Ganz ohne Schiff durch den Kaukasus – Armenien und Georgien – 7. - 22. September 2019

    • 2019
    • :laugh1:

      Im Speisesaal sehen wir, dass das Hotel von vielen Touristen aus ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken besucht wird. So lange hält der Ruhm Borjomis offenbar noch an. Unser Zimmer wird bestimmt oft von Großfamilien aus Kasachstan oder Turkmenistan bewohnt.


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    • Tag 12 – Höhlenstadt Wardsia - 18.09.2019

      Heute steht ein besonderer Höhepunkt der Reise auf dem Programm, nämlich das Höhlenkloster Wardsia.

      Wir genießen die Fahrt durch eine sehr malerische Landschaft entlang dem Fluss Mtkwaki. :D (Ja, die Sprache ist sehr Reich an Konsonanten.) Zum Glück ist das Wetter heute wieder richtig schön.



      Auf unserem Weg kommen wir an einigen Festungen vorbei. Georgien hatte immer wieder mit Begehrlichkeiten seiner Nachbarn zu tun. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir auf unserer Reise häufig Wehralagen zu sehen bekommen.
      Wir besichtigen gegen 11 Uhr die Festung Khertvisi, die am Zusammenfluss von Mtkvari und Paravani liegt. Erste Anlagen reichen bis in das 2. vorchristliche Jahrhundert zurück. Die heutigen Mauern stammen von 1354.



      Wir haben hier auch eine biologische Pause. Die Hüterin des Örtchens ist eine alte Frau aus dem Dorf, die jedem von uns 2 Lari abverlangt. Nicht jeder hat passende Münzen dabei und so finden in der Warteschlange erst einmal Tauschaktionen statt. Auch als die Dame schließlich etliches Kleingeld eingenommen hat, ist sie beim Umtausch nicht behilflich.

      Wie immer ist die Schlange vor dem Damen-WC deutlich länger. Es gibt zwar zwei Toilettenbecken, sie befinden sich aber in einem gemeinsamen Raum ohne Trennwand. Bei jedem Personenwechsel versucht der Zerberus mit den Worten „Dawai dawai“ noch eine zweite Frau hinein zu schieben. :nono: Jede hat sich aber erfolgreich wehren können.

      Weiter geht die Fahrt, wobei die Landschaft immer schroffer und eindrucksvoller wird.



      Schließlich halten wir an einem Parkplatz, von dem aus man die Felsenstadt vollständig überblicken kann. Der zerklüftete Hang ist durchsetzt von Öffnungen, die durch Terrassen und Treppen miteinander verbunden sind. Der heutige Anblick ist die Folge eines Erdbebens, bei dem die Vorderwände der Behausungen abgerutscht sind, so dass die vorderen Räume nun offen zutage liegen.



      Der Ausbau der Höhlenstadt erfolgte im 12. Jahrhundert während des Golgenen Zeitalters Georgiens unter König Giorgi III. und seiner Tochter Königin Tamara, einer Urenkelin von Davit dem Erbauer. Man vermutet, dass es an dieser Stelle aber schon zuvor Einsiedeleien gegeben hat. Zur Blütezeit lebten hier 800 Mönche und es konnten im Falle einer Bedrohung bis zu 50 000 Menschen Schutz finden.

      Kleine Shuttlebusse bringen uns ein gutes Stück den Hang hinauf, von wo aus wir die Begehung der Höhlen beginnen. Dabei ergeben sich interessante Ein- und Ausblicke.



      Wir klettern weiter bis zur Klosterkirche Mariä Himmelfahrt.



      Im Narthex dürfen wir noch fotografieren, nicht aber im Kirchengewölbe selbst, was auch überwacht wird. Das ist sehr schade, denn im Inneren befindet sich ein interessantes Fresko. Beim Hinausgehen gelingt mir durch die Tür doch ein Schnellschuss. Unter einer Verkündigungsszene sind die Urheber König Giorgi III und Königin Tamara dargestellt.



