Þetta reddast - mit Linienbussen durch Island (9.-26.8.2017)

    • Island
    • 2017
    • @Wintersonne
      Ich wünsche Dir, dass Du dieses Land mal erkunden kannst. Es ist nicht nur eine sondern viele Reisen wert, finde ich.

      Meine Reise nähert sich dem Ende mit

      Tag 16 in Reykjavik

      Den heutigen Tag in Reykjavik lasse ich sehr geruhsam angegehen.
      Nach dem Frühstück im Hostel, das zwar nicht so reichhaltig war wie die bisherigen jedoch ausreichend und total in Ordnung, schlendere ich zunächst abseits der Hauptwege zum ‚Tjörnin’, dem Stadtsee. Als ich an der Hallgrimskirkja vorbei komme, freue ich mich, dass ich schon vor zwei Wochen auf den Turm gefahren bin. Es fahren gerade drei Busse voller Touristen vor, deswegen wird es in der Kirche und auf dem Turm entsprechend voll sein.
      Mein Weg führt mich an vielen alten und vor allem farbenfroh bemalten Häusern vorbei.




      Am Ufer des Tjörnin angelangt sehe ich schon mein erstes Ziel, das moderne Rathaus, in den See hineinragen.


      Auf dem Tjörnin und am Ufer tummeln sich in großer Anzahl verschiedene Vogelarten, die sich auch gern von den Touristen füttern und fotografieren lassen.



      Im Rathaus wollte ich mir eigentlich ein großes 3D Relief von Island ansehen, lt. Schild wird es aber erst ab nächste Woche wieder an Ort und Stelle sein. Wahrscheinlich ist es vor den Touristen in den Urlaub entflohen.
      In einem Teil des Rathauses ist auch die zentrale Touristeninfo untergebracht. Dort kam ich spontan auf die Idee, mir eine Karte für eine Vorstellung in der HARPA zu kaufen.

      Die nächsten Stunden verbringe ich im Museum ‚Reykjavik 871+2’ in der "Landnahme-Ausstellung". Das faszinierende Museum ist rund um die Überreste eines Wikinger-Langhauses aus dem 10.Jh. aufgebaut, die hier 2001/02 bei Ausgrabungen gefunden wurden. Man versucht, anhand dieses Fundes und mittels anderer Fundstücke aus der Siedlungsära, die alle aus dem Zentrum Reykjaviks stammen, die Besiedelung Islands zu rekonstruieren. Der Name des Museums leitet sich aus dem geschätzten Alter der Tephraschicht unter dem Langhaus ab.
      Das Ganze ist sehr interessant gestaltet und wirklich gut gemacht. Es gibt Multmediatische zu den Ausgrabungen, ein Rundumpanorama des Geländes zu der Zeit als das Langhaus vermutlich gebaut worden ist u.v.a.m.
      Der Eintritt ist für Senioren frei ab 67 Jahre, sehr hilfreich ist der ebenfalls kostenlose Audioguide auf Deutsch.

      An der Domkirkja und dem Alþing vorbei gehe ich mal wieder zur Bäckerei Sandholt, wo ich mich mit einem wohlschmeckenden Süßkartoffeleintopf und ganz frischem Sauerteigbrot stärke.
      In einer Buchhandlung in der Laugavegur sehe ich mich ausgiebig um und kaufe für meinen Bruder den neuesten Band ‚Asterix und Obelix’ auf Isländisch sowie für mich ein Buch über Sagen von der Halbinsel Snæfellsnes aber auf Deutsch. ;)

      Bis zum Beginn der Comedy Show ‚How to become an Icelandic in 60 Minutes’ betrachte ich die HARPA ausführlich von außen und innen. Dieses moderne Konzerthaus direkt am Kreuzfahrtanleger wurde mit Verzögerung wegen der Finanzkrise nach mehrjähriger Bauzeit 2011 eröffnet das teuerste Gebäude, das je in Island gebaut worden ist.





