Geschichte(n) der südlichen Ostsee mit NORDSTJERNEN (1. - 6.10.2019)

    • 2019
    • Geschichte(n) der südlichen Ostsee mit NORDSTJERNEN (1. - 6.10.2019)

      Vorgeschichte

      In früheren Jahren habe ich die NORDSTJERNEN bereits zweimal von außen betrachten können – Anfang September 2012 in Bergen und Mitte Mai 2017 in Hamburg. Beide Male war es jedoch nicht möglich, sie zu besichtigen.

      Kurz vor Ostern warf ich – inspiriert von den Livemeldungen von den Frühlingstouren – nochmals einen Blick auf die Herbsttouren – auch weil es hieß, dass diese wohl in den nächsten Jahren nicht mehr stattfinden werden. :search:

      Nachdem ich zunächst mit der 1. Reise nach Dänemark und Norwegen liebäugelte, entschied ich mich schließlich für die 2. Reise. Deren Ziele – Karlskrona in Südschweden, Danzig in Polen, Svaneke auf Bornholm und die benachbarten Inselchen Christiansø und Frederiksø und haben mich schon seit langem interessiert. Hinzu kam der günstige Preis. Da sich diese Reise auch in betrieblicher Hinsicht als realisierbar erwies, buchte ich eine E-Kabine. Zu dieser Zeit waren zwar nur noch die 100er Kabinen buchbar – das störte mich aber nicht weiter, so dass ich mich für die 112 entschied.

      1. Oktober 2019 > Anreise

      Nach einem etwas früheren Frühstück wurde ich dankenswerterweise von meinem Vater zur S-Bahn gefahren – ich hätte auch laufen können – aber sicher ist sicher.

      Im Frankfurter Hauptbahnhof gab es mal wieder ein Wise-Guys-Erlebnis „… die Wagenreihung ist genau das Gegenteil vom Plan …“ ;) Hätte ich das eher gesehen, hätte ich gleich am Anfang vom Bahnsteig stehen bleiben können – vermutlich wollte mich die Bahn bis zur Ankunft des ICE etwas beschäftigen … ;)

      Beschäftigt war der Lokführer in Kassel Wilhelmshöhe – hier verzögerte sie die Weiterfahrt, weil zunächst der Bug (oder so) des Zuges begutachtet werden musste – warum auch immer …
      Immerhin hielt sich die Verspätung in Grenzen – die vorab angekündigten fünf Minuten wurden genau eingehalten. Andererseits war es jedoch nicht möglich, diesen Rückstand unterwegs wieder abzubauen, so dass sich meine Umstiegszeit in Hamburg, die mit elf Minuten ohnehin eher knapp bemessen war, auf sportliche 6 Minuten reduzierte. Die freundliche Bahnmitarbeiterin, die meine ausgedruckten Fahrscheinzettel kontrollierte, versprach zwar, den Lokführer zu informieren, gebracht hat dies jedoch auch nichts. So musste ich mich sehr beeilen, um – BahnsteiglängsTrepperaufBrückeentlangTrepperunter – den Regionalexpress nach Lübeck noch zu erreichen – was mir dann aber auch gelang. Im Zug nahm ich in der Belle Etage – sprich in der 1. Klasse im Obergeschoss des Doppelstockwagons – Platz. Unterwegs informierte ich @Schneehuhn, dass ich den Zugwechsel geschafft habe. In Lübeck traf ich ihn dann, so dass wir gemeinsam mit der Regionalbahn bis Travemünde Hafen fuhren.

      Von hier war es nicht mehr weit bis zum Glasterminal am Kai. Dort wartete die NORDSTJERNEN bereits auf uns, wir mussten uns aber noch etwas gedulden – bis zum Beginn des Boardings dauerte es noch ein paar Minuten. Als es dann schließlich losging, bildete sich rasch eine kleine Schlange an der Security. Wie am Flughafen wurde auch hier das Handgepäck durchleuchtet – ebenso der Hauptkoffer. Ich legte letzteren, meinen Rucksack, meine Kamera, mein Smartphone, mein Portmoney und sogar den Gürtel meiner Hose in Plastikwannen – letzteres wäre aber wohl nicht nötig gewesen …

      An Bord erhielt ich einen Umschlag mit der Bordkarte mit klassischem Aufdruck und der Lochkarte als Schlüssel zur Kabine. Letzteres habe ich bei der LOFOTEN nur einmal – 2012 – erlebt. Da die NORDSTJERNEN im gleichen Jahr aus dem Liniendienst ausschied, hat sie die Umstellung des Schließsystems nicht mehr mitgemacht. Zugleich wurde meine Anwesenheit in einer Liste abgehakt.

