Herbstfarben in West-Grönland (11. - 20.09.2019)

    • 2019
    • Herbstfarben in West-Grönland (11. - 20.09.2019)

      Geplant hatte ich für diesen Sommer eigentlich wieder einmal eine Reise nach Island, doch wie so oft sollte es anders kommen... Anlässlich ihres neuen Lebensjahrzehnts wollte meine Schwester nämlich unbedingt mal nach Grönland, Eisberge gucken. Mit ihrem wärmeliebenden GöGa kann sie sowas nicht machen, also ließ ich mich überzeugen, meine Pläne zu ändern. Eine Wikinger- Wanderreise nach Ost- Grönland konnte ich ihr ausreden (ich traue mir das nicht mehr zu) und auf eine Expeditions -Kreuzfahrt hatten wir beide keine Lust. So landeten wir stattdessen bei einer geführten Tour nach West-Grönland mit Fluganreise, die aber auch genügend Freizeit ließ. Gebucht habe ich über Ikarus, wie sich herausstellte, wurde die Reise jedoch von Greenland Travel durchgeführt.

      Mittwoch, 11.09.19- Anreise nach Kopenhagen

      Es war schön, den ersten Tag ganz stressfrei beginnen zu können, denn meine Rail & Fly- Bahnfahrt war erst am späten Vormittag. In Frankfurt traf ich meine aus dem Ruhrgebiet angereiste Schwester und wir konnten unser Gepäck sofort bei Lufthansa am Fernbahnhof loswerden, weil unser erster Flug mit SAS war. Eingecheckt und Bordkarten gedruckt hatte ich schon daheim und man musste nur noch die Bordkarte scannen, bekam die Gepäckbanderole und stellte den Koffer auf's Band- alles sehr komfortabel.
      Wir hatten nun noch gut Zeit bis zum Abflug, gingen aber lieber gleich durch die Security. Ich fragte extra nach, ob ich Kamera und Objektive einzeln in die Wannen legen sollte- nicht nötig, war die Antwort. Dass ich die Wanderstiefel ausziehen musste, hatte ich erwartet, aber dass mein Handgepäck nicht kam... ?( Ich wurde zur Seite gewunken und der Stein des Anstoßes waren Kamera und Objektive. Da wusste bei der Security die Rechte nicht, was die Linke tut :nono:
      Danach suchten wir uns etwas zu essen, was im T1 zum Glück etwas einfacher als im unwirtlichen T3 ist. Den anschließenden langen Weg zum Gate konnte man mit Wohlwollen als Verdauungs-Fußmarsch betrachten ;) Nach einem ereignislosen Flug landeten wir pünktlich in CPH, holten unsere Koffer und liefen die kurze überdachte Strecke zum Clarion- Flughafenhotel. Wir bezogen nur schnell unser Zimmer und machten wir uns gleich wieder auf, um schon mal für unseren Air Greenland Flug am nächsten Morgen einzuchecken, es gab sogar in der Hotellobby einen Check-In Automaten! Danach erkundeten wir noch kurz den Weg zum Baggage Drop- Off für den nächsten Morgen und gingen dann im Flughafen zum Asiaten essen. Auf die Burger/ Steaks im Restaurant des Clarion hatten wir keine Lust, zumal dieses von den Teilnehmern einer Tagung belagert war. Zurück im Hotel stellten wir die Wecker und gingen ins Bett, draußen regnete es...



