unsere Flüge gehen mit der polnischen Fluggesellschaft LOT von Frankfurt nach Warschau und von dort in der Nacht weiter nach Jerevan. Wir hatten sehr lange vorher gebucht und waren danach durch andere Reisevorbereitungen abgelenkt. So hatten wir übersehen, dass Gebeco automatisch allen Gruppenmitgliedern, die sich nicht wehren, den Flug ab Frankfurt verpasst hat. Ab Hamburg hätten wir eine ausgezeichnete Verbindung nach Warschau gehabt, aber ein Umbuchen kurz vor der Reise hätte uns pro Person 700 Euro gekostet.

      So sitzen wir also erst einmal im kostenlosen Zug zum Flug von Hamburg nach Frankfurt. Glücklicherweise waren wir auf die Idee gekommen, nicht erst am Hauptbahnhof sondern schon in Altona einzusteigen. Hier wird der Zug eingesetzt. Wir stellen nun fest, dass es sich um einen Ersatzzug handelt, weshalb unsere Platzreservierungen null und nichtig sind und alle Leute freie Platzwahl haben. Unser frühes Kommen bedingt aber, dass wir es uns nun doch wunschgemäß im Großraumwagen an einem Vierertisch gemütlich machen können. Hier zelebrieren wir wie gewohnt mit Piccoloflaschen unser kleines Sektritual und stoßen auf eine gute Reise an.



      Die Flüge verlaufen komplikationslos. Um 19.50 starten wir in Richtung Warschau, landen dort um 21.35 und fliegen schon um 22:20 weiter nach Jerewan, wo wir um 4 Uhr morgens eintreffen.


      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.
    • Tag 2 – Jerevan – 08.09.2019

      Nach der Landung früh morgens um ca 4 Uhr werden wir am Flughafen von unserer Reiseleiterin Arevik empfangen und zum Bus gebracht, der uns dann nach Jerevan ins Hotel Ramada bringt. Das ist ein sehr schönes, zentral gelegenes Stadthotel in der Nähe des Platzes der Republik. Wir freuen uns auf ein paar Stunden Schlaf und nach einem späten Frühstück brechen wir um 11 Uhr zur Erkundung der Stadt auf.

      Der Bus bringt uns zunächst zu einer Anhöhe am Stadtrand, wo sich ein riesiger Erholungspark befindet. Bis 1962 stand hier ein gigantisches Stalindenkmal, das dann von der Skulptur „Mutter Armenien“ ersetzt worden ist.



      1970 eröffnete im Sockel ein Museum, das der Rolle Armeniens im Großen Vaterländischen Krieg gewidmet ist. Davor befindet sich das Grabmal des unbekannten Soldaten und ein Pfad zum Gedenken der Kriegshelden. Waffen und Militärfahrzeuge aus dem 2. Weltkrieg sind ebenfalls im Außenbereich zu sehen und werden gern von Kindern erklettert. Einige der uralten Waffen waren tatsächlich während der Auseinandersetzung mit Aserbeidschan um die Provinz Bergkarabach aus dem Museum entnommen und für Kampfhandlungen eingesetzt worden.



      Bei klarem Wetter reicht der Blick von diesem Park aus weit bis zum Berg Ararat, aber heute ist es leider bewölkt und dunstig. Immerhin erblicken wir links von der großen Mashtots Avenue das Opernhaus und erkennen die verschiedenfarbigen Sandsteinsorten, aus denen die Gebäude Jerewans bestehen.



      Nächster Programmpunkt ist eine Besichtigung des Matenadaran (armenisch: Bibliothek). Es handelt sich dabei um das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften, die von unermesslichem ideellen und materiellen Wert sind.
      Man steht zunächst der großen Skulptur des gelehrten Mönchs Mesrop Maschtots's gegenüber, welcher der Überlieferung nach zwischen 403 und 406 das armenische Alphabet entwickelt hat. So war es schon 100 Jahre nach der Christianisierung möglich, biblische Texte in armenische Sprache zu übertragen. Die Figur weist mit ihrer rechten Hand auf die Schriftzeichen. Den Eingangsbereich flankieren Statuen weiterer armenischer Gelehrter.



      In mehreren Ausstellungsräumen sind ausgewählte Stücke der über 20 000 erhaltenen Manuskripte und Bücher für Besucher zugänglich.