      Nun machte ich mich auf den Weg zur Kabine im Keller des Schiffes – wobei ich zunächst in die falsche Richtig lief – ich musste mich erst orientieren. Immerhin war ich es von der LOFOTEN gewohnt, dass sich die 100er Kabinen vorne befinden – bei der NORDSTJERNEN sind sie hingegen achtern zu finden. Unterwegs traf ich auch Micha. Nachdem ich das Gepäck verstaut hatte, lief ich zurück in die Cafeteria, um mit Schneehuhn den Tisch fürs Abendessen auszuwählen. Da #8 – einer der Rundtische beim Buffet – noch frei war – hier war nur ein Einzelreisender eingetragen – entschieden wir uns für diesen …

      Danach sind wir wieder an Land gegangen, wo wir u.a. Senja und Islandpferd trafen.

      Zurück an Bord unternahm ich einen ersten Rundgang.


      Auf die obligatorische Sicherheitseinweisung folgte ein kleiner Sektempfang. Der Shanty-Chor „Möwenschiet“, der eigentlich am Kai aufspielen sollte, hat seinen Auftritt wetterbedingt kurzfristig in die Bar der NORDSTJERNEN verlegt – immerhin wäre der Regen, der inzwischen begonnen hatte, den Instrumenten nicht bekommen. Der Auftritt war gleichermaßen intensiv und schön. Die Gruppe verließ erst kurz vorm Auslaufen das Schiff, um an Land noch ein, zwei Lieder zu spielen. So hatten jene Fories, die uns von dort verabschiedeten, schließlich auch etwas davon (obgleich nicht wirklich viel …).


      So verließen wir Travemünde. Bei der Ausfahrt folgte uns das Lotsenboot, um den Lotsen, der uns sicher aus dem Hafen heraus navigiert hat, abzuholen.


      Das erste Abendessen war zwar noch mit freier Platzwahl – wir nahmen es aber bereits an „unserem“ Tisch ein. Hinterher gab es in die Bar eine Vorschau auf die kommenden Tage. Nach einem (weiteren) norwegischen Bier verabschiedete ich mich, um mich in meine Kellerhöhle zu begeben – der Tag war schließlich lang genug … ;)
      <3 lig hilsen
      Bernhard

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    • Ingrid Marie wrote:

      wenn ich darf!


      Gerne :D

      2. Oktober > Karlskrona

      Geschichte des Tages > Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige < Selma Lagerlöf

      Die erste Nacht an Bord konnte ich bereits gut schlafen. Früh aufgestanden begab ich mich zunächst zum Duschen eine Etage höher. Nach einem leckeren Frühstück wurden in der Bar Postkarten, Briefmarken und Schiffssouvenirs verkauft. Derweilen näherten wir uns Karlskrona. Außerhalb der Schären wurde der nächste Lotse aufgenommen. Seine Anwesenheit an Bord wird durch eine entsprechende Flagge (direkt links von der Flagge Schwedens) gekennzeichnet.


      Karlskrona ist von Schären, kleinen Felsinseln, umgeben. Die meisten Zwischenräume wurden früher aufgeschüttet, so dass nur noch eine Durchfahrt verblieb, die von den Festungen Drottningskär …


      … und Kungsholmen bewacht wird. Die Fahrt vorbei an den Inseln, auf der die Stadt mit ihrer Marinewerft errichtet wurde, erfolgte bei schönem Wetter.


      Am Kai wurden wir von Vertretern der Stadt in historischen Kostümen empfangen. Im Zelt lagen Informationsbroschüren aus. Jene, die nicht am Ausflug teilnahmen, konnten sich von einer Touristenbahn durchs Stadtzentrum fahren lassen.