      Donnerstag, 12.09.19- Kopenhagen, Kangerlussuaq und Inlandeis

      Zu nachtschlafender Zeit um 4 Uhr schellte der Wecker. Frühstück gab es schon ab 4.30 Uhr, dafür wollten wir uns lieber etwas Zeit lassen. Um 6.30 Uhr machten wir uns auf zum Air- Greenland Schalter. Da wir nur die Bordkarte hatten, versuchten wir am Automaten noch einen Luggage- Tag zu bekommen, das funktionierte aber nicht... Also stellten wir uns in die normale Check- In- Schlange. Wie wir später sahen, wurde die Gepäckbanderole durch Scannen der Bordkarte direkt an den Drop- Off- Schaltern ausgedruckt, es saß dort sogar auch Personal. Nächstes Mal weiß ich' s dann ;) Wir wurden unser Gepäck jedenfalls los und liefen zum Gate am hintersten Ende. Hier wartete unsere (dänische) Reiseleiterin, die ein Greenland Travel Schild hochhielt und ihre Schäfchen abhakte. Eine Begrüßungs- SMS mit ihrer Handynummer hatten wir schon vorher bekommen.

      Der Air Greenland Airbus A330-200 ist 2-4-2 konfiguriert. Wir hatten Zweiersitze, wenn auch im hinteren Drittel, was sehr angenehm war. Es war ein ruhiger Flug, die Flugroute nördlicher als ursprünglich auf dem Monitor angegeben, über die Färöer und Nordisland weg, leider war alles wolkenverhüllt. Einige Zeit nach dem Start gab es Getränke und warmes Essen, danach Kaffee/ Tee. Das Essen bei Air Greenland gehört definitiv zu den besseren Flugzeug-Mahlzeiten, es war sowohl hin als auch zurück recht schmackhaft.
      In Ost-Grönland sah man für kurze Zeit Berge und den Beginn vom Inlandeis, danach herrschten wieder Wolken vor, die sich erst beim Landeanflug auf Kangerlussuaq lichteten. Wir hatten die Uhren 4 Stunden zurückgestellt, es ist schon seltsam, kaum später als zur Abflugzeit anzukommen. Raus aus dem Airbus ging es über eine wacklige Treppe und quer übers Rollfeld zum rekordverdächtig kurzen Gepäckband, aber die meisten Paxe stiegen sowieso gleich in die diversen bereitstehenden Dash8-Maschinen um und flogen innerhalb Grönlands weiter.
      Als deren Gepäck umgeladen war, trudelte unseres auch langsam auf dem Band ein und wir trugen es diverse Treppen hoch zum im Terminal befindlichen Hotel. Die Zimmer sind schlicht und funktional und haben mich an die Hotels (oft frühere Arbeiterunterkünfte) in abgelegenen Gegenden Islands erinnert.

      Bis zum Treffpunkt in der Polar Lodge um 13 Uhr hatten wir noch Zeit, die wir nutzten, um etwas am Fluss entlangzulaufen. Die Herbstfarben waren sehr schön, aber man sah, dass der Sommer extrem trocken gewesen war, vieles war verdorrt und der Fluss hatte nicht sehr viel Wasser.





      In der Polar Lodge bekamen wir ein Monster- Sandwich: Lachs mit Reker. Danach ging' s auf die Tour zum Inlandeis, der Bus ein umgebauter Container auf Lastwagenchassis. Wie in jeder Gruppe (wir waren 15 Leute) gab es welche mit „reservierten“ Plätzen vorne, die hatten dafür im Verlauf ziemlich Spaß, weil sie heftiger durchgeschüttelt wurden als wir Hinterbänkler - Bandscheibe lässt grüßen ^^
      Zuerst war die Piste ganz zivil. Unser erster Halt war am amerikanischen Flugzeugwrack und dort bestaunten wir auch die Sandverwehungen in der grönländischen „Sahara“.





      Nächster Stopp war beim Russell-Gletscher, wo es wimmelte: ein großer Hurtigruten - Bus hatte seine roten Männchen ausgekippt. Manche glotzten unseren Bus mit offenem Mund an, stellten sich auf der ausklappbaren Treppe zum Fahrgastraum in Positur und fotografierten sich da ab... Unser Fahrer rollte mit den Augen :wacko1:



      Der Rest des Tages folgt wegen der Bilderzahl in einem separaten Post...
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Fortsetzung Donnerstag, 12.09.19- Inlandeis

      Als noch ein Bus daherkam, verkürzten wir unseren Stopp und fuhren weiter auf schlechter werdender Piste. Grönlands längste "Straße" wurde in ihrem ersten Teil von den Amerikanern gebaut und dann von VW bis zum Inlandeis fortgeführt, die testeten dort einige Jahre Autos, bis ihnen der Spaß zu teuer wurde.
      Unterwegs sahen wir Eisbrocken mitten in der Landschaft liegen: da war eine Woche zuvor eine Gletscherlagune ausgelaufen und hatte auch die Strasse überschwemmt, die immer noch Pfützen hatte.