      Von der Kirche aus führt ein Gang zu einer Quelle. Die Höhlestadt konnte sich mit Trinkwasser aus Quellen im Berg versorgen, die sie mittels Tonröhren mit dem Fluss
      verbanden.



      Auch heute noch leben einige wenige Mönche im Kloster, die auch als Fremdenführer fungieren. Bei dieser traumhaften Terrasse ist natürlich das Betreten verboten.



      Es gibt verborgene Fluchttreppen im Berg, die viele von uns für den Rückweg zum Bus benutzen. Ich gehe lieber in einer kleinen Gruppe den längeren Weg mit der schönen Aussicht.



      Es ist fast schon 15 Uhr, als wir uns zum Mittagessen im blühenden Garten eines großen Bauernhofs mit Blick auf den Mtkwaki niederlassen. Hier werden für Reisende Forellen aus dem Fluss am Spieß gegrillt.



      Solcherart erholt machen wir uns um 16 Uhr auf den Rückweg zum Hotel, das wir gegen 18 Uhr erreichen.



      Nach dem Abendessen möchten wir gern eine Flasche Rotwein trinken. Für die Bestellung benutzt unser Freund die Übersetzungs-App auf seinem Smartphone und hält zwei Kellnerinnen das Display mit georgischer Schrift hin. Amüsiert lesen sie den Text und eine von ihnen bringt sogleich das Gewünschte herbei. Wir leeren die Flasche in unserer geräumigen Suite, können aber auch heute noch nicht auf einen neuen Erdenbürger anstoßen.


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    • Tag 13 – Die Höhlenstadt Uplisziche und Gori

      Wir verlassen unser Hotel in Borjomi und fahren zunächst gut 90 km zu einer weiteren Felsenstadt, der wesentlich älteren Anlage von Uplisziche. Es handelt sich um eine der frühesten Siedlungen der Menschheit, deren Alter auf 3000 Jahre geschätzt wird. Ihre ältesten heute erhaltenen Teile stammen allerdings aus dem 2.-3. Jahrhundert nach Christus.
      Auf einer Anhöhe oberhalb des Flusses Mtkwari gelegen hatte die Stadt einst eine große Bedeutung als Handelsplatz an der Seidenstraße. Ihre Blütezeit war im Mittelalter, aber bis ins 18. Jahrhundert hinein lebten hier Menschen.
      Der Zahn der Zeit und Erdbeben haben natürlich zu großer Zerstörung der in den weichen Sandstein gegrabenen Strukturen geführt. Links im folgenden Bild sieht man die Reste einer vermutlichen Nekropole aus hellenistischer Zeit. Sie weist eine in Stein gehauene Kassettendecke auf.



      Im oberen Bereich befindet sich der Palastbezirk mit Fragmenten eines Theaters und einer dreischiffigen Basilika. Gute Detailfotos davon zu machen war wegen der vielen Besucher leider schier unmöglich.
      Fotogen thront die Fürstenkirche aus dem 10. Jahrhundert hoch oben auf dem Plateau, von dem aus man einen weiten Blick genießt.



      Wir befinden uns hier nur 12 km östlich der Stadt Gori, wo unsere Mittagspause sein soll. Es handelt sich um die Geburtsstadt Stalins, in der immer noch ein großer Personenkult um den Diktator gemacht wird – insbesondere von älteren Einheimischen. Das große Stalinmuseum beschert der Stadt immerhin viele Besucher und die damit verbundene Einnahmen.

      Diese Kultstätte steht nicht auf unserem Programm, aber Maja würde uns kurz durch die Außenanlagen führen, wenn der Wunsch besteht. Sie meint, das Museum sei keinen Besuch wert, weil dort verschwiegen wird, was für ein entsetzlicher Mensch Stalin war.
      Hinter dem klassizistischen Prachtbau befindet sich ein Marmorpavillon, unter dem das winzige Geburtshaus von Wissarionowitsch Dschugaschwili alias Josef Stalin vor der Witterung geschützt wird. Unweit davon ist sein gepanzerter Salonwagen zu besichtigen, allerdings nur mit Eintrittskarte zum Museum. Um die Anlage herum werden reichlich Stalin-Devotionalien in Form vom Anstecknadeln, Kühlschrenkmagneten usw. verkauft.



