9288 km.....eine (Traum)Reise mit der transsibirischen Eisenbahn ans Ende der Welt von Moskau nach Vladivostok (6.-22.9.2019)

    • 2019
    • Ja, das ist schade. Ein einziges Mal trafen wir eine Babuschka, die Himbeermarmelade anbot.
      Ich vermute, es könnte mit den Sicherheitskontrollen zu tun haben, die wir mittels "Türstock" und Durchleuchtungsbändern an den großen Bahnhöfen hatten.
      Kleine Bahnhöfe zu verlassen haben wir nicht ausprobiert, dafür hätte nie die Zeit gereicht.
      Denkbar wäre, dass man auf den Bahnsteigen nur noch Passagiere mit Fahrkarten haben möchte :hmm:
      Grüße, Bavaria :)

    • Ich bin sehr beeindruckt von euren mutigen Reise (siehe euren 2. Zug), wünsche weiterhin gut Fahrt.

      Nun würde mich interessieren, wieviele Abteile hat ein Waggon und sind dort noch andere Reisende, die nicht zu eurer Gruppe, bzw. einheimische ??? untergebracht. Jedenfalls betrachte ich die Reise als ....Abenteuer, (Aufstieg ins obere Bett, sportlich ohne Leiter, eventuell nächtlicher Gang zu Toilette). Freue mich auf die Fortsetzungen.

      Danke
      nordlandfahrer
    • Als "mutig" würde ich die Reise nicht unbedingt bezeichnen. Wenn wir Komfort nötig hätten, müssten wir eine Sonderzugreise buchen.
      So war es immer wieder spannend, wenn wir einen neuen Zug bestiegen.
      Wir haben bewußt eine Regelzug-Reise gebucht und waren sozusagen von A bis Z durch unsere sehr gut deutsch sprechende Reiseleiterin Olga betreut, alles war super organisiert. In allen Städten nahmen uns am Bahnhof ebenfalls deutsch sprechende Reiseführer in Empfang. Häufig wurden auch Gepäckträger von Olga organisiert und bezahlt.

      In einem Waggon gibt es 9 Abteile zu vier Betten , in manchen Zügen auch mit nur 2 Betten = 18 oder bis zu 36 Personen.
      Jeder Waggon hat an jedem Ende eine Toilette mit kleinem Waschbecken, mehr oder weniger "modern" und attraktiv, aber immer einigermaßen sauber.
      In einem Zug bot man uns gegen Gebühr auch eine Duschmöglichkeit in einem anderen Waggon an.
      Störend bei den Toiletten war allerdings, dass Toilettenpapier aufgrund der Konstruktionen der Toiletten ausschließlich im (offenen) Müllbehälter deponiert werden durfte, was natürlich zu deutlicher Geruchsbelästigung beim Toilettenbesuch führte, je voller der Behälter wurde.

      Wir hatten einen Aufpreis für die Abteilnutzung zu zweit bezahlt, was sich sofort als goldrichtig heruasstellte - schon alleine wegen des Platzes, den man fürs Gepäck braucht und um sich zu bewegen (sogar bei unter 70 Kilo Körpergewicht)

      Unsere, durch Olga ab Moskau bis VladisVostok betreute Reisegruppe umfasste 16 Personen.
      Eine zweite, parallel aber absolut eigenständig unterwegs, waren ebenfalls 16 Personen, übrigens eine sehr angenehme Anzahl Reisender, wie wir fanden.
      Wir waren nicht immer alle in einem Waggon untergebracht. Das lag daran, dass Olga sowie ein Einzelreisender unserer Gruppe automatisch in einem Vierbettabteil untergebracht wurde, ebenso gab es eine Familie Vater/Mutter/Sohn und eine Männergruppe, die zu viert ein Abteil nutzte. Die "Vierergruppen" waren dann meist in einem anderen Waggon als die Zweierbelegungen.