      Angekommen am Inlandeis, entschied ich mich dafür, nicht zum Punkt 660 mitzugehen, sondern stattdessen in Ruhe von einigen Aussichtspunkten aus das Eis zu bewundern.







      Dabei konnte ich auch aus nur ca. 5-6m Entfernung einen Polarhasen beobachten, der seelenruhig vor sich hin mümmelte. Für meinen Geschmack viel zu früh kamen die anderen wieder zurück!



      Auf dem Rückweg kamen uns bei den Seen nochmals Hurtigruten- Busse entgegen, aber den Picknickplatz mit Blick auf ein frisch abgebrochenes Stück Eis am Russell- Gletscher hatten wir für uns.





      Als wir losfuhren, fragte plötzlich einer „Wo ist denn xy“? Eine ältere Mitreisende war nicht im Bus.... Dabei hatten wir sie noch als erste den Hang hochgehen sehen, aber sie hatte einen Abstecher zu den Klohäuschen gemacht und die Abfahrt verpennt. Die restliche Zeit war sie immer überpünktlich ;) Durch die Verzögerung reichte es uns bei Ankunft in Kangerlussuaq gerade so zum Bus zum Lake Ferguson, wo es ein leckeres Abendessen im Roklubben gab- dazu ein grönländisches Red Ale. Nach diesem sehr langen Tag waren wir alle rechtschaffen müde.

      Viele Grüsse, Albatross
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    • Albatross wrote:

      Das Essen bei Air Greenland gehört definitiv zu den besseren Flugzeug--Mahlzeiten


      Arctica wrote:

      Habe schon schlechter gegessen in einem Flieger


      :mosking:

      Albatross wrote:

      nicht zum Punkt 660 mitzugehen

      ... du also auch nicht... ;) (mir war es ja zu eisig)
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
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    • @Nordlicht- damit dir die Wahl schwerfällt, welche Art von Grönlandreise du machen willst ;)

      @Arctica - dein Bericht hat mich u.a. dazu bewogen, gleich gar nicht mitzugehen, ich fand die Zeit schon ohne das Moränen- und Eisgeklettere zu kurz. Rutschig muss es auch bei uns gewesen sein, es sind nicht alle ganz mit nach vorne gegangen. Angeblich hatte man auch keinen uneingeschränkten Blick auf's Eis.


      Freitag, 13.09.19: von Kangerlussuaq nach Nuuk und Einschiffen auf der M/S Sarfaq Ittuk

      Unsere Nachtruhe war etwas gestört durch einen Kompressor, der im Hinterhof des Hotels die ganze Nacht brummte, die auf der anderen Seite hörten dafür die späten Flugzeugstarts.... Dennoch waren wir alle früh auf den Beinen, ab 7 Uhr zum Check-In und danach zum Frühstück in der Cafeteria. Unser Inlandsflug nach Nuuk startete um 09.15 Uhr. Über Flüssigkeiten brauchte man sich keine Gedanken zu machen, denn es gab keine Sicherheitskontrollen, nur die Bordkarte wurde gescannt, dann liefen wir über das Rollfeld zu unserer Dash8 mit Platz für 37 Paxe , eine schnuckelige und wendige kleine Turboprop. Der Flug dauerte nicht mal eine Stunde, unterwegs hatte man immer wieder Ausblicke auf Berge und Seen. Der Landeanflug auf Nuuk war steil und kurz. In Nuuk war es windiger und luftfeuchter als Kangerlussuaq und fühlte sich deswegen trotz etwas höherer Temperaturen kälter an.