      Wir bekommen eine fundierte Führung in deutscher Sprache und bewundern die uralten Schriften. Die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert, die meisten aus dem Mittelalter. Das Fotografieren der Exponate ist verboten. Daher erwähne ich hier nur das wertvollste Stück, zu dem es einen Wikipedia-Artikel gibt. Es ist das Edschmiadsin-Evangeliar, das 989 von Mönchen angefertigt wurde und einen kostbaren, verzierten Elfenbeindeckel aufweist.

      Nach diesem kulturellen Genuss geht es weiter zu der Kaskade, einer 100 Meter hohen Marmortreppe. Sie führt von einem Skulpturenpark

      ausgehend hinauf zu einer hohen Stele, die an die Christianisierung Armeniens erinnern soll. In der Mitte des Bildes sieht man im Hintergrund das Haus von Charles Aznavour, des berühmtesten Auslandsarmeniers, der hier sehr verehrt wird. Die Eröffnung des Museums erfolgte im Jahre 2011 in Anwesenheit des französischen Präsidenten und des kürzlich verstorbenen Künstlers.



      Man kann die vielen Stufen der Kaskade erklimmen oder die Rolltreppen des Gebäudes benutzen. Sowohl im Innern als auch auf den verschiedenen äußeren Ebenen ist man von moderner Kunst umgeben. Von oben ergibt sich ein sehr schöner Blick über die Grünanlage bis hin zum Chatschaturjan-Konzerthaus, das sich mit der Oper in einem gemeinsamen Gebäudekomplex befindet.



      Es ist inzwischen bald 15 Uhr und ich verspüre nagenden Hunger. Schnell fahren wir wieder hinunter zur untersten Ebene und finden dann Platz in einem der gemütlichen Restaurants, welche die Straße flankieren. Unsere Pizza verspeisen wir ziemlich hastig, denn um 15:30 müssen wir uns am Bus einfinden.



      Letztes Ziel des Tages ist die enzige noch verbliebene persische Moschee der Stadt. Armenien hat übrigens sehr gute Beziehungen zum Iran, während die Grenzen zu Aserbeidschan und der Türkei wegen der bekannten Auseinandersetzungen geschlossen sind.



      Im Garten der Moschee versammelt sich die Gruppe zu einer kleinen Vorstellungsrunde, wobei jeder von uns etwas über die Beweggründe erzählt, die zu der Reise geführt haben.

      Nachdem uns der Bus am Platz der Republik abgesetzt hat, machen wir uns auf den Weg zu unserem Hotel. Unterwegs kommen wir an einem quietschgelben, kleinen Auto vorbei, das mit handgefertigten Souvenirs vollgestopft ist. Außerdem ist es vollkommen von zahlreichen Unterschriften bedeckt.



      Gleich gegenüber sehen wir ein sehr dunkles, altes Gebäude, das heute ein Restaurant mit Dachterrasse beherbergt. Auffällig sind die schönen, silbernen Lampen an der Wand des Erdgeschosses und der 1. Etage.



      Wenige Meter weiter kommen wir an einem Bereich der Straße vorbei, die unserem Hotel gegenüberliegt und hauptsächlich aus leeren Fassaden und Ruinen besteht. Auch ein Fahrradklub residiert in einem der verfallenen Gebäude. Es ist zu hoffen, dass einige von ihnen restauriert werden. Im Zuge der regen Bautätigkeit fallen leider viele alte Bürgerhäuser der Abrissbirne zum Opfer.



      Auf dem folgenden Bild ist rechts unser Hotel und links ein Bauzaun vor Abrisshaüsern zu sehen. Davor befinden sich überquellende Müllkontainer. Die Stadtverwaltung habe gerade eine Auseinandersetzung mit der Müllabfuhr, sagt man uns.



      In der Lobby lesen wir, dass unser Hotel eine Dachterrasse hat. Neugierig auf die Aussicht fahren wir mit dem Fahrstuhl ganz nach oben. Von dort aus sehen wir den Platz der Republik mit dem Springbrunnen und dem Historischen Museum daneben. Auch auf die benachbarten Baustellen können wir einen Blick aus der Vogelperspektive werfen.



      Dann ruhen wir uns etwas aus und machen uns zum Abendessen fertig, das heute vom Reiseveranstalter organisiert wird. Das Restaurant trägt seine Adresse als Namen: Abovian 12. Es hat einen schönen Gartenbereich, aber wir speisen leider im Inneren des Hauses. Den nächsten Abend werden wir zur freien Verfügung haben. Wir beschließen wiederzukommen und dann auf jeden Fall unter dem Weinlaub zu sitzen.