      Die Abteile in den Waggons waren gemischt belegt mit Einheimischen und unserer bzw der parallelen Reisegruppe
      Olga war immer sehr fürsorglich und hatte meistens elektronische Tickets für alle. Wir bekamen dann kleine Zettel mit Waggon- und Abteilnummern vor dem Einsteigen und so war alles ganz einfach.
      Wegen der oberen Betten : Etwas Kletterei war es schon, weil sie wirklich etwas weit oben waren. Es gab auch eine Art Leiter, die man aufklappen konnte. Aber ich als der nächtliche Unruhegeist schlief nur einmal oben
      Grüße, Bavaria :)

      Post was edited 1 time, last by “Bavaria58” ().

    • Bavaria58 wrote:

      mal stehend am Gangfenster vor dem Abteil.

      Kilometer für Kilometer legen wir zurück, ohne dass uns auch nur eine Sekunde langweilig wird.


      @Bavaria58
      Mir würde es genauso gehen wie dir bzw. bei unserer Fahrt mit dem Ost-West-Express nach Minsk zu Freunden (erstmalig 1996) habe ich auch fast nur im Gang gestanden, bin hin und her gelaufen, im Eingangsbereich konnte ich schnell mal von rechts nach links wechseln, bis ich von dort "aus Sicherheitsgründen" weggeschickt wurde. Auch das Bettenmachen und das Waschen in den winzigen Toilettenräumchen gehörte zu der Reise dazu- wir waren 4 Personen im Abteil plus reichlich Gepäck! Bei den Mütterchen auf den Bahnsteigen haben wir leckeres hausgemachtes Proviant gekauft - frisches Brot, Yoghurt, Trockenfisch, Gurken usw. Dreimal haben wir diese Reise gemacht. Leider ist eine echte Transsib- Reise bis heute unterblieben, war immer mein Traum und jetzt würden wir die nicht mehr verkraften, vor allem so eine wie ihr sie gemacht habt. Die würde uns allerdings am meisten reizen.
      Umso interessierter verschlinge ich deinen Reisebericht. :girl-dance:
      Liebe Grüße von Trollebo
    • Auch ich verschlinge diesen Reisebericht, und danke für die ausführliche Auskunft.
      So ähnlich habe ich mir die Ausführungen gedacht. Durfte eure Reiseleiterin Olga von einem Waggon in den den anderen steigen, um die anderen Teilnehmer eurer Gruppe zu betreuen, oder wurden sie von dem (der) anderen Reiseleiter(in) betreut? Zum Duschen wird der Durchgang der Waggons aufgeschlossen oder muss man aussteigen und wieder einsteigen? Das stelle ich mir fatal vor.
      Aber diese Reise werde wir rein vom Alter nicht mehr machen und darum lese ich hier sehr gern mit, ist fast wie dabei sein. Selbst manche Gerüche kann man sich gut vorstellen.

      nordlandfahrer
    • Das mit dem Toilettenpapier in extra Eimer kenne ich aus Südamerika, da war das auf dem Land überall üblich wegen zu geringer Leitungsdurchmesser. Dort wurde allerdings immer sehr häufig geleert und die Fenster standen offen. Waren im Zug die Fenster nicht zu kippen?
      Viele Grüsse, Albatross
      Reiseberichte im Profil
    • @nordlandfahrer: wenn man mal im Zug war, konnte man durch den ganzen Zug von Waggon zu Waggon gehen. Olga betreute uns immer und wäre noch von Kamtschatka aus zu uns gekommen :)
      Der älteste Reiseteilnehmer war übrigens 82 und mit seinem Sohn unterwegs.

      @Albatross: Die Lüftung in der Toilette war immer super, allein die Papiermenge machte es. Dieser Müll wurde auch regelmäßig geleert, aber ein halber Tag bietet trotzdem viel "Entwicklungsmöglichkeit"
      Grüße, Bavaria :)

    • Das mit den durch die Waggons gehen, hatte ich nicht verstanden.

      Die vielen Geburtstag wie euer ältester Teilnehmer haben wir zwar noch nicht erreicht, aber aus gesundheitlichen Gründen werde ich mir das nicht mehr machen. Ich bin begeistert vom Lesen, und man kann im Leben nicht alles sehen. Irgendwann geht es nicht mehr

      Ihr macht es richtig, wann dann, wenn nicht jetzt! Ich bin zufrieden, wenn ich interessante Reiseberichte lese. Genieße auch meine Bequemlichkeit.

      nordlandfahrer
    • Albatross wrote:

      Das mit dem Toilettenpapier in extra Eimer kenne ich aus Südamerika, da war das auf dem Land überall üblich wegen zu geringer Leitungsdurchmesser.

