Rückblick auf eine Grönlandreise mit der MS Roald Amundsen

    • Rückblick auf eine Grönlandreise mit der MS Roald Amundsen

      Nu denn!
      Fast schon ene Woche deheim, Zeit zum Nachgrübeln, die Reise mit der MS Roald Admundsen nach Grönland 6.8 bis 21.8.1019 fing schon einmal unerfreulich an: Die Schiffsreise verzögerte sich um einen Tag, weil das Schiff erst inspiziert werden musste....
      Das Einchecken in einem Konzerthaus war unübersichtlich, schlecht organisiert und langwierig.
      Das Schiff selbst entschädigte für alle Mühen und so manche organisatorische Panne. Tolle Ausstattung, sehr komfortabel, ruhig auch bei stärkerem Seegang. Die Crew war sehr gut eingespielt.
      Die Verpflegung war durchwegs gut bis sehr gut. Etwas mehr Abwechslung in der Karte wäre wünschenswert. Das Servicepersonal war sehr freundlich und hilfsbereit.
      Schwächen zeigte das offenischtlich überforderte "Experten" Team, zwar zahlreich vorhanden aber entweder mit wenig Sachkenntnis ausgestattet war oder diese gut verbarg. Die Vortragsräume waren oft überfüllt, in entspanntes Zuhören somit kaum möglich.
      Für die Landgänge musste man oft länger warten, da fast nur die "Gummiboote" verwendet wurden.
      Eine Katastrophe war das Ausschiffen am 20.8.2019. Kabinenräumung um 10:00 Uhr, 4 Stunden Wartezeit auf die kurze Überfahrt zum Hafen, kurzer Ausflug, dann stundenlanges Warten am Flugplatz, Abflug mit einem Billigcharter nach Mitternacht, Rückkehr nach Wien am Folgetag nach 20:00 Uhr.
      Facit: Nichts für Eilige und für Wissensdurstige. Mehr eine klassische Kreuzfahrt als eine Expetionsreise.
      Dafür ist das Schiff auch mit seinem Platz für über 500 Passagieren viel zu groß.
      Ein Downsizing auf 250 Kojenplätze wäre sicherlich empfehlenswert.
    • Luap wrote:

      .... Mehr eine klassische Kreuzfahrt als eine Expetionsreise. ....
      Das oben Zitierte und auch einige Deiner anderen Anmerkungen haben in mir Erinnerungen an meine Expeditionsreise zu den Schafsinseln mit der MS Spitsbergen geweckt. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Expeditionsreisen auf kleineren Schiffen eines anderen Anbieters hatte ich die Reise mit anderen Erwartungen angetreten. Trotz des teilweise enttäuschenden Verlaufs habe ich dann auf Wunsch eines Forenmitglieds einen bebilderten Bericht geschrieben, weil es hier damals zu dieser speziellen Reiseroute noch wenig (oder gar keine) Berichte gegeben hatte, aber am Ende bewusst auf ein Fazit verzichtet.

      Ich fänds schön, wenn auch Du trotzdem noch mit einem kurzen Fotobericht posten würdest.

      Gruß, Sterna
    • Lisa Nordlicht wrote:

      "Experten" Team, zwar zahlreich vorhanden aber entweder mit wenig Sachkenntnis ausgestattet


      Meine Erfahrung auf der "Ultimativen Grönlandreise" mit der MS Roald Amundsen vom 27.7. bis 6.8.2019 (also die Reise vor Deiner) war genau gegenteilig: Das Expeditionsteam war mit wirklich sehr qualifizierten Experten bestückt: Gelogen, Meeresbiologen, Glaziologen usw. Sie hatten profundes Wissen und haben uns bei ihren Vorträgen sehr daran teilnehmen lassen. Darunter zum Beispiel der erfahrene Arktis- und Antarktissegler Henryk Wolski (sucht mit der Suchmaschine Eures Vertrauens nach diesem Namen), der mehrere sehr informative und kurzweilige Vorträge über die Geschichte Grönlands und seine Entdeckung gehalten hat.
    • Dem kann ich nur zustimmen, fachlich waren sie auf jeden Fall qualifiziert, sehr nett und freundlich sowieso, und es gab viele interessante Vorträge.
      Allerdings hat man schon manchmal gemerkt, dass noch nicht alles eingespielt war, Beispiele:

      Laut Tagesprogramm sollten abends zwischen 18:00 und 23:00 (Zeiten sind aus dem Kopf erinnert, evtl. anders gewesen) Fotos des Bordfotografen in Dauerschleife abgespielt werden, danach konnte man sich überlegen, ob man den USB-Stick kaufen möchte. Als ich um 18 Uhr dort saß und nichts passierte, habe ich ein Mitglied des Expeditionsteams danach gefragt und bekam die Antwort, das wäre am nächsten Tag, nicht an diesem. Ich war verwirrt, hatte aber das Programm nicht dabei und vertraute dann einfach, dass er wusste, vowon er sprach. Als ich dann später im Programm nachschaute, sah ich, dass ich Recht hatte und es tatsächlich an diesem Tag war. Als ich nach dem Essen wieder hinging, war die Präsentation schon vorbei, da nun ein anderer Vortrag stattfand (aber innerhalb des Zeitraums, in dem eigentlich die Dauerschleife laufen sollte ...). Positiv war aber, dass derjenige, der mir die falsche Info gegeben hatte, mich sofort abpasste, sich entschuldigte und dafür sorgte, dass ich mir die Fotos auf dem Laptop des Fotografen angucken konnte.

      Ich habe öfters gehört, wie sich MItreisende geärgert haben, weil geplante Vorträge kurfristig verschoben wurden oder später stattfanden, als angekündigt.

      Am Beginn der Reise wurde angekündigt, dass man das Tagesprogramm über den Fernseher abrufen konnte, das war aber nur 2 oder 3 Tage der Fall, dann wurde es nicht mehr aktualisiert. In der App gab es auch eine Rubrik für das Tagesprogramm, diese war aber leer ...

      Am letzten Abend wurde um 21:55 verkündet, dass um 22:00 ein Film gezeigt wurde, den das Kamerateam, das an Bord war, über die Reise gedreht hatte, und der als Marketingfilm von Hurtigruten verwendet werden würde. Das war leider sehr kurzfristig und ich habe den Film verpasst, hätte ihn aber gerne gesehen. Auf Nachfragen, ob man ihn noch irgendwo anders oder später im Netz finden könnte, bekam ich die Antwort, nein, leider nicht.

      Meiner Meinung nach Kleinigkeiten, die in Zukunft wahrscheinlich besser laufen werden, wenn alles eingespielt ist, aber ich habe doch einige Passagiere gehört, die sich wirklich geärgert und mit anderen Schiffen (Fram, Midnatsol) verglichen haben, wo wohl immer alles perfekt lief.
    • Monschi wrote:

      anderen Schiffen (Fram, Midnatsol) verglichen haben, wo wohl immer alles perfekt lief.

      Im Prinzip lief auf meinen beiden Fahrten, die ich bisher mit der Fram unternommen habe, alles perfekt. Ein Punkt bei der zweiten Reise von Island nach Spitzbergen war, dass interessante Vorträge zeitgleich angeboten wurden und man musste sich für einen entscheiden. Bei der ersten Reise wurden Vorträge auch wiederholt.
    • Ich finde es sehr interessant, dass für euch Vorträge auf dem Schiff so wichtig sind :huh: ich habe mir bei unserer Tour nach Spitzbergen nur die Pflichtvorträge angehört, aber sonst keinen einzigen. Ich hatte viel zu viel Angst draußen was zu verpassen :pardon:
      Viele Grüße
      Bine :)

    • Henryk Wolski habe ich nicht gesehen / gehört.
      Der mitreisende Biologe war auf Vögel- Federn (!) und Daunen spezialisiert, die konnte man sich in den aufgestellten Mikroskopen ansehen. Irgendwann gab es einenVortrag über Pinguine (war wohl Werbung für eine Antarktisreise).
      Der Geologe sprach von Gesteinsformationen die über die Jahrmillionen entstanden sind. Er zeigte dazu auch Bilder. Nur; er gab zu, dass man diese beim Landgang nicht sehen könne.......
      Irgendwann habe ich aufgehört zu den Vorträgen zu gehen und mich damit abgefunden, dass diese Reise eine (teure) Kreuzfahrt ist. Die vorbeiziehenden Landschaften und die gute Versorgung haben mir den Aufenthalt an Bord erleichtert.
    • Bine wrote:

      Ich finde es sehr interessant, dass für euch Vorträge auf dem Schiff so wichtig sind


      Naja, vielleicht nicht unbedingt wichtig, aber ich finde es gut, dass es angeboten wird und man was über die Umgebung, das Land, die Tiere, Klima etc. lernen/erfahren kann - wenn man möchte und gerade draußen nichts Wichtigeres ist.
      Man ist auf der Roald Amundsen in Nullkommanix vom Auditorium (wo es die Vorträge gab) draußen aufm Deck, sobald Eisbären, Wale, Riesen-Eisberge etc. auftauchen :)
    • vilem wrote:

      [...] Darunter zum Beispiel der erfahrene Arktis- und Antarktissegler Henryk Wolski (sucht mit der Suchmaschine Eures Vertrauens nach diesem Namen), der mehrere sehr informative und kurzweilige Vorträge über die Geschichte Grönlands und seine Entdeckung gehalten hat.
      Henryk habe ich auf einem anderen Schiff (nicht mit HR ) mehrmals sowohl als Guide bei Wanderungen als auch als Lektor erlebt. Er war immer eine große Bereicherung des Teams.
      Auf meiner HR-Reise zu den Schafsinseln hat Klaus Kiesewetter als Historiker und Faeroerspezialist die meisten und besten Vorträge gehalten.

      Post was edited 2 times, last by “Sterna paradisaea” ().

    • @Bine
      ich kann @Monschi nur zustimmen! Ich bin jedesmal dankbar, wenn es fundierte Informationen zu Land und Leuten gibt, die das jeweilige Reiseziel betreffen.
      Und man darf ja nicht vergessen: im Juni/Juli hat der Tag in Gegenden um den Polarkreis herum ja nahezu 24 Stunden, also genug Zeit, um neben Essen und Schlafen und Vorträgen stundenlang an Deck zu stehen und zu schauen..
      BBe49
    • Bine wrote:

      Ich finde es sehr interessant, dass für euch Vorträge auf dem Schiff so wichtig sind

      Also ich muss ehrlich sagen, ich wundere mich die ganze Zeit auch schon. Wenn ich was über Land und Leute wissen möchte lese ich in einem Reiseführer nach, oder im Netz, oder schaue mir eine Doku an. Aber wenn ich auf einem Schiff bin will ich mich nicht in einen Saal setzen und jemand zuhören.

      Monschi wrote:

      wenn man möchte und gerade draußen nichts Wichtigeres ist.

      Draussen ist IMMER etwas Wichtiges - nämlich das Meer ;) Mit Wellen, mit Vögel, Fischen, anderen Schiffen - auf dem Meer gibt es immer was zu sehen. Das genoss ich so auf meiner Segelreise - den ganzen Tag an Deck und schauen - irgendwann sieht man eine Meereschildkröte, von der ich nie gedacht hätte sie nördlich von Spanien zu sichten. Und und und... 2x sechs Tage nur Meer - und keine Minute langweilig. Auch auf der Drakepassage war ich fast immer draussen, während andere sich Vorträge anhörten. Oder verschliefen (wie meine bessere Hälfte, wie ich aus gut unterrichteter Quelle erfuhr... :D )
      Jan 2009 FM ~ Jan 2010 NL ~ Jan 2011 FRAM (Antarctica) ~ Apr 2011 NN ~ Mrz 2012 LO ~ Jan 2013 LO (Alta) ~ Feb 2014 KH ~
      Jan 2016 LO ~ Feb 2018 LO

      Reiseberichte siehe Profil !


    • Bevor das hier ein Glaubenskrieg wird: es gibt Reiseziele, da gibt es kaum oder gar keine Reiseführer...
      Und allein wichtig ist doch nur, ob man sich wohl fühlt an Bord, die einen nur draußen, die anderen drinnen und draußen und andere machen etwas ganz anderes..
      BBe49