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    • @Laminaria
      Nachdem ich bereits über 9000 km mit der Eisenbahn nach Wladiwostok als "Reisebegleitung" gefahren bin und auch auf dem "Nil unterwegs" war, bietet sich jetzt die dritte Möglichkeit, in eine unbekannte, interessante Welt zu reisen! Und das ganz bequem vom heimischen Sofa aus.
      Der Anfang hat mich neugierig auf weitere Berichte gemacht!

      aus Leipzig grüßt BBe49
    • Tag 3 – Saghmosavank, Amberd und die Genozid-Gedenkstätte – 09.09.2019

      Der heutige Tag bringt eine Änderung. Weil am Montag das Historische Museum geschlossen ist, werden die Programme der Tage 3 und 5 einfach ausgetauscht.

      Die Fahrt geht heute nach Westen in die Bergregion nahe dem höchsten Berges Armeniens, dem 4090m hohen Aragats. (Nicht zu verwechseln mit dem Ararat, der für Armenier eine regelrecht mythische Bedeutung hat. Zwar befindet dieser sich in der Kernregion des ursprünglichen armenischen Siedlungsgebietes, liegt heutzutage aber auf türkischem Staatsgebiet.)

      Wir besuchen heute zum ersten Mal ein armenisches Kloster. Das waren Orte der Gelehrsamkeit, aber keine Wohnstätten für die Mönche. Diese lebten fast immer in den nahe gelegenen Dörfern. Der Gebäudekomplex umfasst in der Regel eine Hauptkirche mit einem oft sehr großen Vorraum (Gavit), der auch weltlichen Zwecken dienen konnte. Dazu kommen oft noch kleinere Kapellen und eine Bibliothek oder Scriptorium. Die Gotteshäuser haben typischerweise die Form einer Kreuzkuppelkirche.

      Wir durchqueren eine gebirgige Region, in der viele Jesiden in Wohnwagen leben und Schafzucht betreiben. Durch das Busfenster hindurch zu fotografieren führte leider wegen der Geschwindigkeit und des trüben Wetters nur zu misslungenen Bildern dieser Szenerie.

      Auf 1610 Metern Höhe erreichen wir das Kloster Saghmosawank, das zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Übersetzt bedeutet der Name „Psalmenkloster“, denn im Scriptorium wurden hier hauptsächlich Psalterien geschrieben.

      Auf dem ersten Bild sieht man gut den großen Gavit, dahinter die Hauptkirche (Surb Sion) und rechts davon die Bibliothek, die mit ihrem Glockenturm einer Kirche ähnelt.
      Das zweite Bild zeigt die Rückseite der Sionskirche. Links danaben befindet sich eine sehr kleine Kapelle, die an das Skriptorium angebaut ist.



      Durch einen dreifach verzierten Eingang gelangen wir in den Gavit. Er trägt eine zwölfeckige, pyramidenförmige Kuppel.



      Eine Tür im Hintergrund führt in das Innere der Sionskirche. Auffällig ist die Schmucklosigkeit der armenischen Kirchen. Bildliche Darstellungen waren nicht üblich, weshalb wir keine Fresken an den Wänden finden. Die Ikonen am Altar und in den Seitenkapellen sind jüngeren Datums und für heutige Gottesdienste gedacht.



      Als wir um die Klosteranlage herumgehen, sehen wir in einer der Wände zum ersten Mal Exemplare der berühmten armenischen Kreuzsteine (Chatschkare), von denen es heutzutage nur noch ca. 40 000 gibt. Ihre Zahl war zuvor wesentlich größer. Sie zählen zum Welterbe der UNESCO. An den folgenden Tagen werden wir noch weitaus filigranere Meisterwerke dieser Art zu sehen bekommen.



      Zuletzt blicken wir in die tiefe Schlucht des Flusses Kassagh und schauen jungen Frauen bei der Vorbereitung einer Hochzeitsdekoration zu. Die berühmten alten Kirchen sind eben recht beliebt für kirchliche Amtshandlungen.



      Wir fahren dann weiter durch das Gebirge bis zur Burgruine Amberd, die am Hang des Berges Aragats auf 2300 Metern Höhe erbaut wurde, um die damals bedeutende Hauptstadt gleichen Namens zu schützen.