      Wir suchen einen Schnellimbiss auf der gegenüberliegenden Seite der Stalin Avenue auf und halten Mittagsrast.


      Dieser Tag wird fortgesetzt.


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    • Tag 13 – Auf der Georgischen Heerstraße zum Kasbek – Fortsetzung 19.09.2019

      Wir folgen nun der Georgischen Heerstraße auf dem Weg in den Hohen Kaukasus. Sie folgt in nördlicher Richtung dem Flussbett des Aragwi und nach Überwindung des Kreuzpasses in fast 2400m Höhe dem Lauf des Terek bis nach Wladikawkas in Nordossetien.

      Die 213 km lange Fernstraße wird schon in der Antike erwähnt und diente in ihrer Geschichte dem Handel und Kulturaustausch sowie auch oft dem Truppenstransport. Touristisch ist die Route wegen ihrer großen landschaftlichen Schönheit interessant.

      Etwa 60 km nördlich von Tbilissi bildet der Aragwi seit 1986 den Zhinwali-Stausee. An dessen Südufer befindet sich die Festung Ananuri, deren Grundmauern noch aus dem 13. Jahrhundert stammten. Die heutigen Gebäude sind aus dem 17. Jahrhundert. Mit ihren zwei Kirchen ist dieses Wehrkloster eines der beliebtesten Fotomotive Georgiens.



      Die kleine und ältere ist die Erlöserkirche, die größere Hauptkirche von 1689 die Maria-Entschlafens-Kirche. Das Portal ist mit Arabesken verziert und an der Fassade darüber sind außerordentlich schöne Reliefs zu sehen.

      Die zwei Drachenfiguren ganz unten versinnbildlichen das Böse. Zu beiden Seiten des Kreuzes befindet sich je eine Engelsfigur, ein Rebstock mit friedlichen Tieren und ein Löwe. Auf diese Art ist der Triumph des Glaubens dargestellt.



      Im Kircheninneren befinden sich Reste alter Fresken und ein schöner Patriarchenstuhl.



      Weiter geht es das malerische Flusstal entlang.



      Schließlich fahren wir in 18 scharfen Serpentinenkurven einen steilen Hang hinauf. Diese Trasse wurde unter großen Anstrengungen im 19. Jahrhundert in den Berg gehauen. Hinabsehen lässt einen schwindeln. Mit uns auf dieser Straße sind sehr viele Lastautos. Armenien hat ja keinen Zugang zum Schwarzen Meer und so erfolgt der Handel mit Russland zu einem großen Teil über die Georgische Heerstraße. Entsetzen packt uns, als unser Busfahrer auf dieser Gebirgsstraße eines der Lastautos überholt. Schon vorher haben sich einige von uns über seine Fahrweise beschwert. Maja sagte, sie habe ihn bereits mehrfach auf das Thema angesprochen, aber immer ganz vorsichtig. Er sei immer noch schwermütig und in Trauer, weil drei Jahre zuvor sein einziger Sohn mit 23 Jahren gestorben ist. Das macht es für mich eher schlimmer. Ist ihm jetzt etwa alles egal? Ich mache mir schon Sorgen über den Rückweg.

      Endlich haben wir den Hang überwunden. Oben befindet sich der Ort Gudauri. Man hat die Expertise von Österreichern eingeholt und nachdem der Standort für geeignet gehalten wurde, ist hier ein Skiparadies mit vielen Hotels entstanden. Eine Vielzahl von Baukränen deutet auf eine weitere Expansion des Tourismus hin.