      Etwa die Hälfte der Passagiere nahm jedoch am Busausflug teil. Erster Zwischenstopp war ein Wasserturm auf einer Anhöhe. Von hier gab es einen Rundblick über die Inselstadt, deren Marinehafen 1998 in die Welterbeliste aufgenommen wurde.


      Nächstes Ziel war Stortorget – der große Markt – mit der Statue Karls XI. und Fredrikskyrkan – der Fredrikskirche. Im Roman „Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige“ (Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden) landen die Wildgänse und Hausgans Martin mit dem geschrumpften Bauernjung Nils Abends auf dem Dach der Fredrikskirche. Während sich die Gänse schlafen, klettert Nils hinab auf den Marktplatz, wo er sich über die Statue von König Karl XI lustig macht. Als diese zum Leben erwacht, muss Nils fliehen.


      Die schwedische Marine hatte früher ihren Hauptsitz in Stockholm. Da der dortige Bereich der Ostsee jedoch im Winter jeweils zugefroren war, so dass die Schiffe in Kriegszeiten nicht auslaufen konnten, wurde in Südschweden Karlskrona als eisfreier Marinehafen gegründet, dessen Geschichte im Marinemuseum erlebbar ist. Früher wurden für die Schiffe der schwedischen Marine keine Pläne gezeichnet – stattdessen entstanden Modelle, von denen die Maße abgenommen und hochgerechnet wurden. Im Laufe der Zeit kam eine große Sammlung an Schiffsmodellen zusammen. Das Museum wurde teilweise auf Pfählen über dem Hafenbecken errichtet. Auf dem Grund liegt dort das Wrack (mindestens) eines Kriegsschiffes, welches von einem Tunnel aus durch Glasscheiben im drüben Wasser liegend sichtbar ist.


      Als nächsten wurden wir zur Bastion Aurora gefahren, von der aus wir zur Admiralitätskirche liefen. Hier befindet sich ein kleines Denkmal für Nils Holgersson. Vor der Kirche zeigte uns unser Guide (Ich habe seine Erlaubnis, dieses Bild im Internet veröffentlichen zu dürfen, erhalten) die Statue des Rosenbom. Diese wurde aufgestellt, um Almosen für Arme und Bedürftige zu sammeln. Im Roman erachtet diese ebenfalls zum Leben und hilft Nils Holgersson.


      Schließlich wurden wir zur Marinewerft gefahren. An der Zufahrt wurden wir vom Wachdienst der Marine überprüft – hier mussten wir unsere Ausweise bzw. Pässe vorzeigen. Innerhalb des Werftgeländes besichtigten wir die Reeperbahn. In diesem 300 Meter langen Gebäude – das längste Holzhaus Schwedens – wurden früher Seile und Taue geflochten. Zunächst wurde uns ein Film zur Einführung gezeigt, anschließend wurde die Herstellung eines Seiles – unter tatkräftiger Mithilfe von Mitreisenden – vorgeführt.


      Letztes Ziel war ein altes Wohnviertel mit typisch schwedischen Holzhäusern. Von hier wurden wir zum Kai zurückgebracht. Nach dem Auslaufen wurden wir wiederum vom Lotsenboot verfolgt …

      <3 lig hilsen
      Bernhard

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    • 3. Oktober > Gdansk mit Westerplatte

      Geschichte des Tages > Die Blechtrommel < Günter Grass

      Auch heute war ich bereits vor Sonnenaufgang an Deck – wobei dieser durch eine Wolkenbank über dem Horizont verspätet sichtbar war.


      Inzwischen näherten wir uns der Halbinsel Hel.


      Nach dem Frühstück genoss ich die Fahrt durch die Danziger Bucht - vorbei an Gdynia und Sopot, die mit Gdansk das Ballungsgebiet Trójmiasto (Dreistadt) bilden. Unterwegs nahmen wir wiederum den hiesigen Lotsen auf. Kurze Zeit später näherten wir uns der Mündung der Weichsel. Östlich (im Bild links) davon liegt die Halbinsel Westerplatte, an der wir später anlegten.


      Auf dem Weg zu unserem Liegeplatz passierten wir das 1966 errichtete Westerplatte-Denkmal. Am Kai wurde (wie immer) zunächst die Passagierrampe entladen.