      Zu Füßen der Festung liegt die kleine Muttergotteskirche (Kathogike), der wir ebenfalls einen kurzen Besuch abstatten. Sie ist älter als die Festung und wurde laut einer Inschrift am Nordportal 1026 erbaut. Bei der Restaurierung im Jahre 1970 konnte auch das besonders schöne Schirmdach wiederhergestellt werden.



      Wir verweilen kurz bei einem urigen Souvenirladen mit Dauerwohnwagen.



      Dann fahren wir weiter zum Dorf Ashtarak, wo ein Privathaus auf die Bewirtung von Busreisenden eingerichtet ist. Dort wird uns zuerst das Backen der typischen Fladenbrote demonstriert. Der dünn ausgewalzte Teig wird mit Hilfe einer abgerundeten Platte an die Wand eines im Boden eingelassenen Ofens geklebt, wo er nach sehr kurzer Zeit ausgebacken ist.



      Nach dieser Demonstration finden wir das Brot in handliche Stücke zerteilt zwischen den zahlreichen Vorspeisen unseres Mittagsmahles wieder.



      Die Pause dauert insgesamt eineinhalb Stunden. Dann machen wir uns wieder auf den Weg zurück nach Jerevan. Unser Ziel ist die Genozidgedenkstätte Tsitsernakaberd (Schwalbenburg). Unterwegs halten wir bei einem Blumenladen, wo unsere Reiseleiterin Arevik für jeden von uns eine weiße Nelke kauft.

      Dann erreichen wir die 1968 fertiggestellte Gedenkstätte. Ein hoher, gespaltener Obelisk symbolisiert die Teilung des armenischen Gebietes. Im Inneren einer kreisförmigen Struktur brennt die ewige Flamme, wo wir unsere Nelken niederlegen. Am Gedenktag im April entsteht hier durch die vielen Besucher regelmäßig ein großes Blumenmeer.



      Eine Gedenkmauer trägt auf einer Seite die Namen der Orte in denen Opfer wohnten, auf der anderen Seite werden Persönlichkeiten gewürdigt, die sich für die Opfer eingesetzt haben. Ich sehe hier die Namen von Fritjof Nansen und Papst Benedikt XV.
      Eine Allee ist flankiert von Bäumen, die zum Gedenken an den Genozid angepflanzt wurden. Hier lesen wir z.B. den Namen Emmanuel Macrons.



      Als wir zu unserem Hotel zurückgekehrt sind, haben wir den Abend zur freien Verfügung. Wie wir es uns vorgenommen hatten, suchen wir wieder das Restaurant Abovian 12 auf. In dem Altbau befindet sich neben der urigen und gemütlichen Speisestätte auch noch ein Souvenirladen und ein Kunstatelier. Wir finden tatsächlich einen Tisch im Freien – gleich neben dem Brunnen, der zum Frischhalten der Wassermelonen genutzt wird.



      Hier lassen wir es uns richtig gut gehen.


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    • Auch ich lasse mich gern in diesen mir unbekannten Teil der Welt entführen; den Ararat kenne ich immerhin von der türkischen Seite her ^^

      Laminaria wrote:

      bei einem urigen Souvenirladen

      Der sieht für mich auf den ersten Blick so aus wie eine typische Hütte auf einem deutschen Weihnachtsmarkt :whistling:

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • Tag 4 – Chor Virap und Noravank – 10.09.2019

      Und was unternehmen wir heute? Es stehen wieder zwei Klöster mit Kreuzkuppelkirchen auf dem Programm.
      Wir fahren von Jerevan aus etwa 40 km in südöstlicher Richtung zum Kloster Chor Virap. Es liegt unmittelbar an der türkischen Grenze und eigentlich schon am Fuße des Berges Ararat. Damit ist es eines der landschaftlich am schönsten gelegenen Klöster Armeniens.

      Zwar ist das Wetter heute freundlicher als in den ersten Tagen, aber dennoch hüllt sich die Gipfelregion des Berges leider in eine Wolkendecke. Wir machen trotzdem einen Fotostop zwischen den Weinbergen, wo auch schon eine Gruppe junger Künstler mit Staffelei und Zeichenblöcken auf bessere Sicht hofft.