      Nördlich von Gudauri gibt es eine Aussichtsplattform, die zu Ehren der georgisch-russischen Freundschaft erbaut wurde. („In Anführungszeichen“, sagt Maja dazu.) Eigentlich hatte der Rundbau abgerissen werden sollen, aber er ist einfach zu beliebt. Allerlei symbolträchtige Darstellungen schmücken das Innere des Halbrundes, z.B. in der Mitte die Mutter Georgien, rechts und links davon der heilige Georg als Drachentöter.



      Der großartige Blick ist uns und Anderen ein Erinnerungsfoto wert.



      Im Bereich des Parkplatzes gibt es wie üblich ein paar Marktstände. Die Abendsonne lässt die Farben der Waren ganz besonders leuchten. An Honig im Gegenlicht kann ich mich kaum satt sehen.



      Wir befinden uns bereits im Großen Kaukasus.

      Es ist nun nicht mehr weit bis zum Ort Stepansminda, wo sich unser Hotel für diese Nacht befindet. Als wir es erreichen, ist es schon etwas dämmrig.


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    • Tag 14 – Am Kasbek – 20.09.2019

      Der Ort Stepansminda liegt am Fuße des 5047 Meter hohen Kasbek. Unser Hotel Stancia Kazbegi bietet von der Terrasse des Speiseraumes aus den Blick auf das wohl bekannteste Motiv Georgiens, die Gergeter Dreifaltigkeitskirche vor der Kulisse des vergletscherten Vulkankegels. Um 8 Uhr liegt der Berg bereits in der Sonne, während das Kirchlein sich noch als schwarze Silhouette von dem blauen Himmel abhebt. Ein magischer Anblick! Immer wieder unterbrechen wir das Frühstück um aufzunehmen, wie auch der Kirchberg langsam immer mehr in den Sonnenschein gerät.



      Um 9 Uhr bringen uns Geländefahrzeuge hoch zu der Dreifaltigkeitskirche. Maja hat angeboten, mit einigen aus der Gruppe hinauf zu wandern. Sechs von uns nutzen die Gelegenheit, sich endlich einmal in der Natur zu bewegen. Wir wählen den bequemeren Weg.

      Die Kirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist recht bedeutend, weil sie jahrhundertelang den Kirchenschatz und das Weinrebenkreuz der Nino beherbergte.
      Die schönen Reliefs der Außenwände liegen leider bis auf ein rechteckiges Tor im Schatten.



      An mein Kopftuch habe ich natürlich gedacht. Eigentlich dürfen Frauen georgische Kirchen auch nur im Rock betreten. Das wurde aber bislang nicht streng gehandhabt. Hier aber werde ich am Eingang zurückgewiesen. In einem kleinen Anbau befinden sich schwarze Wickelröcke, von denen ich einen über meine Jeans binde.

      Im Inneren ist das Fotografieren verboten und ich habe absolut keine Erinnerung mehr, wie es darin aussah. Ein Sandbecken mit schlanken, leuchtenden Kerzen darin, wie wir sie auf der ganzen Reise vor zahlreichen Ikonen gesehen haben, erregt aber damals meine Aufmerksamkeit. Zwar ist Kleingeld uns wegen der biologischen Pausen eigentlich kostbar, aber ich suche doch ein paar Münzen heraus, um an dieser besonderen Stelle auch selbst einmal eine Kerze anzuzünden.

      Nach einigem Suchen finden wir den kleinen Feldweg zu einem Kreuz, von dem aus man eine besonders schöne Perspektive genießen kann. Drei Ostasiatinnen in ausgesucht eleganter Kleidung fotografieren sich hier in aller Seelenruhe gegenseitig am Kreuz – sicher für Instagram oder Ähnliches. Als sie gar keine Anstalten machen, den Platz frei zu geben, bitte ich sie darum, eine Pause in ihrem Fotoshooting einzulegen, weil unsere Gruppe bald aufbricht. So kommen wir doch noch zu Bildern ohne Model-Posen davor.