      Nach der Freigabe des Schiffes konnten die Passagiere an Land gehe, wo sie sich auf mehrere Busse verteilten. Zwei davon nahmen die Teilnehmer des Ausfluges Kloster Oliva + Danzig auf. Für den zweiten Ausflug zum Europäischen Zentrum der Solidarität genügte ein kleiner Bus. Darüber hinaus gab es einen Shuttlebus, der die übrigen Passagiere in die Innenstadt brachte. Ich nahm am „Mehrheitsausflug“ teil. Wir wurden der Reihe nach auf die beiden Busse – jeweils mit eigener Führerin – verteilt. So verließen wir den eingezäunten Bereich und fuhren in Richtung Innenstadt. Dabei wurde die Weichsel in einem neuen Tunnel unterquert, ehe wir das Fußballstadion, das für die Europameisterschaft 2012 errichtet wurde, passierten. Der weitere Weg führte durch die nördlichen Stadtteile, vorbei an langen Plattenbaublöcken, die zu den längsten der Welt zählen. Am Kloster angekommen, besichtigten wir zunächst den barocken und den englischen Teil des Parks. Hier steht auch ein Palmenhaus, das regelmäßig erhöht werden muss, um mit dem Wachstum der Palme mitzuhalten.


      Es folgte eine Besichtigung der Kirche mit Orgelkonzert. Dieses begann mit Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll, gefolgt von weiteren Werken verschiedener Komponisten inklusive Edvard Griegs Morgenstimmung aus der ersten Peer-Gynt-Suite. Dabei war auch Vogelgezwitscher zu hören.


      Anschließend fuhren wir in die Innenstadt. Unterwegs fuhren wir u.a. am Wohnhaus von Lech Wałęsa und an der Kirche, in der Günter Grass getauft wurde, vorbei. Am Rande der Altstadt verließen wir den Bus. Der Rundgang begann in der Nähe des Milchkannentors. Hier befand sich auch der innerstädtische Haltplatz des Shuttlebusses, mit dem jene, die nach dem Ausflug noch in der Innenstadt bleiben wollten, zum Schiff zurückgebracht wurden. Wenige Meter weiter sahen wir das bekannteste Bauwerk von Danzig – das Krantor, sowie einen neuen Gebäudekomplex.


      Weiter ging es zum Neptunbrunnen vor dem Artushof. Unterwegs begegneten wir immer wieder dem Stadtwappen – unter anderem auf den Kanaldeckeln. Durch die Straße Mariacka (Frauengasse) mit ihren durch Beischlägegeprägten Häusern liefen wir zur Marienkirche, eine der größten Hallenkirchen.


      Der Rundgang endete in einer Bernsteingalerie, in der wir das berühmte Danziger Goldwasser probierten. Anschließend teilte sich die Gruppe – während einige in der Stadt blieben, um später mit dem Shuttlebus zurückzufahren, liefen die anderen zum Ausflugsbus zurück, um von diesem direkt zum Schiff gebracht zu werden. Dort angekommen blieb ich an Land und lief durch das Seitentor zum Westerplatte-Denkmal, an dessen Fuß ich jene Brötchen, die ich mir morgens als Lunchpaket zubereitet hatte, zu verspeisen. Anschließend sah ich mir die Umgebung des Denkmals an. Hier gibt es viele Zeugnisse der Vergangenheit zu sehen – u.a. die Ruine eines Wachhauses und ein Wachturm. An mehreren Plätzen gibt es Vitrinen, in denen die Geschichte der Westerplatte von ihrer Entstehung bis in die Gegenwart zweisprachig – polnisch und englisch – beschrieben wird.


      Als es zu regnen begann, lief ich zum Schiff zurück. Kurz vor der Abfahrt sah ich den Nachbau eines alten Segelschiffes. In der Danziger Bucht wurden wir wieder vom Lotsenboot eingeholt, welches den Lotsen wieder aufnahm.
      <3 lig hilsen
      Bernhard

    • Moin Bernhard,
      Danke für den netten Bericht und die schönen Bilder von unserer Fahrt... :thumbup:
      ich werde dann in den nächsten Tagen auf meiner Seite auch noch einen Bericht schreiben!

      mil etter mil wrote:

      Seine Anwesenheit an Bord wird durch eine entsprechende Flagge gekennzeichnet.

