9288 km.....eine (Traum)Reise mit der transsibirischen Eisenbahn ans Ende der Welt von Moskau nach Vladivostok (6.-22.9.2019)

    • 2019
    • 9288 km.....eine (Traum)Reise mit der transsibirischen Eisenbahn ans Ende der Welt von Moskau nach Vladivostok (6.-22.9.2019)

      Wie es anfing

      Wie man sich fühlt, wenn ein jahrzehntelang gehegter Wunschtraum endlich Wirklichkeit wird, kann und darf sich jeder von Euch selbst vorstellen.
      Zunächst wurde klar: Wenn nicht jetzt – dann vielleicht gar nicht.
      Zu viele schwer krank gewordene und von dieser Welt gegangene uns liebe Menschen waren ein deutliches Zeichen dafür, diesen Traum wahr werden zu lassen, bevor es zu spät ist.

      Nach dem „JA, 2019“ waren die nächsten Fragen: Wann, wie und mit wem?

      Viele Überlegungen gingen einer Buchung voran:
      - Eigenständig diese Reise zu organisieren wollen wir uns nicht antun, denn:
      Kyrillische Schrift und russische Sprache beschränkten sich auf wenige Vokabeln. Lesen geht ja noch, aber... X/
      - Die reine Fahrzeit der Transsib beträgt von Moskau nach Vladivostok gut 7 Tage. Dazwischen gibt es viele attraktive Orte, die wir gerne kennen lernen und erkunden wollen.
      -Jede Unterbrechung der Bahnfahrt mit Übernachtung mit Übernachtung in einer Stadt erfordert eine separate Buchung, eine neue Fahrkarte. Jeder Aufenthalt muss dabei mit Adresse und "Einladung" des Hotel bereits beim Visumsantrag nachgewiesen werden.
      -Ein Sonderzug kommt nicht in Frage. Schließlich wollen wir diese Reise auf Schienen durch Russland möglichst authentisch erleben und nicht in einer Art "Sonderzugkorridor" durch das Land fahren.
      - Die in Regelzügen übliche und ohne Rücksicht auf das Geschlecht eingeteilte Vierer-Abteilbelegung möchten wir lieber nicht live erleben. Vier Menschen auf dem engen Raum eines Bahnabteils - zwei Betten unten, zwei oben, ein kleiner Tisch. Den Aufpreis für eine Zweierbelegung nehmen wir in Kauf.
      - Der Herbst erschien als Jahreszeit am attraktivsten - wenn auch mit dem Risiko eines frühen Wintereinbruches in Sibirien. Aber wer des Winters Hurtigruten fährt, wird auch damit klarkommen.

      Dann klickte ich mich durch viele Webseiten und blätterte in Katalogen.

      Schließlich fiel unsere Entscheidung für diesen Anbieter und die Reise mit der Bezeichnung „Transsib per Linienzug“

      Eine geführte Gruppenreise mit max. 16 Personen
      Besichtigungen/Stadtrundfahrten/Spaziergänge/Museen in Moskau-Kasan-Jekaterinburg-Irkutsk-am Baikalsee-Chabarowsk und Vadivostok.

      Wir buchten in unserem Reisebüro am 2. Januar.
      Dann hatten wir acht Monate Zeit der Vorfreude.

      Ich habe Berichte gegoogelt, Bücher verschlungen und Landkarten studiert.

      Die Monate vergingen mit einigen kürzeren Reisen und dann war es endlich soweit.

      Der August ging vorbei, die Stapel auf dem Bett im Gästezimmer wuchsen und täglich stiegen meine Zweifel, ob und wie alles unterzubringen wäre.

      Nicht nur Klamotten für warm, kalt und die Transsib (nachweislich trägt man dort dem Publikum angepasst Jogging/Bequemhose und Hausschuhe und/oder Badeschlappen) sondern auch unzerbrechliches Geschirr und vernünftiges Besteck, Thermosflasche und Tassen, Küchenrolle und eigenes Klopapier (zu letzterem wurde in fast allen gelesenen Berichten dringend geraten!) etwas eigene Lebensmittel, da nicht täglich alle Mahlzeiten organisiert waren und eigene Verpflegung im Zug üblich ist: Teebeutel, Studentenfutter, Porridge, Schokolade und nette Kleinigkeiten zum Verschenken und einige Dinge mehr....