      Die Geländewagen bringen uns bald wieder zurück zum Hotel, wo wir unsere Zimmer noch bis 14 Uhr behalten dürfen. Die Zeit nutzen wir für einen Rundgang durch den Ort, aber viel Sehenswertes finden wir hier nicht. Wir verweilen ein wenig bei der Kirche, auf deren Friedhof sich das Grabmal des großen Sohnes der Stadt, Alexander Kasbegi, befindet.



      Er ist ein sehr bekannter russischer Schriftsteller. Nach ihm und seinem Vater, der sich um den Ausbau der georgischen Heerstraße verdient gemacht hat, war die Kleinstadt nach der Revolution in Kasbegi umbenannt worden. Seit einigen Jahren heißt sie wieder Stepansminda (heiliger Stephan).

      Nach dem Spaziergang setzen wir uns in ein Restaurant am zentralen Platz. Wir blicken dabei auf den Kasbek, der sich allmählich in Wolken hüllt, und auf das Denkmal von Alexander Kasbek vor unserem Hotel.



      Nach einer Weile trauen wir unseren Augen nicht. Auf der Hauptstraße, auf der immer wieder auch große Lastautos vorbeikommen, trottet gemütlich eine Kuh des Weges. Bald gesellt sich eine zweite dazu und dann sehen wir auch, was diese Tiere ins Ortszentrum treibt. Es ist der Brunnen, an dem sie nun ausgiebig ihren Durst löschen.



      Nach dem Essen holen wir das Gepäck aus dem Hotel und bringen es zu dem wartenden Bus – nicht bevor ich noch ein letztes Mal einen Blick auf Whatsapp geworfen habe. Immer noch keine Nachricht von unserem Sohn.

      Auf dem Programm steht nun noch die Fahrt über den 2379 m hoch gelegenen Kreuzpass bis hin zur russischen Grenze. Die Landschaft bleibt dramatisch, als wir durch die Schlucht des Terek fahren.



      Vor dem Grenzübergang steht eine neuere Kirche. Das erinnert mich an Grense Jakobselv und die kleine Oskarskapelle, die auch bei Kirkenes das Territorium an der Grenze zu Russland markiert. Eine Schlange von Lastautos wartet auf die Abfertigung.



      Wir befinden uns im Quellgebiet des Terek, der aus einem der Gletscher des Kasbek entspringt. Dieser Fluss hat für meine Familie eine Bedeutung, die noch auf das Ende der Zarenzeit zurück geht. Ausnahmsweise will ich daher eine Aufnahme mit dem Smartphone machen, um sie später meinem Cousin zu schicken. Kaum habe ich das Gerät eingeschaltet, als auch schon auf dem Display der Anfang einer SMS zu sehen ist. Ich lese einen Namen, das heutige Datum und ein Geburtsgewicht. Schnell öffne ich die SMS vollständig und suche meinen Göga. Nun sind wir beide überglücklich.

      Es steht uns nun aber noch der Rückweg durch Schluchten und Serpentinen bevor. Unser Busfahrer ist aber diesmal vorsichtiger und so können wir die herrliche Landschaft ruhiger genießen.



      Unser Ziel ist heute wieder Tbilissi. Wir beziehen das uns schon bekannte Hotel Ramada Encore. Noch bevor wir den Zimmerschlüssel bekommen, wähle ich mich im Foyer ins WLAN-Netz ein und dann können wir endlich ein erstes Foto des Kleinen sehen.
      Zum Abendessen werden wir in die Altstadt zum Restaurant Papa Nikala gebracht. Dort trinken wir bei einer Runde Sekt auf unseren neugeborenen Enkelsohn.



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    • Trägt die Statue vor dem Restaurant Papa Nikala ein Lamm in ihren Armen?