      Ja, hatten wir z. B. jetzt auch überall in Costa Rica, teilweise sogar noch in Spanien, ebenso wie auf der SEDOV. Allerdings muss ich sagen (und das wunderte ich mich immer) dass es so gut wie nie Geruchtsbelästigung gab. Möglicherweise liegt es auch etwas am Papier.
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
      Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Arctica wrote:

      Allerdings muss ich sagen (und das wunderte ich mich immer) dass es so gut wie nie Geruchtsbelästigung gab.


      Die Extraeimer für Toilettenpapier waren wir sowohl im Iran als auch kürzlich in Armenien und Georgien gewohnt (außer in den internationalen Hotels und größeren Raststätten). Die Geruchsbelästigung - insbesondere in den häufig üblichen Stehtoiletten - war ohnehin meist so groß, dass der Papiereimer wohl den geringeren Anteil daran hatte. <X
      Aber immer nur in Gebieten mit unseren zivilisatorischen Gewohnheiten unterwegs zu sein ist ja langweilig. ;)

      Viele Grüße
      Laminaria


      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.
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      Sorry für die tagelange Stille im Bericht - ein Kurztrip nach Südtirol :love: war die Ursache :pardon:
      Nun soll es aber weitergehen mit unserer "gemeinsamen" Transsib-Reise

      Während der Bahnhofsaufenthalte gibt es in den Zügen nur "Notstrom". Deshalb braucht man für den Samowarbetrieb eine "Russiche Lösung"

      Die kleinen Bahnhöfe Tarutino (km 3937) und Zeledeevo (km 4027) "fliegen" vorbei - ohne Güterzüge zwischen uns und den Gebäuden ;)



      Kurz vor Kransojarsk überqueren wir wieder einen der riesigen Flüsse Russlands: den Jenissei

      In Krasnojarsk ( km 4098) haben wir einen etwas längeren Aufenthalt. Etliche Güterzüge passieren den Bahnhof ohne Halt, wir zählen wiederum mehr als hundert Waggons. Hier führt der Weg zum Bahnhof vom höher gelegenen Stadtteil über zahllose Stufen. Barrierefreiheit und Russland sind noch nicht recht kompatibel, stellen wir nicht zum ersten Mal fest. Das Bahnhofsgebäude ist ein schöner rekonstruierter Bau und liegt außerhalb des Stadtzentrums. Krasnojarsk ist wie Novosibirsk für uns leider nur eine Durchgangsstation.




      Heute erwartet uns im (modernen) Zugrestaurant ein äußerst liebevoll zubereitetes Frühstück
      Gestern gab es "quadratisches Rührei" mit etwas Speck -
      vermutlich gegart in einer großen Auflaufform, leider beim servieren bereits kalt...

      Wir passieren die Stationen Уяр = Ujar (km 4229) Zaozernaja bei km 4263


      und Kansk-Jeniseiesk (km 4351)


      Dazwischen auf beiden Seiten des Zugens schauen, beobachten, fotografieren....


      Eine große Herausforderung war es, den Bahnhof von Taischet abzulichten.
      Zwischen ihn und uns hatten sich gleich zwei Güterzüge in den Weg gestellt. Austeigen - selbst wenn es ein längerer Halt wäre - und um einen mehr als 500 Meter langen Zug herum und wieder zurück zu gehen? Keine Chance, wieder rechtzeitig zum eigenen Zug zurück zu kommen. :nono:
      Ich hoffe auf eine Lücke zwischen den Waggons beider Güterzüge für ein Foto des Gebäudes mit seinem schönen Schriftzug: Тайшет
      Es gelingt nur einigermaßen.
      Am Abend lassen wir uns vom Zug wieder in den Schlaf rütteln. Gegen das geräuschvolle Gerumple helfen mir nur Ohrenstöpsel

      13. September

      Am nächsten Morgen erreichen wir nach der Überquerung der Angara

      Irkutsk (km 5158)

      Auch hier steht ein Bus für uns bereit. Einen örtlichen Reiseleiter brauchen wir in Irkutsk nicht, denn es ist die Heimatstadt unserer Olga.
      Zunächst geht es zum Frühstücken in ein Hotel, dann werden wir die Stadt kennen lernen...