      Draußen ist immer noch Baustelle




      Der kleinste Saal ‚Kaldalon’ (Kalte Lagune) mit rd. 200 Plätzen ist gut gefüllt. Wie sich später herausstellt, bis auf drei Personen alles Ausländer im Publikum, aus Neuseeland, Kanada, Norwegen, Irland, Schottland und mit mir nur drei Deutsche.
      Der Künstler Bjarni Hankur Thorssen stellte in 10 Episoden typische Verhaltensweisen der Isländer vor, wie sie gehen, sprechen, worauf in öffentlichen Badeanstalten penibelst geachtet wird, was sie essen, ‚Svið’ , gesengter Lammkopf z.B. und zum Schluss die Haltung ‚Þetta Reddast’. :P

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich alle sprachlichen Feinheiten richtig verstanden habe, das Ganze wurde ja in englischer Sprache dargeboten. Auf jeden Fall war es sehr kurzweilig und ein netter Abschluss des Tages.
    • Sehr herzlichen Dank für deinen großartigen Bericht in Wort und Bild! Ich verschlinge ihn geradezu. :sdanke:
      Mit dem Linienbus zu reisen - auf diese Idee wäre ich nie gekommen! So warst du ja viel näher dran an Land und Leuten als ich 2013 während einer Gruppenreise entlang der Ringstraße. Und schon diese Tour hat mich total begeistert. Im Rahmen von Fram-Reisen konnte ich inzwischen auch die Westmänner Inseln, Snaefellsnes und die Westfjorde besuchen, aber eben alles nur im "Schnelldurchgang". Und dann dein Bericht.... da möchte ich doch glatt noch mehr :girl_cray2: (reisen natürlich, aber auch gerne mehr lesen)
      LG von Windrose :flower:
    • Polarlichtfan wrote:

      Dann muss man vielleicht bei einer " Expeditions " Travel Agentur buchen

      Nicht zwingend :hmm:
      Wir haben unsere Reise 2016 komplett über eine Agentur gebucht und festgestellt, dass wir für alle Hotels unterwegs deutlich weniger bezahlt haben als wenn wir sie selber gebucht hätten.
      Dort hätten wir auch Zusatzbausteine für Landesinnere buchen können, worfür wir aber jahreszeitlich zu früh dran waren.

      Viele Grüße
      Noschwefi
      Chor: Wir sind alle Individualisten :)
      Einzelstimme: Ich nicht :P


      Reiseberichte siehe Profil :lofoten2:


    • @Windrose
      die Idee mit den Linienbussen entstand ja aus der Enttäuschung heraus, dass eine potentielle Mitfahrerin abgesprungen ist und ich mir die Fahrt allein mit dem PKw nicht zugetraut habe. Und eine Gruppenreise ‚im Schnelldurchgang’ wie Du schreibst wollte ich auch nicht! Dass daraus so eine wunderbare Erfahrung geworden ist freut mich auch heute noch!
      @Polarlichtfan
      von einem guten Bekannten, der 2018 im wesentlichen die gleiche Reise wie ich gemacht hat, weiß ich, dass bereits im letzten Jahr weniger Fahrten über die Sprengisandur angeboten wurden und das Busnetz vor allem im Osten und Nordosten sehr ausgedünnt worden ist bzw. bestimmte Linien ganz eingestellt worden sind. Über die Gründe kann man nur spekulieren.
      was die Kosten betrifft: wie @Nordschwefi schrieb, ist es nicht unbedingt günstiger individuell zu buchen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Veranstalter und Agenturen mit Hotels und Gästehäusern Verträge über Kontigente haben, während man als Individualreisender unter Umständen Tagespreise bezahlt.
      zusammengefasst kann ich für mich nur sagen, war meine Reise warscheinlicher nicht günstiger als mit einem Reiseveranstalter.

      aus Leipzig grüßt BBe49
    • Tag 17 Reykjavik und
      Tag 18 Heimreise

      Am Freitag, meinem letzten Tag in Reykjavik, ist der Himmel bedeckt und das Wetter trübe. Es regnet jedoch nicht.

      Ich mache mich auf den Weg ins ‚Isländische Nationalmuseum’. Es liegt neben dem Gelände der Universität von Island, am schnellsten gelangt man vom Gästehaus dahin, wenn man Richtung Tjönin geht und sich dann nach Südwesten wendet.



      Der Besuch im Museum war überaus lohnend und interessant. Es war eine Zeitreise durch die Geschichte Islands von der Besiedelung bis in die Gegenwart, mit vielen Exponaten, Fotografien und dergleichen.
      Wie in allen Museen in Island, die ich besucht habe, werden die Ausstellungsgegenstände auf interessante und anschauliche Weise präsentiert.