      Natürlich durften Kameras nebst Zubehör, E-Book-Reader, Fernglas, das Transsib-Handbuch, Reisenotizbuch, Schreibzeug, Patiencekarten und mein Strickzeug :saint: nicht fehlen.
      Mit zwei Rolltaschen zu 17 Kilo und 2 Rucksäcken als Handgepäck unter 8 Kilo brachten wir mit Geduld alles unter und dann konnte es endlich losgehen!
      Grüße, Bavaria :)

    • @Bavaria58
      Oh toll: Transsib- mein unerfüllter Lebenstraum! War ziemlich fest geplant, mußte aber aufgegeben werden.
      Nun bin ich gespannt wie ein Flitzebogen auf deinen Reisebericht ! Ein ganz kleines bißchen russisches Bahnflair haben wir wohl mehrmals genossen in dem West-Ost Express Brüssel-Moskau, wobei wir nur bis Minsk in Belarus gefahren sind, zum erstenmal 1999. Die zauberhaften Teegläser, die wir in dem Zug kaufen konnten, sind aber eine wunderschöne Erinnerung an diese Reisen. Der Samovar stand ja mit heißem Wasser immer bereit.
      Nun nimm mich bitte mit auf deine Reise ! :flower:
      Liebe Grüße von Trollebo
    • Oh. Da fahr ich sehr, sehr gerne mit! Ein nicht mehr erfüllbarer Traum wir wollten immer mal von Moslau über Ulan Bator nach Peking fahren. Erst war´s aus politischen Gründen nicht machbar und nun ist meine liebste Reisebegleitung verstorben.
      Und so fahr ich super gerne hier mit!
      Danke, dass du uns dran teilhaben lässt.
    • Da freue ich mich - habe heute an euch gedacht und dass ich näheres von eurer Reise erfahren möchte ^^ Um so mehr freue ich mich jetzt auf einen Reisebericht. Auch ein Traum von mir, leider habe ich in der Family noch keine Mitstreiter gefunden. Witzigerweise landete ich zufällig sogar auf der von dir genannten Seite ;) (hatte was ganz anderes gesucht...)

      Bavaria58 wrote:

      zu letzterem wurde in fast allen gelesenen Berichten dringend geraten!

      Kenne ich - eine Toilettenpapierrolle schleppte ich im Tagesrucksack schon durch so einige Länder. Gebraucht habe ich sie komischerweise aber noch nie.
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      Reiseberichte siehe Profil !


    • Bavaria 58,
      Eine Kollegin von mir ist im 2020 an eine Hochzeit in die Mongolei eingeladen worden. Sie fährt mit dem Zug von der Schweiz per Bahn nach Travemünde, mit der Fähre nach Helsinki und dann weiter mit der Bahn nach St.Petersburg, Moskau nach Ulan Batoor. Sie war mal mit einem Reisebüro in Kontakt wegen der Bahnreise von der Schweiz nach Moskau. Das Reisebüro riet Ihr davon ab, weil die weiss-russichen Behörden (Der Zug fährt durch Weissrussland) die Pässe vielfach nicht abstempeln würden. Das würde dann zu massiven Pro-blemen anlässlich der russischen Grenzkontrolle führen.
    • Die Transsib steht bei mir auch noch auf der Wunschliste! Ich wusste gar nicht, dass Lernidee auch Reisen mit der „richtigen“ Transsib anbietet, ich kannte bisher nur den Sonderzug Zarengold. Bin gespannt, was Du zu berichten hast und freue mich schon, hier mit- bzw. nachreisen zu dürfen.
      LG Lundefugl
    • Vielleicht noch zum allgemeinen Verständnis, auch @Lundefugl
      Es gibt die Sonderzüge "Zarengold", die z. B. auch ein Stück der alten Transsibroute entlang des Baikalsees (ca 80 km) befahren.
      Die "echte" Transsib als ZUG gibt es so eigentlich gar nicht. Die Transsib-ROUTE führt aus Moskau über Varianten über den Ural
      - Jaroslavl-Kirov-PermII-Ekaterinburg ->
      - Niznij Novgorod-Kirov ->
      - Kazan-Ekaterinburg ->
      - Samara-Celjabinsk ->
      Erst bei Omsk, weit hinter dem Ural, treffen die Linien wieder aufeinander, um dann über Novosibirsk-Krasnojarsk-Irkutsk zum Baikalsee und von dort weiter über Ulan-Ude, CitaII - Blagovescensk - Chabarovsk nach Vladivostok zu führen.
      Abzweigende Äste sind
      nach Süden die Transmongolische Bahn ab Ulan Ude über Ulaanbaatar nach Peking
      und die Transmandschurische Bahn ab CitaII über Harbin und Shenyang nach Peking
      sowie nach Norden die Amur-Jakutische Magistrale ab Skovorodino nach Jakutsk