      Wir machen einige Bilder. Auf diesem Foto kann man wenigstens einen Teil des vergletscherten Gipfels erkennen (die helle, etwas hakenförmige Struktur in der linken Bildhälfte zwischen den Wolkenschichten).



      Sehr unbefriedigend, wenn man es mit der optimalen Perspektive vergleicht.

      Aber eigentlich ist die Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert auch allein recht fotogen.



      Schließlich fahren wir auf den Parkplatz. Beim Aussteigen sehen wir kleine Käfige mit weißen Tauben. Es gibt den Brauch, hier gegen ein kleines Entgelt eine Taube zum Ararat fliegen zu lassen. Für Personen ist die türkische Grenze ja hermetisch abgeriegelt.



      Unsere Führung beginnt in der kleinen St. Georgs Kapelle. Mit ihr hat es eine besondere Bewandtnis, weil hier der Apostel Armeniens, Gregor der Erleuchter, 13 Jahre in einem Verlies geschmachtet haben soll. Er hat der Legende nach durch eine Wunderheilung den damaligen armenischen König zum Christentum bekehrt, der es daraufhin im Jahre 301 zur Staatsreligion machte. Die Kapelle über dem Kerker wurde im 17. Jahrhundert erbaut.
      Der Eingang ist mit wunderschönen Steinmetzarbeiten gestaltet. Die Kapelle selbst ist im Inneren schlicht. Wer mag, kann in das Verlies hinabsteigen, was wir uns aber ersparen.



      Die Muttergotteskirche ist in verschiedenfarbigem Sandstein erbaut. Durch den Glockenturm hindurch gelangt man in das Innere.



      Um einen schönen Überblick zu bekommen steigen wir zuletzt noch die Anhöhe bis zum Fahnenmast hinauf. Die graue, abgewinkelte Linie gleich hinter dem Kloster ist die türkische Grenzanlage.



      Als wir hinabsteigen, schauen wir uns noch ein wenig auf dem Friedhof neben dem Parkplatz um. Die Grabsteine mit den fotografisch echten Personenbildern finden wir bemerkenswert.



      Als wir weiter nach Südosten zum Kloster Noravank fahren, wir die Landschaft immer gebirgiger.




      Dieser Tag wird fortgesetzt.


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    • Tag 4 – Noravank – Fortsetzung 10.09.2019

      Das Kloster Noravank ist umgeben von einer atemberaubend schönen Gebirgslandschaft. Es ist wesentlich älter als Chor Virap und musste nach diversen Erdbeben restauriert werden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden in dieser Anlage armenische Fürsten bestattet.
      Eingebettet in rote Felsformationen entfalten diese Kirchen eine besondere Wirkung. Es soll mein Lieblingskloster werden.



      Die Hauptkirche Surp Karapet ist Johannes dem Täufer geweiht. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert, ebenso wie ihr geräumiger Gavit. An der Südflanke sieht man die Überreste einer Vorläuferkirche, die von einem Erdbeben zerstört wurde.



      Das Portal des Gavit wird von zwei Typana mit Darstellungen von Gottvater (oben) und Maria mit Kind (unten) verziert. In die Wände sind Kreuzsteine eingelassen.



      Neben dieser Kirche befinden sich drei besonders schöne dieser Chatschkare.



      Auffällig und eindrucksvoll ist die Mausoleumskirche (Surb Astvatatsin oder Heilge Gottesmutter) aus dem 14. Jahrhundert. Sie weist zwei Eingänge auf. Der untere führt hinab zur Grablege der armenischen Fürstendynastie, welche den Bau gestiftet hat. Das Tympanon zeigt die Madonna zwischen Engeln sitzend.
      Der obere Eingang ist über eine doppelläufige Treppe zu erreichen. Er ist besonders reich verziert und stellt ein Meisterwerk der Steinmetzkunst dar. Dieses Tympanon zeigt Jesus zwischen Petrus und Paulus.



      Neben der Mausoleumskirche sehen wir einen ganz besonders filigranen Kreuzstein.



      Da wir hier sehr viel Zeit zum Schauen hatten, ist es schon recht spät, als wir zum Mittagessen aufbrechen. Wir fahren in das nächste Dorf Areni, wo auf einem großen Weingut ein Erholungspark eingerichtet wurde. Hier kann unsere 26-köpfige Gruppe gut verpflegt werden.