      Auf dem Weg am Westufer des Tjönin entlang Richtung Zentrum spaziere ich durch ein Wohngebiet, in dem sich sowohl restaurierte Gebäude aus dem Anfang des 20. Jh finden

      ein Detail

      wie auch Häuser in einem etwas desolateren Zustand

      Man hat über den See hinweg auch einen schönen Blick auf die Hallgrimskirkja und im Vordergrund direkt am Seeufer die Frikirkja



      Mein Weg führt mich vorbei an einem alten Torhaus


      Ich sehe aber auch den Leerstand von Gebäuden Richtung alter Hafen



      Inzwischen war es früher Nachmittag geworden und Zeit, etwas zu essen.
      Spontan gehe ich in ein Lokal, dass mit diversen Fischgerichten in der Pfanne nebst Beilagen wirbt. Ich suche mir Lachs aus und werde nicht enttäuscht.



      Gesättigt von diesem wohlschmeckenden Mahl kaufe noch etwas Proviant für heute Abend und für morgen früh sowie ein paar Mitbringsel.

      Da ich morgen in aller Frühe aufbrechen werde, gehe ich ins Hostel zurück, packe und versuche, etwas auf Vorrat zu schlafen.

      Am folgenden Morgen stehe ich sehr, sehr früh auf, packe den Rest und gehe etwas die Straße hinunter bis zum Halteunkt des ‚Fly-Busses’, wo ich pünktlich um 04:00 Uhr von einem der kleinen Zubringerbusse abgeholt werde. An weiteren Hotels und Haltepunkten werden weitere Reisende eingesammelt. Am BSÍ steigen wir in einen der größeren ‚Fly-Busse’ um. Inzwischen hatte es angefangen, stark zu regnen. In Keflavik angekommen, checke ich an einen der Selbstbedienungsterminals ein und gebe meinen Rucksack auf. Bei der Anreise wog er 13 kg, heute 15kg, zum Glück musste ich ihn ja nicht mehr tragen. Trotz der frühen Morgenstunde ist die kleine Halle des Flughafens brechend voll. Angesichts der vielen Passagiere und einem nicht leicht zu erkennbaren System der Gepäckaufgabe geht doch alles recht zügig. Das mag daran gelegen haben, dass überall hilfreiches Personal bereitsteht. Auch durch die Sicherheitskontrolle bin ich schnell durch, hole mir einen Kaffee und etwas zu essen und warte auf das Boarding.
      In nunmehr strömenden Regen werden wir auf das Rollfeld gefahren und besteigen die Maschine, die pünktlich um 07:25 Uhr abhebt.

      Zum Frühstück bekomme ich das vorbestellte Sandwich und einen Becher Skyr. Es gelingt mir auch etwas zu dösen. Das Wetter bessert sich und bei der Landung in Frankfurt um 12:50 Uhr deutscher Zeit scheint die Sonne.

      Nun wartet eine Geduldsprobe: es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mein Gepäck in Empfang nehmen kann. Immer wieder stockt das Band, die Gepäckstücke erscheinen mit großen Lücken. Das erzeugt nicht nur bei mir großen Unmut, vor allem weil es keinerlei Informationen gibt. Nach fast einer Stunde kann ich zum Zubringerbus starten, der erste ist so voll, dass ich auf den nächsten warten muss.
      10 Minuten vor Abfahrt des ICE nach Leipzig erreiche ich den Bahnsteig und kann mir gerade noch etwas zu trinken kaufen. Die Fahrt verläuft dann recht schnell. Da ich die mitteldeutsche Landschaft noch nicht so gut kenne, schaue ich aus dem Fenster und hänge meinen Gedanken nach.
      Um 18:30 Uhr erreicht der ICE pünktlich Leipzig. Kurze Zeit später bin ich zu Hause, wo meine Tochter und meine Enkelin mich schon erwarten.

      Nach dem langen Tag bin ich früh ins Bett gegangen.

      Der Bericht über meine Reise mit Linienbussen durch Island 2017 endet damit.

      Alsbald wird noch ein Fazit folgen mit einem kleinen Ausblick.
    • Nachlese

      Nachdem ich mich Anfang 2017 entschieden hatte, auf jeden Fall in diesem Jahr nach Island zu fahren, blieb die Beantwortung der Frage

      ‚Was will ich, was ist möglich?’

      - Eine Gruppenreise á la ‚in 10 Tagen rund um Island’ wollte ich nicht.
      - Mit dem Pkw allein traute ich mir nicht zu

      Also blieb als Alternative übrig eine Reise mit Linienbussen.

      Relativ schnell wurde mir klar, dass Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen die Busfahrpläne waren.
      Ich fand heraus, dass es drei verschiedene Busbetreiber gab, die für meine Reise relevant waren
      - Strætó, betreibt neben Reykjavik und der Hauptstadtregion, die meisten Überlandlinien mit Ausnahme der Westfjorde und Ost- sowie Nordostisland.
      - Eine, die die Linien in den Westfjorden betreibt
      - SBA betreibt die Linien im Norden und Nordosten

      Es war aber z.B. nicht möglich der Ringstraße folgend einmal rund um die Insel zu fahren; im Osten fehlte ein entscheidendes Stück zwischen Egalstadir und Höfn.