      Als wir unser Gepäck hatten (das Kofferband war nur geringfügig länger als das in Kangerlussuaq), holte uns ein Kleinbus zur Stadtrundfahrt ab. Als erstes wurde unser Gepäck zum Hafen gebracht und in einen abgeschlossenen Container verladen, wo es bis abends blieb. Die M/S Sarfaq Ittuk lag zwar schon da, aber neue Paxe durften erst ab 20 Uhr drauf. Auf der anderen Seite am Kreuzfahrtpier lag das Luxus- Expeditionsschiff Silver Cloud, im Vergleich zur kleinen Sarfaq Ittuk ein echtes Monster mit all ihren Balkonkabinen.

      Ich kann nicht behaupten, dass ich Nuuk schön fand, auch wenn die Landschaft drumherum schön ist. Die Aussicht vom „Ende der Welt“ beim neuen Stadtteil war großartig, auch der Friedhof hatte tolle Sicht auf den Hausberg von Nuuk, den Fjord und ein paar schwimmende Eisberge.



      In der Stadt werden die allerschlimmsten Auswüchse des sozialen Wohnungsbaus der 60er und 70er jetzt abgerissen, die neueren Blocks sehen etwas humaner aus, aber immer noch werden große Familien in winzige Wohnungen gepfercht. Ich habe dort zum ersten Mal die Konstruktion gesehen, einen Flügel-Wäschetrockner vor ein Fenster zu hängen.

      Nach der Stadtrundfahrt hatten wir Freizeit bis abends, die wir dazu nutzten, als erstes bei milchigem Sonnenschein den alten Teil der Stadt zu erkunden. Auffällig fand ich, wieviel üppiger als im trockenen Kangerlussuaq die Vegetation dort war.



      Dann besichtigten wir das Nationalmuseum, am beeindruckendsten die Qilakitsoq- Mumien von 1475. Anschließend schauten wir bei einem Event für die Einheimischen zu, Aufführungen von Schul-Theater- und Musikgruppen unter einem riesigen Eisbären. Die Musik dröhnte, lediglich mitunter eingestreute Schamanentrommeln ließen hören, dass wir uns in Grönland befanden.



      Zum Essen wollten wir ins Café im Kulturzentrum mit der gebogenen, dem Nordlicht nachempfundenen Fassade. Da dort alles voll war, wichen wir in ein Café/ Restaurant im benachbarten Einkaufszentrum aus. Die Portionen waren gigantisch und das Lokal war auch bei den Locals beliebt, jung und alt trafen sich dort nach dem Einkaufen. Da das Wetter draußen inzwischen ziemlich ungemütlich geworden war, verbrachten wir die letzte Zeit bis zum Treffpunkt im Kulturzentrum bei heißem Tee.

      Um 19.30 Uhr holte uns der Bus ab und brachte uns zum Hafen. Das Gepäck wurde aus dem Container geholt und um 20 Uhr durften wir auf die Sarfaq Ittuk. Wir hatten „richtige“ Kabinen mit 1 Unterbett, 1 Bettsofa und 2 Oberbetten, Belegung war mit maximal 2 Leuten. Gegenüber den älteren Standard- Hurtigruten- Kabinen war unsere Kabine auf Deck 4 deutlich breiter, aber etwas kürzer und hatte keinen Schrank, sondern nur ein Kästchen mit 4 Schubladen und eine Ablage zwischen den Betten , außerdem 4 Haken an der Wand und einige Kleiderbügel. Das Bad ist ähnlich wie bei HR . In der Kabine hat es auch einen Wasserkocher, Tee/ Kaffee und Pappbecher und man hat den Luxus eines individuell einstellbaren Heizkörpers :thumbsup: Deckplan
      Die (Touristen-) Kabinen sind auf den obersten Decks, weiter unten gibt es noch jede Menge „couchettes“. Das sind offene 8er-Kabinen mit Stockbetten, die man mittels Vorhang etwas privat machen kann, und die von den Einheimischen rege genutzt werden. Stauraum für Gepäck ist unter den Betten oder in Schließfächern- und die Leute hatten alle viel Gepäck dabei! Ein junger Däne, der von Sisimiut nach Ilulissat fuhr, meinte, er hätte in den Couchettes kaum schlafen können, die einen wären seekrank gewesen <X und die anderen hätten die halbe Nacht Chips gegessen ;)