      Und es gibt nur einen einzigen Zug, jeden 2. Tag von Moskau der die gesamte Strecke befährt.
      Alle anderen Züge sind eingeteilt in Gebiete ,entsprechende Lokwechsel sind dabei notwendig (z.B. Westsibirische Bahn, Mittelsibirische Bahn, Baikalbahn, Transbaikalbahn, Amurbahn)


      6.September
      Unser Weg zum Flughafen MUC ist der übliche:
      Ein Freund fährt uns die 20 Minuten zur S Bahn, mit einmaligem Umsteigen kommen wir damit in akzeptabler Zeit zum Terminal 1. Heute stehen ausnahmsweise keine langen Schlangen am Sicherheits-Check, so bleibt ausreichend Zeit für ein entspanntes letztes bayerisches Weißbier für Göga.

      Bald steht unsere Aeroflot-Maschine bereit und wir heben pünktlich um 12.35 Uhr ab

      zu einem ruhigen Schönwetterflug nach Moskau Sheremetjevo (künftig wir dieser Flughafen "Alexander Puschkin" heißen). Drei Stunden später landen wir in Moskau. Ortszeit ist 16.40 Uhr
      An der Einreise-Passkontrolle stehen lange Schlangen. Es dauert mehr als eine Stunde, bis ich schließlich von den strengen Augen eines Beamten mehrfach streng gemustert werde, in meinem Pass herumgeblättert wird, dieser in einen Scanner gesteckt und schließlich gestempelt wird. Ein Einreiseformular kommt hinzu, das bei der Ausreise ebenso wie in jedem Hotel vorgelegt werden muß. Endlich piept das Glastürchen und auf der anderen Seite angekommen sind wir nun endlich offiziell in Russland.

      Unsere beiden Taschen drehen einsam ihre Runde auf dem Gepäckband, der Flug steht schon gar nicht mehr auf dem Monitor.
      Am Ausgang sehen wir in zahlreiche Gesichter und hochgehaltene Abholzettel. Schnell ist unsere Abholerin gefunden, die uns herzlich willkommen heißt. Sie lotst uns nach draussen und telefoniert mit ihrem Fahrer, der schon bald schwungvoll vor uns anhält und unser Gepäck im Kofferraum verstaut. Für uns stehen im Auto zwei Flaschen Wasser bereit - was für ein angenehmer Service!
      Moskaus Zentrum ist gesperrt, denn die Stadt feiert ab morgen ihren 872.Geburtstag. Leuchtende Portale und unzählige Flaggen künden in rot-weiß-blau, in Streifen und Ringelmustern von diesem Ereignis.



      Eineinhalb Stunden brauchen wir mit oft forschem Fahrstil teilweise auf Schleichwegen, die genauso verstopft sind wie die Hauptstraßen, im freitäglichen Feierabendverkehr bis zu unserem Hotel Katerina. Die von berlin bzw Frankfurt am Main kommenden Reiseteilnehmer unserer 16-köpfigen Gruppe sind alle längst vor Ort. So beeilen wir uns, bringen nur unser Gepäck ins sehr geräumige Zimmer, ziehen am Automaten in der Hotelhalle die ersten Rubel und stehen genau 8 Minuten später bereit zur nächtlichen Stadtrundfahrt.
      Der Bus holt uns bald ab und es geht stop & go (mehr stop denn go) Richtung Zentrum.
      Das Lokal fürs Abndessen ist reserviert und um nicht völlig in Verzug zu geraten, steigen wir unter einer Brücke aus und gehen zu Fuß weiter.
      Da der Weg direkt über den Roten Platz führt, ist uns das mehr als recht. Ein lauer Sommerabend und die heitere Stimmung der vielen Menschen, die dort wie wir unterwegs sind, sorgen für das wirkliche und wohlgefühlte "innere Ankommen".