      Das ist der Buchstabe H (Hotel) des Flaggenalphabet... von dem viele Flaggen in der Seefahrt für Zusatzinformationen genutzt werden... ;)
      MfG aus dem Harz, Micha. :gr-cool:

    • 4. Oktober > Ertholmene + Bornholm

      Geschichte des Tages > Pelle erobreren < Martin Andersen Nexø

      Teil 1 Christiansø + Frederiksø

      Am Vorabend wurde die Fahrt unruhiger – je nach Ausrichtung zur Windrichtung (wenn ich es richtig in Erinnerung habe aus Nord-Ost) mal mehr, mal weniger. So war es unklar, in welchem Umfang das Programm des heutigen Tages realisierbar sein würde. Als wir die Inselgruppe Ertholmene erreichten, war es jedoch möglich, süd-westlich davon relativ windgeschützt zu ankern und die Inseln per RIB-Boot zu erreichen.


      Da ein Großteil der Reisenden am Inselrundgang teilnahm, wurden zwei Gruppen gebildet. Die erste – zu der ich eingeteilt worden war - traf sich um 8:00 Uhr an der Rezeption und wurde – jeweils zu siebt pro Boot – an Land gebracht. Die Führung begann um 8:30 Uhr auf der kleineren Insel Frederiksø . Unser Guide begann seine Führung mit einem Rückblick auf den Beginn der Besiedlung der damals noch nackten Felsen. 1684 entsandte der dänische König Christian V ein Schiff mit norwegischen Soldaten, die im Naturhafen zwischen den Inseln Christiansø und Frederiksø ankerten. Sie begannen damit, Steine aus dem Granitfels zu sprengen, um erste Behausungen daraus zu errichten. Da viele Soldaten in den ersten Wochen ums Leben kamen, wurden schließlich Häftlinge, die zum Tode verurteilt worden waren, auf die Insel gebracht, um die gefährliche Arbeit zu übernehmen. Auf den Inseln herrschte zudem eine sehr strenge Rechtsordnung – so wurde beispielsweise der Diebstahl von Brot mit dem Tode bestraft. Aus diesem Grund wurde ein Henker auf die Inseln gebracht, der abseits von den übrigen Bewohnern im einzigen rotgefärbten Häuschen wohnte.


      Wir liefen oberhalb der Außenküste von Frederiksø entlang – mit guter Sicht zu NORDSTJERNEN hinüber. Unterwegs sahen wir kleine Gemüsegärten, deren Erde per Schiff auf die Inseln gebracht worden war. Darüber hinaus gibt es auf den Inseln einen größeren Bestand an wild wachsender Petersilie. War kamen an der Badebro vorbei, die auch an diesem Tag genutzt wurde.


      Ein paar Meter weiter kamen wir am Süßwassersammelbecken vorbei. Dahinter erhebt sich Lille Tårn – der kleine Turm.


      Zu Beginn der Führung erhielten wir jeweils eine Eintrittskarte, mit der wir jederzeit Zugang sowohl zu diesem, als auch zum großen Turm hatten. Im kleinen Turm gibt es u.a. zwei Modelle der Inseln zu sehen – das eine zeigt den Zustand in der Frühzeit der Besiedlung – das andere den von 1850 zeigen.


      Im Keller befindet sich die Küche, in der auch das Sprengpulver gelagert wurde. Im zweiten Stock wird ein fødebord für Geburten gezeigt.


      Vom kleinen Turm liefen wir zur Fußgängerbrücke. Diese besteht aus zwei Hälften, welche jeweils zur Seite gedreht werden können, um größere Boote und kleine Schiffe passieren zu lassen. In ihrer Mitte ist das Signet von König Christian X, dem Bruder des norwegischen Königs Håkon VII, zu sehen.


      Auf Christiansø liefen wir zum Store Tårn, dem großen Turm. Nachdem er ohne Dach lange Zeit dem Verfall preisgegeben war, wurde er schließlich entkernt, saniert und enthält nun ein multimediales Museum und eine Galerie . In letzterer werden großformatige Fotos von den Inseln ausgestellt. Von oben gibt es einen sehr schönen Rundblick – über Frederiksø hinweg hinüber bis Bornholm, aber auch hinüber zur Inselkirche.