      ....im nächsten Teil des Berichts
      Grüße, Bavaria :)

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      Der Zeitunterschied zur Heimat beträgt inzwischen + 6 Stunden. Unser Frühstück im Hotel ist recht angenehm. Auch die Reisegruppe, die parallel zu uns unterwegs ist, frühstückt hier, einer der wenigen "Berührungspunkte".
      Im Gegenstatz zum Zug, in dem ruckartige, durch Weichen und auflaufende Waggons verursachte Bewegungen oft Kaffee oder Tee aus den Tassen schwappen lassen, bleibt hier alles, wo es sein soll.
      Allerdings: den "Schiffsgang" bekommt man auch durch den Zug. Manchmal fühlt man sich ein wenig wie bei einem Landgang.

      "Paris Sibiriens" wird Irkutsk auch genannt. Kyrillisch besteht der Name auf den ersten Blick aus lauter "falschen Freunden" = Buchstaben, die man entweder wirklich kennt oder zu kennen glaubt: Иркутск - aber inzwischen lesen wir die Sprache fast flüssig. Oft verstehen wir das Geschriebene sogar.
      Erstmalig wurde das am Angara Ufer liegende Irutsk im Jahr 1652 als Winterlager erwähnt. Die Stadt wurde schnell ein wichtiger Handelsplatz für sibirische Pelze, chinesischen Tee und Seide. So wie St. Petersburg Russlands Fenster zum Westen ist, ist Irkutsk das Fenster zum Osten und war im 19. Jahrhundert mit Abstand die größte Stadt Sibiriens.
      1879 zerstörte ein Großbrand zwei Drittel der Stadt, die danach aus Stein wieder aufgebaut wurde. Heute sind nur noch einige wenige Straßenzüge mit den alten Holzhäusern vorhanden. Das Wappen von Irkutsk ist übrigens ein "Tigerbiber", nachdem irgendein königlicher Beamter die Worte Babr (Tiger) als "Bobr" (Biber) niederschrieb und aus dem ursprünglichen Tiger eine Art Phantasiewesen machte.

      Auf der Angara stehen etliche kleine einfache Motorboote mit Fischen in der Strömung.
      Wir stehen zu Füßen eines Denkmals an die Kosaken als Begründer von Irkutsk erinnert.

      Gleich gegenüber sehen wir die Gotteserscheinungskathedrale (1718-1746) , der wir sehr gerne einen Besuch abstatten




      Am benachbarten Kirov Platz erbaute man die Erlöserkirche die wir nur von außen betrachten können.

      Denn es geht mit dem Bus kreuz und quer durch Irkutsk, vorbei an einigen der alten Holzhäuser, die ich nur mit Mühe aus dem schaukelnden Fahrzeug heraus fotografieren kann.



      Dann stehen wir erneut am Ufer der Angara zu Fuß des Zarendenkmals für Alexander III vor dem Heimatmuseum

      Neu aufgebaut wurden eine ganze Reihe Holzhäuser, die meisten sind Läden oder Restaurants (= PECTOPAH - Obacht, das Wort besteht auch aus lauter "falschen Freunden")

      Hübsch anzusehen, aber irgendwie ohne Seele

      Unsere Fahrt geht nun Richtung Süden aus der Stadt hinaus. Irkutsk liegt nur 70 km vom Baikalsee entfernt. Dort hin führt unsere Fahrt nun, unser Hotel in Listwjanka erwartet uns für die nächste Nacht.