      Laminaria wrote:

      Dieser Fluss hat für meine Familie eine Bedeutung, die noch auf das Ende der Zarenzeit zurück geht. Ausnahmsweise will ich daher eine Aufnahme mit dem Smartphone machen, um sie später meinem Cousin zu schicken. Kaum habe ich das Gerät eingeschaltet, als auch schon auf dem Display der Anfang einer SMS zu sehen ist. Ich lese einen Namen, das heutige Datum und ein Geburtsgewicht. Schnell öffne ich die SMS vollständig und suche meinen Göga. Nun sind wir beide überglücklich.

      Da waren quasi die Vergangenheit und die Zukunft Deiner Familie in einem Moment vereint. :)
      <3 lig hilsen
      Bernhard

    • mil etter mil wrote:

      Da waren quasi die Vergangenheit und die Zukunft Deiner Familie in einem Moment vereint.


      Stimmt, so hatte ich das noch gar nicht gesehen, wenngleich mir der Moment natürlich sehr besonders vorkam.

      Zur Statue des Papa Nikala: Ich hatte nachgefragt, es handelt sich um ein Lamm. Die Geschichte dahinter kenne ich aber leider nicht.

      @Trollebo

      :sdanke: genau so wird es sein.

      Viele Grüße :)
      Laminaria


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    • Tag 15 – Kachetien – 21.09.2019

      Noch einmal gibt es für uns einen Ausflug von Tbilisi aus. Es geht heute in das Weinbaugebiet Kachetien, die östlichste Region des Landes.

      Der erste Weg führt zum Frauenkloster Bodbe, in dem sich der Überlieferung nach das Grab der Heiligen Nino, der Missionarin Georgiens, befindet. Sie starb 361 als Einsiedlerin in dieser Gegend. Bodbe ist daher ein wichtiger Walfahrtsort der georgisch orthodoxen Kirche. Vom Glockenturm hängen zwei Seile herab, mit dem gerade eine der Nonnen zur Messe in der neu erbauten, größeren Kirche des Konvents läutet.



      Das Fotografieren ist insbesondere in der älteren Basilika verboten. Von den schönen Gartenanlagen aus genießt man einen weiten Blick in die darunterliegende Ebene und die malerische Stadt Signagi.



      Sie ist nur zwei Kilometer entfernt und vollständig von einer Mauer mit 28 Wehrtürmen aus dem 18. Jahrhundert umgeben. Die Gebäude mit ihren charakteristischen Balkonen stammen größtenteils aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
      Vieles ist in den letzten Jahren restauriert und modernisiert worden und so ist für meinen Geschmack eine etwas zu geglättete Vorzeigestadt entstanden. Die Kulisse ist jedenfalls beliebt bei Hochzeitspaaren und tatsächlich bekommen wir welche zu sehen.



      Wir steigen zu einem der Türme hinauf und blicken über renovierte Dächer hinweg auf den Turm der St. Georgs Kirche. Dann spazieren wir weiter die Stadtmauer entlang zu einem imposanten Stadttor.



      Der Rückweg hinunter zum Parkplatz führt uns wieder über einen Markt. Die bunten Handarbeiten aus Filz, die Gewürze und die Süßigkeiten aus eingedicktem Fruchtsaft haben es mir hier angetan.



      Maja kauft zwei der runden Fruchtsaft-Scheiben und wir dürfen alle probieren. Ich mag den fruchtig-sauren Geschmack sehr.



      Dann fahren wir zu einem Weingut, wo wir unter freiem Himmel und neben Granatapfelbäumen unser Mittagessen einnehmen.



      Wieder blicken wir auf Signagi hinunter. Diesmal ist die Aussicht ganz besonders schön.




      Zwei weitere Besuche von Weingütern sind dem Verkosten diverser Rebsäfte gewidmet. Der Weinbau in Georgien hat eine jahrtausendealte Tradition. Auch vor unserer Reise waren uns einige Weine aus dieser Region vertraut und auf unseren beiden Russlandreisen haben wir ausschließlich georgische Weine getrunken.