      Das Kaufhaus GUM darf in seiner weihnachtlichen Beleuchtung jetzt das ganze Jahr über leuchten

      Der gesamte Rote Platz strahlt und wir können innerlich nur mitstrahlen bei dem phantastischen Anblick :girl_pinkglassesf:



      Die Seitenstraße Ulica Nikolskaja setzt mit ihrem LED-"Schmetterlingshimmel" einen modernen Kontrapunkt zur Tradition auf dem Roten Platz

      Wenn sich jemand fragt, wieso "Roter" Platz, so ist dies die Erklärung:
      красный (krasnji) = rot
      краснивый (krasniwyj) = schön, hübsch
      краснеть (krasnetj) = rot werden, erröten.

      Wir passieren das Historische Museum und das Auferstehungstor. Ein wichtiger Punkt gleich dahinter ist für mich der "Kilometer Null" der Transsib


      Da muß ein Foto einfach sein! ^^

      Vorbei an verschiedenen Brunnen und Wasserspielen gelangen zu unserem Restaurant fürs Abendessen, einem italienisch angehauchten Lokal im Souterrain. :essen:

      Danach bringt uns der Bus zu einer Station der Moskauer Metro - die Bahnhöfe und Haltestellen sind wahre Paläste mehr als 100 Meter tief unter der Erde.
      Die Rolltreppen sind entsprechend lange und fahren mit unglaublicher Geschwindigkeit. Und die Bahnhöfe und Haltestellen, die wir schon beim letzten Besuch in Moskau bewundert haben, beeindrucken uns erneut :love:



      Das Ticketsystem der Metro ist denkbar einfach. :imsohappy: Ein Fahrschein kostet etwa 60 Cent. Nach dem Passieren einer elektronischen Schranke kann man mit diesem Ticket beliebig lange und beliebig weit fahren. Erst nach Verlassen der Metro braucht man für eine neue Fahrt wieder ein neues Ticket. :pardon:

      Mit Valentina haben wir eine kompetente Stadtführerin, die viel Interessantes zu erzählen hat. Es ist beinahe Mitternacht, als wir wieder ins Hotel zurück kommen.
      Morgen um 9.30 Uhr wollen wir zur Stadtrundfahrt bei Tageslicht starten...
      Grüße, Bavaria :)

      Post was edited 4 times, last by “Bavaria58” ().

    • Die Transsibirische Eisenbahn ist auch mein lang gehegter und leider vergeblicher Traum gewesen. Wir haben es nur zweimal zur Flusskreuzfahrt Moskau - St. Petersburg gebracht.
      Gern und mit großem Interesse folge ich nun diesem Reisebericht. :sdanke: (Ich war übrigens genau gleichzeitig in Armenien und Georgien unterwegs.)

      Viele Grüße
      Laminaria


      Reiseberichte sind in meinem Profil verlinkt.
    • Super! Mal ganz was anderes!
      Irgendwo im Hinterkopf steckt wohl bei vielen so eine Reise....

      Auch bei mir kommt der Gedanke an diese Route immer mal wieder zum Vorschein, hab auch schon gegoogelt und so, aber bis jetzt noch nie was konkretisiert...Aber wer weiß was noch so kommt...

      Lese sehr gerne hier mit!

      :)
    • 7. September

      "Moskau bei Tag" - unter dieser Überschrift beginnt um 9.30 Uhr unsere Stadtrundfahrt.
      Das komplette Gepäck wurde bereits in den bBus verladen, denn am Abend geht es direkt zum Kasaner Bahnhof.

      Valentina, unsere Führerin von gestern, hat sich wegen eines Todesfalls im Freundeskreis für heute entschuldigt.
      Ihre Kollegin Ludmilla ist ein sympathischer Ersatz für sie.
      Auch sie füttert uns mit mehr Informationen über Stadt, Land und Leute als wir uns jemals merken können.

      Wir passieren das Denkmal für Juri Gagarin, den in Russland hoch verehrten russischen Kosmonauten, dem ersten Menschen im All
      Einmal mehr finde ich schade, so manche Motive nur durch die getönten Scheiben unseres Busses während mehr oder weniger holpriger Fahrt mit Stop and go, Spur- und Richtungsänderungen fotografieren zu können. X/
      Unser Weg führt hinauf zu den Sperlingsbergen mit einem wunderbaren Blick über Moskau.
      Natürlich gibt es auch in dieser Stadt mittlerweile sehr moderne Gebäude



      Hinter uns präsentiert sich die Lomonossow Universität im so genannten Zuckerbäckerstil hinter einem üppigen Blumenteppich