      Auf dem direkten Weg zum Baikal machen wir einen kurzen Fotostopp am alten Eisbrecher "Angara", der nun nahe der Staumauer in Irkutsk vor Anker liegt. Eigentlich nicht auf dem Programm stehend hat Olga auf meine Anfrage hin sofort den Busfahrer instruiert.
      Den Mitreisenden gefällt das Schiff auch gut - schade, dass die Zeit nicht für eine Besichtigung dieses schwimmenden Museums reicht.

      Nach teilweise holpriger Fahrt liegt er dann strahlend blau vor uns.: Der Baikalsee. Sogar die schneebezuckerten Berge am gegenüber liegenden Ufer sind zu sehen.
      Laut Olga ist das nicht oft der Fall. Häufig ist die Luft zu diesig - es sind immerhin 46 km an dieser Stelle.



      Listwjanka ist leider so etwas wie der "Ballermann am Baikal". Gut, dass die Saison bereits dem Ende zugeht. So ist trotz Wochenendes nicht so besonders viel los in dem kleinen Ort und das ist uns auch ganz recht so.
      Unser Hotel besteht aus mehreren Häusern. Wir wohnen in einem brandneuen Bau, in dem es noch sehr intensiv und wunderbar nach Holz riecht.
      Nach dem Einchecken haben wir eine Stunde Zeit zum frischmachen, was uns nach 2 Tagen im Zug sehr gelegen kommt.
      Dann geht es auf zu neuen Taten, sprich Ufern. Es steht ein Schiffsausflug auf dem Programm.

      Die Boote fahren einfach auf das Ufer, kleine Stege ermöglichen das Einsteigen, streng bewacht von einem Dackel am Bug.



      Dieses Schiff wird sicher keine Fahrt mehr antreten und darf offensichtlich einfach vor sich hingammeln

      Wir fahren eine knappe Stunde bei herrlichstem Sonnenschein und lauen Temperaturen, eingepackt in alte Schwimmwesten, Richtung alte Bahntrasse.
      Diese etwa 80 Kilometer direkt am Ufer verlaufend, werden heutzutage nur noch von Sonderzügen befahren, die von Port Baikal am Angara Abfluß aus starten.
      Unsere beiden Schiffe legen dort an. Wer mag, kann baden gehen. Wir bevorzugen eine Wanderung auf der alten Bahntrasse mit wunderschönen Ausblicken auf den See.



      Einige Male sehen wir sogar die berühmten Baikalrobben (endemische Süßwasserrobben) auftauchen. Für ein Foto sind sie leider zu weit weg und zudem zu schnell wieder auf Tauchgang. Im Baikalsee liegen etwa 20% der Süßwasserreserven der Erde und auch sonst gibt es zahllose Superlative und Besonderheiten.
      Bei der Rückfahrt wird auf dem Schiff standesgemäß mit Wodka der Marke "Baikal" angestoßen.

      Unseren Hunger stillen wir am Nachmittag ebenso stilecht mit einem frisch geräucherten Omul, dem berühmten Baikalfisch.


      Ihn gibt es ausschließlich im Baikalsee und wir kaufen ihn auf dem kleinen Markt in Listwjanka, dazu ein kleines mongolisches Fladenbrot.
      Omul schmeckt nicht irgendwie speziell, man könnte den Geschmack mit dem einer Forelle oder Renke vergleichen.
      Essen können wir die Köstlichkeiten in einer kleinen Strandbude direkt am Seeufer, für die man 200 Rubel bezahlt und somit überdacht Tisch und Bänke zur Verfügung hat.
      Es ist ein einfaches Essen und dennoch ein kleines Festmahl.

      Wir bummeln danach noch einmal ausgiebig über den Markt mit seinen kleinen Buden.
      Es gibt russische und mongolische Andenken und Wollwaren, Halbedelsteine, Magnete, Krimskrams, Souvenirs, Tees, Nüsse und Obst, warmes und kaltes Essen, Omul über Omul und - ganz wichitg - eine Toilette für die "Harmoniepause", wir wir es nennen. 50 Rubel sind dafür fällig - hier also Preise "wie daheim" .

      Am Abend wagen wir nochmal ein essenstechnisches Experiment im Restaurant "Shaman". Es ist immer spannend, aus kyrillischen Speisekarten zu ordern.
      Die Bedienung spricht aber auch ein paar Worte englisch und so kommen wir mit Händen, Füßen und beherzter Bestellung zu einem guten Abendessen, Tee und Bier.