      Die Tischdecken weisen ein interessantes Muster auf: Reihen von Granatäpfel, die als Symbol für Armenien gelten, wechseln sich mit den Schriftzeichen des armenischen Alphabetes abArevik erzählt uns bei dieser Gelegenheit, dass die Grundschüler im ersten Schuljahr die armenische Schrift lernen. Im zweiten Schuljahr folgt das russische und im dritten auch noch das lateinische Alphabet. Respekt, das ist eine große Leistung!

      Nach dem Essen werden wir zu einem Verkaufsstand für Obst, Säfte und „Coca Cola“ geführt. Die Besonderheit daran: Hier wird Rotwein in Colaflaschen abgefüllt und an iranische Touristen verkauft, die ihn so getarnt nach Hause bringen. Wir werden auch Zeuge einer solchen Transaktion.



      Die Grenze zum Iran ist nur wenige Kilometer entfernt. Man sagt uns, es gäbe dort auf armenischer Seite auch Umkleidekabinen für Damen, die den Wunsch haben sich etwas leichter zu kleiden.

      Den Abend in Jerevan können wir wieder selbst gestalten. Es ist auf dieser Reise so, dass entweder das Mittagessen oder das Abendessen vom Veranstalter organisiert wird.
      Eigentlich wollen wir heute ein anderes Restaurant ausprobieren, aber um den Platz der Republik herum ist es ziemlich überfüllt. Inzwischen ist es dunkel und wir schauen noch ein wenig den Wasserspielen zu.



      Dann zieht es uns doch wieder zu Abovian 12. Unterwegs sehen wir ein modernes, vielgeschossiges Gebäude, in das die Fassade eines alten Bürgerhauses einbezogen wurde. So geht es auch.



      Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, was wir an diesem Abend gegessen haben. Die Rechnung ist da für uns nicht sehr hilfreich. Kann jemand von euch armenisch?



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    • Vielen Dank für den ausführlichen Reisebericht mit interessanten Bilder. :good3:

      Auf Bild 7 sind zwei Kunstwerke von Fernando Botero zu sehen :search: - oben links die Rauchende und unten rechts die Katze (Gatto). Erstere erinnert mich an ein weiteres Kunstwerk von Botero - die Liegende mit Frucht - die auf dem Heumarkt in Bamberg aufgestellt wurde.

      Auf dem alten Friedhof in Kronberg ist vor kurzem ein armenisches Grab entstanden - mit einem Kreuzstein aus rotem Sandstein. Dank Deines Reiseberichtes weiß ich nun mehr darüber. :good3:
      <3 lig hilsen
      Bernhard

    • @effemuc

      Heikel und umlagert war die Treppe tatsächlich und es soll dort oben auch nicht spektakulär gewesen sein.

      Ich wollte eigentlich kaum noch Bilder aus dem Inneren solcher Kirchen zeigen. Wegen der meist winzigen, schießschartenartigen Fenster war es schwierig, gute Bilder zu machen. Das Blitzlicht zerstört aber die Atmosphäre. Ein weiterer Grund ist natürlich das Bildkontingent. Ich möchte es nicht mit vermutlich weniger interessierenden, düsteren Bildern belasten.

      Aber dein Interesse freut mich. Daher liefere ich doch ein paar Fotos nach:

      In der Täuferkirche wurde ebenfalls der Adel bestattet. Es gibt hier schöne Kreuzsteine, Grabplatten und auch eine Art Wappen. Der König bekämpft vom Pferd aus einen Löwen.



      In der Mausoleumskirche haben wir immerhin die Gruft besucht.



      Viele Grüße
      Laminaria


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    • @Laminaria
      Diese Weltgegend interessiert mich auch sehr, da ich aber selber nicht mehr dorthin komme, freue ich mich umso mehr über deinen so ausführlichen Reisebericht- ausführlich in Wort und Bild. Warte immer schon gespannt auf die Fortsetzung. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie arbeitsaufwändig das Erstellen so eines Bericht ist. Deshalb doppelten Dank an dich und an alle hier im Forum, die uns damit eine Freude machen. :) :) :)

      Danke auch für deinen schon etwas zurückliegenden Buchtipp: " Arktische Weihnachten".
      Habe es diese Woche bekommen und " durfte" schon anfangen zu lesen, eigentlich erst zu Weihnachten. Ist ein spannendes, bewegendes und zugleich sehr informatives Buch mit wunderbaren Einführungen und sogar Eigenübersetzungen von Rolf Stange und sehr passenden Zeichnungen von Norbert Wachter.
      Portofrei zu bestellen unter SPITZBERGEN.DE
      Liebe Grüße von Trollebo
    • Tag 5 – Edschmiadzin und Jerevan – 11.09.2019