      Hier endete unsere Führung. Während sich unser Guide auf den Weg zur zweiten Gruppe machte, startete ich zu einem individuellen Rundgang, der mich an der Inselschule (mit gemeinsamem Unterricht von der 1. bis zur 7. Klasse) vorbei zum Sportplatz mit Minitribüne führte.


      Von hier lief ich zur Touristeninformation (wo ich das Buch zur Fotoausstellung kaufte) und schließlich wieder über die Fußgängerbrücke, um mich auch auf Frederiksø nochmals umzusehen. Da es inzwischen leicht zu regnen anfing, entschloss ich mich, mit dem nächsten RIB-Boot zur NORDSTJERNEN zurückzukehren. Von Deck beobachtete ich den Pendelverkehr und ein abschließendes „Wasserballett“ – ehe die RIB-Boote wieder auf ihre Plätze gehievt wurden.


      Nun begab ich mich zum Mittagsessen …
      <3 lig hilsen
      Bernhard

    • Teil 2 Bornholm

      Schon am Morgen hatte ich im hinteren Salon auf dem großen Monitor, auf dem die aktuelle Seekarte zu sehen ist, bemerkt, dass an Stelle von Svaneke Rønne als Ziel für den Nachmittag angezeigt wurde. Später erfuhr ich, dass es nicht möglich sein würde, vor Svaneke zu ankern, da die Wellen dort für eine Ausschiffung mit den RIB-Booten zu hoch sein würden. Das hatte dann zur Folge, dass der Rundgang durch Svaneke um eine Inselrundfahrt ab / bis Rønne ergänzt wurde. Da ich ursprünglich vor hatte mich in Svaneke eigenständig umzusehen – u.a. um den dortigen modern gestalteten Wasserturm zu besteigen – hatte ich den Rundgang nicht gebucht. Da dieser nun aber die einzige Möglichkeit bot, überhaupt nach Svaneke zu kommen, erkundigte ich mich, ob es noch möglich wäre, daran teilzunehmen. Da der Ausflug eigentlich ausgebucht war, wurde ich zunächst auf eine Warteliste gesetzt. Später teilte mir Margit Distler, dass ein größerer Bus gechartert werden konnte, so dass ich am Ausflug teilnehmen konnte – die zweite Tageshälfte war folglich gerettet :D Vielen Dank an Margit.

      Nach dem Mittagessen begab ich mich wieder an Deck, um die Fahrt entlang der Nord- und Westküste von Bornholm zu beobachten zu genießen. Dies hatten wir den hohen Wellen, die auf Svaneke zurollen, zu verdanken – nach dem ursprünglichen Plan wäre diese Strecke erst am Abend – zur Zeit des Abendmahls und danach im Dunkeln – befahren worden.

      Bei Hammer Odde, der Nordspitze Bornholms, näherten wir uns der Küste. Hier sahen wir die Leuchttürme Hammer Odde Fyr und Hammer Fyr. Etwas weiter südlich an der Westküste folgte die Festungsruine Hammershus.


      Bei der Anfahrt auf Rønne sahen wir das Passagierschiff MARCO POLO (1965 als ALEKSANDR PUSHKIN) und die Fähre POVL ANKER (1978), benannt nach dem Bornholmer Freiheitskämpfer Povl Hansen Anker.


      Auf dem Weg zum Kai sahen wir die Innenstadt von Rønne mit zwei Kirchen und einem Leuchtturm.


      Kurz nach unserer Ankunft wurden wir am Kai vom Ausflugsbus abgeholt, mit dem wir die Insel durchquerten. Unterwegs erfuhren wir von unseren Guides – zwei zugezogenen Deutschen – vieles interessantes über Bornholm, seine Bewohner und nicht zuletzt auch über die umstrittenen Gestaltungen der Inseln im Inneren von Kreisverkehren. ;)

      In Svaneke angekommen wurden wir – wie wir standen – in zwei Gruppen eingeteilt. Jenseits vom Kleinboothafen sahen wir einen ehemaligen Leuchtturm, der vor einiger Zeit verkauft worden war und nun wohl als Wohnhaus dient. Ich dachte zunächst, dass das Leuchtfeuer möglicherweise noch in Betrieb sein könnte – da dieses jedoch später nach Einsetzen der Dämmerung dunkel blieb, ist dies wohl eher nicht der Fall … :hmm:


      Vom Hafen ging es hinein in die Stadt – vorbei an Stockrosen.