      Am nächsten Morgen soll es zuerst ins Baikal Museum und danach mittels Sessellift hinauf zum Tschersky Felsen gehen.
      Dafür gibt es wieder eine Fortsetzung...
      Grüße, Bavaria :)

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      14. September
      Unser Frühstück genießen wir in einem zum Hotel gehörenden Gebäude, zu dem wir im Freien eine lange Holztreppe sozusagen in den 3. Stock steigen.
      Dafür ist die Aussicht auf den Baikalsee eine Wucht.
      Nachdem alle ausreichend satt sind, fährt uns der Bus einige Kilometer, wir besuchen das äußerst interessante Baikalmuseum.
      Alles, was es zum See, zu seiner Erforschung, Flora, Fauna und Umwelt zu wissen gibt, kann man in diesem Museum mit angeschlossener museumspädagogischer /wissenschaftlicher Abteilung erfahren. Das Kino des Museums ist einem U Boot (mit viel Platz) nachgebildet, durch dessen Fenster man rundherum sieht, was es in den unterschiedlichen Tiefen zu beobachten gibt. Gut gemacht und in deutscher Sprache erklärt! Olgas "kleine halbe Stunde früher" hat sich wieder sehr gelohnt, denn als wir gehen, strömen sehr viele, sehr laute chinesische Touristen ins Museum.




      Nach einem ausgiebigen und doch zu kurzen Rundgang führt unsere Busfahrt zur Talsation eines Sesselliftes. Es geht nach oben. Eine kleine Wanderung bringt uns zum Schamanenstein, dem Tschersky Felsen. Von dort ist die Aussicht über den See und Port Baikal phantastisch - was mit einem gemeinsamen Wodka begossen wird. Wie bedeutungsvoll diese Stelle für viele ist, läßt sich wieder an zahllosen bunten Bändern erkennen, die den einfachen Zaun schmücken.



      Es heißt, der Baikal habe zahlreiche Söhne, aber nur eine Tochter. gemeint ist damit: Es gibt hunderte Zuflüsse, aber nur einen Abfluss - die Angara.
      Olga erzählt uns dazu eine hübsche Geschichte:
      Väterchen Baikal war der Meinung, dass eine Tochter Angara sich sein Leben lang um ihn kümmern würde.
      Angara aber verliebte sich in den Jenissei und wollte mit ihm davon. So warf Vater Baikal einen großen Felsen in ihre Richtung.
      Der Stein verfehlte Angara, aber er ist noch heute mitten im Abfluß in der Angara zu sehen. Sie jedoch machte sich auf den Weg zum Jenissei und fließt seither mit ihm nach Norden in die Karasee.


      Auf dem Gipfel steht ein kleines Café, ein Holzhaus aus sibirischer Kiefer. Olga lädt uns dort zu einer Tassee Kaffee und einem Snack ein. Dann fahren die meisten mit dem Sessellift wieder nach unten. Göga und ich spazieren mit zwei Mitreisenden zu Fuß und kommen zeitgleich mit den Liftfahrern zum Busparkplatz zurück.

      Nun geht es zurück in Richtung Irkutsk. Wir sind bei einer russichen Familie zum Mittagessen eingeladen.
      Ich habe ehrlich gesagt etwas Zweifel, wie "authentisch" das Ganze sein könnte.
      Dass es nicht grade eigens für uns als Touistengruppe inszeniert wurde, läßt sich beim letzten Stück der Anfahrt schon erkennen

      Schließlich empfangen uns Sergej und Irina an ihrem Haus

      Bevor es zum Essen in einen kleinen Anbau geht, erfolgt ein Rundgang durch das private Sammelsurium-"Museum" von Sergej und den ziemlich großen Garten der Gastgeber. Dass es kein Problem ist, Gruppen von 10-20 Leuten zu bekochen, wird schnell klar: Es gibt nahezu nichts, was in diesem Gartenn und zwei kleinen Gewächshäusern nicht wächst.
      So sitzen wir dann alle bei Salat, Hühnersuppe mit Gemüse, Frikadelle mit Kartoffeln und einem abschließenden Hefekuchen mit Marmelade zusammen.
      Es gibt Sanddornsaft oder Wasser zum Essen und vor jedem Gang muss mit Sergejs hausgemachtem Kräuterschnaps nebst Trinkspruch angestossen werden.
      Eine Tasse Kaffee schließt schmackhafte das Essen ab - ein schönes und genußvolles Erlebnis!