      Nach einem kleinen Spaziergang im Park vor dem Neujungfrauenkloster


      stoppen wir an der Moskwa. Alle Brücken sind "geburtstagsbeflaggt", die Stimmung ist heiter, das Wetter sommerlich warm - einfach perfekt :)
      Ein Blick über den Fluß zeigt die Christus Erlöser Kathedrale links der Brücke und den Kreml rechts davon



      In der Nähe des (Zuckerbäcker ;) )-Außenministeriums parken wir und gehen zu Fuß weiter in Moskaus Fußgängerzone "Arbat"
      Weil wir eine Stunde "frei" bekommen, können wir in aller Ruhe bummeln.
      Etliche Mitreisende tun dies von einem der dicht gesäten Souvenirladen zum nächsten :pardon: .
      Uns fällt eine kleine Kirche in einer Seitenstraße ins Auge. Wir machen uns auf den Weg dorthin und betreten eine andere Welt.
      Hier gibt es keine Touristen, als Frau bedeckt man die Haare und wir ziehen es vor, in dem Gotteshaus - genannt "Tempel der Versuchung des Herrn" nicht herumzugehen, um die wenigen anwesenden Gläubigen nicht zu stören.
      Statt dessen setzen wir uns auf eine Bank an der Rückwand und halten ruhig inne. Ein ganz besonderer Augenblick.



      In einer anderen Seitenstraße gibt steht noch eines der alten Holzhäuser

      Zum Mittagessen treffen wir uns alle wieder.
      Danach geht es Richtung Kreml.
      Weil die Kirchen im Kreml erst um 16 Uhr öffnen, spazieren wir zunächst durch den Alexandergarten und stehen nach der inzwischen auch in Russland obligatorischen Sicherheitsschleuse im Inneren der "Burg". Strenge Uniformierte achten darauf dass alle Besucher auf den Gehsteigen bleiben und ausschließlich über die Zebrastreifen eine Fahrbahn überqueren. Es sind keinerlei Fahrzeuge unterwegs und trotzdem hat jeder Fuß, der auch nur einen halben Meter neben der Markierung den Boden berührt, einen scharfen Pfiff und eine unwirsche Zurechtweisung zur Folge, unterstützt von einem Wink mit dem Gummiknüppel. :punish:
      Der Kreml beherbergt zahlreiche Kathedralen, brauchten doch die Zarenfamilien für alle Geschehnisse des Lebens eigene Kirchen.
      Umfassende Informationen für Interessierte und Viel-Leser habe ich hier gefunden.
      Weithin sichtbar erhebt sich der Dreifaltigkeitsturm und imposant steht die Zarenglocke mit dem herausgebrochenen 8-Tonnen schweren Stück außerhalb des Kathedralenplatz. Mit etwas Geduld kann man sie sogar ohne die zahllosen chinesischen Touristen ablichten :saint:




      Unsere Stadtbesichtigung endet wieder am Roten Platz, wo etwas Zeit für einen Besuch des Kaufhaus GUM bleibt. Es ist auch von innen ein imposantes Gebäude. Menschenmengen schieben sich buchstäblich hindurch und ich denke wehmütig an den Mokka in einem der kleinen Cafes vor vielen Jahren. :girl_sigh:
      Kein Drandenken, hier wieder in Ruhe zu sitzen und die Atmosphäre zu genießen. Die Läden -allesamt hochpreisige westliche Marken - sind von "Türstehern" bewacht und - allesamt leer. Wer bummelt hier nicht nur, sondern gibt Geld aus? Warteschlangen dafür sehen wir nur im Self-Service Restaurant und auf der Toilette :mosking:
      Aber schön ist es schon im GUM! :gr-squint:



      Wir genießen allerdings lieber noch einmal den wunderbaren Blick uf die Basiliuskathedrale

      und dann geht es endlich zum Bahnhof. Der erste Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn steht bevor...
      Grüße, Bavaria :)

    • Vielen Dank für deine Links, mit denen du deine Reiseberichte immer bereicherst :thumbup:
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    • @Arctica aber gerne doch!
      @Kailash da ich auf keinen Fall nach China/Peking, aber auf jeden Fall nach Vladivostok wollte, verliief unsere Zugroute auf russischer Seite an der Grenze zur Mongolei entlang.