      Wir legten pünktlich ab und merkten gleich, dass das Schiff keine Stabis hat, es rollte. Nach einem Orientierungsrundgang und einer kurzen Infoveranstaltung mit unserer Reiseleiterin zogen es alle vor, früh in die Koje zu gehen.
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Hei, wie toll ist das denn, willkommen in der Gemeinde der "Grönland Infizierten"
      Ich bin selbst gerade zurück von der Gegend.

      bitte weiter so, ich lese mit Spannung mit und schwelge dabei in Erinnerungen. Es ist irgendwie ein gutes Gefühle, das alles auch erlebt zu haben .... ich will da sofort wieder hin :love:
      Gruß Bernd
      ------------
      2008 B-K-T mit MS R. With
      2017 Grönland mit MS Spitsbergen
      2019 Grönland mit MS Roald Amundsen
      2020 Svalbard mit MS Spitsbergen

      Post was edited 1 time, last by “Bernd60” ().

    • Albatross wrote:

      Ich habe dort zum ersten Mal die Konstruktion gesehen, einen Flügel-Wäschetrockner vor ein Fenster zu hängen.

      ... ist bei uns in Andalusien absolut normal :)
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    • @Bernd60 - ja, ich habe deinen Bericht mit Genuss verfolgt und abgewartet, bis du ihn beendet hattest, bevor ich meinen angefangen habe. Grönland macht in der Tat süchtig :)

      @Arctica - ich habe mich echt gefragt, wie so ein voll behängter Wäscheständer mit ausgeklappten Flügeln hält, wenn er nur an einer Seite befestigt ist. Aber offenbar hat sich das System bewährt ;)
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Liebe
      @Albatross ,
      ganz herzlichen Dank für deinen so interssanten Bericht von Grönland, den ich sehr gespannt verfolge, werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr dahin kommen.
      Phantastisch sind deine Fotos! Motivauswahl, Perspektive und Schärfe und die dadurch sich ergebenden traumhaften Bilder, die fast wie Gemälde wirken, besonders Nr. 20-22. :) aber auch alle anderen !
      Ich warte schon immer gespannt auf die Fortsetzung !
      Liebe Grüße von Trollebo
    • So, hier kommt die Fortsetzung ;)


      Samstag, 14.09.19- Maniitsoq bis Sisimiut auf der Sarfaq Ittuk


      Ich verbrachte eine etwas unruhige Nacht, teils wegen der recht harten Matratze, teils wegen noch ungewohnter Schiffsbewegungen, die mich vor allem bei Kurswechseln immer mal wieder kurz aufweckten. Andere hatten Probleme wegen des Seegangs :blerg: , dabei hatte es nur Windstärke 5! Aber wir waren eben doch meist auf offener See und bekamen die Wellen von der Seite, was empfindliche Mägen wohl durcheinandergebracht hat.

      Unser erster Hafen war Maniitsoq um 7 Uhr früh, es regnete. Kaum einer nahm deshalb die Gelegenheit zum Landgang wahr. Ich beobachtete stattdessen die Ein- und Aussteigenden und deren Empfangs- und Abschiedszeremonien, das war noch viel interessanter als auf der Hurtigrute im Norden!