      Hinzu kam, dass ich nur die Pläne aus dem Sommer 2016 und dem Winter 2016/17 zur Verfügung hatte, und nur hoffen konnte, dass sie auch im Sommer 2017 Gültigkeit haben würden.

      Nach intensivem Studium der verschiedenen Fahrpläne, legte ich die Stationen meiner Reise fest und zwar unter Berücksichtigung der Dauer des jeweiligen Aufenthalts (2-3 Tage), der Erreichbarkeit der Orte und inwieweit sie sich als Ausgangspunkte für Unternehmungen eigneten.

      Die Westfjorde und der Nordosten schieden leider aus, weil die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreichen würde, und ich nicht nur im Bus sitzen wollte. Außerdem brauchte ich ja noch Gründe für weitere Reisen nach Island! ;)

      Im März 2017 konnte ich die Füge buchen. Ich entschied mich für Flüge mit Icelandair von und nach Frankfurt am Main. Dabei spielte eine entscheidende Rolle, dass ich vor und nach der Reise keine Übernachtung benötigen würde. Mit einer Billig-Airline, wie z.B. wow-air, hätte ich zwar ca 50€ gespart, aber.. Nicht immer ist billiger günstiger!

      Nun wandte ich mich der Frage der Unterkünfte zu. Sie mussten vor allem von den Bushaltestellen gut zu erreichen sein. Wichtig waren auch die Stornobedingungen (s.o. Busverbindungen) und ein Vermögen sollten sie auch nicht kosten. Für Jugendherbergen (die günstigste Möglichkeit) war ich schon zu spät dran, die in Frage gekommen wären, waren bereits ausgebucht.
      Zunächst habe ich mich direkt über die web-sites an die Gästehäuser gewandt, wurde aber immer an Buchungsportale umgeleitet. Letztendlich habe ich mit Ausnahme der Unterkunft am Myvatn alle Unterkünfte über booking.com gebucht.
      Alles hat prima geklappt!

      Zum Thema ‚Tourismus und der damit einhergehenden Auswirkungen’
      hätte ich eine Menge zu sagen, das würde aber den Rahmen eines Reiseberichts sprengen.

      Mein persönliches Fazit dieser Reise durch Island:

      Es war eine außergewöhnliche, positive Erfahrung! Natürlich hatte ich Glück mit dem Wetter, so musste ich Plan B und C nicht anwenden! Auch jetzt, mehr als 2 Jahre später, freue ich mich darüber, dass ich diese Reise gemacht habe.

      Bei meiner Abreise 2017 war es für mich beschlossene Sache, dass ich zurückkommen würde, zu anderen Jahreszeiten und in andere Gebiete.

      In der ersten Dezemberwoche 2018 flog ich für einige Tage nach Island und machte von Reykjavik aus Ausflüge.

      Die Fotos vom Gullfoss, Þingvellir und ‚Strokkur’ und Hallgrimskirja im Winter im Vergleich zum Sommer interessieren bestimmt alle, die schon mal da waren.











      Zum Abschluss noch einige Fotos von der Gletscherlagune, die ich bisher nur aus dem Winter kenne aber sicher viel von euch aus dem Sommer.




      Ich danke allen, die mich auf der Erinnerungsreise 2017 begleitet haben, es war mir ein Vergnügen!

      aus Leipzig grüßt BBe49
    • Vielen Dank, das war wirklich eine unglaublich tolle Reise, die Du da gemacht hast. Mein Liebster hat mir ja zum 60. eine Busrundreise mit "Berge und Meer" Ende März, Anfang April, geschenkt und die Landschaft obwohl meistens weniger farbenfroh hat uns schon auch fasziniert. ich habe mich bis jetzt nicht getraut einen Bericht zu machen, die meisten Fotos haben Salzwasserflecken von der Reise mit der Lofoten vom Dezember 2018.

      Liebe Grüße, Kamilla
    • Ich hätte nie gedacht, dass man ohne PKW und nur mit Linienbussen eine derart umfassende Islandreise unternehmen kann.
      Absolut beeindruckend und sehr interessant. :thumbsup:

      :sdanke: für die anschaulichen Schilderungen und die vielen schönen Bilder!

      Viele Grüße
      Laminaria


      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.