      Zunächst besuchen wir ein sehr großes Gut, das in seinem Hauptgebäude ein geradezu riesiges Restaurant betreibt. Wir freuen uns, dass unsere Weinprobe im Freien stattfindet. Es zeigt sich, dass dieser Winzer auch den Weinlieferanten unseres Vertrauens in Hamburg beliefert.



      Anschließend fahren wir zu einem kleinen Familienbetrieb, der den traditionellen Qvevri-Wein produziert. Kurz gefasst geht es dabei um eine Vergärung mitsamt der Maische. Sie findet in riesigen Tonamphoren (Qvevris) statt, die im Boden vergraben sind. Das Produkt zeichnet sich durch einen besonders herben Geschmack aus und ist nicht Jedermanns Sache. Näheres dazu ist hier zu lesen. Das Verfahren gehört seit 2013 zum immateriellen Welterbe der UNESCO.


      Der Rückweg nach Tbilissi genießen wir zunächst in der Abendsonne. Später zieht Bewölkung auf über den Bergkämmen des Kaukasus.



      Als wir das Hotel um 21 Uhr erreichen, ist es bereits dunkel. Auf ein Abendessen verzichten wir heute.


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    • Tag 16 – Heimreise – 22.09.2019

      In unserer Reiseberschreibung steht über diesen Tag: 'Nach einer kurzen Nacht fahren wir zum Flughafen und treten am frühen Morgen den Rückflug an. Schöne Erinnerungen an zwei gastfreundliche Länder begleiten uns.'

      Das können wir eigentlich fast so stehen lassen. Der Wecker reißt uns schon um 2 Uhr aus dem Schlaf und wir sind auch pünktlich zwei Stunden vor dem um 4:55 Uhr geplanten Abflug nach Warschau am Flughafen. Allerdings sitzen wir dann noch 1 ½ Stunden in der LOT-Maschine auf dem Rollfeld, weil es Unstimmigkeiten hinsichtlich der Zahl der Passagiere und der Zahl der verladenen Koffer gibt. :thumbdown: Direkt unter meinem Fenster befindet sich das Gepäck-Fließband und ich kann beobachten, wie immer mehr Sicherheitsleute darüber in den Laderaum gehen. Schließlich werden zwei exakt gleiche rote Koffer aus der Maschine entfernt und wir bekommen endlich Starterlaubnis. Wir fragen uns, warum wir eigentlich das Flugzeug nicht verlassen mussten, wenn es auf verdächtiges Gepäck untersucht wird. ?(

      Als wir um 6:30 aufsteigen geht über dem Hauptkamm des Kaukasus bereits die Sonne auf.



      Beim Landeanflug auf Warschau verliest der Flugkapitän eine richtig lange Liste von Anschlussflügen, die bedauerlicherweise verpasst wurden. Für die wenigsten Passagiere des Fluges Tbilissi – Warschau ist Polen das eigentliche Reiseziel. Unser Flug nach Frankfurt ist natürlich auch betroffen. Nach der Passkontrolle sollen wir uns am Transitschalter melden. :sshithappens:

      Dort hat man alle gestrandeten Passagiere bereits auf andere Flüge umgebucht. Statt um 7:45 geht es für uns erst um 14:40 weiter. Wir werden von unseren Freunden getrennt; sie müssen auf eine Maschine warten, die erst gegen 17 Uhr fliegt. Das ist wirklich ärgerlich, denn so können wir die letzte Etappe im Zug nach Hamburg nicht gemeinsam verbringen. :thumbdown:

      Als wir eine erneute Pass- und Sicherheitskontrolle hinter uns gebracht haben, suchen wir uns ein Restaurant, wo wir gemeinsam mit einer Dame aus Lüneburg unsere Speisegutscheine einlösen :essen: und die Zeit einigermaßen gemütlich verbringen können.