      Dann ging's zum Frühstück in die Cafeteria. Da bestanden gewisse Einschränkungen, was im Preis inkludiert war, Extras wurden extra bezahlt. Es gab auch eine Liste, was man nehmen konnte, aber die hatte ein Pax in den Fingern und las laut daraus vor, mit despektierlichen und lautstarken Kommentaren. Die nette Dame an der Kasse drückte in der Regel immer die Augen zu, wenn man zuviel genommen hatte, aber bei dem Herrn wurde sie pingelig ;) Der unterhielt anschließend auch noch die ganze Cafeteria, als er sehr lautstark mit seiner „Mamma“ telefonierte :wacko1:

      Langsam klarte es auf und wir verbrachten von nun an die meiste Zeit an Deck. Die Berge waren frisch beschneit und die Sarfaq Ittuk nahm die spektakuläre Route durch den Hamborger Sund mit steilen Bergen rechts und links, sowie dem einen oder anderen Gletscher.









      Auch die weitere Strecke an der Küste entlang war wunderschön und im Windschatten am Heck ließ es sich warm angezogen angenehm in der Sonne sitzen. Zwar hat die Sarfaq Ittuk kein ganz durchgehendes Umlaufdeck, aber das Oberdeck bietet dafür viel Platz und eine Aussicht, die nur zum Bug hin eingeschränkt ist.



      Der Rest des Tages folgt...
      Viele Grüsse, Albatross
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    • Hei, die Ecke um Sisimiut und Maniitsoq kenne ich, herrlich die Bergkulisse da in der Ferne.
      Als ich auf der Reise vor 2 Jahren morgens im Kangerlussuaq-Fjord das erstemal in meinem Leben in Grönland aufs Oberdeck kam bei blauem Himmel, staunte ich gewaltig "Wo bin ich denn hier?", denn so bergig hatte ich Grönland nicht erwartet.
      Es ist ein wunderschönes Land.
      Danke @Albatross, für die schönen Erinnerungen, die aufkommen.
      Gruß Bernd
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    • @Trollebo- über den haben sich alle amüsiert-und sein Mitreisender schien manchmal peinlich berührt ;)
      @Bernd60 - das mit den Bergen hat mich auch fasziniert. Mit dem Sund hatten wir Glück, bei schlechtem Wetter fahren sie außen vorbei...

      Fortsetzung Samstag, 14.09.19

      Um 11.30 kamen wir in Kangaamiut an, einem grönländischen Ort wie aus dem Bilderbuch, wie er mit seinen bunten Häuschen am Fels klebt. Hier war das Spektakel des Ausbootens ein großer Spass, denn der Hafen ist zu klein für die Sarfaq Ittuk. Es wird also das kleine Rettungsboot von ganz oben mit dem Kran zu Wasser gelassen, dann wird die Gangway ausgefahren und die Paxe gehen in Rettungswesten und mit Sack und Pack (Krückstock, Kinderwagen, Koffer etc.) ins Boot. Wer schlecht laufen kann, wird vom Personal ins Boot gehievt. Weil so viele aussteigen wollten, waren 2 Fahrten nötig, dann erst kamen die Zusteigenden an Bord. Und ganz zum Schluss bekamen die beiden Leutchen in ihrem kleinen Boot ihren Fisch los, 2 Tüten und ein Bündel Scheine wechselten den Besitzer, offenbar ein Privatverkauf oder für die Besatzung, in der Cafeteria gab es den Fisch jedenfalls nicht.





      Danach war Zeit für's Mittagessen, das man sich selbst an der Theke holte. Das Essen fand ich immer sehr gut, das Ambiente in der Cafeteria zweckdienlich, aber ganz gemütlich- Kunststoffteller, Antirutschmatten, festgeschraubte Tische mit Rand und angekettete Stühle. Viele Einheimische verbrachten den ganzen Tag dort, die kamen allenfalls zum Rauchen raus an Deck :smoker:

      Im Lauf des Nachmittags wurde die See etwas kabbeliger mit Schaumkrönchen. Ich fand's harmlos, aber für manche war das schon wieder zuviel <X Später wurden alle von Trille, unserer Reiseleiterin, auf Deck gebeten, es gab ein Glas Sekt :sekt: und ein Polarkreiszertifikat, zum Glück waren dabei keine Eiswürfel in Sicht ;)