      Heute absolvieren wir ein Programm, das eigentlich für den 3. Tag vorgesehen war. Wir begeben uns nach Edschmiadzin, dem religiösen Zentrum Armeniens, das nur 20 km entfernt in der Nähe des Flughafens liegt.
      Vier besonders alte Kirchen, darunter die Kathedrale des Patriarchen, sind hier gemeinsam zum UNESCO-Welterbe ernannt worden. Drei davon werden wir besuchen.

      Der Weg führt uns zunächst zur Kirche einer frühchristlichen Märtyrerin, der heiligen Hripsime. Sie wurde 618 vollendet und ist mit ihren hohen Nischen in den Außenwänden und der sechzehnseitigen Kuppel eine architektonische Besonderheit.



      Im Inneren sehen wir die Grabkammer der heiligen Hripsime, wo in einer beleuchteten Nische hinter dem Sarkophag ihre Steinigung dargestellt ist.



      Sodann besuchen wir das eigentliche Zentrum und die Keimzelle der orthodoxen armenischen Kirche. Es ist die Klosteranlage Edschmiadsin mit der Kathedrale und der Residenz des Katholikos, wie der Patriarch hier genannt wird.

      Der erste Träger dieses Titels war der bereits erwähnte Gregor der Erleuchter. Wir betreten die Anlage durch ein überdimensionales modernes Portal . Darauf erkennen wir die Darstellung von König Tiridates und Gregor, einander die Hand reichend – ein Symbol der Christianisierung im Jahre 301.



      Auch ein anderes imposantes Gebäude aus jüngster Zeit erregt unsere Aufmerksamkeit. Es handelt sich um die Bibliothek für alte Schriften.



      In Edschmiadsin befindet sich von alters her das zentrale Priesterseminar. Entsprechend gibt es auf dem Gelände Seminarräume, Wohnstätten für die Studierenden und den Klerus und ein Refektorium. Viele dieser Gebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die dahinter liegenden Neubauten sind ein Zeichen für den Aufschwung der Religion nach 70 Jahren Atheismus zur Sowjetzeit.

      Das bedeutendste Bauwerk ist natürlich die Kathedrale des Katholikos. Ihre Grundmauern gehen auf das Jahr 303 zurück. Hier steht also die älteste Kirche Armeniens. Viele Jahrhunderte waren geprägt von An- und Um- und Wiederaufbau. Die heutige Form stammt aus dem 17. Jahrhundert.
      Leider sind gerade umfangreiche Restaurierungsarbeiten sowohl außen als auch im Inneren im Gange. Wir dürfen die Kathedrale daher bedauerlicherweise nicht betreten. Sie ist eine der wenigen ausgemalten Kirchen Armeniens und beherbergt außerdem den Kirchenschatz. All diese Pracht können wir nun nicht sehen.



      Einen Vorgeschmack bekommt man aber schon beim Betrachten des Glockenturmes. Dessen Durchngang ist farbenprächtig und detailreich ausgeschmückt. In den Ecken der gewölbten Decke sind vier Engelsdarstellungen zu erkennen. Eine davon weist ein besonderes Merkmal auf: Ein kleiner Skorpion ist in dem Fresko kleben geblieben. Sorgfältig haben die Restauratoren es vermieden, hier die Patina zu entfernen, damit das Tierchen nicht abgelöst wird.



      Gegenüber der Kathedrale liegt hinter einem hohen Gitterzaun die Residenz des Katholikos.



      Auf dem Rückweg bewundern wir die Sammlung bedeutender Chatschkare.



      Dann bringt der Bus uns zu der Ruine von Zvartnots, einer Rundkirche aus dem 7. Jahrhundert, die im 10. Jahrhundert - vermutlich durch ein Erdbeben - eingestürzt ist. Sie weist sehr schöne Säulen und Kapitelle auf. Auch hier sieht man wieder die Verwendung verschiedenfarbigen Sandsteins.



      Nach einem ausführlichen Rundgang bringt der Bus uns zurück nach Jerevan.


      Dieser Tag wird fortgesetzt.


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