      Die meisten Häuser waren gute verputzt – es gab aber auch hier und da ordentlich Patina zu sehen …


      Schließlich erreichten wir die Kirche, die von einem Friedhof umgeben ist. Hier wurden wir von einer Taube beobachtet. Neben dem Eingangstor steht ein alter Runenstein.


      Die meisten Häuser haben einen gelben Putz – es gibt aber auch Ausnahmen …


      Vorbei an Geschäften, in denen Altes und Neues vereint sind …


      … erreichten wir schließlich Bülow, wo Glaskunst und Lakritz angeboten werden. Für die Vorführung der Glasbläserei war es inzwischen zu spät – aber Lakritz geht irgendwie immer … :woot:

      Auf dem Rückweg sahen wir (erneut) eine Fläche mit 10 x 10 kleinen Quadraten, auf welche die Zahlen von 1 bis 100 wild verteilt worden waren. Dabei handelt es sich um eine Variante des Kuhfladen-Bingos welche allerdings mit Hühnern durchgeführt wird … :sshithappens:


      Zurück an der Küste kamen wir (wieder) an den Resten eines alten Holzschiffes vorbei. Das Meer dahinter hatte sich noch nicht beruhigt.


      Für den Rückweg wurde eine andere Strecke gewählt – an der Ostküste entlang fuhren wir nach Nexø, wo wir am ehemaligen Wohnhaus von Martin Andersen Nexø vorbeikamen. Hier sind einige der Bücher des Autors entstanden - darunter Pelle erobreren (Pelle, der Eroberer). Weiter ging es durch Aakirkebye zurück nach Rønne. Zurück an Bord blieb ich an Deck, bis wir den Hafen wieder verlassen hatten. Das rückwärtige „Ausparken“ verlief – entgegen der Befürchtung :/ einiger Mitreisender mit :pleasantry: einschlägigen Erfahrungen :winki: – reibungslos. Schließlich begab ich mich zum finalen Abendmahl dieser Reise. :essen:
      <3 lig hilsen
      Bernhard

    • Hallo Bernhard,
      nochmals ein herzliches Dankeschön für deinen informativen Bericht. Bornholm konnten wir auf unserer Nordstjernen-Reise wegen des unfreundlichen Wetters leider nur aus der Ferne sehen. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal. Deine Beschreibung hat mich nun besonders neugierig gemacht.
      LG Eva
      :lofoten2:
    • @eku - vielen Dank. :) Schade, dass es bei Euch mit dem Besuch Bornholms nicht geklappt hat. :(

      5. + 6. Oktober > Travemünde + Rückreise


      Nach einer relativ ruhigen Nacht kehrten wir nach Travemünde zurück. Auf dem Weg dorthin nahmen wir wieder einen Lotsen an Bord.


      Am Leuchtturm an der Mündung der Trave wurden wir bereits erwartet.


      Da uns auf dem Weg zum Liegeplatz eine große Fähre entgegenkam, wurde auf das Wendemanöver verzichtet – die NORDSTJERNEN legte stattdessen steuerbordseitig an. Ursprünglicher war geplant, die PASSAT zu besuchen. Da es jedoch zu regnen begann, begaben wir uns zum Mittagessen in ein Restaurant am Ufer der Trave. Wir, das waren die Fories der zu Ende gegangenen und der folgenden Reise, sowie weitere Fories. Anschließend gingen wir wieder zum Terminal. Da ich keine alternative Unterstellmöglichkeit für mein Gepäck finden konnte, brachte ich es hierher zurück, wo es bis zum Abend bleiben konnte. Von Bord der NORDSTJERNEN sah ich in der Trave zwei Quallen.


      Nun entschlossen wir uns, gemeinsam ein Café aufzusuchen. Dies war allerdings leichter gesagt, als umgesetzt, da mehrere Cafés – darunter das Niederegger – so gut wie voll waren. Erst im Café Marleen am Ende der Vorderreihe wurden wir fündig – hier gab es Platz an einem langen Tisch. Es folgte ein weiterer Besuch an Bord der NORDSTJERNEN. Über der Trave hatte sich inzwischen ein Regenbogen gebildet.