      immer noch 7. September
      Seit unserer Ankunft in Moskau begleitet uns Olga, die wir als "die beste Reiseleiterin aller Zeiten " erleben werden. Unaufgeregt, ruhig und souverän kümmert sie sich um alles, was irgend jemand aus der Gruppe frägt oder braucht. Sie hat stets den umfassenden Überblick und oft brechen wir einfach eine kleine halbe Stunde früher irgendwohin auf, um dann zu erleben: Die nächsten/großen Besuchergruppen kommen lange nach uns. Nicht nur in Museen werden wir das noch sehr zu schätzen wissen. :dance4:

      Es ist bereits dunkel, als wir am Kasaner Bahnhof ankommen. Unser Busfahrer hat meinen vollen Respekt dafür, wie und wo er es fertig bringt, mit dem großen Gefährt zu parken oder zu manövrieren :thank_you:
      Beim Betreten des Bahnhofes gibt es Sicherheitskontrollen wie am Flughafen. :arghs: Das Band ist schneller als die Menschen durch den "Türstock", wo manche dann kurz aufgehalten werden. So gibt es einen ziemlichen "Taschensalat", weil die Gepäckstücke alle einfach auf den Boden plumpsen, bevor ihre Besitzer vor Ort sein können . :negative:

      Schließlich haben wir es alle geschafft und wir versammeln uns in der Halle

      Züge in Russland sind deutlich länger als bei uns - Güterzüge haben wir ausschließlich mit 70 bis zu 100 (!) Waggons gesehen, oft auch mit einer zusätzliche schweren Lok in der Mitte des Zuges.
      So ist es durchaus normal, dass bei Personenzügen am Bahnsteig 500 Meter bis zum entsprechenden Waggon zurückzulegen sind.

      Einsteigen kann man ausschließlich in den Waggon, für den die Fahrkarte gilt. Und einsteigen ist in Moskau einfach, denn dort - und nur dort - liegen die Bahnsteige hoch. Eine Platte überdeckt den Spalt zwischen Bahnsteig und Zug. Das wird in allen anderen Bahnhöfen bedeuten: 4 steile schmale Stufen sind samt Gepäck zu überwinden, wenn man ein- oder aussteigt.

      Die Schaffnerinnen kontrollieren streng und genau.

      Wenn man - wie wir -in Linien/Regelzügen unterwegs ist, weiß man nie, was für eine "Qualität" der Zug bzw das Abteil hat.
      Zug Nummer 2 von Moskau nach Kasan ist ein moderner klimatisierter Zug, in dem es Fernsehen und sogar W-LAN gibt. Der Boiler für 24 h kochend heißes Wasser gratis ist ebenfalls neueren Datums.
      Im Abteil stehen 4 Flaschen Wasser auf dem Tisch, die oberen zwei Betten sind zum Schlafen fertig.

      Wir erfahren, dass wir durch den Aufpreis der Zweiernutzung des Viererabteils Wasser und Abendessen für 4 Personen bekommen werden Und wir lernen: Was bezahlt ist, wir geliefert und hat angenommen zu werden :pardon:
      Gut, dass Olga, unsere ruhige und stets souveräne Reisebegleitung die Sache im Griff hat und uns den Vorschlag macht, zwei der Abendessen an ein "VIermännerabteil" weiterzureichen. Dass das Abendessen gegen 22 Uhr trotz Speisewagen als "Flugzeugpäckchen" kommt, erfreut uns allerdings nicht sehr: Alles ist extra in Zellophan verpackt und der Müllberg in unseren Augen exorbitant Eine Aluschale enthält eine Art Hackfleischwürstchen mit Reis.
      Die Schaffnerinnen fragen nett, ob wir Kaffee oder Tee dazu haben möchten. Mitgebrachte Schokolade erfreut die beiden für unseren Waggon zuständigen Damen- sie können ja nichts für die Verpackungswut.

      Olga kommt im Lauf des Abends noch in jedes Abteil und erteilt ein kleines Glas Wodka zum Anstoßen auf die erste Etappe per Zug.
      Wenn man Alkohol trinkt, soll man die Abteiltüre schließen. Es soll für andere vorbei gehende Fahrgäste nicht offensichtlich sein.
      Na dann "auf Dein Wohl" - aber nicht "na sdorowje"!