      Nach 4 Stunden trennen wir uns von den Dreien und besteigen eine Lufthansa-Maschine nach Frankfurt, wo wir noch vor 17 Uhr eintreffen. Zum Glück haben wir reichlich Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Zuges nach Hamburg, denn am Gepäckband ist dann zwar mein Koffer unter den ersten, der meines Göga kommt aber überhaupt nicht. :S
      Am Lost-and-Found-Schalter erfahren wir, dass er in Warschau nicht verladen wurde. Er komme mit der nächsten Maschine und wir könnten damit rechnen, ihn am nächsten oder übernächsten Tag nach Hause geliefert zu bekommen. :thumbup:

      Nun müssen wir also nur einen Koffer zum Bahnhof rollen und im Waggon unterbringen. Eigentlich ganz angenehm, :D stellen wir fest. Während der Fahrt versuchen wir zu lesen, sind aber doch so ermüdet, dass wir immer wieder einnicken.

      Tag 17 – Ankunft – 23.09.2019

      Am Hamburger Hauptbahnhof nehmen wir ein Taxi und sind um 0:15 endlich zu Hause. Als unsere Freunde aus der Höhe von Lüneburg grüßen, läuft bei uns schon die erste Waschmaschine. :D


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    • Fazit

      Noch auf keiner anderen Reise haben wir so viel für uns vorher Unbekanntes gesehen, das uns aber unterwegs von ausgezeichneten Reiseleiterinnen nahe gebracht wurde. Man kann die Tour also getrost als lehrreich im besten Sinne bezeichnen. Können wir sie aber auch empfehlen?

      Wir haben insgesamt 24 Kirchen besucht, wobei ich die mehrere Kirchen umfassenden Klosteranlagen nur einfach gezählt habe. Dazu kamen noch eine Moschee und eine Synagoge. Manch einem mag das wie ein Overkill an Gotteshäusern vorkommen. Zu kurz kommt dabei eindeutig das Erlebnis von Natur und dörflichem Leben. Aber das wussten wir vorher, es handelt sich eben um eine Studienreise.

      Armenien und Georgien sind landschaftlich sehr schön, insbesondere im Gebirge. Ebenso wie im Iran habe ich es aber auch hier wieder bedauert, nicht im Frühling unterwegs zu sein. Statt verdorrtem Grasland hätte ich viel lieber blühende Wiesen gesehen. Nun, im März waren wir ja auf der Hurtigrute.

      Wir haben viele Individualreisende gesehen, aber auch Teilnehmer von organisierten Wandertouren. Hotels gibt es insbesondere in den Städten reichlich. Unsere waren ausgezeichnet, die Straßen - insbesondere in Armenien - eher nicht. Dort werden sie aber gerade ausgebaut.

      Fällt mir etwas Negatives ein? Eigentlich nur unser waghalsiger Busfahrer in Georgien, aber das mochten wir ihn am Ende doch nicht über das Trinkgeld spüren lassen. Immerhin hat er uns heil zurückgebracht.


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      Vielen Dank für diesen tollen und sehr interessanten Reisebericht!
      Vor allem im ersten Teil Deines Berichtes wurde ich an eine Reise erinnert, die ich vor etwa 30 Jahren gemacht habe. Wir waren im Osten der Türkei - im Gebiet von Van-See, Dogubeyazit, Erzurum, Trabzon und Erzincan - mit einem Bus unterwegs und haben also den Ararat von der anderen Seite aus gesehen. Die Kirchen- und Klosteranlagen, die Du beschreibst und zeigst, könnten auch dort stehen.
      Dein Bericht hat mich veranlasst, alte Fotos wieder hervorzukramen.
      Gerda (Alta Connection) :lofoten2:
    • New

      Die Osttürkei stand auch lange auf unserer Prioritätenliste. Freunde von uns, die dort mit Rotel Tours unterwegs waren, hatten uns ihre großartigen Fotos gezeigt. Bedauerlicherweise ist es nun nicht mehr ratsam, dieses Gebiet zu bereisen. Wir wollen es für die Menschen dort und auch für uns Reiselustige hoffen, dass die Verhältnisse sich möglichst bald entspannen.

      Viele Grüße :)
      Laminaria


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