      Dass es sich lohnen kann, Gäste zu bewirten, können wir am Nachbarhaus erkennen. Einige Kühe laufen einfach auf der Straße und zwischen den Häuern umher....

      Es geht zurück in die Innenstadt und zu einem Besuch des Dekabristenmuseums, durch das uns Olga führt.
      Viel mehr gäbe es dort zu erzählen, als unser "Zeitfenster" dafür vorsieht. Mehr zu den Dekabristen hier oder hier.







      Der Verkehr in Irkutsk ist abenteuerlich, zahlreiche Straßen sind aufgerissen , knappe Begegnungen inklusive
      - man "repariert noch bevor der Winter kommt", so Olga.



      Schließlich kommen wir in unser Hotel. Olga erklärt, in welcher Straße man abends noch etwas zu essen und Bier bekommen kann. Einen 24 h- Supermarkt gibt es gleich gegenüber vom Hotel. Während sich die anderen aus der Gruppe nahezu geschlossen auf den Weg machen und letztlich im "Bierhaus" landen -als einzigem geöffnetem Lokal, Jodeln, Lederhose und Bockwurst inklusive - machen wir uns auf die Suche nach einem irgendwo gelesenen und notierten Tipp.
      Er erweist sich als goldrichtig, denn wir landen in einem kleinen SB Lokal.
      Kyrillische Karte und als Bestellung fünf Worte unsererseits:
      Пожалуйста, пиво, чай и пельмени, два = Pozhaluysta, pivo, chay i pel'meni, dva = Bitte Bier, Tee und Pelmeni, zwei

      Es klappt und wir bekommen das gewünschte. Die Pelmeni (quasi russische Tortellini) haben zwei verschieden Füllungen und schwimmen in einer köstlichen kochend heißen Hühnerbrühe.
      Mit wohlig warmem Bauch spazieren wir durch die nächtliche Stadt wieder zurück.

      Im Supermakrt wird Göga für einen Russen gehalten und in gebrochenem deutsch eines Deutschen ("diese gutt?") nach seinem Urteil über einen zu kaufenden Wodka gefragt. Großes Gelächter, als er einfach auf bayerisch "mia schmeckt er" antwortet.

      Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, denn unser Zug Nummer 2 verläßt den Bahnhof bereits um 8.03 Uhr, also stehen wir mit der Sonne auf.


      Wieder werden wir längere Zeit im Zug verbringen, nämlich 3 Tage und 2 Nächte.

      Diesmal haben wir erneut Glück, denn es ist ein moderner Zug mit (für uns) reinen Zweierabteilen, was nach sich zieht, dass die "Vierergruppen" und Einzelreisenden in einem anderen Waggon untergebracht sind.
      Schnell ist alles verstaut - die Betten sind hier wie auf den Hurtigrutenschiffen sozusagen auf der "Rückseite der Lehne"

      .. Wir winken der Dampflok am Bahnhof zu

      und schon geht es los nach Süden zu einem "Wiedersehen" mit dem Baikal. Der Herbst malt die Landschaft in den buntesten Farben.

      Dazwischen Züge mit besonderer Ware. eine Kurve zeigt uns, wie lang der Zug diesmal ist

      - und wir sitzen längst nicht an dessen Ende ....

      nur dieser Bericht wird einen Tag pausieren
      Grüße, Bavaria :)

      Post was edited 1 time, last by “Bavaria58” ().

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      Bedeutet???? ?( Ich denke nicht alle user sind des Kyrillischen mächtig ......
      Gruß Jobo,

      Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
      - Alexander von Humboldt -

      (Links zu meinen Reiseberichten finden sich im Profil/über mich)