      Um 18 Uhr gab es Abendessen. Die Garnelen der Vorspeise waren super frisch und lecker, aber vermutlich, weil man sie „ausziehen“ musste, nahmen die meisten stattdessen Nachtisch. Über die Spareribs wurde gemeckert, der eine oder andere hätte lieber was gehabt, was man mit Messer und Gabel essen kann... mir schmeckten sie.

      to be continued...
      Viele Grüsse, Albatross
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    • der sieht wirklich richtig schnuggelig aus. der kleine Ort. Ja, das ist Grönland wie aus dem Bilderbuch.

      Warst du mit diesem Schiffchen unterwegs? visitgreenland.com/de/sehen-un…schifffahrt-in-groenland/
      Wir hatten es 2017 mehrmals gesichtet.

      EDIT: hab's vorne gesehen, es ist ds Schiff. Ist quasi die Hurtigrute von Grönland, aber wohl nur für Passagiere.
      Gruß Bernd
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      Post was edited 1 time, last by “Bernd60” ().

    • @Bernd60 - die Sarfaq Ittuk ist wirklich eine Art grönländische Hurtigrute! Allerdings ist das einzige HR-Schiff, dass man annähernd mit ihr vergleichen könnte, die MS Lofoten und selbst die ist (etwas) größer.


      Fortsetzung Samstag, 14.09.19

      Um 19 Uhr legten wir in Sisimiut an. Die Begrüßungskomiteees waren mal wieder herzallerliebst und auch die gelbe Absperrung mit dem roten Törchen hatte was.



      Im schönsten Abendlicht gingen wir von Bord und zum Museum. Dort fand ich die Videogegenüberstellung Schamane/ Pfaffe in der Kirche sehr interessant, die Kirche kommt gar nicht gut weg, der Schamane dagegen könnte bei Extinction Rebellion mitmachen.





      Leider braute sich über den Bergen etwas zusammen, also nahm ich die Füße in die Hand und geriet doch noch am Hafen in den Regen-/ Graupelschauer. Ich hatte einiges trockenzulegen.



      Draußen war nun im Grau nicht mehr viel zu sehen und wir machten uns einen gemütlichen Abend an Bord.


      Sonntag, 15.09.19- Aasiaat bis Ilulissat

      In der Nacht rollte die Sarfaq Ittuk einschläfernd, nur einmal gegen Morgen wurde ich von einem heftigen Schwanken geweckt. Den Bewegungen nach war es ein abruptes Ausweichmanöver, vermutlich war da der erste Eisberg. Als wir um 7 zum Frühstück gingen, sahen wir schon welche draußen schwimmen, das Wetter war allerdings noch eher bescheiden. Um 8 Uhr legten wir in Aasiaat an, es standen wieder die typischen Empfangskomitees mit Kind und Kegel bereit.
      (Wenige Tage später irrte in dem Ort übrigens ein versprengter Eisbär herum und verursachte große Aufregung. Man verständigte den Eisbärenjäger in Ilulissat, der kam und den Bären abschoss.)

      Bei der Ausfahrt aus Aasiaat wurden wir von den ersten (Buckel)walen begrüßt und die Eisberge wurden immer zahlreicher. Den großen wich das Schiff aus, die kleineneren Eisbrocken fuhr sie einfach an und es gab ein Rumpeln, dabei zerbrachen sie. Entsprechend viele Dellen hat die Sarfaq Ittuk am Bug ;) Wegen der Einfahrt nach Ilulissat waren für unsere Gruppe zum Lunch nur Sandwiches zum an-Deck-Essen geplant, ich zog es vor, mir ein warmes Essen in der Cafeteria zu leisten und verpasste trotzdem nur wenig.



      Fortsetzung folgt...
      Viele Grüsse, Albatross
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