      Auch der längste Besichtigungstag geht einmal zu Ende und es ist fast Mitternacht, bis wir uns endlich schlafen legen. Die Kletterpartie nach oben ins Bett gestaltet sich trotz vorhandener "Leiter" recht sportlich. Da wir im Abteil 1des Waggons mehr oder weniger über dem Drehgestell liegen, ist es eine etwas unruhge Fahrt durch die Nacht. Zug- und Stoßbewegungen beim Beschleunigen und Bremsen, ebenso wie Weichen erzeugen ein gehöriges Maß an Rüttelei und recht laut ist es auch.
      Aber nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran und müde von den vielen Eindrücken sind wir auch.

      Am frühen Morgen sehen wir die Landschaft in goldenes Licht getaucht und erfahren live von den bereits gelesenen Schwierigkeiten, die fotografieren aus dem Zug bedeuten:
      - Man kann die Fenster nicht öffnen
      - Die Fenster sind staubig bis schmutzig
      - die "Bewegungen" im Zug verhindern weitestgehend ein Ruhighalten der Kamera
      - Masten der elektrischen Leitungen tauchen regelmäßig, in extrem kurzen Abständen und überwiegend dann auf, wenn sie mitten im Bild sein können :pleasantry:
      - Bäume und Sträucher ebenfalls
      - hebt man bei einem oft kurzfristig entdecktem Motiv die griffbereite Kamera, kommt garantiert noch vor dem Auslösen ein 100-Waggon langer Güterzug dazwischen.
      :pardon:

      Gut, dass wir das alles mit großem Humor und oft genauso großem Gelächter erleben können.

      Es wird zu einer Art Herausforderung werden, möglichst viele der etwa 400 Bahnhöfe entlang der 9288 km-Strecke mit der Kamera zu "erwischen".
      Die Nächte, aber vor allem die dort stehenden Güterzüge dort werden es oft genug verhindern :mosking:

      Aber manches Foto wird "trotzdem" schön
      Ein Frühstück gibt es für uns heute bereits im Hotel am Zielort in Kasan, das wir um 8 Uhr erreichen.
      Vorher überqueren wir noch die Wolga. Nicht nur sie, alle russischen Flüsse führen nach einem regnerischen Sommer Hochwasser. Das vermindert häufig die Geschwindigkeit der Züge, die deswegen langsamer fahren müssen.




      Dann kommen wir nach Kasan, der Hauptstadt der Republik Tartastan.


      Wir werden von der örtlichen Führerin, Alina, abgeholt. Dann geht es zum Frühstück ins Hotel Nogai.
      Um 9.30 Uhr starten wir dann zur Stadtrundfahrt...
      Grüße, Bavaria :)

    • @Bavaria58
      Du schreibst so anschaulich und mitreißend, daß ich gar nicht aufhören mag zu lesen. So kann ich wahrscheinlich meine, nicht mehr zu verwirklichende Traumreise durch dich doch noch erleben ! :flower:

      Mit der Festlegung, daß man nur in den Waggon einsteigen darf, für den man das Platzticket hat, was am Einstieg kontrolliert wird, haben wir leidvoll erleben müssen:
      Als wir 2000 in Hannover in den West-Ostzug nach Minsk / Belarus einsteigen wollten, mußten wir feststellen, daß der Waggon mit unserer Nummer fehlte !!! Wir durften ja nicht in einen anderen einsteigen und als man uns zunächst nicht zurückhalten konnten, holte man uns bzw. unser Gepäck aus dem Zug und wir mußten natürlich unserem, nun auf dem Bahnsteig stehenden Gepäck folgen! Wir sahen nur noch die Rücklichter des Zuges ! :( Es wurde eine Abenteuerreise, weil wir ja für andere Züge, weder Tickets noch Platzkarten hatten. Aber mit Hilfe eines Beamten in Hannover - der wegen der laufenden Expo zum Glück auch noch nach 22 Uhr an einem Info-Schalter zu erreichen war und vor allem netten Menschen in Polen, kamen wir dann doch, wenn auch mit x-mal Umsteigen, stundenlangem Warten am Warschauer Bahnhof, ohne Liegewagen und total übermüdet, ans Ziel. :)
      Liebe Grüße von Trollebo
    • Oh je, das ist ja die totale Horrorvorstellung. ;(
      Bei uns war es oft mal spannend, weil die langen Züge ihre Waggons nicht unbedingt laufend durchnummeriert angehängt hatten.
      Soweit wir mitbekommen haben, kamen aber immer alle Fahrgäste an Bord.
      Grüße, Bavaria :)

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