      Nach der Sicherheitseinweisung wurde es Zeit, von Bord zu gehen. Im Terminal schnappte ich mir mein Gepäck und lief zum Leuchtturm an der Mündung der Travemünde. In der Zwischenzeit war die Sonne untergegangen – es war daher deutlich dunkler, als es auf den nächsten Bildern wirkt. Da die NORDSTJERNEN beim Ablegen eher schwach beleuchtet war, dauerte es eine Weile, bis ich sie sah. Schließlich fuhr sie an uns vorbei hinaus auf die Ostsee.


      Als sie nicht mehr zu sehen war, lief ich zurück …


      … zur Bahnstation Travemünde-Hafen. Von hier brachte mich ein Regionalexpress nach Hamburg. Mit einem IC ging es weiter nach Koblenz. Gemäß meinen Unterlagen war hier ein weiterer Umstieg zu einem Regionalexpress nach Frankfurt vorgesehen. Da der IC ebenfalls über Frankfurt fuhr, erkundigte ich mich, ob ich in diesem bleiben könne. Dies war jedoch wegen der Zugbindung nicht möglich – es sei denn, der IC wäre mit deutlicher Verspätung in Koblenz eingetroffen, was jedoch nicht der Fall war. Da der Abteilwagen, in dem ich saß, sehr unruhig fuhr, war ich schließlich froh über den Zugwechsel. Im Frankfurter Hauptbahnhof wechselte ich zur S-Bahn und war um kurz nach 7 Uhr daheim. Den Sonntag nutzte ich, um die nächtlichen Schlafdefizite auszugleichen. :sleeping:

      FAZIT


      Es war eine kurze, aber sehr schöne Reise mit interessanten Zielen. Die Landausflüge waren sehr interessant und gaben einen guten Einblick in die Entwicklung der besuchten Orte. Der Liegeplatz in Danzig lag zwar weit abseits der Innenstadt – er bot jedoch die Möglichkeit, die Westerplatte zu erkundigen, was bei einem innenstadtnäheren Liegeplatz nicht der Fall gewesen wäre. Meine Kabine – die E112 – befindet sich auf dem untersten Deck. Ich hatte zunächst Bedenken hinsichtlich der Lautstärker vom benachbarten Maschinenraum beziehungsweise der Welle zur Schiffsschraube. In der Realität war dies jedoch weit weniger problematisch, als befürchtet. Die Kabine ist zwar relativ klein – da ich mich jedoch nur zum Schlafen darin aufgehalten habe, war dies kein Problem. Das Bett war gerade lang genug für mich.


      Zum Vergleich ein Blick in die E270:


      Mal schauen, wann sich für mich eine weitere Möglichkeit ergeben wird, mit der NORDSTJERNEN zu fahren … :)
      <3 lig hilsen
      Bernhard

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    • Auch von mir ein herzliches Dankeschön für deinen Bericht. Wir haben diesmal alles von Land aus beobachtet und konnten die Nordstjernen während unseres Urlaubes , zwei mal begrüßen und verabschieden.
      Natürlich waren wir neugierig was ihr alles erlebt habt und so waren wir schon sehr gespannt auf die Reiseberichte.
      Am Samstag Abend standen wir mit dir gemeinsam etwas wehmütig an der Mole um ein letztes mal zu winken. Für dich war die Reise zu Ende und auch wir hatten die letzte Nacht in Travemünde.

      Bis zum nächsten Mal !

      Liebe Grüße
      Senja
    • @micha - Danke. Vergessen hatte ich den letzten Tag nicht - nur vorübergehend keine Zeit, ihn zu erstellen und zu ergänzen ... :pardon:

      @Senja - war schön, Dich mal wieder zu treffen - ebenso wie die anderen Fories. :good3:

      Neugierig bin ich ebenfalls - darauf, was die Fories, die bei den anderen Herbsttouren dabei waren, so alles erlebt haben. Wäre schön, wenn da noch der eine oder andere Reisebericht folgen würde ... :)

      Ergänzung > habe gerade den interessanten Reisebericht von @micha gelesen, welchen er auf seiner eigenen Seite (siehe sein Profil) veröffentlicht hat. :search:
      <3 lig hilsen
      Bernhard

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